Schlagwort: Erdnuss

Neue Therapie bei Erdnussallergie

Vor Jahrzehnten schien die Behandlung der Nahrungsmittelallergien noch sehr schlicht: „Alles weglassen“. Im Falle der Erdnuss hieß das, dass allergische Kinder erst ab 12 Jahren Erdnüsse und Erdnussprodukte (peanut butter) essen sollten. Doch das Konzept hat sich inzwischen komplett gedreht. Heute gibt es schon Überlegungen, Kinder kurz nach der Geburt mit diesem kräftigen Allergen bekannt zu machen. Kinder mit massivem Risiko (sog. Hochrisikokinder) bekommen heute – noch unter experimentellen Bedingungen – Erdnuss in kleinsten Mengen angeboten, die schrittweise gesteigert werden. Dies erfolgt so langsam, dass der Körper die Erdnuss zwar bemerkt, aber nicht als fremd einschätzt. So hofft man für die betroffenen Kinder eine Toleranz zu erzielen. Die Toleranz soll verhindern, dass bei versehentlichem Kontakt mit dem Allergen ein schwerer allergischer Schock (Anaphylaxie) ausgelöst wird. Diese orale Immuntherapie (OIT) ist aber heute noch keine Option für Eltern mit allergischen Säuglingen. Es zeigt nur, dass eine Behandlung im Prinzip möglich ist. Leider ist es nicht ganz ungefährlich, so dass noch viel Forschung nötig sein wird bis eine unproblematische OIT für Nahrungsmittel gefunden ist.

Grundsätzlich gibt es die orale Immuntherapie schon recht lange. Bisher wird diese in Bezug auf Nahrungsmittel aber nur bei größeren Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen) eingesetzt. In englischer Sprache können Sie hier in einem Betrag der AAAAI (American Academy of Allergy, Asthma & Immunology) nachlesen, wie die OIT momentan zu bewerten ist.

Was inzwischen tatsächlich möglich ist ist eine Therapie für Kinder von 4 bis 17 Jahren. Die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) hat am 31. Januar 2020 Palforzia zugelassen. An der PALISADE-Studie, die zu dieser Zulassung führte haben in Nordamerika und Europa (u.a. auch die Charité in Berlin und die Universität Frankfurt) 551 Patienten teilgenommen. Damit gibt es erstmals eine standardisierte Immuntherapie gegen ein Nahrungsmittel. Bisher wurde die OIT immer von einem erfahrenen Allergologen auf dem Hintergrund seines Wissens und seiner Erfahrung durchgeführt. Jetzt ist diese Therapie also quasi ein Medikament geworden. Damit ist Palforzia mit einer Immuntherapie vergleichbar, die es bei Bienengift- oder Gräserpollen bereits gibt. Halt in diesem Fall gegen Erdnuss. Weitere Einzelheiten hierzu finden Sie in der Stellungnahme der FDA (in englischer Sprache).

Damit ist medizinisch ein großer Schritt gelungen. Vermutlich, wird sich das auch bald in der Presse so darstellen. Bei allem muss klar sein, dass dieses neue Produkt Palforzia aber eine Allergie gegen Erdnuss nicht heilen kann.

Was geht rum? 01. Februar 2020

Gut versteckt hinter den Coronaviren kommen die Influenzaviren fast unbemerkt daher. Ihre Ansteckung ist grösser, auch das Risiko daran zu versterben. Es scheint, als hätten wir uns zumindest medial schon an  die Grippewelle gewöhnt.

Konsultationsindex. Er zeigt, wie oft Menschen in Baden-Württemberg wegen Atemwegsinfektionen den Arzt aufsuchen Foto: AG Influenza

Die Daten für Deutschland zeigen, dass im Vergleich zu den letzten Jahren die Zahl der Grippekranken in diesem Jahr schon recht hoch liegt. Auch in Baden-Württemberg ist die Zahl der nachgewiesenen Grippefälle massiv nach oben geschnellt, parallel auch die Erkrankungen der Atemwege überhaupt, wie die Graphik gerade für die Kinder im Infektalter (hellgrün; 0-4 Jahre)  zeigt. Besonders betroffen sind die Städte um Stuttgart herum (Böblingen, Esslingen und Ludwigsburg). Auch hier gilt übrigens: aufs Händeschütteln verzichten und öfter mal die Hände waschen schützt.

Pollendaten für die Hasel an der Messstation Basel. Foto: pollenundallergie.ch

Sich gegen die Pollen zu schützen ist schon schwieriger. Das schafft am besten das Wetter wie die Graphik für den Oberrhein (Basel) deutlich macht. Der Pollenflug war in diesem Jahr sehr früh und sehr stark, aber die letzten 10 Tage war weniger los. Hohe Temperaturen am Wochenende und der Wind werden die Lage nun wieder ändern.

Nochmal zurück zu den Coronaviren. Täglich werden uns neue Zahlen über Neuerkrankungen und Todesfälle mitgeteilt. Die neuesten Informationen versuchen wir zeitnah in unseren Artikel im praxisblättle vom Montag einzuarbeiten. Es scheint, dass Kinder nicht sehr stark betroffen sind. Für Kinder in Baden-Württemberg dürfte das Risiko also trotz allem extrem gering sein.

Es gibt natürlich noch viele andere Krankheiten, die Kindern zusetzen. In „Konkurrenz“ zur Influenza gibt es Infektionen mit RSV (respiratory syncytial virus). Diese Erkrankung kommt immer wieder parallel zur Influenza vor. Bei einer RSV-Infektion kommt es meist zu Fieber um 38 – 39 Grad (also meist weniger als bei der Grippe), aber im Gegenzug zu mehr Beschwerden der Atemwege. Da insbesondere die kleinsten Bronchien („Bronchiolen“) betroffen sind, sind es Säuglinge und Kleinkinder, die besonders leiden müssen. Die Möglichkeiten von Medikamenten sind leider beschränkt, weswegen immer wieder stationäre Behandlungen erforderlich sind, um eine ausreichend Sauerstoff- und Flüssigkeitsversorgung sicherzustellen.

Die Größeren Kinder und Jugendliche sind regional von der Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber) häufiger betroffen. Diese Krankheit verläuft – wie auch die Infektion mit den Coronaviren – öfter asymptomatisch. Es gibt also Jugendliche, die die Krankheit durchmachen ohne es zu merken. Andere sind schwer krank. In einem Betrag des praxisblättle können Sie sich über Details informieren.

Seit gestern ist in den USA erstmals eine Therapie zur Abschwächung des Risikos einer  Anaphylaxie (schwerer allergischer Schock) zugelassen. Das Medikament heißt Palforzia und ist bei Erdnussallergie für Kinder und Jugendliche von 4 bis 17 Jahren zugelassen. Weitere Details finden Sie in englischer Sprache hier in einer Stellungnahme der Food and Drug Administration (FDA). In Kürze werden wir dieses Thema auch im praxisblättle behandeln. Auf deutsch. Nur so viel sei verraten: Die Zulassung ist wirklich ein großer Schritt für allergische Kinder und Jugendlich, aber zunächst nur für sehr wenige von ihnen.

Was geht in der Welt rum? Noch ist Afrika nicht von den Coronaviren betroffen. Wohl aber von Malaria, was für die Menschen dort extrem gefährlich ist. Bedingt durch die Regenzeit ist das beliebte Reiseziel Sansibar seit Monaten stark von der Malaria betroffen. Deswegen ist neben den allgemeinen Maßnahmen (Anwendung von DEET u.a.) eine Malariaprophylaxe wichtig.

Nuss-Allergien bei Kinder immer häufiger

Wenn das Thema Allergie es bis in die Schlagzeilen des Economist schafft, dann ist offensichtlich was los. The Economist ist eine sehr seriöse britische Wochenzeitung mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Politik. Es kommt also selten vor, dass sie sich um ein medizinisches Thema kümmert.

Entwicklung von Allergien gegen Nüsse im Kindesalter. LINKS Notaufnahmen in US-Kliniken wegen allergischer Reaktion RECHTS Darstellung der Häufigkeit von Erdnussallergien in Prozent des Geburtsjahrgangs. Foto: The Economist

Wie die Grafik (links) zeigt nehmen schwere allergische Reaktionen („Anaphylaxie„) gegen Nahrungsmittel wie Milch oder Ei in den USA seit etwa 15 Jahren nur langsam zu. Demgegenüber steigt die Zahl der Notfälle mit Atemnot und Hautschwellungen seit 10 Jahren für viele Nüsse dramatisch an.

Für Deutschland stellt sich die Situation – noch? – anders dar. Hier ist die Erdnuss nur teilweise im Ernährungsplan angekommen und die Allergien gegen dieses Allergen sind vergleichsweise gering, wenn man die Häufigkeiten mit denen der USA oder Israel vergleicht. Aber auch bei uns zeigt sich ein Trend zu häufigeren Allergien gegen Nuss-Allergene.

Fast zeitgleich kam von der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) ein Elternratgeber zu den Baumnussallergien heraus. Darin sind die momentan wichtigsten Informationen für Kinder und Jugendliche in Deutschland übersichtlich zusammengefasst.

Bald gibt es vielleicht neue Möglichkeiten der Behandlung. In den USA zeigte die Studie eines neuen Typs einer oralen Hyposensibilisierung, dass Betroffene bereits nach einer 6-monatigen Therapie mit AR101 (Palforzia©) – so heißt die Therapie – mehrheitlich 600 mg Erdnussallergen vertragen. Das sind immerhin zwei Nüsse pro Tag – eine ganze Menge für jemanden, der zuvor schon bei Geruch von Erdnuss erste Symptome durchmachte. In den USA erwartet man die Zulassung für Anfang kommenden Jahres.

Neue Wege in der Therapie von Nahrungsmittelallergien

Allergien gegenüber Nahrungsmitteln sind für Betroffene nicht nur lästig sondern vielfach auch gefährlich. Mit der Allergenverordnung (Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV)) hat sich der Alltag für allergische Kinder und Jugendliche – und deren Eltern ! – zum Besseren gewendet.

Abbildung 1. Prof. Dr. Hugh Sampson, New York.

Eine effektive Therapie einer Nahrungsmittelallergie ist aber immer noch ein Traum. Eine Forschergruppe um den weltweit anerkannten Experten Hugh Sampson aus New York hat einen weiteren Schritt gewagt. Sie untersuchten, ob ein Epikutan-Pflaster mit einer gewissen Menge an Erdnuss-Allergen zu einer höheren Toleranz für verzehrte Erdnüsse bei bekannten Erdnuss-Allergikern bringen würde. Sie untersuchten 221 Personen im Alter von 6-55 Jahren, die in vier Gruppen aufgeteilt entweder 50, 100 oder 250µg Erdnusseiweiß oder Placebo als Pflaster auf die Haut geklebt bekamen. Diese „Pflastertherapie“ wurde ein Jahr lang durchgeführt.

Es zeigte sich dass besonders Kinder im Alter von 6-11 Jahren positiv auf die Therapie ansprachen. Sie vertrugen zu über 50% nach einem Jahr Therapie entweder mehr als die 10-fache Allergendosis oder mehr als 1 Gramm Erdnussallergen. Dieser Effekt war bei Jugendlichen und Erwachsenen nicht nachweisbar.

Prof. Dr. Sampson – wie immer bescheiden zurückhaltend – fasst zusammen: „Wir fangen  gerade an die Bedeutung des Immunsystems der Haut zu ….. zu verstehen“. Schauen wir mal, ob sich dieser Weg als sinnvoll herausstellt und wir Nahrungsmittellallergien mit einem Pflaster behandeln können.

Nahrungsmittelallergie: Kann sie beim Kind verhindert werden?

Zugegeben, der im Folgenden erwähnte Artikel ist für einen Nichtmediziner keine leichte Kost. Deswegen sollen die wesentlichen Ergebnisse hier zusammengefasst werden.

Abbildung 1. GRADE. Der Versuch die Evidenz vorliegender Daten in aktive Empfehlungen umzusetzen. Foto: JACI in Practice

Die Autoren Paul J. Turner, Dianne E. Campbell, Robert J. Boyle und Michael E. Levin aus London, Sydney und Kapstadt haben sich die Mühe gemacht, die neuesten Erkenntnisse über Nahrungsmittelallergien in klare Empfehlungen für Patienten zusammenzufassen. Dabei haben die Autoren von den drei Kontinenten das Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation (GRADE) angewandt (schematisch in Abbildung 1 dargestellt)

Was ist günstig?

  • Einnahme von Fischöl in der Schwangerschaft. Dies senkt nachweislich das Risiko für die Entwicklung einer Allergie gegen Ei auf fast die Hälfte. Dies ist mit mässiger Sicherheit erweisen („moderate“).
  • Probiotika in der Ernährung des Säuglings können das Risiko für die Entwicklung einer Milcheiweißallergie senken. Die Belege hierfür werden als gering („low“) eingeschätzt.
  • Erste Einführung von Hühnerei in die Kost des Säuglings im 5. oder 6. Lebensmonat senkt das Risiko für eine Eiallergie fast auf die Hälfte („moderate“)
  • Erste Einführung von Erdnuss in die Kost des Säuglings im 5. – 12. Monat senkt das Risiko für eine Erdnussallergie fast auf ein Drittel („moderate“)

Wofür ist kein Nutzen gesichert?

  • Mütterliche Diät in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • Probiotika für die Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Vorbeugende Ernährung eines Säuglings mit hypoallergener Nahrung (partiell oder extensiv)
  • Prebiotika für den Säugling

Dies sind Empfehlungen aus den angloamerikanischen Ländern. Da unsere Ernährung in Bezug auf die Erdnuss eine andere ist, würde man in Deutschland eher nicht dazu neigen, bewusst die Erdnuss im Säuglingsalter anzubieten. Sollten in der Kost Spuren von Erdnuss enthalten sein, ist das andererseits aber auch nicht unbedingt ein Risiko.