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Was geht rum? 07. März 2020

Das Masernschutzgesetz ist eine Woche alt. Es betrifft viele Menschen. In erster Linie Eltern, deren Kinder im Kindergarten, Kindertagesstätte oder der Schule sind. Klare Informationen zum Nachweis des Impfschutzes finden Sie hier. Noch mehr betrifft diese Regelungen die Leitungen der jeweiligen Einrichtung. Für sie hier der Link zum Informationsblatt des Bundesministerium für Gesundheit.

Häufigkeit verschiedener Viren in Abstrichen, die dem RKI bis jetzt (KW 9, 2020) eingesandt wurden Quelle: AG Influenza

Wie weit hat sich das Coronavirus ausbreiten können? Inzwischen (gestern Abend 21:00) sind über 101.000 Menschen weltweit an COVID-19 erkrankt, davon 670 in Deutschland (keine Todesfälle). In Baden-Württemberg sind (Stand 06. März 2020) aktuell 96 Personen davon betroffen. Erkrankungen mit Influenza wurden im Ländle bis Ende Februar 17166 mal gemeldet. Die Grippewelle hält also weiter an und betrifft besonders Bayern und Baden-Württemberg.

Aus der Graphik oben wird deutlich, wie sich die Rhinoviren („Schnupfenvirus“) bis Weihnachten 2019 immer mehr zurückzogen und die Influenza-Viren zum Platzhirsch wurden. Die Karte links zeigt die hotspots (rot) für die Grippe in Deutschland. Kurz zusammengefasst: In der letzten Woche hat sich in Bezug auf die Infektionen im Land für die Kinder und Jugendlichen kaum etwas geändert.

Alle Kinderkrankheiten liegen mehr oder weniger im gleichen Rahmen wie vor einem Jahr. In der vergangenen Woche traten 37 Neuerkrankungen an Keuchhusten auf, davon alleine elf im Ortenaukreis.

Nach dem warmen Winter stellt sich auch die Frage: Wann legen die Birkenpollen los? Diese brauchen noch etwas Zeit und Wärme, um sich zu sammeln. Der viele Regen bremst auch die Kollegen der Erlen und Haseln aus. Noch können sich Allergiker also enspannt in die Natur begeben.

In Deutschland ist gerade für viele Pollenallergiker Montelukast (wie Singulair©) eine wichtige Arznei. Gut wirksam und einfach einzunehmen. Nun kommt von der amerikanischen Behörde für Arzneimittel FDA ein „boxed warning“. Wegen bekannter Zusammenhänge mit neuro-psychiatrischen Auffälligkeiten, sollte diese Arznei bei milden Symptomen eines allergischen Schnupfen nicht mehr eingesetzt werden. Weitere Details (in englischer Sprache) finden Sie hier.

Teil einer Tentakel von Physalia physalis. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? An den Stränden im Norden von Gran Canaria (Spanien) wurden in den letzten Wochen immer wieder Tentakeln der Portugiesischen Galeere Physalia physalis) gefunden. Die Tentakeln sollten bei Kontakt unbedingt in Salzwasser entfernt werden, am besten mit einem Hilfsmittel (wie hier im Bild mit einem Plastikmesser), so dass man sie seitlich abstreifen kann. Danach soll nach Meinung vieler Betroffener Backpulver auf der Haut verrieben werden. Damit so ein Vorgehen klappt, müssen alle diese Substanzen immer zum Strand mitgenommen werden.

 

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Genießen Sie, wenn Sie gesund sind, das kräftige Zwitschern der Vögel das in dieser Jahreszeit seinen Höhepunkt erreicht.

Neue Therapie bei Erdnussallergie

Vor Jahrzehnten schien die Behandlung der Nahrungsmittelallergien noch sehr schlicht: „Alles weglassen“. Im Falle der Erdnuss hieß das, dass allergische Kinder erst ab 12 Jahren Erdnüsse und Erdnussprodukte (peanut butter) essen sollten. Doch das Konzept hat sich inzwischen komplett gedreht. Heute gibt es schon Überlegungen, Kinder kurz nach der Geburt mit diesem kräftigen Allergen bekannt zu machen. Kinder mit massivem Risiko (sog. Hochrisikokinder) bekommen heute – noch unter experimentellen Bedingungen – Erdnuss in kleinsten Mengen angeboten, die schrittweise gesteigert werden. Dies erfolgt so langsam, dass der Körper die Erdnuss zwar bemerkt, aber nicht als fremd einschätzt. So hofft man für die betroffenen Kinder eine Toleranz zu erzielen. Die Toleranz soll verhindern, dass bei versehentlichem Kontakt mit dem Allergen ein schwerer allergischer Schock (Anaphylaxie) ausgelöst wird. Diese orale Immuntherapie (OIT) ist aber heute noch keine Option für Eltern mit allergischen Säuglingen. Es zeigt nur, dass eine Behandlung im Prinzip möglich ist. Leider ist es nicht ganz ungefährlich, so dass noch viel Forschung nötig sein wird bis eine unproblematische OIT für Nahrungsmittel gefunden ist.

Grundsätzlich gibt es die orale Immuntherapie schon recht lange. Bisher wird diese in Bezug auf Nahrungsmittel aber nur bei größeren Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen) eingesetzt. In englischer Sprache können Sie hier in einem Betrag der AAAAI (American Academy of Allergy, Asthma & Immunology) nachlesen, wie die OIT momentan zu bewerten ist.

Was inzwischen tatsächlich möglich ist ist eine Therapie für Kinder von 4 bis 17 Jahren. Die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) hat am 31. Januar 2020 Palforzia zugelassen. An der PALISADE-Studie, die zu dieser Zulassung führte haben in Nordamerika und Europa (u.a. auch die Charité in Berlin und die Universität Frankfurt) 551 Patienten teilgenommen. Damit gibt es erstmals eine standardisierte Immuntherapie gegen ein Nahrungsmittel. Bisher wurde die OIT immer von einem erfahrenen Allergologen auf dem Hintergrund seines Wissens und seiner Erfahrung durchgeführt. Jetzt ist diese Therapie also quasi ein Medikament geworden. Damit ist Palforzia mit einer Immuntherapie vergleichbar, die es bei Bienengift- oder Gräserpollen bereits gibt. Halt in diesem Fall gegen Erdnuss. Weitere Einzelheiten hierzu finden Sie in der Stellungnahme der FDA (in englischer Sprache).

Damit ist medizinisch ein großer Schritt gelungen. Vermutlich, wird sich das auch bald in der Presse so darstellen. Bei allem muss klar sein, dass dieses neue Produkt Palforzia aber eine Allergie gegen Erdnuss nicht heilen kann.