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Was geht rum? 28. März 2020

Während wir uns im Social Distancing üben, ist die Zahl der COVID-19-Kranken weltweit auf über eine halbe Million angestiegen. Auf den Straßen ist spürbar weniger los. Trotzdem bekommen die meisten Menschen kaum direkt mit, was das Coronavirus ausrichtet. Zahlen sind so abstrakt. Allein in Freiburg wurden am Donnerstag 50 Menschen wegen COVID-19 beatmet. Bei dieser hohen Zahl schwer Erkrankter verwundert nicht, dass Freiburg seit heute 5 Corona-Tote meldet. Und dass dort die Zahl der COVID-19-Erkrankten auf 141 – bezogen auf 100.000 Menschen – anstieg. Damit liegt die Breisgaumetropole aber noch deutlich hinter Tübingen (238), das mittlerweile Platz 4 unter den am meisten betroffenen Stadt- und Landkreisen in Deutschland einnimmt. Stark betroffen sind aber auch ländliche Kreise wie Sigmaringen (180) und ganz besonders der Hohenlohekreis mit 312 COVID-19-Fällen auf 100.000 Einwohner.

COVID-19-Fälle auf 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg (Stand: 27.03.2020). Je dunkler die Farbe, umso höher liegt die Zahl der Erkrankten. Der tiefblaue Kreis hat >250, die dunkelblauen >100 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Bei den hellen Kreisen sind es < 50 auf 100.000 Einwohner. Quelle: RKI

Ein deutscher Kinderarzt, der in Brescia in Italien arbeitet, hat gerade einen Bericht an die Kollegen in Deutschland versandt. Die gute Nachricht: Kinder sind selbst in Italien nur wenige erkrankt (etwa 300). Fast alle von ihnen nur leicht. Sie benötigen allenfalls Sauerstoff. Was aber die Erwachsenen betrifft ist die Situation erschreckend. Mauern niedergerissen um Sauerstoff-Leitungen zu verlegen, Klinik-Küchen werden zu Intensivstationen umgebaut und Pfleger, Schwestern und Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Auszubildende müssen voll mitarbeiten. Wartezimmer sind kahl, in den Ecken ein Stuhl. Sein Bericht endet: „Bereitet Euch also gut vor, es kommt schlimmer und schneller als ihr denkt!

Für Familien mit Kindern stellt sich die Frage, wie groß ist eigentlich das Risiko für meine Kinder? Laut RKI sind heute 42.288 Personen an COVID-19 erkrankt (27. März 2020, Daten des RKI). Davon sind 1143 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 -14 Jahren. Also 2.7% aller jetzt Erkrankten sind Kinder. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt aber fünf Mal höher (13.5%). Im Umkehrschluss zeigen die Daten, dass Kinder offensichtlich seltener an COVID-19 erkranken. Diese Tendenz wird auch durch erste Veröffentlichungen aus China bestätigt. So berichten Haiyan Qiu und Mitarbeiter über die Behandlung von 36 Kindern (Durchschnittsalter 8 Jahre), die alle nach 14 Tagen als geheilt aus der Klinik entlassen werden konnten. Eine andere Studie Lingkong Zeng und Mitarbeiter untersuchte Neugeborene, deren Mütter in der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren. Unter den 33 Neugeborenen erkrankte eines schwer. Letztlich wurden alle wieder gesund.

Sicher können auch Kinder als gesunde Überträger das Virus weitergeben. In welchem Umfang aber die Kinder zur Verbreitung von COVID-19 beitragen, das wissen wir eigentlich nicht so richtig. Für so eine wichtige Gruppe in unserer Gesellschaft wäre das aber dringend geboten. Insbesondere, weil die Isolierung von Kindern eine extreme Belastung für die Kinder selbst und die Familien darstellt.

Das Virus mag den sichtbaren Alltag verlangsamen, aber in Bezug auf die politischen Prozesse und ganz besonders die Digitalisierung ist SARS-CoV-2 ein Beschleuniger. Die Nutzung des Internets feiert fast täglich Rekorde. Die stärksten Nutzer sind Netflix, YouTube und Co. Sie machen über 60% des Datenvolumens aus. Damit es nicht zu Engpässen kommt, haben die Dienste die Übertragungsrate ihrer Produkte um 25% gedrosselt. Filme und Serien sind ab jetzt nur noch in SD-Format statt HD zu sehen.

Aber es gibt viele Alternativen zu den Medien. Was können Kinder unter den schwierigen Bedingungen in einer kleinen Wohnung noch tun? Hier ein paar Anregungen:

Bärlauch in unseren Wäldern. Ein wichtiges und würziges Wildkraut, das unsere Küche bereichert    Quelle: ptw

Außen-Aktivitäten

Familien (so sie in einem Haushalt leben) dürfen ganz offiziell gemeinsam nach draußen gehen.

  • In den nächst gelegenen Wald gehen und den Vögeln zuhören, die gerade jetzt sehr singfreudig sind. Sie als Eltern können die Vogelstimmen nicht unterscheiden? Gut, dann lernen auch Sie dazu. Zur Vorbereitung kann man sich hier auf der Seite des NABU darauf einstimmen. Vom NABU und anderen Anbietern (teilweise kostenpflichtig) gibt es diese Informationen auch als App.
  • Im Wald können die ersten Triebe von Pflanzen (Farne, Waldmeister u.a.) beobachtet werden.
  • Im Wald Bärlauch ernten, um die eigene Küche mit diesem Wildkraut zu bereichern. Anfänger sollten sich zuvor über die Unterscheidung zu Maiglöckchen informieren. Deren Blätter sind nämlich giftig, aber recht einfach zu unterscheiden. 
  • Oder: Der Wald ist voller Material, das zu Hause kreativ für ein Kunstwerk eingesetzt werden kann – ob Holzstücke, Äste, Blätter oder Eicheln. Die Phantasie liegt nicht rum, aber sie schlummert in uns.
  • Steine gibt es überall. Unbeachtet, haben sie teilweise eine wunderbare Schönheit. Einfach mal anfangen und mit einem Vergrößerungsglas oder einer Lupe zuhause anschauen.
  • Enten füttern mit den Kleinen.

Spiele spielen Quelle: ptw

Innen-Aktivitäten

Kinder und Jugendliche spielen gerne.

  • Mensch-ärgere-Dich-nicht. Irgendwo wird es noch herumliegen. Das spielen alle gern. Und später kommen je nach Alter Spiele wie Uno, skip-bo oder Quirkle dran. 
  • Collagen basteln – beispielsweise mit Materialien aus dem Wald.
  • Auf einer alten Matratze rumhüpfen. Oder im Garten auf einem Trampolin. Das sollte vor der ersten Nutzung in diesem Jahr kontrolliert werden: Sind die Federn korrekt eingehängt und gespannt? Ist die Sprungmatte ohne Risse?
  • ein Puzzle zusammensetzen.
  • Pustebilder, sehr lustig (nicht immer für Eltern, wenn’s zu wild wird). Einen Klecks Wasserfarbe aufs Papier geben. Dann die Farbe mit Hilfe eines Strohhalms auf dem Papier verpusten. 

Von Tag zu Tag verstehen wir das SARS-CoV-2 besser. Eine kürzlich in Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie aus Hongkong zeigt zwei Erkenntnisse. Zum einen bildet der Körper bereits 10 Tage nach Auftreten der Krankheit spezifische Antikörper aus, die vermutlich vor weiteren Infektionen schützen. Damit lässt sich künftig eine durchgemachte Krankheit im Blut nachweisen. Zumindest für Forschungszwecke. Zum anderen kann die Ausscheidung von Viren bis zu 20 Tagen dauern. Die Genesung von dieser Krankheit kann also dauern.

Einige Familien können durch das Coronavirus in wirtschaftliche Nöte kommen. Sie sollten sich informieren, ob ihnen ein Kinderzuschlag zusteht. Dazu gibt es Anhaltspunkte:

  • Wer kein Arbeitslosengeld II bezieht und wenig verdient kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld erhalten.
  • Möglich sind bis zu 185 Euro je Kind monatlich (bezahlt durch die Familienkasse)
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem monatlichen Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro. Mit steigendem Einkommen sinkt der Zuschlag.
  • Sollte der Verdient durch die Corona-Krise kurzfristig niedriger sein, kann ein Anspruch auf einen Notfall-Kinderzuschlag bestehen. 

Ob tatsächlich ein Anspruch besteht, kann man beim KiZ-Lotze der Bundesagentur für Arbeit prüfen. Der Antrag kann hier online gestellt werden.

Belastung durch Birkenpollen in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Am Oberrhein ist die Birkenpollensaison eröffnet. Abhängig von der Wärme bewegten sich die Konzentrationen in der letzten Woche zwischen schwach und extrem stark. An diesem Wochenende mit den frühlingshaften Temperaturen dürfte wieder ein sehr starker Pollenflug zu erwarten sein.

Was geht in der Welt rum? Im Moment beherrscht das Coronavirus die ganze Welt. Bislang scheint Afrika weitgehend ausgenommen. Das könnte daran liegen, dass das warme Klima das Virus ebenso ausbremst wie bei uns sonst die Influenza (Grippe). Es gibt einige Forscher, die das vermuten. Es könnte aber auch sein, dass in den armen Ländern keine Ressourcen bestehen um nach dem Virus zu fahnden. Auffällig ist jedenfalls, dass die gut entwickelten Staaten Südafrika, Ägypten und Algerien die höchsten Erkrankungszahlen melden, während am anderen Ende Süd Sudan, Burundi und Eritrea liegen, die alle zu den Ärmsten der Region gehören. Von Reisen dorthin ist trotz der niedrigen oder fehlenden Erkrankungen abzuraten.

Heute fasst es Lorenz Maroldt vom Berliner Tagesspiegel Checkpoint treffend zusammen: „Corona ist eine Prüfung, ein Überfall auf die Welt. Aber anders als andere Generationen zuvor müssten die Menschen heute nicht einmal kämpfen, um den Angreifer abzuwehren. Sie müssten ihm nur aus dem Weg gehen, ihm ausweichen, anstrengungslos. Der beste Platz dafür ist das Sofa. Es ist so leicht, so absurd – aber vielleicht gerade deshalb so schwer zu verstehen.“  

Ich wünsche Ihnen eine anhaltend gute Gesundheit und weiterhin Gelassenheit, die täglich neuen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Gemeinsam – mit der Familie und Ihren Freunden – werden Sie stärker. Gerade in der Krise. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 07. Dezember 2019

Infekte der Atemwege sind weiter im Umlauf. Gemessen an der Jahreszeit und den Wetterbedingungen sind es aber erstaunlich wenige. Und es gibt keine, die sich besonders hervortun.

Hingegen nimmt die Zahl der Magen-Darm-Infekte leicht zu. Auch in der letzten Woche traten gehäuft Infektionen mit Noro- und Rotaviren in einzelnen Kindergärten auf.

Die Windpocken zirkulieren weiterhin in Ravensburg. Das ist bei einer Inkubationszeit von zwei Wochen nicht weiter verwunderlich. Hinzu kommt, dass die Ansteckung bereits beginnt, bevor der Ausschlag auftritt. Wer sich nochmals kurz informieren will, findet hier weitere Einzelheiten.  Inzwischen hat sich Freiburg zu einem weiteren Zentrum für Windpocken entwickelt.

Was geht in der Welt rum? In Neuseeland gibt es einen Ausbruch an Masern. Die bei weitem meisten Erkrankungen werden aus Auckland gemeldet: 1708 innerhalb von sechs Monaten. Einige tausend Kilometer nördlich im Pazifik liegt die Südseeinsel Samoa. Von dort sind in den letzten sechs Wochen 3880 Neuerkrankungen gemeldet worden. 55 Menschen sind an den Masern verstorben. Zur Begrenzung haben die Behörden die Gesundheitsnotstand ausgerufen und die Universität, alle Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Vor einer Reise in die Region sollte der eigene Impfschutz überprüft und die aktuellen Einreisebestimmungen im Internet abgerufen werden.

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!