Schlagwort: FSME

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Studienzentren in Europa, die an der COVID-19/POLLEN-Studie teilgenommen haben. Quelle: A. Damialis et al, 2021

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

Was geht rum? 06. März 2021

Fact Sheet: Was wissen wir inzwischen über die Coronainfektion?

Coronaimpfungen: Was können sie leisten? 

Schulöffnungen: Wie breitet sich das Coronavirus aus?

Aktuell: Pollen + Hantavirus + Zecken

Vor einem Jahr wurde es für mich plötzlich ganz hektisch. Am 11. März sollte der Kongress der amerikanischen Allergologen in Philadelphia beginnen. Zwei Tage zuvor trudelte die Absage ein. Hektisch blieb auch der Alltag für viele Menschen seither, hektisch aber auch die Versuche der Politik, die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus umzusetzen. Dass einzelne Läden nun weiter öffnen dürfen ist verständlich. Warum aber KiTas und Schulen nicht schneller zum kontrollierten Normalbetrieb wechseln, bleibt unverständlich. Das sollte weiter die wichtigste Maßnahme sein.

Nach einem Jahr liegen bereits gute Informationen über COVID-19, die Coronainfektion, vor. Eine ganz hervorragende Publikation kommt von der European Respiratory Society (ERS), der europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen. In ihren Fact Sheet (in Deutsch) ist das aktuelle Wissen verständlich zusammengefasst. Wenn Sie andere Sprachen sprechen: Hier ist die Möglichkeit zwischen den Fact Sheets von 22 Sprachen fündig zu werden.

Impfungen gegen das SARS-CoV-2 wirken gut, das ist bekannt. Wie gut, zeigt eine Studie von Noa Dogan und KollegInnen vom Clalit Research Institute aus Israel betreffend den BioNTech/ Pfizer-Impfstoff. Dort wurde die Effektivität des Impfstoffs nach der ersten bzw. zweiten Dosis bei hast 600.000 Menschen im Rahmen der Impfkampagne überprüft. Bereits 14-20 Tage nach der ersten Dosis trat ein Schutz vor jeglicher Infektion bei 47% ein, der Schutz vor einer Klinikbehandlung lag bei 74%. Deutlich besser waren die Schutzraten dann 7 Tage nach der zweiten Impfung: Dann waren 92% vor jeglicher Infektion geschützt und das Risiko der Geimpften wegen COVID-19 stationär behandelt zu werden war um 86% verringert. Am wichtigsten ist, dass 92% aller schweren Verläufe verhindert wurden. Resultat: Ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland haben wir schon seit 2 Monaten einen Impfstoff von höchster Qualität. Dass wir im Gerechtigkeitswahn die Verteilung der Impfung nicht zügig umsetzen können, ist eine beschämende Nebenwirkung.

Neun Corona-Cluster (A-I) in einer Schule. BLAU Index-Fälle, also die Personen, von den die Krankheit weitergegeben wurde; SCHWARZ Fälle, die die Schule betreffen. Quelle: CDC

Schulen sind wieder offen, aber nicht so richtig. Klar ist, Schulen können in der Pandemie keine infektionsfreien Räume sein. Das zeigt auch eine Studie (in Englisch) von Jeremy AW Gold und Mitarbeiter, die kürzlich von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Sie macht insbesondere die wichtige Rolle von Lehrern bei der Verbreitung des Virus deutlich. Und weil das so ist und sich in der Schule Menschen aus Hunderten von Haushalten treffen, sind engmaschige Kontrollen wichtig. Wie das gehen könnte, zeigt das TRACE-Modell. Im Zentrum stehen hier die Schnellteste. Was ebenso wichtig ist, sind die Impfungen der Lehrer. Für Schüler unter 16 Jahren steht diese Möglichkeit bislang ja nicht zur Verfügung. Antigentests zur Eigenanwendung (kurz Selbsttests) sind eine weitere Möglichkeit, um noch schneller infektiöse Personen zu erfassen. Vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene Tests finden Sie hier. In den kommenden Tagen sollen diese Selbsttests in Supermärkten verfügbar sein. ALDI beginnt schon heute mit dem Verkauf, der Preis soll für 5 Tests 24,99 Euro betragen (inzwischen bereits ausverkauft!; Online auch bei LILD für 21,99 Euro, momentan ebenso ausverkauft). Wie bei allen Schnelltests, ist auch dieser recht zuverlässig um Infizierte zu erkennen (gute Aussage für positive Tests – sog. Sensitivität). Die  negativen Testergebnisse (Spezifität) sind andererseits sehr ungenau.

Die Pollen von Hasel und Erle fliegen überall im Lande. Ihre Konzentration wird in den höheren Lagen eher zunehmen. Eltern allergischer Kinder sollten eine ärztlich verordnete Dauertherapie fortsetzen, auch wenn vereinzelt Schneeflocken zu sehen sind und die Symptome mal geringer ausfallen. Das Tragen von Masken ist übrigens auch zum Schutz vor Pollen sehr sinnvoll. Sowohl die FFP2-Masken wie auch die chirurgischen Masken sind hierbei wirksam. Feuchte Masken helfen hingegen nicht. Wer nießen musste, sollte seine Maske also wechseln. Damit das nicht so oft nötig wird, sind antiallergische Medikamente als Basistherapie weiterhin sinnvoll. Auch Kleinkinder können ohne Einschränkung Maske tragen, wie eine italienische Untersuchung bestätigt.

Hantavirus-Infektionen nehmen seit wenigen Wochen in Baden-Württemberg stark zu. Bislang kam es zu 81 Erkrankungen. Alleine in der letzten Woche waren es 13 – ebenso viele wie im gesamten Vorjahreszeitraum. Die Übertragung erfolgt durch Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) von Rötelmäusen oder auch Maulwürfen, sei es durch Inhalation (Aerosol in staubigen Scheunen) oder seltener auch durch kleine Hautverletzungen. Es erkranken vorwiegend Männer, sehr selten auch Kinder. Sicherheitshalber sollten Kinder trotzdem nicht dabei sein, wenn Speicher oder Gartenhäuser ausgeräumt werden.

Weiterhin spielen Infektionen (außer durch SARS-VoV-2) für Kinder und jugendliche kaum eine Rolle. Ein einziger Fall von Keuchhusten in Waldshut, 50 Erkrankungen an Windpocken (etwa die Hälfte des „Üblichen“). Aber die Zecken im Ländle warten schon. Nach Aufenthalt draußen, sollten Eltern ihre Kinder am Abend auf die kleinen Spinnentiere hin untersuchen. Und sich bereits jetzt überlegen, ob sie eine Impfung ihrer Kinder (und von sich selbst?) gegen FSME möchten. Eine Impfung ist jederzeit möglich, aber halt immer am wirkungsvollsten, bevor sich die Zecken auf Tour begeben. Keine Panik wenn die erste Zecke auf der Haut Ihrer Kinder krabbeln: Wie Sie Zecken sanft entfernen können, lesen Sie hier.

Was geht in der Welt rum? Neben den verschiedenen regionalen Ausbrüchen des Dengue-Fiebers fällt diese Woche eine Nachricht besonders auf: Salvador ist malaria-frei. Vor zwei Jahren konnten Algerien und Argentinien dies ebenso vermelden, wie 2015 das Traumziel deutscher Touristen, die Malediven. Eine kleine Freude, auch wenn unsere Reiseziele erstmals nahe an unserer Haustüre bleiben werden.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 24. Oktober 2020

Jedes Jahr gehört eine bunte Diskussion über den Sinn einer Impfung gegen Influenza (Grippeimpfung) ebenso zum Herbst wie die farbenfrohen Blätter. Da ist es gut, wenn das RKI schon vorab einige Daten veröffentlicht, die diese Diskussion versachlichen können.

Wirksamkeit der Impfung gegen Influenza. Quelle: Epidemiologisches Bulletin 45 des RKI

Die Tabelle des RKI links fasst die Informationen kurz zusammen. Darin ist die Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe ab der Saison 2012/2013 bis zur letzten Saison sowohl für das Influenza-Virus Typ A (zwei Subtypen) und das Influenza-Virus Typ B aufgeführt. Demnach lag die Wirksamkeit in letzten Winter – also von Januar bis März 2020 – bei 61-73% und damit günstiger als in den Jahren zuvor. Ein guter Grund, die Grippe-Impfung auch dieses Jahr wahrzunehmen. Ohne Gewissheit auf Erfolg. Es gab allerdings auch Jahre, in denen die Impfung wenig wirksam war wie 2016/2017. Übrigens: Grippeimpfungen sind auch für Kinder ab 6 Monate sinnvoll und empfohlen.

In jedem Fall wären wir sehr glücklich, gäbe es eine solche Impfung bereits für das SARS-CoV-2. Immerhin sind die Aussichten besser geworden. So präzisierte die für die Zulassung von Impfstoffen in den USA zuständige FDA die Bedingungen für eine Notfallgenehmigung (Emergency Use Authorization) für COVID-19-Impfstoffe. Darin verlangt sie beispielsweise eine Nachbeobachtung nach der letzten Impfung von mindestens 2 Monaten. Die Firmen Moderna (USA) und BioNtech (Mainz) könnten, wenn die Tests weiterhin gut laufen, Ende November den Antrag stellen. Das wäre eine sensationell schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Vor einer Woche hat es Prof. Dr. Christian Drosten nochmals erwähnt: Das Cluster-Kontakt-Tagebuch. Er empfiehlt, dass jeder am Abend kurz notiert, in welcher Situation am Tag sie/er sich etwas unwohl fühlte, weil sie/er mit vielen Menschen zu eng zusammen war. Damit erzielt man zwei Effekte:

  1. Sollte man tatsächlich erkranken, kann man mit der Hilfe dieses Tagebuches die Quelle der Infektion, also das Quell-Cluster erkennen. Das würde den Ermittlern im Gesundheitsamt helfen, viele andere Personen zu identifizieren und dieses Quelle des Virus auszuschalten.
  2. Gleichzeitig sensibilisiert so ein Tagebuch „mich selbst“: Es wird mir klar, in welche heiklen infektiösen Milieus ich mich begebe. Und vielleicht schaffe ich das, dies künftig zu vermeiden. 

Jugendliche und junge Erwachsene haben’s nicht leicht im Moment. Sich mit Freunden treffen und Party machen ist Teil ihres Lebens. Das ist heute nicht anders als früher. Sie setzen sich von den Eltern ab, finden unter ihren Altersgenossen ihre neuen Freunde. So entwickeln sie einen Lebensplan, probieren manches aus, auch nicht immer nur harmloses. Und junge Menschen  finden Freundschaften, oft auch die große Liebe. Jetzt kommt Corona und kaum mehr etwas ist so richtig erlaubt. „Weißt Du noch, als wir damals …..“, das höre ich von vielen alten Leuten. „Auch wir waren keine Engel“ sagen sie. Die gleichen Leute verlangen aber von den Jungen den totalen Verzicht. Jetzt echt? Sie als Eltern sind noch nicht lange von den chaotischen Zeiten der Jugend entfernt. Sie können besser verstehen, warum diese Party machen. Ich meine, Corona trifft die Menschen in den ersten 3 Lebensjahrzehnten mehr als andere. Nicht als Todesfall, aber als Verlust von Unbeschwertheit und Lebenslust. Wie denken Eltern mit jugendlichen Kindern darüber?

Satellit im All Quelle: NASA

Gute Nachrichten gibt es auch. Die neueste Analyse der Satelliten-Daten der NASA ergab, dass im Jahre 2019 die Umweltverschmutzung mit Schwefeldioxid (SO2) weltweit um 6% zurückgegangen ist. Die Forscher nehmen an, dass die Kohlekraftwerke in Indien, China und Russland weniger zum Einsatz kamen als in den Jahren zuvor. Ein zarter Lichtschimmer für eine bessere Umwelt für unsere Kinder.

Mit den üblichen Schnupfenviren verabschieden sich die Schüler im Ländle in die Herbstferien. Vereinzelt tritt Krupphusten auf sowie bei den Kleinkinder obstruktive Bronchitis. Durchfall gibt es allenfalls als Begleitreaktion dieser Infekte und ganz selten infolge von Salmonellen. In der gesamten Woche trat kein einziger Fall von Rotavirusinfektion auf. Nicht erstaunlich. Im ganze Jahr ist die Häufigkeit dieser sonst typischen Infektion bei Kindern fast auf ein Fünftel gefallen.

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Traumhafte Schweiz. Quelle ptw

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Baden-Württemberg haben den Sommer genutzt und einen Tagestrip in die Schweiz unternommen. In Erinnerung sind herrliche Landschaften und grauselige Preise in den Spunten- pardon Restaurants. Gleichzeitig lauerte im Land der Eidgenossen auch die FSME. Bis Mitte Oktober wurden 428 Infektionen mit dem Zeckenvirus festgestellt. Im Ländle waren es zur gleichen Zeit 336 – trotz 3 Millionen mehr Einwohner.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Ferienwoche mit Ihren Kindern, Ihr

Was geht rum? 05. September 2020

Im September kommt jedes Jahr der erste Impfstoff gegen Influenza (Grippeimpfstoff) auf den Markt. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Sicherheit der Impfstoffe steht, hat vor wenigen Tagen 13,6 Millionen Impfdosen freigegeben. Schon äußern sich erst Stimmen zu diesem Thema. Gesundheitsminister Spahn rät zur Grippeimpfung auch bei Kindern, es sei  genügend Impfstoff da.

In diesen Tagen sind unsere Kinder so gesund wie noch selten. Das hängt mit der Jahreszeit zusammen. Und mit dem Abstand, den Hygieneregeln und dem Mund-Nasen-Schutz – kurz, den AHA-Regeln. Die schützen nicht nur vor dem Coronavirus, sondern vor vielen anderen Erregern ebenso. Der September ist also günstig, um sich und seine Kinder für schwierige Zeiten zu rüsten. Das heißt in in diesem Fall, an die Impfungen zu denken. Drei Aspekte sind besonders interessant:

Erstens. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, MMR-Impfung. Die AHA-Regeln haben dazu geführt, dass über vier Monate in Baden-Württemberg keine einzige Masern-Infektion auftrat. Das wird sich ändern, wenn wir näher beieinander sein werden, wie in der Schule oder der Kita. Also unbedingt jetzt nachsehen, ob Ihre Kinder zweimal gegen MMR oder noch besser MMRV (mit Varizellen = Windpocken) geimpft sind.

Zweitens. Der Schutz gegen Keuchhusten hält immer nur wenige Jahre, muss also mehrfach aufgefrischt werden. Vor der Einschulung, wenn Kinder bald mit neuen Klassenkameraden zusammen kommen, macht es Sinn den Schutz zu erneuern, zusammen mit Tetanus und Diphtherie als sog. TdaP. Auch der Keuchhusten wird wieder vermehrt auftreten, wenn der reguläre Schulbetrieb startet. Und den wünschen sich alle.

Drittens. Jetzt sind wir wieder bei der Grippeimpfung. Alle denken dann an die Risikogruppen und meinen die über 60-Jährigen, die unbedingt geimpft sein sollten. Die tun sie aber nur zu etwa 35%, wobei über die letzten 10 Jahre diese Quote sogar weiter absank. Ebenso sollte man auch an die Kinder denken, die alle von dieser Impfung profitieren und damit – nebenbei – auch die älteren Menschen wie Oma und Opa schützen. In Baden-Württemberg ist die Grippeimpfung ab dem 6. Lebensmonat empfohlen (Sozialministerium), so wie es die WHO empfiehlt. Der wohl beste Zeitpunkt für diese Impfung ist im Laufe des November. Damit reicht der optimale Schutz bis in den März des folgenden Jahres hinein.

Nein, im Moment blühen keine Krokusse. Es sind die zarten Blüten der Herbstzeitlose, die wir sehen. Leider giftig! Quelle: ptw

Neben vereinzelten harmlosen Atemwegsinfekten gibt es nur wenige bedeutsame Infektionen. Im ganzen Ländle erkrankten in dieser Woche drei Personen an Keuchhusten, keine an Masern. Die FSME ist trotz der zuletzt kühlen Temperaturen noch mit neun Neuerkrankungen vertreten. Mit insgesamt 294 FSME-Fällen in diesem Jahr sind die Zahlen mehr als doppelt so hoch. Im letzten Jahr waren es Anfang September noch 140 Menschen, die infiziert worden waren.

Das sommerliche Wetter dieser Tage führt doch noch einmal zu einem spürbaren Pollenflug: Spitzwegerich und Ambrosia. Für beide sind Allergien bei Kindern und Jugendlichen aber eher selten. Gleiches gilt auch für die Belastung mit Schimmelpilzsporen, die sich in den nächsten 2 Tagen verstärkt in die Lüfte schwingen dürften.

Was geht in der Welt rum? Urlaube in fernen Ländern finden im Moment kaum statt. Viele Familien aus Baden-Württemberg besuchen jedoch Österreich und die Schweiz. Und auch dort begegnen sie den Zecken. In unserem beschaulichen Nachbarland ist die Zahl der an FSME Erkrankten auf inzwischen 380 Personen (Ende August) angestiegen. Damit liegt sie bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich höher als in Baden-Württemberg. Beim Wandern also trotz aller Idylle den kleinen Feind Zecke nicht vergessen.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende zwischen sommerlicher Hitze und herbstlichen Morgenstimmungen.

Ihr

Was geht rum? 01. August 2020

Es scheint, dass Party und Panik den neuen Umgang mit dem Coronavirus bestimmen. Beides ist nicht zielführend. Für Sie als Eltern ist wichtig, dass nach heutigem Stand kein besonderes Risiko von Kindergärten oder Schulen für Ihre Kinder ausgeht. Die überwiegende Zahl von erkrankten Schülern haben die Infektion durch eine Ansteckung von außen in die Schule hinein getragen. So kam es laut Landesgesundheitsamt seit Beginn der zu 78 Corona-Infektion bei Schülern. Durch die akribische Arbeit der Gesundheitsämter („Ermittlung von Kontaktpersonen“) konnten echte Ausbrüche in Schulen verhindert werden.

Abstand und Maske. Das ist kurz und knapp, was uns vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Eine neue Untersuchung zeigt, dass selbstgenähte Masken gewisse Anforderungen erfüllen sollten: Am besten sollten sie aus 2 Lagen Stoff bestehen. In ruhigen Situationen (wie Gesprächen) gibt eine einfache und einlagige Maske durchaus einen spürbaren Effekt. Aber spätestens beim Niesen und Husten ist nur die 2-lagige Maske in der Lage, die Tröpfchen-Verbreitung aufzuhalten. Es lohnt sich, die Original-Publikation von Paatrek Bahl und Mitarbeitern aus Sydney (Australien) wegen der graphischen Darstellungen anzusehen.

Die Juli-Infektwelle mit Schnupfen in Kindergärten und Schulen scheint abzuebben. Mit den Ferien gibt es weniger Chancen sich anzustecken. Auch bei den Kinderkrankheiten kommen seit Wochen fast nur gute Nachrichten. Der Keuchhusten kommt spürbar seltener vor als im letzten Jahr. Grund hierfür dürften die AHA – Regeln ( Abstand + Hygiene + Alltagsmaske) sein. An diese Regeln sollten wir uns weiter konsequent halten.

Neuerkrankungen an FSME in Baden-Württemberg. Die blauen Säulen geben die Fälle pro Kalenderwoche wieder. Die hellblaue Fläche gibt die maximalen und minimalen Fallzahlen der letzten 10 Jahre an. Quelle: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Besorgniserregend sind die Erkrankungszahlen bei der FSME: Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Sie erreichen in einem Ost-West-Gürtel vom Landkreis Ravensburg bis in den mittleren Schwarzwald sehr hohe Neuinfektionen mit bis zu 14 pro 100.000 Einwohner. Auch wenn dies Kinder weniger betrifft als Erwachsene, sollte mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt überlegt werden, ob eine Impfung regional wichtig ist. Empfohlen ist sie für das Land-Baden-Württemberg ohnehin (ab dem Alter von 1 Jahr).

Für Pollenallergiker gibt es keine neuen Nachrichten. Pollen fliegen weiterhin. In höheren Lagen herrschen die Gräserpollen vor, in tieferen fliegen Spitzwegerich und inzwischen auch Beifußpollen. Besondere Änderungen sind über die nächste Woche nicht zu erwarten

Was geht in der Welt rum? In den letzten Wochen trat das West-Nil-Fieber in Rumänien und in Griechenland auf. Das Virus kommt über Zugvögel aus den Tropen nach Europa und betrifft viele Länder, wie die Karte des ECDC zeigt. Die Übertragung erfolgt über infizierte Stechmücken – selten – auch auf den Menschen. Beim Menschen tritt in 20% nach einer Infektion eine grippeähnliche Erkrankung auf. In Deutschland kam es erstmals im letzten Jahr zu einer West-Nil-Infektion. Eine Impfung gibt es nicht, im Zentrum steht der Mückenschutz.

Für alle, die sich auf Reisen möchte ich hier nochmal die Einreisebestimmungen und Corona-Regeln für die Europäische Union zur Lektüre empfehlen. Auf diesem Terrain ändern sich manche Dinge täglich. Es lohnt sich also, mehrfach vor dem Urlaub nachzusehen.

Ich wünsche Ihnen ein schattiges Sommer-Wochenende und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

Impfung gegen Mücken

Da könnte noch mancher Impfgegner schwach werden: Eine Impfung gegen Mückenstiche. Aber wie soll das gehen? Und was können wir davon erwarten?

Über Impfungen gibt es in Zeiten des Coronavirus tägliche Informationen. Aber die Impfungen, von den wir hören, sind sämtlich gegen einen einzigen Erreger gerichtet: Impfung gegen Gelbfieber, gegen Malaria (bisher erfolglos), gegen FSME. Jetzt haben Forscher um Jessica E. Manning vom National Institute of Health (NIH) in Bethesda (USA) erste Untersuchungen mit einem Impfstoff durchgeführt, der sich gegen die Speichelsekrete des übertragenden Insekts richtet.

Die Idee dabei ist genial. Wir bekämpfen nicht mehr jeden einzigen Erreger. Denn davon gibt es viele in Mücken, die diese Erreger übertragen: Malaria, Dengue, Gelbfieber, Chikungunya, Zika, Japan-Encephalitis, West Nil-Fieber. Wenn es gelingen könnte, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Stechmücken zu entwickeln, könnte im Idealfall die Übertragung von Krankheiten beim Mückenstich verhindert werden. Immerhin werden weltweit 17% aller Infektionen durch Vektoren wie Mücken oder Zecken übertragen. Und diese führen jährlich zu über 700.000 Todesfällen.

In Tierexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Eine Impfung gegen die Eiweiße (Proteine) im Speichel der Insekten war erfolgreich um Krankheiten zu verhindern, die durch das Insekt übertragen werden. Diese Studie an Menschen zeigte nun, dass die Anwendung des Impfstoffes gut vertragen wurde und dass nach einem Insektenstich eine Immunantwort ausgelöst wurde. Genau das war die Fragestellung dieser „Phase-1-Studie“ – vergleichbar mit den Phase-1-Studien bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus, wie sie von den Formen curevac in Tübingen und BionTech in Mainz gerade durchgeführt werden.

Wie wir diese Studie sehen: Es ist ein spannender Ansatz, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Moskitos durchzuführen. Sollte sich bei den kommenden Studien auch beim Menschen zeigen, dass damit die Übertragung von Krankheiten (wie Malaria, Gelbfieber, West-Nil-Fieber) verhindert werden kann, wäre das genial und Nobelpreis-verdächtig. Der Schritt zu einem Impfstoff gegen den Speichel von Zecken wäre dann nicht mehr weit. Und wenn dieser erfolgreich wäre, hätten Kinder und Erwachsene eine Schutz gegen FSME und Borreliose.  Gleichzeitig. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik.

Was geht rum? 27. Juni 2020

Die Zecken freuen sich über die guten Lebensbedingungen. Ob es die Feuchtigkeit ist, die ihnen so gefällt, oder mehr Rehe in den Wäldern oder der recht milde Winter – wir wissen es nicht. Sicher ist nur, Scharen von Zecken sind unterwegs.

Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen nach Monat    Quelle: Epidemiologisches Bulletin, 2020

Hinzu kommt, dass wir Menschen bei angenehmeren Temperaturen eher nach draußen gehen. Und direkt vor unserer Haustüre treffen wir die kleinen Spinnentiere an. Denn diese kommen immer häufiger in unseren Gärten vor, wie die Forscherin Prof. Dr. Mackenstedt von der Universität Hohenheim betont: „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere.“ Und diese führen fast ganzjährig zur FSME, wie die Graphik zeigt. Übrigens, in Baden-Württemberg haben sich in der letzten Woche 18 Personen neu mit FSME infiziert. Aufs Jahr gesehen sind es bisher 76 Fälle, in 2019 waren es zur gleichen Zeit 49 Erkrankungen. Impfung in Erwägung ziehen.

Über die viel häufigere Borreliose gibt es leider keine verlässlichen Zahlen in Deutschland. Es wird vermutet, dass von 1000 Menschen jedes Jahr einer eine Borreliose durchmacht. Für die Borreliose gibt es bekanntermaßen keine Impfung, aber sehr wirkungsvolle Antibiotika.

Zur Vorbeugung von Zeckenstichen bieten sich für Kinder und Erwachsene Repellentien an. Einzelne werden als Anti-Zecken-Mittel angeboten, andere als Mückenschutz. Wirkstoffe sind DEET und Icaridin. Dazu gibt es auf dem Markt viele Hersteller. Eine gute Übersicht zeigt der Test der Stiftung WARENTEST vom Mai 2017 oder unser Beitrag über Insektenschutzmittel im praxisblättle. Ganz wichtig bleibt, die Kinder (und sich selbst) jeden Abend auf Zecken zu untersuchen. Täglich.

Pollenkonzentrationen der Gräser in Basel. Die graue Fläche zeigt den langjährigen Verlauf, die Balken den Pollenflug in diesem Jahr Quelle: pollenundallergie.ch

Die Gräserpollen scheinen andererseits in diesem Jahr gnädiger zu sein. Am Oberrhein liegen die Pollenkonzentrationen in diesem Jahr spürbar niedriger als sonst. Jahreszeitlich ist damit zu rechnen, dass die Belastung in den kommenden Wochen weiter abnimmt. Die schlimmste Zeit mit den Gräserpollen ist vorbei.

Ozonbelastung für Kehl am 26.06.2020 Quelle: UBA

Unter der kräftigen Sonne steigen die Ozon-Werte wieder. Ozon entsteht aus anderen Schadstoffen wie Stickoxiden (NO2) unter dem Eisfluss der intensiv strahlenden Sonne. Obwohl es in Städten am meisten gebildet wird, liegen seine Konzentrationen im ländlichen Regionen (eher in Stadtnähe) höher. Das liegt daran, dass Stickstoffmonoxid (NO), ein typisches Autogas, das Ozon abbaut. Ozon ist ein Reizgas und kann bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale zu vermehrten Beschwerden bis hin zum Asthmaanfall führen. Was ist gut? Keine körperliche Anstrengung im Freien bei starker Sonneneinstrahlung (12-18 Uhr). Eine praktische Hilfe ist die App zur Luftqualität vom Bundesumweltamt (siehe Beispiel links), die die aktuellen Ozon-Werte anzeigt und Prognosen wagt.

Windpocken sind die zur Zeit häufigste Kinderkrankheit im Ländle. Dennoch liegt die Zahl der neuen Infektionen um 50% niedriger als im letzten Jahr. Bei Keuchhusten – drei Erkrankungen letzte Woche – liegen die Zahlen fast 90% unter den üblichen Werten. Masern, Mumps und Röteln traten letzte Woche gar nicht auf. Beruhigende Informationen für Eltern.

Und fast vergessen: Weiterhin kaum Infekte. Nichts, auf was sich Eltern einstellen müssten.

Was geht in der Welt rum? Vor zwei Wochen haben wir hier von FSME-Erkrankungen durch Ziegenkäse in der Schweiz berichtet. Nun ist auch Frankreich betroffen. Dort sind in der Region Auvergne-Rhône-Alpes 28 Personen nach Verzehr von Rohmilchkäse (Ziege, Kuh) erkrankt.

Endlich ist Sommer. Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein sonniges und angenehmes Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 20. Juni 2020

Es sieht so aus, als käme der Sommer langsam zurück. Neben geselligen Grillabenden oder ersten Besuchen im Freibad werden die Zecken und die Pollen nochmal spürbar aktiv werden.

Apropos Grillen. Feuer übt eine enorme Faszination auf Kinder aus. Das bedeutet, dass ihr Risiko sich zu verbrennen jetzt deutlich ansteigt. Unser Beitrag im praxisblättle zum Thema Verbrennungen zeigt nochmals auf, wie Sie sich darauf vorbereiten können.

Langsam zeigen sich wieder mehr Infektionen bei Kindern. Nach der langen Abschottung von Kindern aus Kindergärten und Schulen verwundert es nicht, dass sich mit den ersten Freiheiten erhöhte Infektions-Zahlen zeigen. Das betrifft besonders stark ansteckende Erkrankungen wie das Drei-Tage-Fieber, das oft schon im Säuglingsalter auftritt und mit hohem Fieber über 3 Tage (2-4 Tage) und einem typischen Ausschlag einhergeht. Die Häufigkeit der Kinderkrankheiten bewegt sich – noch ? – unverändert auf dem Niveau der letzten Wochen.

Die COVID-19-Kinder-Studie des Landes Baden-Württemberg erbrachte nur wenig Erkenntnisgewinn. Getestet wurden 2500 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren mit jeweils einem Elternteil. Dabei wurde nur 1 Kind-Eltern-Paar positiv (mit Rachenabstrich) getestet. Im Blutest fanden sich bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern Antikörper gegen SARS-CoV-2, das Corona-Virus. Kinder zeigten in der Summe also weniger Reaktionen als Erwachsene. Zur Studie hatten sich Kinder und Eltern sich selbst gemeldet. Sie waren also nicht zufällig ausgewählt worden. Das alleine schränkt die Aussagekraft bei so niedrigen Zahlen schon deutlich ein. Tendenziell darf man aber vermuten, dass sich Kinder weniger anstecken als Erwachsene. Zumindest liefert die Studie keine Argumente die Kitas und Grundschulen (mit Notbetreuung) länger geschlossen zu halten. Das hat die Regierung um Ministerpräsident Kretschmann genauso gesehen. Ende des Monats kehrt das Ländle zum Regelbetrieb in Kindergärten und Grundschulen zurück.

Ziege Quelle: pixabay, Doris Metternich

Die Zecken sind im Moment wieder sehr aktiv. Das zeigt sich auch an den Fallzahlen für die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis), einer Virus-bedingten neurologischen Infektion nach Übertragung durch die kleinen Spinnentiere. So hat sich die Zahl in Baden-Württemberg sprunghaft um 12 Neuerkrankungen in der letzten Woche auf insgesamt 57 für das Jahr 2020 erhöht.

Aus Frankreich werden 37 FSME-Neuerkrankungen nach Genuss von Ziegenmilch und Rohmilchkäse der Firma ,,GAEC des Chevrettes du Vieux Valey‘‘ in Condamine berichtet. Die Zecke am eigenen Körper zu suchen und zu finden reicht also alleine nicht aus, um sich zu schützen. Die Bedeutung der FSME-Impfung wird deswegen immer größer.

Was geht in der Welt rum? Erneut befällt das Dengue-Fieber Menschen in verschiedenen Ländern rund um den Äquator. In Singapur sind es in diesem Jahr 10.995 Menschen, in Thailand sind es 10.940,  in Sri Lanka gar 20.870, die erkrankten. Etwa jeder Tausendste verstirbt an dieser durch Mücken übertragenen, grippeähnlichen Infektionskrankheit. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Vorbeugend hilft Mückenschutz vor den tagaktiven Überträger-Mücken.

Denken Sie schon an einen Urlaub in Europa? Dann finden Sie auf dieser Informationsseite der Europäischen Union weitere Hinweise unter welchen Bedingungen sie in ein bestimmtes Land in Europa einreisen können.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 13. Juni 2020

Erste Pressestimmen sprechen inzwischen über die Kinder in der Coronakrise. Meist noch unter dem Titel, dass Kinder ein Recht auf Bildung haben. Das ist schon mal gut. Kinder und Jugendliche sollten aber auch ein Recht zugesprochen bekommen, wieder mehr gemeinsam machen zu dürfen: Mit anderen Kindern im Sandkasten. Oder in Jugendzentren abhängen. Ohne gleich „gebildet“ zu werden. Für ihre Entwicklung ist das mindestens genauso wichtig, macht den meisten jedoch erheblich mehr Spaß.

Altersanteil der COVID-19-Erkrankungen über die Kalenderwochen 10 bis 21 Quelle: RKI

Die Virologen um Prof. Drosten sind noch zögerlich, den Kinder und Jugendlichen mehr Freiheit im öffentlichen Raum zuzugestehen. Ein wichtiger Grund ist, dass seit dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, also seit Ende März, der prozentuale Anteil der Kinder und Jugendlichen (0-20 Jahre) an allen Erkrankten immer mehr ansteigt. Andere Daten sehen eine Verbreitung der Infektion unter Kindern gelassener. Wie auch immer, wir sollten langsam versuchen, Kindern mehr Freiheit zu geben. Für die Beschränkung der elementaren Bedürfnisse von Kindern liegen keine ausreichenden Gründe vor. Einige Bundesländer wie Schleswig-Holstein haben jetzt damit begonnen, diese Freiheiten für Kinder wiederherzustellen. Neue Hoffnungen.

Gräserpollenkonzentration der letzten Woche am Bodensee Quelle: pollenundallergie.ch

Nach den regenreichen Tagen sind die Pollen seit gestern in Hochform. Gräserpollenallergiker sollten erstmal vorsichtig sein. In den kommenden Tagen ist mit einem leichten Rückgang der Pollenbelastung zu rechnen, sofern kein bedeutsamer Wind hinzukommt.

Infekte? Noch immer fast Fehlanzeige. Welch ein Glück für Kinder und Jugendliche.

Was machen die Kinderkrankheiten? Bei den Masern wurde die vorletzte Neuerkrankung in der 9. Kalenderwoche in Baden-Württemberg gemeldet. Der Lockdown hat in den folgenden Wochen dazu geführt, dass keine Masern mehr auftraten. Nun ist in der letzten Woche erstmals wieder eine neue Infektion aus Reutlingen gemeldet worden – nach 12 Wochen Pause also jetzt der Erkrankungsfall Nummer 26 in diesem Jahr. Im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit 67 Betroffene.

Was geht in der Welt rum? Bald dürfen wir wieder reisen. Aber nur in Europa. Auch hier können uns Krankheiten begegnen. Sogar in der so idyllischen Schweiz, wo in diesem Jahr bereits 67 Erkrankungen an FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis) gesichert wurden, mehr als im bisherigen Rekordjahr 2018. Die Zecken machen also an der Grenze nicht Halt. Im angrenzenden Baden-Württemberg haben in der letzten Woche 9 neue Fälle die Zahl der Betroffenen auf 42 hochschnellen lassen. Gemessen daran, dass im Ländle aber 2.5 Millionen Menschen mehr leben, ist die Zahl erstaunlich gering. In jedem Fall: Vorsicht vor Zecken. Egal ob im Ländle oder in der Schweiz. Mehr dazu finden Sie hier.

Am Montag beginnt nach 3 Monaten wieder der Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen, im Schichtbetrieb und ausgedünnt. Aber immerhin. Je nach Schule (und Zahl der arbeitenden Lehrer) sind das bis zu den Sommerferien mal knapp 5 Tage Unterricht, mal wochenweise halbtags.

Das Wochenende bringt heute Morgen Sonnenschein und angenehme Wärme, später am Nachmittag wohl mehr Sturm und Regen. Genießen Sie das Wechselspiel. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

pet-the-tick (ptt): Zeckenentfernung durch Streicheln

Es ist Zeckenzeit. Wer aus der Haustüre tritt ist bereits in der Natur und kann mit Zecken nach Hause zurückkommen. Ab dem Verlassen des Hauses können wir Zecken begegnen. In der Hofeinfahrt, im kleinen Park bei der Straßenbahnhaltestelle oder in den Grünanlagen des Schwimmbads.

Zecken übertragen manche folgenschwere Krankheiten. Bei uns sind das die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis). Je länger die Zecke Zeit hat sich beim Menschen aufzuhalten, umso größer ist das Risiko der Ansteckung..

Die sofortige Entfernung von Zecken ist also wichtig. Für Panik und Hektik besteht jedoch keinerlei Anlass. Wenn also eine Zecke entdeckt wird, sollte das Vorgehen gut überlegt werden. Ein sofortiger Termin beim Arzt ist nicht erforderlich.

Die Entfernung sollte so schonend wie möglich erfolgen, um die Zecke nicht in den letzten Sekunden zu weiteren Bissen – und damit zur möglichen Übertragung weiterer Erreger – anzuregen. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Websites, die oft darstellen wie man es „richtig“ macht – wobei dieses Wort zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Nahezu alle dieser Methoden verlangen ein Werkzeug. Und allermeist hat der Betreiber der Webseite Gründe, warum er über dieses Thema schreibt. Denn rein zufällig, kommt ein direkter Hinweis, welches Werkzeug man verwenden sollte.

(1) Zecke über Bißstelle Quelle: ptw

An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorstellen, für deren Anwendung man nur einen seiner Finger benötigt + Zärtlichkeit + Geduld. Bislang ist diese Methode nirgends publiziert, aber bei einigen regionalen Kinder- und Jugendärzten jahrzehntelang im Einsatz. Die Erfolgsquote liegt über 80%. Erfolglos ist die Methode an einigen Körperstellen, über denen kreisende Bewegungen eines Fingers nicht möglich sind.

Die Streichelmethode – pet-the tick (ptt)

(2) Finger beim Streicheln Quelle: ptw

Diese Art Zecken zu entfernen verzichtet auf alle Hilfsmittel und kann somit jederzeit eingesetzt werden. Die jeweilige Zecke wird mit einem Finger entfernt. Dazu braucht es

  1. Zärtlichkeit. Die Zecke wird mit der Kuppe des rechten Zeigefingers (bei Linkshänder mit dem linken) mit kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei wird ein Druck von 10-20 Gramm ausgeübt und ein Kreis von etwa 5-8 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 120/min. Das klingt alles kompliziert, ist aber ganz enspannt und einfach durchzuführen. Der Druck ist also ganz gering. Die Zecke ist unter der Fingerkuppe beim Streicheln spürbar, sollte aber nie gesehen werden (als keine Neugierde). Man streichelt solange, bis die Zecke loslässt und als kleines Kügelchen zu spüren ist.
  2. Dazu braucht es Geduld. Gerade bei den ersten Anwendungen haben viele Zweifel, ob eine so „primitive Methode“ überhaupt wirken kann. Man wird unruhig, schaut unter den Finger, hört immer wieder auf. Damit dauert der Akt länger und Geduld ist gefragt. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es eine Zecke meist in 1-3 Minuten zum Loslassen zu bewegen. Wenn bei richtiger Technik nach 5 Minuten kein Erfolg kommt, sollte man aufgeben. Auch das kommt vor. Dann kann gelegentlich auch der Einsatz einer Zeckenzange erforderlich werden. 

(3) Die Zecke hat losgelassen Quelle: ptw

Die Zecke wird nach Entfernung entweder auf den Finger oder in der Umgebung der Bißstelle krabbeln. Sie wurde ja nicht zerstört. Man kann sie mit dem Finger oder einer Pinzette nehmen und beseitigen. Nicht sinnvoll ist es, sie im Garten auszusetzen, weil sie sonst in wenigen Tagen vielleicht wieder den Weg zurück zu ihrem Opfer findet.

 

Was ist nach erfolgreicher Entfernung zu unternehmen?

Mit der Streichelmethode wird die gesamte Zecke entfernt, es verbleibt kein Teil in der Haut. Dennoch ist eine einmalige Desinfektion der Bissstelle wichtig (z.B. mit Octenisept©) . Da die Zecke 2 Krankheiten übertragen kann, sind auch 2 Überlegungen wichtig:

  1. Borreliose. Die Einstichstelle sollte täglich zwei Wochen lang inspiziert werden. Eine kleine Rötung nach Zeckenbiss ist häufig und unproblematisch (sofern nach der Entfernung eine Desinfektion erfolgte – s.o.). Wenn sich aber eine kreisförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm ausbildet, sollte ein/e Kinder- und Jugendärzt/in aufgesucht werden. Dort wird untersucht, ob es sich um ein beginnendes Erythema migrans handelt.Das ist eine Form der Borreliose, die mit einem Antibiotikum sicher und einfach behandelt werden kann.
  2. FSME. Gegen die FSME hilft nur die Impfung. Ob eine Impfung des Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen sinnvoll ist, sollte mit der/m Kinder- und Jugendärzt/in  besprochen werden. Baden-Württemberg ist inzwischen in allen Landkreisen als Risikogebiet eingestuft und weist seit 2 Jahren die meisten FSME-Erkrankungen aller Bundesländer auf. Insofern ist die Impfung für die meisten Schulkinder und Jugendlichen sinnvoll.