Schlagwort: Gebärmutterhalskrebsimpfung

HPV-Impfung: Was passiert in Ländern ohne diese Impfung?

Die Gebärmutterhalskrebsimpfung gibt es in Deutschland nun schon seit Jahren. Der Name ist für die meisten Menschen unaussprechlich und medizinisch auch nicht korrekt. Einfacher und besser ist es, von der HPV-Impfung zu sprechen.

Die HP-Viren sind die Ursache für den Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Zervixkarzinom). Diese Form des Krebses kommt weltweit vor, zeigt aber je nach Land deutliche Unterschiede in der Häufigkeit. Das wurde in einer ausführlichen Publikation von Marc Arbyn und Mitarbeitern (Belgien, Spanien, USA, Frankreich) nochmals deutlich. Die Unterschiede im Auftreten haben mit vielen Faktoren zu tun. Ganz besonders wichtig sind jedoch der Zugang zu Früherkennungsprogrammen (Vorsorge) und den nicht billigen Impfungen (HPV-Impfung). Dementsprechend entspricht die Weltkarte in etwa auch der Verteilung von Armut und Reichtum.

Häufigkeit in verschiedenen Ländern an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Angegeben ist die Zahl der Erkrankungen pro 100.000 Frauen-Jahre Foto: Lancet

Es verwundert daher nicht, dass in den 42 Ländern mit niedrigem Einkommen das Zervixkarzinom die häufigste Krebs-Todesursache bei Frauen darstellt. Weltweit wurde diese Diagnose im letzten Jahr bei 570.000 Frauen gestellt, von denen 311.000 daran starben. Am häufigsten ist das frühere Swasiland (heute Eswatini) betroffen, wo 6.5% aller Frauen vor dem 75. Lebensjahr daran erkrankten. In Finnland hingegen erkrankten unter den 2.8 Millionen Frauen gerade 182, von denen 64 Frauen starben.

In Deutschland haben wir ein gut etabliertes Früherkennungsprogramm, um diese Form des Krebes gezielt aufzudecken. Das betrifft etwa 4000 Frauen jährlich. Insgesamt treten pro Jahr aber 7700 Krebserkrankungen auf, die durch das HP-Virus ausgelöst werden (es gibt weitere neben dem Zervixkarzinom). Gegen alle diese Krankheiten wäre die seit über 10 Jahren angebotene HPV-Impfung gut wirksam.

Leider sind die Impfquoten in Deutschland für HPV noch enttäuschend. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) strebt eine Impfquote von 70% an. Bei der letzten Untersuchung deutschlandweit im Jahre 2015 waren jedoch nur 31.3% der Zielgruppe geimpft. Dabei schnitt Sachsen-Anhalt mit 56.7% am besten ab.

Es bleibt also noch manches zu tun, um den Krebs des Gebärmutterhalses effektiver die Stirn zu bieten. Die Impfung gegen HPV wird inzwischen Mädchen und Jungen ab dem 9. Lebensjahr angeboten und wird von den Krankenkassen voll übernommen.

Newsletter praxisblättle. Foto: ptw

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HPV Impf-Faktenblatt des RKI – Informationen nicht nur zum Gebärmutterhalskrebs

Impfmüdigkeit ist ein Thema, das seit Monaten die Gemüter bewegt. Dabei werden manchmal Gräben – Impfpflicht oder lieber doch nicht – aufgeworfen, die so nicht unbedingt hilfreich sind. Meine Erfahrung war immer, dass echte Impfgegner sehr selten sind. Viel häufiger bin ich Eltern begegnet, die einfach viele Fragen hatten und durch Informationen im Internet häufig mehr verwirrt wurden, als dass sie Hilfe gefunden hätten.

Es fällt auf, dass im Internet nahezu alle Graphiken zum Thema Impfen von Impf-Skeptikern erstellt wurden. Diese sind meist durch Verzerrung der Skalen so aufbereitet, dass sie dem Ziel der Verwirrung dienlich sind. So ist es bis heute fast nicht möglich, gut fundierte Zahlen interessierten Menschen zu zeigen. Bisher bleib also immer die Frage, warum gute Wissenschaftler ihre Informationen nicht so aufarbeiten, dass sie auch ein Laie schnell und bildlich angenehm verstehen kann? Wäre das nicht eine Aufgabe, die gut besetzte staatliche Behörden übernehmen könnten?

Da ist es eine erfreuliche Überraschung, dass sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin der Aufgabe gestellt hat, ein knappes, aber informatives Faktenblatt zu einer Impfung zu erstellen. Das erste! Das Faktenblatt-HPV informiert schnörkellos und wissenschaftlich gut begründet über die Infektionen mit HPV, ihre Folgen (wie Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome) und die Impfung gegen die Erkrankung.

Ein guter Anfang!

HPV-Impfung – Krebs vermeiden!

Bisher läuft diese Impfung unter dem sperrigen Namen „Gebärmutterhalskrebsimpfung“. Schwer auszusprechen und mühsam fehlerfrei zu schreiben. Nebenbei ist das Wort auch nicht korrekt. Denn die genannte Impfung hilft gegen Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs, Analkrebs, Peniskrebs, Zungen-/Rachen-/Halskrebs. Und Gebärmutterhalskrebs und Peniskrebs schließen sich sicher aus. Was nun?

Wir Mediziner nennen diese Impfung HPV-Impfung. Humanes (menschlich) – Papilloma (warzenartiger Tumor) –Virus. Von diesen HP-Viren gibt es viele Untertypen, 12 davon sind mit einem hohen Risiko verbunden nach Jahrzehnten zu bösartigen Tumoren zu führen. Die Übertragung ist fast ausschließlich sexuell über Haut oder Schleimhäute. Oft findet die Infektion in den ersten Jahren sexueller Aktivität statt. Sie betrifft immerhin 80% aller Menschen.

Oft kommen Informationen über Impfstoffe von Impfstoffherstellern (Pharmafirmen). Das hinterlässt ein Gschmäckle. Bei diesem Impfstoff gegen HP-Viren liegt nun ein unabhängiger und informativer Flyer des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte vor. Verständlich in der Sprache und klar klärt er über den Sinn und mögliche Risiken dieser Impfung auf. Er sei allen empfohlen, die sich über diese wichtige Chance, Krebs zu verhindern informieren wollen.