Schlagwort: Grippe

Was geht rum? 24. Oktober 2020

Jedes Jahr gehört eine bunte Diskussion über den Sinn einer Impfung gegen Influenza (Grippeimpfung) ebenso zum Herbst wie die farbenfrohen Blätter. Da ist es gut, wenn das RKI schon vorab einige Daten veröffentlicht, die diese Diskussion versachlichen können.

Wirksamkeit der Impfung gegen Influenza. Quelle: Epidemiologisches Bulletin 45 des RKI

Die Tabelle des RKI links fasst die Informationen kurz zusammen. Darin ist die Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe ab der Saison 2012/2013 bis zur letzten Saison sowohl für das Influenza-Virus Typ A (zwei Subtypen) und das Influenza-Virus Typ B aufgeführt. Demnach lag die Wirksamkeit in letzten Winter – also von Januar bis März 2020 – bei 61-73% und damit günstiger als in den Jahren zuvor. Ein guter Grund, die Grippe-Impfung auch dieses Jahr wahrzunehmen. Ohne Gewissheit auf Erfolg. Es gab allerdings auch Jahre, in denen die Impfung wenig wirksam war wie 2016/2017. Übrigens: Grippeimpfungen sind auch für Kinder ab 6 Monate sinnvoll und empfohlen.

In jedem Fall wären wir sehr glücklich, gäbe es eine solche Impfung bereits für das SARS-CoV-2. Immerhin sind die Aussichten besser geworden. So präzisierte die für die Zulassung von Impfstoffen in den USA zuständige FDA die Bedingungen für eine Notfallgenehmigung (Emergency Use Authorization) für COVID-19-Impfstoffe. Darin verlangt sie beispielsweise eine Nachbeobachtung nach der letzten Impfung von mindestens 2 Monaten. Die Firmen Moderna (USA) und BioNtech (Mainz) könnten, wenn die Tests weiterhin gut laufen, Ende November den Antrag stellen. Das wäre eine sensationell schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Vor einer Woche hat es Prof. Dr. Christian Drosten nochmals erwähnt: Das Cluster-Kontakt-Tagebuch. Er empfiehlt, dass jeder am Abend kurz notiert, in welcher Situation am Tag sie/er sich etwas unwohl fühlte, weil sie/er mit vielen Menschen zu eng zusammen war. Damit erzielt man zwei Effekte:

  1. Sollte man tatsächlich erkranken, kann man mit der Hilfe dieses Tagebuches die Quelle der Infektion, also das Quell-Cluster erkennen. Das würde den Ermittlern im Gesundheitsamt helfen, viele andere Personen zu identifizieren und dieses Quelle des Virus auszuschalten.
  2. Gleichzeitig sensibilisiert so ein Tagebuch „mich selbst“: Es wird mir klar, in welche heiklen infektiösen Milieus ich mich begebe. Und vielleicht schaffe ich das, dies künftig zu vermeiden. 

Jugendliche und junge Erwachsene haben’s nicht leicht im Moment. Sich mit Freunden treffen und Party machen ist Teil ihres Lebens. Das ist heute nicht anders als früher. Sie setzen sich von den Eltern ab, finden unter ihren Altersgenossen ihre neuen Freunde. So entwickeln sie einen Lebensplan, probieren manches aus, auch nicht immer nur harmloses. Und junge Menschen  finden Freundschaften, oft auch die große Liebe. Jetzt kommt Corona und kaum mehr etwas ist so richtig erlaubt. „Weißt Du noch, als wir damals …..“, das höre ich von vielen alten Leuten. „Auch wir waren keine Engel“ sagen sie. Die gleichen Leute verlangen aber von den Jungen den totalen Verzicht. Jetzt echt? Sie als Eltern sind noch nicht lange von den chaotischen Zeiten der Jugend entfernt. Sie können besser verstehen, warum diese Party machen. Ich meine, Corona trifft die Menschen in den ersten 3 Lebensjahrzehnten mehr als andere. Nicht als Todesfall, aber als Verlust von Unbeschwertheit und Lebenslust. Wie denken Eltern mit jugendlichen Kindern darüber?

Satellit im All Quelle: NASA

Gute Nachrichten gibt es auch. Die neueste Analyse der Satelliten-Daten der NASA ergab, dass im Jahre 2019 die Umweltverschmutzung mit Schwefeldioxid (SO2) weltweit um 6% zurückgegangen ist. Die Forscher nehmen an, dass die Kohlekraftwerke in Indien, China und Russland weniger zum Einsatz kamen als in den Jahren zuvor. Ein zarter Lichtschimmer für eine bessere Umwelt für unsere Kinder.

Mit den üblichen Schnupfenviren verabschieden sich die Schüler im Ländle in die Herbstferien. Vereinzelt tritt Krupphusten auf sowie bei den Kleinkinder obstruktive Bronchitis. Durchfall gibt es allenfalls als Begleitreaktion dieser Infekte und ganz selten infolge von Salmonellen. In der gesamten Woche trat kein einziger Fall von Rotavirusinfektion auf. Nicht erstaunlich. Im ganze Jahr ist die Häufigkeit dieser sonst typischen Infektion bei Kindern fast auf ein Fünftel gefallen.

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Traumhafte Schweiz. Quelle ptw

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Baden-Württemberg haben den Sommer genutzt und einen Tagestrip in die Schweiz unternommen. In Erinnerung sind herrliche Landschaften und grauselige Preise in den Spunten- pardon Restaurants. Gleichzeitig lauerte im Land der Eidgenossen auch die FSME. Bis Mitte Oktober wurden 428 Infektionen mit dem Zeckenvirus festgestellt. Im Ländle waren es zur gleichen Zeit 336 – trotz 3 Millionen mehr Einwohner.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Ferienwoche mit Ihren Kindern, Ihr

Die Infektwelle kommt bald. Macht eine Grippe-Impfung bei Kindern Sinn?

Für viele Laien sind die Impf-Empfehlungen in Deutschland verwirrend. Die STIKO bzw. das RKI empfehlen die Grippeimpfung nur für Versicherte ab 60 Jahre, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Für Baden-Württemberg hat das Sozialministerium jedoch erweiterte Empfehlungen. Hier wird – entsprechend den Vorgaben der WHO – die Grippeimpfung für alle Kinder ab dem 6. Lebensmonat empfohlen.

In den USA läuft bei der Corona-Pandemie sicher manches nicht so gut. Was aber die Influenza betrifft, liegen die Impfraten bei Kindern bei über 60%. Eine Zahl, die selbst bei den sog. Risikogruppen in Deutschland nicht annähend erreicht wird. Die American Academy of Pediatrics (in Englisch) hat gerade die Details für die Grippeimpfung von Kindern in der Saison 2020 / 2021 veröffentlicht, die in vielen Aspekten auch für Laien sehr interessant sind.

Klar ist, dass die Impfung gegen Influenza lange nicht so wirksam ist wie diejenige gegen Masern, bei denen eine „sterile Immunität“ erreicht wird, also beinahe bei allen Geimpften der Ausbruch von Masern verhindert werden kann. Dennoch ist sie gut wirksam und schützt viele Menschen. Und, sie ist der einzig verfügbare und nachweißlich wirksame Schutz vor dieser – wie „Corona “ – schweren Infektion.

Die Kinder- und Jugendärzte sehen den Stellenwert für die Grippe-Impfung bei Kindern ähnlich wie die Behörden im Ländle und raten Kinder in diesem Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Johannes Hübner: „Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertra­gen“.

Eine Impfung der Kinder, das ist wissenschaftlich gut belegt, schützt indirekt auch die älteren Risikogruppen. Das zeigt eindrücklich eine zentrale wissenschaftliche Untersuchung von 2001 aus der Arbeitsgruppe um Masato Tashiro und Mitarbeiter aus Tokyo (Japan). Wenn der Enkel kein Grippevirus verbreitet, wird auch Omi nicht krank.

Aber Kinder können selbst auch schwer an Influenza (Grippe) erkranken, so dass sie sogar stationär behandelt werden müssen. Folgerichtig unterstützt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Impfung von Kindern: „Deswegen haben wir diesmal zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Als erste große Krankenkasse hat sich Mitte der Woche die AOK angeschlossen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat ein Sprecher der AOK angekündigt, die Kostenübernahme betreffe „nicht nur die Impfung von Risikogruppen, sondern alle AOK-Versicherten, sofern die Ärzte dies für erforderlich halten“. Das ist ein gewichtiges Wort.

Konnten Sie sich für Ihre Kinder entscheiden können? Oder noch Fragen? Ganz sicher. Dann los an die Tasten. Anderen Eltern geht’s vermutlich recht ähnlich bei der Grippeimpfung ihrer Kinder.

Was geht rum? 01. Februar 2020

Gut versteckt hinter den Coronaviren kommen die Influenzaviren fast unbemerkt daher. Ihre Ansteckung ist grösser, auch das Risiko daran zu versterben. Es scheint, als hätten wir uns zumindest medial schon an  die Grippewelle gewöhnt.

Konsultationsindex. Er zeigt, wie oft Menschen in Baden-Württemberg wegen Atemwegsinfektionen den Arzt aufsuchen Foto: AG Influenza

Die Daten für Deutschland zeigen, dass im Vergleich zu den letzten Jahren die Zahl der Grippekranken in diesem Jahr schon recht hoch liegt. Auch in Baden-Württemberg ist die Zahl der nachgewiesenen Grippefälle massiv nach oben geschnellt, parallel auch die Erkrankungen der Atemwege überhaupt, wie die Graphik gerade für die Kinder im Infektalter (hellgrün; 0-4 Jahre)  zeigt. Besonders betroffen sind die Städte um Stuttgart herum (Böblingen, Esslingen und Ludwigsburg). Auch hier gilt übrigens: aufs Händeschütteln verzichten und öfter mal die Hände waschen schützt.

Pollendaten für die Hasel an der Messstation Basel. Foto: pollenundallergie.ch

Sich gegen die Pollen zu schützen ist schon schwieriger. Das schafft am besten das Wetter wie die Graphik für den Oberrhein (Basel) deutlich macht. Der Pollenflug war in diesem Jahr sehr früh und sehr stark, aber die letzten 10 Tage war weniger los. Hohe Temperaturen am Wochenende und der Wind werden die Lage nun wieder ändern.

Nochmal zurück zu den Coronaviren. Täglich werden uns neue Zahlen über Neuerkrankungen und Todesfälle mitgeteilt. Die neuesten Informationen versuchen wir zeitnah in unseren Artikel im praxisblättle vom Montag einzuarbeiten. Es scheint, dass Kinder nicht sehr stark betroffen sind. Für Kinder in Baden-Württemberg dürfte das Risiko also trotz allem extrem gering sein.

Es gibt natürlich noch viele andere Krankheiten, die Kindern zusetzen. In „Konkurrenz“ zur Influenza gibt es Infektionen mit RSV (respiratory syncytial virus). Diese Erkrankung kommt immer wieder parallel zur Influenza vor. Bei einer RSV-Infektion kommt es meist zu Fieber um 38 – 39 Grad (also meist weniger als bei der Grippe), aber im Gegenzug zu mehr Beschwerden der Atemwege. Da insbesondere die kleinsten Bronchien („Bronchiolen“) betroffen sind, sind es Säuglinge und Kleinkinder, die besonders leiden müssen. Die Möglichkeiten von Medikamenten sind leider beschränkt, weswegen immer wieder stationäre Behandlungen erforderlich sind, um eine ausreichend Sauerstoff- und Flüssigkeitsversorgung sicherzustellen.

Die Größeren Kinder und Jugendliche sind regional von der Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber) häufiger betroffen. Diese Krankheit verläuft – wie auch die Infektion mit den Coronaviren – öfter asymptomatisch. Es gibt also Jugendliche, die die Krankheit durchmachen ohne es zu merken. Andere sind schwer krank. In einem Betrag des praxisblättle können Sie sich über Details informieren.

Seit gestern ist in den USA erstmals eine Therapie zur Abschwächung des Risikos einer  Anaphylaxie (schwerer allergischer Schock) zugelassen. Das Medikament heißt Palforzia und ist bei Erdnussallergie für Kinder und Jugendliche von 4 bis 17 Jahren zugelassen. Weitere Details finden Sie in englischer Sprache hier in einer Stellungnahme der Food and Drug Administration (FDA). In Kürze werden wir dieses Thema auch im praxisblättle behandeln. Auf deutsch. Nur so viel sei verraten: Die Zulassung ist wirklich ein großer Schritt für allergische Kinder und Jugendlich, aber zunächst nur für sehr wenige von ihnen.

Was geht in der Welt rum? Noch ist Afrika nicht von den Coronaviren betroffen. Wohl aber von Malaria, was für die Menschen dort extrem gefährlich ist. Bedingt durch die Regenzeit ist das beliebte Reiseziel Sansibar seit Monaten stark von der Malaria betroffen. Deswegen ist neben den allgemeinen Maßnahmen (Anwendung von DEET u.a.) eine Malariaprophylaxe wichtig.

Was geht rum? 04. Januar 2020

Die Atemwegsinfekte nehmen weiter zu. Das ist nicht verwunderlich. Aber sie bewegen sich noch auf einem niedrigen Niveau. Viele Kinder leiden im Moment unter einer Bronchitis mit verengten Atemwegen (obstruktive Bronchitis). Der Feinstaub aus der Silvesternacht hat die Beschwerden sicher nicht verbessert. Inwieweit er dazu beiträgt, dass der Husten schlimmer wird oder länger anhält ist nicht klar. Glücklicherweise gehen die Feinstaubwerte an vielen Orten deutlich zurück. Der heutige Regen wird weiter helfen.

Meldedaten für die Influenza in Baden-Württemberg. Darin aufgeführt sind die verschiedenen Labormethoden, um die Influenza zu sichern. Foto: AGI

Die Influenza („Grippe“) ist noch kaum präsent. Ein erster Anstieg der gemeldeten Erkrankungen Mitte Dezember ist glücklicherweise wieder abgebrochen. Erfahrungsgemäß treten diese schweren Infektionen meist in den ersten drei Monaten des Jahres auf. Manchmal gerade dann, wenn uns schon die ersten Frühlingsgefühle erreichen.

Was geht in der Welt rum? Die Influenza – „Grippe“ – ist momentan nahezu weltweit ein Thema. Auf der Nordhalbkugel unseres Planeten nehmen die Erkrankungen seit Wochen zu. In Süd- und Mittelamerika spielt sie im Moment kaum eine Rolle außer in Kuba (Influenza B). Auch in Asien ist wenig Aktivität außer im Iran und auf den Philippinen. Aus Afrika werden insgesamt niedrige Erkrankungszahlen gemeldet, außer aus Westafrika. Aus den USA wurden vom CDC (Center for Disease Control) jedoch zum Jahresende bereits 2.100 Todesfälle an Influenza gemeldet. Allein in der letzten Woche des Jahres 2019 waren auch drei Todesfälle bei Kindern zu beklagen.

praxisblättle-Newsletter. Foto: ptw

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Was geht rum? 02. November 2019

Seit der letzten Woche beginnt regional eine erste Infektwelle. Kinder und Jugendliche erkranken hierbei mit Atemwegssymptomen (Husten, Schnupfen), die lange anhalten und auch von Fieber begleitet werden können. In vielen Fällen kommt es auch zu einer Lungenentzündung. Als Erreger konnten mehrfach sog. Mykoplasmen identifiziert werden. Solche Infektionen können in der Regel vom Immunsystem besiegt werden. Eine antibiotische Therapie ist sinnvoll und möglich, wenn der Verlauf kompliziert ist. Verläufe von zwei Wochen Dauer sind nicht ungewöhnlich.

Gemeldete Erkrankungen an Influenza (Grippe) in Baden-Württemberg geordnet nach Woche. Foto: AG Influenza

Auch das Influenzavirus („Grippe“) hat wieder den Weg zurück nach Baden-Württemberg gefunden. Die Zahlen sind noch relativ gering und liegen etwa im Bereich der letzten Jahre. Historisch gesehen, treten bedeutsame Grippewellen erst ab Dezember auf. Da mit einer Wirkung der Impfung frühestens nach 1 Woche zu rechnen ist, ist eine Impfung gerade jetzt sehr sinnvoll.

Was geht in der Welt rum? In Griechenland  und Italien sind in den letzten Monaten Infektionen an West-Nil-Fieber aufgetreten. In Griechenland waren es seit Juli 222 Fälle mit 30 Todesfällen, in Italien 42 Erkrankungen, an denen 4 Menschen verstarben. Wichtigste Vorsichtsmaßnahme ist der Mückenschutz.

Wann soll ich mich gegen Influenza impfen lassen?

Meist im September kommen die neuen Impfstoffe gegen Influenza (Grippe) auf den Markt. Aber, soll man sich dann sofort impfen lassen? Und auch die eigenen Kinder?

Das Problem bei den Impfungen gegen die Influenza besteht ja darin, dass sie zwar wirksam sind, aber nicht so gut wie beispielsweise Impfstoffe gegen Masern. Wir alle wünschen uns also dass die Grippeimpfung besser wäre. So erkranken manche Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene obwohl sie geimpft wurden. Andererseits erkranken manche nicht Geimpfte nicht. Das löst dann regelmäßig Diskussionen aus, die nicht sehr zielführend sind.

Zur Frage des schwindenden Impfschutzes hat sich eine Arbeitsgruppe um Jill M Ferdinands vom U.S. Department of Health and Human Services gebildet. In ihrer Studie untersuchten sie die Wirksamkeit der Impfung bei Personen ab 9 Jahren in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Impfung.

In ihrer Studie fanden die Forscher eine abnehmende Wirksamkeit der Grippeimpfung mit zunehmender Zeit nach der Impfung. Am besten war die Wirksamkeit der Impfung kurze Zeit nach der Impfung. Für das Influenza A-Virus (H3N2) und das B-Virus war die Wirksamkeit bereits nach einem Monat 7% niedriger. Für das Influenza A-Virus (H1N1) ging die Wirksamkeit in der gleichen Zeit um 6-11% zurück.

Wie bereits bekannt, ist es also sinnvoll sich kurz vor der erwarteten Grippesaison impfen zu lassen. Da die erste Grippewelle in aller Regel aber nicht vor Dezember stattfindet, scheint eine Impfung im später Oktober oder November die beste Strategie zu sein.

Sollten auch die eigenen Kinder geimpft werden? Die offiziellen Empfehlungen unterscheiden sich in vielen Ländern. In Deutschland wird die Impfung chronisch Kranken und alten Menschen empfohlen. Es ist jedoch erwiesen, dass die Grippe-Impfung gerade bei Kindern besonders gut wirksam ist. Das macht eine Impfung von Kindern und Jugendlichen trotz allem sinnvoll.

Eines ist jedenfalls sicher: Bei allen berechtigten Zweifeln, lohnt eine Influenza-Impfung. Auch wenn man nicht immer den idealen Impfzeitpunkt findet. Um die persönlichen Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen, sollten Sie die Frage einer Impfung gegen die Grippe (Influenza) schon jetzt mit Ihrem Arzt besprechen.

👓 plupp 04: Tuberkulose, Grippe und Masern – früher und heute

Tuberkulose

Todesfälle durch Tuberkolose in Deutschland von 2008 bis 2017. Foto: statista

Todesfälle durch Tuberkulose im deutschen Reich im Jahre 1880 120.000
Todesfälle durch Tuberkolose in Deutschland im Jahre 2017 102
Influenza („Grippe“)

Sterblichkeit nach Alter bei verschiedenen Ausbrüchen der Influenza („Grippe“) in den USA nach GLEZEN WP, 1996 Foto: Publikation von Glezen, 1996

Kindersterblichkeit auf 100.000 durch Influenza in den USA in der Saison 1918/1919 1000,00
Kindersterblichkeit auf 100.000 durch Influenza in den USA in der Saison 2018/2019 0,17
Masern

Todesfälle durch Masern. Foto: CDC, Atlanta

Tote durch Masern weltweit im Jahre 2000 545.000
Tote durch Masern weltweit im Jahre 2017 110.000

Was geht rum? 22. Juni 2019

Die Bienen sind sehr aktiv. Es geht von Blüte zu Blüte, von der Erdbeere zur Kornblume. Aus den Blüten vieler Nutzpflanzen wurden jetzt herrliche Früchte. Die schmecken wunderbar. Gerade Erdbeeren- so schön rot und süß – sind ein überzeugender Einstieg für Kinder frische Früchte zu essen. Zudem kann dies vielleicht ein Start zur Vorbeugung von Übergewicht sein. In jedem Fall schmecken die Erdbeeren verführerisch.

Die Bienen suchen sich also andere Aufgaben. Es bleiben viele andere Blüten zum bestäuben, zum Beispiel in den Linden. Und nebenbei, kann Biene oder Wespe ja auch mal Menschen stechen, wenn diese beim Grillen feinste Lebensmittel auftischen. Was bei Insektengiftallergien zu tun ist erfahren Sie hier.

Bei den Infekten ist im Moment keine Änderung zu bemerken. Weiterhin erkranken erstaunlich viele Kinder an der Sommergrippe, Jugendliche sind weniger betroffen. Besondere Trends sind nicht zu erkennen. Die Windpocken haben regional im Rhein-Neckar-Kreis und in der Region Ravensburg einen leichten Aufschwung – insgesamt 79 Fälle in Baden-Württemberg in einer Woche.

Abbildung 1. Gräserpollenflug der letzten Woche in der Bodenseeregion. Foto: www.pollenallergie.ch

Nach einer kurzen Erholungspause werden die Pollen in Kürze wieder ihre Flug-Attacken fortsetzen. Dabei stehen die Gräserpollen im Zentrum wie schon in der letzten Woche. Wie in der Graphik zu erkennen, schwanken die gemessenen Pollenwerte je nach Wetterlage enorm. Mit dem stabilen Hoch ab Montag werden die Pollenkonzentrationen stabiler bleiben, aber leider im lila Bereich: „extrem stark“. Eltern von pollenallergischen Kindern sollten dies berücksichtigen, wenn die Kinder am Montag wieder in die Schule gehen.

Was geht in der Welt rum? Die Grippe, genauer gesagt die Influenza gibt es ganzjährig auf dem Erdball. Inzwischen breitet sie sich auf der südlichen Halbkugel aus. Besonders betroffen ist Australien mit 86.690 Infektionen in diesem Jahr. Das sind 6 Mal soviel Grippekranke wie noch im letzten Jahr. Wer nach down under reist, sollte versuchen sich dort oder noch besser vor hier impfen zu lassen. Letzteres wird schwierig, da der Grippe-Impfstoff nicht mehr lieferbar und alle anderen Impfstoffe verimpft sein dürften.

Sind Grippeimpfungen für Kinder sinnvoll?

In der hochangesehenen Zeitschrift THE LANCET ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der sich mit der Grippeimpfung von Kindern befasst.

Die Forschergruppe um Shuo Feng von der Universitätsklinik in Hongkong (China) untersuchte in den letzten 5 Jahren 15 695 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren im Rahmen von Krankenhausaufenthalten. In dieser Gruppe von Patienten mit Atemwegserkrankungen konnten bei 2500 (15.9%) Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Virus Influenza A oder B nachgewiesen werden. Alle Erkrankungsverläufe wurden in Beziehung gesetzt mit einer erfolgten oder nicht erfolgten Impfung. Die Impfung gegen Influenza erfolgte dabei fast immer im Monat Dezember (was für Hongkong der empfohlene Zeitpunkt für diese Impfung ist).

Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung (Impfung gegen Influenza) hoch effektiv war. Sie konnte eine Grippe (Influenza A oder B) für die Monate September bis Dezember bei 79% der Geimpften verhindern. Danach ging sie für die Monate Januar bis April auf 67% und für die Monate Mai bis August auf 45% zurück. Die Forscher errechneten, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung pro Monat um etwa 2-5 % absank.

Was zeigt die Studie?

Erstaunlich ist zunächst, wie viele Kinder und Jugendliche untersucht werden konnten. Ganz besonders wichtig ist aber, dass bei Kindern die Grippeimpfung wirksam ist – und: sie wirkt gut. Dass sogar 6 Monate nach der Impfung noch ein Schutz von fast 50% besteht erstaunt und erfreut.

Was geht rum? 01. Februar 2018

In diesem Jahr haben wir einen sehr warmen Januar erlebt, den wärmten seit Aufzeichnung des Wetters wie uns Meteorologen bestätigen. Dadurch haben viele Pflanzen bereits Morgenluft gerochen und angefangen zu sprießen. Wer im Süden Deutschlands Büsche im Garten hat, wird bereits sein Wochen von zarten Düften umschmeichelt.

Abbildung 1: Haselpollenflug in Münsterlingen am Bodensee. Schwarze Balken: aktuelle Daten vom Januar 2018, grau: Mittelwerte der letzten Jahre. Foto: aha, Allergiezentrum Schweiz

Das Klima hat auch Folgen für die Gesundheit der Menschen. Das kann am Pollenflug abgelesen werden, der längst im Gange ist. In der nebenstehenden Grafik (Abbildung 1) des aha (aha! Allergiezentrum Schweiz) aus Bern wird klar, was dies in Bezug auf den Haselpollenflug bedeutet. Die Farben geben die Schwere des Pollenflugs wieder: gelb (unterste dünne Linie) bedeutet schwachen Pollenflug, orange bedeutet mässigen Pollenflug, rot bedeutet starken und lila sehr starken Pollenflug. Es zeigt sich also, dass bereits am 05. Januar 2018 ein erster Pollenflug für Haselpollen in Münsterlingen am Bodensee zu verzeichnen war. Der Anstieg ging am 09. Januar weiter in die orange Zone um am 31. Januar erstmal die lila Zone zu erreichen. Kurz gesagt: wir sind schon mitten in der Pollensaison. Zumindest in der Bodenseeregion. Und das einen Monat früher als im Durchschnitt der letzten Jahre. Für Pollenallergiker ist es also wichtig, jederzeit für akute Probleme gerüstet zu sein (Notfallmedikamente !). Ob alle anderen sich auf einen baldigen Frühling freuen können? Warten wir’s ab.

Abbildung 2. Respiratorische Erkrankungen in der 3. Januarwoche 2018. Im südlichen Baden-Württemberg zeigt sich eine erhöhte Aktivität (blau = wenig Aktivität; grüne = moderat erhöhte Aktivität; gelb – rot = deutlich bis stark erhöhte Aktivität). Foto: Arbeitsgemeinschaft Influenza

Denn, die Infekte schlummern zwar noch etwas. Aber, die Erkrankungen an Influenza („Grippe“) haben schon leicht zugenommen. Die nebenstehende Abbildung 2 zeigt, wie in der dritten Woche des Jahres aus dem tiefen Blau Inseln mit grünlich-gelber Färbung herausstechen. Die momentanen hot-spots der Influenza. Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, dass sich das Bild im Südwesten mit der kommenden Fasnet bald deutlich weniger blau darstellen wird. Die Grippesaison dürfte für die Saison 2017/2018 eröffnet sein. Leider stellt die regelhaft von der kassenärztlichen Vereinigung empfohlene Impfung (3-fach) nahezu keinen Schutz dar.  Der vorherrschenden Influenza-B-Viren (68% aller nachgewiesenen Viren laut RKI) betreffen den Stamm Phuket, der leider nur im Vierfach-Impfstoff enthalten ist. Menschen, die sich effektiv schützen wollen, sollten eine erneute Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff überlegen.

Und was geht in der Welt rum? Der Ausbruch von Gelbfieber in Brasilien nimmt weiter an Fahrt auf. Laut Gesundheitsministerium sind inzwischen 53 Menschen in den Bundesstaaten Minas Geraiss, Sao Paulo und Río de Janeiro an der Erkrankung verstorben (Stand: 29.01.2018). Reisende nach Brasilien sollten nach Absprache mit dem Arzt eine Gelbfieberimpfung überlegen.