Schlagwort: Grippewelle

Was geht rum? 29. Februar 2020

Auch in dieser Woche war die Influenza die beherrschende Krankheit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Baden-Württemberg. Nachdem das Coronavirus SARS-CoV-2 nun in Baden-Württemberg angekommen ist, steht dennoch die Sorge vor einem Ausbruch von Corvid-19 im Zentrum. So nennt sich die Erkrankung, über die Experten spürbar mehr wissen, als noch im Januar. So liegt das Risiko an der Grippe (Influenza) zu versterben bei 0.1-0.2%. Beim Corvid-19 liegt es bei 1-2% – also 10 Mal höher.

Häufigkeit der Arztbesuche nach Kalenderwoche in Baden-Württemberg wegen einer Atemwegserkrankung. Klare Tendenz: Rückgang der Infekte seit 2 Wochen Quelle: AG Influenza

Noch ist die Influenza aber in Baden-Württemberg deutlich häufiger (neueste Zahl der gemeldeten (!) Erkrankten in Baden-Württemberg: 13935) und somit effektiv das grössere Risiko für alle Menschen. Für diese Erkrankung, die Grippe, sind uns die Gefahren seit über 100 Jahren bekannt. Was wir wissen:

Erstens: Die Influenza unterliegt jährlichen Schwankungen, die kaum vorhersehbar sind. Das Virus ändert seine Struktur ständig bei seiner Wanderung um den Erdball. Und wir hoffen, dass – wie in den letzten Jahren – alles wieder gut geht. Danach sieht es im Moment aus.

Zweitens: Wir wissen, dass das Influenza-Virus dazu fähig ist, eine Pandemie auszulösen. So zeigte es vor 100 Jahren eine enorme Virulenz (krankmachende Wirkung) bei der spanischen Grippe. Damals starben von 1918 bis 1920 etwa 25 Millionen Menschen an der Influenza.

Drittens: Wir haben seit vielen Jahren eine Impfung. Mit Rechenmodellen wird jährlich versucht die richtige Zusammensetzung dieses 4-fach-Impfstoffes zu berechnen. In diesem Jahr ist das gut gelungen. Die diesjährige Grippeimpfung hilft bei der jetzigen Grippewelle in Europa ordentlich, aber – wie immer – leider nicht perfekt.

Die Grippewelle dieses Jahres ist deutlich, aber nicht massiv. Sie vermag aber kaum in die Schlagzeilen der Medien zu kommen. Das schafft das Coronavirus, wobei dessen Ausbreitung seit Tagen zunimmt. Das amerikanische CDC (Center for Disease Control) – das Gegenstück zum deutschen RKI – vertritt inzwischen die Meinung, dass eine Pandemie nun unvermeidlich sei. Auf die interaktiven Karte des CSSE der renommierten Johns Hopkins University, finden Sie jeweils die aktuellen Zahlen weltweit. Wir schauen die Nachrichten mit gewisser Sorge an.

Die Sorge vor dieser Erkrankung ist sicher berechtigt. Die Vorsorge  ist aber auch recht einfach. Wir wissen, dass sich das Coronavirus SARS-CoV-2 über Schmierinfektion und auch Tröpfcheninfektion ausbreitet. Das Risiko, dass wir das Virus mit den Händen z.B. an Türklinken aufnehmen und mit unseren Händen danach ins Gesicht wischen ist groß. Ansteckung von Person zu Person ist nur bei recht engem Kontakt möglich. Fragen zum Coronavirus beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wieder einmal perfekt. Was Sie konkret als Vorsorge sofort tun können kurz zusammengefasst hier:

  • Die wichtigste Maßnahme: Ausreichende Hygiene der Hände. Händeschütteln bei Begrüßung ist freundlich, im Moment aber nicht sinnvoll.
  • Da die Hände auch viele andere Kontakte haben: Häufiges Händewaschen und/oder Desinfektion, ganz besonders nach Kontakt zu kranken Personen. Händewaschen mit Seife verringert die Zahl der Keime um das Tausendfache!
  • An Orten mit vielen Menschen (z.B. im Supermarkt) kann Übertragung durch Schmierinfektion an Türklinken, Griffen (Kühltruhe) und auch Wasserhähnen stattfinden. Danach immer Hände waschen oder desinfizieren.
  • Reisen in Zügen/ Flugzeugen sollten wenn möglich zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist: große Menschensammlungen soweit möglich meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (besonders Husten) erkrankt sind. Schnupfen hingegen ist eher typisch für die Influenza (Grippe).
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) ist nur bei engen Menschenkontakten sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst! Der Schutz der Masken lässt relativ bald nach. Wenn sie feucht werden, kann sich der sogar ins Gegenteil wenden und der Mundschutz zum Risiko werden.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Husten und Niesen am besten in ein Papiertaschentuch, das direkt danach sicher entsorgt wird. Ist das nicht möglich, in die Ellenbeuge niesen. 

Wir können uns also recht gut selbst schützen. Sorgen wir vor und machen uns und andere nicht verrückt. Dazu gibt es keinen Grund!

Über die Vorsorge gegenüber den Coronaviren sollten wir nicht die vielen verschiedenen Infekte vergessen, die unsere Kinder aktuell plagen. Leider gibt es ja noch die RS-Viren, Rhinoviren, Adenoviren, Moraxella und wie sie alle heißen. Sie machen unsere Kinder krank. Aber diese Infektionen sind bei weitem nicht so gefährlich. Andere Erkrankungen wie Krupphusten und Mittelohrentzündungen scheinen im Moment kaum eine Rolle zu spielen.

Es gibt auch Gutes zu vermelden: Die Haselblüte schwächt sich ab, die Erlenblüte ist im Gange. Die Wetterbedingungen lassen aber für die kommenden Tage nur einen schwachen Pollenflug zu. Gut für die allergischen Kinder und Jugendlichen.

Die Windpocken sind in einigen Regionen des Landes ausgebrochen: Hochschwarzwald, Ortenaukreis, Region Heidelberg/Mannheim, Ludwigsburg und Stuttgart.

Ab morgen tritt formal die Masernimpfpflicht in Kraft. Ab dann müssen Sie als Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in den Kindergarten oder die Schule nachweisen, dass ihr Kind geimpft ist. Für Kinder, die bereits im Kindergarten oder der Schule sind, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erfolgen. Bei Verstößen kann ein Bußgeld bis zu 2500 € verhängt werden. Details zum Gesetz finden Sie hier. Detaillierte und klar dargestellte Informationen sind besser hier nachzusehen. Wie Regelung praktisch umgesetzt wird, wird sich zeigen.

Was geht in der Welt rum?  Das Problem Nummer ein ist das Coronavirus SARS-CoV-2. Es betrifft so viele Länder inzwischen, dass wir empfehlen, auf die aktuellen Meldungen zu achten. Eine ausführliche und mehrfach aktualisierte Beurteilung finden Sie auch hier im praxisblättle. Aktuelle Nachrichten finden Sie auch beim Bundesgesundheitsministerium.

In Moçambique trat in einigen Landesteilen Cholera auf. Für Reisende wird deswegen eine Impfung gegen Cholera empfohlen. Das Risiko daran zu erkranken bleibt für Touristen aber sehr gering. Problematischer ist das Risiko auf Sansibar an Malaria zu erkranken. Hier besteht neuerdings die klare Empfehlung einer Malariaprophylaxe (also nicht nur für das Festland von Tansania) .

Was geht rum? 22. Februar 2020

Narri… Narro! Jetzt ist Fasnet im Südwesten. Die Narren sind unterwegs, gehen in die Besenwirtschaften oder ganz gesittet zu Faschingsbällen. Gute Gelegenheiten für die Viren, zu zeigen was sie können. Am Schluss bleibt aber unser Immunsystem meist der Sieger. Und nebenbei freuen sich unsere Abwehrzellen über ein bisschen Aktivität. In dieser Beziehung sind die Zellen wie Sportler, die es „einfach wissen wollen“. Im Zusammenhang mit dem Kontakt zu Erregern vermehren sie sich und mit ihnen die Stärke der Immunantworten.

Influenza in Baden-Württemberg (7. KW 2020) Quelle: influenza.rki.de

Alle Menschen bleiben natürlich nicht gesund. Das Angebot an Erregern ist im Moment hoch. Zu allererst natürlich die Influenza. Im Moment (18.Februar) sind insgesamt 19723 Menschen in ganz Deutschland daran erkrankt, davon alleine in Baden-Württemberg 10.902 Personen. In der Graphik links sind die am heftigsten betroffenen Gebiete rot gezeichnet (z.B. Bodenseekreis mit 160 neuen Meldungen in einer Woche). Beruhigend ist wenigstens, dass die Antigene der Impfung mit den Viren übereinstimmen, die die Influenza gerade auslösen. Die Impfung könnte also wirken.

Neben der Grippe, die Kinder und Jugendliche kräftig mit Schnupfen, trockenem Husten und schwerem Krankheitsgefühl plagt gibt es auch Atemwegsinfektionen mit anderen Viren, die weniger heftig sind. Dabei kommt es zu Schnupfen und Husten, teilweise aber auch zu Mittelohrentzündungen (die auch bei der Grippe auftreten kann). Einige Säuglinge erkranken auch an RS-Viren, was nicht selten eine stationäre Behandlung wegen Atemproblemen und Trinkstörungen nach sich zieht. Tendenziell scheinen die Infektionen aber langsam ihren Rückzug anzutreten.

Und dann kommt über das Wochenende wieder ein kleiner Hauch von Frühling. Darüber freuen sich die Narren im Ländle. Für die allergischen Kinder und Jugendlichen wird es aber schwierig. Es sind sehr hohe Konzentrationen bei den Hasel- und Erlenpollen, besonders am Bodensee und Oberrhein, zu erwarten. Kinder mit Allergien gegen diese Pollen sollten – ggf. in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt – auf Beschwerden an Nase, Augen und Bronchien vorbereitet sein.

Rückruf Emerade-Notfallspritze: Wichtig für Allergiker, die mit einem Adrenalin Notfall-Pen ausgestattet sind. Die Herstellerfirma gibt bekannt, dass sie die Produkte „Emerade 150/300/500 Mikro­gramm Injektionslösung in einem Fertigpen“ wegen eines Fehlers zurückzieht. Das betrifft alle Pens, die mit einem Verfallsdatum bis 10/2020 gekennzeichnet sind. Die Patienten sind gebeten, sich einen anderen Adrenalin-Injektor verordnen zu lassen und danach den Emerade© zurückzugeben. Am besten ist eine kurze Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt. Im Vordergrund steht die Sicherheit im allergischen Notfall geschützt zu sein.

Was geht in der Welt rum? Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben heute ferne Reiseziele im Auge. Dazu zählen bei manchen die Seychellen und bei sehr vielen Neuseeland. In diesen beiden Regionen breiten sich gerade die Masern aus. Gerade in Auckland wurden bereits 1735 Fälle registriert. Die meisten der Reisenden dürften zwei Impfungen (in der Regel sog. MMR-Impfungen) aufweisen. In diesem Fall ist der Impfschutz perfekt, wenngleich nicht 100%, was Impfungen nie erreichen können. Alle, die keine zwei Masern-Mumps- oder Masern-Mumps-Röteln-Impfungen aufweisen, sollten unbedingt vor Abreise nachgeimpft werden.

Die Daten zu Sars-CoV-2 („Coronavirus“) ändern sich täglich. Aktuelle Informationen können über das Bundesgesundheitsministerium oder ausführlicher das Robert-Koch-Institut bezogen werden.

Was geht rum? 15. Februar 2020

Nun sind wir in der Grippewelle angekommen. Für die meisten Familien kein Grund zu echter Sorge. Es kann alle treffen, die Geimpften halt weniger als die nicht Geimpften. Dennoch möchte jeder vermeiden krank zu werden. In den nächsten Tagen sollten wir vielleicht vom Ritual des Händeschüttelns Abstand nehmen. Und wir können die Hände immer wieder mal desinfizieren – sie stehen im Zentrum der Übertragung – und gleich auch die Türgriffe. Das alles wird helfen, obwohl wir uns die Grippe trotz allem einfangen können.

So ganz ohne Infekte wird’s in diesem Winter nicht abgehen. Es gibt noch viele andere Viren, die unser Immunsystem auf Trab halten können. Unsere Kinder begegnen in Kindergarten und Schule einer bunten Vielfalt von Viren und anderen Erregern. Da kann das eigene Immunsystem vor dem einen oder anderen Virus mal kurz in die Knie gehen, was meist nur einen Schnupfen zur Folge hat. Wichtiger ist, dass unser Körper daraus lernen und weitere Abwehrkräfte in seiner Schatztruhe lagern wird. Und das Schöne ist: Beim nächsten Infekt muss nicht lange in der Truhe gesucht werden: Unser Körper hat ruck-zuck seine Abwehrmaßnahmen parat und kann sich wehren. Also keine Angst: ein Schnupfen zeigt auch an, dass unser Immunsystem fit ist.

Die Magen-Darm-Infektionen kommen im Moment eher selten vor. Das liegt an den Rotaviren, die sich im Moment im Ruhemodus befinden, einzelne Ausbrüche von Noroviren in Kindertagesstätten (oder Seniorenheimen) spielen da kaum eine Rolle. Noch liegen die gemeldeten Erkrankungen mit Rotaviren niedrig. In der letzten Woche waren es in Baden-Württemberg gerade einmal 16 Betroffene. In den nächsten Wochen wird sich das ändern. Dann werden die Rotaviren deutlich zulegen. Aus diesem Grund haben wir in zehn Tagen einen Beitrag im praxisblättle vorbereitet.

Noch sind es also die Infektionen der Atemwege, die das Feld beherrschen. In erster Linie Schnupfen und Halsschmerzen (Rhinopharyngitis). Daneben aber auch Bronchitis (oft durch das RS-Virus) und Bronchopneumonie (Lungenentzündung). Auffällig häufig sind Mittelohrentzündungen.

Aus dem Ortenaukreis wurden in der letzten Woche 9 Masernfälle gemeldet. Im gesamten Ländle kamen zwei weitere hinzu. Im Rhein-Neckarkreis sind es die Windpocken, die rumgehen.

Was geht in der Welt rum? Mit dem DengueFieber kann man eine Weltreise erleben. Hier im praxisblättle ist es fast monatlich Thema. Und jedes Mal in einem anderen Land. Momentan verbreitet es sich in Mexiko (6.100 Erkrankungen in diesem Jahr), in Paraguay (35.800 Erkrankungen in diesem Jahr) und Guadeloupe in der Karibik (über 1000 Erkrankungen in diesem Jahr). Insektenschutz besonders tagsüber ist die beste Maßnahme um sich zu schützen.

Grotesk aber wahr. Manche Firmen investieren inzwischen in Babys wie hier zu lesen ist. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist in den vergangenen knapp 60 Jahren die Geburtenrate von 6.9 Kindern pro Frau auf 1.4 Kinder (2017) zurückgegangen. Hier will die Regierung gegensteuern und bietet bis zu 3 In-vitro-Fertilisationen kostenlos an. In der Wirtschaft rechnet man damit, dass dieser Sektor damit ein Wachstumspotential von jährlich 15 Prozent haben dürfte. Das lockt das große Geld an, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Ob das ganze erfolgreich sein wird? Vieles spricht dagegen. Kinderwunsch bleibt ein Wunsch zwischen zweien.