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Lästig: Warzen

Warzen können in jedem Lebensalter auftreten und enorm lästig sein. Gefährlich sind sie extrem selten (Entwicklung eines Krebs). Kleinkinder sind häufiger von Warzen betroffen. Ähnlich wie bei anderen viralen und bakteriellen Infekten, hat ihr Immunsystem noch wenig Erfahrung mit den Warzenviren.

Auslöser für die Entwicklung von Warzen sind humane Papillomaviren (HPV), von denen es weit über 100 verschiedene Typen gibt. Auch die Auslöser des Gebärmutter-Hals-Krebses (Cervix-Carcinom) kommen aus dieser Gruppe. Diese „high-risk“-Viren sind aber an der Auslösung der Haut-Warzen nicht beteiligt. Eine Art Warzen, die gerade im Kindesalter sehr häufig ist, aber nicht durch HPV ausgelöst werden sind: die Dellwarzen. Was es mit diesen auf sich hat können Sie in einem früheren Beitrag des praxisblättle nachlesen.

Die Papillomaviren können über kleinste Verletzungen oder Risse in die Haut eindringen. Das gelingt ihnen beim Barfußlaufen (z.B. im Schwimmbad) oder auch bei engem Körperkontakt wie dem Händeschütteln. Die Viren erreichen auf diesem Weg die Epidermis, eine Hautzone, in der Wachstum stattfinden. Auch wenn für uns die Haut jeden Tag ziemlich gleich aussieht, so ist auch dieses Organ – die Haut ist ein Organ wie beispielsweise die Lunge – ständig im Umbau begriffen.

Normal Haut mit Epidermis. Quelle: Prof. Höger, Hamburg

In der Epidermis dringen die Viren in die Zellen ein und nötigen diese schneller zu wachsen. Das führt im Endeffekt zu den fühlbaren Hautwucherungen einer Warze. Auf deren Oberfläche sitzen wiederum Viren, die einerseits über Böden oder Gegenstände (Schuhe) an andere weitergegeben werden können. Ebenso können sie sich aber durch Kratzen an der Warze auch auf der eigenen Haut weiter ausbreiten.

Dem Immunsystem fallen die Viren natürlich auf. Wie auch bei den Atemwegserkrankungen bilden sie Antikörper, um die Viren abzuwehren. Wenn Kleinkinder die Welt kennenlernen, kommen sie auch vermehrt mit den Viren zusammen. In dieser Zeit treten immer wieder Waren auf, bis der Körper eine ausreichend Abwehr gegen das HPV Typ 1 – als wichtigstem Vertreter der Warzenviren – und die anderen Varianten dieses Virus erarbeitet hat. Wenn die Viruslast (vereinfacht gesagt die Menge an Viren) sehr hoch ist oder die Abwehr des Körpers weniger gut, so können in jedem Lebensalter Viren auftreten.

Warzen  Quelle: ptw

Es gibt in der Ausprägung unterschiedliche Warzen: Verrucae vulgares (gewöhnliche Warzen) treten häufig an den Händen auf. Verrucae plantares (Dornwarzen, Stechwarzen) treten an den Füßen auf. Weil sie eine Kegelform haben, drückt die Spitze dieses Kegels bei Gehen gegen das Gewebe und schmerzt – „sticht“. Im Gesicht oder auf den Händen gibt es auch Verrucae planae juveniles (Flachwarzen), die als Fleck auffallen und nicht schmerzen.

 

Was kann man gegen Warzen unternehmen?

Wie gesagt, im Kleinkindesalter sind Warzen häufig, wenn Kinder erstmals mit den Warzen-Viren in Kontakt kommen. Wenn sie nicht darunter leiden, kann man nichts machen. Das ist die einfachste und für Kinder am wenigsten belästigende Therapie.

Eine weitere Option sind Tinkturen (z.B. mit Fluorouracil), die das Virenwachstum hemmen können. Das Problem dabei ist, die Tinktur an die Viren heranzubringen. Rein theoretisch muss hierfür zunächst die Warzenwucherung / Hornschicht durch aufweichende Salben (meist mit Salicylsäure) über viele Tage abgetragen werden. Diese täglichen Aktionen nerven die meisten Kinder, zumal in der Wachstumszone der Viren die Haut auch empfindlich ist. Kurzum, der Weg bis zu dem Virenzentrum ist zum Schluss durchaus auch mal schmerzhaft.

Für Viren an sehr empfindlichen Stellen wie dem After oder am Genitale gibt es wirksame Medikamente, die oral eingenommen werden können.

Für hartnäckige Fälle wenden manche Hautärzte auch eine Methode an, die Warzen direkt zu entfernen. Dabei können sie einen „scharfen Löffel“ oder auch ein Skalpell verwenden. Oder sie setzen Laser ein.

Weitere Methoden, die bei bestimmten Warzen erfolgreich sein können sind die Kältetherapie (Kryotherapie) oder auch die Verätzung oder das Vereisen. Alle diese Therapien sind mit Schmerzen verbunden und bei Kleinkindern nicht hoch im Kurs.

Auch das Gegenteil kann hilfreich sein: Eine Art Okklusionstherapie – „duct tape therapy„, die hier (in Englisch) in einer Arbeit von Ran D. Goldman aus Kanada ausführlich beschrieben ist.

Sehr beliebt ist bei vielen Menschen Thuja als Tinktur zum Betupfen oder auch als Tropfen / Globuli zum Einnehmen. Auch darunter verschwinden bei ausreichend langer Geduld die Warzen. Die Therapie dauert aber ebenso lange wie die des Nichts-Tuns.

Gesundbeten? Dazu muss ich folgendes vorausschicken: Medizin, das ist meine Überzeugung, sollte beweisen, dass sie hilft, wenn sie eingesetzt wird. Das nennt man heute evidenzbasierte Medizin (evidence-based-medicine, EBM). Deren Erfolg kann man über Cochrane-Studien belegen. Also, Gesundbeten? Das ist eine sehr alte Tradition im Allgäu und in Oberschwaben. Sie wird häufig in Familien weitergegeben. Meine tiefsitzende Skepsis wurde durch vielfache Erfolge ins Wanken gebracht, bei denen zig Warzen innerhalb weniger Tage ohne eine direkte Therapie der Haut verschwanden. Warum? Ich weiß es nicht. Helfen Sie, das Geheimnis zu lüften.

Ach so, die Schnecken. Ab da wird’s langsam schwierig. Es gibt Hunderte von Möglichkeiten, was zeigt: die einzig selig machende Therapie gibt es wohl nicht. Außer: Nichts tun und entspannen. Gut für mache Eltern und die allermeisten Kinder.

HPV Impf-Faktenblatt des RKI – Informationen nicht nur zum Gebärmutterhalskrebs

Impfmüdigkeit ist ein Thema, das seit Monaten die Gemüter bewegt. Dabei werden manchmal Gräben – Impfpflicht oder lieber doch nicht – aufgeworfen, die so nicht unbedingt hilfreich sind. Meine Erfahrung war immer, dass echte Impfgegner sehr selten sind. Viel häufiger bin ich Eltern begegnet, die einfach viele Fragen hatten und durch Informationen im Internet häufig mehr verwirrt wurden, als dass sie Hilfe gefunden hätten.

Es fällt auf, dass im Internet nahezu alle Graphiken zum Thema Impfen von Impf-Skeptikern erstellt wurden. Diese sind meist durch Verzerrung der Skalen so aufbereitet, dass sie dem Ziel der Verwirrung dienlich sind. So ist es bis heute fast nicht möglich, gut fundierte Zahlen interessierten Menschen zu zeigen. Bisher bleib also immer die Frage, warum gute Wissenschaftler ihre Informationen nicht so aufarbeiten, dass sie auch ein Laie schnell und bildlich angenehm verstehen kann? Wäre das nicht eine Aufgabe, die gut besetzte staatliche Behörden übernehmen könnten?

Da ist es eine erfreuliche Überraschung, dass sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin der Aufgabe gestellt hat, ein knappes, aber informatives Faktenblatt zu einer Impfung zu erstellen. Das erste! Das Faktenblatt-HPV informiert schnörkellos und wissenschaftlich gut begründet über die Infektionen mit HPV, ihre Folgen (wie Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome) und die Impfung gegen die Erkrankung.

Ein guter Anfang!

HPV-Impfung – Krebs vermeiden!

Bisher läuft diese Impfung unter dem sperrigen Namen „Gebärmutterhalskrebsimpfung“. Schwer auszusprechen und mühsam fehlerfrei zu schreiben. Nebenbei ist das Wort auch nicht korrekt. Denn die genannte Impfung hilft gegen Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs, Analkrebs, Peniskrebs, Zungen-/Rachen-/Halskrebs. Und Gebärmutterhalskrebs und Peniskrebs schließen sich sicher aus. Was nun?

Wir Mediziner nennen diese Impfung HPV-Impfung. Humanes (menschlich) – Papilloma (warzenartiger Tumor) –Virus. Von diesen HP-Viren gibt es viele Untertypen, 12 davon sind mit einem hohen Risiko verbunden nach Jahrzehnten zu bösartigen Tumoren zu führen. Die Übertragung ist fast ausschließlich sexuell über Haut oder Schleimhäute. Oft findet die Infektion in den ersten Jahren sexueller Aktivität statt. Sie betrifft immerhin 80% aller Menschen.

Oft kommen Informationen über Impfstoffe von Impfstoffherstellern (Pharmafirmen). Das hinterlässt ein Gschmäckle. Bei diesem Impfstoff gegen HP-Viren liegt nun ein unabhängiger und informativer Flyer des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte vor. Verständlich in der Sprache und klar klärt er über den Sinn und mögliche Risiken dieser Impfung auf. Er sei allen empfohlen, die sich über diese wichtige Chance, Krebs zu verhindern informieren wollen.

HPV-Impfung – nun endlich auch für männliche Jugendliche

In diesem Monat kam die überraschende Vorabinformation der STIKO (Ständige Impfkommission) am RKI (Robert-Koch-Institut, Berlin): Sie „empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert“. Diese Empfehlung war aus medizinischer Sicht seit Jahren überfällig.

Neue Erkenntnisse stehen nicht dahinter, wie SPIEGEL-online suggeriert. Eigentlich ist einfachste Logik ausreichend. Wenn heterosexuelle Mädchen an Gebärmutterkrebs erkranken, dann findet die Übertragung beim Sex statt. Bei dieser Gruppe von jungen Frauen sind also die männlichen Partner die Überträger. Das dürfte wohl bekannt sein. Im Übrigen ist auch bekannt, dass Analkrebs und Peniskrebs durch die HPV-Viren ausgelöst werden kann.

Es ging vermutlich mal wieder ums Geld. Die Impfung ist mit jeweils 150€ pro Dosis außerordentlich teuer. Und je nach Alter sind 2 oder 3 Dosen erforderlich, also pro Proband mindestens 300€ für eine wirksame Impfung. Schade, dass da nicht offen drüber gesprochen wird. Warum bei Geld immer die Scham so bedeutsam wird? In Australien wird die Impfung für die männlichen Jugendlichen schon seit 2013 angeboten. Die Impfung wird auf dem fünften Kontinent von den Jugendlichen gerne angenommen, die Erfolgsquoten sind entsprechend gut.

Ein ähnliches Thema war unter Kinderärzten früher die Rötelnimpfung. Bis in die 1990ger-Jahre wurden nur Mädchen geimpft, um deren Babies vor der Rötelnembryopathie zu schützen. Es dauerte lange, bis allen klar war, dass es in der Welt auch (ungeimpfte) Männer und Väter gibt. Die ein stellen ein gleich hohes Risiko für den Nachwuchs dar wie alle anderen Menschen auch.

In diesem Zusammenhang sollte vielleicht auch in der Medizin über einen Männerbeauftragten diskutiert werden. Seit zwei Jahren hat Matthias Becker diese Funktion in Nürnberg inne. Seine Aufgabenstellungen sind vermutlich andere. Aber das Thema Impfung scheint durchaus auch einen Stellenwert in der Gender-Forschung einnehmen.