Schlagwort: Impfung

Was geht in der Welt rum? 10. April 2021

Moderna: Entwicklung eines spezifischen Impfstoffs gegen britische Mutante

AstraZeneca: Pausiert die Corona-Impfstoffstudie bei Kindern

Starker Birkenpollenflug im Oberrheintal

Luftqualität: Schadstoffe nehmen bei ruhiger Wetterlage zu

Das Corona-Durcheinander für Schulen und KiTas bleibt uns erhalten: Präsenzunterricht oder Wechselunterricht? Oder doch Lockdown? Ach so, testen wäre gut. Aber womit? Tests sind versprochen, sind aber in den meisten Schulen und KiTas bisher nicht angekommen. Und wenn Tests da sind – wo sollen sie durchgeführt werden? Zuhause oder in der Schule? Die Serie an Fragen könnte locker verlängert werden. Antworten sind wichtig: Damit wir nicht länger locked-down bleiben.

Coronavirus. Foto: pixabay, Gerd Altmann

Im Corona-Chaos wird deutlich, dass nur die Impfungen dem SARS-CoV-2 effektiv und anhaltend etwas entgegenzusetzen haben. Aber was ist mit den Mutanten? Die National Institutes of Health (NIH) in den USA haben eine erste Studie gestartet, in der eine Variante des mRNA-Impfstoffs von Moderna getestet wird: mRNA-1273.351. Dieser Impfstoff ist speziell gegen die südafrikanische Variante B.1.351 gerichtet. Mal sehen, ob und wie schnell es nach Beginn der ersten Testung (Phase 1) bis zu einem guten – gleich wirksamen und verträglichen – Impfstoff kommt. Das ist die zweite große Hoffnung, die sich mit der neuen mRNA-Technologie verknüpft: In kurzer Zeit wirksame Impfstoffe bereitstellen zu können.

BioNTech und Pfizer haben gestern bekannt gegeben, dass sie ihren Coronaimpfstoff Comirnaty© bei Jugendlichen ab 12 Jahren einsetzen wollen. Eine Ende März veröffentlichte Studie hatte für die Altersgruppe der 12-15-Jährigen eine 100%-ige Wirksamkeit gezeigt .Die Erweiterung der  Notfallzulassung für den Impfstoff sei bei der Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) eingereicht worden. Bislang besteht eine Zulassung ab 16 Jahren.

AstraZeneca und kein Ende der Pannen. Gerade wurde bekannt, dass die schwedisch-britische Pharmafirma ihre Corona-Impfstoffstudie bei Kindern pausiert. Von der Universität Oxford, die den Impfstoff entwickelt hat, war zu hören: „Während es keine Sicher­heitsbedenken in der pädiatrischen klinischen Studie gibt, warten wir auf zu­sätzliche Informationen von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA über ihre Überprüfung der selte­nen Fälle von Thrombosen bei Erwachsenen“.

Wie weit wir in Deutschland mit den Impfungen aktuelle sind, zeigt der Corona-Impfindex, zusammengestellt vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Kassenärztlichen Bundes­ver­einigung (KBV).

Birkenpollenflug am Oberrhein (Basel). Foto: pollenundallergie.ch

Der Birkenpollenflug hat über Ostern am Oberrhein begonnen. Nach kurzer Unterbrechung, hat er vor zwei Tagen erneut Fahrt aufgenommen. Pollenallergikern stehen nun einige harte Wochen bevor, denn nach den Birkenpollen fliegen bald auch die Gräserpollen – diese beiden sind die für Kinder und Jugendliche häufigsten Pollenarten.

Luftqualität in Freiburg gestern (09.04.2021). Foto: Umweltbundesamt

Leider liegt noch viel mehr in der Luft als nur Pollen. Die Luftqualität hängt von einigen Faktoren ab. Der wichtigste ist die Menge an Schadstoffen, die in die Luft eingebracht wird – sei es durch Industrie, private Feuerungsanlagen oder den Autoverkehr. Der zweite Faktor ist die Wetterlage. Im Winter ist diese eher ruhig (z.B. die Inversionswetterlage): wenig Wind und oft Nebel. Das bedeutet, dass die eingebrachten Schadstoffe am Ort bleiben und nicht verdünnt oder weggetragen werden. In den Sommermonaten hingegen trägt die Sonneneinstrahlung zum Anstieg des Ozons bei. Gestern am Freitag – das zeigt die Graphik mit Daten aus Freiburg – war der Wind am Morgen eher schwach und das Stickstoffdioxid (NO2) – vornehmlich bedingt durch den Autoverkehr –  stieg in den Morgenstunden auf mäßige Werte an. Mit der Sonne kam Wind (im Mittel 20 km/h) auf mit zwei Folgen: Die NO2-Werte sanken ab (gepunktete Linie), weil eine Verdünnung eintrat. Und die Werte für Ozon stiegen an.

Bei den Infektionen läuft es hingegen günstig: Die Zahlen bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau für Masern (0 Fälle in diesem Jahr), Mumps (3), Keuchhusten (56 in 2020 gegenüber 558 zur gleichen Zeit im letzten Jahr), Noroviren (264 gegenüber 3481 Fällen zur gleichen Zeit im letzten Jahr) … und so weiter. Außer: Das Hantavirus kommt enorm häufig vor. Allein im Kreis Reutlingen wurden in der letzten Woche 13 neue Fälle registriert.

Was geht in der Welt rum? In Neukaledonien, einer Inselgruppe zwischen Australien und den Fidschi-Inseln im Südpazifik kam es in diesem Jahr zu einem Ausbruch von Hepatitis A – einer infektiösen Leberentzündung, die für alte Menschen und Schwangere gefährlich werden kann. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft die Infektion häufig ohne jeglichen Symptome. Reisen zu diesen Inseln sind im Moment nicht möglich, ansonsten würde eine Impfung gegen Hepatitis A perfekt helfen: fast 100%-iger Schutz + beste Verträglichkeit.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende. Ganz herzlich grüßt Sie

Ihr

Was geht rum? 03. April 2021

mRNA-Impfung bei Jugendlichen (12-15 Jahre): perfekte erste Studiendaten

Testungen an Schulen: Auch mit genügend Tests nicht so einfach

Einfluss der COVID-19-Impfung auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft

Hantavirus im Ländle auf dem Vormarsch

Seit dieser Woche liegen erste Daten vor, dass die mRNA-Impfung auch bei Jugendlichen von 12-15 Jahren gut funktioniert. So berichtet die New York Times (in Englisch), dass in einer Studie mit 2260 Jugendlichen 19 symptomatische Infektionen auftraten – alle in der Placebo-Gruppe. Kein mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff Geimpfter erkrankte. Nebenbei bauten die Jugendlichen um etwa 75% höhere Antikörpertiter auf als junge Erwachsene. Nebenwirkungen traten seltener auf. Eine wissenschaftliche Bewertung der Daten steht noch aus. Sollte diese ebenfalls positiv sein, wäre ein weiterer kleiner Schritt Richtung Herdenimmunität erreicht.

Schule. Foto: pixabay, congerdesign

Alles ist bei genauer Betrachtung nicht gar so einfach. Zu den Testungen auf das SARS-CoV-2 an den Schulen äußerten sich die beiden wichtigsten Verbände der Kinder- und Jugendärzte in dieser Woche: „Bei zwölf Millionen Schülern und 780.000 Lehrern in Deutschland, die regelmäßig zwei Mal in der Woche getestet werden, ergibt sich bei einer Spezifität von 98 Prozent eine Summe von 511.000 falsch positiv getesteten Personen in einer Woche, die in ein Post-Testverfahren eingeschleust und bis zum Ergebnis des PCR-Kontrolltestes isoliert werden müssen“, erklärten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Falsch positiv“ sind Tests mit positivem Ergebnis, obwohl die betroffene Person nicht infiziert ist. Eine PCR-Testung würde also ein negatives Ergebnis zeigen. Dieser Sachverhalt wir als Spezifität eines Tests bezeichnet. Es ist also die Fähigkeit des Tests, die Patienten ohne Krankheit korrekt zu identifizieren. Das ist eine große Schwäche der Schnelltests, bei dem die Spezifität einiger Tests nur knapp über 80% liegt. Genauere Informationen zu Test gibt das RKI hier.

Ein Thema für werdende Mütter: Welchen Einfluss hat eine COVID-19-Impfung auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft? Eine kleine Studie der Harvard-Universität (Preprint in Englisch) gibt Hinweise. Demnach sind die Antikörper einer geimpften Schwangeren ebenso hoch wie die einer nicht schwangeren Geimpften. Und die Antikörper von Schwangeren sind nach einer Impfung höher als nach einer natürlichen Infektion. Wichtig ist die Beobachtung, dass die Antikörper auch im Nabelschnurblut sowie in der Muttermilch nachweisbar sind.

Virus im Aerosol. Vermutlich der wichtigste Weg, um die Atemwege anderer Menschen zu erreichen. Foto: pixabay, PIRO4D

Haben Sie Interesse, Ihr COVID-19-Infektionsrisiko durch Aerosole in verschiedenen Situationen näherungsweise zu bestimmen? Dazu hat die TU Berlin eine Berechnung erstellt, die diesen komplexen Prozess recht einfach erfasst. Hierzu gibt es weitere Literatur, die den Prozess etwas detaillierter darstellt – einen ersten Einstieg finden Sie hier.

Lebensmittel in Deutschland sind von guter Qualität. Damit das so bleibt, finden regelmäßig Kontrollen in Betrieben und Restaurants statt. Die Organisationen Foodwatch und „Frag den Staat“ haben nun die Internetplattform „Topf Secret“ erstellt, auf der Sie die Ergebnisse dieser Lebensmittelkontrollen mittlerweile – zumindest teilweise – einsehen können. Die Karte umfasst Restaurants und Cafés in ganz Deutschland.

Neben der Zunahme bei den Coronaviren fällt die rasante Zunahme an Infektionen mit dem Hantavirus in Baden-Württemberg auf. Allein in der letzten Woche kamen 25 neue Infektionen hinzu, so dass in diesem Jahr 165 Erkrankungen gesichert sind gegenüber nur 17 im letzten Jahr. Welche Bedeutung das Hantavirus hat können Sie hier lesen.

Infekte sind selten. Bei den Kinderkrankheiten setzt sich der Trend fort: deutlich weniger Infektionen als zur gleichen Zeit im letzten Jahr: 0 x Masern in 2020 (2019:25), 3 x Mumps in 2020 (2019:44), 55 x Keuchhusten in 2020 (2019:533). Grund zur Freude. Ebenso Grund zum Impfen, weil mit dem Ende der Coronamaßnahmen alle diese Erkrankungen wieder zunehmen werden.

Birkenpollenflug am Oberrhein (Basel). Foto: www.pollenundallergie.ch

Mit dem frühsommerlichen Wetter stehen die Birken in tiefen Lagen wie im Oberrheingraben in vollen Blüte. Birkenpollenallergiker werden in den kommenden Wochen mit Symptomen rechnen müssen. Empfehlung: Notfallmedikamente kontrollieren und ggf. ersetzen.

Straße auf dem Weg in ein Dorf im Kongo. Mit einem heißen Ritt auf einem Motorrad haben mein Kollege und der Autor dieses Beitrags das Ziel nach 36 Stunden erreicht. Foto: ptw

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo kam es seit Januar nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in einigen nördlichen Provinzen zu Ausbrüchen von Masern. Betroffen seien 13.000 Neuerkrankte in den Provinzen Nord-Ubangi und Süd-Ubangi. Viele Dörfer dort sind von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten und schwer erreichbar – das Bild, aufgenommen von mir im Jahre 2006, zeigt eine solche Straße durch den Busch. Bisher seien 186 Menschen an den Masern verstorben.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und sonniges Osterfest,

ganz herzlich grüßt Sie Ihr

 

 

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Studienzentren in Europa, die an der COVID-19/POLLEN-Studie teilgenommen haben. Quelle: A. Damialis et al, 2021

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

Was geht rum? 27. Februar 2021

COVID-19 in der Schwangerschaft: Risiko für das Neugeborene?

Corona-Tests zur Selbstanwendung: Welche gibt’s? Was können sie? 

Impfungen hier und dort 

Wenig Infekte, vielen Pollen

Eine interaktive Reise auf den Mars

Eine Schwangerschaft ist in der Corona-Pandemie um eine Angst mehr belastet: Ist mein Kind bedroht, wenn ich an COVID-19 erkranke? Eine Studie (in Englisch) von Edward Mullins und Mitarbeitern vom Imperial College London zeigt anhand von Informationen aus England und den USA, dass werdende Mütter sich nicht sorgen müssen.

Selbsttests gegen das SARS-CoV-2 sind eine wichtige Ergänzung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Besonders in Schulen und Kindergärten sollen sie ab März im Rahmen der Öffnung zur Anwendung kommen. Aber welcher Test ist geeignet? Darüber gibt eine online-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Auskunft. Die Liste soll fortlaufend ergänzt werden. Interessant ist auch ein Link auf eine Seite des RKI, der sich mit der Frage befasst: Was ist bei Antigentests zur Eigenanwendung zu beachten? Der fachlich fundierte Text zeigt die Chancen und Grenzen des Selbsttests.

Viel meinen zu müssen trotz wenig Wissen, meinen viele Leute beim Thema Impfungen. Und weil man gerne vom anderen abschreibt, schimpfen viele Medien unisono auf den Impfstoff von AstraZeneca. Der hat aber bei genauer Sicht viele Argumente auf seiner Seite. Ganz vorneweg: In einer Fortschreibung der Studienbeobachtung (Phase IIIb) zeigte sich, dass unter den Geimpften über 30% am Coronavirus erkrankten. Bei keinem Erkrankten war jedoch ein Spitalaufenthalt erforderlich und niemand starb an COVID-19. Gerade die Langfristdaten zu diesem Impfstoff sehen also sehr gut aus. Und die Wirksamkeit des Impfstoffs nimmt mit der Zeit zu, wie Untersuchungen an Tag 49 nach Impfung zeigen: „Die Impfung reift“ (Drosten)

Und wichtig ist heute jeder Impfstoff. Denn weltweit sind bisher nur etwa 0,06 Prozent aller Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Spitzenreiter ist weiterhin Israel (88 Prozent der Bevölkerung mit einer oder 2 Impfungen). Sogar Großbritannien – lange Zeit verhöhnt – hat mit 27 Prozent schon über ein Viertel der Bevölkerung  erreicht. Die Aussichten sind gut: Sollten die Mutationen weiter erfolgreich sein, so ist eine rasche Anpassung der Impfstoffe an neue Virusmutanten möglich. Bei  mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer, Moderna, Curevac) ist eine solche Umstellung innerhalb von sechs Wochen möglich, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Beim Impfstoff von AstraZeneca würde die Anpassung aus technischen Gründen eher 3-4 Monate dauern.

Erlenpollenflug in Deutschland (Stand: 26.02.2012). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Frühling startete im Ländle schon mit der Fasnet. die nicht stattfand. Infekte sind kaum unterwegs – es geht fast nix rum. Außer Pollen: Ganz Baden-Württemberg wird gerade von hohen Konzentrationen an Erlenpollen heimgesucht – mit Ausnahme von Schwarzwald und Schwäbischer Alb (siehe die Graphik links). Für die Birke ist es trotz der Wärme noch zu früh. Kein Birkenpollenflug überhaupt im Land.

Wollen Ihre Kinder mal auf den Mars? Das geht bis heute bekanntlich nicht und kommt vielleicht später. Bis dahin gibt es aber eine interaktive Karte der Freien Universität (FU) Berlin, um sich die Umgebung des Mars-Rovers Perseverance mal genauer anzusehen.

Hunde können etwas erschnüffeln, wo die menschliche Nase völlig ahnungslos bleibt. Quelle: pixabay, Lenka Novotná

Hunde haben Fähigkeiten, die uns übersinnlich erscheinen. Sie können Gerüche erkennen, wo unsere menschliche Nase eine Nulllinie zeichnet. So gelingt es seit Jahren nachweißlich, dass speziell ausgebildete Hunde Lungenkrebs durch ihren Geruchssinn erkennen. Inzwischen sind einige der fitten Zeitgenossen auch für’s Coronavirus geschult. Man legt ihnen ein feuchtes Tuch vor, das zuvor einem Menschen über den Arm gestreift wurde. Legt sich der Hund sodann hin und wartet auf seine Belohnung oder er zeigt den erkannten Geruch durch Bellen an ist die Diagnose Coronavirus zu 95% sicher. Diese Messmethode wird sowohl in Südtirol (Schulen, Altersheim) und am Flughafen in Helsinki eingesetzt.

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich die Pest (meist in der Form einer Beulenpest) in der Region Aur (Provinz Ituri im Nordosten) weiter aus. Bekannt sind 520 Verdachtsfälle. Bereits 31 Menschen sind an der Pest verstorben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gemütliches und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 20. Februar 2021

Pandemie: Internetportal zur Unterstützung von Jugendlichen im Alltag

Kinder- und Jugendärzte: Kinder in der COVID-19 Pandemie

Sitting, Waiting, Wishing – dass morgen alles besser wird? 

Pollenallergie ja, Infekte wenig

Für Jugendliche sowie für deren Eltern gibt es aus München nun ein Internetportal, das sich mit Alltagsproblemen in der Coronapandemie auseinandersetzt. Angesprochen werden bei „corona-und-du“ Jugendliche und – separat – Eltern mit Themen, die im beklemmenden Alltag der Pandemie häufig noch drückender sind als zuvor. Das Spektrum reicht von „Die Welt steht Kopf“ bis zu „Hol Dir Hilfe“ mit praktisch unterstützenden Angeboten.

Von den kinderärztlichen Gesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH)) liegt eine aktuelle, sehr lesenswerte Stellungnahme zum Thema  „Kinder in der COVID-19 Pandemie“ vor. Darin wird – ähnlich wie im praxisblättle – nochmals unterstrichen, wie wenig die Schulschließungen zur Eingrenzung der Pandemie beitrugen, wie schwerwiegend diese aber für das Wohl der Kinder und Jugendlichen waren.

Ruhepause. Quelle: ptw

Geschrieben wird viel. Geredet sowieso. Aber vorausgedacht? Im letztem Sommer waren alle glücklich über die niedrigen Infektionszahlen wie in jedem Jahr bisher, wenn die Grippe nicht kam. Impfungen gegen das C-Virus waren in Entwicklung, BioNTech weit vorne. Aber kaum einen hat’s interessiert. Doch dann kam alles anders: Die Infektionszahlen schnellten nach oben und der einzige Plan war: Hoffentlich kommt bald ein Impfstoff. Es schien um Tage zu gehen. Aber was fand politisch statt? „Sitting, Waiting, Wishing” wie im Jack-Johnson-Song, an den die Journalistin Luisa Hofmeier kürzlich treffend erinnerte. Auch heute könnten verantwortliche Menschen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Pläne für Kinder in Schule/ KiTa unter Berücksichtigung von Impfungen/ Ansteckungsrisiken/ technischen Schutz-Möglichkeiten (von Lüftungsanlagen bis zu einer sinnvollen App) entwickeln. Aber wieder scheint es: Alle warten und hoffen ohne den berühmten Plan-B. Die sinkenden Infektionszahlen im Moment sind wohl eher dem frostigen Wetter der letzten Wochen geschuldet. Wer geht bei diesen Temperaturen schon gerne nach draußen? Wie kann sollte es also im lieblichen Frühjahr weitergehen in Bezug auf unsere Kinder in Schule und KiTa? Auch wenn die Inzidenzwerte wieder schlechter wären? Doch wohl keine Schulschließungen. Da ist mehr und intelligenteres möglich!

Aus Israel kamen diese Woche die ersten Meldungen zur Wirksamkeit der Coronaimpfung mit dem Impfstoff von BioNtech/Pfizer. So hat die Krankenkasse Clalit 600.000 Menschen (Beitrag in Englisch) untersucht, deren zweite Corona-Impfung mindestens eine Woche zurücklag. Danach ergaben sich in der Gruppe der Geimpften 94 Prozent weniger symptomatische Infektionen als in einer Kontrollgruppe von noch nicht geimpften Menschen. Eine weitere Studie hatte vor einer Woche bereits berichtet, dass unter den frisch Infizierten nur ein Anteil von 0,1 Prozent der Personen waren, die bereits geimpft worden waren. Nach vielen „Labor-Studien“ zeigen diese nun Ergebnisse aus dem wahren Leben: Die Corona-Impfung wirksam ist. Nicht zu 100% – aber fast. Eine gute Übersicht gibt das Faktenblatt zur mRNA-Impfung vom Robert-Koch-Institut.

Haselblüten. Quelle: pixabay, Manfred Richter

Der Pollenflug hat inzwischen Schwung aufgenommen. Die Pollenbelastung mit Erle und Hasel ist hoch und wird sich über das Wochenende vom Oberrhein und Bodensee in höhere Lagen ausbreiten. Eltern von allergiebelasteten Kindern sollten die Notfallmedikamente (z.B. Notfallsprays wie Salbutamol) zuhause überprüfen.

Weiterhin treten nur wenig Infektionskrankheiten bei Kindern auf. Das betrifft alle Infekte der Atemwege außer die mit den Rhinoviren. So tritt Schnupfen durchaus noch auf, aber kaum Bronchitis oder Lungenentzündungen. Selbst der Keuchhusten hat nur eine Häufigkeit, die um 90% niedriger liegt als vor einem Jahr um diese Zeit.

Was geht in der Welt rum? Nicht nur bei uns gibt es Zecken. Unser südlicher Nachbar, die Schweiz, berichtet von der ersten FSME-Erkrankungen in diesem Jahr. Aber auch im Elsass, unserm westlichen Nachbarn, spielen Zecken eine enorme Rolle. Sie kommen dort doppelt so häufig vor wie in der Region Paris. Unter den Kindern sind in Bezug auf die Borreliose besonders die Kinder von 5-9 Jahren betroffen. Ein Gebiet mit besonders hoher Belastung ist die Region um Sélestat, die sich auf Höhe des Kaiserstuhls auf der französischen Seite des Rheins anschließt mit mehr als 200 Fällen pro Jahr auf 100.000 Einwohner.

Ich hoffe, Sie finden viel Zeit, um das frühlingshafte Wochenende mit Ihrer Familie zu genießen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 30. Januar 2021

Schockrisiko nach mRNA-Impfungen

COVID-19 bei Kindern in den USA

KiTas und Grundschulen im Ländle bleiben zu

Saubere Luft im Ländle –  dank Winter und Coronavirus

Zuletzt haben Sie manche Beiträge im praxisblättle über Impfungen gelesen. Bleiben wir also bei diesem Thema. Ein allergischer Schock, medizinisch Anaphylaxie genannt, ist die schwerste akute Reaktion, die nach einer Impfung auftreten kann. Inzwischen liegen zu diesem Risiko erste Daten aus den USA vor. Was den Impfstoff von BioNTech/Pfizer betrifft, so liegt die Rate bei 11,1 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Dies zeigt die Studie aus dem Team von Tom Shimabukuro vom Center for Disease Control (CDC), dem amerikanischen Pendant des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Für den anderen in Deutschland zugelassenen  Impfstoff, den der Firma Moderna, liegen die Zahlen bei einem Viertel: 2,5 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Das zeigt der MMWR ebenfalls aus dem CDC vom 22. Januar dieses Jahres auf, der sich auf 4,041,396 Erstimpfungen bezieht. Aus diesem Grunde müssen alle Geimpften in Deutschland 30 Minuten nach der Impfung im Impfzentrum bleiben. Über die speziellen Risikogruppen gibt eine Studie von Alvaro Moreira und Mitarbeitern aus dem CDC weitere Auskünfte.

In Deutschland erfahren wir nur vereinzelte Daten über COVID-19 bei Kindern. Aus den USA wissen wir seit der Veröffentlichung der AAP News (in Englisch; AAP  ist die Gesellschaft der amerikanischen Kinderärzte) nun genauer, wie sich das Coronavirus bei Kindern und Jugendlichen ausbreitet. Demnach sind in den USA seit Ausbruch bis heute 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche an COVID-19 erkrankt (12,5% aller Erkrankter überhaupt). 10.182 Kinder wurden stationär behandelt (0.8%) und 191 (0.01%) verstarben an der Corona-Infektion.

Nun bleiben die Kindergärten und Grundschulen in Baden-Württemberg doch erstmal mindestens bis zum 21. Februar – also nach den Fasnachtsferien – geschlossen. Nur die Notbetreuung wird weitergeführt. Der Grund, so Ministerpräsident Kretschmann: „Die Mutanten sind nicht vor der Tür, sie sind leider schon da“. Aus den aktuellen Sequenzierungsdaten ginge hervor, dass bereits 2 bis 3 Prozent der neuen Corona-Infektionen auf mutierte Varianten des SARS-CoV-2 zurückzuführen seien. „Das klingt wenig, kann aber schnell ansteigen.“ Zuletzt waren in der Evangelische Kindertagesstätte Immergrün im Freiburger Stadtteil Vauban 18 Fälle mit der britischen Mutante bei Kindern und Erzieherinnen nachgewiesen worden.

Im Internet gibt es eine weiter steigende Zahl an Apps zum Thema Gesundheit. Sie reichen von allgemeinen Informationen bis hin zur Erinnerung an die Einnahme von Medikamenten. Sind die Informationen der jeweiligen App medizinisch korrekt? Sind die Apps sicher in Bezug auf den Umgang mit Daten? Mit diesen Fragen hat sich das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (im Auftrag von Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung) befasst. Eine Patienteninformation soll helfen, vertrauensvolle Apps zu diesen Themen leichter zu erkennen.

xxx

Wie steht es eigentlich um die Luftqualität in deutschen Städten? Für Baden-Württemberg sind leider von keiner Messstation umfassende Daten zu bekommen. Wohl aber aus Wörth am Rhein, das gerade mal 3 Kilometer von Karlsruhe entfernt auf der anderen Seite des Rheins liegt. Und die Daten sind günstig.

So sollte nach den deutschen Richtlinien der Höchstwert für Ozon von 120 µg/m3 maximal an 25 Kalendertagen pro Jahr überschritten werden. Gemessen daran ist der Wert von momentan 73 µg/m3 schon erstaunlich hoch in Anbetracht der geringen Sonneneinstrahlung des winterlichen Januar.

Niedrig sind jedoch die PM10, als wichtiger Hinweis auf eine Feinstaubbelastung. Nach den vielen Niederschlägen der letzten zwei Wochen ist die Luft gereinigt.

Die Stickstoffdioxid(NO2)-Werte werden hauptsächlich durch den Straßenverkehr und ganz besonders durch Dieselfahrzeuge erzeugt. Nebenbei ist NO2 auch ein Vorläufer vieler Feinstäube und kommt im Verbund mit anderen Schadstoffen vor. Insgesamt zeigt NO2 die Luftbelastung durch Verbrennungsprozesse unter hohen Temperaturen an. Dieser Wert liegt also sehr günstig und spiegelt vermutlich eine günstige Folge des Lockdowns wieder: weniger Straßenverkehr.

Zusammengenommen haben wir im Moment eine wunderbare Luft draußen – nur leider eben auch ein Schmuddelwetter. Die Luft ist aber von selten guter Qualität und wir sollten den Versuch wagen nach draußen zu gehen – mit unseren Kindern. Alle werden begeistert sein, wenn wir mehr bieten als einen langweiligen Sonntag-Nachmittags-Spaziergang.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern von Asien, Lateinamerika und Afrika legen die Krankheitszahlen beim Dengue-Fieber zu. Aber selbst für diese Länder ist das Coronavirus spürbar wichtiger, sei es, dass Mutanten seine Verbreitung anheizen – wie zur Zeit in Südafrika. Die weiteren Auswirkungen des Coronavirus auf den Alltag der armen Menschen in vielen armen Ländern sind beispielsweise durch Ausgangssperren weit dramatischer: Der Handel wird unmöglich und Polizeiwillkür (die durch Bestechungsgelder sehr teuer ist) nimmt rasant zu. Mit schwerwiegenden Folgen für die Schwächsten jeder Gesellschaft: die Kinder!

Gemessen daran erscheint unsere Situation trotz aller Belastungen gut erträglich. Ich hoffe, Sie haben Zeit ein schönes Wochenende mit viel frischer Luft zu genießen. Herzlichst verbleibe ich Ihr

Baden-Württemberg: Schlusslicht bei den Impfungen

Mit Impfungen tun sich manche Menschen schwer. Das fängt schon mit dem Piecks an und geht weiter mit der Unsicherheit, was denn im Impfstoff so alles drin sei. Klar ist, dass die Herstellung von Impfstoffen ein komplexer Prozess ist. Darüber hinaus unterscheiden sich Impfstoffe in ihrer Zusammensetzung und ihren Wirkprinzipien teilweise erheblich. Um das zu verstehen, sind gute Kenntnisse der Immunologie erforderlich. Deswegen sind Vergleiche für Laien kaum möglich, auch wenn der fachliche Austausch von Wissenschaftlern in den Medien bzw. Fachmedien verfolgt werden kann. Durch diese offene Diskussion vieler Wissenschaftler und den nachfolgenden transparenten Prozess der Zulassung eines Impfstoffes durch die Kontrollbehörden in Deutschland (Paul Ehrlich-Institut) oder in der Europäischen Gemeinschaft (European Medicines Agency, EMA) besteht jedoch ein sehr hohes Maß an Sicherheit.

Wenn Kinder geimpft werden sollen, steht am Anfang die Aufklärung der Eltern. Sie umfasst Informationen über die Krankheit gegen die geimpft wird ebenso wie Informationen über Wirkungen und Nebenwirkungen des Impfstoffes. Es geht dabei um die Frage, ob das geringe Risiko der Impfung in einer vernünftigen Beziehung zum Nutzen der Impfung steht. All das ist am Schluss nur möglich, wenn Eltern und Kinderärztin/ Kinderarzt sich gegenseitig vertrauen.

Impfquoten in Baden-Württemberg im Vergleich zur gesamten BRD. Quelle: Kindergesundheitsbericht BW 2020

In Baden-Württemberg liegen die Impfquoten so niedrig wie in keinem anderen Bundesland. Das zeigt die nebenstehende Graphik mit den Impfdaten aus den Jahren 2018 bzw. 2019 recht klar: Bei allen Impfungen liegt die prozentuale Beteiligung der Menschen in Deutschland höher als in Baden-Württemberg selbst. Nur bei der Pneumokokkenimpfung besteht ein gleicher Wert von 81.3%.

Ein großer Unterschied besteht auch zwischen der Beteiligung an der ersten Masernimpfung zur zweiten Impfung gegen Masern. Für Baden-Württemberg liegt der Wert bei 5,4%, wodurch keine Herdenimmunität erreicht werden kann. Erst wenn sich alle Personen, die bereits eine erste Impfung hinter sich haben auch eine zweite Masernimpfung geben lassen würden, wäre das Ziel der Herdenimmunität in Baden-Württemberg erreicht.

So kann man also sagen: Die Impfquoten sind ganz ordentlich, aber für einen richtig guten Effekt bräuchte es bei allen Impfungen eine Quote, die noch um einige Prozentpunkte höher liegen sollte.

Zur Impfung gegen das SARS-CoV-2 („Coronaimpfung„) haben wir natürlich nur eine vage Idee, wie gut diese angenommen wird. Auch wenn viele jetzt schnell nach der Impfung verlangen, ist die Zahl derer, die (noch?) kein Interesse haben, erstaunlich hoch. Bei den gegen das Coronavirus liegt das Ländle im Vergleich zu den anderen Bundesländern wieder ganz hinten. Das liegt einmal nicht an der Bereitschaft zum Impfen. Sondern daran, dass für jeden der geimpft wird eine zweite Dosis zurückgelegt und reserviert wird. Das ist vernünftig. So erhalten alle Geimpften einen vollen Schutz, so sie es wollen. Nur dadurch können wir dem Virus wirklich die Stirn bieten.

Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gibt es noch keine Freigabe für einen der Impfstoffe. Insofern werden wir auch zum Ende dieses neuen Jahres eher eine  bescheidene Teilnahmequote für die Impfung gegen SARS-CoV-2 sehen, die nur wenig über der 50%-Marke liegen dürfte. Ob auch dann Baden-Württemberg wieder ganz hinten liegen wird? Warten wir’s ab.

Impfungen: Was haben sie bisher erreicht?

Das Thema Impfung löst bei uns Deutschen häufig enorme Emotionen aus. Das Spektrum reicht von der Sorge um vermeintlich hohe Raten an Nebenwirkungen (die verschweigen würden) bis hin zu Genmanipulationen im Zusammenhang mit den neuen mRNA-Impfstoffen von BioNTech, Moderna und CureVac.

Manchmal ist ein Blick zurück ganz sinnvoll. Was haben Impfstoffe in den letzten Jahrzehnten erreicht? Da aus Deutschland nur unzureichende Daten vorliegen, werfen wir hier anhand der Daten der American Academy of Pediatrics* einen Blick darauf, was Impfungen bisher in den USA aufweisen können:

Erkrankung Jährliche Erkrankungen vor Einführung der Impfung Jährliche Erkrankungen im Jahr 2007 Rückgang in %
Pocken 48.164 0 100
Diphterie 175.885 0 100
Tetanus 1314 28 98
Keuchhusten 147.271 10.545 93
Kinderlähmung 16.316 0 100
Masern 503.282 43 > 99
Mumps 152.209 800 > 99
Röteln 47.745 12 > 99

Dabei zeigt sich, dass einige Krankheiten mithilfe der Impfungen – bezogen auf die USA – auf dem amerikanischen Kontinent ausgerottet sind: Pocken, Kinderlähmung. Der riesige Impferfolg bei anderen Infektionskrankheiten beginnt jedoch zu bröckeln. Die Bereitschaft zum Impfen ist in einigen Gruppen der Bevölkerung abgesunken. Das gilt besonders für die Masern. Aber Impferfolge sind davon abhängig, dass sich gesunde Menschen solidarisieren und sagen: Ich lasse mich impfen, damit ein Erreger sich in meinem Körper nicht ausbreiten kann. Und das, obwohl mir die Krankheit wenig ausmachen würde. Weil es andere Menschen gibt, die keine so gute Immunität haben und meine Solidarität brauchen. Wenn wir beim Impfen erfolgreich sein wollen, müssen wir vom Egoismus etwas abkehren – vom Ich zum Wir.

Die Mehrheit der Menschen in den Industrieländern haben diese schlimmen Krankheiten nicht mehr kennengelernt, die heute – bis auf den Keuchhusten und Tetanus – komplett zu besiegen wären. Ob die Impfpflicht gegen Masern hier etwas bewirken wird, bleibt abzuwarten. Deren Umsetzung wird auch nach der Corona-Pandemie mühsam sein.

Mit den neu entwickelten Impfstoffen gegen das SARS-Coronavirus-2 ist die Diskussion um Impfungen wieder aufgeflammt. Das bietet den Wissenschaftlern die Chance, interessierten Menschen zu erklären, wie die unterschiedlichen Konzepte funktionieren. Das sind jedoch keine Information so nebenbei. Die Impfprinzipien können nicht mit einfachen Schlagwort beschrieben werden. Wichtig ist, dass die Aussagen wie sie die AfD verbreitet zwar einfach sind – aber ebenso auch falsch: fake news. Wer von Genetik spricht, sollte sich auch die Mühe machen, nicht Birnen mit Äpfeln zu vermengen.

* Active and passive immunization. In: Pickering LK, Baker CJ, Kimberlin DW, Long SS, eds. 2009 red book: report of the Committee on Infectious Diseases. 28th ed. Elk Grove Village, IL: American Academy of Pediatrics; 2009; 48-49

Corona-Impfungen: Wieso kamen sie so schnell auf den Markt?

In vielen Ländern (Großbritannien, USA, Russland, China u.a.) sind Corona-Impfungen schon verfügbar. In Deutschland ist erst in den letzten Tagen dieses Jahres damit zu rechnen. Damit ging die Entwicklung von Corona-Impfstoffen so schnell wie noch nie. Das beunruhigt einige Menschen. Sind solche Ängste angebracht?

Die Zulassung von Impfstoffen verläuft je nach Land unterschiedlich. So wurde der Corona-Impfstoff Sputnik V (Russland) als erster weltweit im August 2020 zugelassen. Zur der Zeit lagen kaum Daten über diesen Impfstoff vor, die Phase-3-Studie begann erst im Oktober. Für den Impfstoff der Firma Sinovac aus China liegen ebenso kaum Daten vor. Dennoch hat beispielsweise die Türkei bereits am 11. Dezember angefangen Risikogruppen mit dem chinesischen Impfstoff, der sich auch in der Türkei noch in der Testphase geprüft wird, zu impfen. In beiden Fällen wurde der Impfstoff freigegeben, ohne dass Wissenschaftler die Daten zur Verfügung hatten, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Impfstoff ist ein zu einem Politikum und zu einem Machtinstrument geworden.

Die Wissenschaftsgemeinde weltweit hat anerkannte Standards mit den neue Medikamente und Impfstoffe auf ihre Verträglichkeit und ihre Wirkung untersucht werden. Nach den Tierversuchen – sie sind zumeist auch heute noch erforderlich – findet die erste klinische Anwendung der neuen Substanz in einer sogenannten Phase 1-Studie statt. Dabei wird ein Medikament oder eine Impfung auf die Pharmakokinetik  bzw. die Verträglichkeit an einer kleinen Gruppe freiwilliger Probanden geprüft. Es folgt dann die Phase 2-Studie, um die richtige Dosierung und die Wirkungen auf das Immunsystem bei einer größeren Gruppe von Probanden (meist 100 – 200 Menschen) zu finden. In der Phase 3-Studie schließlich wird geklärt, wie gut ein Medikament oder Impfstoff effektiv schützen. In dieser Studienphase nehmen Tausende von Probanden teil. Deren Anzahl hängt im Wesentlichen davon ab, wie häufig ein Ereignis (z.B. eine Infektion mit SARS-Coronavirus-2) in einer Bevölkerung vorkommt und wie schnell ein Ergebnis vorliegen soll. Es liegt auf der Hand, dass je grösser die Studiengruppe ist, je schneller liegt auch ein Ergebnis vor.

Ablauf einer Studie bis zur erfolgreichen Abschluss – traditionell und im Rahmen der Coronapandemie Quelle: F. Krammer, Nature

Damit wird auch klar, dass auch die Finanzlage über die Schnelligkeit dieser Studienschritte entscheidet. Bei Impfstoffen oder Medikamenten, die nur für eine kleine Bevölkerung von Bedeutung sind (z.B. Behandlung einer seltenen Stoffwechselkrankheit) wird eine Firma, die ein solches Medikament entwickelt hat abwägen, ob die Kosten der Studien durch den Verkauf am Schluss wieder eingespielt werden. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie spielt Geld – fast – keine Rolle. Insofern wird beispielsweise die Entwicklungszeit verkürzt, in dem die Phasen der Studie überlappend durchlaufen werden.

Gespart wurde jedenfalls bei den Impfstudien nicht. In der Geschichte der Impfungen gibt es nur zwei Kandidaten, die in einer größeren Gruppe untersucht wurden: Prevenar 13 (Pfizer) an 89.000 und Rotarix (GSK) an 75.000 Probanden. Danach folgt der mRNA-Impftstoff von BioNTech mit 44.000 Probanden. Interessant – und für Mediziner wie mich erschreckend – ist: Twinrix gegen Hepatitis A&B (GSK) wurde an 843 Menschen getestet. Die Impfexperten der Harvard-University Eric J. Rubin und Dan L. Longo kommen zum Schluss: „This is a triumph“. Wenn Sie Zeit haben: Das Editorial der Experten ist eine spannende Lektüre (in Englisch). 

Nach den Studien erfolgen noch intensive Prüfungen durch nationale (z.B. das Paul-Ehrlich-Institut – PEI – in Langen, südlich von Frankfurt am Main) oder internationale Behörden wie die European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam. Erst diese Behörden können die Freigabe eines Impfstoffes vornehmen.

In seiner hochinteressanten Publikation SARS-CoV-2 vaccines in development (in Englisch) hat der Österreicher Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York die verschiedenen Ansätze bei den Impfungen gegen Das SARS-COV-2 dargelegt.

Fazit: Intensive Forschung in vielen Ländern dieser Erde, gute finanzielle Ausstattung der Forschungsprojekte und wenige bürokratische Hemmnisse haben – zusammen mit einem Quäntchen Glück – zur raschen Entwicklung einiger Impfstoffe gegen das Corona-Virus geführt. Viele erfolgversprechende Impfstoffe sind noch auf dem Weg. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die logistische Umsetzung der Impfung ebenso gut gelingt. Und dass auch die Prüfung der Impfungen bei Kindern  – für sie gibt es bislang keine ausreichenden Daten – erfolgreich sein wird.

Bis allen Menschen in Deutschland eine Impfung angeboten werden kann, wird es trotz aller Schnelligkeit wohl Weihnachten 2021 werden.

Erster direkter Nachweis: HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs

Es ist seit Jahrzehnten belegt, dass das humane Papilloma Virus – kurz HPV – die wichtigste Ursache für das Cervixkarzinom („Gebärmutterhalskrebs“) darstellt. Dass eine Impfung gegen die verschiedenen HP-Viren sinnvoll sein würde, war schon lange belegt. In einem früheren praxisblättle haben wir darüber berichtet.

Schwieriger war es, eine direkte Schutzwirkung der Impfung gegen diese Krebsart zu belegen. Denn zwischen dem Kontakt mit dem Virus im Alltag (meist sexuell) und der Entstehung der Krebserkrankungen können Jahrzehnte liegen. In einer schwedischen Studie konnte nun eine Forschergruppe um Jiayao Lei vom Karolinska Institut in Stockholm erstmals zeigen, dass die Impfung in der Lage ist, das Entstehen des Gebärmutterhalskrebses zu verhindern. Das war möglich, weil in Schweden drei sich ergänzende Register zum Thema Impfen existieren, die eine genaue Analyse der Daten von weit über 1 Million Frauen ermöglichten.

Die Studie bezieht sich auf Frauen, die ab 2007 mit einem Impfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 (Gardasil© – inzwischen enthält dieser Impfstoff 9 HPV-Typen) geimpft wurden. Das sind die 4 wesentlichen HPV-Virustypen, die als onkogen (krebsverursachend) gelten. Die Daten wurden mit denen der nicht geimpften Frauen in Bezug auf das Auftreten des Gebärmutterhalskrebses verglichen. Dabei haben die Wissenschaftler auch andere Aspekte berücksichtigt. So könnte es durchaus sein, das gesundheitsbewusste Frauen sich eher impfen lassen und sich auch durch Kondome eher vor der sexuell übertragbaren Erkrankung schützen. Diese Faktoren wurden statistisch herausgearbeitet.

Als Maß für die Wirkung verwendeten die Forscher die alters-adjustierte relative Inzidenzrate (IRR). Die lag für alle geimpften Frauen gemeinsam bei 0,37. Das bedeutet, dass das Risiko für die geimpften Frauen  an dieser Krebsart zu erkranken um 63% niedriger lag. Für die Frauen, die sich vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen lag das Risiko sogar 88% niedriger (IRR 0,12).

Dass die HPV-Impfung das Wachstum von Genitalwarzen bremsen kann war lange klar. Ebenso, dass Krebsvorstufen entstehen. Mit dieser schwedischen Studie ist nun erstmals der wichtigste Beweis gelungen: die HPV-Impfung schützt effektiv gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Sie zeigt aber auch: Der Schutz ist nicht 100%-ig– Das wird bei den vielen Typen an HP-Viren wohl auch nicht gelingen. Insofern ist es für alle Frauen wichtig, weiterhin die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.