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Impfung gegen Mücken

Da könnte noch mancher Impfgegner schwach werden: Eine Impfung gegen Mückenstiche. Aber wie soll das gehen? Und was können wir davon erwarten?

Über Impfungen gibt es in Zeiten des Coronavirus tägliche Informationen. Aber die Impfungen, von den wir hören, sind sämtlich gegen einen einzigen Erreger gerichtet: Impfung gegen Gelbfieber, gegen Malaria (bisher erfolglos), gegen FSME. Jetzt haben Forscher um Jessica E. Manning vom National Institute of Health (NIH) in Bethesda (USA) erste Untersuchungen mit einem Impfstoff durchgeführt, der sich gegen die Speichelsekrete des übertragenden Insekts richtet.

Die Idee dabei ist genial. Wir bekämpfen nicht mehr jeden einzigen Erreger. Denn davon gibt es viele in Mücken, die diese Erreger übertragen: Malaria, Dengue, Gelbfieber, Chikungunya, Zika, Japan-Encephalitis, West Nil-Fieber. Wenn es gelingen könnte, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Stechmücken zu entwickeln, könnte im Idealfall die Übertragung von Krankheiten beim Mückenstich verhindert werden. Immerhin werden weltweit 17% aller Infektionen durch Vektoren wie Mücken oder Zecken übertragen. Und diese führen jährlich zu über 700.000 Todesfällen.

In Tierexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Eine Impfung gegen die Eiweiße (Proteine) im Speichel der Insekten war erfolgreich um Krankheiten zu verhindern, die durch das Insekt übertragen werden. Diese Studie an Menschen zeigte nun, dass die Anwendung des Impfstoffes gut vertragen wurde und dass nach einem Insektenstich eine Immunantwort ausgelöst wurde. Genau das war die Fragestellung dieser „Phase-1-Studie“ – vergleichbar mit den Phase-1-Studien bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus, wie sie von den Formen curevac in Tübingen und BionTech in Mainz gerade durchgeführt werden.

Wie wir diese Studie sehen: Es ist ein spannender Ansatz, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Moskitos durchzuführen. Sollte sich bei den kommenden Studien auch beim Menschen zeigen, dass damit die Übertragung von Krankheiten (wie Malaria, Gelbfieber, West-Nil-Fieber) verhindert werden kann, wäre das genial und Nobelpreis-verdächtig. Der Schritt zu einem Impfstoff gegen den Speichel von Zecken wäre dann nicht mehr weit. Und wenn dieser erfolgreich wäre, hätten Kinder und Erwachsene eine Schutz gegen FSME und Borreliose.  Gleichzeitig. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik.

Hirnhautentzündungen bei Kindern. Welche Impfungen helfen?

Hirnhautentzündungen sind ein Schrecken. Besonders wenn es Kinder trifft, die aus völliger Gesundheit plötzlich schwer krank werden.

Die Hirnhaut heißt in der Sprache der Mediziner meninx (Haut) encephali (Gehirn). Deswegen sprechen Ärzte von der Meningitis, wenn es um eine Entzündung („itis“) der Hirnhaut geht. Diese kann durch Hunderte verschiedener Ursachen entzündet sein, wie

  • Bakterien: HiB (Haemophilus influenzae B), Borrelien (durch Zecken übertragen) und viele mehr
  • Viren: FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis, durch Zecken übertragen), Masern, Windpocken und weitere
  • Parasiten wie Würmer
  • nicht-infektiös – beispielsweise durch Medikamente

Viele Ursachen bedeutet auch: nur viele verschiedene Therapien helfen. Es kann also auch vorbeugend keine „Impfung gegen Hirnhautentzündung“ geben, sondern immer nur die Impfung gegen einen bestimmten Erreger. Nach Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B vor fast 30 Jahren folgten weitere (besonders gegen Pneumokokken und Meningokokken-C), die zu einem erheblichen Rückgang von bakteriellen Entzündungen der Hirnhäute führten.

Altersverteilung der Erkrankungen an Meningokokken-Meningitis Quelle: RKI

Besonders schlimme Infektionen bis heute sind noch immer die invasiven Meningokokken-Meningitiden. Die Tödlichkeit dieser Infektion ist gerade für Säuglinge sehr hoch. Traten im Jahre 2001 noch 781 dieser Infektionen auf, ging die Zahl bis im Jahre 2019 in Deutschland auf 295 zurück. Dieser Effekt geht auch auf Impfungen (gegen Meningokokken Typ-C) zurück. Die meisten schweren Meningitis-Erkrankungen (invasiv) werden heute durch Meningokokken des Typs B (58.6%) verursacht und betreffen vorwiegend Säuglinge.

Nun gibt es hierfür seit einigen Jahren eine Impfung (4CMenB – Handelsname Bexero©), die bis heute jedoch noch nicht von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfohlen und somit keine Standardimpfung in Deutschland ist. Eine Studie aus England um den Forscher Shamez N. Ladhani hat nun herausgefunden, dass die Impfung gegen die Meningokokken Typ B bei Säuglingen dazu führt, dass die Zahl der erwarteten Infektionen um 75% zurückgeht, wenn die Impfquote entsprechend hoch ist. Das ist in England, wo diese Impfung seit Jahren staatlich empfohlen ist, der Fall. Dort sind 92.5% aller Kinder im ersten Lebensjahr gegen 4CMenB geimpft. Die Wirksamkeit der Impfung beginnt bereits mit der ersten Injektion und steigt mit den folgenden Nachimpfungen weiter an.

Impfempfehlungen gibt die STIKO unter Beachtung vieler Kriterien. Dazu gehört auch, ob eine Impfung von den Eltern angenommen wird oder nicht. Die Einstellung zu Impfungen hat sich mutmaßlich durch das Corona-Virus geändert. Mal sehen, ob sich in Folge dessen auch die STIKO zu einer Empfehlung hinwenden wird. Ende August wissen wir mehr. Dann kommen die neuen jährlichen Empfehlungen.

Masern – ein aktuelles Merkblatt

Die Viren machen krank, die Folgen der Vorsichtsmaßnahmen manchmal auch. Eltern erleben durch diese Pandemie täglich neuartige Probleme infolge COVID-19. Denn noch immer ist die soziale Distanz die wirksamste Maßnahme. Eine wirksame Therapie oder Impfung gegen das Virus steht noch nicht zur Verfügung. In den letzten Tagen haben sich einige Hoffnungen auf eine Therapie zerschlagen (z.B. beim Malaria-Medikament Chloroquin). Neue Hoffnungen machen die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung.

Die Masern haben mit COVID-19 gemein, dass auch sie eine schwerwiegende Infektion mit Viren darstellen. Auch gegen Masern gibt es keine medikamentöse Therapie. Aber, es gibt eine hochwirksame Impfung, die es gegen das Coronavirus (noch) nicht gibt.

Gerade hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)  eine Patienteninformation zur Masern-Impfung herausgebracht, die umfassend und klar formuliert ist.

Das ist eine Hilfe für alle Eltern, die noch unsicher sind, ob und warum sie ihre Kindern gegen diese Krankheit impfen lassen sollten. Zeit zum Lesen haben Sie vermutlich jetzt mehr als genug. Und es macht auch Sinn, die Kinder (und sich selbst?) jetzt gegen Masern impfen zu lassen.

Was geht rum? 14. März 2020

Vermutlich nimmt bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Verwirrung in diesen Tagen täglich oder stündlich zu. Nun hat sogar der Vatikan die Schließung aller katholischen Kirchen in Italien verfügt. Seltsame Zeiten. Nein, das ist keine Science Fiction. Wir erleben eine Krankheit, COVID-19 genannt, die sich über den Erdball ausbreitet. Und gleichzeitig erleben wir persönlich von dieser Krankheit in den meisten Fällen nichts. Außer den Folgen von Sorgen, Angst oder Panik. Was sollen wir also glauben? Hier dazu sechs Fakten.

Erstens. Der amerikanische Präsident hat den Schuldigen gefunden. Das SARS-CoV-2 Virus sei ein „ausländisches Virus“. Sehr praktisch. In der Geschichte gab es mehrfach Versuche, „Ausländer“ zu brandmarken. Zum Beispiel die Syphilis (Geschlechtskrankheit). Die Franzosen nannten sie seinerzeit „englische Krankheit“, die Engländer „französische Krankheit“. Grenzen können nicht effektiv geschlossen werden, weder damals, noch heute. Es ist für uns wenig bedeutsam, wo das Coronavirus herkam. Wichtig ist, es breitet sich weltweit aus. Und wir sollten dazu beitragen, dass diese Verbreitung weniger heftig verläuft.

Zweitens. Länder sind unterschiedlich organisiert und haben Gesundheitssysteme, die mal besser, mal weniger gut aufgestellt sind. Das erklärt zum Teil, warum die Erkrankungsfälle und Todesfälle von Land zu Land so stark variieren. Aber eben nur zum Teil. Großteils wissen wir und unsere Experten noch zu wenig über diesen Erreger. Aber wir alle lernen täglich dazu.

Wasser und Seife – alles was es braucht, um das Risiko für Ansteckung drastisch zu senken Quelle pixabay; Susanne Jutzeler

Drittens. Für uns in Baden-Württemberg ist im Moment noch alles ziemlich gut. Nach Angaben des SWR sind, Stand diese Woche, 2,5 von 100.000 Menschen infiziert. Von diesen sind 80% nur leicht betroffen. Das ist eine gute Basis. Weil wir bereits wissen, dass das Coronavirus sich rasch ausbreiten kann, helfen Hygienemaßnahmen (wie das Händewaschen) und die Vermeidung großer Menschenansammlungen enorm, um eine schwere Epidemie im Ländle zu vermeiden.

Viertens. Wie erklärt sich, warum wir trotz der wenigen Infektionen im Lande so vorsichtig sein sollen? Die Ausbreitung von Krankheiten hängt von einer Reihe Faktoren ab. Dabei sind viele wie die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung), die Latenzzeit (Zeit bis eine angesteckte Person selbst für andere anstecken wird) und die Zeit der Ansteckungsdauer nicht veränderbar. Sie sind vom Erreger, also hier dem Coronavirus, vorgegeben. Worauf wir als Menschen einen Einfluss haben, ist die Basisreproduktionszahl Ro. Diese Zahl zeigt an, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Beim SARS-CoV-2-Erreger sind das nach den bisherigen Forschungen 2,4 – 3,3 Personen. Nach statistischen Analysen würde dies bedeuten, dass zwei Drittel der Bevölkerung über die kommenden Monate angesteckt würden, bevor sich niemand mehr anstecken kann. In China lag diese Zahl Ro nach einer letzten Studie im Januar bei 3,86 und wurde durch die drastischen Maßnahmen wie die Abschirmung von Millionenstädten auf Ro=0,32 Mitte Februar gesenkt. Man hatte also erreicht, dass es nur jedem dritten Infizierten gelang, eine weitere Person zu infizieren.

Bodensee im Frühling   Quelle   ptw

Fünftens. Viele versuchen die Angst zu schüren und den Weltuntergang zu beschwören, besonders die Börse, die vor wenigen Tagen noch ihre Rekorde feierte. Wir sollten aber wissen, dass die Verbreitung des Coronavirus ähnlich verläuft wie beim Influenzavirus und anderen Viren auch. Erkrankungen mit diesen Viren haben wir alle durchgemacht. Und überstanden. Wir dürfen also entspannt bleiben, sollten aber unseren Alltag anders organisieren. Statt großer Feste können wir schöne Spaziergänge in der erwachenden Natur machen. Für Baden-Württemberg hat die Regierung entschieden, dass ab Dienstag der kommenden Woche alle Kindergärten und Schulen bis zu den Osterferien geschlossen werden. Dann wird es für die berufstätigen Eltern der etwa 2 Millionen Schüler mühsam. Sie müssen ihren Alltag umkrempeln und im engeren Umfeld nach Lösungen suchen, wie ihre Kinder tagsüber betreuen (lassen) können. Eltern, die beide in einem „besonders sensiblen Beruf“ (Polizei, Feuerwehr, Gesundheit u.a.)  arbeiten, erhalten Hilfe vom Land.

Sechstens. Eine Impfung ist in diesem Jahr realistischerweise nicht zu erwarten. Sollte eine entwickelt sein, bräuchte sie noch Monate, um ihre Wirksamkeit und gute Verträglichkeit zu belegen. Wer anderes sagt hat im besten Fall wenig Ahnung. Es gibt im Moment aber eine kleine Aussicht auf eine ursächliche Therapie. Die Substanz heißt Remdesivir und wurde ursprünglich als Therapie gegen das Ebola-Virus entwickelt. Von ihr ist bereits bekannt, dass sie gut verträglich ist. Zwei Studien versuchen gerade zu erforschen, ob sie auch eine ausreichende Wirkung hat. Mit Ergebnissen – sagen die Forscher – könnte in einem Monat zu rechnen sein.

Kinder und Jugendliche können vermutlich zur Ausbreitung der COVID-19 beitragen, erkranken aber selten daran. Wenden wir uns also den Krankheiten zu, die die Jüngsten im Lande persönlich jetzt härter treffen könnten. Wie erwähnt, ist die Influenza die häufigste und schlimmste Infektion im Ländle in diesen Tagen. Die Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Reinigen von Türklinken etc.) helfen auch gut gegen die Grippe. Geimpfte Personen haben etwa ein halb so großes Risiko krank zu werden. Immerhin. Es gibt noch einige weitere Viren, die Atemwegsinfekte auslösen: das RS-Virus, das humane Metapneumovirus (HMPV), das Rhinovirus, das Adenovirus , einige Parainfluenzaviren und – erschrecken Sie nicht – die Coronavirus-Typen 229E (CoV 229E), OC43, NL63 und HKU1 (seit den 1960ger Jahren wurden weltweit mehr als 40 verschiedene Coronaviren entdeckt). Letztere sind also schon Jahrzehnte unterwegs und befallen Kinder. Man weiß, dass etwa 15-30% aller „Erkältungen“ der letzten Jahrzehnte auf ein Corona-Virus zurückgehen und meist harmlos verlaufen. Alle lösen in unterschiedlichem Ausmaß Schnupfen, Husten und Fieber aus. Und gegen alle hilft was wir täglich hören und hier lesen: Hygiene, meiden großer Menschenansammlungen.

Eschenpollen-Konzentrationen der Pollenfalle in Münsterlingen (Schweiz)  Quelle  www.pollenundallergie.ch

Ach so, es gibt ja noch die Pollen. Fast vergessen. Die Zeit der Hasel- und Erlenpollen ist vorbei. Der Flug der Eschenpollen hat bereits eingesetzt, obwohl dies im langjährigen Mittel erst Anfang April zu erwarten wäre. Es ist mit mittleren Konzentrationen zum Wochenende und einer weiteren Zunahme in der kommenden Woche zu rechnen.

Eigentlich wollte ich in diesem praxisblättle vom Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI) in Philadelphia berichten, wo ich selbst an diesem Wochenende ein Poster über eine Studie zu Allergien und Asthma bei Kindern in Madagaskar vorstellen wollte. Zu Recht wurde dieses Meeting wegen der Pandemie abgesagt und so erlebe ich den zarten Frühlingsbeginn in Oberschwaben.

Was geht in der Welt rum? Das Hauptthema weltweit bleibt das SARS-CoV-2 genannte Coronavirus. Glücklicherweise löst es bei Kindern und Jugendlichen nur selten eine Krankheit aus. Aber das Ansteckungsrisiko ist auf allen Reisen nachweislich höher – für Coronaviren wie für Influenzaviren. Insofern ist es im Moment ratsam, sich mit Kindern nicht auf grössere Reisen zu begeben (sofern überhaupt Flüge möglich sein sollten). Schwerwiegender als die beiden Viren ist beispielsweise das Gelbfieber-Virus in Brasilien, das bereits zu mehreren Todesfällen in diesem Jahr führte. Dagegen gibt es aber eine hervorragend wirksame Impfung. Bei Reisen in exotische Länder sind im Moment die Gefahren höher als sonst. Wer nicht aus beruflichen Gründen losziehen muss, bleibt lieber im Land. Der Schwarzwald hat auch seine Reize!

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende viel Sonnenschein und schöne Spaziergänge mit Ihren Kindern. Und bleiben Sie nächste Woche mutig, auch wenn’s manchmal mühsam sein sollte. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

 

Rotaviren

Unter den Ursachen für Magen-Darm-Erkrankungen stehen für Kinder und Jugendliche die Rotaviren ganz im Vordergrund. Um den Kontakt mit diesem Virus kommt niemand herum. Die Frage ist nur: Wann findet der Kontakt mit Rotaviren statt? Und ist mein Körper darauf vorbereitet?

Von den Rotaviren (rota (lat.) das Rad) gibt es unterschiedliche Arten von Virustypen („Serotypen„) bedingt durch Unterschiede an Eiweißen der Oberfläche. Alle zeigen eine große Überlebensfähigkeit in der Umwelt.

Die Rotaviren führen zu Durchfallserkrankungen. Davon betroffen sind besonders Säuglinge nach dem 6. Lebensmonate, wenn die Leihimmunität zu Ende geht. Wenn also die Abwehrstoffe, die im Mutterleib auf das Kind übergingen, aufgebraucht sind. Nach dieser Zeit finden immer wieder Kontakte zu den sehr häufigen unterschiedlichen Rotaviren statt. In der Folge, baut der kindliche Körper seine eigene Abwehr auf, so dass die meisten Rotavirus-Durchfallserkrankungen nach dem 2. Geburtstag geschafft sind. Vereinzelt kommt es auch danach noch zu Erkrankungen, besonders wenn im Alter von mehr als 60 Jahren die Immunabwehr langsam nachlässt.

Die meisten Rotavirusinfektionen gibt es von Februar bis April. Sie kommen aber ganzjährig vor. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch. Dies geht meist über Schmierinfektionen, wobei schon sehr kleine Mengen an Virus ausreichen, um eine Krankheit beim Kind auszulösen. Laut RKI (Robert-Koch-Institut) reichen dazu schon 10 Viren aus, während bei einer akuten Infektion zwischen 1 Milliarde und 100 Milliarden mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Tödlichkeit der Rotaviruserkrankungen weltweit. Foto: JAMA

Dass Rotaviren gerade für Kinder unter 5 Jahren gefährlich sind, zeigt eine Übersichtsarbeit von Christopher Troeger und Mitarbeiter aus Seattle (USA). In ihrer Arbeit fassen sie zusammen, dass im Jahre 2016 etwa 128.500 Kinder weltweit an den Rotaviren verstorben sind. Etwa 28.000 Kinder seien durch die Impfung gerettet worden. Die Erkrankungsrate lag weltweit bei 50%, also jedes zweite Kind erkrankte in diesem Jahr an Rotaviren. Die Tödlichkeit lag in Europa bei 0.2 Todesfällen auf 100.000 Menschen, während sie in Westafrika bei 110.3 lag – mehr als 500 mal höher!

Nach einer Inkubationszeit von 1-3 Tagen beginnt die Erkrankung mit Durchfall und Erbrechen. Der Durchfall ist wässrig und enthält öfter auch Schleimbeimengungen. Fieber kann hinzukommen, die Temperaturen liegen aber bei den meisten Erkrankungen unter 30° Celsius. Bauchkrämpfe begleiten schwere Erkrankungen. Bei einzelnen Kindern tritt auch etwas Schnupfen auf. Die Dauer des Durchfalls liegt bei 2 bis 7 Tagen.

Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Wichtig ist die sog. Rehydratation: dem Körper müssen Wasser + Zucker + Salze zugeführt werden. Das ist manchmal nicht ganz einfach, weil sich – gerade die kleinen Kinder – dagegen sträuben. Wie Sie als Eltern dennoch eine Chance haben, beschreiben wir hier im praxisblättle.

Zur Therapie gehören auch Hygienemaßnahmen. Wie oben beschrieben, vermehren sich bei einer Infektion mit Rotaviren die Erreger im Darm enorm, so dass der Stuhlgang hochansteckend ist. Folgende Maßnahmen sind wichtig:

  • Absonderung des kranken Kindes: Das bedeute, dass das betroffene Kind von seinen Geschwistern getrennt in einem eigenen Zimmer betreut wird.
  • Tragen von Handschuhen und Schutzkittel zur Vermeidung einer Infektion
  • Regelmäßige Händedesinfektion besonders nach dem Wickeln / Saubermachen
  • Regelmäßige Desinfektion aller Arbeitsflächen in der Nähe des Kindes sowie auch der Waschbecken, der Türgriffe und der Toiletten. Laut RKI sind zur Desinfektion Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ geeignet.

Eine Rotavirusinfektion ist besonders für Säuglinge gefährlich. Sie haben noch keinen eigenen Schutz aufgebaut und können über den Verlust von Flüssigkeit und Salzen bedrohlich erkranken. In wenig entwickelten Ländern gehen sehr viele Todesfälle in diesem Alter auf die Durchfallserkrankungen mit Rotaviren zurück.

Um hier vorzubeugen wurde eine Rotavirus-Impfung entwickelt, die seit 2013 von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) empfohlen wird. Dabei erhalten Säuglinge ab dem Alter von 6 Wochen eine Schluckimpfung, die zum Aufbau einer eigenen Abwehr beim Säugling führt. Auf diesem Weg soll er fit gemacht werden, um bei der ersten Wildinfektion mit diesem Virus einen gewissen Schutz zu haben. Die Verträglichkeit dieser Impfung ist insgesamt gut. Bei zu später Impfung stiegt jedoch das Risiko einer Darmeinstülpung (Invagination), das zuvor mit 1-2 Invaginationen auf 100.000 Impfungen gering ist.

FSME – Die Zecke kommt bald wieder

Klirrender Winter. Die beste Zeit, um sich auf die nächste Zeckensaison vorzubereiten. Denn mit der ersten Wärme werden auch die Zecken wieder auftauchen. Und FSME heißt ja Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Und der beginnt mancherorts im Ländle bereits im März.

FSME-Erkrankungen pro Jahr in der Schweiz Foto: bag.admin.ch

Tatsache ist, dass die Zahl der zecken-verursachten Erkrankungen in Mitteleuropa zunehmen. Das hat vermutlich mit den höheren Temperaturen zu tun und also auch mit dem Klimawandel. Für die benachbarte Schweiz gibt es Zahlen. Die nebenstehende Graphik zeigt die gesicherten Erkrankungen an FSME pro Jahr, wobei die Zahlen des Jahres 2019 nur den Zeitraum bis Oktober wiedergeben. Der Trend ist mit einem Blick zu erkennen.

FSME-Meldungen 2019 nach Landkreisen, Stand 14.11.2019 Foto: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

In Deutschland lässt sich ein vergleichbarer Trend beobachten, in Baden-Württemberg ebenso. Hier fällt jedoch auf, dass die Unterschiede nach Landkreis deutlicher ausfallen als erwartet. Besonders stark betroffen sind die Bodensee-nahen Landkreise. Dennoch, alle Kreise im Ländle sind als FSME-Risikogebiete eingestuft. Die Tatsache, dass etwa aus Wertheim weniger Erkrankungen im Jahr 2019 gemeldet wurden besagt nicht, dass dies in diesem Jahr auch so sein müsste.

Aus ärztlicher Sicht gibt es also ausreichend Informationen, die eine Impfung gegen FSME  sinnvoll erscheinen lassen. Es ist jedoch bekannt, dass es innerhalb der Bevölkerung unterschiedliche Risikogruppen für die Erkrankung an FSME gibt: Männer erkranken häufiger als Frauen an einer FSME, Erwachsene sind ebenfalls häufiger betroffen als Kinder. Ob somit ein Kleinkind von 15 Monaten geimpft werden sollte, muss im Einzelnen abgewogen werden.

Zu dieser Frage liegen Empfehlungen des Landesgesundheitsamtes vor. Weitere Hinweise kommen vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, von den Gesundheitsbehörden der Schweiz und Österreich (mit denen wir Süddeutsche das Risiko für FSME teilen) und von den Impfstoff-Herstellern. Und auch im praxisblättle finden Sie hierzu Beiträge. Letztlich sollten Eltern die Frage der Impfung mit ihrer/m Kinderärztin/arzt individuell besprechen.

Zur Zeit sind bei der Schuleingangsuntersuchung in Hoch-Risikogebieten (nach den neuesten Karten des RKI ist ganz Baden-Württemberg ein Risikogebiet) nur 39% aller Kinder geimpft. In den restlichen Risikogebieten sind es nur 28%.

Wann sollten sich Kinder und Jugendliche (und Erwachsene :)) gegen FSME impfen lassen? Am Besten bald. Denn der Frühsommer beginnt schneller als wir zu hoffen wagen. Siehe oben.

Tödliches Risiko für Erkrankungen mit Meningokokken

Besonders im ersten Lebensjahr finden viele Impfungen statt. Das geht darauf zurück, dass wir KinderärztInnen dem kindlichen Organismus Informationen geben wollen, die er noch nicht hat bzw. haben kann.

Das gesund geborene Kind hat beispielsweise noch nie Kontakt zu Meningokokken gehabt. Diese Bakterien können zu schwersten Erkrankungen führen. Mit einer Impfung lässt sich ein großer Teil verhindern. Die Information, die eine Impfung vermittelt regt den kindlichen Körper an, Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden, um bei Kontakt mit dieser Erkrankung gewappnet zu sein.

Aber wie hoch ist das Risiko einer Meningokokkeninfektion?

Kürzlich sind die neuesten Daten für das Jahr 2018 im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass 295 Menschen – vorwiegend Kinder und Jugendliche – im letzten Jahr mit Meningokokken erkrankt sind. Von diesen starben 34 Kinder, also knapp 12% (im Vorjahr 23 Kinder). Bei 237 Kinder und Jugendlichen konnte der Erreger ermittelt werden. In 139 Fällen (59%) waren es Meningokokken der Serogruppe B.

Über die letzten Jahrzehnte sind die Erkrankungen durch Meningokokken insgesamt spürbar zurückgegangen. Für die Kinder bis 11 Jahre beispielsweise trat im Jahr 2018 noch eine einzige Infektion mit Meningokokken C auf – im Jahr 2006 waren es noch 48 Erkrankungen gewesen. Das geht vermutlich im Wesentlichen auf die Impfung gegen Meningokokken C zurück, die bereits seit 13 Jahren von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, Berlin) empfohlen wird.

Bei den Meningokokken der Gruppe B waren es im letzten Jahr noch 36 Erkrankungen gegenüber 109 Erkrankungen im Jahr 2006. Dieser Typ B der Meningokokken kommt in unseren Breiten schon immer häufiger vor als die anderen und betrifft in vielen Fällen bereits junge Säuglinge.

Wer sich durch weitere Datenberge über die Impfungen durcharbeiten möchte, kann hier den Link zum Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2018 öffnen.

Wann soll ich mich gegen Influenza impfen lassen?

Meist im September kommen die neuen Impfstoffe gegen Influenza (Grippe) auf den Markt. Aber, soll man sich dann sofort impfen lassen? Und auch die eigenen Kinder?

Das Problem bei den Impfungen gegen die Influenza besteht ja darin, dass sie zwar wirksam sind, aber nicht so gut wie beispielsweise Impfstoffe gegen Masern. Wir alle wünschen uns also dass die Grippeimpfung besser wäre. So erkranken manche Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene obwohl sie geimpft wurden. Andererseits erkranken manche nicht Geimpfte nicht. Das löst dann regelmäßig Diskussionen aus, die nicht sehr zielführend sind.

Zur Frage des schwindenden Impfschutzes hat sich eine Arbeitsgruppe um Jill M Ferdinands vom U.S. Department of Health and Human Services gebildet. In ihrer Studie untersuchten sie die Wirksamkeit der Impfung bei Personen ab 9 Jahren in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Impfung.

In ihrer Studie fanden die Forscher eine abnehmende Wirksamkeit der Grippeimpfung mit zunehmender Zeit nach der Impfung. Am besten war die Wirksamkeit der Impfung kurze Zeit nach der Impfung. Für das Influenza A-Virus (H3N2) und das B-Virus war die Wirksamkeit bereits nach einem Monat 7% niedriger. Für das Influenza A-Virus (H1N1) ging die Wirksamkeit in der gleichen Zeit um 6-11% zurück.

Wie bereits bekannt, ist es also sinnvoll sich kurz vor der erwarteten Grippesaison impfen zu lassen. Da die erste Grippewelle in aller Regel aber nicht vor Dezember stattfindet, scheint eine Impfung im später Oktober oder November die beste Strategie zu sein.

Sollten auch die eigenen Kinder geimpft werden? Die offiziellen Empfehlungen unterscheiden sich in vielen Ländern. In Deutschland wird die Impfung chronisch Kranken und alten Menschen empfohlen. Es ist jedoch erwiesen, dass die Grippe-Impfung gerade bei Kindern besonders gut wirksam ist. Das macht eine Impfung von Kindern und Jugendlichen trotz allem sinnvoll.

Eines ist jedenfalls sicher: Bei allen berechtigten Zweifeln, lohnt eine Influenza-Impfung. Auch wenn man nicht immer den idealen Impfzeitpunkt findet. Um die persönlichen Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen, sollten Sie die Frage einer Impfung gegen die Grippe (Influenza) schon jetzt mit Ihrem Arzt besprechen.

Kinderkrankheit: Röteln

Gegenüber den anderen Kinderkrankheiten – insbesondere den Masern – sind die Röteln seit Jahren weit weg vom allgemeinen Interesse.

Ausgelöst werden sie durch das Röteln-Virus. Dieses breitet sich durch Tröpfcheninfektion aus. Das kann beim Sprechen passieren, aber deutlich stärker beim Niesen oder Husten oder beim Küssen. Die Ansteckung beginnt beim Infizierten etwa 1 Woche vor Ausbruch des Ausschlags und dauert bis eine Woche nach dessen Abklingen an. Sie geht also über zwei Wochen. Hinzu kommt, dass die Röteln als Krankheit in jedem zweiten Fall nicht erkannt wird. Das Risiko von einem Infizierten angesteckt zu werden ist also enorm hoch und in Schule oder Kindergarten kann man diesem Risiko praktisch nicht entfliehen.

Die Krankheit selbst ist für Kinder kein großes Problem. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen zeigt sich zunächst ein kleinfleckiger Ausschlag, der hinter den Ohren beginnt. Das erinnert zunächst an Masern, weswegen die Röteln im englischen Sprachraum auch „german measles“ heißen, da sie von einem Deutschen entdeckt wurden. Dieser Ausschlag breitet sich auf die Wangen und schließlich auf den ganzen Körper aus. Die einzelnen Flecken (Effloreszenzen) verschmelzen nicht miteinander. Nach knapp 3 Tagen bildet sich der Ausschlag zurück. Bei vielen Erkrankungen ist er im Übrigen so schwach ausgeprägt, dass eine Erkrankung überhaupt nicht wahrgenommen wird.

Parallel mit dem Ausschlag treten teils schmerzhafte vergrößerte Lymphknoten im Nackenbereich und hinter den Ohren auf.

Jugendliche müssen häufig mit mehr Symptomen rechnen: Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und entzündete Bindehäute. Besonders bei Frauen können auch Gelenkschwellungen und -schmerzen (Finger/ Hand/ Knie) hinzukommen. Mit zunehmendem Alter nehmen auch die Beschwerden bei Röteln zu.

Die bei weitem schlimmste Komplikation bei Röteln ist die Rötelnembryopathie. Erkrankt eine Frau in den ersten 12 Schwangerschaftswochen an Röteln, so werden die Viren auf den Embryo übertragen, die in über 60% schwer erkrankt: Augenschäden, Taubheit, Herzfehlern und Hirnschädigungen sind die Folge. Wegen dieser extremen Erkrankung ist es so wichtig, die Röteln auszurotten, obwohl die Erkrankung für Kinder eigentlich ein Klacks ist.

Im klassischen Fall kann die Diagnose von einem Kinder- und Jugendarzt einfach gestellt werden. Häufig ist der Ausschlag aber so diskret oder er wurde überhaupt nicht gesehen, dass die Diagnose nur über Laborwerte gestellt werden kann. In jedem Fall wird die Immunität von Schwangeren immer bestimmt, um das potentielle Risiko für die Rötelnembryopathie sicher auszuschließen. Immerhin 3% aller Frauen haben keinen sicher nachweisbaren Schutz.

Zur Vermeidung der Röteln ist die Impfung die entscheidende Maßnahme. Sie gibt es nun seit fast 40 Jahren. Meist erfolgt die Impfung gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Mumps – sog. MMR-Impfung. Diese Impfung wird im Regelfall zweimal durchgeführt.

Kinderkrankheit: Mumps

Eine der klassischen Kinderkrankheiten ist Mumps, früher auch gerne Ziegenpeter genannt. Typisch für eine Kinderkrankheit ist, dass nach der Erkrankung eine lebenslanger Schutz (Immunität) bestehen bleibt.

Häufigkeit des Mumps im Jahre 2017 nach Datenlage des RKI. Foto: statista.de

Auslöser des Mumps ist das Mumpsvirus, das nur beim Menschen vorkommt. Übertragen wird es als Tröpfcheninfektion, durch direkten körperlichen Kontakt, aber auch indirekt über Gegenstände wie Löffel, die mit dem Virus benetzt sind. Mumpserkrankungen traten früher im Winter oder Frühjahr häufiger auf, kommen inzwischen aber ganzjährig vor. Bei noch nicht ausreichender Durchimpfung tritt Mumps weiterhin in Deutschland mit mehreren hundert Erkrankungen pro Jahr auf. In Baden-Württemberg waren bis Anfang Juli 30 Neuerkrankungen gemeldet worden. Damit bleibt die Häufigkeit aufs Jahr gesehen mit knapp 60 Fällen gleich hoch wie in den Jahren zuvor.

Mumps tritt nach einer Inkubationszeit von 2 1/2 Wochen (meist 16-18 Tage) auf und betrifft den ganzen Körper. Auffälligstes Symptom ist die Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis), die in 70-80% beidseitig auftritt und 3 bis 8 Tage lang andauert. Bei jedem zehnten Kind sind auch andere Speicheldrüsen betroffen. Diese typischen Symptome betreffen die älteren Kinder. Viele jüngeren Kinder machen die Infektion hingegen durch, ohne dass Krankheitszeichen auftreten: „inapparent“ nennen das die Mediziner. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass mindestens 30-40% aller Infektionen unbemerkt verlaufen.

Wenn jemand an Mumps erkrankt, ist er etwa 2 Tage vor Ausbruch der Erkrankung – also vor Auftreten der Schwellung vor dem Ohr – ansteckend. Die Ansteckung bleibt bis 4 Tage nach Symptombeginn hoch. Insgesamt kann die Ansteckung bereits 7 Tage vor Auftreten der Drüsenschwellung bis 9 Tage danach, also über 14 Tage betragen. Klar ist auch, dass nur die Impfung schützt. Tritt in einer Schulklasse also Mumps auf, haben sich bereits mehrere Kinder angesteckt bevor klar ist, dass es sich um Mumps handelt.

Viele Komplikationen sind beim Mumps möglich. Weitaus am häufigsten sind Komplikationen des zentralen Nervensystems. So kommt es bei bis zu 10% der Erkrankten zu einer aseptischen Meningitis, also einer nicht eitrigen Hirnhautentzündung. Diese heilt praktisch immer folgenlos aus. Die viel seltenere Hirnentzündung (Enzephalitis) kann in 1.5% auch tödlich verlaufen. Recht typisch ist auch eine Taubheit, die bei 4% der Erkrankten vorkommt. In den meisten Fällen ist sie nur vorübergehend. Auf 20.000 Mumpserkrankungen kommt es in 1 Fall zu einer bleibenden einseitigen Taubheit. In aller Regel zeigen sich alle diese Komplikationen 4-5 Tage nach Auftreten der Ohrdrüsenschwellung.

Von vielen Menschen sehr gefürchtet ist die Entzündung des Hodens (Orchitis). Diese tritt immerhin in 15-30% mit Mumps beim erwachsenen Mann auf und ist bei jedem vierten beidseitig. Die Zeugungsfähigkeit ist meist nicht bedroht, wenngleich die Spermien bei 25% der Betroffenen in der Folge auffällig bleiben. Die erwachsene Frau ist in 30% von einer Entzündung der Brustdrüse betroffen und in 5% von einer Entzündung der Eierstöcke.

Die Diagnose „Mumps“ ist bei typischem Verlauf einfach zu stellen. Manchmal kann die Erkrankung zunächst symptomfrei verlaufen und sich nur über eine der Komplikationen äußern. In diesen Fällen gibt es Laboruntersuchungen, um Mumps als Ursache zu bestätigen.

Eine spezifische Therapie gegen Mumps gibt es nicht. Bereits erkrankte Kinder und Jugendliche können mit Schmerzmitteln unterstützt werden.

Wegen der fehlenden Therapie bleibt die Impfung die einzige Option, diese Kinderkrankheit zu verhindern. Die Impfung erfolgt – meist gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Röteln als MMR – in zwei Schritten: Die erste Impfung wird momentan im Alter von 11-14 Monaten empfohlen, die zweite mit 15-23 Monaten bei einem Mindestabstand von 2 Monaten zwischen den beiden Injektionen.