Schlagwort: Infekte

Was geht rum? 16. Mai 2020

Die Öffnungen von Schulen und KiTas werden in den Medien breit diskutiert. Endlich. Trotzdem müssen noch viele Kinder zuhause warten und dürfen sich nicht mit ihren Freunden regelmäßig treffen. Bei dieser Pandemie geht es inzwischen um mehr als eine zügellose Infektion und eine Krise der Weltwirtschaft. Das Wohlergehen der Kinder ist bedroht.

Schulklasse in in den 1960’gern. Kein Laptop, kein Corona. Aber Schiefertafeln zum Schreiben, was sehr kostengünstig war. Quelle ptw

Schauen wir auf die Kleinkinder. Seit 2 Monaten sind die KiTas faktisch geschlossen. Es gibt keine Gruppenspiele mehr. Aber genau das ist es, was Zweijährige suchen und brauchen. Die ersten Lebensjahre waren sie in den Kleinstfamilien oft nur mit den Eltern zusammen. Jetzt hätten sie die Chance, mit anderen Kindern um die Wette zu rennen, zu spielen oder zu singen. Zwei Monate keine Kita bedeutet für sie – bisherige Leben gerechnet – fast 10% Ausfall des sozialen Lebens. Für die Schulkinder gilt ähnliches, vielleicht nicht so dramatisch. Ihnen droht ein essentieller Lebensabschnitt verloren zu gehen.

Einen kleinen Vorteil hat die Situation dann doch. Gerade Kleinkinder sind so gesund wie noch nie. In der Praxen der Kinder- und Jugendärzte tauchen nur wenige Kinder mit Infekten auf. Das wird sich alles wenden, wenn sie wieder zusammenkommen. Viren und Bakterien werden dann munter ausgetauscht. Neben den verschiedenen Corona-Viren – es gibt ja auch harmlose Vertreter dieser Gruppe- werden auch Rotaviren, Streptokokken und Meningokokken weitergegeben. Wird das eine besonders heftige Infektwelle werden? Wir wissen es nicht. In dieser Krise machen wir viele neue Erfahrungen. Was die Kinder betrifft, sollten wir andere gefährliche Keime jedoch nicht aus dem Blick verlieren.

Gräserpollenflug im Bodenseeraum. Quelle: www.pollenundallergie.ch

In den kommenden Tagen müssen wir uns und unsere Kinder wieder auf den Pollenflug vorbereiten. Die Gräserpollen-Belastungen erreichen dann nochmals Höchststände. Also schnell nachschauen, ob auch alle Medikamente zur Erleichterungen von Beschwerden (releiver) in der Hausapotheke vorhanden sind.

Die Zahl der Infekte ist wie seit Wochen gering. Bei den Kinderkrankheiten sind die Zahl der Erkrankungen mit Keuchhusten und Windpocken auf niedrigem Niveau. Auffallend sind nur Masern (keine Erkrankungen) und Mumps: Hier liegen die Neuerkrankungen in diesem Jahr 4 Mal höher als im letzten Jahr. Warum das so ist, bleibt unklar. Darminfektionen mit Rota- oder Noroviren sind für Kinder landesweit unbedeutend.

Was geht in der Welt rum? Von den weltweiten Kontaktbeschränkungen zeigt sich die Malaria unbeeindruckt. Da sie durch Mücken übertragen wird, bleibt sie ein Dauerproblem besonders in den Ländern Afrikas. In Namibia haben sich in diesem Jahr doppelt so viele Menschen (> 1100) angesteckt wie im letzten Jahr. Deutlich mehr Malariaerkrankungen gibt es auch in Madagaskar und in Simbabwe. Dort sind inzwischen 236.300 Menschen infiziert und 226 von ihnen daran verstorben.

Auch diese Woche erscheint wieder unser EXTRA-blättle zum Thema „Coronainfektionen bei Kindern“. Diesmal aber erst am Montag. Darin finden Sie wieder aktuelle Informationen, die für Sie als Eltern besonders interessieren dürften.

Ich hoffe,Sie können das Wochenende bei wärmenden Sonnenstrahlen hoffnungsvoll genießen, trotz der vielen schwierigen Nachrichten, die im Moment verarbeitet werden müssen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Wenn’s juckt und man kratzen muss – Urtikaria

Einen Nesselausschlag hat wohl jeder schon erlebt, so er nicht ein Stubenhocker ist. Beim Spielen in der Natur streift man schnell mal eine Brennnessel und hat Quaddeln auf der Haut. In der Medizin nennen wir das eine Urtikaria.

Die Nesselsucht kommt zustande, wenn Histamin und andere Botenstoffe von den sog. Mastzellen freigesetzt werden. Histamin führt in der Haut zu einer Gefäßerweiterung und gesteigerter Gefäßdurchlässigkeit, so dass in der Folge eine Schwellung, also die Quaddel, entsteht, häufig umgeben von eine Rötung (Erythem).

Wann tritt eine Urtikaria auf?

Die Urtikaria kann akut auftreten. Tritt sie über einen Zeitraum von mehr als 6 Wochen auf spricht man in der Medizin von einer chronischen Urtikaria. Auslöser im Kindesalter können sein:

akut

  • im Rahmen von Infekten. Der Mechanismus ist bislang nicht sicher geklärt.
  • Medikamentenallergie: sehr selten
  • Nahrungsmittelallergie: eher selten, manchmal erstes Zeichen einer Milcheiweißallergie beim Säugling 

chronisch

  • chronisch spontane Urtikaria unklarer Ursache
  • physikalische Urtikaria durch Kratzen/ Reiben (Urticaria factitia), Kälte, Wärme, Licht
  • durch körperliche Anstrengung
  • durch erhöhte Körpertemperatur (bei Anstrengung/ Sauna/ Duschen) 
  • durch Kontakt mit Wasser 
  • Sonnenlicht

Wie sieht die Therapie aus?

Vor der Therapie steht immer eine exakte Diagnose. Das gilt auch für die Urtikaria. Leider gelingt es aber bei der chronischen Urtikaria in nahezu der Hälfte der Fälle nicht, den genauen Auslöser festzumachen.

Im Gegensatz zur landläufigen Auffassung, hat die Urtikaria nur selten etwas mit Allergien zu tun. Kinder- und Jugendärzte mit dem Schwerpunkt Allergologie sind dennoch die besten Ansprechpartner, wenn es darum geht Zusammenhänge aufzudecken. Dabei können folgende sog. Triggerfaktoren die Nesselsucht auslösen und/oder am Laufen halten:

  • Autoimmunerkrankungen (insbesondere der Schilddrüse)
  • Einnahme von NSAID (Schmerzmedikamente wie Ibuprofen)
  • Infektionen: Mykoplasmen, Helicobacter pylori, Würmer
  • versteckte Allergene

Können solche Faktoren ausgemacht werden, besteht der erste Schritt darin, diese auszuschalten. Meist kommt es dadurch zum Abklingen der Nesselsucht.

Erst wenn diese Schritte durchlaufen wurden, macht eine medikamentöse Therapie Sinn. Details sind hier beschrieben (in Englisch).

  • Antihistaminika der 2. Generation: Cetirizin, Loratadin und andere.
  • Omalizumab (monoklonaler Antikörper; zugelassen ab 12 Jahren)

Die Urtikaria ist somit eine Diagnose, die sehr individuell („ganzheitlich“) aufgearbeitet werden muss. Die kurzfristige Einnahme von Arzneien (wie Antihistaminika) kann bei starkem Juckreiz sinnvoll sein. Mittelfristig sollte aber versucht werden, die Auslöser und Triggerfaktoren zu verstehen. Nur dann kann langfristig der Gesundheit gedient werden.

Was geht rum? 01. Februar 2018

In diesem Jahr haben wir einen sehr warmen Januar erlebt, den wärmten seit Aufzeichnung des Wetters wie uns Meteorologen bestätigen. Dadurch haben viele Pflanzen bereits Morgenluft gerochen und angefangen zu sprießen. Wer im Süden Deutschlands Büsche im Garten hat, wird bereits sein Wochen von zarten Düften umschmeichelt.

Abbildung 1: Haselpollenflug in Münsterlingen am Bodensee. Schwarze Balken: aktuelle Daten vom Januar 2018, grau: Mittelwerte der letzten Jahre. Foto: aha, Allergiezentrum Schweiz

Das Klima hat auch Folgen für die Gesundheit der Menschen. Das kann am Pollenflug abgelesen werden, der längst im Gange ist. In der nebenstehenden Grafik (Abbildung 1) des aha (aha! Allergiezentrum Schweiz) aus Bern wird klar, was dies in Bezug auf den Haselpollenflug bedeutet. Die Farben geben die Schwere des Pollenflugs wieder: gelb (unterste dünne Linie) bedeutet schwachen Pollenflug, orange bedeutet mässigen Pollenflug, rot bedeutet starken und lila sehr starken Pollenflug. Es zeigt sich also, dass bereits am 05. Januar 2018 ein erster Pollenflug für Haselpollen in Münsterlingen am Bodensee zu verzeichnen war. Der Anstieg ging am 09. Januar weiter in die orange Zone um am 31. Januar erstmal die lila Zone zu erreichen. Kurz gesagt: wir sind schon mitten in der Pollensaison. Zumindest in der Bodenseeregion. Und das einen Monat früher als im Durchschnitt der letzten Jahre. Für Pollenallergiker ist es also wichtig, jederzeit für akute Probleme gerüstet zu sein (Notfallmedikamente !). Ob alle anderen sich auf einen baldigen Frühling freuen können? Warten wir’s ab.

Abbildung 2. Respiratorische Erkrankungen in der 3. Januarwoche 2018. Im südlichen Baden-Württemberg zeigt sich eine erhöhte Aktivität (blau = wenig Aktivität; grüne = moderat erhöhte Aktivität; gelb – rot = deutlich bis stark erhöhte Aktivität). Foto: Arbeitsgemeinschaft Influenza

Denn, die Infekte schlummern zwar noch etwas. Aber, die Erkrankungen an Influenza („Grippe“) haben schon leicht zugenommen. Die nebenstehende Abbildung 2 zeigt, wie in der dritten Woche des Jahres aus dem tiefen Blau Inseln mit grünlich-gelber Färbung herausstechen. Die momentanen hot-spots der Influenza. Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, dass sich das Bild im Südwesten mit der kommenden Fasnet bald deutlich weniger blau darstellen wird. Die Grippesaison dürfte für die Saison 2017/2018 eröffnet sein. Leider stellt die regelhaft von der kassenärztlichen Vereinigung empfohlene Impfung (3-fach) nahezu keinen Schutz dar.  Der vorherrschenden Influenza-B-Viren (68% aller nachgewiesenen Viren laut RKI) betreffen den Stamm Phuket, der leider nur im Vierfach-Impfstoff enthalten ist. Menschen, die sich effektiv schützen wollen, sollten eine erneute Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff überlegen.

Und was geht in der Welt rum? Der Ausbruch von Gelbfieber in Brasilien nimmt weiter an Fahrt auf. Laut Gesundheitsministerium sind inzwischen 53 Menschen in den Bundesstaaten Minas Geraiss, Sao Paulo und Río de Janeiro an der Erkrankung verstorben (Stand: 29.01.2018). Reisende nach Brasilien sollten nach Absprache mit dem Arzt eine Gelbfieberimpfung überlegen.