Schlagwort: Infektionskrankheit

Vitamin D jenseits des zweiten Lebensjahres

Langsam werden die Tage wieder länger und die Sonne scheint stärker auf uns herab. Dennoch reicht das Sonnenlicht, genauer die UV-B-Strahlung, noch nicht aus, um unseren täglichen Bedarf an Vitamin D zu decken. Das gelingt erst den Monaten April bis September, wenn wir um die Mittagszeit (10-15 Uhr) nach draußen gehen und dabei eine Viertelstunde mit unbedecktem Kopf und Unterarmen der Sonne ausgesetzt sind.

Etwa 10% des täglichen Bedarfs an Vitamin D können vom Körper mit der Nahrung aufgenommen werden. Hierzu tragen Meeresfische aus Kaltwasserregionen (Lachs, Hering u.a.) besonders bei. Das aufgenommene Vitamin D wird über die Leber und die Nieren weiter verstoffwechselt und in die aktive Form Calcitriol gebracht.

Die übrigen 90% des Vitamin-D-Bedarfs werden über die Sonnenstrahlung gedeckt. Diese ist im Winter gering, womit auch die Vitamin-D-Spiegel im Körper absinken. Aber welcher Spiegel ist normal? Diese Frage ist sehr komplex. Denn der Vitamin-D-Spiegel ist von vielen Faktoren beeinflusst, so auch von der körperlichen Aktivität. Auch die Bestimmung des Vitamin-D im Labor ist aufwendig und häufig werden Methoden verwandt, die finanziell günstiger aber nicht ausreichend genau sind (wie der ELISA).

Über die letzten Jahrzehnte wurde klar, dass Vitamin-D eine weit höhere Bedeutung hat als die Regelung des Knochenstoffwechsels. Belegt ist ein Bezug auf das Immunsystem, über den sich auch der vermutete Einfluss auf Autoimmunerkrankungen, Diabetes mellitus, Asthma bronchiale oder Infektionskrankheiten erklären könnte.

Was bedeuten all diese Informationen für Kinder und Jugendliche in Deutschland? Die KiGGS (Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland) zeigte, dass der Vitamin-D-Spiegel nur bei einem Drittel der Kinder im Zielbereich lag. Bei den anderen lag der Wert darunter. Echte Mangelerkrankungen sind aber eine Rarität. Die deutschen Kinder- und Jugendärzte vertreten in der Mehrheit den Standpunkt, dass allein ein niedriger Vitamin-D-Wert bei Kindern nach dem zweiten Geburtstag keinen Behandlungsgrund darstellt.

Eine Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED) zur Gabe von Vitamin D bei über 2-jährigen Kindern liegt seit 2018 vor. Darin können Sie weitere Details zu dieser Frage nachlesen.

Tuberkulose bei Kindern in Deutschland: Hatte die Migration einen Einfluss?

Tuberkulose ist eine der bedeutsamsten Infektionskrankheiten. Weltweit erkranken daran 10 Millionen Menschen jedes Jahr. Von diesen versterben an dieser Erkrankung 1.8 Millionen. Damit ist die Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit des Planeten. Die größte Verbreitung hat die Tuberkulose in Asien (besonders Indien und Indonesien), Afrika und Osteuropa.

Kinder unter 5 Jahren sind besonders empfänglich für eine Ansteckung mit Tuberkulose, da ihre Immunität noch nicht ausgereift ist. Dennoch sind Lungenentzündungen anderer Ursache (andere Bakterien wie Pneumokokken und Viren) weltweit gesehen für Kinder und Jugendliche die häufigste Todesursache.

Abbildung 1. Tuberkulose-Bakterium auf einem Makrophagen (weiße Blutzelle). Foto: aerzteblatt.de

Ausgelöst durch sog. säurefesten Stäbchen (Bakterien – siehe Abbildung 1) kann die Tuberkulose viele Organe betreffen. Ganz im Vordergrund steht die Lunge (82.5% bei den Kindern), gefolgt von den Lymphknoten. Damit steht auch das Symptom Husten an erster Stelle. Bedingt durch den langsam schleichenden Verlauf dauert es aber häufig recht lange bis die Erkrankung als solche entdeckt und dann behandelt wird. Langwierige stationäre Behandlungen für Kinder sind inzwischen in Deutschland eher selten.

Abbildung 2. Häufigkeit der Neuerkrankungen an Tuberkulose bei Kindern (graue Kurve unten) und Erwachsenen (hellblaue Kurve oben) in Deutschland für die Jahre 2002 bis 2017. Die dunkelblaue Kurve zeigt die Gesamthäufigkeit an. Foto: RKI

Für die industrialisierten Länder wie Deutschland, stellt sich die Situation in Bezug auf Tuberkulose komplett anders als in vielen Ländern der Erde dar. Bedingt durch eine gute Ernährung der Bevölkerung, gesunde Wohnverhältnisse und eine für alle Menschen gute medizinische Versorgung ist die Tuberkulose in Deutschland seit Jahrzehnten auf dem Rückmarsch. Die Tuberkulose kommt in den Städten häufiger vor (Hamburg 13.1 Neuerkrankungen auf 100.00 Einwohner) als im ländlichen Raum (Niedersachsen 4.4, Schleswig-Holstein 4.8). Auch die Migrationsbewegungen seit dem Jahr 2015 haben daran wenig geändert (siehe Abbildung 2). Die Häufigkeit bei Kindern ist gegenüber den Erwachsenen nochmals niedriger. Die neusten Daten des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) geben für das Jahr 2017 für Kinder und Jugendliche 238 Neuerkrankungen an. Damit liegt die Erkrankungsrate bei Kindern bei 2.2 Erkrankungen auf 100.000 Kinder. Das entspricht der Rate des Jahres 2004. Den niedrigsten Wert konnte das RKI für Kinder im Jahre 2008 ermitteln (1.1).

Die Tuberkulose ist eine meist schwerwiegende Erkrankung. Die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern in Deutschland liegt auf sehr niedrigem Niveau. Daran haben die Migrationswellen der letzten Jahre nur wenig geändert.