Schlagwort: Jugendliche

Was geht rum? 24. Oktober 2020

Jedes Jahr gehört eine bunte Diskussion über den Sinn einer Impfung gegen Influenza (Grippeimpfung) ebenso zum Herbst wie die farbenfrohen Blätter. Da ist es gut, wenn das RKI schon vorab einige Daten veröffentlicht, die diese Diskussion versachlichen können.

Wirksamkeit der Impfung gegen Influenza. Quelle: Epidemiologisches Bulletin 45 des RKI

Die Tabelle des RKI links fasst die Informationen kurz zusammen. Darin ist die Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe ab der Saison 2012/2013 bis zur letzten Saison sowohl für das Influenza-Virus Typ A (zwei Subtypen) und das Influenza-Virus Typ B aufgeführt. Demnach lag die Wirksamkeit in letzten Winter – also von Januar bis März 2020 – bei 61-73% und damit günstiger als in den Jahren zuvor. Ein guter Grund, die Grippe-Impfung auch dieses Jahr wahrzunehmen. Ohne Gewissheit auf Erfolg. Es gab allerdings auch Jahre, in denen die Impfung wenig wirksam war wie 2016/2017. Übrigens: Grippeimpfungen sind auch für Kinder ab 6 Monate sinnvoll und empfohlen.

In jedem Fall wären wir sehr glücklich, gäbe es eine solche Impfung bereits für das SARS-CoV-2. Immerhin sind die Aussichten besser geworden. So präzisierte die für die Zulassung von Impfstoffen in den USA zuständige FDA die Bedingungen für eine Notfallgenehmigung (Emergency Use Authorization) für COVID-19-Impfstoffe. Darin verlangt sie beispielsweise eine Nachbeobachtung nach der letzten Impfung von mindestens 2 Monaten. Die Firmen Moderna (USA) und BioNtech (Mainz) könnten, wenn die Tests weiterhin gut laufen, Ende November den Antrag stellen. Das wäre eine sensationell schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Vor einer Woche hat es Prof. Dr. Christian Drosten nochmals erwähnt: Das Cluster-Kontakt-Tagebuch. Er empfiehlt, dass jeder am Abend kurz notiert, in welcher Situation am Tag sie/er sich etwas unwohl fühlte, weil sie/er mit vielen Menschen zu eng zusammen war. Damit erzielt man zwei Effekte:

  1. Sollte man tatsächlich erkranken, kann man mit der Hilfe dieses Tagebuches die Quelle der Infektion, also das Quell-Cluster erkennen. Das würde den Ermittlern im Gesundheitsamt helfen, viele andere Personen zu identifizieren und dieses Quelle des Virus auszuschalten.
  2. Gleichzeitig sensibilisiert so ein Tagebuch „mich selbst“: Es wird mir klar, in welche heiklen infektiösen Milieus ich mich begebe. Und vielleicht schaffe ich das, dies künftig zu vermeiden. 

Jugendliche und junge Erwachsene haben’s nicht leicht im Moment. Sich mit Freunden treffen und Party machen ist Teil ihres Lebens. Das ist heute nicht anders als früher. Sie setzen sich von den Eltern ab, finden unter ihren Altersgenossen ihre neuen Freunde. So entwickeln sie einen Lebensplan, probieren manches aus, auch nicht immer nur harmloses. Und junge Menschen  finden Freundschaften, oft auch die große Liebe. Jetzt kommt Corona und kaum mehr etwas ist so richtig erlaubt. „Weißt Du noch, als wir damals …..“, das höre ich von vielen alten Leuten. „Auch wir waren keine Engel“ sagen sie. Die gleichen Leute verlangen aber von den Jungen den totalen Verzicht. Jetzt echt? Sie als Eltern sind noch nicht lange von den chaotischen Zeiten der Jugend entfernt. Sie können besser verstehen, warum diese Party machen. Ich meine, Corona trifft die Menschen in den ersten 3 Lebensjahrzehnten mehr als andere. Nicht als Todesfall, aber als Verlust von Unbeschwertheit und Lebenslust. Wie denken Eltern mit jugendlichen Kindern darüber?

Satellit im All Quelle: NASA

Gute Nachrichten gibt es auch. Die neueste Analyse der Satelliten-Daten der NASA ergab, dass im Jahre 2019 die Umweltverschmutzung mit Schwefeldioxid (SO2) weltweit um 6% zurückgegangen ist. Die Forscher nehmen an, dass die Kohlekraftwerke in Indien, China und Russland weniger zum Einsatz kamen als in den Jahren zuvor. Ein zarter Lichtschimmer für eine bessere Umwelt für unsere Kinder.

Mit den üblichen Schnupfenviren verabschieden sich die Schüler im Ländle in die Herbstferien. Vereinzelt tritt Krupphusten auf sowie bei den Kleinkinder obstruktive Bronchitis. Durchfall gibt es allenfalls als Begleitreaktion dieser Infekte und ganz selten infolge von Salmonellen. In der gesamten Woche trat kein einziger Fall von Rotavirusinfektion auf. Nicht erstaunlich. Im ganze Jahr ist die Häufigkeit dieser sonst typischen Infektion bei Kindern fast auf ein Fünftel gefallen.

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Traumhafte Schweiz. Quelle ptw

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Baden-Württemberg haben den Sommer genutzt und einen Tagestrip in die Schweiz unternommen. In Erinnerung sind herrliche Landschaften und grauselige Preise in den Spunten- pardon Restaurants. Gleichzeitig lauerte im Land der Eidgenossen auch die FSME. Bis Mitte Oktober wurden 428 Infektionen mit dem Zeckenvirus festgestellt. Im Ländle waren es zur gleichen Zeit 336 – trotz 3 Millionen mehr Einwohner.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Ferienwoche mit Ihren Kindern, Ihr

Drogenkonsum bei Jugendlichen

Drogenkonsum ist ein wohl ein Thema mit dem sich alle Eltern von Jugendlichen irgendwann auseinandersetzen müssen. Auf dem Land glauben manche noch heute, die äußere Idylle sei ein Beleg dafür, dass Drogenkonsum kaum ein Problem sei. Das ist jedoch ein Irrtum. Richtig ist nur, dass sich der Drogenkonsum auf dem Lande anders darstellt als in der Stadt.

Die bedeutendsten Drogen sind Alkohol, Nikotin und Cannabis. Dabei fallen Unterschiede für Europa und die USA auf. Während 15- bis 16-jährige Schüler in den USA deutlich mehr Cannabis konsumieren (bezogen auf einen Monat: USA 15-17%- Europa 5-8%), ist der Alkoholkonsum in Europa spürbar höher (Europa 50% – USA ca. 22%). Diese Zahlen zeigen nur einen groben Rahmen. Modetrends und politische Entscheidungen (Legalisierungen von Cannabis in einzelnen Staaten der USA) verändern das Spektrum.

Der Europäische Drogenbericht von 2019 gibt einen guten Einblick in die Bedeutung der einzelnen Drogen. Dabei werden jedoch nur die „jungen Erwachsenen“ (15 – 24 bzw. 35 Jahre) den Erwachsenen (15 – 64 Jahre) gegenübergestellt. In Europa haben 96 Millionen Menschen (29%) jemals im Leben illegale Drogen konsumiert. Weitaus am häufigsten ist das Cannabis. Innerhalb der EU gibt es aber auch hierfür enorme Unterschiede. In Malta liegt die Rate der Erwachsenen, die Cannabis konsumiert haben, bei 4%. In Frankreich liegt sie – trotz oder wegen des guten Rotweins – bei 45%.

Cannabis. Trends für Preis und Wirkstoffgehalt Quelle: Europäischer Drogenbericht 2019

In den letzten Jahren hat sich der Markt für Cannabis spürbar verändert. Das zeigt die oben stehende Graphik. Cannabis kann als Cannabiskraut („Marihuana”) oder als Cannabisharz („Haschisch”) konsumiert werden. Während die Preise von 2007 bis 2017 kaum angestiegen sind, liegt der Wirkstoffgehalt (bezüglich THC = Tetrahydrocannabinol) für Cannabis inzwischen deutlich höher.

Für weitergehende Informationen auch über andere Drogen wie Kokain, MDMA, Amphetamine oder neue psychoaktive Substanzen (NPS) ist der Europäische Drogenbericht eine gute Quelle.

Wenn Jugendliche durch schwer erklärbare Symptome mit Verhaltensauffälligkeiten auffallen, sollte an Drogenkonsum gedacht werden. Es ist sinnvoll, sie direkt ohne einen moralischen Unterton darauf anzusprechen.

Jugendliche mit Allergie: Welcher Beruf geht?

Allergien sind nicht in Stein gemeißelt, sie unterliegen wie alle Prozesse im Körper der Veränderung. Ein schwer allergischer Säugling kann seine Nahrungsmittelallergien verlieren, was häufig vorkommt. Er kann im späteren Leben ohne andere Allergien wie Heuschnupfen und Asthma sein, was selten vorkommt. Ebenso kann ein Mensch, der 70 Jahre ohne Allergien durchs Leben kam, im hohen Alter seinen ersten Heuschnupfen entwickeln.

Eine wichtige Weichenstellung zeigen Allergien in die Pubertät. In dieser Zeit finden nicht nur Ablösungsprozesse von der Eltern statt. Auch in Bezug auf die Allergien – um es salopp zu sagen – werden die Karten für viele Menschen neu gemischt. Parallel steht in dieser Zeit neben vielen noch wichtigeren Themen (wie Ablösungsprozesse, sexuelle Reife, Liebe) oft auch Überlegungen zur beruflichen Entwicklung an.

Ein allergischer Jugendlicher stellt sich dann die Frage, ob sein Beruf langfristig seiner Allergie schaden könnte. Hierzu gibt es inzwischen einen Allergierisikorechner von der Universität München (Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Radon). Dieser liegt in zwei Varianten vor. Interessant für Jugendliche sind die verschiedenen Rechner „Bis ins junge Erwachsenenalter“. Dort wiederum gibt es für die verschiedenen Probleme wie Handekzem jeweils eigene Rechner. Diese sind sehr schnell zu bearbeiten. Hierzu finden sich im unteren Teil Erklärungen zu den gestellten Fragen. Mit dem Druck auf die Taste „Risiko ausrechnen“ erfährt ein Jugendlicher dann die Wahrscheinlichkeit, mit der dieser ungünstige Fall – z.B. Handekzem – eintritt.

Dieser Allergierisikorechner gibt eine erste und gut abgesicherte Einschätzung. Darüber hinaus ist für so wichtige Entscheidungen auch eine individuelle Beratung bei einem – am besten kinderärztlichen – Allergolog*in sinnvoll. Schließlich geht es um eine weitreichende Entscheidung. Es sollte wenn irgendwie möglich vermieden werden, dass ein beruflicher Werdegang wegen allergischer Probleme abgebrochen werden muss, die vorher schon zu erwarten waren.

Jugendliche weltweit bewegen sich zu wenig

Körperliche Bewegung gehört zu unserem Leben wie Luft, Wasser und Nahrung. Durch verschiedene kulturelle Veränderungen, hat die Bewegung jedoch für viele Menschen heute eine spürbar geringe Bedeutung. Das ist nicht nur aus medizinischen Gründen nicht günstig. Bewegung tut unserer Gesundheit immer gut und macht uns nebenbei auch glücklicher.

Leider betrifft der Bewegungsmangel inzwischen Jugendliche in allen Ländern der Erde. Das zeigt eine groß angelegte Studie, die kürzlich im angesehen Lancet erschienen ist. Die Autoren um Regina Guthold von der WHO in Genf (Schweiz) haben darin Daten zur körperlichen Aktivität von 1,6 Millionen Jugendlichen aus 146 Ländern der Erde zusammengefasst und bewertet.

Als Messlatte dienten Ihnen die Empfehlungen der WHO zu körperlicher Bewegung, die täglich mindestens 60 Minuten mittlere bis starke körperliche Aktivität für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 -17 Jahren als angemessen ansehen. Es wurde gemessen, wie viele Jugendliche (Mädchen und Jungen getrennt) in welchen Ländern sich zu wenig bewegen.

Diesen Wert – von einer Stunde körperlicher Bewegung täglich – erreichten rund 84% der deutschen Jugendlichen nicht. Genauer: 79,7 Prozent der deutschen Jungen und noch mehr Mädchen (87,9%) waren 2016 körperlich nicht gerade aktiv. Von den reichen Industrieländern lag Italien mit einem Wert von 88.6% Bewegungsmuffeln am höchsten, die USA mit 72.0% am niedrigsten. Relativ gut liegend die Zahlen in Osteuropa oder auch in Spanien. Die meisten Stubenhocker weltweit hat wohl Korea (94.2%).

„Wir hatten eine elektronische Revolution, die die Bewegungsmuster von Jugendlichen offensichtlich verändert hat – und sie dazu anregt, mehr zu sitzen, weniger aktiv zu sein, mehr zu fahren, weniger zu gehen“, sagt Leanne Riley, eine der Autorinnen der Studie. Heute spielen Jugendliche letztlich wohl mehr digital als wirklich aktiv körperlich.

Newsletter praxisblättle Foto: ptw

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TIPP Informationen für Jugendliche: gemeinsam verhüten

Für Jugendliche ist die Entdeckung der Sexualität ein zentrales Thema. In ihrer Entwicklung zum Erwachsenen stellen sich ihnen viele Fragen stellen. Mit den Antworten ist das manchmal schwieriger. Denn viele Themen sind emotional sehr besetzt und – wie man heute oft sagt – „peinlich“.

Das sind sie natürlich nicht. Aber es erfordert häufig doch einigen Mut, die oft intimen Fragen zu stellen. Deswegen ist es immer gut, wenn die eigene Mutter und der Vater schon frühzeitig zeigen, dass sie sich auch als Ansprechpartner in Fragen der Sexualität verstehen. Das kann die Schule nur teilweise.

Für die Fragen, die danach noch bleiben, gibt es gute Informationsbroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und natürlich können junge Menschen auch online wichtige Informationen abrufen. Diese Institution ist sehr seriös, die Informationen verlässlich und seit vielen Jahren so aufgebaut, dass sie von Jugendlichen gut angenommen werden können.

Ein konkreter Einstieg bei Fragen zur eigenen Sexualität kann also sein:

  • Anonyme und kostenlose Beratung („Nummer gegen Kummer“): 0800 111 0333, jeweils Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr
  • oder auch „Nummer gegen Kummer“ über www.kinderundjugendtelefon.de
  • oder Broschüren wie SEX ’n’tipps: kostenlos per Mail:  order@bzga.de
  • …..oder eben klassisch die eigenen Eltern und die/der Kinder- und Jugendärztin

Jugendliche fühlen sich wenig ernst genommen

Jeder Erwachsene war einmal jugendlich. Manche vergessen diese Zeit rasch und tun sich später schwer, sich in die Welt der jungen Menschen hinein zu versetzen. Jugendliche von heute haben eine andere Umwelt als ihre Eltern- oder Großelterngeneration. Das Internet und in der Folge die sozialen Medien haben den Alltag Jugendlicher gegenüber der Generation Y entscheidend umgekrempelt. So gesehen ist es auch wenig verwunderlich, dass es für Erwachsene gelegentlich herausfordernd ist, sich vorzustellen, wie Jugendliche heute empfinden.

Diesen Versuch unternimmt die Children’s Worlds+ – Studie, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung unter Leitung der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Andresen von der Universität Frankfurt am Main in Deutschland durchgeführt wurde. Eingebettet ist die Studie in das internationale Projekt Children’s World, das von einer Schweizer Stiftung unterstützt wird. Dieses Projekt wiederum beschäftigt sich mit dem Wohlbefinden von Kindern zwischen acht und zwölf Jahren in über 30 Ländern.

Children’s Worlds+. Einstellungen gegenüber den Lehrern Foto: Children’s Worlds+

In dieser sehr ausführlichen und lesenswerten Studie werden viele Aspekte beleuchtet. In Bezug auf die Schule zeigt sich, dass sich Jugendliche nicht ausreichend ernst genommen fühlen und sich mehr aktive Beteiligung wünschen. Dies zeigt sich auch in der Fridays-for-Future-Bewegung, wo Jugendliche das Thema Klima und eigene Zukunftsperspektiven selbstbewusst und erfolgreich aufgegriffen haben.

Childrens Worlds+-Studie. Wie sehen deutsche Jugendliche ihre Eltern Foto: Childrens Worlds

Das Elternhaus wird deutlich besser beurteilt. Natürlich nimmt der Anteil der Jugendlichen bei der Frage „Meine Eltern erlauben mir genug“ bis zu den 14-Jährigen stetig ab. Für Menschen in der Pubertät, die ihre Umgebung in Frage stellen, ist der Wert aber doch erstaunlich hoch.

Familienministerin Franziska Giffey will sich im Wissen dieser Studie für eine neue Jugendstrategie einsetzen: „Wir wollen, dass sich das gesamte Kabinett verbindlich zur Verantwortung für die Jugend bekennt. Die ganze Bundesregierung muss ihren Teil dazu beitragen, Jugend zu beteiligen, Politik mit und für Jugendliche zu machen.“

Gut so!

Eine App für Pollen-Allergiker

Mit dem Frühlingsbeginn in dieser Woche werden in Baden-Württemberg täglich mehr Menschen von Pollenallergie geplagt. Je nach Höhenlage sind entweder die Birkenpollen (eher in mittlerern Lagen) oder gar schon die Gräserpollen (Oberrhein) bedeutsam vertreten.

Vor ziemlich genau 20 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der WHO die ARIA-Initiative von Experten ins Leben gerufen: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA) befasst sich seither wissenschaftlich mit dem allergischen Schnupfen und seinen Auswirkungen auf das Asthma. Die internationalen Experten von ARIA haben über die letzten Jahrzehnte viele Schritte in der weltweiten Harmonisierung von Diagnostik und Therapie von Allergien in die Wege geleitet.

Rechtzeitig sind nun im März 2019 im Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) die neuen Schritte der ARIA  (Phase 4) veröffentlicht worden. Darin wird auch eine neue App vorgestellt, die über die letzten Jahre entwickelt in in einem Pilotversuch getestet wurde.

Wo gibt es mehr Informationen über die App? Allergy Diary

Abbildung 1: Allergy Diary App. Foto: allergydiary.com

Die anonymisierte App kann momentan in 23 Ländern (16 EU-Länder, Schweiz, Türkei, Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko) in 17 Sprachen genutzt werden. Bislang sind Informationen zum Asthma noch nicht implementiert. Dies ist aber geplant. Ein wichtiges Tool für alle Allergiker – gerade auch für Jugendliche, die mit dieser App mehr Informationen über ihre Allergie sammeln können. Damit kann der Allergologe später eine gezieltere Therapie ansetzen.

Übergewicht: „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“

Dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland von Übergewicht betroffen sind, ist seit langem bekannt. Ebenso lange wird darüber debattiert und gestritten, ob und wie man das verhindern kann. Und, welchen Beitrag die Politik hierzu leisten kann.

Nun wurde vor wenigen Wochen vom Bundesministerium Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) der Ernährungsreport 2019 veröffentlicht. Zuvor hatte die verantwortliche Ministerin, Julia Klöckner, die konkreten Ziele benannt: Senkung des Zuckergehalts …

  • in Frühstücksflocken um durchschnittlich 20%
  • in Softdrinks um 15%
  • in Kinder-Joghurts um 10%

Weitere Schritte sind auf freiwilliger Basis angedacht. So sind bestimmte Verhaltensregeln der deutschen Werbewirtschaft betreffend die Werbung für Kinder angedacht.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat inzwischen hierzu Stellung genommen und kritisiert zum einen die zu geringe Reduktion des Zuckers in Nahrungsmitteln. So würde der durchschnittliche Zuckergehalt in Cornflakes von jetzt 43 Gramm auf 100 g –  trotz dieser Maßnahme – künftig weiterhin über 30 Gramm Zucker liegen. Auch der Austausch der Saccharose (Kristallzucker) durch billig hergestellten Maissirup sieht er kritisch. Dessen Isoglucose oder HFCS (High Fructose Corn Syrup genannt) hat einen besonders hohen Anteil an Fructose mit einer höheren Süßkraft. Dadurch bleibt der hohe Süßgeschmack für die konsumierenden Kinder und Jugendlichen unverändert. Sie lernten also nicht, sich mit weniger Süße zu begnügen. Die verwendete Fructose (Fruchtzucker) würde darüber hinaus die Leber schädigen.

Insgesamt ist diese Innovationsstrategie ein erster Ansatz in die richtige Richtung. Aber in Anbetracht der Bedeutung des Problems bei weitem nicht ausreichend. Zum einen ist die Reduktion von Zucker oder Fett ungenügend. Zum anderen ist die Zielsetzung erst für 2025 gesetzt. Erst für diesen Zeitpunkt hat sich „die Lebensmittelwirtschaft … verpflichtet …… (die) konkreten Reduktionsziele zu erreichen“. Bis dahin ist ein heute 2-jähriges Kind, das zunehmend eigene Vorstellungen von Ernährung entwickelt, bereits 8 Jahre alt. Und gerade in diesem Alter beginnt häufig die Karriere des Übergewichts.

Sehr viel schöne Worte werden in den Papieren zu diesem Thema verloren. Taten sind nur wenige geplant. Und es braucht zu lange Zeit bis diese dürftigen Maßnahmen greifen. Die politischen Rahmenbedingungen, Übergewicht zu verhindern, sind keine effektive Hilfe für die Kinder und Jugendliche.

Sind Grippeimpfungen für Kinder sinnvoll?

In der hochangesehenen Zeitschrift THE LANCET ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der sich mit der Grippeimpfung von Kindern befasst.

Die Forschergruppe um Shuo Feng von der Universitätsklinik in Hongkong (China) untersuchte in den letzten 5 Jahren 15 695 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren im Rahmen von Krankenhausaufenthalten. In dieser Gruppe von Patienten mit Atemwegserkrankungen konnten bei 2500 (15.9%) Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Virus Influenza A oder B nachgewiesen werden. Alle Erkrankungsverläufe wurden in Beziehung gesetzt mit einer erfolgten oder nicht erfolgten Impfung. Die Impfung gegen Influenza erfolgte dabei fast immer im Monat Dezember (was für Hongkong der empfohlene Zeitpunkt für diese Impfung ist).

Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung (Impfung gegen Influenza) hoch effektiv war. Sie konnte eine Grippe (Influenza A oder B) für die Monate September bis Dezember bei 79% der Geimpften verhindern. Danach ging sie für die Monate Januar bis April auf 67% und für die Monate Mai bis August auf 45% zurück. Die Forscher errechneten, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung pro Monat um etwa 2-5 % absank.

Was zeigt die Studie?

Erstaunlich ist zunächst, wie viele Kinder und Jugendliche untersucht werden konnten. Ganz besonders wichtig ist aber, dass bei Kindern die Grippeimpfung wirksam ist – und: sie wirkt gut. Dass sogar 6 Monate nach der Impfung noch ein Schutz von fast 50% besteht erstaunt und erfreut.

Nichtrauchen ist angesagt

Rauchen ist ungesund. Nichts neues. Die Deutsche Krebsgesellschaft in Berlin hat errechnet, dass im Jahre 2013 etwa 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens verstarben. Dabei sind neben dem gefürchteten Lungenkrebs auch weitere Folgen des Rauchens (Darmkrebs, Leberkrebs, Tuberkulose, Diabetes Typ-2) berücksichtigt. Insgesamt sind 13.5% aller Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

Abbildung 1. Rauchen und Nie-Rauchen unter 12-17 Jugendlichen in Deutschland. Foto: BILD

In den letzten Jahrzehnten sind enorme Erfolge erzielt worden, die Zahl der Raucher zu verringern. Mit großem Erfolg in der Europäischen Gemeinschaft und in Deutschland. Heute ist Rauchen bei Jugendlichen fast uncool. Das zeigt die nebenstehende Abbildung 1, die auf Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beruht.

Die BZgA startete ihr Programm Be Smart – Don’t Start im Jahre 1997. Ab 2002 folgten bundesweit Erhöhungen der Tabaksteuer, Rauchverbote im öffentlichen Raum folgten im Jahre 2012. Inzwischen liegt die Rate der Nieraucher in der Altersgruppe der 12-17-Jährigen bei 80%, die der Rauchen hat bereits 2014 die 10-Prozentmarke nach unten geknackt. Ein gigantischer Erfolg.

Abbildung 2. Rauchen bei den Erwachsenen nach einer Untersuchung der BZgA von 2015 Foto; Deutsche Krebsgesellschaft

In Süddeutschland wird weniger geraucht als in Norddeutschland. Insgesamt ist aber – wie die Abbildung 2 zeigt – die Quote der Raucher unter Erwachsenen noch sehr hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Jugendlichen auch für die Erwachsenen „ansteckend“ sind. Wenn diese schon mit Stöpseln im Ohr die Jugendlichen imitieren, dann sollten sie das auch beim Rauchen machen.

Eltern sollten sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht alles machen was Eltern wollen, sie ahmen langfristig die Eltern mehr nach als diese glauben. Gerade in der Pubertät sind Eltern oft verzweifelt. Dabei ist eines klar: wenn Eltern Nichtraucher sind, werden es ihre Kinder mit größter Wahrscheinlichkeit auch. Und sie vermeiden damit, zu den 13.5% aller Todesfälle zu gehören, die aufs Rauchen zurückgeführt werden können. So erfolgreich kann Erziehung sein.