Schlagwort: Keuchhusten

Was geht rum? 12. September 2020

Noch zwei Tage und die Schule beginnt wieder im Regelbetrieb. Endlich besteht wieder die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche einen Alltag fern von Begrenzungen erleben können: Freunde sehen, gemeinsam mit ihnen etwas erleben und nebenher noch etwas lernen. Hoffen wir mal, dass so manche Corona-Querschüsse von Massenveranstaltungen diese Freiheit für die Kinder nicht so bald beenden.

Infekte bei Kindern und Jugendlichen finden im Moment ja kaum statt. Das wird sich in den nächsten Monaten vermutlich langsam ändern. Mit der großen Belastungsprobe müssen wir erst zu Beginn des kommenden Jahres rechnen. Der herbstliche Schnupfen von Kindern – das hat das Sozialministerium ja schon klar gemacht – ist in Bezug auf das Coronavirus in aller Regel unproblematisch. Zumindest, wenn alle Beteiligten keine Panik schieben und Schulen und Kitas nicht komplett geschlossen werden.

Infektionen sind momentan nahezu keine unterwegs. Selbst bei den Kinderkrankheiten gibt es nur Windpocken sowie insgesamt 3 Erkrankungen an Keuchhusten in ganz Baden-Württemberg. Grund genug, dieses herrliche Wochenende entspannt zu genießen.

Eine aktuelle Untersuchung hat einen interessanten Aspekt aufgegriffen: Um das Coronavirus zu bekämpfen haben Wissenschaftler um Manuela Buonanno aus New York eine neue Möglichkeit beschrieben, die Inaktivierung des Virus mit UV-Strahlen. Ausgehend von Versuchen an Grippeviren und den harmlosen Coronaviren HCoV-229E und beta HCoV-OC43 zeigten sie dass auch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) auf diese Weise erfolgreich bekämpft werden könnte.

Was muss beim Tragen von Masken beachtet werden? Kurz und knapp illustriert das die Zusammenfassung des CDC (Centers for Disease Control and Prevention; in Englisch).

Was geht in der Welt rum? Im südlichen Europa, von Spanien über Griechenland und Italien bis Rumänien tritt vermehrt das West-Nil-Fieber auf. Eigentlich betrifft es im Wesentlichen Vögel, kann aber auch den Menschen befallen. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. In Deutschland wurde vorm Tropeninstitut bestätigt, dass der Erreger auch bei vier Blutspendern gefunden wurde, die aber symptomlos blieben.

Die Kinder haben das Glück, dass ihre Ferien bis zuletzt sommerliches Wetter brachten. Ich wünsche alle viel Spaß in der Natur, ob im eigenen Garten, im Schwimmbad oder in den Bergen. Erstmals schaffen es die Pollen – mangels Masse –  an solch schönen Tagen nicht, die Allergiker zu ärgern.

Ihr

Keuchhustenimpfung für Schwangere

Pharmakonzerne versuchen in den letzten Monaten mit Halbwahrheiten, Investoren zu bewegen bei Ihnen zu einzusteigen. Da tut es gut, wenn ein Philosoph wie Peter Sloterdijk – geboren in Karlsruhe – eine klare Aussage trifft:  «Man wird mehr und mehr verstehen, dass Immunität keine Privatsache ist

Als Leser des praxisblättle wissen Sie, dass Erreger wie Bakterien und Viren unterschiedlich agieren. Auch in Fragen der Immunität muss – bei allen Gemeinsamkeiten – das Verhalten des Erregers individuell betrachtet werden. So wäre es beispielsweise möglich, die Masern durch konsequente Impfungen weltweit auszurotten. Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde in Deutschland das Masernschutzgesetz eingesetzt.

Anders ist das beim Keuchhusten. Mit ihm müssen wir bis zu einem gewissen Grad leben. Die Impfungen von heute können diese Krankheit sehr gut eingrenzen, aber nicht verhindern.Eine offene Flanke ist das Ansteckungsrisiko für die jungen Säuglinge. Sie haben die höchste Rate an Neuerkrankungen (Inzidenz) mit 50 von 100.000 Säuglingen. Am allermeisten sind Säuglinge im 2. – 4. Monat betroffen. Das macht deutlich, dass für viele der Nestschutz nicht ausreichend ist. Sie bekommen also mit der Geburt zu wenig schützende Antikörper, um in den ersten Monaten des Lebens dem Keuchhusten etwas entgegensetzen zu können.

Unter dieser Überlegung ist neuerdings auch in Deutschland – wie schon in anderen Ländern – eine Keuchhusten-Impfung für Schwangere vorgesehen. Diese sollte zu Beginn des letzten Drittels (3. Trimenon) der Schwangerschaft erfolgen, bei hoher Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt früher. Als Impfstoff soll ein Tdap-Kombinationsimpfstoff (Covaxis©, Repevax©, Boostrix©, Boostrix-Polio©) angewendet werden (Einzelimpfstoffe gegen Keuchhusten sind nicht verfügbar). Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu den Vorimpfungen und in jeder Schwangerschaft erneut durchgeführt werden. Das Ziel ist, ausreichend mütterliche Antikörper aufzubauen, die den Säugling in den ersten Lebensmonaten schützen können.

In vielen Studien in Belgien, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Vietnam, und den USA konnte gezeigt werden, dass diese Impfstrategie wirkungsvoll ist. Je nach Studie konnten durch die mütterliche Impfung 90% der erwarteten Keuchhustenerkrankungen für 2-3 Monate alte Säuglinge verhindert werden. Auch mögliche Nebenwirkungen wurden eingehend untersucht. Die Ergebnisse können im Epidemiologischen Bulletin 13_20 des RKI detailliert nachgelesen werden.

Wie sehen wir die Impfung? Früher bestanden höchste Bedenken, Schwangere zu impfen. Es war mutig, diese Strategie zu überdenken, um Säuglinge in der empfindlichsten Phase ihres Lebens vor Keuchhusten zu schützen. Die umfangreichen Studien belegen, dass diese Strategie funktioniert und kein bedeutsames Risiko für Schwangere darstellt.

Was geht rum? 05. September 2020

Im September kommt jedes Jahr der erste Impfstoff gegen Influenza (Grippeimpfstoff) auf den Markt. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Sicherheit der Impfstoffe steht, hat vor wenigen Tagen 13,6 Millionen Impfdosen freigegeben. Schon äußern sich erst Stimmen zu diesem Thema. Gesundheitsminister Spahn rät zur Grippeimpfung auch bei Kindern, es sei  genügend Impfstoff da.

In diesen Tagen sind unsere Kinder so gesund wie noch selten. Das hängt mit der Jahreszeit zusammen. Und mit dem Abstand, den Hygieneregeln und dem Mund-Nasen-Schutz – kurz, den AHA-Regeln. Die schützen nicht nur vor dem Coronavirus, sondern vor vielen anderen Erregern ebenso. Der September ist also günstig, um sich und seine Kinder für schwierige Zeiten zu rüsten. Das heißt in in diesem Fall, an die Impfungen zu denken. Drei Aspekte sind besonders interessant:

Erstens. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, MMR-Impfung. Die AHA-Regeln haben dazu geführt, dass über vier Monate in Baden-Württemberg keine einzige Masern-Infektion auftrat. Das wird sich ändern, wenn wir näher beieinander sein werden, wie in der Schule oder der Kita. Also unbedingt jetzt nachsehen, ob Ihre Kinder zweimal gegen MMR oder noch besser MMRV (mit Varizellen = Windpocken) geimpft sind.

Zweitens. Der Schutz gegen Keuchhusten hält immer nur wenige Jahre, muss also mehrfach aufgefrischt werden. Vor der Einschulung, wenn Kinder bald mit neuen Klassenkameraden zusammen kommen, macht es Sinn den Schutz zu erneuern, zusammen mit Tetanus und Diphtherie als sog. TdaP. Auch der Keuchhusten wird wieder vermehrt auftreten, wenn der reguläre Schulbetrieb startet. Und den wünschen sich alle.

Drittens. Jetzt sind wir wieder bei der Grippeimpfung. Alle denken dann an die Risikogruppen und meinen die über 60-Jährigen, die unbedingt geimpft sein sollten. Die tun sie aber nur zu etwa 35%, wobei über die letzten 10 Jahre diese Quote sogar weiter absank. Ebenso sollte man auch an die Kinder denken, die alle von dieser Impfung profitieren und damit – nebenbei – auch die älteren Menschen wie Oma und Opa schützen. In Baden-Württemberg ist die Grippeimpfung ab dem 6. Lebensmonat empfohlen (Sozialministerium), so wie es die WHO empfiehlt. Der wohl beste Zeitpunkt für diese Impfung ist im Laufe des November. Damit reicht der optimale Schutz bis in den März des folgenden Jahres hinein.

Nein, im Moment blühen keine Krokusse. Es sind die zarten Blüten der Herbstzeitlose, die wir sehen. Leider giftig! Quelle: ptw

Neben vereinzelten harmlosen Atemwegsinfekten gibt es nur wenige bedeutsame Infektionen. Im ganzen Ländle erkrankten in dieser Woche drei Personen an Keuchhusten, keine an Masern. Die FSME ist trotz der zuletzt kühlen Temperaturen noch mit neun Neuerkrankungen vertreten. Mit insgesamt 294 FSME-Fällen in diesem Jahr sind die Zahlen mehr als doppelt so hoch. Im letzten Jahr waren es Anfang September noch 140 Menschen, die infiziert worden waren.

Das sommerliche Wetter dieser Tage führt doch noch einmal zu einem spürbaren Pollenflug: Spitzwegerich und Ambrosia. Für beide sind Allergien bei Kindern und Jugendlichen aber eher selten. Gleiches gilt auch für die Belastung mit Schimmelpilzsporen, die sich in den nächsten 2 Tagen verstärkt in die Lüfte schwingen dürften.

Was geht in der Welt rum? Urlaube in fernen Ländern finden im Moment kaum statt. Viele Familien aus Baden-Württemberg besuchen jedoch Österreich und die Schweiz. Und auch dort begegnen sie den Zecken. In unserem beschaulichen Nachbarland ist die Zahl der an FSME Erkrankten auf inzwischen 380 Personen (Ende August) angestiegen. Damit liegt sie bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich höher als in Baden-Württemberg. Beim Wandern also trotz aller Idylle den kleinen Feind Zecke nicht vergessen.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende zwischen sommerlicher Hitze und herbstlichen Morgenstimmungen.

Ihr

Was geht rum? 01. August 2020

Es scheint, dass Party und Panik den neuen Umgang mit dem Coronavirus bestimmen. Beides ist nicht zielführend. Für Sie als Eltern ist wichtig, dass nach heutigem Stand kein besonderes Risiko von Kindergärten oder Schulen für Ihre Kinder ausgeht. Die überwiegende Zahl von erkrankten Schülern haben die Infektion durch eine Ansteckung von außen in die Schule hinein getragen. So kam es laut Landesgesundheitsamt seit Beginn der zu 78 Corona-Infektion bei Schülern. Durch die akribische Arbeit der Gesundheitsämter („Ermittlung von Kontaktpersonen“) konnten echte Ausbrüche in Schulen verhindert werden.

Abstand und Maske. Das ist kurz und knapp, was uns vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Eine neue Untersuchung zeigt, dass selbstgenähte Masken gewisse Anforderungen erfüllen sollten: Am besten sollten sie aus 2 Lagen Stoff bestehen. In ruhigen Situationen (wie Gesprächen) gibt eine einfache und einlagige Maske durchaus einen spürbaren Effekt. Aber spätestens beim Niesen und Husten ist nur die 2-lagige Maske in der Lage, die Tröpfchen-Verbreitung aufzuhalten. Es lohnt sich, die Original-Publikation von Paatrek Bahl und Mitarbeitern aus Sydney (Australien) wegen der graphischen Darstellungen anzusehen.

Die Juli-Infektwelle mit Schnupfen in Kindergärten und Schulen scheint abzuebben. Mit den Ferien gibt es weniger Chancen sich anzustecken. Auch bei den Kinderkrankheiten kommen seit Wochen fast nur gute Nachrichten. Der Keuchhusten kommt spürbar seltener vor als im letzten Jahr. Grund hierfür dürften die AHA – Regeln ( Abstand + Hygiene + Alltagsmaske) sein. An diese Regeln sollten wir uns weiter konsequent halten.

Neuerkrankungen an FSME in Baden-Württemberg. Die blauen Säulen geben die Fälle pro Kalenderwoche wieder. Die hellblaue Fläche gibt die maximalen und minimalen Fallzahlen der letzten 10 Jahre an. Quelle: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Besorgniserregend sind die Erkrankungszahlen bei der FSME: Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Sie erreichen in einem Ost-West-Gürtel vom Landkreis Ravensburg bis in den mittleren Schwarzwald sehr hohe Neuinfektionen mit bis zu 14 pro 100.000 Einwohner. Auch wenn dies Kinder weniger betrifft als Erwachsene, sollte mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt überlegt werden, ob eine Impfung regional wichtig ist. Empfohlen ist sie für das Land-Baden-Württemberg ohnehin (ab dem Alter von 1 Jahr).

Für Pollenallergiker gibt es keine neuen Nachrichten. Pollen fliegen weiterhin. In höheren Lagen herrschen die Gräserpollen vor, in tieferen fliegen Spitzwegerich und inzwischen auch Beifußpollen. Besondere Änderungen sind über die nächste Woche nicht zu erwarten

Was geht in der Welt rum? In den letzten Wochen trat das West-Nil-Fieber in Rumänien und in Griechenland auf. Das Virus kommt über Zugvögel aus den Tropen nach Europa und betrifft viele Länder, wie die Karte des ECDC zeigt. Die Übertragung erfolgt über infizierte Stechmücken – selten – auch auf den Menschen. Beim Menschen tritt in 20% nach einer Infektion eine grippeähnliche Erkrankung auf. In Deutschland kam es erstmals im letzten Jahr zu einer West-Nil-Infektion. Eine Impfung gibt es nicht, im Zentrum steht der Mückenschutz.

Für alle, die sich auf Reisen möchte ich hier nochmal die Einreisebestimmungen und Corona-Regeln für die Europäische Union zur Lektüre empfehlen. Auf diesem Terrain ändern sich manche Dinge täglich. Es lohnt sich also, mehrfach vor dem Urlaub nachzusehen.

Ich wünsche Ihnen ein schattiges Sommer-Wochenende und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 11. April 2020

Osterfest, einmal anders. In den Zeiten von Corona treffen sich vermutlich weniger Menschen zum gemeinsamen Fest. Die Suche nach den Ostereiern für Kinder wird schwieriger, weil ihnen Oma und Opa nicht mehr flüsternd zur Seite stehen.

Ostern, das Fest der Wiederauferstehung. Die wird auch nach dem Fest auf sich warten lassen. Für Eltern lohnt es sich aber schon jetzt, sich vorausschauend mit ihrer/m Kinder- und Jugendärztin/arzt zu besprechen, wie es mit den Impfungen weitergeht. Gerade Säuglinge sind ja von einigen schwerwiegenden Krankheiten bedroht. Keuchhusten ist eine davon, die sich nicht vor Coronaviren fürchtet und weiterhin Menschen ansteckt. Es lohnt sich, nicht nur die Coronaviren zu beachten

Die Zahl der Infekte wird insgesamt geringer. Das ist für diese Jahreszeit typisch. Untypisch ist, dass die Rotaviren fast ausbleiben. Auch die Noroviren sind spürbar weniger aktiv. Darüber sind wir nicht traurig. Nebenbei, das war plötzlich keine Meldung mehr wert, ist auch die Grippesaison zu Ende gegangen. Mit fast 24.000 gemeldeten Erkrankungen war sie stärker als im letzten Jahr.

Unter den Kinderkrankheiten ist der Keuchhusten weiter präsent. Ein Schwerpunkt bei den  Neuinfektionen dieser Woche ist Nordbaden. Die Kontaktbeschränkungen haben aber auch ihr Gutes: Im Gegensatz zum Keuchhusten (ausgelöst durch Bakterien; Impfschutz schwieriger), geht die Zahl der Windpockeninfektionen  (Viren) zurück. Weniger Kontakte, weniger Ansteckungen auch hier.

Bei den Allergien ist die Lage fast stabil. Birkenpollen sind die Stars der Lüfte, aber in den trockenen Zeiten geht auch ihnen bald ein Teil ihrer Power verloren. Für Allergiker auf mittlere Sicht also eher günstige Aussichten.

Zecken. Ja, sie können uns auch von hübschen Blumen aus attackieren Quelle: pixabay, Erik Karits

Die Zecken sind weiter sehr aktiv. Eltern sollten insofern ihre Kinder nach Waldspaziergängen und immer vor dem Zubettgehen auf die kleinen Spinnentiere untersuchen. Zonen, in denen die sich gerne aufhalten sind die Achseln, der Nabel, die Genitalregion und die Region hinter den Ohren. Sie sollten entfernt werden. Entweder mit den bekannten Zeckenzangen oder durch die Streichelmethode. Weitere Hinweise finden Sie im praxisblättle..

Ach so, noch ein paar Zeilen zu Corona. Es keimt wieder mehr Hoffnung auf. Das zeigt eine Karte, die die Forschung über COVID-19 darstellt. Wissenschaftler sind neugierige Menschen. Diese Karte zeigt, dass viele von ihnen auf der ganzen Welt daran arbeiten, das Coronavirus zu bekämpfen. Egal, ob sie neue Tests, Medikamente oder Impfungen suchen. Sie sind voller Optimismus, uns irgendwie helfen zu können.

Es scheint, wir müssen in diesen Wochen täglich umdenken. An das Social Distancing haben wir uns gewöhnt, auch wenn manchmal von 1,5 Metern Abstand, ein anderes Mal von 2 Metern Abstand die Rede ist. Aber wie so oft: die Realität des Lebens komplizierter. Das zeigt eine aktuelle Veröffentlichung von Lydia Bourouiba vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), über turbulente Gaswolken und ihre Dynamik. Im Artikel (in englischer Sprache) zeigt ein Video sehr eindrücklich, wie sich die feinsten Tröpfchen beim Niesen bis zu fast 8 Metern ausbreiten können. Dabei können sich kleinste Tröpfchen in der Gaswolke (bedingt durch Wärme und Feuchtigkeit) ihrer Verdampfung entziehen und dadurch bis zu 1000-fach länger existieren und Viren transportieren.

Nebenbei weisen andere Daten darauf hin, dass auch die Viruslast wichtig ist, also wie viele Viren in den Tröpfchen enthalten sind. Vieles deutet darauf hin, dass die Schwere der Erkrankung auch davon abhängig ist. Wer sich mit wenigen Viren angesteckt hat, erkrankt offenbar leichter als jemand, der von vielen Viren heimgesucht wird. Das unterstreicht nochmal das Risiko für Pflegepersonal und Ärztinnen und Ärzte.

Was geht in der Welt rum? Während sich COVID-19 über den Erdball verbreitet hat, wurden manch andere Viren zu schnell vergessen. Deutlich gefährlicher als Coronaviren sind die Ebola- und Marburg-Viren, aber auch das Gelbfieber-Virus. Äthiopien erlebt gerade wieder einen kleinen Ausbruch mit derzeit 85 Verdachtsfällen und 4 gesicherten Todesfällen. Der große Unterscheid zu Coronaviren: Gegen Gelbfieber schützt eine einzige Impfung fast zu 100%.

Für alle, die Asterix und Obelix lieben: Als Hommage an den großartigen Zeichner Albert Uderzo gibt es eine Sonderausgabe: Unbeugsam mit Asterix – 1. Kostenlos.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen von Herzen ein frohes Osterfest. Genießen Sie die Sonne und Wärme. Danke, dass Sie so treue Leser sind. Ich würde mich freuen, wenn Sie das praxisblättle auch anderen Eltern weiterempfehlen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 07. März 2020

Das Masernschutzgesetz ist eine Woche alt. Es betrifft viele Menschen. In erster Linie Eltern, deren Kinder im Kindergarten, Kindertagesstätte oder der Schule sind. Klare Informationen zum Nachweis des Impfschutzes finden Sie hier. Noch mehr betrifft diese Regelungen die Leitungen der jeweiligen Einrichtung. Für sie hier der Link zum Informationsblatt des Bundesministerium für Gesundheit.

Häufigkeit verschiedener Viren in Abstrichen, die dem RKI bis jetzt (KW 9, 2020) eingesandt wurden Quelle: AG Influenza

Wie weit hat sich das Coronavirus ausbreiten können? Inzwischen (gestern Abend 21:00) sind über 101.000 Menschen weltweit an COVID-19 erkrankt, davon 670 in Deutschland (keine Todesfälle). In Baden-Württemberg sind (Stand 06. März 2020) aktuell 96 Personen davon betroffen. Erkrankungen mit Influenza wurden im Ländle bis Ende Februar 17166 mal gemeldet. Die Grippewelle hält also weiter an und betrifft besonders Bayern und Baden-Württemberg.

Aus der Graphik oben wird deutlich, wie sich die Rhinoviren („Schnupfenvirus“) bis Weihnachten 2019 immer mehr zurückzogen und die Influenza-Viren zum Platzhirsch wurden. Die Karte links zeigt die hotspots (rot) für die Grippe in Deutschland. Kurz zusammengefasst: In der letzten Woche hat sich in Bezug auf die Infektionen im Land für die Kinder und Jugendlichen kaum etwas geändert.

Alle Kinderkrankheiten liegen mehr oder weniger im gleichen Rahmen wie vor einem Jahr. In der vergangenen Woche traten 37 Neuerkrankungen an Keuchhusten auf, davon alleine elf im Ortenaukreis.

Nach dem warmen Winter stellt sich auch die Frage: Wann legen die Birkenpollen los? Diese brauchen noch etwas Zeit und Wärme, um sich zu sammeln. Der viele Regen bremst auch die Kollegen der Erlen und Haseln aus. Noch können sich Allergiker also enspannt in die Natur begeben.

In Deutschland ist gerade für viele Pollenallergiker Montelukast (wie Singulair©) eine wichtige Arznei. Gut wirksam und einfach einzunehmen. Nun kommt von der amerikanischen Behörde für Arzneimittel FDA ein „boxed warning“. Wegen bekannter Zusammenhänge mit neuro-psychiatrischen Auffälligkeiten, sollte diese Arznei bei milden Symptomen eines allergischen Schnupfen nicht mehr eingesetzt werden. Weitere Details (in englischer Sprache) finden Sie hier.

Teil einer Tentakel von Physalia physalis. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? An den Stränden im Norden von Gran Canaria (Spanien) wurden in den letzten Wochen immer wieder Tentakeln der Portugiesischen Galeere Physalia physalis) gefunden. Die Tentakeln sollten bei Kontakt unbedingt in Salzwasser entfernt werden, am besten mit einem Hilfsmittel (wie hier im Bild mit einem Plastikmesser), so dass man sie seitlich abstreifen kann. Danach soll nach Meinung vieler Betroffener Backpulver auf der Haut verrieben werden. Damit so ein Vorgehen klappt, müssen alle diese Substanzen immer zum Strand mitgenommen werden.

 

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Genießen Sie, wenn Sie gesund sind, das kräftige Zwitschern der Vögel das in dieser Jahreszeit seinen Höhepunkt erreicht.

Was geht rum? 10. August 2019

Viele Familien aus Baden-Württemberg sind jetzt im Urlaub. Wir daheim Gebliebenen erleben zwar auch Regentage, bleiben aber relaxt. In den Einkaufsmärkten sieht man neben Müttern auch viele Väter, wie sie mit den Kindern fürs Mittagessen einkaufen. In der Natur unternehmen die Familien Fahrradtouren. Und danach wird gegrillt: Stockbrot. Theodor Heuss, unser schwäbischer Bundespräsident kommt einem in den Sinn: „Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein“.

Allergiker können sich glücklich schätzen. Die meisten Pollen sind nur noch in geringer Konzentration in der Luft. Das gilt ganz besonders für die Gräserpollen. Diese können uns aber bis in den Oktober hinein begleiten und kurzfristig in der Nähe von Feldern Probleme bereiten. Stark in der Luft vertreten sind hingegen Pilzsporen. Die wiederum sind für Kinder und Jugendliche von sehr geringer Bedeutung.

Die Zecken-vermittelte FSME ist seit Wochen kein mediales Thema mehr. Tatsächlich liegen die Erkrankungszahlen in Baden-Württemberg unter denen des letzten Jahres. Bislang kommen in diesem Jahr 131 Neuerkrankungen zusammen, davon 12 alleine in der vergangenen Woche. Grund genug, den Impfschutz nochmals zu überprüfen.

Auch die Kinderkrankheiten machen keine Pause. In Freudenstadt wurden in der letzten Woche 6 Neuerkrankungen an Keuchhusten gemeldet. Deutlich höhere Erkrankungszahlen gibt es für die Windpocken aus der Regionen Freiburg und Karlsruhe. Übers Jahr gesehen sind im Ländle 3.683 Kinder und auch ältere Personen hieran erkrankt.

Die Magen-Darm-Infektionen hingegen gehen leicht zurück. Atemwegsinfektionen spielen im Moment kaum eine Rolle.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber ist in nahezu allen tropischen Ländern ein zunehmendes Problem. In den letzten 12 Monaten sind in Tansania (Tanga, Pwani und Daressalam) 6.680 Infektionen festgestellt worden. Noch höher liegen die Zahlen in Singapur. Hier sind im laufenden Jahr 9.321 Menschen neu an Dengue-Fieber erkrankt, nachdem es im Jahr zuvor „nur“ 3.285 waren. Das verwundert durchaus, legt der Stadtstaat doch besonderen Wert auf seine Sauberkeit. Die tagaktiven  Mücken scheint das jedoch wenig zu interessieren. Allen Reisenden ist mangels anderer Möglichkeiten dringend zu raten, einen guten Mückenschutz sicherzustellen.

In Baden-Württemberg wurden übrigens in diesem Jahr 120 Erkrankungen mit Dengue-Fieber gemeldet. Alle Erkrankungen sind importiert. Aber es verwundert nicht, dass sich die Zahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum im letzten Jahr (53) mehr als verdoppelt haben.

Was geht rum? 03. August 2019

Das Sommerwetter geht mit angenehmen Temperaturen weiter. Damit halten sich auch die Gräserpollen in mäßiger Anzahl in der Luft. Nur gelegentlich werden sie von Schauern weggespült. Die Pollen der Sommerkräuter (Spitzwegerich, Brennnessel und Sauerampfer) sind in eher geringen Mengen in der Luft. Anders die Beifußpollen: Sie sind hingegen in vielen Regionen auf dem Höhepunkt. Allergiker sollten bedenken, dass in gewissen Wetterlagen (etwa vor einem Sturm) oder in der Nähe von Feldern die Pollenbelastung plötzlich enorm hoch sein kann. Insofern sollte gerade auf Wanderungen immer ein Notfallmedikament mitgeführt werden.

Die Infekte spielen zum Glück für alle Kinder und Jugendlichen weiter nur die zweite Geige. Dennoch leiden einige Kinder und Jugendliche unter Magen-Darm-Infektionen. Bei den Rotaviren haben sich die Erkrankungszahlen in diesem Jahr gegenüber 2018 fast verdoppelt. Umsetzbare Schutzmaßnahmen gibt es nicht. Natürlich hilft Hygiene. Aber welches Kind kann das vernünftigerweise im Kindergarten oder der Schule noch besser umsetzen? So verwundert es auch nicht, dass in zwei Kindertagesstätten Ausbrüche mit Noroviren zu beobachten waren, die extrem ansteckend sind.

Atemwegsinfekte gibt es auch noch. Dabei handelt es sich meist um Racheninfekte. Aber auch der Keuchhusten zeigte zuletzt eine Häufung. Aus der Region Waldshut wurden in der letzten Woche 7 Neuerkrankungen gemeldet.

Foto: twitter

In Berlin gibt es ab diesem Schuljahr kostenloses Essen für alle Kinder der ersten bis zur sechsten Klasse. Freudig begrüßt das die SPD-Fraktion mit einem Essen, das man seinen Kindern wohl eher nicht auftischen würde – fettige Nudeln und ein paar Spritzer Ketch-up oben drauf. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, ohne dieses spezielle Essen hungrig in den Unterricht zu gehen. Für eine gute Tomatensauce hat es wohl nicht mehr gereicht? Mal sehen, ob irgendwann auch im Ländle kostenloses Schulessen angeboten wird. Ob dann wohl auf Twitter Maultaschen zu sehen sein werden?.

Altersverteilung des West-Nil-Fiebers in Europa im Jahre 2014. Foto: European-Centre-for-Disease-Prevention-and-Control

Was geht in der Welt rum? Mit den sommerlichen Temperaturen hat das West-Nil-Fieber wieder Europa erreicht. Dabei handelt es sich um eine grippeähnliche Erkrankung, die nach einer Inkubationszeit von bis zu 2 Wochen (2-14 Tage) beim Menschen auftreten kann. Der Erreger – das West-Nil-Virus – wird dabei über verschiedene Mücken (Culex, Aedes) von Vögeln auf den Menschen übertragen. Die fieberhafte Erkrankung selbst dauert 3-6 Tage. Betroffen sind eher ältere Menschen, in sehr vielen Fällen verläuft die Erkrankung ohne jegliche Symptome (inapparent). Griechenland erlebt das West-Nil-Fieber seit 2010, in diesem Jahr sind 10 Personen erkrankt. In Italien wurde gerade die erste Infektion aus Padua gemeldet, zwei weitere Fälle und ein Todesfall werden aus Rumänien beschrieben. Eine Impfung gibt es nicht, guter Mückenschutz ist die effektivste Maßnahme. Kinder sind fast nie und Jugendliche eher selten betroffen. Die Komplikationen, in deren Folge die Tödlichkeit anstiegt, betrifft nahezu ausschließlich Personen über 65 Jahre.

In Europa starben im letzten Jahr 170 Personen am West-Nil-Fieber. In Deutschland ist diese Erkrankung bislang noch nie aufgetreten.

Was geht rum? 05. Januar 2019

Langsam weichen die langen Nächte. Die Kälte eher nicht. Wir bleiben also noch einige Wochen eng zusammen in unseren Wohnungen. Oder – wie die Schüler – in gut beheizten Schulen. Alles Orte, um gegenseitig Viren auszutauschen, die unserem Immunsystem neue Impulse geben. Oder, die uns krankmachen.

So in der vergangenen Woche. Es hat den Anschein, dass Atemwegsinfektionen bedingt durch RS-Viren (respiratory syncytial virus, RSV) langsam zunehmen. Infekte mit diesem Erreger können für Säuglinge und Kleinkinder sehr heftig verlaufen. Das Fieber ist eher nicht sehr hoch (38.5° bis 39.5° Celsius). Typischerweise tritt aber eine Bronchitis der kleinen Atemwege – deswegen Bronchiolitis genannt – auf, wodurch die Atmung erschwert wird. Nicht so selten kommt es hierbei zur Trinkschwäche. Spätestens dann sollte das Kind einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden um zu entscheiden, ob eine Behandlung in der Klinik erforderlich ist. Meist ist in dieser Situation auch die Versorgung mit Sauerstoff erschwert.

Bei den anderen – eher harmlosen – Atemwegsinfektionen (Schnupfen, Rachenentzündung) treten manchmal auch Entzündungen der Bindehäute auf. Mittelohrentzündungen sind saisonal wieder häufiger.

Was geht in der Welt rum? Ausbrüche von Keuchhusten werden aus Australien gemeldet. Dort sind mehrere Regionen betroffen: New South Wales, wo im Oktober 2018 etwa 800 Personen erkrankten. Ein Säugling – gerade einmal 32 Tage alt – verstarb an Keuchhusten. Keuchhusten ist gerade für Säuglinge extrem gefährlich. Geschützt sind sie bis zur erfolgreichen Umsetzung einer Impfung nur dann, wenn alle Personen in der engeren Umgebung selbst sicher geschützt sind. Sei es, dass sie Keuchhusten in den 2 – 3 Jahrzehnten zuvor selbst durchgemacht haben oder, dass sie zumindest alle 10 Jahre dagegen geimpft werden.

Was geht rum? 08. Dezember 2018

Abbildung 1. Konsultationsinzidenz in Deutschland pro 100.000 Einwohner von der KW 40 in 2017 (Anfang Oktober 2017) bis heute. Foto: RKI

In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Atemwegserkrankungen seit Wochen weiter an, wie die Arbeitsgemeinschaft Influenza meldet. So stieg der Praxisindex der Atemwegserkrankungen in den letzten vier Wochen von 92 auf zuletzt 125 (47. KW). Dabei gelten Werte bis 115 als Hintergrundaktivität – also normal. Dieser Trend ist außer in Bayern und Sachsen-Anhalt aber auch in den anderen Bundesländern zu beobachten (siehe Abbildung 1). Es zeigt sich, dass insbesondere die Kinder unter 4 Jahren (rote Linie) erkranken – die Erwachsenen kaum (blaue Linie).

Abbildung 2. Rate an grippeähnlichen Infektionen (ILI) für die Saison 2016/2017 (Kinder: gestrichelt orange), 2017/2018 (Kinder: orange) und jetzt (Kinder: rote Linie). Foto: GrippeWeb

In den untersuchten Proben (Nasen-Rachenabstriche) stehen die Rhinoviren ganz im Vordergrund. Bislang wurden nur einzelne RS-Viren oder Influenza-Viren gefunden. In der 47. Kalenderwoche konnten in Deutschland in 81 untersuchten Proben Grippeviren nachgewiesen werden. Dennoch liegt gerade für Kinder die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI – siehe Abbildung 2) spürbar über dem Niveau der letzten Jahre. Kurz gesagt: die Infektwelle hat für Kinder begonnen, aber noch nicht für Erwachsene.

Daneben gibt es Hinweise, das Keuchhusten (Pertussis) wieder häufiger auftritt. Schon bevor klar ist, ob sich das weiter bestätigt, sollten alle Eltern den Impfschutz ihres Kindes und von sich selbst überprüfen. Auch Erwachsene können an Keuchhusten erkranken – was eine erhebliche Belastung für die Betroffenen ist. Und: ein höchstes Risiko für Kinder, inbesondere Säuglinge. Die Impfung gegen Keuchhusten ist bei abgeschlossenem Impfzyklus hoch wirksam.

Was geht  in der Welt rum? In Japan ist ein Ausbruch an Röteln in Tokio sowie den Präfekturen Chiba, Kanagawa, Aichi, Ibaraki und Saitama auf der Insel Honshu zu beobachten. Seit Beginn des Jahres sind über 2000 Erkrankungsfälle registriert worden. Wichtig ist, den eigenen Impfschutz vor einer Reise nach Japan zu überprüfen.

Inzwischen hat sich die Masern-Endemie in Madagaskar weiter verschärft. Nach der neuesten Meldung von midi-madagasikara von gestern (07.12.2018) sind inzwischen 8215 Erkrankungsfälle bekannt. Davon erhalten 575 Kinder eine Behandlung im Krankenhaus.