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Das Kind ist krank: Was bedeutet das für Berufstätige?

Die Schnupfensaison ist da. Damit ist der Infektreigen mit den harmlosen Schnupfen-Viren (Rhinovirus, Corona-Schnupfenviren) eingeläutet. Andere Infekte werden bei Kindern folgen. Vermutlich sind die Coronaviren nicht die häufigsten, sondern eher Influenzaviren („Grippe“) oder Parainfluenzaviren.

Bald beginnt also eine sehr stressige Zeit für Eltern. Denn zu den üblichen Aufgaben des Alltags zwischen Beruf und den Kindern kommt bald hinzu, dass die Kinder öfter nicht mehr in die KiTa oder die Schule dürfen. Der Supergau wäre eine Quarantäne – dazu kommts hoffentlich nicht.

Wenn Kinder unter 12 Jahren – und nur um diese geht es im Folgenden – von der Kita oder der Schule weg bleiben müssen, gibt es einige Dinge zu beachten, damit der Familien-Haushalt (auch bei Selbstständigen) weiter Einkommen bezieht. Hier die wichtigsten Tipps.

Den Arbeitgeber informieren

Wer nicht zur Arbeit kommen kann, muss den Arbeitgeber informieren. Dazu sollte man sich selbst in der Personalabteilung oder bei direkten Vorgesetzten abmelden.

Das Kind krankschreiben lassen

Wer selbst krank wird, muss nicht sofort zum Arzt gehen. Im Falle einer Erkrankung des Kindes ist dies jedoch am ersten Krankheitstag erforderlich. Im Rahmen der Coronapandemie ist die auch telefonisch möglich. Kulanterweise kann der Arzt die Meldung aber auch rückwirkend bis zu 3 Tagen ausstellen, wenn das Kind sehr krank ist und die Lebensumstände einen direkten Kontakt mit dem Arzt nicht schneller zulassen. Oftmals ist es ja schwierig, die Kinderarztpraxis telefonisch zu erreichen, weil immer besetzt ist.

Besteht die Möglichkeit auf Lohnfortzahlung?

Wenn ein Arbeitnehmer bei Erkrankung des Kindes nicht zur Arbeit gehen kann, muss der Arbeitgeber prüfen, ob hier § 616 BGB anzuwenden ist. Darin steht, dass Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben, wenn sie für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können aus Gründen, die nicht in ihrer Person liegen. Häufig ist also eine Lohnfortzahlung möglich, wenn das eigene Kind krank ist. Meist sind es fünf Tage, manchmal auch zehn Tage. In einigen Arbeitsverträgen ist die Lohnfortzahlung aber ausgeschlossen.

Antrag auf Kinderkrankengeld 

Ist die Zeit der Lohnfortzahlung zu Ende oder hat der Arbeitsgeber dies ausgeschlossen, sollte Kinderkrankengeld beantrag werden. Momentan, wegen der Corona-Pandemie besteht bis zum 31. Dezember 2020 ein verlängerter Anspruch auf das Kinderkrankengeld von insgesamt für 15 Tagen statt wie bisher üblich für zehn Arbeitstage. Bei Alleinerziehenden sind die Zeiträume doppelt so lange, also bis Ende des Jahres 30 statt normalerweise 20 Tage. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Die Eltern sind berufstätig und haben selbst Anspruch auf Krankengeld.
  • Ihr Kind ist gesetzlich versichert.
  • Es gibt im Haushalt keine andere Person, die Ihr Kind pflegen kann.
  • Sie haben eine Bescheinigung vom Arzt, dass Ihr Kind betreut werden muss.

Sind zwei oder mehr Kinder im Haushalt, erhöht sich die mögliche Zahl der Tage für die Kinderkrankengeld beantragt werden kann. So hat jeder Elternteil pro Kind maximal  Anspruch in Coronazeiten auf 30 Tage (normal 20 Tage), Alleinerziehende auf maximal 70 Tage (normal 50 Tage).

Was gilt, wenn mein Kind in Quarantäne muss?

Momentan ist das Risiko hoch, dass Kinder, auch wenn sie nicht krank sind, vom Gesundheitsamt als sog. enge Kontaktpersonen (KP1) in Quarantäne müssen. In dieser Situation dürfen die Eltern ihr Kind zuhause betreuen (für Kinder bis 8 Jahre hat der Bundesgerichtshof sogar eine Pflicht zur elterlichen Betreuung zuhause festgestellt) – aber, die hatten keinen Anspruch auf ein Gehalt. Wenn sich keine Möglichkeit wie das Homeoffice für Eltern auftun, springt in der Corona-Pandemie der Staat ein.

Für bis zu 20 Wochen Kinderbetreuung zuhause zahl er einen Lohnersatz entsprechend dem Infektionsschutzgesetz (§ 56 Abs. 1a IfSG). Dieser liegt bei 67 Prozent des Nettoverdienstes und ist bei 2.016 Euro pro Monat nach oben begrenzt.

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.