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Jugendliche weltweit bewegen sich zu wenig

Körperliche Bewegung gehört zu unserem Leben wie Luft, Wasser und Nahrung. Durch verschiedene kulturelle Veränderungen, hat die Bewegung jedoch für viele Menschen heute eine spürbar geringe Bedeutung. Das ist nicht nur aus medizinischen Gründen nicht günstig. Bewegung tut unserer Gesundheit immer gut und macht uns nebenbei auch glücklicher.

Leider betrifft der Bewegungsmangel inzwischen Jugendliche in allen Ländern der Erde. Das zeigt eine groß angelegte Studie, die kürzlich im angesehen Lancet erschienen ist. Die Autoren um Regina Guthold von der WHO in Genf (Schweiz) haben darin Daten zur körperlichen Aktivität von 1,6 Millionen Jugendlichen aus 146 Ländern der Erde zusammengefasst und bewertet.

Als Messlatte dienten Ihnen die Empfehlungen der WHO zu körperlicher Bewegung, die täglich mindestens 60 Minuten mittlere bis starke körperliche Aktivität für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 -17 Jahren als angemessen ansehen. Es wurde gemessen, wie viele Jugendliche (Mädchen und Jungen getrennt) in welchen Ländern sich zu wenig bewegen.

Diesen Wert – von einer Stunde körperlicher Bewegung täglich – erreichten rund 84% der deutschen Jugendlichen nicht. Genauer: 79,7 Prozent der deutschen Jungen und noch mehr Mädchen (87,9%) waren 2016 körperlich nicht gerade aktiv. Von den reichen Industrieländern lag Italien mit einem Wert von 88.6% Bewegungsmuffeln am höchsten, die USA mit 72.0% am niedrigsten. Relativ gut liegend die Zahlen in Osteuropa oder auch in Spanien. Die meisten Stubenhocker weltweit hat wohl Korea (94.2%).

„Wir hatten eine elektronische Revolution, die die Bewegungsmuster von Jugendlichen offensichtlich verändert hat – und sie dazu anregt, mehr zu sitzen, weniger aktiv zu sein, mehr zu fahren, weniger zu gehen“, sagt Leanne Riley, eine der Autorinnen der Studie. Heute spielen Jugendliche letztlich wohl mehr digital als wirklich aktiv körperlich.

Newsletter praxisblättle Foto: ptw

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Es liegt was in der Luft …. Feinstaub trifft alle, besonders die Kinder!

Luft wird nur durch Belastungen wie etwa Rauch oder Sand sichtbar. Aber schon die unsichtbare Luft enthält oft Stoffe, die die Gesundheit aller Menschen massiv belasten können. Die Affäre um Dieselautos hat dies nochmals gezeigt. Obwohl es hierbei mehr um den vertuschten Betrug als um die Belastung für die Gesundheit ging.

Es gibt zunehmende Belastungen für die Gesundheit aller Menschen. Sie treffen ganz besonders die jungen Menschen. Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) hat für das Jahr 2015 berechnet, dass weltweit eine Million Kinder im Alter unter 5 Jahren an einer Infektion der unteren Atemwege (LRI) verstorben sind. Zu diesen Infektionen gehören neben der Lungenentzündung auch die Verengungen der kleinsten Atemwege (Bronchiolitis) und Asthma bronchiale.

Abbildung 1. Sterblichkeit durch die Umwelt-Luft-Belastungen weltweit. Je dunkler eine Region gezeichnet ist, umso höher (jeweils bezogen auf 1000 qkm Fläche) ist die Zahl der Todesfälle, die über weltweiten den Durchschnitt hinausgehen. Foto: The Lancet

In einem Atmosphärenchemiemodell haben kürzlich die drei Forscher Jos Lelieveld, Andy Haines und Andrea Pozzer aus Mainz und London nun berechnet, welchen Einfluss die Umweltbelastungen auf die Gesundheit weltweit haben. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der angesehenen medizinischen Zeitschrift The Lancet veröffentlicht. Die wesentlichen Bedrohungen für Erkrankung und Tod gehen vom Ozon und ganz besonders vom Feinstaub aus. Bei letzterem sind vorwiegend die Teilchen bedeutsam, die extrem klein sind (Durchmesser bis maximal 2.5 µm – PM2.5) und die somit bis in die tiefen Atemwege gelangen können. Dort, im empfindlichsten Teil der Lunge, können sie bedeutsame Schäden anrichten.

Sie fanden heraus, dass im Jahre 2015 weltweit 237.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren an den Folgen der Feinstaubbelastung mit nachfolgenden unteren Atemwegsinfektionen (LRI) verstarben. Davon 107.000 im dicht besiedelten Asien und 128.000 in Afrika. Diese Todesfälle durch Feinstaubbelastung für die Atemwege sind weltweit für 18% des Verlusts an Lebenserwartung verantwortlich.

Sind unsere Kinder nun diesen Gefahren immer schutzlos ausgesetzt? Die Autoren betonen in diesem Zusammenhang, dass sehr wohl Besserung möglich ist. In Bezug auf die besonders Armen aber nur durch eine Mischung von drei Maßnahmen:

  1. massive Reduktion der Feinstaubbelastung
  2. Bekämpfung des Hungers, der die Abwehr des Körpers gegen vielfältige Belastungen – auch Infektionen –  herabsetze
  3. gezielte Behandlung umweltbezogener Gesundheitsstörungen

Dass dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt, zeigt die momentane Belastung mit Feinstaub. Weltweit stieg die Belastung mit PM2.5 von 40.5 µg/m3 seit dem Jahr 2010 auf 44.0 µg/m3 im Jahre 2015 – also in nur fünf Jahren. Auf welch dramatischem Niveau wir uns bereits bewegen zeigt die Einschätzung der WHO. Sie sieht alle Werte über 10 µg/m3 als kritisch an, der unbedenkliche Schwellenwert liegt bei 2.4 µg/m3. Weltweit liegt der Feinstaubwert momentan also beim 18-fachen des Unbedenklichen.

Abbildung 2. Quellen der Umweltbelastungen für Todesfälle. Die Prozentzahlen geben den Anteil des Umweltschädigers an den Todesfällen an Foto: The Lancet

Die Luftbelastungen sind je nach Land sehr unterschiedlich, wie die nebenstehende Abbildung für die USA und Indien zeigt. So ist die Hauptquelle für die Umweltbelastung in Indien der Energieaufwand im Wohnbereich (Kochen und Heizen), der in den USA relativ deutlich geringer ist. Umgekehrt wirken sich in den USA Landwirtschaft und Verkehr stärker aus.

Abbildung 3. Erhöhung der Sterberate bezogen auf 1000 Kinder unter dem Alter von 5 Jahren pro Jahr. Foto: The Lancet

Aus den spezifischen Belastungen einzelner Länder folgen auch unterschiedliche Risiken für die Kinder. Weltweit sterben auf 1000 Kinder pro Jahr 0.37 Kinder unter 5 Jahren. Die Graphik rechts – entnommen der zitierten Studie – zeigt, welche Sterblichkeit durch die Luftbelastung in den verschiedenen Ländern für Kinder im Alter unter 5 Jahren hinzukommt. Die ersten acht Plätze belegen Länder aus Afrika unter all den armen Ländern. Wer unter 5 Jahre alt ist und arm, leidet unter der Umweltbelastung am meisten.

Die Umweltbelastung mit Feinstaub hat auch erhebliche Folgen für Erwachsene: Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenkrebs sind die wichtigsten. Durch die Erwachsenen erhöht sich die Zahl der Opfer von Feinstaub um nochmals mehr als 4 Millionen Menschen jährlich.

Wir leben alle auf dem gleichen Planeten. Und, wie die Untersuchung zeigt, hat unser Verhalten in vieler Hinsicht Folgen für Menschen, die wir nicht kennen und die weit weg von uns leben. Grund genug, im Kleinen zu beginnen, die Umweltbelastung zu begrenzen. Ein Fahrrad kann beispielsweise auch ohne Sonnenschein benutzt werden.