Schlagwort: Lungenentzündung

Was haben Dieselabgase mit einer Lungenentzündung zu tun?

Der Dieselskandal ist Teil eines enormen Mosaiks. Der Dieselmotor an sich ist technisch betrachtet ein Meisterwerk. Seine große Verbreitung also nicht verwunderlich. Es verwirrt aber schon, warum medizinische Belege über die Gefährlichkeit der Dieselabgase in den 1990’ger Jahren kaum Beachtung fanden. Warum setzte das große Erstaunen erst 25 Jahre später ein?. Lange Jahre, in denen man einen technisch interessanten Motor mit Sicherheit hätte enorm weiter entwickeln können. Dass am Schluss der Betrug – „Dieselgate“ – damit geahndet wird, dass die Beschuldigten mit 9 Millionen Euro aus der Firmenkasse entlastet werden, ist mehr als eigenartig.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass die Umweltverschmutzung durch Giftgase jährlich für 7 Millionen Todesfälle verantwortlich ist. Von diesen Todesfällen fallen übrigens 7% auf Lungenentzündungen.

In einer spannenden Untersuchung konnten Forscher aus England und Irland nun nachweisen, worin der Zusammenhang besteht. Pneumokokken sind Bakterien, die prinzipiell zu schweren Infektionen führen können. Andererseits lassen sie sich auch bei gesunden Menschen z.B. in der Nase nachweisen. In ihrer Studie zeigten die Forscher um Rebecca K. Shears, dass die „ruhige“ Besiedlung der Nase bei Mäusen durch die Belastung mit Dieselteilchen in der Einatemluft ein Ende hat. Unter dieser zusätzliche Belastung der Nase mit Dieselteilchen wird das Gleichgewicht so gestört, dass sich die Pneumokokken auf den Weg in die Lunge machen und dort zu einer verstärkten Entzündungsreaktion und verringerten Abwehr führen. In deren Folge treten Lungenentzündungen auf.

Wie wir diese Arbeit sehen: Die Corona-Pandemie hat nochmal gezeigt, dass kleinste Viren enorme Effekte auf der Erde erzeugen können. Ähnliches gilt für unsere Mobilität. Hier verdrängen wir bis heute die Tausenden von Unfalltoten in Deutschland ebenso wie die Millionen Menschen auf der Erde die – ob sie Auto fahren oder einen Ochsenkarren benutzen – von den schädlichen Umweltgasen erreicht werden. Mit enormen Folgen.

Coronavirus-Epidemie in Asien: Welches Risiko besteht für Kinder bei uns?

Kinder in Mitteleuropa machen von Geburt bis zur Einschulung bis zu 50 Infektionen durch. Alle Eltern erleben in dieser Zeit Momente, in denen sie sich große Sorgen machen. Die Infektionen beginnen fast immer als Virusinfektionen, bakterielle Infektionen sind in diesem Alter deutlich seltener. Die Tatsache, dass kein Antibiotikum nötig und sinnvoll ist bedeutet aber nicht, dass die viralen Infektionen damit harmlos wären. Virusinfektionen können extrem gefährlich sein, siehe das HI-Virus oder die Masern. Und selbst das sehr häufige Rhinovirus – ein Schnupfenvirus – kann in extrem seltenen Fällen auch im Kindesalter einmal tödliche Folgen haben. Viren kommen also sehr häufig vor und führen dabei meist zu leichteren Infektionen. Sie können aber auch ganz anders und viel schlimmer!

Was sind Coronaviren?

Der Name Coronaviren geht auf das Aussehen dieser Gruppe von Viren zurück, das einer Krone (lat./ span. corona) ähnelt.  Die Coronaviren sind im Tierreich sehr verbreitet. Für den Menschen spielten bisher lediglich sechs Viren eine Rolle. Vier der Viren (HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 and HCoV-HKU1) kommen ständig vor. Das nennt man endemisch. Sie verursachen beim Menschen leichte Atemwegsinfektionen (Schnupfen, leichtes Fieber, Hüsteln). Zwei weitere ((SARS)-CoV und Middle East respiratory syndrome (MERS)-CoV) kommen epidemisch vor. Sie können also regional über die Menschen herfallen. Zu dieser Gruppe hat sich nun als drittes Mitglied das neue Coronavirus (neu: SARSCoV-2 genannt, bisher 2019-nCoV) hinzugesellt. Dieses Virus hat sich erst neu herausgebildet und zeigt die höchste Ähnlichkeit zu einem Coronavirus, das bei Fledermäuse vorkommt. Bei diesen dreien Coronaviren weiß man nicht genau, wie sie sich im Lauf der Ausbreitung verändern. Das schafft Unsicherheit.

Wie verläuft die Infektion mit dem SARS-CoV-2 (Covid-19)?

Hierüber gibt es inzwischen mehr Klarheit. Die Inkubationszeit ist mit etwa 10 Tagen eher lang. Das ist aber eine eher theoretische Zahl, denn es sind bisher Verläufe bekannt, wo schon 1 Tag nach Kontakt die Krankheit auftrat, in anderen Fälle betrug die Zeit 14 Tage. Nach den letzten Informationen sind junge Menschen eher weniger von schweren Infektionen betroffen, sondern eher Personen im „mittleren Alter“. Unter den Erkrankten sind in China 2/3 Männer.

Wie ansteckend ist das Coronavirus? Foto: statista

Die Ansteckung – so zeigt die Darstellung von statista am 23. Januar 2020 – ist geringer als bei der Grippe (Influenza) und deutlich geringer als bei Masern. Aber sie läuft ähnlich ab wie bei der Grippe. Nach einer neuen Untersuchung aus der Arbeitsgruppe um Jie Wu aus Guangzhou (China), die am 19. Februar veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass auch das SARS-CoV-2 sich besonders in der Nasenschleimhaut vermehrt und auch von nicht symptomatischen (gesunden) Menschen übertragen werden kann.

Interessant ist, dass diese epidemische Coronavirusinfektion (seit 12. Februar 2020 Covid-19 genannt) dann mit Husten, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit beginnt. Im Gegensatz zu den anderen Infektionen mit Coronaviren (siehe oben) kommt es kaum zu Schupfen und Halsschmerzen. Das scheint ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal auch zur Influenza – der Grippe – zu sein, die sich zu Beginn mit deutlichem Schnupfen und geröteten Augen zeigt. Innerhalb der folgenden Woche kommt es zur Ausbildung von Atemnot, die dann einen stationäre Behandlung unumgänglich machen.

Welche Bedeutung hat das Coronavirus für Kinder?

Die endemischen Coronaviren haben für Kinder eine große Bedeutung. Für gesunde Kinder ohne chronische Erkrankung stellen sie in fast allen Fällen aber kein Risiko dar, da diese Kinder an einem der vier endemischen Coronaviren (siehe oben) erkranken. Untersuchungen zeigen, dass nahezu alle Kinder einmal Kontakt zu einem Virus der Coronagruppe haben. Das belegt auch eine Studie aus Norwegen vom letzten Jahr eindrücklich. Die Forschergruppe um I Heimdal konnte zeigen, dass bei jedem zehnten gesunden Kind Coronaviren im Rachen gefunden wurden. Bei Kindern mit Atemwegssymptomen (Husten, Fieber) fand sich eines der verschiedenen Coronaviren in 9.1%. Coronaviren an sich sind für gesunde Kinder keine echte Bedrohung.

Was bedeutet das neue Virus (SARS-CoV-2) für uns?

Das SARS-CoV-2 kommt ebenso wie die beiden anderen epidemischen Viren aus dem Tierreich und ist auf den Menschen übergesprungen. Dort hat es bislang bei vorwiegend älteren Personen zu teilweise schweren Atemwegserkrankungen mit Lungenentzündung geführt. Nachdem inzwischen klar wurde, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und dass selbst gesunde Virusträger das Virus übertragen können (The Lancet), ist es ein weiteres Stückchen mehr unkalkulierbar geworden.

Das sind alles nicht gerade beruhigende Informationen. In Asien herrscht teilweise Panik. In China wurden ganze Städte unter Quarantäne gestellt, Straßen von Millionen-Metropolen sind wie leer gefegt und die Produktion in vielen Fabriken ruht noch immer. Auch in Europa ist SARS-CoV-2 angekommen. In Baden-Württemberg gab es bislang (Stand 20.02.2020) aber keinen nachgewiesenen Fall. Für Europa und insbesondere für Kinder und Jugendliche in Europa besteht im Moment jedoch keinerlei Grund zur Sorge. Unser Problem ist allenfalls die beginnende Grippewelle. Aber die ist in ihrem Ausmaß noch nicht so deutlich wie die des letzten Jahres.

Spezifische Empfehlungen können Ärzte den Reisenden momentan nicht gegeben. Sinnvoll erscheinen folgende Vorsichtsmaßnahmen besonders für Kinder und Jugendliche:

  • Reisen in die o.g. Länder sollten zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist gilt es große Menschensammlungen soweit möglich zu meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen) erkrankt sind.
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) erscheint sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst!
  • Ausreichende Hygiene, insbesondere Händewaschen nach Kontakt zu kranken Personen.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Keine Kontakte zu wilden oder gar toten Tieren.

Meldepflicht

Seit Samstag (01.02.2020) hat das Bundesgesundheitsministerium eine Eilverordnung zur Meldepflicht für das neue Coronavirus erlassen. Danach müssen Ärzte alle Verdachts- , Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus namentlich dem örtlichen Gesundheitsamt melden. Verdachtsfälle müssen abgeklärt werden.

Ebenfalls seit Sonnabend gilt eine Vereinbarung, wonach die gesetzlichen Krankenkassen bei begründeten Verdachtsfällen die Kosten für den Test auf das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) übernehmen. Anspruch auf einen Test haben ausschließlich Risikogruppen. Nach der Falldefinition des Robert Koch-Instituts (RKI) sind dies Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben (z.B. in Wuhan, China) oder Kontakt mit einer am Coronavirus (2019-nCoV) erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln.

Aktuelle Informationen (Stand 03.02.2020)

Die aktuellen Informationen über die Verbreitung der Coronavirus finden Sie auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums. Oder noch einfacher – aber nur in englischer Sprache – hier bei Bloomberg mit Graphiken, die einen schnellen Überblock verschaffen.

Was geht rum? 28. Dezember 2019

Ab heute startet der Verkauf von Sylvesterknallern. Das ist ein guter Zeitpunkt, um zu überlegen, welche Böller auch für grössere Kinder geeignet sein könnten und welche nicht. Der Gesetzgeber erlaubt ohnehin nur Feuerwerkskörper der Klasse I für Kinder und Jugendliche (also z.B. Wunderkerzen).  Auch wenn’s wie eine Spaßbremse erscheint: Jährlich um Neujahr kommt es immer zu schlimmen Verletzungen wie Verbrennungen. Um sie zu vermeiden, sollten Eltern vor Sylvester überlegen, wie sie das Feuerwerk gestalten wollen. Dabei ist es günstig, wenn beim Feuerwerk selbst ein Erwachsener aus der Nähe beobachtet, wenn Kinder mit dem explosiven Material umgehen. So können sie durch beherztes Eingreifen ggf. schlimmeres verhindern.

Die momentanen Infekte sind vermutlich ungefährlicher als das baldige Sylvesterfeuerwerk. Selten bedrohlich, aber für Eltern und Kinder immer sehr unangenehm ist der Krupphusten, der – jahreszeitlich typisch – häufiger auftritt (weitere Informationen hier). Daneben nimmt auch die Zahl der Kinder zu, die an obstruktiver Bronchitis erkranken. Bei beiden Erkrankungen ist eine Vorstellung bei der Kinder- und Jugendärztin /-arzt sinnvoll.

Daneben erkranken wieder mehr Kinder an einem fieberhaften Infekt mit Reizhusten, wobei noch nicht ganz klar ist, um welche Art Infekt es sich handelt.

Noch sind auch die Norovirus-Erkrankungen mit Durchfall und Erbrechen häufig. Hier kann man hoffen, dass nach den zweiwöchigen Weihnacht-Neujahr-Ferien die Infektionswelle abgeklungen sein wird.

Was geht in der Welt rum? In der Südsee grassieren weiterhin die Masern. Seit Ausbruch der Masern in Samoa sind dort 5424 Personen daran erkrankt und 77 von ihnen verstorben. Wenn man bedenkt, dass nur etwas 200.000 Menschen dort leben, ist das eine schreckliche Heimsuchung. Vor einem Urlaub in der Südsee sollte insofern der Masern-Impfschutz sichergestellt sein.

In eigener Sache: Ab heute ist das praxisblättle unter folgender Adresse im Internet zu finden:

praxisblaettle.planet4kids.de 

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Lungenentzündung

Wenn wir hören, dass jemand eine Lungenentzündung hat, erschrecken wir meist sehr. Das müssen wir nicht unbedingt. Denn die deutsche Sprache ist bei diesem Thema sehr begrenzt und hat leider nur dieses eine Wort für medizinisch höchst unterschiedliche Krankheitsbilder.

Lungenentzündungen betreffen etwa 300 von 100.000 Kindern und Jugendlichen pro Jahr in Mittel- und Nordeuropa. Das sind in aller Regel Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses, also ambulant, erworben werden: ambulant erworbene Pneumonie von Kindern oder in englisch pCAP: pediatric community-acquired pneumonia.

Allen Lungenentzündungen (medizinisch: Pneumonie) ist gemein, dass die Lungenbläschen (medizinisch: Alveolen), in die die kleinen Bronchien letztlich münden, nicht mit Luft, sondern mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Damit können die Lungenbläschen ihrer Hauptaufgabe, nicht mehr nachkommen:

  1. Austausch von Sauerstoff: Sauerstoff, der über die Nase eingeatmet und dann über die großen Bronchien und die kleinsten Bronchiolen schließlich im Lungenbläschen ankommt. Dort  sollte er über eine hauchdünnen Membran in die kleinsten Blutäderchen abgegeben werden.
  2. Austausch von Kohlendioxid: CO2 sollte umgekehrt von den kleinen Blutäderchen in die Luft abgegeben werden, um dann bei der Ausatmung aus dem Körper entlassen zu werden.

Durch die Flüssigkeit in den Lungenbläschen wird also die Funktion der Lungen eingeschränkt. Das kann in sehr unterschiedlichem Ausmaß der Fall sein.

Als Ursache für Lungenentzündungen kommen Viren und Bakterien (und Pilze) in Frage. Im Kindesalter stehen im Anfang einer Lungenentzündung häufig „normale“ Virusinfektionen, die beispielsweise mit einer obstruktiven Bronchitis beginnen. Aus diesen heraus können sich Lungenentzündungen entwickeln, die sowohl durch Viren, Bakterien und einem Zusammenspiel beider (in etwa 30%) verursacht werden. Es ist also mitnichten so, dass jede Lungenentzündung bakteriell ist und somit ein Antibiotikum nötig wäre.

Als Symptome sind Husten, Fieber und Zunahme der Atemfrequenz recht typisch. Diese müssen nicht immer vorhanden sein. So gibt es schwere Lungenentzündungen auch ohne Husten oder Fieber. Umgekehrt gibt es Atemwegsinfektionen mit Husten und hohem Fieber, ohne dass eine Lungenentzündung vorliegt. Für die Diagnose wichtig ist immer der Zustand des Patienten, das Alter, die Zeichen der Atemnot (Dyspnoe) und die Sauerstoffversorgung. Ergänzend können auch Röntgenuntersuchungen bzw. Labortest weiterhelfen; sie sind aber nicht zwingend nötig. Die Diagnose der Lungenentzündungen wird klinisch gestellt, also durch Untersuchung.

Es gibt unterschiedliche Arten von Lungenentzündung. Sie unterscheiden sich sowohl bei den Symptomen, im Verlauf, im Röntgenbild als auch bei den Komplikationen.

  • Lobärpneumonie
  • Lobärpneumonie Foto: www.anatomybox.com

    Bei dieser Lungenentzündung ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. Dadurch zeigt dieser Typ (siehe Röntgenbild rechts) immer einen schweren Verlauf an. Auch die Komplikationen sind hier häufiger.

  • Bronchopneumonie
  • Dieser Typ einer Lungenentzündung beginnt mit einer sehr kräftigen Bronchitis. Ausgehend von dieser Entzündung der  Bronchien, geht diese Infektion langsam an einzelnen verschiedenen Stellen langsam ins Lungengewebe über. Dieser Typ einer Lungenentzündung ist im Kindes- und Jugendalter der weitaus häufigste. Er ist in aller Regel deutlich harmloser als die Lobärpneumonie.
  • Bronchopneumonie. Foto: www.sposterng.netkey.at

  • atypische Pneumonie: Bei diesem Infektionstyp wird das Lungengrundgerüst von der Entzündung betroffen. Die Entzündung findet im Gewebe zwischen den Lungenbläschen statt. Damit wird die Strecke, die der Sauerstoff vom Innenraum der Lungenbläschen bis zur kleinen Arterie durchwandert grösser. Die atypische Pneumonie beginnt meist schleichend mit wenig Fieber (aber häufigen Begleitsymptomen wie Gelenkschmerzen), kann aber schwerwiegend werden.

Da Lungenentzündungen durch Bakterien und Vieren (bzw. Pilze) ausgelöst werden, ist eine Therapie mit Antibiotika nicht zwingend und in vielen Fällen nicht hilfreich. Bei betroffenen Kindern und Jugendlichen ist zunächst wichtig, dass die Sauerstoffversorgung ausreichend ist. Daneben muss eine ausreichend Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein, Inhalationen sind oft günstig. Ob eine Lungenentzündung zuhause (ambulant) oder in der Klinik behandelt werden sollte, kann der Kinder- und Jugendarzt durch die Untersuchung und die engmaschigen Verlaufskontrollen entscheiden.

Wie komplex die Diagnose und Therapie einer Lungenentzündung sind, zeigt die Leitlinie, die federführend von Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) erstellt wurde. Darin sind die wichtigen Aspekte der Diagnose und Therapie im Detail wiedergegeben.

Was geht rum? 23. November 2019

Kühle Tage im Herbst. Nebel, Hochnebel. Tagelang ist der Himmel trübe. Das sind die Zeiten, in den der Kachelofen geheizt wird und – je nach verwendetem Brennmaterial – mehr oder weniger dicke Schwaden den Kamin verlassen. Sie ziehen in Folge der Nebel schlecht ab und belasten die Atemwege nicht nur von Kindern und Jugendlichen. Asthma und Krupphusten sind häufige Folgen.

Im Moment erkranken Kinder in Baden-Württemberg an verschiedenen Atemwegsinfekten. Unter ihnen fällt die weiter zunehmende Häufigkeit an Krupphusten (auch Infektkrupp, Pseudokrupp und manchmal verkürzt Krupp genannt) auf sowie gehäufte – und auch schwere – Lungenentzündungen. Letztere betreffen mehr Schul- als Kleinkinder.

Um den Husten zu mildern, sollte die Raumluft in den Häusern durch Stoßlüften frisch gehalten werden: Fenster für wenige Minuten öffnen, jedoch kein Kippen der Fenster. Bei einer Zimmertemperatur von 20-22 Grad Celsius ist es zum einen warm genug in der Wohnung und zum anderen ist die Luft nicht gar so trocken. Alle hustenden Menschen spüren, dass kältere und damit feuchtere Luft angenehmer ist als wärmere. Weniger zu heizen ist also meist besser.

Die Magen-Darm-Erkrankungen sind naturgemäß seltener in diesen Herbsttagen, aber nicht ganz zu unterschätzen. Die Noroviren betreffen weiterhin einige Kindergärten. Sogar die Rotaviren, die eigentlich eher wenig aktiv sein sollten, haben in einem Kindergarten in Baden-Württemberg 28 Personen betroffen. Die bakteriellen Erkrankungen mit Salmonellen und Campylobacter hingegen liegen in der Häufigkeit im Jahresmittel. Insgesamt kein Anlass für Sorgen bei den Eltern. Die Möglichkeiten sich der viralen Erreger (Noro- und Rotaviren) zu erwehren sind leider begrenzt.

Was geht in der Welt rum? das Dengue-Fieber hat in den letzten Jahrzehnten die ganze Welt erobert. Trotzdem findet es kaum Erwähnung, wenn es um Reisen nach Afrika geht. Zu sehr stehen hier schwerwiegenderen Krankheiten wie Malaria und Schistosomiasis im Vordergrund. Die aktuellen Meldungen zeigen, dass Dengue durchaus auch in Afrika bedeutsam ist: In Burkina Faso sind in diesem Jahr 5530 Erkrankungen registriert worden (24 Todesfälle), auf der wenig besiedelten Insel La Réunion sind es gar 18.060 Erkrankungen im Jahre 2019 bei 14 gesicherten Sterbefällen. Mückenschutz ist weiterhin die einzig mögliche Maßnahme der Vorbeugung.

Was geht rum? 02. November 2019

Seit der letzten Woche beginnt regional eine erste Infektwelle. Kinder und Jugendliche erkranken hierbei mit Atemwegssymptomen (Husten, Schnupfen), die lange anhalten und auch von Fieber begleitet werden können. In vielen Fällen kommt es auch zu einer Lungenentzündung. Als Erreger konnten mehrfach sog. Mykoplasmen identifiziert werden. Solche Infektionen können in der Regel vom Immunsystem besiegt werden. Eine antibiotische Therapie ist sinnvoll und möglich, wenn der Verlauf kompliziert ist. Verläufe von zwei Wochen Dauer sind nicht ungewöhnlich.

Gemeldete Erkrankungen an Influenza (Grippe) in Baden-Württemberg geordnet nach Woche. Foto: AG Influenza

Auch das Influenzavirus („Grippe“) hat wieder den Weg zurück nach Baden-Württemberg gefunden. Die Zahlen sind noch relativ gering und liegen etwa im Bereich der letzten Jahre. Historisch gesehen, treten bedeutsame Grippewellen erst ab Dezember auf. Da mit einer Wirkung der Impfung frühestens nach 1 Woche zu rechnen ist, ist eine Impfung gerade jetzt sehr sinnvoll.

Was geht in der Welt rum? In Griechenland  und Italien sind in den letzten Monaten Infektionen an West-Nil-Fieber aufgetreten. In Griechenland waren es seit Juli 222 Fälle mit 30 Todesfällen, in Italien 42 Erkrankungen, an denen 4 Menschen verstarben. Wichtigste Vorsichtsmaßnahme ist der Mückenschutz.

Lungenentzündung: Ist die Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol ungünstig?

Dass jedes Handeln meist mehr als nur eine Folgewirkung hat ist keine neue Erkenntnis. Und dennoch wird beispielsweise im Alltag so vorgegangen, als würde ein „Fieberzäpfle“ das Fieber senken – und das wär’s dann.

Das stimmt natürlich nicht. Es ist gut belegt, dass – um beim Beispiel der Fiebersenker zu bleiben – sowohl Ibuprofen wie Paracetamol den komplexen Entzündungsprozess des Körpers mindestens ebenso beeinflussen wie das Fieber.

Eine Studie aus Polen hat sich kürzlich diesem Problem gewidmet. Kinderpneumologen haben über drei Jahre in Warschau alle Kinder mit Zeichen einer ambulant erworbenen Lungenentzündung (pCAP – pediatric community acquired pneumonia) untersucht. Das sind all die Lungenentzündungen, die zuhause erstmals auftreten und nicht Folge einer stationären Behandlung sind. Nach dieser Zeit verglichen sie jene Kinder, die einen günstigen Krankheitsverlauf hatten (das waren 141 Kinder im Alter von 2 Monaten bis 17 Jahren) mit denen, die eine Komplikation (Pleuraerguss / Pleuraempyem – Flüssigkeit / eitrige Flüssigkeit um die Lunge; Lungenabszess und andere) erlitten hatten. Das waren 62 Kinder. Diese Daten wurden von den Wissenschaftler um Katarzyna Krenke auf mögliche Unterschiede untersucht.

In Bezug auf Alter, Größenentwicklung und soziale Lebensumstände waren beide Gruppen tatsächlich gleich. Interessant war jedoch, dass Kinder mit Komplikationen häufiger Ibuprofen erhalten hatten als solche, die einen normalen Krankheitsverlauf aufwiesen. Die Gabe von Ibuprofen erhöhte statistisch gesehen das Risiko für Komplikationen um den Faktor 3,3. Für Paracetamol ergab sich der gleiche Zusammenhang. Hier war lediglich der Faktor mit 2,6 etwas niedriger.

Die Gabe von Medikamenten zur Fiebersenkung sollte immer mit Bedacht erfolgen. Die Senkung des Fiebers schränkt immer auch die körpereigene Abwehr bis zu einem gewissen Grad ein. Wird Ibuprofen oder Paracetamol zur Behandlung vorn Schmerzen eingesetzt, sollte deswegen bei zunehmendem Bedarf an diesen Medikamenten die Richtigkeit der Diagnose überprüft werden. Nur so wird verhindert, dass die Gesamtdosis an Ibuprofen/ Paracetamol nicht ohne klare Überlegungen gesteigert wird. Ibuprofen und Paracetamol können eben auch eine bedrohliche Diagnose verschleiern. Da schadet es dann, wenn das Fieber zuvor immer schön gesenkt wurde.

Fieber können Kinder oftmals durchaus aushalten. Für Eltern, die ihren Kindern Verdruss ersparen, möchten ist das manchmal schwierig umzusetzen. Sie sollten versuchen, beim Fieber – in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt – den Kindern auch ohne fiebersenkende Medikamente zur Seite zu stehen. Wie die Studie zeigt, wird zum Nutzen der Kinder sein.