Schlagwort: Malaria

Impfung gegen Mücken

Da könnte noch mancher Impfgegner schwach werden: Eine Impfung gegen Mückenstiche. Aber wie soll das gehen? Und was können wir davon erwarten?

Über Impfungen gibt es in Zeiten des Coronavirus tägliche Informationen. Aber die Impfungen, von den wir hören, sind sämtlich gegen einen einzigen Erreger gerichtet: Impfung gegen Gelbfieber, gegen Malaria (bisher erfolglos), gegen FSME. Jetzt haben Forscher um Jessica E. Manning vom National Institute of Health (NIH) in Bethesda (USA) erste Untersuchungen mit einem Impfstoff durchgeführt, der sich gegen die Speichelsekrete des übertragenden Insekts richtet.

Die Idee dabei ist genial. Wir bekämpfen nicht mehr jeden einzigen Erreger. Denn davon gibt es viele in Mücken, die diese Erreger übertragen: Malaria, Dengue, Gelbfieber, Chikungunya, Zika, Japan-Encephalitis, West Nil-Fieber. Wenn es gelingen könnte, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Stechmücken zu entwickeln, könnte im Idealfall die Übertragung von Krankheiten beim Mückenstich verhindert werden. Immerhin werden weltweit 17% aller Infektionen durch Vektoren wie Mücken oder Zecken übertragen. Und diese führen jährlich zu über 700.000 Todesfällen.

In Tierexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Eine Impfung gegen die Eiweiße (Proteine) im Speichel der Insekten war erfolgreich um Krankheiten zu verhindern, die durch das Insekt übertragen werden. Diese Studie an Menschen zeigte nun, dass die Anwendung des Impfstoffes gut vertragen wurde und dass nach einem Insektenstich eine Immunantwort ausgelöst wurde. Genau das war die Fragestellung dieser „Phase-1-Studie“ – vergleichbar mit den Phase-1-Studien bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus, wie sie von den Formen curevac in Tübingen und BionTech in Mainz gerade durchgeführt werden.

Wie wir diese Studie sehen: Es ist ein spannender Ansatz, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Moskitos durchzuführen. Sollte sich bei den kommenden Studien auch beim Menschen zeigen, dass damit die Übertragung von Krankheiten (wie Malaria, Gelbfieber, West-Nil-Fieber) verhindert werden kann, wäre das genial und Nobelpreis-verdächtig. Der Schritt zu einem Impfstoff gegen den Speichel von Zecken wäre dann nicht mehr weit. Und wenn dieser erfolgreich wäre, hätten Kinder und Erwachsene eine Schutz gegen FSME und Borreliose.  Gleichzeitig. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik.

Was geht rum? 16. Mai 2020

Die Öffnungen von Schulen und KiTas werden in den Medien breit diskutiert. Endlich. Trotzdem müssen noch viele Kinder zuhause warten und dürfen sich nicht mit ihren Freunden regelmäßig treffen. Bei dieser Pandemie geht es inzwischen um mehr als eine zügellose Infektion und eine Krise der Weltwirtschaft. Das Wohlergehen der Kinder ist bedroht.

Schulklasse in in den 1960’gern. Kein Laptop, kein Corona. Aber Schiefertafeln zum Schreiben, was sehr kostengünstig war. Quelle ptw

Schauen wir auf die Kleinkinder. Seit 2 Monaten sind die KiTas faktisch geschlossen. Es gibt keine Gruppenspiele mehr. Aber genau das ist es, was Zweijährige suchen und brauchen. Die ersten Lebensjahre waren sie in den Kleinstfamilien oft nur mit den Eltern zusammen. Jetzt hätten sie die Chance, mit anderen Kindern um die Wette zu rennen, zu spielen oder zu singen. Zwei Monate keine Kita bedeutet für sie – bisherige Leben gerechnet – fast 10% Ausfall des sozialen Lebens. Für die Schulkinder gilt ähnliches, vielleicht nicht so dramatisch. Ihnen droht ein essentieller Lebensabschnitt verloren zu gehen.

Einen kleinen Vorteil hat die Situation dann doch. Gerade Kleinkinder sind so gesund wie noch nie. In der Praxen der Kinder- und Jugendärzte tauchen nur wenige Kinder mit Infekten auf. Das wird sich alles wenden, wenn sie wieder zusammenkommen. Viren und Bakterien werden dann munter ausgetauscht. Neben den verschiedenen Corona-Viren – es gibt ja auch harmlose Vertreter dieser Gruppe- werden auch Rotaviren, Streptokokken und Meningokokken weitergegeben. Wird das eine besonders heftige Infektwelle werden? Wir wissen es nicht. In dieser Krise machen wir viele neue Erfahrungen. Was die Kinder betrifft, sollten wir andere gefährliche Keime jedoch nicht aus dem Blick verlieren.

Gräserpollenflug im Bodenseeraum. Quelle: www.pollenundallergie.ch

In den kommenden Tagen müssen wir uns und unsere Kinder wieder auf den Pollenflug vorbereiten. Die Gräserpollen-Belastungen erreichen dann nochmals Höchststände. Also schnell nachschauen, ob auch alle Medikamente zur Erleichterungen von Beschwerden (releiver) in der Hausapotheke vorhanden sind.

Die Zahl der Infekte ist wie seit Wochen gering. Bei den Kinderkrankheiten sind die Zahl der Erkrankungen mit Keuchhusten und Windpocken auf niedrigem Niveau. Auffallend sind nur Masern (keine Erkrankungen) und Mumps: Hier liegen die Neuerkrankungen in diesem Jahr 4 Mal höher als im letzten Jahr. Warum das so ist, bleibt unklar. Darminfektionen mit Rota- oder Noroviren sind für Kinder landesweit unbedeutend.

Was geht in der Welt rum? Von den weltweiten Kontaktbeschränkungen zeigt sich die Malaria unbeeindruckt. Da sie durch Mücken übertragen wird, bleibt sie ein Dauerproblem besonders in den Ländern Afrikas. In Namibia haben sich in diesem Jahr doppelt so viele Menschen (> 1100) angesteckt wie im letzten Jahr. Deutlich mehr Malariaerkrankungen gibt es auch in Madagaskar und in Simbabwe. Dort sind inzwischen 236.300 Menschen infiziert und 226 von ihnen daran verstorben.

Auch diese Woche erscheint wieder unser EXTRA-blättle zum Thema „Coronainfektionen bei Kindern“. Diesmal aber erst am Montag. Darin finden Sie wieder aktuelle Informationen, die für Sie als Eltern besonders interessieren dürften.

Ich hoffe,Sie können das Wochenende bei wärmenden Sonnenstrahlen hoffnungsvoll genießen, trotz der vielen schwierigen Nachrichten, die im Moment verarbeitet werden müssen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 29. Februar 2020

Auch in dieser Woche war die Influenza die beherrschende Krankheit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Baden-Württemberg. Nachdem das Coronavirus SARS-CoV-2 nun in Baden-Württemberg angekommen ist, steht dennoch die Sorge vor einem Ausbruch von Corvid-19 im Zentrum. So nennt sich die Erkrankung, über die Experten spürbar mehr wissen, als noch im Januar. So liegt das Risiko an der Grippe (Influenza) zu versterben bei 0.1-0.2%. Beim Corvid-19 liegt es bei 1-2% – also 10 Mal höher.

Häufigkeit der Arztbesuche nach Kalenderwoche in Baden-Württemberg wegen einer Atemwegserkrankung. Klare Tendenz: Rückgang der Infekte seit 2 Wochen Quelle: AG Influenza

Noch ist die Influenza aber in Baden-Württemberg deutlich häufiger (neueste Zahl der gemeldeten (!) Erkrankten in Baden-Württemberg: 13935) und somit effektiv das grössere Risiko für alle Menschen. Für diese Erkrankung, die Grippe, sind uns die Gefahren seit über 100 Jahren bekannt. Was wir wissen:

Erstens: Die Influenza unterliegt jährlichen Schwankungen, die kaum vorhersehbar sind. Das Virus ändert seine Struktur ständig bei seiner Wanderung um den Erdball. Und wir hoffen, dass – wie in den letzten Jahren – alles wieder gut geht. Danach sieht es im Moment aus.

Zweitens: Wir wissen, dass das Influenza-Virus dazu fähig ist, eine Pandemie auszulösen. So zeigte es vor 100 Jahren eine enorme Virulenz (krankmachende Wirkung) bei der spanischen Grippe. Damals starben von 1918 bis 1920 etwa 25 Millionen Menschen an der Influenza.

Drittens: Wir haben seit vielen Jahren eine Impfung. Mit Rechenmodellen wird jährlich versucht die richtige Zusammensetzung dieses 4-fach-Impfstoffes zu berechnen. In diesem Jahr ist das gut gelungen. Die diesjährige Grippeimpfung hilft bei der jetzigen Grippewelle in Europa ordentlich, aber – wie immer – leider nicht perfekt.

Die Grippewelle dieses Jahres ist deutlich, aber nicht massiv. Sie vermag aber kaum in die Schlagzeilen der Medien zu kommen. Das schafft das Coronavirus, wobei dessen Ausbreitung seit Tagen zunimmt. Das amerikanische CDC (Center for Disease Control) – das Gegenstück zum deutschen RKI – vertritt inzwischen die Meinung, dass eine Pandemie nun unvermeidlich sei. Auf die interaktiven Karte des CSSE der renommierten Johns Hopkins University, finden Sie jeweils die aktuellen Zahlen weltweit. Wir schauen die Nachrichten mit gewisser Sorge an.

Die Sorge vor dieser Erkrankung ist sicher berechtigt. Die Vorsorge  ist aber auch recht einfach. Wir wissen, dass sich das Coronavirus SARS-CoV-2 über Schmierinfektion und auch Tröpfcheninfektion ausbreitet. Das Risiko, dass wir das Virus mit den Händen z.B. an Türklinken aufnehmen und mit unseren Händen danach ins Gesicht wischen ist groß. Ansteckung von Person zu Person ist nur bei recht engem Kontakt möglich. Fragen zum Coronavirus beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wieder einmal perfekt. Was Sie konkret als Vorsorge sofort tun können kurz zusammengefasst hier:

  • Die wichtigste Maßnahme: Ausreichende Hygiene der Hände. Händeschütteln bei Begrüßung ist freundlich, im Moment aber nicht sinnvoll.
  • Da die Hände auch viele andere Kontakte haben: Häufiges Händewaschen und/oder Desinfektion, ganz besonders nach Kontakt zu kranken Personen. Händewaschen mit Seife verringert die Zahl der Keime um das Tausendfache!
  • An Orten mit vielen Menschen (z.B. im Supermarkt) kann Übertragung durch Schmierinfektion an Türklinken, Griffen (Kühltruhe) und auch Wasserhähnen stattfinden. Danach immer Hände waschen oder desinfizieren.
  • Reisen in Zügen/ Flugzeugen sollten wenn möglich zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist: große Menschensammlungen soweit möglich meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (besonders Husten) erkrankt sind. Schnupfen hingegen ist eher typisch für die Influenza (Grippe).
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) ist nur bei engen Menschenkontakten sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst! Der Schutz der Masken lässt relativ bald nach. Wenn sie feucht werden, kann sich der sogar ins Gegenteil wenden und der Mundschutz zum Risiko werden.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Husten und Niesen am besten in ein Papiertaschentuch, das direkt danach sicher entsorgt wird. Ist das nicht möglich, in die Ellenbeuge niesen. 

Wir können uns also recht gut selbst schützen. Sorgen wir vor und machen uns und andere nicht verrückt. Dazu gibt es keinen Grund!

Über die Vorsorge gegenüber den Coronaviren sollten wir nicht die vielen verschiedenen Infekte vergessen, die unsere Kinder aktuell plagen. Leider gibt es ja noch die RS-Viren, Rhinoviren, Adenoviren, Moraxella und wie sie alle heißen. Sie machen unsere Kinder krank. Aber diese Infektionen sind bei weitem nicht so gefährlich. Andere Erkrankungen wie Krupphusten und Mittelohrentzündungen scheinen im Moment kaum eine Rolle zu spielen.

Es gibt auch Gutes zu vermelden: Die Haselblüte schwächt sich ab, die Erlenblüte ist im Gange. Die Wetterbedingungen lassen aber für die kommenden Tage nur einen schwachen Pollenflug zu. Gut für die allergischen Kinder und Jugendlichen.

Die Windpocken sind in einigen Regionen des Landes ausgebrochen: Hochschwarzwald, Ortenaukreis, Region Heidelberg/Mannheim, Ludwigsburg und Stuttgart.

Ab morgen tritt formal die Masernimpfpflicht in Kraft. Ab dann müssen Sie als Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in den Kindergarten oder die Schule nachweisen, dass ihr Kind geimpft ist. Für Kinder, die bereits im Kindergarten oder der Schule sind, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erfolgen. Bei Verstößen kann ein Bußgeld bis zu 2500 € verhängt werden. Details zum Gesetz finden Sie hier. Detaillierte und klar dargestellte Informationen sind besser hier nachzusehen. Wie Regelung praktisch umgesetzt wird, wird sich zeigen.

Was geht in der Welt rum?  Das Problem Nummer ein ist das Coronavirus SARS-CoV-2. Es betrifft so viele Länder inzwischen, dass wir empfehlen, auf die aktuellen Meldungen zu achten. Eine ausführliche und mehrfach aktualisierte Beurteilung finden Sie auch hier im praxisblättle. Aktuelle Nachrichten finden Sie auch beim Bundesgesundheitsministerium.

In Moçambique trat in einigen Landesteilen Cholera auf. Für Reisende wird deswegen eine Impfung gegen Cholera empfohlen. Das Risiko daran zu erkranken bleibt für Touristen aber sehr gering. Problematischer ist das Risiko auf Sansibar an Malaria zu erkranken. Hier besteht neuerdings die klare Empfehlung einer Malariaprophylaxe (also nicht nur für das Festland von Tansania) .

Was geht rum? 01. Februar 2020

Gut versteckt hinter den Coronaviren kommen die Influenzaviren fast unbemerkt daher. Ihre Ansteckung ist grösser, auch das Risiko daran zu versterben. Es scheint, als hätten wir uns zumindest medial schon an  die Grippewelle gewöhnt.

Konsultationsindex. Er zeigt, wie oft Menschen in Baden-Württemberg wegen Atemwegsinfektionen den Arzt aufsuchen Foto: AG Influenza

Die Daten für Deutschland zeigen, dass im Vergleich zu den letzten Jahren die Zahl der Grippekranken in diesem Jahr schon recht hoch liegt. Auch in Baden-Württemberg ist die Zahl der nachgewiesenen Grippefälle massiv nach oben geschnellt, parallel auch die Erkrankungen der Atemwege überhaupt, wie die Graphik gerade für die Kinder im Infektalter (hellgrün; 0-4 Jahre)  zeigt. Besonders betroffen sind die Städte um Stuttgart herum (Böblingen, Esslingen und Ludwigsburg). Auch hier gilt übrigens: aufs Händeschütteln verzichten und öfter mal die Hände waschen schützt.

Pollendaten für die Hasel an der Messstation Basel. Foto: pollenundallergie.ch

Sich gegen die Pollen zu schützen ist schon schwieriger. Das schafft am besten das Wetter wie die Graphik für den Oberrhein (Basel) deutlich macht. Der Pollenflug war in diesem Jahr sehr früh und sehr stark, aber die letzten 10 Tage war weniger los. Hohe Temperaturen am Wochenende und der Wind werden die Lage nun wieder ändern.

Nochmal zurück zu den Coronaviren. Täglich werden uns neue Zahlen über Neuerkrankungen und Todesfälle mitgeteilt. Die neuesten Informationen versuchen wir zeitnah in unseren Artikel im praxisblättle vom Montag einzuarbeiten. Es scheint, dass Kinder nicht sehr stark betroffen sind. Für Kinder in Baden-Württemberg dürfte das Risiko also trotz allem extrem gering sein.

Es gibt natürlich noch viele andere Krankheiten, die Kindern zusetzen. In „Konkurrenz“ zur Influenza gibt es Infektionen mit RSV (respiratory syncytial virus). Diese Erkrankung kommt immer wieder parallel zur Influenza vor. Bei einer RSV-Infektion kommt es meist zu Fieber um 38 – 39 Grad (also meist weniger als bei der Grippe), aber im Gegenzug zu mehr Beschwerden der Atemwege. Da insbesondere die kleinsten Bronchien („Bronchiolen“) betroffen sind, sind es Säuglinge und Kleinkinder, die besonders leiden müssen. Die Möglichkeiten von Medikamenten sind leider beschränkt, weswegen immer wieder stationäre Behandlungen erforderlich sind, um eine ausreichend Sauerstoff- und Flüssigkeitsversorgung sicherzustellen.

Die Größeren Kinder und Jugendliche sind regional von der Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber) häufiger betroffen. Diese Krankheit verläuft – wie auch die Infektion mit den Coronaviren – öfter asymptomatisch. Es gibt also Jugendliche, die die Krankheit durchmachen ohne es zu merken. Andere sind schwer krank. In einem Betrag des praxisblättle können Sie sich über Details informieren.

Seit gestern ist in den USA erstmals eine Therapie zur Abschwächung des Risikos einer  Anaphylaxie (schwerer allergischer Schock) zugelassen. Das Medikament heißt Palforzia und ist bei Erdnussallergie für Kinder und Jugendliche von 4 bis 17 Jahren zugelassen. Weitere Details finden Sie in englischer Sprache hier in einer Stellungnahme der Food and Drug Administration (FDA). In Kürze werden wir dieses Thema auch im praxisblättle behandeln. Auf deutsch. Nur so viel sei verraten: Die Zulassung ist wirklich ein großer Schritt für allergische Kinder und Jugendlich, aber zunächst nur für sehr wenige von ihnen.

Was geht in der Welt rum? Noch ist Afrika nicht von den Coronaviren betroffen. Wohl aber von Malaria, was für die Menschen dort extrem gefährlich ist. Bedingt durch die Regenzeit ist das beliebte Reiseziel Sansibar seit Monaten stark von der Malaria betroffen. Deswegen ist neben den allgemeinen Maßnahmen (Anwendung von DEET u.a.) eine Malariaprophylaxe wichtig.

Malaria

In den Tropen ist weiterhin die Malaria die tödlichste und somit wichtigste Erkrankung, mit der sich Reisende auseinandersetzen müssen. Sie kommt nur in den Tropen vor. Bei dieser Krankheit vermutete man früher, dass sie durch schlechte Luft (mal aria – italienisch: „schlechte Luft“) übertragen würde, wodurch eine Stadt, die sicher frei von Malaria war Buenos Aires (spanisch: „gute Lüfte“) genannt wurde.

Der Malaria ist nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung ausgesetzt. Entsprechend hoch ist die Bedrohung insbesondere für Kinder in den Tropen. 90% der Erkrankungs- und Todesfälle treten in Afrika südlich der Sahara auf. Insgesamt erkranken seit Jahren über 200 Millionen Menschen an einer Malaria. Die Todesfälle betreffen überwiegend Kinder unter 5 Jahren (70%). Im Jahr 2017 sind an der Malaria 435.000 Menschen in 91 Ländern verstorben.

Die Ursache für Malaria sind sog. Plasmodien. Diese Erreger werden durch die tropische Anophelesmücke übertragen. Sie ist nachtaktiv, tagsüber besteht also auch in den Tropen nahezu kein Risiko sich anzustecken. Etwa 10 bis 15 Tage nach dem Stich treten Symptome auf: meist als hohes Fieber (wie bei einer schweren Influenza), Kopfschmerz und Erbrechen. In
Einzelfällen kann aber auch ein schwerer Durchfall das erste Symptom sein. Danach breitet sich die Erkrankung rasch aus.

Die Malaria-Erreger befallen die roten Blutkörperchen, die dabei rasch zerfallen und mit den Abfallprodukten die Entzündung weiter beschleunigen. Im Weiteren kommt es oft zu Störung des Kreislaufes. Das trifft besonders das Gehirn, wo die kleinen Äderchen (Mikrozirkulation) verstopfen, was zu neurologischen Problemen, Koma und schließlich zum Tod führen kann.

In Deutschland wurden bis zum Jahr 2015 etwa 500 – 600 Malaria-Infektionen diagnostiziert. Seit 2015 – teilweise bedingt durch die hohe Anzahl von Geflüchteten – liegt die Zahl konstant bei über 1000 Erkrankungen pro Jahr. Durch die Inkubationszeit von 2 Wochen treten viele Erkrankungen von Reisenden erst bei deren Rückkehr nach Deutschland auf.

Vorbeugung (Expositionsprophylaxe)

Über viele Jahre wurden erfolglos Impfstoffe getestet. Seit April 2019 wird in Malawi ein neuer Impfstoff erstmals beim Menschen getestet, der 30% der Erkrankungen verhindern soll. Unabhängig davon wird aber auch Geimpften geraten, sie wie schon bisher zu schützen. Dabei gilt folgendes Vorgehen:

  • Moskitonetze, am besten mit Insektenschutzmittel imprägniert (z.B. Permethrin):
  • Mückenschutz auf der Haut mit mückenabweisenden Mittel wie DEET in Konzentrationen von 30-50% (z.B. in Nobite® Hautspray, Care Plus®, Anti Brumm forte®) – für Einzelheiten lesen Sie gerne den Beitrag im praxisblättle über Insektenschutzmittel.
  • Fliegengitter im Hotelzimmer (oder noch besser Klimaanlage im geschlossenen Raum).
  • Schutz durch Tragen entsprechender Kleidung (langärmelig,imprägnierte Stoffe), z.B. mit Nobite® Kleidung einsprühen

Chemoprophylaxe

Je nach Reiseland oder Art der Reise ist für viele Länder neben der Expositionsprophylaxe (Moskitonetz, Mückenschutz) zusätzlich auch eine Prophylaxe durch Medikamente erforderlich, falls es trotz Mückenschutz zu einem Stichereignis kommen sollte. Eine Liste der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) gibt hier eine erste Orientierung. Ein Gespräch mit einem Reise- oder Tropenmediziner ist jedoch vor einer Reise in die Tropen dringend zu empfehlen.

Alle Maßnahmen sollten vor jeder Reise in eine tropisches Land eingehend mit einem erfahrenen Arzt (z.B. Reisemediziner) individuell abgesprochen werden. Je nach bereistem Land, aktueller Gefährdungslage und der persönlichen Gesundheitssituation sind die Empfehlungen unterschiedlich. In den letzten Jahrzehnten traten schwere Verläufe von Malaria in Deutschland praktisch nur bei Reisenden auf, die diese Regeln missachtet haben. Dabei sollte immer beachtet werden, dass trotz erheblicher Anstrengungen (Melinda und Bill Gates-Stiftung) auch heute noch über 200 Millionen Menschen weltweit pro Jahr erkranken und hast eine halbe Million Menschen daran versterben

Detaillierte Informationen finden sich in der Broschüre der DTG (Stand Mai 2018).

Was geht rum? 26. Januar 2018

Nein, für die Pollen ist es im südlichen Baden-Württemberg weiterhin klar zu kalt. In der Region um Heidelberg und Weinheim – also den Plätzen im Südwesten, an denen sich die ersten Blüten des Jahres zeigen –  ist aber bereits ein leichter Pollenflug festgestellt worden.

Ansonsten sind im trüb-kalten Wetter die Atemwegsinfekte wieder einmal die Sieger über manches Immunsystem. An erster Stelle liegen die Infektionen der oberen Atemwege mit Entzündung der Kehlkopfregion (Laryngitis). Die zeigt sich mit Halsschmerzen, einer gewissen Heiserkeit und einem meist trockenem Husten. Bei manchen Kindern geht diese Infektion – rein räumlich gesehen – etwas tiefer und äußert sich als Krupphusten. Wenn diese Beschwerden für das Kind unangenehm sind bzw. mit auch nur von einer fraglichen Atemnot begleitet sind, sollte ein Kinder- und Jugendarzt zur Einschätzung hinzugezogen werden. Weitere Hinweise finden Sie hier.

Ach ja. Magen-Darm-Infektionen gibt es auch. Sie treten jedoch spürbar seltener auf als die Atemwegsinfekte. Spezielle Häufungen von Erregern sind nicht auszumachen. Wer weitere praktische Hilfe sucht kann sich hier im praxisblättle informieren.

Abbildung 1. Anzahl der Rachenabstriche auf Influenza. Blaue Säule = Abstriche aus Baden-Württemberg. Rote Linie: Anteil der positiven Tests in Prozent Foto: AG Influenza

Wie bereits im praxisblättle erwähnt, nimmt die Influenza – also die echte Grippe – weiter an Fahrt auf. Das zeigt auch die Häufigkeit der untersuchten Rachenabstriche auf Influenza. In diesen – siehe die Abbildung rechts – stellt sich ein rasanter Anstieg der positiven Tests dar. Das bedeutet: Die Ärzte vermuten mehr Influenza (und machen mehr Abstriche) und sie haben auch Recht (im Abstrich lassen sich Influenza-Viren nachweisen). Hoffen wir mal, dass die bisher noch kleine Grippewelle bald in sich zusammenfällt.

Was geht in der Welt rum? Malaria ist ein Dauerproblem besonders im tropischen Afrika. Es gibt jedoch auch andere Orte, die von dieser Geisel betroffen sein können. So die Dominikanische Republik, von vielen Urlaubern als Sonnenparadies sehr geschätzt. Immerhin traten im letzten Jahr 438 Neuinfektionen an Malaria auf, viele davon im Bezirk Santo Domingo Oeste. Urlaubern ist zu empfehlen, sich über das aktuelle Risiko und eventuelle Schutzmaßnahmen von einem Arzt für Reisemedizin informieren zu lassen.

Insektenschutzmittel

Die Zahl der Insekten in unserem Land mag kleiner werden. Insektenschutzmittel bleiben dennoch wichtig, da es viele Insekten gibt, gegen die man sich effektiv schützen sollte. Das gilt in jedem Fall in tropischen Ländern als Schutz vor der Malaria oder dem Denguefieber. Beides Erkrankungen, für die es keine Impfungen gibt.

Aber auch im Süden Deutschlands sollte man sich überlegen, ob man sich die Zecken vom Halse halten möchte. Immerhin übertragen sie schwerwiegende Erkrankungen wie die Borreliose oder die FSME.

Aber welches Insektenschutzmittel ist für Kinder und Jugendliche sinnvoll? Auf dem Markt gibt es  verschiedene Substanzen bzw. Mischungen, die hier kurz vorgestellt werden.

1. Diethyltoluamid (DEET) ist eine effektive Substanz im Schutz gegen Mücken aller Art, Flöhe und Zecken. Sie ist seit 70 Jahren auf dem Markt und gilt als „Goldstandard“. Man kann sie in verschiedenen Konzentrationen erhalten. Es ist untersucht worden, dass sie ab einem Level von 30% die beste Wirkung erzielt. Höhere Konzentrationen können die Wirkdauer verlängern. Konzentrationen von 10% erbringen einen Schutz für zwei Stunden, solche von 24% einen Schutz von etwa fünf Stunden. Dieser Schutz verkürzt sich durch Schwimmen, Duschen, Regen und Schwitzen – wenn also das Mittel in irgendeiner Form abgewaschen wird.

Nebenwirkungen

Da diese Substanz schon lange auf dem Markt ist sind die unerwünschten Effekte gut bekannt. Insgesamt besteht eine gute Verträglichkeit. Es können jedoch Hautreizungen und eine allergische Hautreaktion auftreten. In extremen Einzelfällen sind Schädigungen der Nerven (Neurotoxizität) beschrieben. Diese traten erst bei chronischem und übermässigem Gebrauch auf. DEET soll nach heutiger Einschätzung nicht bei Säuglingen unter 2 Monaten angewendet werden. Bei Kindern ab dem 3. Lebensjahr wird eine Anwendung von DEET in Konzentrationen von 10% bis 30% als sicher angesehen, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. DEET ist nicht krebserregend.

Welche Produkte stehen zur Verfügung?

In der folgenden Tabelle sind die bei uns bzw. in den USA verfügbaren Insektenschutzmittel, die DEET enthalten aufgeführt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit; Stand August 2018).

Handelsname des DEET-Produkts Konzentration Menge Preis in €
 Care plus© Anti-Insect DEET 40%   40% 100 ml 13,95
 Care plus© Anti-Insekt gel DEET 30%   30% 80 ml  9,95
 Care plus© Anti-Insect Lotion DEET 50   50% 60 ml 11,95
 NOBITE© Hautspray   50% 100 ml 12,49
Anti Brumm© Forte   30% 75 ml 10,25
 Jungle Formula bei AZARON© xtreme   50% 75 ml 10,90
 OFF Deep woods© Repellent V   25%  (USA)
 OFF Deep woods© Sportsmen IR II   30%  (USA)

Um DEET ranken manche Mythen. Bei sachgemäßem Gebrauch ist die Verträglichkeit als sehr gut anzusehen. Der Einsatz dieses potenten Mittels sollte aber immer medizinisch gerechtfertigt sein. So ist sein Einsatz bei Malaria- oder Dengue-Risiko in jedem Fall sinnvoll.

2. Icaridin (in manchen Ländern auch Picaridin genannt) ist ein weiteres Insektenschutzmittel, dessen Grundstoff aus einer Pflanze stammt. Es wirkt gegen Moskitos, Zecken und Sandfliegen. Konzentrationen von 20% und höher wirken vergleichbar wie DEET, ihre Wirkdauer ist aber kürzer als bei DEET. Zecken lassen sich nach Informationen einer Studie nur eine Stunde durch Icaridin abhalten, während DEET gegen die Spinnentiere deutlich länger wirkt.

Nebenwirkungen

Icaridin wird schon seit vielen Jahren genutzt. Bedeutsame Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Selbst eine versehentliche orale Aufnahme – wie sie bei Kindern denkbar ist – scheint harmlos zu sein.

Welche Produkte stehen zur Verfügung?

Handelsname des Icaridin-Produktes  Konzentration  Menge Preis in €
Autan© Family Care Pumpspray  10% 100 ml  9,99
 Autan© Protection Plus Pumpspray  20% 100 ml  8,99
 Autan© Protection Plus Zeckenschutz  20% 100 ml  9,99
 Autan© Protection Plus Spray  16% 100 ml  8,99
 Autan© Junior Gel  10% 100 ml  9,99
Autan© Tropical Pumpspray  20% 100 ml  9,99
 Anti Brumm© Classic  20%  75 ml 10,25
 Jungle Formula by AZARON© complete  20%  75 ml  9,90

Insgesamt zeigt Icaridin also eine gute Wirksamkeit, die bei höheren Konzentrationen mit der von DEET vergleichbar ist. Die Dauer der Wirksamkeit ist jedoch klar kürzer.

3. Citronella ist ein pflanzliches Produkt, das als Insektenschutzmittel eingesetzt wird. Seine Wirkstärke und seine Wirkdauer sind mit DEET und Icaridin in keiner Weise vergleichbar. Ob eine Wirkung gegen Zecken besteht ist eher zweifelhaft. Die Werbung beruft sich meist auf die Natürlichkeit des Produkts und kann nicht auf gesicherte Erkenntnisse seiner Wirksamkeit verweisen.