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Was geht rum? 05. Dezember 2020

♦ Corona – Quarantäne für Kontaktpersonen verkürzt

♦ Corona – Krankheitsverlauf bei Kindern anders als bei Erwachsenen

♦ Corona – Sind Tests aus den Drogeriemärkten sinnvoll?

♦ Atemwegsinfekte in diesem Winter seltener – außer COVID-19

Die offiziellen Empfehlungen im Umgang mit dem Corona-Virus ändern sich beständig. Nun rüttelt sogar das amerikanische CDC (Center for Disease Control) an den Grundprinzipien der Quarantäne. Wie in der New York Times nachzulesen ist, soll die Quarantäne auf 5 Tage verkürzt werden. Die Quarantäne betrifft Personen, die mit einem Infizierten länger in Kontakt kamen (KP1 = Kontaktpersonen ersten Grades). Bisher lagen diese Zeiten in den USA wie in Deutschland bei 14 Tagen. In Baden-Württemberg wurde mit der neuen Coronaverordnung die Quarantäne ebenso wie die Isolation – sie betrifft die Infizierten – auf 10 Tage festgesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in der ersten Corona-Welle lange gezögert, das Tragen von Masken zu empfehlen. Inzwischen rät die WHO (in Englisch) sogar, Masken in der eigenen Wohnung zu tragen wenn Besuch kommt. Unabhängig davon, ob Abstand gehalten werden kann oder nicht.

Die COVID-19-Erkrankung verläuft bei Kindern häufig anders als bei Erwachsenen. Das zeigen neue Daten von der University of Alberta in Canada. Dort wurden von April bis September 2463 Kinder und Jugendliche auf die Corona-Infektion untersucht. Dabei zeigte sich, dass Schnupfen oder Husten als Symptom bei positiv wie negativ getesteten Kindern und Jugendlichen gleich häufig waren (25% gegen 22%). Typisch hingegen waren Störungen bei Geruch- und Geschmackssinn, die bei Corona-Erkrankten 7,3 Mal häufiger auftraten. Auch Erbrechen und Übelkeit (5,5-fach häufiger) und Kopfschmerzen (2,5-fach) scheinen für Kinder und Jugendliche eher typische Symptome zu sein. Wenn alle drei Beschwerden (Geruchs-/ Geschmacksinn-störung + Erbrechen/Übelkeit + Kopfschmerz) zusammenkamen, war das Risiko an COVID-19 erkrankt zu sein 66 mal so hoch.

COVID-19-Erkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf die jeweilige Altersgruppe pro 100.000 Personen und Woche. Quelle: LGA

Schwere Verläufe von COVID-19 bei Kindern sind eher selten. Das bestätigen auch die neuen Daten aus Baden-Württemberg, besonders für Kinder unter 10 Jahren. Eine Studie des „TheTri-State Pediatric COVID-19 Research Consortium (in Englisch) aus den USA untersuchte die stationär wegen COVID-19 behandelten Kindern in drei Kliniken. Dabei fanden sie einige Faktoren, die das Risiko für eine schwere Lungenbeteiligung erhöhenÜbergewicht (erhöht das Risiko um den Faktor 3,39), Sauerstoffmangel bei stationärer Aufnahme (Faktor 4,01) und erniedrigte Lymphozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) im Blut (Faktor 8,33).

In Drogeriemärkten stehen seit neuestem Coronatests zum Verkauf. Aber Vorsicht: Es handelt sich nur um Antikörper-Tests, die im Blut nachweisen, ob bereits eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 stattgefunden hat. Und auch dieser Nachweis hat seine Tücken, abgesehen dafür, dass um die 50 € Kosten anfallen. Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, dann werden auch Antigentests – besser als Schnelltests bekannt – zur Verfügung stehen. Schon die Durchführung der Tests will gekonnt sein. Noch schwieriger ist deren Beurteilung. Prädikat: Warten Sie ab oder fragen Sie den Arzt ……

Praxisindex: Er gibt an, wie viele Personen die Arztpraxen wegen Atemwegsinfekten aufgesucht haben. Die aktuellen Zahlen der Saison 2020/2021 gibt die rote Linie wieder. Quelle: AG Influenza

AHA-Regeln sind auch für andere Erreger wirksam. Das zeigt sich im Moment bei den Infekten der Atemwege. Die Erkrankungszahlen liegen etwa 30% niedriger als im letzten Jahr. Hinzu kommt, dass viele Menschen wegen Schnupfen und Husten keinen Arzt mehr aufsuchen aus Angst, sich in den Praxen mit dem Coronavirus anzustecken. Die Schnupfeninfekte des Herbstes klingen langsam ab, neu zeigen sich Infektionen mit Übelkeit / Erbrechen und Durchfall. Häufig wird bei solcher Symptomatik nicht nach der Ursache gefahndet. Rota- oder Noroviren scheinen an diesen kleinen Ausbrücken wenig beteiligt zu sein. Unter den vielen anderen Erregern können auch einmal Coronaviren solche Beschwerden bei Kindern auslösen.

Was geht in der Welt rum? In fernen Ländern, in die kaum einer mehr reisen kann, treten Krankheiten auf, die fast im Corona-Nebel verschwinden. Wie die Tollwut. In Malaysia ist kürzlich ein 42-Jähriger daran verstorben. Aus Südafrika werden fünf Fälle berichtet. Tollwut wird meist von infizierten Hunden – aber auch anderen Tieren wie Katzen oder Fledermäusen – übertragen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten zweiten Advent, herzliche Grüße, Ihr

Was geht rum? 02. Februar 2019

Manche Eltern würden rufen: „Pass auf, dass Du nicht krank wirst….“. Aber Vögeln ist das schnuppe. Sie spüren vermutlich ohnehin nichts, weil die Natur vorgesorgt hat. Es bleibt ohnehin genug Arbeit, um sich über den Winter zu bringen.

Abbildung 1. Louis Pasteur. Foto: www.thefamousbirthdays.com

Auch Menschen bekommen nur in seltenen Fällen den letzten Schubs, um infolge der Kälte krank zu werden. Infektionen kommen – das haben uns bereits Robert Koch und Louis Pasteur vor über 140 Jahren bewiesen – über Viren und Bakterien in unseren Körper. Diese werden meist durch enge Kontakte direkt oder indirekt über Nutzung von beispielsweise Türklinken weitergereicht. Wochenlang ist fast nichts passiert, aber jetzt geht die Grippewelle weiter. Bleibt zu hoffen, dass die Impfung in diesem Jahr gut komponiert war und somit hilfreich sein wird. Ansonsten sind unsere Mittel, die schlimme Influenza abzuwehren sehr begrenzt.

 

Abbildung 2. Zahl der gemeldeten Erkrankungen an Influenza (mehrere Nachweismethoden). Foto: AG Influenza

Welche Bedeutung die Influenza momentan in Baden-Württemberg hat, wird aus der An zahl der positiven Nachweise ersichtlich. Diese Daten wurden  in der letzten Januarwoche erhoben. Es zeigt sich bereits ein kleiner Rückgang der gemeldeten Grippe-Erkrankungen. Dieser Trend scheint sich weiter fortzusetzen. Ja, die Influenza ist im Lande. Aber nein, sie spielt keine so große Rolle, wie beispielsweise vor einem Jahr.

Abbildung 3. Zahl der RS-Virusnachweise in Baden-Württemberg je Kalenderwoche. Foto: AG Influenza

Was spürbar häufiger wurde, ist die Zahl der Infektionen mit RS-Virus (RSV). Diese Infektion, deren Zunahme wir an dieser Stelle schon vor 3 Wochen erwähnten, betrifft besonders Säuglinge und Kleinkinder. Die neuen Zahlen für Baden-Württemberg sind eindeutig, obwohl sie in absoluten Zahlen deutlich geringer sind als bei der Influenza. Nach RSV wird auch nur bei Kindern im ersten oder zweiten Lebensjahr geschaut. Das RS-Virus führt oft zur Verengung der kleinsten Bronchien (Bronchiolitis) und zeigt sich gegen Therapien sehr hartnäckig. Da es sich um ein Virus handelt, sind Antibiotika nicht sinnvoll. Manchmal sind jedoch stationäre Behandlungen erforderlich, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

Trotz allem sind die Mehrzahl der auftretenden Krankheiten keine Influenza. Zum Glück. So gibt es schon seit Wochen Magen-Darm-Infektionen, beginnend mit kurzzeitigem Erbrechen mit nachfolgendem Durchfall. Schwere Verläufe treten hier kaum auf.

Was geht in der Welt rum? In Malaysia sind seit Mitte 2017 inzwischen 17 Menschen an der Tollwut (siehe auch den Beitrag im praxisblättle von Angang der Woche) verstorben. Bei mindestens 10 Menschen wurde als Ursache ein Hundebiss bestätigt. Die Gesundheitsbehörden gaben bekannt, dass bei 66 Hunden und einer Katze eine Infektion festgestellt werden konnte. Es wird vermutet, dass die Infektion durch streunende Hunde aus Indonesien eingeschleppt wurde. Dort gibt es landesweit seit Jahren viele Tollwuterkrankungen, auch auf der Touristeninsel Bali.

Was geht rum? 19. Januar 2019

Abbildung 1. Pollenflugdaten der Haselpollen für Münsterlingen am Bodensee im Jahr 2018. Foto: Allergiezentrum Schweiz

Man mag es kaum glauben. Aber wie in jedem Jahr haben wir schon jetzt bei bestimmten Wetterlagen einen bedeutsamen Pollenflug. Der betrifft die Erlen- und Haselpollen. Im Moment fällt er eher noch gering aus. Das kann sich aber in den kommenden Wochen schnell ändern, wie die Pollenflugdaten für Münsterlingen (Schweiz) aus dem Jahre 2018 zeigen. Es macht also durchaus Sinn, wenn sich Allergiker für die kommenden Wochen darauf vorbereiten und bisher notwendige Notfallmedikamente vorrätig haben.

Sicherlich bedeutsamer bleiben für absehbare Zeit aber die Atemwegsinfektionen. Bisher sind die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg hier noch glimpflich davongekommen. Die leichten Atemwegsinfektionen mit Halsschmerzen und Schnupfen haben sich in der abgelaufenen Woche fortgesetzt. Über die letzten Tage kamen Infektionen mit akut hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und trockenem Husten dazu – vermutlich die Influenza („echte Grippe“). Genaue Daten über die Häufigkeit liegen naturgemäß noch nicht vor.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal zeigt sich das Dengue-Fieber in vielen tropischen Ländern als sehr aktiv. Waren es in Jamaika im gesamten letzten Jahr 708 Erkrankungen, zählen Malaysia bereits in den ersten 2 Wochen des Jahres 6.246 und Sri Lanka 45.701 erkrankte Personen. Andere Länder Asiens melden vergleichbare Häufigkeiten. Für Touristen ist ein effektiver Mückenschutz tagsüber und in den frühen Abendstunden wichtig. Also zu den Zeiten, in denen die übertragende Tigermücke aktiv ist. Dies ist am effektivsten mit DEET möglich. Eine Übersicht der verschiedenen Mittel findet sich im praxisblättle hier.

Die Masern in Madagaskar sind weiter auf dem Vormarsch. Inzwischen liegt eine offizielle Meldung der WHO (Beitrag in englischer Sprache) vor, die sich auf die Informationen bis zum 7. Januar 2018 beziehen. Die Leser des praxisblättle sind ja schon seit längerem informiert. Nach den Zahlen der WHO kommt es zu einem Todesfall unter 501 Erkrankten. Diese Rate ist auch so hoch, weil die Mehrzahl der Kinder in Madagaskar von chronischer Unterernährung betroffen sind. Das ist ziemlich unbekannt weil es keine medienwirksamen Schreckensbilder bringt, ist aber so etwas wie eine Dauerkatastrophe. Und die hat viele Folgen. Eine davon ist, dass diese Kinder keine genügende Abwehr aufbringen um die Masern zu besiegen. In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate bei Masern um das dreifache niedriger. Das ist schlimm genug. Aber: Impfen hilft gut. Besonders, wenn über 90% der Bevölkerung sicher geimpft ist.