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Hirnhautentzündungen bei Kindern. Welche Impfungen helfen?

Hirnhautentzündungen sind ein Schrecken. Besonders wenn es Kinder trifft, die aus völliger Gesundheit plötzlich schwer krank werden.

Die Hirnhaut heißt in der Sprache der Mediziner meninx (Haut) encephali (Gehirn). Deswegen sprechen Ärzte von der Meningitis, wenn es um eine Entzündung („itis“) der Hirnhaut geht. Diese kann durch Hunderte verschiedener Ursachen entzündet sein, wie

  • Bakterien: HiB (Haemophilus influenzae B), Borrelien (durch Zecken übertragen) und viele mehr
  • Viren: FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis, durch Zecken übertragen), Masern, Windpocken und weitere
  • Parasiten wie Würmer
  • nicht-infektiös – beispielsweise durch Medikamente

Viele Ursachen bedeutet auch: nur viele verschiedene Therapien helfen. Es kann also auch vorbeugend keine „Impfung gegen Hirnhautentzündung“ geben, sondern immer nur die Impfung gegen einen bestimmten Erreger. Nach Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B vor fast 30 Jahren folgten weitere (besonders gegen Pneumokokken und Meningokokken-C), die zu einem erheblichen Rückgang von bakteriellen Entzündungen der Hirnhäute führten.

Altersverteilung der Erkrankungen an Meningokokken-Meningitis Quelle: RKI

Besonders schlimme Infektionen bis heute sind noch immer die invasiven Meningokokken-Meningitiden. Die Tödlichkeit dieser Infektion ist gerade für Säuglinge sehr hoch. Traten im Jahre 2001 noch 781 dieser Infektionen auf, ging die Zahl bis im Jahre 2019 in Deutschland auf 295 zurück. Dieser Effekt geht auch auf Impfungen (gegen Meningokokken Typ-C) zurück. Die meisten schweren Meningitis-Erkrankungen (invasiv) werden heute durch Meningokokken des Typs B (58.6%) verursacht und betreffen vorwiegend Säuglinge.

Nun gibt es hierfür seit einigen Jahren eine Impfung (4CMenB – Handelsname Bexero©), die bis heute jedoch noch nicht von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfohlen und somit keine Standardimpfung in Deutschland ist. Eine Studie aus England um den Forscher Shamez N. Ladhani hat nun herausgefunden, dass die Impfung gegen die Meningokokken Typ B bei Säuglingen dazu führt, dass die Zahl der erwarteten Infektionen um 75% zurückgeht, wenn die Impfquote entsprechend hoch ist. Das ist in England, wo diese Impfung seit Jahren staatlich empfohlen ist, der Fall. Dort sind 92.5% aller Kinder im ersten Lebensjahr gegen 4CMenB geimpft. Die Wirksamkeit der Impfung beginnt bereits mit der ersten Injektion und steigt mit den folgenden Nachimpfungen weiter an.

Impfempfehlungen gibt die STIKO unter Beachtung vieler Kriterien. Dazu gehört auch, ob eine Impfung von den Eltern angenommen wird oder nicht. Die Einstellung zu Impfungen hat sich mutmaßlich durch das Corona-Virus geändert. Mal sehen, ob sich in Folge dessen auch die STIKO zu einer Empfehlung hinwenden wird. Ende August wissen wir mehr. Dann kommen die neuen jährlichen Empfehlungen.

Tödliches Risiko für Erkrankungen mit Meningokokken

Besonders im ersten Lebensjahr finden viele Impfungen statt. Das geht darauf zurück, dass wir KinderärztInnen dem kindlichen Organismus Informationen geben wollen, die er noch nicht hat bzw. haben kann.

Das gesund geborene Kind hat beispielsweise noch nie Kontakt zu Meningokokken gehabt. Diese Bakterien können zu schwersten Erkrankungen führen. Mit einer Impfung lässt sich ein großer Teil verhindern. Die Information, die eine Impfung vermittelt regt den kindlichen Körper an, Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden, um bei Kontakt mit dieser Erkrankung gewappnet zu sein.

Aber wie hoch ist das Risiko einer Meningokokkeninfektion?

Kürzlich sind die neuesten Daten für das Jahr 2018 im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass 295 Menschen – vorwiegend Kinder und Jugendliche – im letzten Jahr mit Meningokokken erkrankt sind. Von diesen starben 34 Kinder, also knapp 12% (im Vorjahr 23 Kinder). Bei 237 Kinder und Jugendlichen konnte der Erreger ermittelt werden. In 139 Fällen (59%) waren es Meningokokken der Serogruppe B.

Über die letzten Jahrzehnte sind die Erkrankungen durch Meningokokken insgesamt spürbar zurückgegangen. Für die Kinder bis 11 Jahre beispielsweise trat im Jahr 2018 noch eine einzige Infektion mit Meningokokken C auf – im Jahr 2006 waren es noch 48 Erkrankungen gewesen. Das geht vermutlich im Wesentlichen auf die Impfung gegen Meningokokken C zurück, die bereits seit 13 Jahren von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, Berlin) empfohlen wird.

Bei den Meningokokken der Gruppe B waren es im letzten Jahr noch 36 Erkrankungen gegenüber 109 Erkrankungen im Jahr 2006. Dieser Typ B der Meningokokken kommt in unseren Breiten schon immer häufiger vor als die anderen und betrifft in vielen Fällen bereits junge Säuglinge.

Wer sich durch weitere Datenberge über die Impfungen durcharbeiten möchte, kann hier den Link zum Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2018 öffnen.

Was geht rum? 23. Juni 2018

Viele Pflanzen haben in den letzten Wochen ihre Blütenpracht fallen lassen und präsentieren sich jetzt oder in Kürze mit ihren Früchten. Diese sind häufig sehr bunt und einladend. Aus diesem Grunde haben wir das Thema Giftpflanzen als Schwerpunkt der nächsten Wochen. Trotz aller digitaler Reize, treibt die Neugier Kinder immer noch, auch die Angebote der Natur zu kosten. Nicht alle sind ungefährlich, aber viel schon.

Das heiße Wetter führt zu mehr Früchten, im Gegenzug lassen die Belastungen mit den Gräserpollen nach. Außer in den Bergen. Dort hat der Flug der Gräserpollen seinen Höhepunkt erreicht.

Infektionen gibt es weiterhin wenig. Darunter sind wie in der letzten Woche Erkrankungen an Herpangina und Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis). Auffallend waren einzelne sehr schwere Asthmaanfälle, die durch den Gräserpollenflug nicht erklärbar waren.

Der Einstand der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Mexiko war nicht berauschend. Manuel Neuer war war ein Rückhalt, der heute beim Spiel gegen Schweden unverzichtbar sein wird. Einen solchen Rückhalt brauchen auch Kinder, falls die Familie das Fußball-Spiel heute mit Grillen verbindet. Dabei sollte immer ein Auge auch bei den Kindern sein, damit es nicht im spannendsten Moment zu ungewollten Verbrennungen kommt. Kinder sind neugierig. Wann können sie das besser ausleben, als in solchen unbeobachteten  Momenten?

Was geht in der Welt rum? Für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die exotische Länder besuchen wollen: auf den Fidschi-Inseln sind in diesem Jahr 60 Erkrankungen an Meniningokokken-Meningitis Typ C aufgetreten. Drei Personen sind daran verstorben, wobei die Rate für Todesfälle bei dieser Infektion oft im Bereich von 10% – also durchaus höher – liegen kann. Mit Hilfe einer Impfung ist ein fast sicherer Schutz zu erreichen.

Impfung gegen Meningokokken schützt auch vor Gonorrhoe

Dass die Impfung gegen einen Krankheitserreger gleichzeitig gegen einen zweiten erfolgreich wirksam sein kann ist neu. Hinweise hierfür finden sich in einer Studie aus Neuseeland.

Abbildung 1. Meningokokken. Diese Bakterien gehören zu den Diplokokken – also immer zwei sind beieinander. Foto: RKI

Dort wurde zwischen 2004 und 2006 eine Impfung gegen eine Untergruppe von Meningokokken B (siehe Abb. 1) angeboten. Diese konnten sich Jugendliche und Heranwachsende unter 20 Jahren geben lassen, da diese Altersgruppe besonders von diesem speziellen Erreger bedroht waren. Schnell zeigte sich, dass die Neuerkrankungen mit diesen speziellen Meningokokken durch die Impfung auf unter 10% abgesunken waren. Daraufhin stellte die Behörde das erfolgreiche Impfprogramm wieder ein. Die Erkrankung an dieser Untergruppe der Meningokokken B tritt bis heute nur noch sporadisch auf. Also ein voller Erfolg.

Abbildung 2: Gonokokken. Diese Bakterien gehören zu den Diplokokken. Immer zwei treten gemeinsam auf. Foto: CDC, Atlanta

Nun hat eine Forschergruppe um Dr. Helen Petousis-Harris bemerkt, dass seit Anwendung dieser Impfungen die Zahl von Geschlechtskrankheiten mit Chlamydien klar zugenommen, jedoch solche mit Gonokokken (siehe Abb. 2) ebenso deutlich abgenommen haben. Gonokokken sind die Erreger der Gonorrhoe und mit den Meningokokken verwandet. Ihr Ähnlichkeit in der Struktur liegt bei 80-90%. Die Forscher fanden heraus, dass die Patienten, die (gegen diese speziellen Meningokokken B) geimpft worden waren um 31% seltener an der ebenfalls schwerwiegenden Geschlechtskrankheit Gonorrhoe erkrankten als die Ungeimpften.

Damit eröffnet sich vielleicht ein neuer Ansatz, bisher unbesiegbare Erreger erfolgreich auf indirektem Wege bekämpfen zu können.