Schlagwort: Natur

Parks machen glücklich

Viele Menschen würden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass der Aufenthalt draußen in der Natur das Wohlbefinden verbessert. Aber gut belegt ist das bis heute noch nicht. Manches ist bekannt. So, dass Kinder, die in einer grünen Umgebung aufwachsen weniger häufig Depressionen entwickeln.

San Francisco und seine Parks, unterteilt in die großen regional Parks und die kleineren Nachbarschafts-Parks wie Spielplätze. Foto: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/pan3.10045

Eine aktuelle Studie der Universität von Vermont hat sich mit einem pfiffigen Experiment der Frage genähert. Für ihre Untersuchung wählten die Forscher um Aaron J. Schwartz die Stadt San Francisco, weil in dieser städtischen Umgebung besonders viele Parks zu finden sind. Dort sammelten sie alle Twitter-Nachrichten, die von Mai bis August 2016 aus einem der Parks gesendet wurden und die dazugehörigen persönlichen tweets der User, die wenige Stunden zuvor und danach angesendet wurden. So kamen fast 5000 Profile zusammen. Diese wurden mit einem sog. Hedonometer analysiert, das die emotionale Stimmung einer Nachricht messen kann, ohne dass persönliche Inhalte offengelegt werden. Das Hedonometer misst über 10.000 englische Worte und ordnet sie in einer Skala von 1 (am wenigsten glücklich) bis 9 (am glücklichsten) ein. Dieses Instrument ist bereits in vielen Studien erfolgreich eingesetzt worden.

„Gefühlsmessung“ vor, beim und nach einem Parkbesuch. Foto: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/pan3.10045

Die Autoren konnten zeigen, dass die tweets, die während des Parkbesuchs aufgezeichnet wurden um 4% glücklicher waren als zuvor oder danach. Der Effekt wurde in grösseren und grüneren Parks. Die positiven Gefühlen hielten – verglichen mit einer Periode von 6 Stunden vor dem Parkbesuch – vier Stunden lang an. Die Parkbesucher waren waren weniger „Ich“-bezogen. So ging die Nutzung des Worts „me“ um 38% zurück.

Die Studie zeigt eindrücklich, dass der Aufenthalt im Grünen Auswirkungen auf die Gefühlslage hat. Auch in Deutschland ist der Trend in die Städte ungebrochen. Diskussionen über die Mieten bzw. die Deckelung von Mieten in Berlin sind Ausdruck dieses Trends. Der ist so rasant, dass der Druck groß ist, auch Grünflächen zu bebauen, um Wohnraum zu schaffen. Ein typisches Beispiel ist der ehemalige Flughafen Tempelhof in Berlin, eine zentrumsnahe riesige Grünfläche, die immer wieder in den Fokus solcher Überlegungen rückte. Diese Studie zeigt nun, dass dann zwar mehr Wohnraum vorhanden wäre, aber die emotionale Befindlichkeit der Bewohner leiden würde.

Gerade für Kinder und Jugendliche hätten weniger Grünflächen enorme Auswirkungen. Trotz sozialer Medien treffen sie sich weiterhin gerne auch draußen, wo sie weniger der Kontrolle der Eltern und anderer Erwachsener ausgesetzt sind. Und offensichtlich ganz nebenbei ihre emotionale Stimmung aufhellen.

Smartphone oder Schlamm?

Das Internet hat die Welt in zwei Jahrzehnten umgekrempelt. Das bestreitet kaum einer. Ob dies aber gut sei oder eher negative Folgen hat ist wird eifrig diskutiert. Der Facebook-Skandal im letzten Monat hat allem eine neue Dimension gegeben. Aber das soll hier erstmal kein Thema sein.

Die Vorteile der engeren Vernetzung von Menschen über Computer oder Mobiltelephon bringen es mit sich, dass wir auch leichter und leiser – unbemerkt – überwacht und kontrolliert werden können. Wer ist dieser big brother, der uns steuern will? Selbst große Unternehmen und Regierungen werden durch Cyberattacken erfolgreich angegriffen. Aber auch wir alle sind für die ungebetenen Gäste interessant. Wir werden ausspioniert, unser Kaufverhalten wird untersucht und die Daten an Firmen verkauft, die uns dann spezifischer locken kann. Das ist nun mal das Geschäft vieler, ob sie nun Facebook heißen oder Payback.

Als ich mir vor knapp 30 Jahren meinen ersten Computer zulegte, lachten alle meine Freunde, weil ich mir eine riesige Festplatte mit 64 kB leistete. Ja, 64 kB – nichts für heutige Begriffe –  schien damals Speicherplatz für die Ewigkeit zu bieten. Ein EDV-Betreuer in der Praxis meinte 10 Jahre später, das Internet sei etwas für Spezialisten und nichts für unsereins. Zwei Jahre danach im Jahre 1998 hatte ich mit Hilfe meines Sohnes die Homepage www.kids-doxx.de (inzwischen im Ruhemodus) hochgeladen. So schnell kann man sich irren.

Was auffällt: diese elektronische Veränderung ist längst im Säuglingszimmer angekommen. Wurde früher dem schreienden Säugling schon mal der Hausschlüssel hingehalten, ist es heute das Smartphone. Kleinkinder werden mit dem ipad schon mal ruhig gehalten wenn Besuch kommt. Aber ist das gut? Internet eröffnet Möglichkeiten und Chancen. Eltern wird nahegelegt ihr Kind möglichst frühzeitig mit diesen Medien vertraut zu machen. „Man kann nicht früh genug anfangen, die Technik verstehen zu lernen“ ist zu hören. Ich widerspreche.

Eines ist sicher. Unsere Kinder werden schon in der Schule und bald danach im Arbeitsleben sehr viel mit elektronischen Medien zu tun haben – ob sie wollen oder nicht. Das sollte zur Folge haben, dass wir ihnen in den ersten Jahren ihres Lebens diese Geräte eben nicht anbieten. So können sie Erfahrungen über Sehen/ Hören/ Riechen/ Fühlen und andere Sinne machen, die im späteren Leben nicht mehr nachgeholt werden können. Auch nicht mit einem „Ergo-Rezept“.

Schlamm und Matsch ist so eine Ur-Erfahrung. Vor unserer Haustüre im Pfrunger Ried geht das sehr leicht. Kinder können über matschige Wege hüpfen, Wasser kanalisieren oder morsche Bäume verschieben, die in torfiger Erde verschwinden. Erinnern Sie sich noch, wie gerne Sie im Dreck gespielt haben? Ich schon. Und auch, dass es danach gerne mal Ärger zuhause gab. Und am nächsten Tag haben wir uns wieder schmutzig gemacht, im Dreck gewühlt, Würmer gesucht und auch mit Schlamm aufeinander geworfen. Das mögen Kinder heute ebenso. Sie müssen nur die Chance dazu geboten bekommen. Auch beim Backen im zähen Teig mantschen ….. wie herrlich. Eine wunderbar sinnliche und beim Naschen schmackhafte Erfahrung, die es locker mit den Reizen eines Smartphones aufnimmt.

In unserer ländlichen Region fehlt manchem vielleicht ein Opernhaus (mir nicht!). Aber unsere Kinder haben ein Paradies vor der Haustüre. Gönnen wir es ihnen! Lassen wir sie bei Wind und Wetter spielen und sinnliche Erfahrungen sammeln die heute Spaß machen und später kaum nachgeholt werden können. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen entwickeln sich Kreativität und Wissen. Und lernen wir aus den Erfahrungen in Korea, wo die digitale Technik (Samsung!) Kindern schon lange zugänglich ist. Dort beobachtet man zunehmend Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Ebenso auch emotionale Verflachung und allgemeine Abstumpfung. Man nennt das dort schon digitale Demenz.

Das ist übrigens auch für Eltern eine einmalige Chance mitzumachen. Genießen Sie die sinnliche Erfahrung.