Schlagwort: Pest

Was geht rum? 27. Februar 2021

COVID-19 in der Schwangerschaft: Risiko für das Neugeborene?

Corona-Tests zur Selbstanwendung: Welche gibt’s? Was können sie? 

Impfungen hier und dort 

Wenig Infekte, vielen Pollen

Eine interaktive Reise auf den Mars

Eine Schwangerschaft ist in der Corona-Pandemie um eine Angst mehr belastet: Ist mein Kind bedroht, wenn ich an COVID-19 erkranke? Eine Studie (in Englisch) von Edward Mullins und Mitarbeitern vom Imperial College London zeigt anhand von Informationen aus England und den USA, dass werdende Mütter sich nicht sorgen müssen.

Selbsttests gegen das SARS-CoV-2 sind eine wichtige Ergänzung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Besonders in Schulen und Kindergärten sollen sie ab März im Rahmen der Öffnung zur Anwendung kommen. Aber welcher Test ist geeignet? Darüber gibt eine online-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Auskunft. Die Liste soll fortlaufend ergänzt werden. Interessant ist auch ein Link auf eine Seite des RKI, der sich mit der Frage befasst: Was ist bei Antigentests zur Eigenanwendung zu beachten? Der fachlich fundierte Text zeigt die Chancen und Grenzen des Selbsttests.

Viel meinen zu müssen trotz wenig Wissen, meinen viele Leute beim Thema Impfungen. Und weil man gerne vom anderen abschreibt, schimpfen viele Medien unisono auf den Impfstoff von AstraZeneca. Der hat aber bei genauer Sicht viele Argumente auf seiner Seite. Ganz vorneweg: In einer Fortschreibung der Studienbeobachtung (Phase IIIb) zeigte sich, dass unter den Geimpften über 30% am Coronavirus erkrankten. Bei keinem Erkrankten war jedoch ein Spitalaufenthalt erforderlich und niemand starb an COVID-19. Gerade die Langfristdaten zu diesem Impfstoff sehen also sehr gut aus. Und die Wirksamkeit des Impfstoffs nimmt mit der Zeit zu, wie Untersuchungen an Tag 49 nach Impfung zeigen: „Die Impfung reift“ (Drosten)

Und wichtig ist heute jeder Impfstoff. Denn weltweit sind bisher nur etwa 0,06 Prozent aller Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Spitzenreiter ist weiterhin Israel (88 Prozent der Bevölkerung mit einer oder 2 Impfungen). Sogar Großbritannien – lange Zeit verhöhnt – hat mit 27 Prozent schon über ein Viertel der Bevölkerung  erreicht. Die Aussichten sind gut: Sollten die Mutationen weiter erfolgreich sein, so ist eine rasche Anpassung der Impfstoffe an neue Virusmutanten möglich. Bei  mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer, Moderna, Curevac) ist eine solche Umstellung innerhalb von sechs Wochen möglich, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Beim Impfstoff von AstraZeneca würde die Anpassung aus technischen Gründen eher 3-4 Monate dauern.

Erlenpollenflug in Deutschland (Stand: 26.02.2012). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Frühling startete im Ländle schon mit der Fasnet. die nicht stattfand. Infekte sind kaum unterwegs – es geht fast nix rum. Außer Pollen: Ganz Baden-Württemberg wird gerade von hohen Konzentrationen an Erlenpollen heimgesucht – mit Ausnahme von Schwarzwald und Schwäbischer Alb (siehe die Graphik links). Für die Birke ist es trotz der Wärme noch zu früh. Kein Birkenpollenflug überhaupt im Land.

Wollen Ihre Kinder mal auf den Mars? Das geht bis heute bekanntlich nicht und kommt vielleicht später. Bis dahin gibt es aber eine interaktive Karte der Freien Universität (FU) Berlin, um sich die Umgebung des Mars-Rovers Perseverance mal genauer anzusehen.

Hunde können etwas erschnüffeln, wo die menschliche Nase völlig ahnungslos bleibt. Quelle: pixabay, Lenka Novotná

Hunde haben Fähigkeiten, die uns übersinnlich erscheinen. Sie können Gerüche erkennen, wo unsere menschliche Nase eine Nulllinie zeichnet. So gelingt es seit Jahren nachweißlich, dass speziell ausgebildete Hunde Lungenkrebs durch ihren Geruchssinn erkennen. Inzwischen sind einige der fitten Zeitgenossen auch für’s Coronavirus geschult. Man legt ihnen ein feuchtes Tuch vor, das zuvor einem Menschen über den Arm gestreift wurde. Legt sich der Hund sodann hin und wartet auf seine Belohnung oder er zeigt den erkannten Geruch durch Bellen an ist die Diagnose Coronavirus zu 95% sicher. Diese Messmethode wird sowohl in Südtirol (Schulen, Altersheim) und am Flughafen in Helsinki eingesetzt.

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich die Pest (meist in der Form einer Beulenpest) in der Region Aur (Provinz Ituri im Nordosten) weiter aus. Bekannt sind 520 Verdachtsfälle. Bereits 31 Menschen sind an der Pest verstorben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gemütliches und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 9. Januar 2021

Die wichtigsten Corona-Impfstoffe im Vergleich

Corona-Schnelltests: Wann machen sie Sinn, wann weniger?

Schulen und KiTa – noch immer kein langfristiges Konzept?

Schulen als Infektionstreiber? Nein sagt ein Experte

Bewegte Zeiten. Nun geht es also um die Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2.Man gewinnt den Eindruck, dass jede halbwegs bekannte Person etwas dazu sagen muss. Um die Bereitstellung von mehr Impfdosen zu erreichen wurde die bereits Verstaatlichung von Pharmabereichen vorgeschlagen. Oder auch, dass die zweite Impfdosis nicht unbedingt mit der ersten übereinstimmen müsste. Wir bewegen uns als wieder zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und Wünschen/ Phantasien. Beruhigt Euch – „calm down“ – möchte man gerne ausrufen.

Kommen wir zu den Basisdaten zurück. In der folgenden Tabellen sind die wichtigsten Daten der einzelnen Impfstoffe einander gegenüber gestellt. Mit all den Vor- und Nachteilen.

BioNTech Moderna  AstraZeneca
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273) Adenovirus-Vektor-Vakzine (AZD1222)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg 5×1010 Viruspartikel
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius 2° – 8° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage +2° bis +8° Celsius für 6 Monate
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28) 2×1 Dosis (Tage 0-28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000 34.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95) 62% (90% wenn erste Dosis nur 50% wie in GB)
sicherer Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis 28 Tage nach 2. Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%) Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz, Kopfschmerz
Zulassung ab Alter von  16 Jahren  16 Jahren 18 Jahren
Kosten (für die EU) 12 € 14,69 € 1,78 €
Impfdosen für D (laut Business Insider) 38.989.787 mind. 15.000.000 56.272.263

Sicher ist: Alle aufgeführten Impfstoffe zeigen eine gute Wirkung gegen das Coronavirus. Es zeigen sich Unterschiede in vielen praktischen Fragen. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca wäre das Ziel, viele Menschen zu impfen, einfacher zu erreichen: Er könnte ganz klassisch in den Praxen der Kinder- oder Hausärzte verimpft werden. Nebenbei ist er sehr günstig. Aber, er hat ein Gschmäckle, weil bei der Studie „versehentlich“ eine Gruppe von Patienten bei einem Impftermin nur die halbe Dosis verimpft wurde. Das hat sich im Nachhinein als günstig erwiesen, darf aber bei einer wissenschaftlichen Studie nicht passieren.

Ein tweet des CDC, der amerikanischen Gesundheitsbehörde, fasste den momentanen Stand der Impfungen so zusammen:

🌡️ Some side effects are normal (einige Nebenwirkungen sind normal).
💸 In most cases, COVID-19 vaccines will be available for free (in den meisten Fällen sind COVID-19 Impfungen kostenlos erhältlich)
👨‍🔬Many vaccines are still being developed & tested (viele Impfungen werden immer noch entwickelt und getestet)
😷Vaccines are one of many tools to help stop this pandemic (Impfungen sind eine von vielen Werkzeugen dabei zu helfen, die Pandemie zu stoppen)

… und als Hygieneregeln formuliert die CDC folgende Maßnahmen:

🚫 Avoid gatherings. (Vermeide Zusammenkünfte)
😷 Wear a mask. (Trage eine Maske)
↔️ Stay 6 feet away from others. (Zwei Meter Abstand halten – exakt: 1,83m)
🖐️ Wash your hands. (Wasche Deine Hände)

Hoffen wir mal, dass sowohl Hygieneregeln wie Impfungen in Deutschland bald konsequenter umgesetzt werden.

Schnelltests waren vor Weihnachten das Thema. Schnelltests erfassen eine Infektion in etwa 80% der Fälle im Vergleich zum PCR-Test (100%). Der Grund für den niedrigeren Wert liegt darin, dass der Schnelltest erst bei größeren Mengen an Viren (höherer Viruslast) positiv ist. Das bedeutet, dass Menschen im Beginn der Infektion teilweise nicht erfasst werden, ebenso auch solche, bei denen die Infektion gerade am Abklingen ist. Ersteres ist eine Schwäche, letzteres eine Stärke des Schnelltests. Bei asymptomatischen Infizierten – das zeigt eine Studie der Forscher um Marie Killerby des CDC – liegt die Sensitivität bei etwa der Hälfte, bei 41%. Hier vermag der Schnelltest aus nur 41% der Virusträger zu identifizieren, da diese Gruppe von Menschen mit positivem PCR-Test aber ohne Symptome offensichtlich weniger Virus tragen.

Das zeigt auch eine sog. Metaanalyse um den Forscher Paul Glasziou aus Australien. Diese Wissenschaftler wählten aus 2,454 Artikeln 13 gut gemachte Studien aus und fanden heraus, dass nur 17 Prozent (je nach Studie waren dies zwischen 4 und 41 Prozent) der Ansteckungen mit dem Virus von Menschen ausgehen, die frei von Symptomen sind. Letztlich zeigen diese Daten, dass Menschen mit Symptomen eine Untersuchung mit dem PCR-Test sinnvoll ist, der die Frage sicher klärt (hohe Sensitivität), ob eine Coronainfektion vorliegt. Geht es hingegen darum eine mögliche Ansteckungsfähigkeit (Infektiosität) bei einer Person ohne Symptome auszuschließen, ist die PoC-Testung (also der Schnelltest) gut, weil sie Personen mit sehr niedrigen Virusmengen erst gar nicht erfasst.

Wie geht es weiter mit Schulen und KiTas? Dazu äußerte sich Anfang der Woche Dario Schramm als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Dabei kritisierte er, dass die Schülerinnen und Schüler die gesamten Ferien im Ungewissen verbracht hätten: „Die Kultusministerkonferenz tagt 17 Tage nach Ferienbeginn, ich hätte erwartet, dass sie die Ferien von Beginn an zum Ausarbeiten von Konzepten und Gesprächen mit Verbänden genutzt hätten.“ Eine nachvollziehbare und langfristige Strategie wäre endlich sinnvoll. Wenige Tage nach dem Statement äußerten sich die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin: Die KiTas und Schulen sollen bis 31. Januar geschlossen bleiben. Flugs hat Winfried Kretschmann angedeutet, man werde die Grundschulen und Kitas am 18. Januar wieder öffnen, wenn die Infektionszahlen das erlaubten. Der Flickenteppich bleibt und Ungehorsam ist Bürgerpflicht, so scheint es. Eine nachvollziehbare Strategie für die kommenden vier Wintermonate tut Not. Keiner kann absehen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Wir wissen viel und doch zu wenig. Wir müssen versuchen und können uns irren (auch Politiker). Aber wie wäre es mit einem Stufenmodell, das den Schulzugang in Abhängigkeit von den Infektionszahlen regelt? Wir sollten jedoch unsere private Verantwortung als Bürger nicht auf die Politik abwälzen. Auch im privaten Bereich können wir uns kreativ vor dem Virus schützen. Vorschläge gibt es genug, fangen wir an.

Kinder, die positiv auf das SARS-CoV-2 getestet wurden, waren eher ……… auf Hochzeiten, auf Parties oder Beerdigungen     Quelle: CDC

Sind Kinder in Schulen und KiTas „Infektionstreiber“ ? Zu dieser Frage gibt jetzt eine Studie aus Mississippi (USA). Das Forscherteam um Charlotte V. Hobbs zeigt: Enge Kontakte zu Menschen mit COVID-19, Treffen mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts sowie fehlendes Tragen von Masken in der Schule sind mit COVID-19-Erkrankungen bei diesen Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) verbunden.  Der Schulbesuch selbst bzw. der Besuch der KiTa war jedoch nicht mit positiven Testergebnissen korreliert. Das sieht Prof. Dr. Reinhard Berner, Chef der Kinderklinik der Uni Dresden genauso. In einer Konferenz von Kanzlerin, Kabinett, Ministerpräsidenten der Länder und Wissenschaftlern in dieser Woche sagte er: „Kinder nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber nach aktuellem Wissensstand keine Treiber der Pandemie.“ 

Influenza (echte Grippe) in den letzten Jahren und der jetzigen Saison (rote Kurve) in Deutschland nach den Zahlen des RKI Quelle: Statista

Andere Infekte in Baden-Württemberg? Sie spielen weiterhin keine große Rolle. die üblichen Infekte erscheinen vielen als bedeutungslos in Anbetracht der tödlichen Coronapandemie. Die Grippe (Influenza) scheint es in diesem Jahr kaum zu geben. Die Kinderkrankheiten – darüber haben wir mehrfach berichtet – sind deutlich seltener aufgetreten als sonst, Ausnahme Mumps. Der trat etwa so häufig auf wie im Jahr 2019. Aber: Masern, Keuchhusten und Windpocken liegen alle unter 50% der erwarteten Zahlen.

Was geht in der Welt rum? Die Coronapandemie lässt an Pandemien früherer Epochen denken. Dazu zählt auch die Beulenpest. Viele wissen nicht, dass die Pest weltweit noch immer vorkommt. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, wo aus der Region Aur (Provinz Ituri, NO) mehr als 200 Verdachtsfälle von Beulenpest gemeldet wurden. Fünf Menschen sind verstorben. Auch Madagaskar ist seit 1921 regelmäßig von der Pest betroffen.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche Gelassenheit. Für viele Familien kann der Rückzug auf sich selbst auch eine Chance sein. Ihr

Was geht rum? 31. Oktober 2020

* Zwischen „Pest und Party“?

* Corona und psychischer Stress

* Polio wieder auf dem Vormarsch?

Nürnberg im Mittelalter Quelle: pixabay, Gerhard G.

Man kann sich in den letzten Wochen fast zwischen „Pest und Party“ fühlen. Da sind viele Menschen, die Angst haben, vom Corona-Virus getroffen zu werden. Es ist ja gut belegt, dass das Ansteckungsrisiko steigt. Wenn aber Schuldige gesucht werden, die das Coronavirus „eingeschleppt“ haben, dann erinnert das sehr an das Mittelalter. Immerhin haben wir heute keinen Scheiterhaufen. Aber die Frage sei erlaubt: Warum haben so wenige Menschen verstanden, welches Wissen um Bakterien (und Viren) uns Robert Koch hinterlassen hat? Sind wir so vergesslich?

Dr. Robert Koch Quelle: cdc

Andere – und sie sind nicht besser – haben auch vergessen, was Robert Koch mit viel Können, Wissen und Beharrlichkeit vor 140 Jahren erforscht hat – er entdeckte das Tuberkulose-Bakterium, das seinerzeit jeden siebten Menschen tötete. Diese Menschen, die sich etwa Querdenker nennen leugnen einfach, dass es das Virus gibt oder zumindest, dass es uns krank machen könnte. Das erinnert an jemanden, der mit einer Badehose am Leib in der Türe steht und es lustig findet, in den Schneesturm hinaus zu laufen. Sofern er eine Runde im Garten dreht, mag sich der Nachbar etwas wundern. Sollte er aber einen Spaziergang machen wollen, wird ihn der Tod ereilen. Wenn andere ihn nicht retten. So kommt es mir vor, wenn „Ältere“ bei Demos die Pandemie leugnen. Aus der warmen Wohnung heraus lassen sich locker Sprüche klopfen.

Party machen, im Rausch genießen …. Quelle: pixabay, Free-Photos

Anders verhält es sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie verstehen nahezu alle, was es mit dem Virus auf sich hat. Aber sie wollen die Welt genießen. Jetzt. Das ist ihre Zeit. Das Virus droht sie um eine wilde und lustvolle Zeit zu betrügen. Das wollen sie nicht zulassen. Ein Lockdown für sie ist grausam. Vermutlich wäre schon viel geholfen, wenn die Partygänger unter sich blieben und am Wochenende Oma und Opa nicht besuchen. So bliebe das Risiko begrenzt. Aber mit den „älteren“ Leugnern haben sie eigentlich wenig zu tun.

Kinder stehen in der Pandemie unter stärkerem psychischem Druck. Quelle: pixabay, ambermb

Schupfen, leichter Husten und gelegentlich mal eine Mittelohrentzündung – Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Auffallender sind eher psychische Probleme, beginnend mit diffusen Ängsten bis hin zu aggressivem Verhalten. Wenn die Menschen im Land verunsichert sind  und auch Eltern nicht mehr alle Fragen klar beantworten können, verlieren auch Kinder an Sicherheit.

Wo die Coronazahlen nach oben stürmen, bleibt es bei den Kinderkrankheiten ruhig. Die Zahl der Keuchhustenfälle ist seit Wochen auf niedrigem Niveau, zuletzt pro Tag weniger als eine Erkrankungen in Baden-Württemberg. Die Zahl der Windpocken liegen bei einem Drittel der üblichen Werte. Ein Zeichen, dass die Corona-Regeln (AHA-L) bei Familien mit kleinen Kindern offensichtlich wirkungsvoll umgesetzt werden.

Polio-Virus Quelle: cdc

Was geht in der Welt rum? Während wir uns im Krisenmodus um das Coronavirus kümmern, breitet sich – noch in Einzelfällen – in Mali und im Sudan das Poliovirus wieder aus. In Mali wurden in diesem Jahr 11 Fälle mit dem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) festgestellt. Dieses Virus stammt aus einem Schluck-Impfstoff. Diese unerwünschte Wirkung ist bekannt, weswegen in Deutschland die Schluckimpfung durch eine Impfung per Injektion umgestellt wurde. Weitere Details finden Sie auf dieser Seite der WHO (In Englisch). Gleichzeitig sind Organisationen wie die UNICEF besorgt, dass durch die Pandemie die regulären Impfungen in Afrika nicht mehr im ausreichenden Maße durchgeführt werden.

An diesem Wochenende können wir noch mal die Sonnen genießen. Für viele kommen unsichere Tage, bleiben Sie mutig und gesund, Ihr

 

Was geht rum? 13. Oktober 2018

Die Atemwegsinfekte nehmen weiter zu. Die meisten sind harmloser Art und kommen als Racheninfekte daher. Jetzt ist aber auch die Zeit für den Infektkrupp (Laryngotracheitis) , auch Krupphusten genannt. Kinder, die bereits einmal davon betroffen waren, haben ein höheres Risiko nochmals daran zu erkranken. Das  kann bis zur Pubertät vorkommen. Nicht selten kommen diese Erkrankungen mit Atemnot nach jahrelanger Pause wieder. Es ist also günstig, für einen möglichen Notfall gerüstet zu sein. Der kommt nämlich häufig nach wunderschönen Herbst- oder Frühjahrstagen mitten in der Nacht.

In einer zweiten Welle meldet sich die HandFussMundKrankheit zurück. Bedeutsam ist auch eine Häufung an Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber). Dieses Krankheit zeigt sich in typischerweise mit lang anhaltendem Fieber und einer Reihe von Beschwerden, die viele Organen betreffen können. Eine Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll, wenn Kinder schwerer erkranken oder das Fieber länger als 3 Tage andauert.

Der goldene Oktober ist eine freundliche Fortsetzung des herrlichen Sommers. Der tut nicht nur den Trauben gut. Dennoch werden die Nächte spürbar länger. Eine gute Gelegenheit, abends mit Kindern wieder am Küchentisch bei Gesellschaftsspielen zusammen zu sitzen oder sich Geschichten vorzulesen. Nebenbei ist dies ein kleiner Hinweis für Kinder, wie spannend Bücher sind. Das kann ein Anreiz für sie sein, selbst mal zu lesen. Ein guter Start für viel Freude  und Sprachkompetenz.

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist wieder mal die Pest ausgebrochen. Noch sind es wenige Erkrankungen. In den kommenden Wochen wird jedoch viel Niederschlag erwartet und mit ihm steigt das Risiko, dass die Ratten und die Rattenflöhe (die Überträger) sich den menschlichen Siedlungen weiter nähern. In der Stadt Gweru in Simbabwe sind etwa 2000 Menschen seit August an Typhus erkrankt. Weder Madagaskar noch Simbabwe sind klassische Touristendestinationen. Für die wenigen Reisenden ist jedoch ratsam, sich kurzfristig über das spezifische Risiko zu informieren.

Wanzen – Gewinner der Globalisierung

Nein, man möchte es nicht gerne hören. Und schon gar nicht spüren: Den Juckreiz von Wanzen. Die bekannteste Art sind die Bettwanzen. Sie sind sehr treue Begleiter des Menschen, auch heute noch.

Bettwanze (cimex lectularius) Quelle: bedbugfoundation.org

Doch wo tauchen sie überhaupt auf? Bettwanzen sind Kulturfolger. Damit folgen sie den Menschen wie das die Rabenkrähe, die Taube und auch die Wanderratte machen. Wo Menschen sind, sind auch sie anzutreffen. Manchmal mit verheerenden Folgen, wie die durch den Rattenfloh ausgelöste Pestepidemie in Madagaskar Anfang diesen Jahres zeigte, manchmal vorwiegend mit (nur) ärgerlichen Folgen wie bei den Wanzen.

Die Bettwanzen (Cimex lectularius), die in unseren Breiten die nervigsten Plagegeister sind, haben sich über die Zeit den neuen Lebensbedingungen angepasst. In der heutigen Form können sie sich problemlos in Ritzen verstecken. Diese nachtaktiven Tiere werden dann nachts von unseren Körperdüften angelockt und holen sich ihre Blutmahlzeit bei uns Menschen.

Früher kamen sie vorwiegend in Massenunterkünften vor. Mit der Globalisierung haben sie sich den neuen Gegebenheiten angepasst und sind in Hotels, Studentenheimen, Seniorenheimen und Berghütten (unterhalb 2000 m) ebenso anzutreffen wie in Eisenbahnen und sogar Flugzeugen. Mit der Schmutzwäsche von Touristen treten sie die Reise zu diesen unterschiedlichen Orten an. Die Wanzen benötigen alle drei bis fünf Tage eine Mahlzeit, können aber über Monate auch ohne Mahlzeit auskommen.

Abbildung 2. Typische Cimikose am Unterarm. Foto: Deutsches Ärzteblatt, 2015

Beim Menschen befallen die Wanzen oft Hautstellen, die nicht bedeckt sind, beispielsweise die Arme (siehe Abbildung 2). An den Stichstellen bilden sich Quaddeln aus, die oft eng zusammenstehen und damit eine klinische Diagnose leicht ermöglichen. Das nennt sich dann in der Medizin Cimikose. Diese Hautstellen können später durch ein Ekzem verstärkt werden oder auch durch eine Infektion mit Bakterien. Bis heute ist aber kein Risiko für die Übertragung von schwerwiegenden Erkrankungen bekannt, wie beispielsweise beim Rattenfloh.

Kann man sich schützen? Es gibt Hinweise, dass es günstig ist, die eigene Schmutzwäsche in einem separaten Sack zu verschließen, weil diese – „duftende“ –  Wäsche für die Wanzen besonders attraktiv ist und sie auf diesem Wege aus dem Urlaub leicht nach Hause mitgeführt werden könnten.

Ist die Diagnose sicher, wird der Arzt zunächst den Juckreiz behandeln. Dafür stehen mehrere Optionen zur Verfügung, die je nach Alter, Befall und Vorgeschichte des Patienten gewählt werden. Im ungünstigsten Fall, kann eine Dekontamination zuhause erforderlich sein, um die Bettwanzen erfolgreich zu bekämpfen.