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Phimose

Ein Dauerthema bei bei den Vorsorgeuntersuchungen für der Jungen ist die Vorhautverengung, die Phimose, wie wir Ärzte sagen.

Wie entsteht eine Phimose?

Zwischen der 8. und 16. Woche der Embryonalentwicklung schiebt sich eine Haut über die Eichel des Penis (glans penis), die sich in der Spitze vereint. Das ist der Beginn der Abdeckung der Eichel durch die Vorhaut. Sie tritt bei praktisch allen Jungen als normales Phänomen auf. Die Verklebung der Vorhaut mit der Eichel löst sich langsam zum Ende der Schwangerschaft. Dieser Prozess zieht sich lange hin, so dass bei der Geburt nur bei 4% der Buben die Vorhaut über die Eichel zurückgezogen werden kann. Die Vorhautverklebung bei Geburt ist also etwas Normales. Bei der Hälfte der Jungen gelingt es zu diesem Zeitpunkt nicht, überhaupt den Ausgang der Harnröhre einzusehen.

Was ist eine Phimose?

Das ist der Knackpunkt, über den Mediziner lange schon diskutieren und bis heute zum Teil unterschiedlicher Auffassung sind. Klar ist, dass die Rückbildung der Vorhaut teilweise schon vor der Geburt beginnt. Wichtig ist folgende Unterscheidung:

Physiologische Phimose. Hierbei ist die Eichel von der Vorhaut bedeckt, ohne dass es zu einer Behinderung des Harnflusses kommt. Dieser normale (physiologische) Vorgang kann sich unterschiedlich lange hinziehen. Bis zum Alter von 3 Jahren hat sich die Vorhaut bei 90% der Jungen bereits ausreichend zurückgebildet. Im Alter von etwa 13 Jahren liegt diese Quote bei 99% (laut Untersuchungen aus Dänemark):„Was mit 7 Monaten wie eine nadelförmige Öffnung aussieht wird mit dem 17. Lebensjahr ein weiter Kommunikations-Kanal sein“, so ein dänischer Experte. Bis zur Pubertät besteht in der Regel also keine Eile. Bis dahin schützt die Vorhaut den Eingang der Harnröhre vor Infektionen (wie bei der Windeldermatitis). Und, nur bei sehr wenigen Jungen besteht überhaupt Handlungsbedarf.

Pathologische Phimose. Krankhaft ist eine Phimose dann, wenn die Vorhaut auf Grund von Vernarbungen nicht mehr zurückzuziehen ist. Diese Vernarbungen entstehen als Folge von Infektionen und Entzündungen der Vorhaut. In einigen Fällen enstehen diese Entzündungen durch Manipulationen an der Vorhaut im Versuch, die Vorhaut – zu früh! – über die Eichel schieben zu wollen. Diese pathologische Phimose bedarf einer Behandlung beim Urologen oder Kinderchirurgen.

Welche Therapie gibt es?

In vielen Fällen kann eine Verengung der Vorhaut konservativ mit Hilfe einer cortisonhaltigen Creme (über 4-8 Wochen) behandelt werden. Wann und wie die Behandlung gemacht wird, kann die/der Kinderärztin/-arzt je nach Befund entscheiden. In einer Übersichtsarbeit (Cochrane Review) konnten Gladys Moreno und Mitarbeiter von der Pontificia Universidad Católica de Chile in Santiago nachweisen, dass bei bei 84% der behandelten Buben (Durchschnittsalter 6 Jahre) eine zumindest teilweise Rückbildung der Verengung nachgewiesen werden konnte. Eine vollständige Auflösung der Phimose konnte bei erstaunlichen 62.6% aller Buben erreicht werden.

Wann sollte eine Phimose operiert werden?

Wie angedeutet, gibt es da leicht unterschiedliche Interpretationen. Eine Publikation aus Dänemark (in Englisch) zeigt, dass Operationen (medizinisch: Zirkumzision) eher selten erforderlich sind und in der Mehrheit eher ältere Jungen (Durchschnittsalter 10.1 Jahre) betreffen. Die neue Lehrmeinung gibt folgende Anhaltspunkte.

  • narbige Phimose (oft ausgelöst durch aktives Zurückziehen der Vorhaut – was unbedingt zu unterlassen ist !)
  • beim Lichen sclerosus et atrophicus (eine Erkrankung der Vorhaut bzw. bei Mädchen der Vulva häufig auf der Basis einer lokalen Autoimmunerkrankung)
  • Blasenentleerungsstörung mit Ballonierung der Vorhaut bei der Miktion (Pinkeln)

Im Einzelfall sollte der Penis von einer/m erfahrenen Kinder- und Jugendärzt/in untersucht werden. Auch eine „Einengung“ ist immer relativ, je nachdem wie groß der Penis bzw. wie alt der Junge ist. Bei jeder Vorsorge schauen die Ärzt/innen die Genitalien an. Ganz besonders wichtig ist hier natürlich die J1 (Jugendgesundheitsberatung) bzw. U10 in der Pubertät, bei der letztlich die Entscheidung zur Operation fallen sollte.

Pflege der Vorhaut

Wie das Genitale gepflegt werden sollte, ist noch oft vielen überlieferten Mythen unterworfen. Es ist wichtig, dass die Kinderärzt/innen dieses Thema aktiv bei der Vorsorgeuntersuchung aufgreifen (auch für das Genitale der Mädchen). Für die Jungens gilt:

  • Penis und Vorhaut werden im Neugeborenen- und Kindesalter ebenso gewaschen, wie die übrigen Hautbereiche. D.h., es kommen sanfte, für Kinder geeignete Seifen zum Einsatz
  • Häufiges Wechseln der Windeln ist wichtig, um Entzündungen im Windelbereich vorzubeugen
  • Die Vorhaut sollte zart und sanft mit Wasser und/oder Seife gereinigt werden. Soweit es mit zarten Bewegungen möglich ist, darf die Vorhaut zurückgestreift werden. Ein Zurückziehen unter Zug und Druck muss unterbleiben! Nach dem Waschen sollte die Vorhaut wieder nach vorne gestreift werden, um die Eichel zu bedecken.
  • Sollte der Junge beim Wickeln Wasser lassen, beobachten Sie, ob sich die Vorhaut dabei ballonartig aufweitet. Sollte dies der Fall sein, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

Eine angemessene Pflege des männlichen Genitales hilft, viele unnötige Operationen an der Vorhaut zu vermeiden.

Verhindert vorbeugendes Eincremen eine Neurodermitis?

Ein recht häufiges und für die Babys und ihre Eltern belastendes Krankheitsbild ist die Neurodermitis (atopisches Ekzem). Die Neurodermitis plagt Kinder durch ihren quälenden Juckreiz, die damit verbundenen häufigen Infektionen der Haut und – oft noch schlimmer – einen damit einhergehenden schlechten Schlaf.

Eltern wollen eine solche Belastung ihrem Kind ersparen. Deswegen ergreifen sie viele Maßnahmen, beginnend bei der Ernährung bis hin zu Umstellungen im Lebensalltag. Einer der Vorschläge ist, die schon die Haut des gesunden Babys vorbeugend zu cremen. Aber kann dadurch eine Neurodermitis verhindert werden?

Dieser Frage ging eine Forschergruppe um Joanne R Chalmers im Rahmen der BEEP-Studie nach. In ihrer umfangreichen Studie, die sie hier im Detail nachlesen können, konnten sie in einer Stichprobe von 1394 Babys folgendes zeigen: Babys, die während der ersten 12 Monate regelmäßig eingecremt wurden, hatten im Alter von 2 Jahren ebenso häufig eine Neurodermitis wie die anderen Kinder ohne Behandlung. Eincremen hilft also – leider – nicht vorbeugend.

Als Nebeneffekt zeigte sich, dass Kinder, die regelmäßig eingecremt wurden eine leicht erhöhte Rate an Hautinfektionen hatten.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.