Schlagwort: Pollenallergie

Was geht rum? 08. August 2020

Der Hochsommer ist wieder da. Mit ihm trockene Luft, in der sich Pollen Hunderte Kilometer weit bewegen können. Gräserpollen spielen im Südwesten vorwiegend in den höheren Lagen eine Rolle. Dort ist auch der Wegerich aktiv, während am Rhein die Beifußpollen bedeutsamer sind. Je länger es trocken bleibt, umso weniger Pollen sind übers Wochenende zu erwarten.

Banale Infekte spielen inzwischen kaum eine Rolle mehr. Die kleine Infektwelle, die mit der Öffnung der KiTas und Schulen einherging, ist vorbei. Und trotz alledem bewegen sich die Erkrankungszahlen bei den Kinderkrankheiten auf niedrigem Level. Seit 22 Wochen traten keine Masern auf – der letzte Woche gemeldete Fall war eine Fehlmeldung. Auch bei Keuchhusten und Windpocken wenig Neuerkrankungen – außer in der Region Freiburg.

Corona bleibt das Hauptthema. Ob nun Dauerwelle oder zweite Welle oder was auch immer: Das Corona-Virus ist unter uns und verbreitet sich. Nach den Ferien hat sich Prof. Dr. Drosten vom Robert Koch-Institut in DIE ZEIT mit klugen Gedanken zu Wort gemeldet: „Während das Virus mit der ersten Welle in die Bevölkerung eingedrungen ist, wird es sich mit der zweiten Welle aus der Bevölkerung heraus verbreiten.“ Künftig gilt es, Cluster – also Anhäufungen von Infektionen – schnell zu erkennen, bevor sich das Virus von dort aus spinnenartig ausbreitet.

Tollkirsche Quelle: pixabay, hans

Bald trägt die Tollkirsche in einigen Landstrichen wieder Früchte. Glücklicherweise sind diese schwarz und damit für die meisten Kinder nicht so recht attraktiv. Eltern schweigen sich also am besten aus, wenn sie an Tollkirschen vorbeikommen. Erst ältere Kinder und Jugendlichen sollten über die Gefährlichkeit dieser Pflanze aufgeklärt werden. Wenn Sie sich noch mal informieren wollen – hier in einem Beitrag des praxisblättle finden Sie das Wichtigste.

Was geht in der Welt rum? Für Reisende in Europa ist eine oft unbekannte, aber wichtige Erkrankung das West-Nil-Fieber. In den letzten vier Wochen traten in Griechenland zehn Infektionen auf, besonders in den Regionalbezirken Xanthi, Thasos und Serres im Nordosten des Landes. Mückenschutz ist wichtig.

Ab Montag schauen wir nach Berlin. Dort werden 365.000 Schülerinnen und Schüler wieder ihre Ranzen packen und zur Schule gehen. Dort soll Regelunterricht in voller Klassenbesetzung stattfinden. Manche Lehrer haben Sorge, wie das gut gehen sollte. Die Politik hat noch keine schlüssige Antwort geliefert. Immerhin landen am Flughafen in Tegel Flugzeuge mit 2000 Personen aus Risikogebieten – täglich. „Dit is Berlin“. Wir im Südwesten sollten genau hinsehen. Damit bei uns Regelunterricht ab Mitte September wieder für alle Schüler möglich wird.

Ich wünsche Ihnen ein faules Wochenende mit schattigen und leicht belüfteten Plätzen in der Natur, wo man die Seele baumeln lassen kann und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 30. Mai 2020

Für Kinder könnte vieles so toll sein. Im Rahmen der Pandemie ging die Zahl der üblichen Virusinfekte massiv zurück. Hinzu kam auch eine größere Sicherheit im Verkehr mit deutlichem Rückgang der tödlichen Unfälle (für März: minus 23%). Für den Alltag der Kinder hat sich bis heute nur wenig verbessert. Sie müssen noch einen weiteren Monat warten, bis sie ohne Einschränkungen mit Freunden spielen können wie es ihnen gefällt.

Auch wenn die Temperaturen in Baden-Württemberg morgens in dieser Woche zumeist einstellig waren, dürfen wir uns nicht täuschen lassen: Die Sonne tagsüber hat enorme Kraft und ist ebenso stark wie im Juli. Es ist gut, an den Sonnenschutz der Kinder zu denken. Was ist wichtig?

  • Etwa 80% der lebenslangen UV-Bestrahlung der Haut findet im Kindes- und Jugendlichenalter statt. Wer seine Kinder gut schützt verhindert also Folgeerkrankungen (z.B. Hautkrebs) so effektiv wie es nie wieder möglich ist.
  • UV-Strahlung erzeugt keine Wärme.Wir spüren also nicht, wenn unsere Haut leidet. Spürbar ist erst der Sonnenbrand. Aber dann ist’s bereits zu spät.
  • Schatten ist der beste Sonnenschutz für Kinder. Und nebenbei ohne Nebenwirkungen oder Kosten
  • Die stärkste UV-Strahlung besteht um die Mittagszeit. Dann sollten Kinder eher im Haus eine kleine Pause einlegen. 

Weitere detaillierte Hinweise finden Sie in einem früheren Beitrag des praxisblättle. Gute Sonnenschutzmittel sind heute auch in Discountern zu finden, wobei in unseren Breiten ein Schutzfaktor von 30 ausreichend ist. Und besser als jede Creme bleibt der Schatten.

Der Gräserpollenflug geht wie vermutet weiter. In den meisten Jahren geht er erst Ende Juni langsam zurück. Neben den Dauermedikamenten sollten die Notfallmedikamente bereit gehalten werden. Bei neu auftretenden Symptomen, wenn beispielsweise zum Heuschnupfen Husten hinzutritt, sollte zeitnah eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Allergien können mit der Zeit besser werden. Leider aber können sie sich auch verschlechtern und andere Notfallmedikamente erfordern.

Wo Kinder gerade selten von Infektionen heimgesucht werden, besteht eine gute Gelegenheit, sie gegen andere üble Erreger zu impfen. Eine große Untersuchung der Cochrane Library hat Daten zur Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken veröffentlicht. Dabei wurde zunächst in 51 Studien mit zusammen etwa 10 Millionen Kindern die Wirksamkeit geprüft. Es zeigte sich, dass bereits nach der ersten Impfung (empfohlen werden zwei) gegen Masern und Windpocken ein Schutz von 95% aller Geimpften vorliegt. Bei Mumps ist die Rate nach der ersten von zwei Impfungen lediglich bei 72%.

In Bezug auf die Nebenwirkungen wurden viele Studien mit zusammen 13 Millionen Kindern ausgewertet. Nochmals konnte ein Zusammenhang mit Autismus klar ausgeschlossen werden. Aber auch in Bezug auf Hirnhautentzündungen, Entwicklungsstörungen oder Leukämie zeigten sich keine Hinweise. Die Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) und Masern-Mumps-Röteln-Windpocken (MMR-V) sind also sehr effektiv und sicher.

Wie steht es um die schweren Verläufe von Corona-Virus-Infektionen? Das zeigt die oben stehende Graphik. Seit 3 Wochen nur noch wenige stationäre Aufnahmen in deutschen Kinderkliniken. Und, vielleicht noch wichtiger, keines der Kinder und Jugendlichen musste auf die Intensivstation verlegt werden. War’s das? Wir wissen es nicht. Vorsicht ist weiter angesagt. Ganz besonders der Abstand gegenüber fremden Menschen.

Ach so, ob Infekte rumgehen? So gut wie gar nicht. Vieles ist schwierig. Aber Eltern und Kinder können diese Tage fast ohne Infekte genießen. Da kommen manchem nur die Pollen in den Weg. Aber auch da gibt es für die meisten gute Möglichkeiten, auszuweichen. So ist die Pollenbelastung in den Bergen im Moment nicht gar so stark.

Was geht in der Welt rum? Weiterhin sind die Infektionen mit dem Dengue-Virus besonders bedeutsam. Sie kommen in Asien, Afrika und Lateinamerika vor. Besonders beunruhigend ist, dass trotz einer großen Impfkampagne in Pakistan 49 Personen in diesem Jahr wieder an Polio (Poliomyelitis-Wildvirus) erkrankt sind.

Welches Thema wird am Montag im praxisblättle behandelt? Diesmal geht es nicht um das Corona-Virus, sondern um die Zecke. Genauer, um eine weitgehend unbekannte und elegante Methode, Zecken zu entfernen.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sommerliches Pfingsten, Zeit zum Genießen der Natur und Picknicken mit Ihren Kindern. Bleiben wir hoffnungsvoll, dass auch alle Viren sich entspannen und wir wieder enger zusammenrücken dürfen.  Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 30. Juni 2018

Der Sommer meldet sich wieder zurück. Viele Gräser haben ihre Pollen bereits in die Lüfte abgegeben, so dass die Pollenbelastung in den kommenden Wochen abnehmen wird. Für viele Allergiker kommt nun der angenehmere Teil des Sommers.

Außer, sie haben weitere Allergien. So fliegen inzwischen im Südwesten die Pollen des Wegerich, während der Beifuß noch nicht so weit ist.

In der vergangenen Woche haben die Infektionen mit Enteroviren zugelegt. Das ist für die Jahreszeit typisch. Diese Infektionen zeigen sich vielfältig. Zum einen als Durchfall, der eher nicht so schlimm ausfällt. Zum anderen ist die „Sommergrippe“ in aller Regel auf diese Erregergruppe zurückzuführen. Ganz typisch sind die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Diese haben eine hohe Häufigkeit in der letzten Woche erreicht.

Was geht in der Welt rum? Thailand ist das Ziel vieler Jugendlicher. Das Dengue-Fieber hat sich dort seit Jahren etabliert und wartet auch in diesem Jahr mit hohen Erkrankungszahlen auf: fast 20.000 Erkrankungen. Gerade in den kommenden Monaten ist die Belastung besonders hoch. Reisende sollten auf einen ausreichenden Schutz vor den meist tagaktiven Mücken achten, die den Erreger übertragen. Eine Impfung gibt es nicht.

Was geht rum? 28. April 2018

Jahreszeitlich bedingt treten weiterhin wenig Infekte auf. Die Art der Infektionen betrifft alle Organe vom Magen-Darm-Trakt bis hin zu den Atemwegen. Weiterhin ist kein eindeutiger Trend auszumachen. Gut so.

Die sehr flugfähigen Pollen der Birke sind zusammen mit anderen (Esche, Pappel) noch immer aktiv. Sie sollen bis zu 700 Kilometer zurücklegen können. Damit mag die Birke des Nachbarn ärgerlich sein. Medizinisch bedeutsam ist sie kaum. In Kürze ist mit Belastungen durch die Pollen der Gräser zu rechnen. Betroffenen Allergikern sei die baldige Vorsorge an Herz gelegt.

Bleiben wir bei den Allergien. Die Blüten freuen sich auf den Besuch der Bienen – oben ein Bild aus dem März, als sie sich noch mit dem Heidekraut begnügen mussten. Bienengiftallergiker benötigen im Notfall einen Adrenalin-Injektor. Ist der vom letzten Jahr noch funktionstüchtig?

Was geht in der Welt rum? Seit einem halben Jahr breiten sich in Serbien die Masern aus. Bisher wurden knapp 5000 Erkrankungen erfasst, darunter 13 Todesfälle. Alle Menschen, die Serbien in den kommenden Monaten besuchen, sollten auf einen ausreichenden Impfschutz achten. Kinder und Jugendliche mit 2 MMR(V)-Impfungen gelten als gut geschützt.

Was geht rum? 01. Februar 2018

In diesem Jahr haben wir einen sehr warmen Januar erlebt, den wärmten seit Aufzeichnung des Wetters wie uns Meteorologen bestätigen. Dadurch haben viele Pflanzen bereits Morgenluft gerochen und angefangen zu sprießen. Wer im Süden Deutschlands Büsche im Garten hat, wird bereits sein Wochen von zarten Düften umschmeichelt.

Abbildung 1: Haselpollenflug in Münsterlingen am Bodensee. Schwarze Balken: aktuelle Daten vom Januar 2018, grau: Mittelwerte der letzten Jahre. Foto: aha, Allergiezentrum Schweiz

Das Klima hat auch Folgen für die Gesundheit der Menschen. Das kann am Pollenflug abgelesen werden, der längst im Gange ist. In der nebenstehenden Grafik (Abbildung 1) des aha (aha! Allergiezentrum Schweiz) aus Bern wird klar, was dies in Bezug auf den Haselpollenflug bedeutet. Die Farben geben die Schwere des Pollenflugs wieder: gelb (unterste dünne Linie) bedeutet schwachen Pollenflug, orange bedeutet mässigen Pollenflug, rot bedeutet starken und lila sehr starken Pollenflug. Es zeigt sich also, dass bereits am 05. Januar 2018 ein erster Pollenflug für Haselpollen in Münsterlingen am Bodensee zu verzeichnen war. Der Anstieg ging am 09. Januar weiter in die orange Zone um am 31. Januar erstmal die lila Zone zu erreichen. Kurz gesagt: wir sind schon mitten in der Pollensaison. Zumindest in der Bodenseeregion. Und das einen Monat früher als im Durchschnitt der letzten Jahre. Für Pollenallergiker ist es also wichtig, jederzeit für akute Probleme gerüstet zu sein (Notfallmedikamente !). Ob alle anderen sich auf einen baldigen Frühling freuen können? Warten wir’s ab.

Abbildung 2. Respiratorische Erkrankungen in der 3. Januarwoche 2018. Im südlichen Baden-Württemberg zeigt sich eine erhöhte Aktivität (blau = wenig Aktivität; grüne = moderat erhöhte Aktivität; gelb – rot = deutlich bis stark erhöhte Aktivität). Foto: Arbeitsgemeinschaft Influenza

Denn, die Infekte schlummern zwar noch etwas. Aber, die Erkrankungen an Influenza („Grippe“) haben schon leicht zugenommen. Die nebenstehende Abbildung 2 zeigt, wie in der dritten Woche des Jahres aus dem tiefen Blau Inseln mit grünlich-gelber Färbung herausstechen. Die momentanen hot-spots der Influenza. Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, dass sich das Bild im Südwesten mit der kommenden Fasnet bald deutlich weniger blau darstellen wird. Die Grippesaison dürfte für die Saison 2017/2018 eröffnet sein. Leider stellt die regelhaft von der kassenärztlichen Vereinigung empfohlene Impfung (3-fach) nahezu keinen Schutz dar.  Der vorherrschenden Influenza-B-Viren (68% aller nachgewiesenen Viren laut RKI) betreffen den Stamm Phuket, der leider nur im Vierfach-Impfstoff enthalten ist. Menschen, die sich effektiv schützen wollen, sollten eine erneute Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff überlegen.

Und was geht in der Welt rum? Der Ausbruch von Gelbfieber in Brasilien nimmt weiter an Fahrt auf. Laut Gesundheitsministerium sind inzwischen 53 Menschen in den Bundesstaaten Minas Geraiss, Sao Paulo und Río de Janeiro an der Erkrankung verstorben (Stand: 29.01.2018). Reisende nach Brasilien sollten nach Absprache mit dem Arzt eine Gelbfieberimpfung überlegen.