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Reiseapotheke: Vorbereitung auf den Urlaub

Bald beginnt in Baden-Württemberg der Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub. Damit können auch unerwartete Probleme bei einem verzögerten Rückflug (z.B. infolge Pleite der Airline) vermieden werden. Es ist wichtig, Medikamente auf dem Flug im Handgepäck mitzuführen, da das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen kann! Für einige Arzneien verlangen die Grenzbehörden die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung. Dies gilt im Wesentlichen für Betäubungsmittel. Darunter fallen auch Arzneien wie Methylphenidat (z.B. Ritalin©).

Notfallmedikamente

Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur© oder Vomex©. Diese sind eine letzte Reserve und helfen weniger, als viele Menschen meinen. Wenn sie angewendet werden, dann als Zäpfchen. Denn bei Erbrechen können ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Warum das so ist lesen Sie hier. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.

Magen-Darm-Erkrankung

Erbricht ein Kind, so verliert es viele Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium). Die Therapie besteht also darin, diese dem Körper wieder zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird. Oder auch mit Apfelschorle, die die Kinder meist besser zu sich nehmen.

Durchfall? Dagegen gibt es tatsächlich auch Medikamente. Der Durchfall ist aber zunächst eine sinnvolle – wenngleich unangenehme – Begleiterscheinung von Magen-Darm-Infektionen. Sollte der dann extrem schlimm sein, ist es besser einen Arzt aufzusuchen. Zumal die verfügbaren Arzneien gegen Durchfall gerade für Kinder erhebliche Nebenwirkungen haben können. Also: eher kein Durchfallmedikament in die Reiseapotheke.

Schmerz- und Fiebermittel

Schmerzen können Kinder und Jugendliche im Urlaub schnell mal ereilen. So etwa Ohrschmerzen, bedingt durch eine Schwimmbad-Otitis (Entzündung des äußeren Gehörgangs), die sehr schmerzhaft ist. Hierfür ist es sinnvoll Medikamente wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© ,Dolormin©) dabei zu haben. Je nach Alter des Kindes müssen Eltern aber vorsichtig sein, diese Arzneien nicht zu oft einzusetzen. Je jünger das Kind ist, umso eher sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das ist nicht anders als zuhause, obwohl die Suche nach einem Arzt im Ausland schwieriger sein kann. In exotischen Ländern sind neben den Hotels auch die deutschen Botschaften als Ratgeber oft eine gute Adresse.

Verletzungen

Sie gehören zu den häufigen medizinischen „Notfällen“. Neben einem klassischen Pflaster ist ein Desinfektionsmittel wie Octenisept© wichtig. Verbandsmaterial kann in Apotheken und auch Drogeriemärkten günstig gekauft werden. Kleine Wunden lassen sich nach Desinfektion mit unterschiedlich großen Heftpflastern gut versorgen. So kann man Hansaplast sensitiv© schon für unter 2€ einkaufen.

Mullbinden und eine Pinzette sind meist auch sinnvoll.

Mittel vor und nach Insektenstichen

Sie können gerade nachts ganz lästig sein: Insektenstiche. Zur Vorbeugung gibt es einige Präparate auf dem Markt. Für Kinder ist Europa meist  Icaridin (z.B. in Autan© Protection Plus Pumpspray) gut geeignet. Weitere Möglichkeiten finden Sie im praxisblättle hier beschrieben.

Wenn der Stich juckt hilft in der Regel nur eine cortisonhaltige Salbe. Dazu gibt es einige Salben auf dem Markt. Sie enthalten immer Hydrocort (0.25 – 0.5%).

Reisen in tropische Länder

Je nach Reiseland sind hier zusätzliche Medikamente sinnvoll. Dies sollte mit einem Arzt für Reisemedizin vorher abgeklärt werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Was geht rum? 06. Juli 2019

Pollenflug des Spitzwegerichs am Oberrhein (hier Basel) Die grauen Flächen stellen den Mittelwert der Pollenkonzentration der letzten 10 Jahre da, die Säulen zeigen die aktuellen Belastungen. Foto: www.pollenundallergie.ch

Das schöne Wetter sorgt weiter für einen bedeutenden Pollenflug. Für Kinder und Jugendliche sind weiterhin die Gräserpollen die bedeutendsten Auslöser von Allergien. Der Spitzwegerich spielt auch eine Rolle, steht aber in der Hitparade der allergieauslösenden Pollen weiter hinten.

Infektionen gibt es weiterhin: Die wichtigsten sind – wie in der letzten Woche – die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Ansonsten treten viele Entzündungen des Gehörgangs (Otitis externa) besonders bei regelmäßigen Badegästen auf. Das sollte aber alle Kinder und Jugendlichen nicht davon vom baden und plantschen abhalten. Das macht so viel Spaß und: Abgesehen davon, dass sie anfangs mit starken Schmerzen verbunden ist, so ist eine Gehörgangs-Entzündung gut zu behandeln. Bei Ohrschmerzen am Abend – wenn alle Praxen bereits zu sein sollten – sollten Eltern erstmal Schmerzmedikamente geben. Auch wenn nach der Nacht alles besser erscheint, ist ein Arztbesuch am folgenden Tag aber sinnvoll.

Sommerhitze. Foto: pixabay, jplenio

Gefahren gehen für Kinder und Jugendliche in dieser Jahreszeit jedoch weniger von Infektionen aus als von Hitze, UV-Strahlung, Zecken, Verbrennungen beim Grillen und von verschiedenen Pflanzen. Die einen haben giftige Beeren – wie beispielsweise die Mahonie – , andere führen im Zusammenspiel mit Sonneneinstrahlung zu einer Art Verbrennung – Wiesengräserdermatitis –  wie der Bärenklau.

Viele Familien in Baden-Württemberg bereiten sich gerade auf den Urlaub vor. Noch knapp drei Wochen, dann ziehen sie in die Ferne. In der nächsten Woche geben wir Ihnen im praxisblättle weitere Tipps für die Themen Reise-Krankenversicherung (8. Juli) und Reiseapotheke (10. Juli).

Was geht in der Welt rum? Die intensive Diskussion um Impfungen hat nachgelassen, Masern sind in den Medien zur Zeit kein Thema. Wohl aber in den meisten Ländern der Erde. Besonders deutlich wird dies in Japan mit 566 Erkrankungen in diesem Jahr (höchste Rate seit 10 Jahren) und in den USA mit 1095 Erkrankungen in 28 Bundesstaaten. Oft sind es junge Erwachsene, die erkranken. Die Masernimpfung ist sicher und gut verträglich. Sie sollte nochmals vor einer Reise überprüft werden um sich und andere zu schützen.

TIPP Quallen – Reiseapotheken-Vorschlag für Strandurlauber

Quallen können im Urlaub zum lästigen Ärgernis werden. Für den Biologen stellen Quallen nur ein Entwicklungsstadium von Nesseltieren dar, die sich aus Polypen entwickeln. Letztere sitzen oft auf Korallen und Felsen, wodurch die im Entwicklungszyklus nachfolgenden Quallen sich ebenfalls vorzugsweise an den Küsten aufhalten.

Zu welchem Zeitpunkt sie dort zur Plage werden ist nicht sicher vorherzusehen. Wärme ist in aller Regel günstig für Quallen, aber sie kommen auch in kühleren Gewässern vor. Da der Lebenszyklus bis heute nicht ganz verstanden wird, ist es immer ratsam, im Meer auf Quallen zu achten.

Abbildung 1. Nesselschlauch. Foto: cram.com

Quallen sind in aller Regel schirmartig aufgebaut und haben an ihren Rändern lange Fäden, die sich Tentakeln nennen. Diese sind mit Nesselzellen besetzt, die ein Nervengift enthalten um Beutetiere zu lähmen und dann fressen zu können. Für Menschen ist dieses Nervengift der Quallen schmerzhaft, aber – bis auf die sehr giftige Seewespe, die vor Australien vorkommt – nur selten gefährlich oder gar tödlich. Die Nesselzellen schleudern bei Kontakt einen Nesselschlauch (siehe Abbildung 1) heraus, der das Gift auf den Angreifer freigibt.

Vorbeugung

Ob vermehrt Quallen im Wasser sind kann oft morgens am Strand erahnt werden. Liegen dort viele angeschwemmte Quallen, so dürfte die Zahl der lebenden Quallen im Wasser ebenfalls hoch sein. Ein weiterer Hinweis sind die kleinen „Stiche“, die man merkt wenn man im Meer schwimmt. Schaut man dann auf die Haut sieht man jedoch nichts. Dies ist ein indirektes Zeichen für kleine Tentakeln, die im Meer herumschwimmen und kleinste Giftmengen hier und da auf unsere Haut bringen können.

Berührung mit einer Qualle

Sollte es zu einer schmerzhaften Berührung mit einer Qualle kommen, sind einige Dinge zu beachten. Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass viele Nesselschläuche trotz des massiven Schmerzes noch geschlossen sind. Durch behutsames Vorgehen, können wir also den weiteren Schmerz eindämmen. Hierfür empfiehlt es sich in der Strandtasche folgende Utensilien mitzuführen, die zuvor in der Reiseapotheke von zuhause mitgebracht wurden:

  • ein Päckchen Backpulver
  • ein Plastikmesser
  • und: diese beiden Dinge sind immer am Strand mit dabei !

Abbildung 2. Nach Vorbehandlung mit Backpulver entfernter Teil einer portugiesischen Galeere (Physalia physalis). Foto: ptw

Im Falle eines Kontaktes mit einer Qualle bleibt die betroffene Person am/im Meer. Ein Helfer holt Backpulver und das Plastikmesser aus der Badetasche. Am Strand (im Trockenen) wird das Backpulver über der Kontaktstelle auf der Haut eingerieben. Danach werden die Tentakelreste langsam mit dem Plastikmesser seitlich abgeschabt und mit Meerwasser – extrem wichtig! – keine Süßwasserdusche! – abgewaschen (siehe Abbildung 2). Diesen Vorgang kann man mehrfach wiederholen. Kontakt mit Süßwasser würde in diesem Stadium zum Platzen aller Nesselschläuche und zu weiterer Verschlimmerung der Folgen führen.

Wunde

In aller Regel bleibt eine Rötung zurück, die einer Verbrennung Grad 1 entspricht. Hier ist ein Verband nicht sinnvoll, aber

  • Sonnenschutz, am besten durch Kleidung
  • Schmerzbekämpfung, z.B. mit Ibuprofen

Sollten in speziellen Fällen Blasen oder offene Hautwunden wie bei einer Verbrennung Grad 2 entstehen, so ist eine Vorstellung beim Arzt sinnvoll, um die Wunde entsprechend ihrem Verletzungsgrad zu behandeln.

Nach der Akutbehandlung, wenn die Tentakelreste sicher entfernt sind,  darf auch wieder Süßwasser beispielsweise in der Dusche auf die betroffene Haut gebracht werden.