Schlagwort: Rhinitis

Schnupfen

Ein lästiges Problem nicht nur in der kalten Jahreszeit ist der Schnupfen (medizinisch: Rhinitis). Jeder hat ihn mal erlebt und kennt die Symptome der dieser häufigen Erkrankung:

  • Atembehinderung, oft verbunden mit dem Gefühl von Atemnot (besonders bei jungen Kindern)
  • Schlechter Schlaf, dadurch Müdigkeit und Abgeschlagenheit am Tag
  • Kopfdruck oder Kopfschmerz
  • Morgendlich trockener Mund
  • Reizung der Gesichtshaut durch Nasensekret

Die Liste der Probleme erscheint endlos. Aber was ist eigentlich Schnupfen? Schnupfen ist die Entzündung der Nasenschleimhaut. Und Entzündung bedeutet wie auch an anderen Organen: Schwellung, Rötung, Überwärmung und Sekretion. Je nach Ausprägung unterscheidet man zwei Formen einer Rhinitis:

  • Fließschnupfen: die „Nase läuft“. Meist klares Sekret verlässt die Nase.
  • Stockschnupfen: die „Nase ist zu“, die Schleimhäute sind verschwollen, schnäuzen bringt nicht weiter.

Schnupfen wird oft „Erkältung“ genannt. Das ist manchmal korrekt, oft aber nicht. Nach außen mag der Schupfen gleichartig aussehen, in der Schleimhaut der Nase spielt sich aber unterschiedliches ab. So kann die Rhinitis sehr viele Ursachen haben:

  • Infektion („Erkältung“)
  • Allergie: „Heuschnupfen“. Aber auch Allergien gegen Milben oder Nahrungsmittel können Schnupfen auslösen. Betroffen sind davon aktuell 13% der amerikanischen Kinder.
  • Chronischer Schnupfen in der Folge von Infektionen. Die Infektion ist zu Ende (keine Viren mehr nachweisbar), aber die Entzündung der Schleimhaut bleibt. 
  • Adenoide Vegetationen – sog. Polypen im Kindesalter
  • vasomotorische Rhinitis. Hierbei tritt der Schnupfen häufig durch Änderungen der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit auf, beispielsweise bei trocken-kalter Luft.
  • Echte Polypen und andere Tumoren (eher bei Erwachsenen)
  • Andere Ursachen wie hormoneller Schnupfen wie die „honeymoon rhinitis“, wenn das Glück der Verliebtheit zu Schnupfen führt.

Muss Schnupfen behandelt werden? Der Erkältungsschnupfen lässt ich nicht behandeln. Er nimmt seinen Verlauf über 5 bis 7 Tage und klingt danach ab. Während dieser Zeit kann man belästigende Symptome beseitigen durch:

  • Abschwellende Nasentropfen: diese machen die Nasenatmung für wenige Stunden freier, trocknen jedoch die Schleimhäute aus. Die Anwendung dieser Tropfen (wie Otriven©, Olynth©) sollte sich auf max. 3 bis 5 Tage beschränken
  • Nasensalben: befeuchten eine trockene Schleimhaut
  • Ätherische Öle: vermitteln (letztlich durch eine Reizung !) das Gefühl, die Nase sei freier. Geeignet allenfalls für Erwachsene. Wird leider sehr oft auch bei Kindern angewandt und birgt das Risiko, dass die Kinder in einem unbeachteten Moment diese Öle trinken oder gar inhalieren, was sehr gefährlich sein kann
  • Heuschnupfen, chronischer Schnupfen, Polypen und alle die anderen Ursachen brauchen eine spezielle Behandlung, die nur Ihr Arzt nach Untersuchung festlegen kann.

Selbst diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Merkmale des Schnupfens führt zu einer langen Liste. Kein Wunder also, dass es eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes (HNO-Arzt) bedarf, der alleine für die Nase und die beiden anderen kleinen Organe zuständig ist. Wer weitere Informationen sucht, kann sie in der 96 Seiten langen Leitlinie zum Thema Rhinosinusitis (in Deutsch) finden. Interessant und klar gegliedert ist auch das aktuelle Update der AAAAI (in Englisch).

Schnupfen im Herbst

Für viele Kinder beginnt der Herbst mit einem Schnupfen. Die Nase läuft, wird öfter mal „hochgezogen“ und die Hand räumt immer mal wieder das Sekret auf der Oberlippe ab.

Vielfach ist die Schnupfensaison durch das Rhinovirus bedingt, das in den meisten Fällen einen klaren Fließschnupfen hervorruft. In aller Regel nichts schlimmes, aber eine ärgerliche Störung. Oftmals kann der Nachtschlaf dadurch gestört werden. Eine Untersuchung von Prof. Ellen F Foxman von der Yale-Universität konnte Hinweise dafür finden, dass ein solcher erster Herbstinfekt einen gute Schutzwirkung gegen die schwierigeren Infektionen wie die Influenza („Grippe“) darstellen kann. Dafür ist vermutlich ein Interferon verantwortlich. Als Elter haben Sie also Gründe, sich über einen solchen Infekt zu freuen.

Bei manchen Kindern tritt ebenfalls ein klarer Fließschnupfen auf. Der Unterschied bei Ihnen ist, dass dieser über Wochen anhält und oftmals mit morgendlichem Nießen verbunden ist. Das wäre ein Grund, an eine Hausstaubmilbenallergie zu denken. Zuhause können Sie den Unterschied nicht klären. Ein allergologisch versierter Kinder- und Jugendarzt/ärztin wird das gerne für ihr Kind übernehmen.

Und in diesem Jahr denken die meisten beim ersten Schnupfen an eine Corona-Infektion, an COVID-19. Tatsächlich kann Schnupfen bei dieser Infektion auftreten, als einziges Symptom ist Schnupfen jedoch eher selten. Er begründet auch als einziges Symptom in aller Regel keinen Rachenabstrich. Das stellt auch das Merkblatt des Kultusministeriums Baden-Württemberg für den Umgang mit Krankheits- und Erkältungssymptomen bei Kindern und Jugendlichen klar heraus.

Es gibt noch enorm viele Gründe für eine „laufende Nase“ und auch für den „Stockschnupfen“. Die sind vorwiegend für die betreuenden Kinder- und Jugendärzte/innen bedeutsam, wenn zum Schnupfen weitere Faktoren hinzukommen sollten.

Was sollten Sie praktisch tun? Wenn Ihr Kind akut Schnupfen bekommt, können (müssen es aber nicht!) Sie das Kind für einen Tag zuhause beobachten. Bleibts beim Schupfen und tritt beispielsweise kein Fieber auf, kann dieses Kind gerne in den Kindergarten gehen. Ohne Attest einer Ärztin oder eine Arztes!

TIPP Nasensauger, ein lohnendes Wagnis

Säuglinge sind in unseren Breiten häufig durch Sekret in der Nase geplagt. Das ist nicht weiter verwunderlich. Zum einen führt die enge und kleine Nase schnell dazu, dass sich Sekret verdickt und hängen bleibt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die trockene Luft besonders in den Wintermonaten, wenn durch die Wärme in den Innenräumen die Luftfeuchtigkeit zurückgeht. Und natürlich gibt es noch so manche Infekte, die letztlich das Hauptproblem darstellen.

Einen Säugling kann man nicht zum Schnäuzen ermuntern. Wie also soll man dem Baby helfen, den nervigen Schleim loszuwerden? Manchmal gelingt dies im vorderen Nasenabschnitt mit gezwirbelter Watte oder einem sanften Druck von der Seite, der den Schleim nach außen befördert. Als Arzt empfehlen wir die Kochsalz-Nasentropfen (mit physiologischer Kochsalzlösung von 0.09%). Doch diese funktionieren nur als Spülung. Das bedeutet: Wenn beide Nasenflügel voller Kochsalzlösung sind, muss das Kind zwangsläufig die Nase nach vorne oder hinten entleeren. Nicht sehr angenehm, aber effektiv.

Verlegte Nase

Die Nasenatmung eines Säuglings kann durch zwei Umstände verlegt werden. Zum einen mechanisch durch Sekret, Fremdkörper oder durch verdickte Choanen (sie bilden den hinteren Ausgang der Nase). Zum anderen kann sie durch Schwellung der Nasenschleimhäute verlegt sein. Diese tritt regelhaft bei jedem Infekt auf, aber auch durch ungünstige Umgebungsbedingungen (trockene Luft und chemische Reize wie Parfum oder Öle) und weitere Faktoren wie Allergien oder kleine Teilchen in der Luft.

Anwendung von Nasensaugern

Nasensauger erscheinen genial, wenn Sekret die Nasenatmung verlegt. Aber nicht bei Schwellung der Nasenschleimhäute. Das können die meisten Eltern durch eine Blick von unten in die Nase ohne weitere Eingriffe schnell beurteilen.

Nasensauger, der über den Staubsaugere betreiben wird. Foto: Medinaris©

Kürzlich wurde mir ein elektrisch betriebener Sauger von einer Mutter und ihrem Kind begeistert in der Praxis vorgeführt (siehe Bild rechts). Deswegen möchte ich andere Eltern auf diese Möglichkeit der Entfernung von Nasensekret hinweisen.Leider gibt es bislang keine neutralen Tests zu diesen Nasensaugern. Die Nennung und Reihenfolge der nachfolgend aufgeführten Sauger ist also rein zufällig (Preisangaben Stand Mai 2017):

  • Medinaris©                  23.60€    wird an den Staubsauger angeschlossen
  • OLAF©                           66.29€    handlich
  • Nosiboo©                      139.00€   handlich, regelbar, aber teuer
  • Omoron Duo Baby©   105.90€  bekannter Hersteller, teuer

Sollten Tests zu den Nasensaugern – am besten durch die neutrale Stiftung WARENTEST – erfolgen, werden wir Ihnen die Ergebnisse mitteilen. Auf den ersten Blick, scheinen sie aber eine gute und meist einfach umsetzbare Hilfe für Säuglinge und ihre Eltern zu sein.

Bildquelle: Abbildung Nasensauger von Medinaris