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RSV-Virus – gibt es bald neue Therapien?

Informationen zu Impfungen gegen Viren finden sich seit Beginn der Corona-Pandemie spürbar häufiger in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Impfungen gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2) und das Grippevirus (Influenza), deutlich dahinter das Masernvirus, was im Zusammenhang mit dem Masernschutzgesetz wieder an Bedeutung gewann.

Für Säuglinge gibt es jedoch ein weiteres Virus, das eine große Bedeutung hat: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Wie das Influenzavirus tritt auch das RS-Virus vorwiegend in den Wintermonaten auf. Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders stark betroffen, 48.5 von 1000 Kindern laut RKI. Dabei liegt die Tödlichkeit bei sonst gesunden stationär behandelten Kindern in den ersten beiden Lebensjahren bei immerhin 0.2%.

Ein Impfstoff gegen das RSV wäre also ein Segen, gerade für Säuglinge und jungen Kleinkinder und ganz besonders für frühgeborene Kinder und solche mit Vorerkrankungen (z.B. Herzfehler, Mukoviszidose, neurologische Erkrankungen). Leider sind vielfache Versuche einen Impfstoff zu entwickeln gescheitert, zuletzt in den 1990ger Jahren. Das liegt auch daran, dass der Aufbau ausreichender Antikörper beim jungen Säugling nicht gelingt. Der Versuch, Schwangere gegen RSV zu impfen in der Hoffnung, dass sie Antikörper auf den Säugling übertragen könnten, gelang zwar. Aber die Wirksamkeit dieser Impfung bei den Säuglingen war dann doch enttäuschend, so dass bislang keine aktive Impfung gegen RSV zugelassen wurde.

Bis heute steht zur Vorbeugung von RSV-Infektionen bei Risikokindern nur eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab (Handelsname: Synagis©) zur Verfügung. Dieser zeigt immerhin eine mäßige Wirksamkeit und muss monatlich als intramuskuläre Spritze verabreicht werden.

Inzwischen ist ein weiterer monoklonaler Antikörper namens Nirsevimab entwickelt worden, der sich in einer Phase-2-Studie als wirksam erwiesen hat. Die Ergebnisse der Studie um das Forscherteam von M. Pamela Griffin lassen auf eine bessere Wirksamkeit hoffen. Immerhin konnten in der Studie etwa 70% der RSV-Infektionen im Vergleich zu einem Placebo verhindert werden. Und das bei nur einer Injektion für die gesamte RSV-Saison.

Weitere Studien sind erforderlich, bis dieser Antikörper zugelassen werden kann. Bleibt zu hoffen, dass auch diese günstig ausfallen, damit die Risikokindern noch besser vor diesem potentiell gefährlichen Virus geschützt werden können.

Oft unterschätzt: RSV-Infektionen

Das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV) ist spürbar weniger gefürchtet als die Grippe oder Coronavirusinfektionen. Es ist schlicht weniger bekannt.

Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von 3 Jahren ist es weltweit der häufigste Auslöser von akuten Atemwegsinfektionen. Diese betreffen meist die unteren Atemwege und dort die kleinsten Bronchien (Bronchiolitis). Jährlich versterben an RS-Virus-Erkrankungen rund 160 000 Menschen, überwiegend Säuglinge und ältere Menschen. Ursache hierfür ist, dass sich beim Krankheitsprozess die Viren in die Epithelzellen vermehren und diese dabei unwiederbringlich schädigen. Das wiederum hat große Mengen Zellabfall (Detritus) zur Folge, der die kleinen Bronchien verlegt, wodurch die Lunge in diesen Bereichen zu wenig belüftet wird. Im Gegenzug werden andere Lungenanteile verstärkt belüftet. Beides ist ungünstig und führt zu Atemnot und zu Sauerstoffmangel.

Weltweit erkranken jedes Jahr 5.6 von 1000 Säuglingen im ersten Jahr schwer am RSV. Zehn Mal so viele erkranken mit leichteren Verläufen. Die Sterblichkeit liegt bei 0.2% der erkrankten Kinder – enorm hoch. Die Infektionen treten in Mitteleuropa zwischen November und April auf, der Höhepunkt ist oft in den Monaten Januar und Februar. Bis zum zweiten Geburtstag haben nahezu alle Kinder einmal eine Infektion mit RSV durchgemacht. Diese hinterlässt aber keinen langfristigen Schutz, so dass die Infektion mehrfach im Leben auftreten kann.

Dabei fängt die Krankheit schleichend wie ein leichter Atemwegsinfekt an. Sie wird als Tröpfcheninfektion übertragen, wobei die Viren lange auch auf Händen (20 Minuten) und Papierhandtüchern und Baumwollkitteln (45 Minuten nach Angaben des RKI) überleben können. Die Inkubationszeit bis zum Auftreten der ersten Symptome beträgt meist 5 Tage (2-8 Tage). Nach einem Schnupfen mit eher schwachem Fieber und trockenem Husten, kann sich die Erkrankung in einigen Fällen innerhalb drei Tagen spürbar verschlechtern mit deutlichem Husten, fast regelhaft mit Verengung der Atemwege (Obstruktion) und zunehmender Atemnot. Bei Säuglingen ist eine Trinkschwäche sehr typisch für die schweren Verläufe. Wichtig ist, dass die Obstruktion oft kaum hörbar ist, weil die kleinsten Bronchien betroffen sind. Gerade bei den besonders schweren Erkrankungen wird die Schwere deswegen manchmal unterschätzt.

Die Erkrankung dauert manchmal fast zwei Wochen. Oftmals bleibt der Husten für Wochen danach erhalten und ist nur schwerlich durch Medikamente beeinflussbar. In vielen Fällen ist die RSV-Infektion der Anfangspunkt eines Asthma bronchiale.

Die Diagnose ergibt sich häufig aus dem typischen Verlauf und kann durch verschiedene Nachweismethoden im Labor abgesichert werden.

Eine ursächlich Therapie gibt es nicht. Unterstützend muss versucht werden, die Nasenatmung zu erhalten, Inhalationen sind in ihrer Wirkung begrenzt. In schweren Fällen ist eine Gabe von Sauerstoff (in einer Klinik) die entscheidende Maßnahme, ebenso wie die Zufuhr von Flüssigkeit über eine Infusion. Die Gabe von Cortison (als Inhalation oder systemisch) ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Die Gabe von Antibiotika ist nicht sinnvoll, solange keine zusätzliche bakterielle Infektion auftritt.

Eine Impfung gegen RSV gibt es bis heute nicht. Vielfache Versuche scheiterten. Es gibt jedoch eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern (Palivizumab – Handelsname: Synagis©). Diese blockieren das sog. F-Protein, so dass die Schädigung der bronchialen Epithelzellen verhindert wird. Diese Therapie steht für besondere Risikogruppen (u.a. Säuglinge, die als Frühgeborene zur Welt kamen; Kinder mit Herzfehlern) zur Verfügung und ist sehr wirkungsvoll.

Aktuell erschien im JACI in Practice, einem der beiden Zeitschriften der amerikanischen Allergologen und Immunologen (AAAAI) ein ergänzender Beitrag. In dieser Publikation von Eija Bergroth und Mitarbeitern aus Finnland und den USA zeigen sie auf, dass als Auslöser für die Bronchiolitis das Rhinovirus (RV; „Schnupfenvirus“) noch bedeutsamer sein könnte, als das RSV. In der Untersuchung von 349 Kindern waren es insbesondere diese Viren, ganz besonders RV-C, die eine frühe und lang andauernde Therapie mit Asthmamedikamenten erforderte. Kinder, die vom RSV betroffen waren, schnitten günstiger ab.

Ob nun die Rhinoviren oder RSV letztlich gefährlicher sind, muss in den nächsten Jahren in Studien weiter geklärt werden. Klar ist, dass es viele Viren gibt, die Menschen bedrohen können.

Was geht rum? 22. Februar 2020

Narri… Narro! Jetzt ist Fasnet im Südwesten. Die Narren sind unterwegs, gehen in die Besenwirtschaften oder ganz gesittet zu Faschingsbällen. Gute Gelegenheiten für die Viren, zu zeigen was sie können. Am Schluss bleibt aber unser Immunsystem meist der Sieger. Und nebenbei freuen sich unsere Abwehrzellen über ein bisschen Aktivität. In dieser Beziehung sind die Zellen wie Sportler, die es „einfach wissen wollen“. Im Zusammenhang mit dem Kontakt zu Erregern vermehren sie sich und mit ihnen die Stärke der Immunantworten.

Influenza in Baden-Württemberg (7. KW 2020) Quelle: influenza.rki.de

Alle Menschen bleiben natürlich nicht gesund. Das Angebot an Erregern ist im Moment hoch. Zu allererst natürlich die Influenza. Im Moment (18.Februar) sind insgesamt 19723 Menschen in ganz Deutschland daran erkrankt, davon alleine in Baden-Württemberg 10.902 Personen. In der Graphik links sind die am heftigsten betroffenen Gebiete rot gezeichnet (z.B. Bodenseekreis mit 160 neuen Meldungen in einer Woche). Beruhigend ist wenigstens, dass die Antigene der Impfung mit den Viren übereinstimmen, die die Influenza gerade auslösen. Die Impfung könnte also wirken.

Neben der Grippe, die Kinder und Jugendliche kräftig mit Schnupfen, trockenem Husten und schwerem Krankheitsgefühl plagt gibt es auch Atemwegsinfektionen mit anderen Viren, die weniger heftig sind. Dabei kommt es zu Schnupfen und Husten, teilweise aber auch zu Mittelohrentzündungen (die auch bei der Grippe auftreten kann). Einige Säuglinge erkranken auch an RS-Viren, was nicht selten eine stationäre Behandlung wegen Atemproblemen und Trinkstörungen nach sich zieht. Tendenziell scheinen die Infektionen aber langsam ihren Rückzug anzutreten.

Und dann kommt über das Wochenende wieder ein kleiner Hauch von Frühling. Darüber freuen sich die Narren im Ländle. Für die allergischen Kinder und Jugendlichen wird es aber schwierig. Es sind sehr hohe Konzentrationen bei den Hasel- und Erlenpollen, besonders am Bodensee und Oberrhein, zu erwarten. Kinder mit Allergien gegen diese Pollen sollten – ggf. in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt – auf Beschwerden an Nase, Augen und Bronchien vorbereitet sein.

Rückruf Emerade-Notfallspritze: Wichtig für Allergiker, die mit einem Adrenalin Notfall-Pen ausgestattet sind. Die Herstellerfirma gibt bekannt, dass sie die Produkte „Emerade 150/300/500 Mikro­gramm Injektionslösung in einem Fertigpen“ wegen eines Fehlers zurückzieht. Das betrifft alle Pens, die mit einem Verfallsdatum bis 10/2020 gekennzeichnet sind. Die Patienten sind gebeten, sich einen anderen Adrenalin-Injektor verordnen zu lassen und danach den Emerade© zurückzugeben. Am besten ist eine kurze Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt. Im Vordergrund steht die Sicherheit im allergischen Notfall geschützt zu sein.

Was geht in der Welt rum? Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben heute ferne Reiseziele im Auge. Dazu zählen bei manchen die Seychellen und bei sehr vielen Neuseeland. In diesen beiden Regionen breiten sich gerade die Masern aus. Gerade in Auckland wurden bereits 1735 Fälle registriert. Die meisten der Reisenden dürften zwei Impfungen (in der Regel sog. MMR-Impfungen) aufweisen. In diesem Fall ist der Impfschutz perfekt, wenngleich nicht 100%, was Impfungen nie erreichen können. Alle, die keine zwei Masern-Mumps- oder Masern-Mumps-Röteln-Impfungen aufweisen, sollten unbedingt vor Abreise nachgeimpft werden.

Die Daten zu Sars-CoV-2 („Coronavirus“) ändern sich täglich. Aktuelle Informationen können über das Bundesgesundheitsministerium oder ausführlicher das Robert-Koch-Institut bezogen werden.

Was geht rum? 09. März 2018

In der letzten Woche haben die Pollen nochmals deutlich zugelegt. Im Südwesten blieb der Haselpollenflug bedeutsam, während die Erlenpollen einen fulminanten Start mit sehr hohen Pollenzahlen hinlegten. Manche Kinder und Jugendliche sind dadurch sofort vom Infekt in die Allergie gerutscht. Für die kommenden Tage gilt: Keine Sorge, das Wetter soll wechselhafter werden und die Pollenallergiker können sich vorerst mal entspannt zurücklegen.

Die Grippewelle belästigt noch immer viele Menschen. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Neuerkrankungen gegenüber der letzten Februarwoche um knapp 10% auf nunmehr 2474 Neuerkrankungen zurückgegangen. Damit sind bislang in diesem Jahr etwa halb so viele Menschen an Influenza erkrankt wie noch im letzten Jahr. Für die Noroviren liegen die Neuerkrankungen mit zuletzt 478 Meldungen pro Woche weiterhin hoch. Rotavirusausbrüche werden aus 12 Kindertagesstätten gemeldet.

Während manche Regionen noch von der Influenza beherrscht werden, ist es in anderen Regionen das RS-Virus, was den Kindern zusetzt. Betroffen sind hiervon meist Kinder unter 2 Jahren und ganz besonders Säuglinge, die durch eine Entzündung der kleinsten Bronchien – Bronchiolitis – in eine heftige Atemnot geraten. Gerade in den ersten Lebensmonaten sind für Kinder oft stationäre Behandlungen erforderlich.

Was geht in der Welt rum? Das Hauptthema des praxisblättle sind in dieser Woche die Masern. Laut einer Veröffentlichung der UNICEF sind aktuell nicht nur Madagaskar, sondern auch Brasilien und die Philippinen betroffen. Dort sind in diesem Jahr 12736 Menschen betroffen mit einer Tödlichkeit von 1,6% (203 Todesfälle). Noch schlimmer trifft es gerade die Ukraine, wo im letzten Jahr 35120 Menschen erkrankten. Sogar aus den USA, bislang immer Vorreiter beim Bemühen, die Masern auszumerzen, melden einen Ausbruch mit 70 Erkrankungen im Clark County im Staate Washington. Es zeigt, wie bedeutsam die Impfung gegen Masern bei Reisen in die Welt ist. Insbesondere auch deshalb, weil diese Erkrankung eine enorme Ansteckung hat. Bereits nach kürzestem Kontakt werden Masern ausgelöst.

Was geht rum? 16. Februar 2019

Die Infektwelle geht weiter. Und sie wird weiterhin beherrscht von den Erkrankungen der Atemwege. Neben den unspezifischen Infekten treten weiterhin bei den Säuglingen gehäuft RSVirus-Infektionen auf. Im Kindergartenalter zeigt sich Krupphusten gehäuft. Die Influenza hingegen scheint sich auf dem Rückzug zu befinden. In manchen Regionen von Baden-Württemberg spielt sie aber noch eine bedeutsame Rolle.

In zwei Wochen ist Fasnet/Fasching. Selten im Jahr sind soviele Personen in den Häusern eng beieinander. Diese Zeit nutzen viele Viren, um den Menschen nochmal richtig zuzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass den Influenza- und RS-Viren bis dahin die Kraft für eine neue Welle ausgegangen ist.

Bei allem Husten und Schnupfen dürfen die MagenDarmInfektionen nicht vergessen werden. Sie sind noch immer sehr häufig. Während die Rotaviren sich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, liegt die Zahl der NorovirenInfektionen etwa 30% höher als letztes Jahr um diese Zeit.

Auch wenn das schöne Wetter der letzten Tage die ansteckenden Krankheiten nicht verjagen konnte, so tat es uns allen einfach gut. Leider auch den Pollen von Erle und Hasel, die die ersten Strahlen als Wachstumssignal verstanden haben und sich auf den Weg in die Lüfte machten. Sie werden an diesem Wochenende einigen allergischen Menschen zusetzen.

Was geht in der Welt rum? Manche Erkrankungen beschränken sich auf gewisse Länder. Es dürfte wohl mehr an der zunehmenden Reisefreudigkeit der Menschen als am Klimawandel liegen, dass diese virtuellen Begrenzungen für Erreger im Schwinden sind. Das Dengue-Fieber ist das deutlichste Beispiel (siehe das Was-geht-rum der letzten Woche). Aber auch Gelbfieber zeigt diese Tendenz. Zuletzt in Brasilien, wo seit Dezember letzten Jahres 36 Erkrankungen bestätigt wurden mit bislang acht Todesfällen. Die meisten Infektionen traten im Süden des Bundesstaates São Paolo auf. Gelbfieber hat im Gegensatz zur „Gelbsucht“ – die besser als Hepatitis bezeichnet werden sollte – eine enorme Gefährlichkeit. Bei Reisen in den Süden Brasiliens sollte vorher mit einem reisemedizinisch versierten Arzt die Frage einer Impfung gegen diese Erkrankung geklärt werden. Wer bereits schon mal gegen Gelbfieber geimpft wurde, ist auf der sicheren Seite: eine Impfung schützt.

Was geht rum? 02. Februar 2019

Manche Eltern würden rufen: „Pass auf, dass Du nicht krank wirst….“. Aber Vögeln ist das schnuppe. Sie spüren vermutlich ohnehin nichts, weil die Natur vorgesorgt hat. Es bleibt ohnehin genug Arbeit, um sich über den Winter zu bringen.

Abbildung 1. Louis Pasteur. Foto: www.thefamousbirthdays.com

Auch Menschen bekommen nur in seltenen Fällen den letzten Schubs, um infolge der Kälte krank zu werden. Infektionen kommen – das haben uns bereits Robert Koch und Louis Pasteur vor über 140 Jahren bewiesen – über Viren und Bakterien in unseren Körper. Diese werden meist durch enge Kontakte direkt oder indirekt über Nutzung von beispielsweise Türklinken weitergereicht. Wochenlang ist fast nichts passiert, aber jetzt geht die Grippewelle weiter. Bleibt zu hoffen, dass die Impfung in diesem Jahr gut komponiert war und somit hilfreich sein wird. Ansonsten sind unsere Mittel, die schlimme Influenza abzuwehren sehr begrenzt.

 

Abbildung 2. Zahl der gemeldeten Erkrankungen an Influenza (mehrere Nachweismethoden). Foto: AG Influenza

Welche Bedeutung die Influenza momentan in Baden-Württemberg hat, wird aus der An zahl der positiven Nachweise ersichtlich. Diese Daten wurden  in der letzten Januarwoche erhoben. Es zeigt sich bereits ein kleiner Rückgang der gemeldeten Grippe-Erkrankungen. Dieser Trend scheint sich weiter fortzusetzen. Ja, die Influenza ist im Lande. Aber nein, sie spielt keine so große Rolle, wie beispielsweise vor einem Jahr.

Abbildung 3. Zahl der RS-Virusnachweise in Baden-Württemberg je Kalenderwoche. Foto: AG Influenza

Was spürbar häufiger wurde, ist die Zahl der Infektionen mit RS-Virus (RSV). Diese Infektion, deren Zunahme wir an dieser Stelle schon vor 3 Wochen erwähnten, betrifft besonders Säuglinge und Kleinkinder. Die neuen Zahlen für Baden-Württemberg sind eindeutig, obwohl sie in absoluten Zahlen deutlich geringer sind als bei der Influenza. Nach RSV wird auch nur bei Kindern im ersten oder zweiten Lebensjahr geschaut. Das RS-Virus führt oft zur Verengung der kleinsten Bronchien (Bronchiolitis) und zeigt sich gegen Therapien sehr hartnäckig. Da es sich um ein Virus handelt, sind Antibiotika nicht sinnvoll. Manchmal sind jedoch stationäre Behandlungen erforderlich, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

Trotz allem sind die Mehrzahl der auftretenden Krankheiten keine Influenza. Zum Glück. So gibt es schon seit Wochen Magen-Darm-Infektionen, beginnend mit kurzzeitigem Erbrechen mit nachfolgendem Durchfall. Schwere Verläufe treten hier kaum auf.

Was geht in der Welt rum? In Malaysia sind seit Mitte 2017 inzwischen 17 Menschen an der Tollwut (siehe auch den Beitrag im praxisblättle von Angang der Woche) verstorben. Bei mindestens 10 Menschen wurde als Ursache ein Hundebiss bestätigt. Die Gesundheitsbehörden gaben bekannt, dass bei 66 Hunden und einer Katze eine Infektion festgestellt werden konnte. Es wird vermutet, dass die Infektion durch streunende Hunde aus Indonesien eingeschleppt wurde. Dort gibt es landesweit seit Jahren viele Tollwuterkrankungen, auch auf der Touristeninsel Bali.

Was geht rum? 05. Januar 2019

Langsam weichen die langen Nächte. Die Kälte eher nicht. Wir bleiben also noch einige Wochen eng zusammen in unseren Wohnungen. Oder – wie die Schüler – in gut beheizten Schulen. Alles Orte, um gegenseitig Viren auszutauschen, die unserem Immunsystem neue Impulse geben. Oder, die uns krankmachen.

So in der vergangenen Woche. Es hat den Anschein, dass Atemwegsinfektionen bedingt durch RS-Viren (respiratory syncytial virus, RSV) langsam zunehmen. Infekte mit diesem Erreger können für Säuglinge und Kleinkinder sehr heftig verlaufen. Das Fieber ist eher nicht sehr hoch (38.5° bis 39.5° Celsius). Typischerweise tritt aber eine Bronchitis der kleinen Atemwege – deswegen Bronchiolitis genannt – auf, wodurch die Atmung erschwert wird. Nicht so selten kommt es hierbei zur Trinkschwäche. Spätestens dann sollte das Kind einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden um zu entscheiden, ob eine Behandlung in der Klinik erforderlich ist. Meist ist in dieser Situation auch die Versorgung mit Sauerstoff erschwert.

Bei den anderen – eher harmlosen – Atemwegsinfektionen (Schnupfen, Rachenentzündung) treten manchmal auch Entzündungen der Bindehäute auf. Mittelohrentzündungen sind saisonal wieder häufiger.

Was geht in der Welt rum? Ausbrüche von Keuchhusten werden aus Australien gemeldet. Dort sind mehrere Regionen betroffen: New South Wales, wo im Oktober 2018 etwa 800 Personen erkrankten. Ein Säugling – gerade einmal 32 Tage alt – verstarb an Keuchhusten. Keuchhusten ist gerade für Säuglinge extrem gefährlich. Geschützt sind sie bis zur erfolgreichen Umsetzung einer Impfung nur dann, wenn alle Personen in der engeren Umgebung selbst sicher geschützt sind. Sei es, dass sie Keuchhusten in den 2 – 3 Jahrzehnten zuvor selbst durchgemacht haben oder, dass sie zumindest alle 10 Jahre dagegen geimpft werden.