Schlagwort: Säugling

Hühnerei-Allergie und Ekzem beim Säugling

Nahrungsmittelallergien scheinen an Bedeutung zuzunehmen. Sie schränken einerseits die Lebensqualität ein und können für die Betroffenen auch lebensgefährlich sein.

Zu den häufigsten Allergien in den ersten beiden Lebensjahren gehört die Allergie gegen Hühnerei. Die europäische EuroPrevall-Studie untersuchte eine Gruppe von 12.049 Kindern ab Geburt, die in Bezug auf Allergien beobachtet wurde. Kürzlich erschien im The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice zum Thema Hühnereiallergie eine Studie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kirsten Beyer von der Charité in Berlin. Auf der Basis von 86 Kindern aus der EuroPrevall-Studie mit gesicherter Eiallergie konnten sie zeigen, dass das Ekzem (Neurodermitis) eng mit dem Risiko einer Hühnereiallergie verknüpft ist.

Interessant ist, dass bei nachgewiesener Ei-Allergie das Ekzem im Schnitt 3,6 Monate zuvor begonnen hatte. Interessant ist ebenso, dass das Ekzem rasch an Schwere zugenommen hatte. Bei besonders starker Neurodermitis (SCORAD über 15) lag die Wahrscheinlichkeit für eine Eiallergie bei über 25%. Der Zeitpunkt, wann Ei erstmals zugefüttert worden war hatte jedoch keinen Einfluss. Es scheint also einen Zusammenhang von Ekzem und Kontakt zu Ei zu bestehen.

Weitere Risikofaktoren für eine Hühnerei-Allergie waren eine Antibiotikagabe in der ersten Lebenswoche und ein bestehender Schnupfen.

In einer Anschluss-Studie soll nun untersucht werden, ob ggf. gezielte Hautpflege und frühes Zufüttern von Ei günstig sein könnten. Diese Daten müssen abgewartet werden, bevor Empfehlungen ausgesprochen werden.

Unsere Einschätzung: Bei schwerem, rasch aufgetretenem Ekzem scheint es ratsam, mit einer/m allergologisch versierter/m Kinderärztin/arzt Kontakt aufzunehmen, um eine Allergie gegen Hühnerei auszuschließen.

Hirnhautentzündungen bei Kindern. Welche Impfungen helfen?

Hirnhautentzündungen sind ein Schrecken. Besonders wenn es Kinder trifft, die aus völliger Gesundheit plötzlich schwer krank werden.

Die Hirnhaut heißt in der Sprache der Mediziner meninx (Haut) encephali (Gehirn). Deswegen sprechen Ärzte von der Meningitis, wenn es um eine Entzündung („itis“) der Hirnhaut geht. Diese kann durch Hunderte verschiedener Ursachen entzündet sein, wie

  • Bakterien: HiB (Haemophilus influenzae B), Borrelien (durch Zecken übertragen) und viele mehr
  • Viren: FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis, durch Zecken übertragen), Masern, Windpocken und weitere
  • Parasiten wie Würmer
  • nicht-infektiös – beispielsweise durch Medikamente

Viele Ursachen bedeutet auch: nur viele verschiedene Therapien helfen. Es kann also auch vorbeugend keine „Impfung gegen Hirnhautentzündung“ geben, sondern immer nur die Impfung gegen einen bestimmten Erreger. Nach Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B vor fast 30 Jahren folgten weitere (besonders gegen Pneumokokken und Meningokokken-C), die zu einem erheblichen Rückgang von bakteriellen Entzündungen der Hirnhäute führten.

Altersverteilung der Erkrankungen an Meningokokken-Meningitis Quelle: RKI

Besonders schlimme Infektionen bis heute sind noch immer die invasiven Meningokokken-Meningitiden. Die Tödlichkeit dieser Infektion ist gerade für Säuglinge sehr hoch. Traten im Jahre 2001 noch 781 dieser Infektionen auf, ging die Zahl bis im Jahre 2019 in Deutschland auf 295 zurück. Dieser Effekt geht auch auf Impfungen (gegen Meningokokken Typ-C) zurück. Die meisten schweren Meningitis-Erkrankungen (invasiv) werden heute durch Meningokokken des Typs B (58.6%) verursacht und betreffen vorwiegend Säuglinge.

Nun gibt es hierfür seit einigen Jahren eine Impfung (4CMenB – Handelsname Bexero©), die bis heute jedoch noch nicht von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfohlen und somit keine Standardimpfung in Deutschland ist. Eine Studie aus England um den Forscher Shamez N. Ladhani hat nun herausgefunden, dass die Impfung gegen die Meningokokken Typ B bei Säuglingen dazu führt, dass die Zahl der erwarteten Infektionen um 75% zurückgeht, wenn die Impfquote entsprechend hoch ist. Das ist in England, wo diese Impfung seit Jahren staatlich empfohlen ist, der Fall. Dort sind 92.5% aller Kinder im ersten Lebensjahr gegen 4CMenB geimpft. Die Wirksamkeit der Impfung beginnt bereits mit der ersten Injektion und steigt mit den folgenden Nachimpfungen weiter an.

Impfempfehlungen gibt die STIKO unter Beachtung vieler Kriterien. Dazu gehört auch, ob eine Impfung von den Eltern angenommen wird oder nicht. Die Einstellung zu Impfungen hat sich mutmaßlich durch das Corona-Virus geändert. Mal sehen, ob sich in Folge dessen auch die STIKO zu einer Empfehlung hinwenden wird. Ende August wissen wir mehr. Dann kommen die neuen jährlichen Empfehlungen.

Säuglingstod im Auto-Kindersitz

Der plötzliche Kindstod scheint auch im Zusammenhang mit Auto-Kindersitzen häufiger vorzukommen. Deswegen haben sich die Forscher Peter LiawRachel Y. MoonAutumn Han and Jeffrey D. Colvin aus Kansas City in einer Studie mit dieser Frage befasst.

Sie untersuchten über den Zeitraum von 2004 bis 2014 genau 11.729 schlafbezogene Todesfälle bei Säuglingen. Es zeigte sich, dass 348 (3.0%) der Todesfälle in einem Kindersitz auftraten, allermeist (62.9%) in einem Autokindersitz. Interessant ist, dass aber weniger als 10% dieser Todesfälle im Rahmen einer Autofahrt vorkamen. Über die Hälfte der Todesfälle im Auto-Kindersitz (51.6%) traten zuhause auf. Somit raten die Autoren, den Autokindersitz nur während der Autofahrt zu benutzen und nicht zuhause einzusetzen.

Nebenbei stellte sich heraus, dass die Todesfälle häufiger auftraten bei „health care provider“ (was man ungefähr als „medizinische Fachkräfte“ umschrieben könnte) – fast 2.8 mal so oft. Auch bei Kindern im Autositz, die von Babysittern beaufsichtigt wurden, war die Todesrate doppelt so hoch. Warum, das konnten die Autoren nicht abschließend klären.

Also, der Kinder-Autositz ist sinnvoll. Aber nur bei der Fahrt im Auto.

Welches Risiko haben Säuglinge an Masern zu erkranken?

Kinder in Deutschland werden gemäß dem aktuellen Impfplan der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) im Alter von 11 bis 14 Monaten erstmals gegen die Masern geimpft. Der Zeitpunkt ist so gewählt, weil man davon ausgeht, dass Kinder zuvor über mütterliche Abwehrstoffe (Antikörper) vor Masern geschützt seien. Diese werden während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen. Aber reicht die Wirkung der mütterlichen Antikörper tatsächlich bis zur geplanten Impfung?

Eine Studie aus Kanada lässt nun Zweifel aufkommen. Die Forschergruppe um Michelle Science aus Toronto untersuchte die schützenden Antikörper gegen Masern bei Säuglingen. Bei den knapp 200 untersuchten Säuglingen fand sie, dass im Alter von 1 Monat 80% von aller Säuglinge einen sicheren Schutz vor Masern hatten. Im Alter von 3 Monaten waren es nur noch 8%, während mit 6 Monaten kein Säugling mehr über einen ausreichenden Schutz gegen Masern verfügte. Damit steht zu befürchten, dass Säuglinge über viele Monate vor der ersten Impfung nicht vor Masern geschützt sind.

Die untersuchte Gruppe von Säuglingen ist mit 196 Säuglingen klein. Aber das Ergebnis muss uns wachsam machen. Bisher dachten wir, dass Kinder bis zur ersten Masernimpfung in den meisten Fällen gut geschützt seien. Das sind sie vermutlich nicht. Das sollten alle Eltern wissen, in deren Umgebung ein Masernausbruch auftritt. Und das sollte auch bei Reisen in ferne Länder beachtet werden.

Vegetarische Ernährung: Was muss im Kindesalter beachtet werden?

Für die Großelterngeneration war das tägliche Stück Fleisch auf dem Teller Ausdruck von Luxus. Später wurde es zur Gewohnheit. In den letzten Jahren wird es zunehmend in Frage gestellt, nachdem verschiedene Studien den Einfluss von Nahrung auf die Gesundheit beschrieben haben.

Spezielle Ernährungsformen sind zuletzt immer bedeutender geworden. Das hat nicht nur Auswirkungen für die Menschen, die das für sich selbst umsetzen. Davon betroffen sind auch Menschen im näheren Umkreis, wie der Familie. Ob ein Erwachsener entscheidet sich vegan zu ernähren oder ob ein Kind vegan ernährt wird sind zwei komplett unterschiedliche Themen. Gut also, dass sich Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin gemeldet haben und sich wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Man geht davon aus, dass sich in Deutschland zur Zeit etwa 10% rein vegetarisch und etwa 1% der Menschen vegan ernähren.

Kritische Nährstoffe nach Kersting et al, 2018. Foto: Monatsschrift Kinderheilkunde

In der neuesten Ausgabe der Monatsschrift für Kinderheilkunde setzen sich Hermann Kalhoff, Thomas Lücke und Prof. Dr. Mathilde Kersting aus dem Forschungsdepartment Kinderernährung in Bochum mit dieser Frage auseinander. Sie weisen darauf hin, welche „kritischen Nährstoffe“ bei bestimmten Diäten in verminderter Form auftreten können. Das hat für einen Organismus im Wachstum enorme Bedeutung. Im Detail können Sie sich hier schlau machen.

Insgesamt kommen die Autoren zum Schluss, dass „überzeugende Argumente für gesundheitliche Vorteile vegetarischer Kostformen gegenüber den bewährten Standards der Ernährung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen…. bisher fehlen“. Sie empfehlen „je nach Strenge der Diät, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen“ und Beratung, um keine Risiken für die Entwicklung der Säuglinge, Kinder und Jugendlichen einzugehen.

Verstopfung beim Säugling

„Mein Baby schreit und kann nicht mehr“. Wenn Säuglinge in der Praxis des Kinder- und Jugendarztes vorgestellt werden deutet dieser Satz schon auf eine Verstopfung hin. Das Kind ist von Krämpfen geplagt und mit ihm seine Eltern.

Von chronischer Verstopfung (medizinisch: Obstipation) sprechen Ärzte, wenn es sich um Beschwerden handelt, die länger als 2 Wochen anhalten. Häufig handelt es sich dabei um eine funktionelle Obstipation. Bei dieser besteht keine organische Auffälligkeit. Vielmehr versucht das Kind aus Angst vor einem schmerzhaften Stuhlgang diesen zu vermeiden. In der Folge staut sich der Stuhlgang im Enddarm. Dadurch wird jedoch das Problem mit dem Schmerz immer grösser. Auslöser für diesen Teufelskreis sind im Säuglingsalter manchmal kleine Einrisse am After oder aber Nahrungsumstellungen, in deren Folge sich die Stuhlkonsistenz ändern kann.

Eine Verstopfung des Säuglings sollte immer eine Untersuchung bei der Kinderärztin/ dem Kinderarzt nach sich ziehen. Nur diese/r kann klären, ob eine organische Ursache in Frage kommt. Hinweise hierfür können beispielsweise Gedeihstörungen oder auch Blutauflagerungen sein. Diese liegen jedoch ausgesprochen selten vor.

In den weitaus meisten Fällen besteht – medizinisch gesehen – kein gravierendes Problem. Es geht dann darum, den Säugling von den starken Schmerzen schnell und möglichst schonend zu befreien: Abführmaßnahmen (medizinisch: Desimpaktion). Um den gestressten Säugling nicht weiter zu belasten, verzichtet man meistens auf die Gabe von Zäpfchen, wie man sie früher in diesen Situationen gerne eingesetzt hat. Heute behandelt die Säuglinge oft oral (also über Arzneien, die als Saft/Lösung gegeben werden können). Hierzu bietet sich Makrogol 400 an, das für Säuglinge ab 6 Monaten als Laxbene© junior im Handel erhältlich ist. Die Dosierung sollte je nach Situation mit der Kinderärztin/ dem Kinderarzt abgesprochen werden.

Weitere Maßnahmen erfolgen meist parallel: Pflege des Anus (zumeist: weniger cremen), Anpassung der Nahrung und Getränke. Alle diese Umstellungen müssen meist für viele Wochen oder Monate beibehalten werden, bis sich die zuvor bestehenden Probleme zurückgebildet haben. So ist es wichtig, dass der deutlich erweiterte Enddarm wieder seine normal Größe hat, bevor man die Medikamente absetzt. Andernfalls wird die Obstipation häufig zur Achterbahnfahrt, die für Kinder sehr unangenehm und für deren Gesundheit nicht förderlich ist. Gedult ist gefragt – gerade dann, wenn alle Schwierigkeiten gelöst erscheinen.

Hitzewelle – was können Eltern für ihre Kinder tun?

Die Meteorologen sagen für heute extrem heiße Temperaturen für den Südwesten voraus. Möglicherweise wird es neue Hitzerekorde geben, vermutlich in der Region Mannheim. Dost wurden um 11 Uhr schon 31.4° Celsius gemessen. Aber was bedeutet das ganz praktisch für unsere Kinder?

Schutz vor Hitze

Das wichtigste heute ist der Schutz vor Hitze. Wenn die Umgebungstemperatur sich der Körpertemperatur von 37° Celsius nähert, fällt es dem Körper zunehmend schwer, nicht zu überhitzen.

  • In der Zeit von 10 Uhr bis 15 Uhr sollten Kinder sich vorwiegend im Schatten aufhalten.
  • Leichte Kleidung. Am besten locker sitzend und eher hell.Wer sich vor Insekten fürchtet, trägt am besten weiß. 
  • Aktive Kinder, die auch bei Hitze gerne rumtoben, werden auch eine Dusche mit dem Gartenschlauch genießen. Das macht Spaß und senkt die Körpertemperatur.
  • Aktiver Sport ist nur in den frühen Morgenstunden oder spät abends (nach 19 Uhr)  sinnvoll. Ansonsten stellt er eine erhebliche zusätzliche Belastung für den Körper dar.
  • Parallel zur Sonneneinstrahlung nimmt die Konzentration an Ozon wieder zu. Ozon ist ein Reizgas, das besonders bei Sport die Bronchien massiv reizen und bei hierfür empfindlichen Kindern und Jugendlichen Asthma bronchiale auslösen kann. Nebenbei führt es auch zu Reizungen der Bindehäute.
  • Ein Planschbecken im Garten aufstellen oder gleich ins Schwimmbad gehen. Auch dort ist der Sonnenschutz wichtig. Auch im Wasser. Die UV-Strahlung erreicht locker den ganzen Körper, auch wenn Kinder schwimmen!

ausreichend Flüssigkeit

Um der Überhitzung entgegenzuwirken können (und müssen) wir Menschen schwitzen. Diese Fähigkeit ist bei Kindern spürbar weniger ausgeprägt und bei Säuglingen ganz besonders gering. Wir dürfen also nicht von unseren eigenen Empfindungen ausgehen, sondern müssen uns auf die Säuglinge und Kleinkinder einstellen.

  • Immer wieder Flüssigkeiten anbieten.Kühle Flüssigkeit senkt nebenbei die Körpertemperatur. Und ein feines Speiseeis besteht auch zu fast 100% aus Wasser. 
  • Für Säuglinge: Die Muttermilch passt sich den Umweltbedingungen ohne unser Zutun an. Flaschenmilch sollte etwas dünner (Wasseranteil um 10% steigern) angemacht werden

Sonnenschutz

Im Moment haben wir die stärkste Sonneneinstrahlung des Jahres.Kinder und Jugendliche müssen gut geschützt werden, da sie der Sonne besonders lange ausgesetzt sind.

  • Schatten ist weiterhin der beste Schutz. Dies ist besonders wichtig zwischen 10 Uhr und 15 Uhr. Säuglinge sollten in dieser Zeit eher im Haus bleiben oder an einer besonders gut geschützten Ecke in der Natur.
  • Im Freien sollten Kinder immer eine Schildmütze tragen. Damit wird auch die Überhitzung des Gehirns („Hitzestich“) weitgehend vermieden.
  • Die Nachmittage und Abende sind lang. Wenn nach 15 Uhr draußen gespielt wird, ist eine Sonnencreme im Moment sinnvoll. Der Lichtschutzfaktor 30 genügt. Die Sonnencreme muss eher dick aufgetragen werden.
  • Auch im Wasser den Sonnenschutz sicherstellen. Die UV-Strahlung erreicht in 1 Meter Tiefe noch über 80% ihrer Stärke. Sinnvoll ist also ein T-Shirt oder ein anderes Bekleidungsstück, um den Oberkörper mit Schultern zu schützen.

Gefahr beim Grillen

Bei sommerlichem Wetter wird gerne gegrillt. Damit bestehen Risiken für Verbrennungen, wenn Kinder unbedacht in die Nähe des Grills kommen oder der Wind Funken in die Umgebung trägt. Am brennenden Grill sollte immer ein Erwachsener stehen, um schnell reagieren zu können.

Was noch wichtig ist

Es gibt noch viele andere Dinge, die an solchen Tagen günstig sind.

  • ganz effektiv: früh morgens und am späten Abend das Haus durchlüften. Danach die Rollläden an den sonnenbeschienenen Seiten schließen, um die erreichte Frische möglichst lange zu halten
  • Zum Mittagessen leichte kühle Kost. Ein gekühlter Pudding mit Erdbeeren kommt bei den meisten Kindern an. Man braucht nicht täglich eine warme Mahlzeit.
  • Kinder lieben süße Speisen. Und Wespen auch. 
  • Zecken lieben die Wärme auch. Abends sollte der Körper auf die Plagegeister untersucht werden.

Mein Baby ist Po-Rutscher – ist das normal?

Nach der Geburt wird die Entwicklung des Kindes von den meisten Eltern sehr intensiv und mit Freude verfolgt: Das erste Lächeln, das erste gezielte Greifen – all das sind ganz besondere Momente.

Es bleibt nicht aus, dass der Stolz über den erreichten Entwicklungsstand mit den Freunden und Freundinnen ausgetauscht wird: „Krabbelt Deine Tochter auch schon?“. Ups, nein. Natürlich machen das nicht alle Babies am gleichen Tag nach der Geburt. Und schon bekommen einige Eltern eine Sorgenfalte. „Ist mit meinem Kind vielleicht etwas nicht in Ordnung?“

Kinderärzte sehen in ihrem Berufsleben tausende von Babies und können den Stand der Entwicklung spontan für bestimmt 99% aller Kinder schnell beurteilen. Bei großer Sorge und wenn die eigene Familie auf die Frage einer normalen Entwicklung nicht weiterhelfen kann, reicht ein einfacher Anruf beim Kinder- und Jugendarztum Klarheit zu bekommen. Meist ist es ohnehin so, dass dieser durch die häufigen Vorsorgeuntersuchungen im ersten Lebensjahr ohnehin bestens über die Entwicklung orientiert ist.

So fällt Kinderärzten der „shuffler“ (to shuffle, englisch: schlürfen) – siehe das Bild – sofort auf. Denn er ist nicht gar so selten (1 auf 7 Kinder), aber für die Eltern oft ein Grund zur Besorgnis. Denn shuffler krabbeln nicht, sondern bewegen sich rutschend auf ihrem Hinterteil durch die Wohnung. Oft sind es eher behäbige Kinder, die auch die – anstrengendere – Bauchlage nicht mochten. Sie gehen also den Weg ihrer Entwicklung so, dass sie sich zunächst aus der Rückenlage in eine Art Schneidersitz begeben. So erreichen sie mit Schwung alles was ihnen wichtig ist. Dieses Video zeigt einen typischen shuffler. Später ziehen sie sich an Gegenständen hoch und kommen auf diesem Weg zum Laufen. Nicht selten entdecken sie im weiteren Verlauf irgendwann auch das Krabbeln. Aber das interessiert dann oft niemanden mehr.

In jedem Fall ist der „shuffler“ eine normale Variante der sehr variablen Entwicklung. Es ist keinerlei Eingriff von außen erforderlich. Der „shuffler“ entwickelt sich ganz normal. Im Anfang nur etwas anders.

Vitamin D ersetzt die Sonne nicht!

Die Rolle und Bedeutung des Vitamin D ist seit vielen Jahren eines der Top-Themen in der medizinischen Wissenschaft. Dabei kommt es aber in den Medien häufig zu Vereinfachungen. Engagierte Laien und Mediziner bringen manche Krankheiten mit zu niedrigen Vitamin-D-Blutspiegeln in Beziehung und schlagen dann vor: Nehmt Vitamin D. Aber ist das gerechtfertigt oder gar sinnvoll?

Vitamin D wurde lange Zeit nur als bedeutsames Hormon im Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel gesehen. Inzwischen ist klar, dass seine Rolle ungleich umfangreicher ist. Diese umfasst auch Krebserkrankungen (relativ gute Daten zum Dickdarm-Krebs), Diabetes mellitus und die Schwangerschaft. Ganz besonders diskutiert wird aber der Zusammenhang von niedrigem Vitamin-D-Spiegeln mit Autoimmunerkrankungen und Infektionen. Die Studienlage ist jedoch so uneinheitlich, dass sich bislang in dieser Frage kein anerkannter Wissenschaftler für die generelle Einnahme von Vitamin D ausspricht.

Eine australische Studie hat sich kürzlich der Überlegung gewidmet, ob Vitamin-D-Gabe oder Sonnenlicht günstig sei, um Neurodermitis (atopisches Ekzem) im Säuglingsalter zu verhindern. Dazu wurden von den Wissenschaftlern um Kristina Rueter und Mitarbeitern aus Australien insgesamt 195 Kinder ab Geburt für 6 Monate untersucht. Dabei erhielt die Hälfte der Kinder 400 µg Vitamin D täglich (ähnlich wie bei uns in Deutschland), die andere Hälfte bekam ein Placebo. Darüber hinaus wurde bei einigen Kindern mit einem UV-Dosimeter die tägliche Dosis an UV-Licht der Sonne gemessen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass bei Kindern mit Neurodermitis die UV-Dosis im Mittel von 555 J/m2 deutlich geringer war als bei Kindern, die während der Studie keine Neurodermitis entwickelt hatten (998 J/m2). Fast noch interessanter ist, dass die Vitamin-D-Spiegel erwartungsgemäß in der Placebo-Gruppe niedrig und in der anderen hoch waren. Dies hatte aber keinerlei Einfluss auf die Neurodermitis.

Abbildung 1. Was spricht für, was spricht gegen Sonnenlicht als therapeutischer Faktor. Foto: JACI, Yoshiaki Matsushima et al.

In ihrem Editorial kamen die Autoren um Yoshiaki Matsushima aus Japan zum Schluss: Vitamin D kann die Sonne nicht ersetzen. Dabei bleiben auch viele Fragen offen. Diese haben sie in einer Graphik (siehe Abbildung 1, in Englisch) dargestellt.

Die Vitamin-D-Geschichte geht also weiter. Und es bleibt dabei: Außer für Säuglinge bis zum 2. Geburtstag gibt es nur in Ausnahmefällen Gründe, zusätzliches Vitamin D einzunehmen.

Es gibt nun aber einen ersten wissenschaftlicher Hinweis, dass Spaziergänge mit dem Säugling günstig sein könnten bei der Vermeidung von Neurodermitis. Und vermutlich nicht nur das.

Stillen schützt vor Husten im Erwachsenenalter

Säuglinge zu stillen hat viele günstige Effekte. Das wiederum ist eine Binsenweisheit, die durch zahllose Langzeitstudien belegt ist.

Neu ist hingegen, dass Stillen auch davor schützt, als Erwachsener zu husten. Dazu ist im letzten Jahr eine Studie erschienen, die sich auf Daten der legendären Tucson Children’s Respiratory Study stützt. Diese Studie untersuchte 1246 Kinder ab Geburt, die in den Jahren 1980 bis 1984 geborgen wurden auf Atemwegsprobleme. Diese Gruppe wurde in den folgenden Jahren nachuntersucht.

Die Forscher um Fernando D Martinez haben nun Daten von 786 Teilnehmern der Studie präsentiert, die im Alter von 22, 26 und 32 Jahren nachuntersucht werden konnten. Dabei fragten sie nach wiederkehrendem („recurrent“) Husten unabhängig von einem Infekt. Diese Informationen glichen sie mit den Daten zur Ernährung im frühen Säuglingsalter ab: von allen Teilnehmern wurden 19.2% komplett mit Flasche ernährt. Bei 49.6% wurde die das Stillen innerhalb der ersten vier Monate beendet, während 31.3% über die ersten 4 Monate voll gestillt wurden.

Abbildung 1. Zusammenhang zwischen wiederkehrendem Husten und Stillen. hellblau: Stillen < 1 Monat; Grau: Stillen zwischen 1-4 Monate; Blau: Stillen länger als 4 Monate. Foto: Gerhart KD et al., Thorax 2018

Beim Abgleich zeigt sich, dass ein Zusammenhang zwischen Stillen und wiederkehrendem Husten im Alter besteht: Je länger die Kinder gestillt wurden, umso weniger mussten sie drei Jahrzehnte später husten. Dies ist umso bemerkenswerter, weil die Daten unabhängig davon sind, ob die Teilnehmer oder ihre Eltern rauchten.

Die Bedeutung des Stillens ist lange bekannt und unbestritten. Die überwiegende Mehrheit der Mütter setzt dieses Wissen um und stillt die Kinder über vier Monate. Diese Studie kann in Einzelfällen noch eine kleine Motivationshilfe sein. Zeigt sie doch, dass Stillen unabhängig von den vielen anderen Vorteilen, wie der emotionalen Nähe zum Kind, die Gesundheit des Kindes langfristig günstig beeinflussen wird.