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Säuglinge können gestillt werden, auch wenn ihre Mütter an COVID-19 erkrankt sind

Dürfen Mütter, die mit dem SARS-CoV-2 Virus infiziert sind, ihr Baby stillen? Eine von vielen Fragen, die erst seit kurzem recht klar beantwortet werden kann. Ja, sie dürfen.

Dafür sprechen Daten, die gerade im angesehenen Fachjournal The Lancet erschienen sind. Die Autoren Christine M. Salvatore und Mitarbeiter haben dazu an den 3 Kliniken der New York Presbyterian Hospitals Mütter untersucht, die zwischen Ende März und Mitte Mai ihre Kinder zur Welt brachten. Von 1481 Gebärenden wurden 116 (8%) positiv auf das Coronavirus getestet. Von den 120 Kindern (auch Zwillinge) wurden am Tag nach der Geburt alle negativ auf das Virus getestet.

Allen Müttern wurde das Stillen erlaubt, sie sollten hierbei jedoch einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen und vorher und nachher die Hände desinfizieren. Von den Müttern, die nach einer Woche noch in der Klinik waren stillten noch 78%. Unter den 82 Kindern, die zu dieser Zeit noch in der Klinik waren konnten 79 (96%) nochmals auf das Coronavirus untersucht werden: alle negativ. Auch die 72 Kinder, die nach zwei Wochen nochmals getestet wurden, zeigten einen negatives Corona-Testergebnis. Alle Kinder hatten zu keiner Zeit Zeichen einer COVID-19.

Das Stillen selbst wird beim SARS-CoV-2 schon immer als unproblematisch angesehen. Für sehr viele Virus-Infektionen (nicht bei HIV: hier ist Stillen nur unter einer antiviralen Therapie möglich) ist nachgewiesen, dass sie nicht über die Muttermilch übertragen werden und zur Infektions des Kindes führen.

Fazit: Unter der Bedingung, dass die Coronavirus-infizierten Mütter beim Stillen einen MNS tragen und ihre Hände vor und nach dem Stillen desinfizieren, wurde nachweislich kein Neugeborenes angesteckt.

 

Vitamin D – Alles nur ein Hype?

Der Vitamin-D-Hype ist inzwischen am Abklingen. Eine gute Gelegenheit, den Stellenwert dieses Vitamins zu beleuchten. Versuchsweise ohne den Zeitgeist.

Vitamin D für Säuglinge

Unstrittig ist der Nutzen von Vitamin D für Säuglinge. Für Kinder von Geburt an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten ist eine ganzjährige Versorgung in unserer Klimazone auf natürliche Art nicht sichergestellt:

  • Zu schwache Sonnenstrahlung über lange Zeit des Jahres
  • Zu kleine Hautpartien sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt

Das Risiko, durch einen zu geringen Vitamin-D-Gehalt im Blut Wachstumsstörungen an den Knochen (Rachitis) mit Wirbelsäulenverkrümmungen zu erleiden oder gar Verkrampfungen der Muskulatur (Tetanie – nicht zu verwechseln mit der Infektionskrankheit Tetanus) kann nur durch die regelmäßige orale Gabe von Vitamin D (medizinisch: 1,25 [OH] 2D3 –  Calcitriol) sichergestellt werden. Empfohlen ist eine Ergänzung der Nahrung um 400 bis 500 IE Vitamin D3 pro Tag. Diese kann als kleine Tablette oder auch in Tropfenform erfolgen.

Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr?

Für Kinder nach dem ersten Lebensjahr liegt die angestrebte Aufnahme von Vitamin D bei 600-800 IE am Tag. Wie kann sie erreicht werden? Dazu gibt eine gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit folgenden Empfehlungen (zu den Details der Stellungnahme).

  • Regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Ein Aufenthalt von 5-30 Minuten in der Sonne in den Monaten April bis September (10 bis 15 Uhr) bei unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ist ausreichend.
  • Regelmäßiger Verzehr von Vitamin-D-reichen Fischsorten (z.B. Hering, Lachs) ein- bis zweimal pro Woche. Das ist nebenbei oft auch für die Jodversorgung günstig.

Seit Jahren weisen Daten darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D in mancher Hinsicht günstig sein könnte. So soll das Risiko von Infektionen durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D gesenkt werden. Diese Effekte sind bis heute aber nicht zweifelsfrei belegt. Von einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin D wird deswegen bei gesunden Kindern und Jugendlichen weiterhin abgeraten.

Gleiches gilt auch für die ungezielte Bestimmung von Vitamin D – Konzentrationen im Blut. Das spiegelt sich auch wider in den unterschiedlichen Normbereichen für diesen Laborwert. Gemäß manchen „Normwerten“ wären über 90% der Bevölkerung vom Vitamin D-Mangel betroffen. Auf dieser pseudowissenschaftlichen Linie bewegen sich viele Scharlatane: sie geben sich „wissenschaftlich“ mit den Vitamin-D-Werten und ziehen Schlüsse, die ihnen persönlich (Verkauf von Produkten im Zusammenhang von Vitamin-D) sicher helfen, dem Patienten mutmaßlich aber nicht.

Die Forschung hat die vielfältige Bedeutung des Vitamin D in den letzten Jahren besser verstehen gelernt. Wenn einzelne Studien positive oder negative Effekte beispielsweise hinsichtlich der Infektionshäufigkeit zeigen, so ist jedoch damit kein ausreichender Beweis für eine allgemeine Empfehlung erbracht. Vermutlich wird nach einer gewissen Zeit – ähnlich wie beim Hype mit Vitamin E – Ruhe einkehren und der Stellenwert des Vitamin D weniger aufgeregt diskutiert werden. Wir müssen also noch etwas warten.