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Keuchhustenimpfung für Schwangere

Pharmakonzerne versuchen in den letzten Monaten mit Halbwahrheiten, Investoren zu bewegen bei Ihnen zu einzusteigen. Da tut es gut, wenn ein Philosoph wie Peter Sloterdijk – geboren in Karlsruhe – eine klare Aussage trifft:  «Man wird mehr und mehr verstehen, dass Immunität keine Privatsache ist

Als Leser des praxisblättle wissen Sie, dass Erreger wie Bakterien und Viren unterschiedlich agieren. Auch in Fragen der Immunität muss – bei allen Gemeinsamkeiten – das Verhalten des Erregers individuell betrachtet werden. So wäre es beispielsweise möglich, die Masern durch konsequente Impfungen weltweit auszurotten. Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde in Deutschland das Masernschutzgesetz eingesetzt.

Anders ist das beim Keuchhusten. Mit ihm müssen wir bis zu einem gewissen Grad leben. Die Impfungen von heute können diese Krankheit sehr gut eingrenzen, aber nicht verhindern.Eine offene Flanke ist das Ansteckungsrisiko für die jungen Säuglinge. Sie haben die höchste Rate an Neuerkrankungen (Inzidenz) mit 50 von 100.000 Säuglingen. Am allermeisten sind Säuglinge im 2. – 4. Monat betroffen. Das macht deutlich, dass für viele der Nestschutz nicht ausreichend ist. Sie bekommen also mit der Geburt zu wenig schützende Antikörper, um in den ersten Monaten des Lebens dem Keuchhusten etwas entgegensetzen zu können.

Unter dieser Überlegung ist neuerdings auch in Deutschland – wie schon in anderen Ländern – eine Keuchhusten-Impfung für Schwangere vorgesehen. Diese sollte zu Beginn des letzten Drittels (3. Trimenon) der Schwangerschaft erfolgen, bei hoher Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt früher. Als Impfstoff soll ein Tdap-Kombinationsimpfstoff (Covaxis©, Repevax©, Boostrix©, Boostrix-Polio©) angewendet werden (Einzelimpfstoffe gegen Keuchhusten sind nicht verfügbar). Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu den Vorimpfungen und in jeder Schwangerschaft erneut durchgeführt werden. Das Ziel ist, ausreichend mütterliche Antikörper aufzubauen, die den Säugling in den ersten Lebensmonaten schützen können.

In vielen Studien in Belgien, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Vietnam, und den USA konnte gezeigt werden, dass diese Impfstrategie wirkungsvoll ist. Je nach Studie konnten durch die mütterliche Impfung 90% der erwarteten Keuchhustenerkrankungen für 2-3 Monate alte Säuglinge verhindert werden. Auch mögliche Nebenwirkungen wurden eingehend untersucht. Die Ergebnisse können im Epidemiologischen Bulletin 13_20 des RKI detailliert nachgelesen werden.

Wie sehen wir die Impfung? Früher bestanden höchste Bedenken, Schwangere zu impfen. Es war mutig, diese Strategie zu überdenken, um Säuglinge in der empfindlichsten Phase ihres Lebens vor Keuchhusten zu schützen. Die umfangreichen Studien belegen, dass diese Strategie funktioniert und kein bedeutsames Risiko für Schwangere darstellt.

Welches Risiko haben Säuglinge an Masern zu erkranken?

Kinder in Deutschland werden gemäß dem aktuellen Impfplan der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) im Alter von 11 bis 14 Monaten erstmals gegen die Masern geimpft. Der Zeitpunkt ist so gewählt, weil man davon ausgeht, dass Kinder zuvor über mütterliche Abwehrstoffe (Antikörper) vor Masern geschützt seien. Diese werden während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen. Aber reicht die Wirkung der mütterlichen Antikörper tatsächlich bis zur geplanten Impfung?

Eine Studie aus Kanada lässt nun Zweifel aufkommen. Die Forschergruppe um Michelle Science aus Toronto untersuchte die schützenden Antikörper gegen Masern bei Säuglingen. Bei den knapp 200 untersuchten Säuglingen fand sie, dass im Alter von 1 Monat 80% von aller Säuglinge einen sicheren Schutz vor Masern hatten. Im Alter von 3 Monaten waren es nur noch 8%, während mit 6 Monaten kein Säugling mehr über einen ausreichenden Schutz gegen Masern verfügte. Damit steht zu befürchten, dass Säuglinge über viele Monate vor der ersten Impfung nicht vor Masern geschützt sind.

Die untersuchte Gruppe von Säuglingen ist mit 196 Säuglingen klein. Aber das Ergebnis muss uns wachsam machen. Bisher dachten wir, dass Kinder bis zur ersten Masernimpfung in den meisten Fällen gut geschützt seien. Das sind sie vermutlich nicht. Das sollten alle Eltern wissen, in deren Umgebung ein Masernausbruch auftritt. Und das sollte auch bei Reisen in ferne Länder beachtet werden.

TIPP Informationen für Jugendliche: gemeinsam verhüten

Für Jugendliche ist die Entdeckung der Sexualität ein zentrales Thema. In ihrer Entwicklung zum Erwachsenen stellen sich ihnen viele Fragen stellen. Mit den Antworten ist das manchmal schwieriger. Denn viele Themen sind emotional sehr besetzt und – wie man heute oft sagt – „peinlich“.

Das sind sie natürlich nicht. Aber es erfordert häufig doch einigen Mut, die oft intimen Fragen zu stellen. Deswegen ist es immer gut, wenn die eigene Mutter und der Vater schon frühzeitig zeigen, dass sie sich auch als Ansprechpartner in Fragen der Sexualität verstehen. Das kann die Schule nur teilweise.

Für die Fragen, die danach noch bleiben, gibt es gute Informationsbroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und natürlich können junge Menschen auch online wichtige Informationen abrufen. Diese Institution ist sehr seriös, die Informationen verlässlich und seit vielen Jahren so aufgebaut, dass sie von Jugendlichen gut angenommen werden können.

Ein konkreter Einstieg bei Fragen zur eigenen Sexualität kann also sein:

  • Anonyme und kostenlose Beratung („Nummer gegen Kummer“): 0800 111 0333, jeweils Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr
  • oder auch „Nummer gegen Kummer“ über www.kinderundjugendtelefon.de
  • oder Broschüren wie SEX ’n’tipps: kostenlos per Mail:  order@bzga.de
  • …..oder eben klassisch die eigenen Eltern und die/der Kinder- und Jugendärztin

Tödliches Risiko für Erkrankungen mit Meningokokken

Besonders im ersten Lebensjahr finden viele Impfungen statt. Das geht darauf zurück, dass wir KinderärztInnen dem kindlichen Organismus Informationen geben wollen, die er noch nicht hat bzw. haben kann.

Das gesund geborene Kind hat beispielsweise noch nie Kontakt zu Meningokokken gehabt. Diese Bakterien können zu schwersten Erkrankungen führen. Mit einer Impfung lässt sich ein großer Teil verhindern. Die Information, die eine Impfung vermittelt regt den kindlichen Körper an, Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden, um bei Kontakt mit dieser Erkrankung gewappnet zu sein.

Aber wie hoch ist das Risiko einer Meningokokkeninfektion?

Kürzlich sind die neuesten Daten für das Jahr 2018 im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass 295 Menschen – vorwiegend Kinder und Jugendliche – im letzten Jahr mit Meningokokken erkrankt sind. Von diesen starben 34 Kinder, also knapp 12% (im Vorjahr 23 Kinder). Bei 237 Kinder und Jugendlichen konnte der Erreger ermittelt werden. In 139 Fällen (59%) waren es Meningokokken der Serogruppe B.

Über die letzten Jahrzehnte sind die Erkrankungen durch Meningokokken insgesamt spürbar zurückgegangen. Für die Kinder bis 11 Jahre beispielsweise trat im Jahr 2018 noch eine einzige Infektion mit Meningokokken C auf – im Jahr 2006 waren es noch 48 Erkrankungen gewesen. Das geht vermutlich im Wesentlichen auf die Impfung gegen Meningokokken C zurück, die bereits seit 13 Jahren von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, Berlin) empfohlen wird.

Bei den Meningokokken der Gruppe B waren es im letzten Jahr noch 36 Erkrankungen gegenüber 109 Erkrankungen im Jahr 2006. Dieser Typ B der Meningokokken kommt in unseren Breiten schon immer häufiger vor als die anderen und betrifft in vielen Fällen bereits junge Säuglinge.

Wer sich durch weitere Datenberge über die Impfungen durcharbeiten möchte, kann hier den Link zum Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2018 öffnen.

Insektenstiche und Allergie

In den kommenden Wochen wird das Problem der Mückenstiche zunehmen. Wir beobachten in den letzten Jahren zwar einen deutlichen Rückgang an Insekten, dennoch können zum Beispiel Stechmücken an lauen Abenden draußen sehr lästig sein.

Abbildung 1: Quaddel. Foto: ptw

Dabei ist es häufig nicht der Stich an sich der so lästig ist, sondern meist die allergische Spätreaktion, die ihm folgt. Diese Reaktion tritt frühestens 8 Stunden später auf und zeigt sich mit einer deutlichen Schwellung/ Quaddel (meist > 30 mm) und Juckreiz. Gerade bei kleineren Kindern, die mit dem Juckreiz schlecht zurechtkommen, treten bald Kratzspuren und manchmal auch Entzündungsreaktionen in der Folge auf.

Wie kann man sich vor Insektenstichen schützen?

Eine alte Frage. Einen perfekten Schutz gibt es nicht. Sofern technisch und finanziell möglich, sind Schnakengitter in der Wohnung sehr wirksam. Ansonsten ist die Anwendung von Repellents sinnvoll. Das beste hierbei ist DEET (z.B. Anti-Brumm®, zu 75 ml etwa 8 Euro). Dieser Stoff wirkt sicher über 4 Stunden, ist leicht klebrig auf der Haut und wird deutlich besser vertragen als bislang angenommen. Vorsicht nur im Gesicht und an Händen, weil er zu Reizungen der Bindehäute führen kann und Kinder mit den Händen gerne mal ins Gesicht fassen. Mit der Anwendung kann man bei Kindern ab 3 Jahren beginnen. Nicht ganz so gut wirksam, aber gerade für kleine Kinder besser verträglich ist Icaridin (z.B. in Autan© Protection Plus Pumpspray – z.Zt. bei Discountern momentan im Angebot für 3,99 € pro 100 ml). Für genauere Informationen können Sie auf’s praxisblättle vom August 2018 zurückgreifen. .

….und wenn der Stich frisch aufgetreten ist?

Dann ist die Anwendung einer aufgeschnittenen Zwiebel für 5 min auf der Einstichstelle gut wirksam. Alternativ kann Speichel oder auch Kälte (Eiswürfel) die Zwiebel ersetzen – wer hat schon immer eine Zwiebel bei sich? Das berühmte Fenistil© Gel jedoch hat über einen kurzen kühlenden Effekt hinaus keine Wirkung.

…. und wenn die Schwellung bereits da ist?

Dann kann nur noch eine Cortisonsalbe helfen. Antihistaminika sind nicht wirksam. Der Einsatz von Cortison sollte jedoch auch bei diesen kleinen Flächen auf schwere Stiche begrenzt bleiben.

Können Insektenstiche gefährlich werden?

Manche Insekten wie Bienen und Wespen können – ähnlich wie Nahrungsmittel oder Medikamente – eine schwere Allergie hervorrufen. Diese zeigt sich vielfach durch akute Körperreaktionen nach Einstich, die über das übliche Maß hinausgehen. So kann die Einstichstelle deutlich anschwellen (was meist kein großes medizinisches Problem darstellt), es können aber auch Reaktionen an anderen Organen hervorgerufen werden. Um diese korrekt zu bewerten, sollte zeitnah ein Kinderallergologe aufgesucht werden. Dieser kann durch gezielte Nachfragen, Allergietests und gelegentlich auch Bluttests das Risiko für kommende Insektenstiche abschätzen.

Manche Kinder können bereits im frühen Kleinkindesalter eine solche schwere Allergie entwickeln. Dann besteht auch das Risiko für einen allergischen Schock. Das nennen wir in der Medizin Anaphylaxie. Diese betrifft in Europa immerhin einen von 300 Menschen, darunter 23% Kinder. Kürzlich wurden von der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) Hinweise veröffentlicht, wie Eltern ihre Kinder hiervor schützen können.