Schlagwort: Streichelmethode

pet-the-tick (ptt): Zeckenentfernung durch Streicheln

Es ist Zeckenzeit. Wer aus der Haustüre tritt ist bereits in der Natur und kann mit Zecken nach Hause zurückkommen. Ab dem Verlassen des Hauses können wir Zecken begegnen. In der Hofeinfahrt, im kleinen Park bei der Straßenbahnhaltestelle oder in den Grünanlagen des Schwimmbads.

Zecken übertragen manche folgenschwere Krankheiten. Bei uns sind das die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis). Je länger die Zecke Zeit hat sich beim Menschen aufzuhalten, umso größer ist das Risiko der Ansteckung..

Die sofortige Entfernung von Zecken ist also wichtig. Für Panik und Hektik besteht jedoch keinerlei Anlass. Wenn also eine Zecke entdeckt wird, sollte das Vorgehen gut überlegt werden. Ein sofortiger Termin beim Arzt ist nicht erforderlich.

Die Entfernung sollte so schonend wie möglich erfolgen, um die Zecke nicht in den letzten Sekunden zu weiteren Bissen – und damit zur möglichen Übertragung weiterer Erreger – anzuregen. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Websites, die oft darstellen wie man es „richtig“ macht – wobei dieses Wort zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Nahezu alle dieser Methoden verlangen ein Werkzeug. Und allermeist hat der Betreiber der Webseite Gründe, warum er über dieses Thema schreibt. Denn rein zufällig, kommt ein direkter Hinweis, welches Werkzeug man verwenden sollte.

(1) Zecke über Bißstelle Quelle: ptw

An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorstellen, für deren Anwendung man nur einen seiner Finger benötigt + Zärtlichkeit + Geduld. Bislang ist diese Methode nirgends publiziert, aber bei einigen regionalen Kinder- und Jugendärzten jahrzehntelang im Einsatz. Die Erfolgsquote liegt über 80%. Erfolglos ist die Methode an einigen Körperstellen, über denen kreisende Bewegungen eines Fingers nicht möglich sind.

Die Streichelmethode – pet-the tick (ptt)

(2) Finger beim Streicheln Quelle: ptw

Diese Art Zecken zu entfernen verzichtet auf alle Hilfsmittel und kann somit jederzeit eingesetzt werden. Die jeweilige Zecke wird mit einem Finger entfernt. Dazu braucht es

  1. Zärtlichkeit. Die Zecke wird mit der Kuppe des rechten Zeigefingers (bei Linkshänder mit dem linken) mit kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei wird ein Druck von 10-20 Gramm ausgeübt und ein Kreis von etwa 5-8 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 120/min. Das klingt alles kompliziert, ist aber ganz enspannt und einfach durchzuführen. Der Druck ist also ganz gering. Die Zecke ist unter der Fingerkuppe beim Streicheln spürbar, sollte aber nie gesehen werden (als keine Neugierde). Man streichelt solange, bis die Zecke loslässt und als kleines Kügelchen zu spüren ist.
  2. Dazu braucht es Geduld. Gerade bei den ersten Anwendungen haben viele Zweifel, ob eine so „primitive Methode“ überhaupt wirken kann. Man wird unruhig, schaut unter den Finger, hört immer wieder auf. Damit dauert der Akt länger und Geduld ist gefragt. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es eine Zecke meist in 1-3 Minuten zum Loslassen zu bewegen. Wenn bei richtiger Technik nach 5 Minuten kein Erfolg kommt, sollte man aufgeben. Auch das kommt vor. Dann kann gelegentlich auch der Einsatz einer Zeckenzange erforderlich werden. 

(3) Die Zecke hat losgelassen Quelle: ptw

Die Zecke wird nach Entfernung entweder auf den Finger oder in der Umgebung der Bißstelle krabbeln. Sie wurde ja nicht zerstört. Man kann sie mit dem Finger oder einer Pinzette nehmen und beseitigen. Nicht sinnvoll ist es, sie im Garten auszusetzen, weil sie sonst in wenigen Tagen vielleicht wieder den Weg zurück zu ihrem Opfer findet.

 

Was ist nach erfolgreicher Entfernung zu unternehmen?

Mit der Streichelmethode wird die gesamte Zecke entfernt, es verbleibt kein Teil in der Haut. Dennoch ist eine einmalige Desinfektion der Bissstelle wichtig (z.B. mit Octenisept©) . Da die Zecke 2 Krankheiten übertragen kann, sind auch 2 Überlegungen wichtig:

  1. Borreliose. Die Einstichstelle sollte täglich zwei Wochen lang inspiziert werden. Eine kleine Rötung nach Zeckenbiss ist häufig und unproblematisch (sofern nach der Entfernung eine Desinfektion erfolgte – s.o.). Wenn sich aber eine kreisförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm ausbildet, sollte ein/e Kinder- und Jugendärzt/in aufgesucht werden. Dort wird untersucht, ob es sich um ein beginnendes Erythema migrans handelt.Das ist eine Form der Borreliose, die mit einem Antibiotikum sicher und einfach behandelt werden kann.
  2. FSME. Gegen die FSME hilft nur die Impfung. Ob eine Impfung des Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen sinnvoll ist, sollte mit der/m Kinder- und Jugendärzt/in  besprochen werden. Baden-Württemberg ist inzwischen in allen Landkreisen als Risikogebiet eingestuft und weist seit 2 Jahren die meisten FSME-Erkrankungen aller Bundesländer auf. Insofern ist die Impfung für die meisten Schulkinder und Jugendlichen sinnvoll.

Bald kommen wieder die Zecken – Risiko: Neuroborreliose

Vermutlich sind es nur noch Tage, bis die ersten Zecken wieder aktiver werden und sich auf Nahrungssuche begeben. Da kommen ihnen dann wandernde Menschen und Hunde gerade Recht.

Es wird geschätzt, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und 200.000 Menschen an einer Borreliose erkranken. Unter diesen erkranken 3% – 15% an einer Neuroborreliose. Das bedeutet, dass die Erkrankung auch das Gehirn (zentrale Nervensystem) betrifft, teilweise mit entsprechend unangenehmen Folgen. Davon sind besonders Kleinkinder betroffen. Man vermutet einen Zusammenhang damit, dass junge Kinder gerne im Hals-/Kopfbereich von den Zecken gebissen werden.

Wichtig: Der Zeckenbiss wird nur von etwa 1 Drittel aller Betroffenen bemerkt. Wenn die anderen 2 Drittel erkranken, bringen sie somit ihre Symptome nicht mit einem Zeckenbiss in Verbindung. Wer keine Zecke an seinem Körper gesehen hat, kann also dennoch von einer Borreliose betroffen sein.

Wichtig: Zwischen einem Zeckenbiss und den ersten Symptomen einer Neuro-Borreliose vergehen nur sehr wenige Wochen.

In Europa zeigt sich eine neurologische Erkrankung im Rahmen der Lyme-Borreliose bei Kindern meist als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis). Diese ist in über der Hälfte der Fälle von einer Hirnnervenlähmung (Fazialisparese) begleitet.

Wichtig: Die Lähmung eines Hirnnerven (Fazialisparese) ist bei Kindern oft das erste Symptom, das auf eine Neuro-Borreliose hinweist.

Die Hirnhautentzündung verläuft bei Kindern vielmals ohne schwere Symptome. Häufig bestehen Kopfschmerzen und Müdigkeit, manchmal auch Übelkeit und Erbrechen. Bei Verdacht auf eine Borreliose sollte im Zweifelsfall eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) erfolgen, um gezielt behandeln zu können. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika – in vielen Fällen oral – und ist bei frühzeitigem Beginn in den meisten Fällen erfolgreich. Nur in maximal 2% aller Kinder mit Neuro-Borreliosen treten nach Monaten oder Jahren Spätschäden auf.

Zecken auf der Haut sollten – wenn möglich – in den ersten 12 Stunden entfernt werden. Damit kann das Risiko für eine Infektion, also auch für eine Neuroborreliose, deutlich gesenkt werden.

Wichtig: Ab dem Frühjahr sollten Kinder jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen von ihren Eltern auf Zecken untersucht werden. Dabei ist es wichtig „kuschelige Körperpartien“ zu untersuchen, in die sich die Zecke gerne zurückzieht: behaarter Kopf, hinterm Ohr, Achselhöhle, Nabel, Genitalregion.

Wichtig: Zur Entfernung wird empfohlen, die Zecke mit einer Pinzette möglichst tief (also knapp über der Haut) zu fassen und senkrecht nach oben herauszuziehen. Alternativ: die Streichelmethode.