Schlagwort: Streptokokken A

Kinderkrankheit: Scharlach

Scharlach ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Inzwischen wird sie aber von vielen nicht mehr als solche bezeichnet, da nach einem Scharlach durchaus weitere Erkrankungen an Scharlach auftreten können. Im Gegensatz zu beispielsweise Masern, die nur einmal im Leben auftreten, weil sich danach eine lebenslange Immunität gegen das Masernvirus ausbildet.

Was löst den Scharlach aus?

Die Erreger des Scharlach sind Bakterien: ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Seit ihrer Entdeckung durch Theodor Billroth und Paul Ehrlich ließen sich für diese Untergruppe über 80 verschiedene Serotypen (Variationen innerhalb einer Art von Bakterien/ Viren) nachweisen. Diese Streptokokken besiedeln in der Regel die Haut und den Rachen von gesunden Menschen. Unter gewissen Umständen können sie dort zu einer Erkrankung führen. Die Streptokokken im Rachen lösen dann eine eitrige Angina aus. Sitzen sie auf der Haut, können sie zu einer Wundinfektion führen.

Wie kommt es zum Scharlachausschlag?

Einige der Streptokokken tragen in sich einen sog. Bakteriophagen (ein Virus im Bakterium), das wiederum sog. Toxine – also eine Art Gift –  bildet. Diese Toxine sind es, die den Ausschlag beim Scharlach auslösen. Nach einer Erkrankung an Scharlach besteht eine vermutlich lebenslange Abwehr gegen das betreffende Toxin. Da es nach aktuellem Wissensstand aber mindestens 3 verschiedene Toxine gibt, kann jeder Mensch mindestens dreimal an Scharlach erkranken. Somit ist – streng genommen – Scharlach eigentlich keine Kinderkrankheit.

Gibt es auch Scharlach ohne Ausschlag?

Nein. Die genannten über 80 verschiedenen Streptokokken der Gruppe A können alle zu einer eitrigen Angina führen. Das nennt sich dann: Streptokokken-Angina. Erst wenn infolge der Wirkung der Toxine bei dieser Angina ein Ausschlag hinzu kommt spricht man vom Scharlach. Somit: Kein Scharlach ohne Ausschlag. Der kann manchmal aber durchaus sehr schwach ausfallen und besser fühlbar als sichtbar sein. Aber er muss klinisch vorhanden sein.

Wie läuft der Scharlach ab?

Scharlach wird als Tröpfchen- oder Kontaktinfektion übertragen. Er betrifft in aller Regel Kinder von 3 bis 14 Jahre (in den ersten beiden Lebensjahren gibt es die Erkrankung praktisch nicht). Nach der Pubertät ist er eher selten. Die Zeit bis zum Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) ist mit 1 bis 3 Tagen sehr kurz. Im klassischen Fall kommt es dann sehr rasch zu Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber und Bauchschmerzen. Es ist verwirrend, dass die Halsschmerzen oft als letztes Symptom auftreten, obwohl der Blick in den Hals heftig geschwollene und rote Mandeln (Tonsillen) zeigt. Auch die Lymphknoten im Kieferwinkel schwellen an und schmerzen. Die Zunge ist meist weiß belegt mit kleinen Stippchen („Erdbeerzunge„). Dieses Symptom gibt es aber auch bei anderen Erkrankungen. Im weiteren Verlauf verschwindet der Zungenbelag und die Zunge wird lackartig rot: sog. Himbeerzunge.

Abbildung 1. Scharlach-Ausschlag. Foto: (ehem.) Behringwerke

Der für den Scharlach typische Ausschlag tritt meist 1 (bis 4) Tage nach dem Fieber auf und beginnt zumeist in den Leisten und Achseln. .

Der Scharlach hat sich über die letzten Jahre gewandelt. Heute gibt es Erkrankungen, bei denen sich das Kind noch recht wohlfühlt und kein Fieber hat. Der klassische Verlauf mit dem hohen Fieber und Krankheitsgefühl ist inzwischen fast schon die Ausnahme.

Etwa 2 Wochen nach der Erkrankung kommt es zu einem schuppenden Ausschlag, besonders häufig an den Fingerkuppen, manchmal auch die gesamten Füße und Hände betreffend. Die Schwere dieses Ausschlag geht oft parallel mit der Schwere der Scharlach-Erkrankung und bestätigt die Diagnose nochmals.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose kann immer klinisch gestellt werden. Der Krankheitsverlauf und der Ausschlag sind sehr typisch.

Ist ein Rachenabstrich wichtig?

Nein. Ein Rachen-Schnelltest auf Streptokokken ist für das Kind unangenehm und nicht erforderlich. Auf Grund verschiedener Untersuchungen ist heute klar, dass bis zu 25% der Menschen in Europa Streptokokken im Rachen hat – und dabei gesund sind: „Keimträger“. Ein Rachenabstrich ist für alle diese Personen positiv. Trotzdem sind sie gesund. Der positive Rachenabstrich kann nur in Zweifelsfällen eine Ergänzung sein. Die Diagnose des Scharlach ist mit typischen klinischen Verlauf und dem klassischen Ausschlag sicher.

Therapie

Die Therapie ist gerade im Wandel. In Mitteleuropa ist der Scharlach mit Antibiotika fast immer einfach und effektiv zu behandeln. Die betroffenen Kinder fühlen sich nach einem, allerspätestens nach 2 Tagen der Behandlung wieder richtig gut. Die Ansteckung ist 24 Stunden nach Beginn der Behandlung vorüber. Die Notwendigkeit der antibiotischen Therapie wird zunehmend diskutiert. Klar ist jedenfalls, dass ohne eine antibiotische Behandlung eine Ansteckung für etwa eine Woche (bis zum Abklingen der Symptome) besteht.

Entsprechend der neuen Leitlinie ist eine antibiotische Therapie bei entsprechender Indikation  für 7 (statt bisher 10) Tage erforderlich. Dabei wird in Deutschland Penicillin V empfohlen. In anderen Ländern (z.B. Spanien) ist dieses „einfache“ Antibiotikum häufig nicht mehr ausreichend.

Komplikationen

Scharlach hatte früher häufiger eine chronische Nierenerkrankung (Glomerulonephritis; APSGN) und das gefürchtete rheumatische Fieber zur Folge. Diese Komplikationen treten seit Jahrzehnten aus unbekannten Gründen extrem selten auf. Dies ist unabhängig von der Gabe eines Antibiotikums. Man geht davon aus, dass die besseren sozioökonomischen Verhältnisse und immunologische Faktoren zu dieser günstigen Entwicklung beitragen.

Wann kann das Kind wieder in den Kindergarten/ die Schule?

Nach einer antibiotischen Behandlung von 24 Stunden Dauer ist der Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung wieder möglich. Ohne antibiotische Behandlung ist dies nach Abklingen der Symptome möglich. Eine Bescheinigung hierüber ist nicht erforderlich.

Was geht rum? 03. November 2018

Der Winter hat sich in der letzten Woche schon mal angekündigt. Die Infektionen werden diesen Wetterboten bald folgen. Aus dem letzten Jahr ist vielen noch die Grippewelle in Erinnerung. Wer sich schützen möchte, sollte sich bald um die Impfung gegen Influenza kümmern. Was schon im letzten Jahr sinnvoll gewesen wäre, ist jetzt für alle Patienten als Standard eingeführt: Der quadrivalente Impfstoff. Beruhend auf jeweils 2 Stämmen von Influenza-A und Influenza-B-Viren ist das Spektrum der möglichen Influenza-Viren deutlich besser abgedeckt.

Übrigens, in China wurde am 1. November genau 100 Jahre nach der dramatischen „Spanischen Grippe“ der erste World-Flu-Day – der Welt-Grippe-Tag – ausgerufen.

Statistisch ist eine Grippewelle ab Dezember denkbar. Bis dahin wechseln sich verschiedene andere Viren ab, um den Menschen zuzusetzen. Im Moment sind es weiterhin Erkrankungen durch Adenoviren im Südwesten. Daneben hat die Streptokokkenangina wieder an Häufigkeit zugenommen. Dabei liegt eine eitrige Angina durch Streptokokken A, jedoch ohne einen Ausschlag, vor. Die Angina mit dem Ausschlag ist meist ein Scharlach.

Was geht in der Welt rum? in Japan sind in diesem Jahr zwölfmal so viele Menschen an Röteln erkrankt wie im letzten Jahr, im Moment sind es 1289 Erkrankte. Betroffen ist die Stadt Tokyo und die Präfekturen Chiba, Kanagawa, Aichi, Ibaraki und Saitama. Im Besonderen sollten Schwangere ohne Nachweis eines Schutzes gegen Röteln die Reisepläne nach Japan mit ihrem Arzt besprechen.