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Warum wir uns maskieren sollten

Was vor einem halben Jahr noch zum Schmunzeln anregte, ist heute fast schon Standard: der Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sein Ziel: Er soll den Flug der Tröpfchen, die beim Ausatmen die Nase und beim Sprechen den Mund verlassen, abbremsen. Das bedeutet natürlich, dass er beide Eingänge zu den Atemwegen filtern muss. Mund und Nase. Nebenbei hilft er auch etwas, Tröpfchen von außen bei der Einatmung abzublocken.

Zwei Corona-positive Hairstylisten und ihre gesunden Kunden. Der Mundschutz macht’s. Quelle: cdc.gov

Dazu eine schöne Geschichte, die gerade im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) veröffentlicht wurde. Die Autoren um M. Joshua Hendrix berichten von 2 Haar-Stylisten in den USA, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Vermutlich haben sie sich beim Reden nach der Arbeit gegenseitig angesteckt. Es verwundert nicht, dass in beiden Familien mehrere Mitglieder an COVID-19 erkrankten. In ihrem Salon jedoch trugen sie konsequent eine Maske während sie 139 Klienten (jeweils über 15 Minuten) stylten. Von diesen 139 Personen erkrankte: Niemand. Bei 67 der Kunden wurde ein Rachenabstrich durchgeführt: alle negativ. Maske nutzt. Wenn man sie be-nutzt.

Häufigkeit, mit der ein Mund-Nasen-Schutz in einigen Ländern seit Februar 2020 getragen wird. Quelle: The Economist

In vielen Ländern Asiens wird er seit langem getragen und gehört zur Normalität, wie die blaue Kurve (mittlere Graphik, Ostasien) für China zeigt. Viele Länder haben nachgezogen. So ist das Tragen des MNS in Spanien neuerdings ebenso Alltag wie in China.

Eine Reihe von Länder in Europa haben die Maskenpflicht neu eingeführt (Schweiz: im öffentlichen Nahverkehr), wieder erneuert (Österreich) oder ausgeweitet (Frankreich: auf Banken, Supermärkte und Kultureinrichtungen).

Meist ist es der einfache, oft selbst genähte MNS der getragen wird. Er bietet einen guten Schutz. Da aber verschiedene Materialien zum Einsatz kommen, lässt sich dieser nicht genau bestimmen. Im Übrigen ist für jeden dieser MNS unklar, wie lange die Schutzwirkung anhält. Sicher ist nur: Der Mund-Nasen-Schutz muss über dem Mund und der Nase getragen werden. Sonst ist er wirkungslos.

Qualitativ besser sind Atemschutzmasken, die eng anliegen und die Einatmen- und/ oder Ausatemluft filtern. Allerdings nur, wenn sie korrekt getragen werden. Wie das geht (oder besser nicht gemacht wird) zeigt eine schöne Informationstafel des Robert Koch-Instituts (RKI). Speziell weist sie nochmals darauf hin, dass diese Atemschutzmasken (also FFP2, FFP3 oder der amerikanische Standard N95) mit oder ohne Ventil geliefert werden.

  • Mit Ventil: Diese Maske filtert nur die Einatemluft. Damit stellt sie einen Eigenschutz dar. Aber keinen Fremdschutz. Vorteile sind verminderter Hitze- und Feuchtigkeitsstau sowie verlängerte die Tragedauer
  • Ohne Ventil: Filtert die Einatemluft und die Ausatemluft. Damit stellt diese Maske einen Eigen- und einen Fremdschutz dar.

Viele Studien haben untersucht, ob ein Mundschutz vor der Übertragung von Viren schützen kann. Eine zentrale Arbeit hierzu erschien bereits vor 11 Jahren. Damals gab es noch kein SARS-CoV-2,wohl aber Grippeviren (Influenza A und B). Auf diese hin haben die Forscher um D.F. Johnson in Australien ihre kranken Probanden untersucht. Die Untersuchung lief in 4 Schritten ab: 1. Husten ohne Maske, 2. Husten hinter einer N95-Maske, 3. Husten in eine chirurgische Maske und 4. Nochmals Husten ohne Maske. Die Tröpfchenladung beim Husten wurde 20 cm vor dem Mund des Probanden aufgefangen. Danach erfolgte ein PCR-Test, der auch heute der Standard bei der Erfassung des Coronavirus ist.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die chirurgischen Atemmasken gegenüber den N95-Masken (sie entsprechen den deutschen FFP2-Masken) gleich gut wirkten und die gesamte Viruslast abblocken konnten.

Fazit: Vor wenigen Tagen hat sich der Leiter des Centers of Disease Control (CDC) zum MNS geäußert. Dr. R.R. Redfield. “Cloth face coverings are one of the most powerful weapons we have to slow and stop the spread of the virus…..“ (Stoff-Gesichtsmasken sind eine der stärksten Waffen die wir haben, das Virus zu verlangsamen und zu stoppen).

Was geht rum? 20. Juni 2020

Es sieht so aus, als käme der Sommer langsam zurück. Neben geselligen Grillabenden oder ersten Besuchen im Freibad werden die Zecken und die Pollen nochmal spürbar aktiv werden.

Apropos Grillen. Feuer übt eine enorme Faszination auf Kinder aus. Das bedeutet, dass ihr Risiko sich zu verbrennen jetzt deutlich ansteigt. Unser Beitrag im praxisblättle zum Thema Verbrennungen zeigt nochmals auf, wie Sie sich darauf vorbereiten können.

Langsam zeigen sich wieder mehr Infektionen bei Kindern. Nach der langen Abschottung von Kindern aus Kindergärten und Schulen verwundert es nicht, dass sich mit den ersten Freiheiten erhöhte Infektions-Zahlen zeigen. Das betrifft besonders stark ansteckende Erkrankungen wie das Drei-Tage-Fieber, das oft schon im Säuglingsalter auftritt und mit hohem Fieber über 3 Tage (2-4 Tage) und einem typischen Ausschlag einhergeht. Die Häufigkeit der Kinderkrankheiten bewegt sich – noch ? – unverändert auf dem Niveau der letzten Wochen.

Die COVID-19-Kinder-Studie des Landes Baden-Württemberg erbrachte nur wenig Erkenntnisgewinn. Getestet wurden 2500 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren mit jeweils einem Elternteil. Dabei wurde nur 1 Kind-Eltern-Paar positiv (mit Rachenabstrich) getestet. Im Blutest fanden sich bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern Antikörper gegen SARS-CoV-2, das Corona-Virus. Kinder zeigten in der Summe also weniger Reaktionen als Erwachsene. Zur Studie hatten sich Kinder und Eltern sich selbst gemeldet. Sie waren also nicht zufällig ausgewählt worden. Das alleine schränkt die Aussagekraft bei so niedrigen Zahlen schon deutlich ein. Tendenziell darf man aber vermuten, dass sich Kinder weniger anstecken als Erwachsene. Zumindest liefert die Studie keine Argumente die Kitas und Grundschulen (mit Notbetreuung) länger geschlossen zu halten. Das hat die Regierung um Ministerpräsident Kretschmann genauso gesehen. Ende des Monats kehrt das Ländle zum Regelbetrieb in Kindergärten und Grundschulen zurück.

Ziege Quelle: pixabay, Doris Metternich

Die Zecken sind im Moment wieder sehr aktiv. Das zeigt sich auch an den Fallzahlen für die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis), einer Virus-bedingten neurologischen Infektion nach Übertragung durch die kleinen Spinnentiere. So hat sich die Zahl in Baden-Württemberg sprunghaft um 12 Neuerkrankungen in der letzten Woche auf insgesamt 57 für das Jahr 2020 erhöht.

Aus Frankreich werden 37 FSME-Neuerkrankungen nach Genuss von Ziegenmilch und Rohmilchkäse der Firma ,,GAEC des Chevrettes du Vieux Valey‘‘ in Condamine berichtet. Die Zecke am eigenen Körper zu suchen und zu finden reicht also alleine nicht aus, um sich zu schützen. Die Bedeutung der FSME-Impfung wird deswegen immer größer.

Was geht in der Welt rum? Erneut befällt das Dengue-Fieber Menschen in verschiedenen Ländern rund um den Äquator. In Singapur sind es in diesem Jahr 10.995 Menschen, in Thailand sind es 10.940,  in Sri Lanka gar 20.870, die erkrankten. Etwa jeder Tausendste verstirbt an dieser durch Mücken übertragenen, grippeähnlichen Infektionskrankheit. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Vorbeugend hilft Mückenschutz vor den tagaktiven Überträger-Mücken.

Denken Sie schon an einen Urlaub in Europa? Dann finden Sie auf dieser Informationsseite der Europäischen Union weitere Hinweise unter welchen Bedingungen sie in ein bestimmtes Land in Europa einreisen können.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Neue Daten: Wie stark betrifft das Coronavirus Kinder?

Ganz aktuell erreicht uns eine Veröffentlichung im New England Journal of Medicine betreffend die Coronaviruserkrankung COVID-19.

Die Studie wurde unter der Leitung von Nan-shan Zhong erstellt und gibt die Daten von 1099 Menschen wieder, die vor dem 29. Januar 2020 durch das neuartige Virus SARS-CoV-2 an COVID-19 erkrankten. Gesunde Träger des Virus sind also nicht berücksichtigt.

Hier die wesentlichen Informationen:

  • die mittlere Inkubationszeit betrug 4 Tage (2-7 Tage)
  • Das Durchschnittsalter betrug 47 Jahre (35 – 58 Jahre)
  • nur 0.9% aller Patienten waren jünger als 15 Jahre !
  • die meisten waren 16 – 64 Jahre alt, nur 15.1% waren älter als 64 Jahre
  • häufigstes Symptom war Husten: 67.8%
  • Fieber hatten bei Aufnahme in die Klinik weniger als die Hälfte (43.8%)
  • die Sterberate betrug 1.4%

Somit zeigt diese erste Untersuchung von Patienten, die am neuen Coronavirus erkrankten: Das Risiko für eine COVID-19 ist für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sehr gering.

Auch wenn nur wenig alte Menschen erkrankten, erhöhte das Alter die Komplikationsrate.

Wie hoch die Erkrankungszahlen weltweit sind zeigt die Übersicht der CSSE der Johns Hopkins University (Baltimore).

 

Tablets sind ein Risiko für Kinder

In einer vor kurzem veröffentlichten Studie legten Forscher erstmals Daten vor, die sich mit der Mediennutzung von Kleinkindern beschäftigen.

Die Forscher um John S. Hutton und sein Team vom  Cincinnati Children’s Hospital Medical Center untersuchten dabei eine Gruppe von 47 Kleinkindern im Alter von 3 bis 5 Jahren. Diese absolvierten verschiedene kognitive Tests und eine MRT (diffusionsgewichtet). Deren Eltern wurden mit Hilfe des ScreenQ-Fragebogens über das Nutzungsverhalten ihrer Kinder in Bezug auf Smartphones und Tablets befragt. Zum Vergleich für kindgerechtes Verhalten gegenüber diesen Medien wurden die Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (AAP) herangezogen. Die AAP schlägt Eltern beispielsweise vor, Kindern zwischen zwei und fünf Jahren nicht länger als eine Stunde am Tag vor einem Display sitzen zu lassen.

Im Ergebnis fanden die amerikanischen Forscher Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz bei den Kindern, die ein hohes Nutzungsverhalten für die neuen Medien aufwiesen. Bereiche des Gehirns, die eng mit Sprache und dem Erlernen von Schreiben und Lesen verbunden sind, waren deutlich weniger strukturiert.

Diese Studie kann nur ein Anfang sein, Einflüsse neuer Medien auf unsere Kinder besser zu verstehen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich. Der Studienleiter John S. Hutton fasst kurz zusammen: „Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es ist, die Effekte von Smartphone- und Tablet-Nutzung auf das Gehirn zu untersuchen“.

Bis dahin ist es sich nicht falsch, Kleinkinder von den Medien fernzuhalten. Oder noch besser: Kinder sollten angeregt werden, die Natur zu genießen: Spiele im Freien, Schneebälle werfen, wenn es mal kurzzeitig die Chance dazu gibt. Und wenn’s draußen mal richtig stürmt basteln oder „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ spielen. Die Zeit rausgehen zu dürfen wird im Leben mit den Jahren immer kürzer. Und ob’s bald noch Schnee gibt? Also los geht’s!

Und wenn Sie in Bezug auf das Coronavirus auf dem aktuellen Stand bleiben wollen: Hier im praxisblättle finden Sie die neuesten Informationen. Ganz am Ende des Beitrags steht ein Link zur interaktiven Karte von Bloomberg – sehr informativ (aber in Englisch).

Erfolgreiche Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie von Schulkindern nun auch mit Tropfen (SLIT)

Allergien sind seit Jahrzehnten eine wichtige Ursache chronischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Davon betroffen ist mehr als jedes 10. Kind. Unter den ganzjährig wirksamen Allergenen ist die Hausstaubmilbe führend.

Dieses kleinste Spinnen-Tierchen findet sich zu vielen Tausenden in jedem Bett eines Deutschen und löst an den Schleimhäuten von Nase und Bronchien eine dauerhafte Entzündung aus. Auch bei Kindern mit atopischem Ekzem vermag es die gestörte Hautbarriere zu durchdringen und zur allergischen Entzündung der Haut mit Juckreiz beizutragen.

Bisher ist die „Milbensanierung“ der wesentliche Grundstein, der Belastung mit den kleinen Biestern vorzubeugen. Damit kann allen Betroffenen – etwas – geholfen werden. Für die leichten Allergiker ist das oft ausreichend, für schwer Erkrankte leider nicht. Für sie gibt es als gut wirksame Therapie die spezifische Immuntherapie (SIT), die jedoch als Injektion in der ärztlichen Praxis erfolgen muss und von daher wegen des Zeitaufwandes und des Picks nicht unbedingt beliebt ist. Diese von vielen als Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung bezeichnete Therapie ist jedoch in allen Gruppen nachweislich wirksam.

Über die letzten 30 Jahre wurde versucht, von der Spritze (SIT) zu den Tropfen zu kommen. Das bedeutet, die Patienten nehmen das Allergen zur Immuntherapie in Tropfenform zu Hause zu sich. Der Weg zum Arzt und der Schmerz der Spritze fallen also weg. Diese sog. sublinguale Immuntherapie (SLIT) hat sich bei Erwachsene und Jugendlichen als affektiv und gut verträglich erwiesen, wenn sie denn regelmäßig genommen wird. Das funktioniert im Alltag leider nicht immer so gut.

Abbildung 1. Effekt der SLIT gegen Hausstaubmilbe in der Studie von K. Masuyama und Mitarbeitern, 2018. Foto: Allergy

Nach langen Jahren liegt nun endlich eine Studie vor, die belegt, dass diese SLIT bei Allergie gegen Hausstaubmilben auch bei Schulkindern (5-12 Jahre) wirksam ist. Keisuke Masuyama und Mitarbeiter untersuchten in ihrer Studie mit 458 Kindern und Jugendlichen von 5 bis 17 Jahren, welche Wirkung eine einjährige SLIT – also Immuntherapie mit Tropfen – gegen Hausstaubmilbe hatte. Und selbst in diesem sehr kurzen Zeitraum fanden sie sehr gute Resultate, wie die nebenstehende Graphik zeigt. Dementsprechend gingen in der Kindergruppe (5-12 Jahre) die Schnupfensymptome um 21% zurück, bei den Jugendlichen (12-17 Jahre) sogar um 26%.

Ein sehr ermutigendes Ergebnis. Wie in der Wissenschaft üblich werden weitere Studien in den kommenden Jahren versuchen, diese Ergebnisse nachzuvollziehen.

Schlank durch frühes Schlafen

„Gebt den Leuten mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind“. Auch Kurt Tucholsky wusste um die günstige Wirkung des Schlafs. Dass auch Schlaf und Körpergewicht irgendwie zusammen hängen, steht für viele gefühlt fest. Seit das Schlaflabor zur Standarduntersuchung wurde, sind eine Reihe von Zusammenhängen klar geworden, die dieses Gefühl untermauern. Für die Gruppe der Kinder gibt es jedoch leider wenig Literatur.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Study of Early Child Care and Youth Development (SECCYD), durchgeführt vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), das Anfang der 1960er Jahre von der Schwester des amerikanischen Präsidenten John. F. Kennedy gegründet wurde, um Menschen mit Behinderung zu helfen.

Die SECCYD untersuchte ab 1991 den Einfluss der nicht-mütterlichen Versorgung auf die Entwicklung von 1364 Kinder und ihren Familien ab Geburt. Eine Forschergruppe um Sarah E. Anderson von der Ohio State University (Columbus) konnte inzwischen eine große Gruppe von ihnen (977 Probanden) nachuntersuchen. Für sie lagen Protokolle über Telefoninterviews vor, als diese Probanden durchschnittlich 4,7 Jahre alt waren. Zu dieser Zeit wurde das Schlafverhalten, Schlafrituale und viele weitere Umstände exakt festgehalten. Zusätzlich wurden in der Pubertät (etwa im Alter von 15 Jahren) die Körpermaße der inzwischen jugendlichen Probanden dokumentiert und diese mit dem Schlafverhalten 10 Jahre zuvor in Beziehung gesetzt.

Abbildung 1. Häufigkeit von Übergewicht („obesity“) in Prozent der Gruppe in Bezug auf die Zubett-Geh-Zeiten: links: vor 20:00 Uhr. Mitte: zwischen 20:00 und 21:00 Uhr, rechts: nach 21:00. Foto: Anderson et al, Pediatrics, 2016

In der Studie wurden die Zu-Bett-Geh-Zeiten mit der Häufigkeit von Adipositas (Übergewicht) in Beziehung gesetzt. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt bestanden hier große Unterschiede. In der Gruppe der Kleinkinder, die vor 20:00 Uhr zu Bett ging, lag die Häufigkeit für Übergewicht deutlich niedriger als bei den Kindern, die erst nach 21:00 Uhr zum schlafen gelegt wurden.

Diese Ergebnisse stammen aus einer gut durchgeführten Langzeitstudie. Umso mehr erstaunt, wie deutlich die Unterschiede in der Häufigkeit von Übergewicht in Bezug auf die Zu-Bett-Geh-Zeit waren. Die in der Abbildung dargestellten Unterschiede zwischen „sensiblen“ und „wenig sensiblen“ Müttern (helle bzw. dunkel-graue Säule) waren im Übrigen statistisch nicht sicher (nicht signifikant).

Was lernen wir daraus? Wenn Kleinkinder früher zu Bett gehen, scheint das ein wichtiger Faktor zu sein um künftigem Übergewicht vorzubeugen.

 

Madagaskar: Kinder sterben durch Tränengas

In Madagaskar sind gestern bei einem Polizeieinsatz zwei Kinder ums Leben gekommen. Im Zentrum der Hauptstadt Antananarivo hatte die Polizei mit überzogenen Mitteln eine friedliche Demonstration aufgelöst. In diesem Zusammenhang warfen sie Tränengasbomben, die auch das Kinderkrankenhaus in der Parallelstrasse von Madagaskars Prachtstrasse trafen.

Nach verschiedenen Presseberichten erstickten hierbei zwei Kinder an der hohen Konzentration des Reizgases. Zeugen berichteten, dass in der Umgebung der ohnehin durch Umweltgase belasteten Innenstadt die Sicht meist unter 20 Metern lag. Zwei erwachsene Personen wurden vermutlich durch Schüsse tödlich getroffen. Die Zahlen der Verletzten sind noch unsicher.

Hintergrund für die extremen Auseinandersetzungen ist der Versuch des aktuellen Präsidenten Hery Rajaonarimampianina seine politischen Gegner durch ein neues Wahlgesetz auszuschalten. Dagegen richtete sich der friedliche Protest der 73 Abgeordneten, die das Gesetz – erfolglos, aber mutig  – abgelehnt hatten. Der Präsident selbst hatte sich tags zuvor heimlich abgesetzt, vermutlich nach Paris, das er wegen der netten Einkaufsmeilen sehr schätzt.

Das Hôpital Mère Enfant Tsaralalana (HMET) im Zentrum von Antananarivo , Madagaskar. Foto. Sobikamada

Die betroffene Kinderklinik HMET pflegt seit Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem Pfullendorfer Verein credimus e.V., der dort vor vier Jahren mit dem Aufbau einer Abteilung für Lungenerkrankungen bei Kindern begonnen hatte. Bereits seit neun Jahren besteht darüber hinaus eine enge und erfolgreiche wissenschaftliche Zusammenarbeit (MAKI-Studie) zwischen der Klinik unter Leitung von Prof. Dr. Annick Robinson und einem deutschen Ärzteteam mit Dr. Peter Th. Wolff aus Pfullendorf.

Schwiegermutter und Kinderzahl? Ja, da gibt’s was.

Großeltern sind für viele Familien im Lebensalltag nicht wegzudenken. Sie betreuen die Kinder, wenn Eltern arbeiten und häufig auch, um sie zu entlasten. Damit ermöglichen sie eine andere Familienplanung, denn sie sind im Notfall für Eltern erreichbar.

Das steht im Gegensatz zum früheren Bild der bösen Schwiegermutter, die vor über 200 Jahren von den Gebrüdern Grimm beschrieben wurde. Aber dennoch werden sie heute noch so erlebt. Der geliebte Sohn ist ausgezogen und in ihrer Einsamkeit fangen sie an zu nerven, um Aufmerksamkeit zu bekommen: ungefragte Ratschläge für Haushalt und Kindererziehung, ständige Anrufe und Besuche. So kann die Beziehung zur Schwiegermutter ordentlich belastet werden.

Tabelle 1. Darstellung der Daten der einzelnen Länder. Foto: Originaltabelle aus Huber S et al., 2017

Forscher vom Departement für Anthropologie der Universität Wien haben sich nun wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder werteten die Daten von nahezu 2,5 Millionen Frauen im Alter von 15 bis 34 Jahren aus 14 Ländern aus (siehe Tabelle 1 rechts). Dabei zeigte sich, dass nur knapp 13% aller Mütter in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrer eigenen oder der Schwiegermutter lebten. Die Mehrheit lebte als Kernfamilie ohne die Elterngeneration. In den USA waren das 97,11% (Daten von 1980), im Irak waren es aber nur 45,67% aller Frauen, die alleine mit ihrem Ehemann und den Kindern lebten (Daten von 1997) .

Tabelle 2. Alter der Mutter (x-Achse) und Kinderzahl (log – Darstellung in y-Achse). Nur die Eltern leben im Haushalt (schwarze Kurve) , die Mutter der Mutter lebt im Haushalt (grüne Kurve), die Mutter der Vaters lebt im Haushalt (rote Kurve). Foto: aus Studie von Huber S et al., 2017

In allen durchgerechneten Modellen fanden die Forscher, dass in allen Ländern außer im Irak (wo die meisten Familien zusammen Mutter und/oder Schwiegermutter im Haus lebten) vergleichbare Verhältnisse vorlagen: Mehr Kinder hatten Familien, wenn Eltern ohne Mütter oder Schwiegermütter im Haushalt lebten (siehe Tabelle 2 rechts). Hingegen führte bessere Bildung (beider Partner) sowie Leben in der Stadt zu einer geringeren Kinderzahl.

Ergänzend muss hinzugefügt werden: Die Daten stammten aus verschiedenen Epochen – zwischen 1973 (Pakistan) und 2010 (Sambia). Europäische Länder waren nur gering vertreten. Nur Griechenland und Rumänien. Klar ist auch, dass kulturelle Einflüsse nur schwer statistisch fassbar sind.

Dennoch, der Effekt der Mütter/ Schwiegermütter auf die Zahl der Kinder einer Familie ist gut belegt. Wie man das deuten soll, bleibt einer breiten Diskussion vorbehalten.