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Was geht rum? 02. Mai 2020

Viel Unmut äußert sich nach dem wochenlangem Shutdown. Aber kaum von Familien. Dabei werden sie den Maßnahmen in der Coronakrise besonders stark getroffen. Je kleiner die Wohnung und/oder der Garten, umso schlimmer. Aber die Schließung der Kindergärten und Schulen hat auch eine gute Seite: Kinder haben kaum Möglichkeiten, sich anzustecken. Es gibt bisher zwar keine Studien hierzu, aber so gesund dürften Kleinkinder in den letzten Jahren wohl nie gewesen sein. Leider können sie und ihre Eltern das nur begrenzt genießen.

Kindergarten – ein Bild aus glücklichen Tagen Quelle: pixabay, tolmacho

Im praxisblättle haben wir schon manchmal angeregt, bei der Öffnung von Einrichtungen mehr an die Kinder zu denken und weniger ans Shoppen. Es ist schon lange bekannt, dass Kinder seltener und schwächer an COVID-19 erkranken. Das zeigt auch die neueste Studie des Centers for Disease Control (CDC, in Englisch), die sich mit den aktuellen Daten bei Kindern in den USA befasst  Und obwohl sie eher selten von COVID-19 betroffen sind, leiden sie wohl am meisten unter der Kontaktsperre, die ihnen verbietet, mit anderen Kindern zu spielen und das soziale Leben zu üben.

Aus der Schweiz hat sich Prof. Dr. Christian Berger vom Kinderspital Zürich in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) zum diesem Thema geäußert. „Bei uns (Anm in der Schweiz) sind 0,4 Prozent aller bestätigten Fälle Kinder unter 10 Jahren und 2,7 Prozent Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren“. In den allermeisten Fällen seien die bisher 114 an COVID-19 erkrankten Schweizer Kinder von Erwachsenen angesteckt worden. „Wir haben keine große Erfahrung damit, wie das Virus unter Kindern zirkuliert.“ Vieles spricht dafür, dass unter kontrollierten Bedingungen (Kleingruppen mit einem Drittel der Klassengröße?), KiTas und Grundschulen vermutlich geöffnet werden könnten. Das RKI und die WHO vertreten jedoch andere Positionen.

Noch nie haben Wissenschaftler so eifrig in der öffentlichen Diskussion mitgesprochen. Und dabei vertreten sie oft gegensätzliche Positionen. Viele Menschen verstehen jedoch nicht, dass auch Wissenschaft irren kann. Aber, Forscher beobachten genau und lernen aus Fehlern, die nachweisbar sind. So kontrollieren sie sich gegenseitig. Erfreulich, dass auch viele Politiker in der Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern nachdenklicher werden. Oft gilt in diesen Tagen: Argument sticht Parteimeinung.

Gräserpollenflug. Die graue Fläche gibt die Stärke des Pollenflugs über die letzten 10 Jahre wieder. Die Säulen (links unten im Bild) zeigen die aktuellen Daten von 2020, jeweils bezogen auf Münsterlingen (Bodensee, Schweiz) Quelle: www.pollenundallergie.ch

Seit zwei Monaten ist alles anders. Auch bei den Pollen. Bisher war der April die Zeit, in der die Birkenpollen flogen. In diesem Jahr sind diese schon längst auf dem Rückzug und haben den Gräserpollen den ersten Platz überlassen. Am Bodensee und Oberrhein sind sogar schon die Pollen des Wegerich in der Luft. Diese suchten uns bisher erst Ende Juli heim. Eltern allergischer Kinder müssen also den Pollenflugkalender in diesem Jahr umschreiben. Übrigens, ein möglicher und schöner Nebeneffekt vom Mund-Nasen-Schutz („Maske“) könnte sein, dass er viele Pollen abhält und damit Kinder und Jugendlichen vor dem Heuschnupfen – zumindest etwas – schützt.

Unter den wenigen Infektionen die rumgehen, sind natürlich auch Kinderkrankheiten. Vor einer Woche hatten wir berichtet, dass die Windpocken auf 25% des Normalniveaus zurückgegangen sind. Beim Keuchhusten hingegen liegen die Erkrankungszahlen noch auf dem Niveau des letzten Jahres. In der letzten Woche kamen 25 neue hinzu. Ganz anders bei den Masern: Seit den Kontaktbeschränkungen Mitte März ist bis heute nur eine einzige weitere Erkrankung gemeldet worden. Sind im letzten Jahr bis Ende April 61 Menschen im Ländle an Masern erkrankt, so sind es jetzt nur 26. Auch ein schöner Nebeneffekt! Ganz zur schweigen von den selten gewordenen Magen-Darm-Infektionen.

Was geht in der Welt rum? Es gilt eine weltweite Reisewarnung und Reisen selbst in die Schweiz und Österreich sind nicht möglich. Dennoch wollen wir hier weiter berichten, welche Infektionen in der Welt eine Rolle spielen. So werden aus Thailand in diesem Jahr bereits 5 mit Tollwut infizierte Hunde gemeldet. Seit zwei Jahren gibt es dort viele Tollwuterkrankungen, woran im Jahr 2018 nach offiziellen Angaben 17 Menschen und im letzten Jahr 1 Mensch verstarben. Immerhin gibt es gegen Tollwut eine gut wirksame Impfung. Für wen diese sinnvoll ist, sollte vor der Reise mit einem erfahrenen Arzt geklärt werden.

Wenn Sie wegen des Coronavirus auf dem Laufenden bleiben wollen……? Wir bringen ab sofort jeden Sonntag im praxisblättle ein „EXTRA-blättle  Corona“ mit Informationen, die besonders für Eltern und ihre Kinder interessant sein könnten. Schreiben Sie uns gerne, was Sie interessiert und bewegt. Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen auf.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Mit Ihnen hoffe ich, dass sich im Mai die Lage für die Kinder verbessert und sie wieder raus dürfen. Raus in die Natur, auf den Spielplatz und in die Kindertagesstätte oder Schule. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 04. Mai 2019

Die Natur ergrünt und blüht und damit steigen die verschiedenen Pollen in luftige Höhen. Vorreiter im Südwesten ist wie in jedem Jahr die Region am Oberrhein. Inzwischen liegen die Daten für die letzte Woche vor die zeigen, dass die Birkenpollen (siehe Abbildung 1) massiv zurückgehen und im Gegenzug die Gräserpollen (siehe Abbildung 2) ihren Flug hin zu dem Schleimhäuten der Menschen antreten. Der wird bis Sonntag zunächst zum erliegen kommen. Aber im Laufe der kommenden Woche sollten Gräserpollenallergiker auf anstrengendere Tage vorbereit sein. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit, die Kinder- und Jugendärztin aufzusuchen, um mit ihr / ihm zu besprechen, wie die Belastungen für den Organismus gering gehalten werden können.

Abbildung 1. Birkenpollenflug der letzten Aprilwoche für Basel. Foto: pollenundallergie.ch

Abbildung 2. Gräserpollenflug der letzten Aprilwoche für Basel. Foto: pollenundallergie.ch

 

Kinder und Jugendliche waren in der letzten Woche vornehmlich von Luftwegsinfekten betroffen, die meist ohne weitere Komplikationen abliefen. Besonders aus dem Südschwarzwald – ganz besonders in der Region Waldshut – wurden viele Magen-Darm-Erkrankungen mit Rotaviren gemeldet. Die Erkrankungen hierfür liegen fast 60% über denen des letzten Jahres.

Eine weitere Häufung betrifft die relative seltene Hantavirus-Erkrankung (siehe auch das praxisblättle der letzten Woche). Nachdem im letzten Jahr bis Anfang Mai gerade mal 11 Erkrankungen in Baden-Württemberg registriert worden waren, sind es in diesem Jahr bereits 148. Mithin eine Steigerung um das 13-fache! Beim Betreten von Scheunen, Gartenlauben und Kellern sind Schutzmaßnahmen (Mundschutz, Handschuhe) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Moment sehr ratsam.

Was geht in der Welt rum? Die Tollwut wird seit 2018 in Thailand wieder häufig beobachtet. Betroffen ist die Hauptstadt Bangkok sowie der Nordosten und der Süden des Landes. In den ersten neun Monaten des letzten Jahres sind 17 Menschen an der Krankheit verstorben. Streunende – infizierte – Hunde sind die häufigste Ursache der Erkrankung. Für Touristen, die in Hotels untergebracht sind und geführte Touren unternehmen besteht nahezu kein Risiko. Andere, die einen langen Aufenthalt in Thailand planen und sich häufig von den Touristenpfaden entfernen sollten eine Impfung zusammen mit einem Reisemediziner in Erwägung ziehen.

Was geht rum? 30. Juni 2018

Der Sommer meldet sich wieder zurück. Viele Gräser haben ihre Pollen bereits in die Lüfte abgegeben, so dass die Pollenbelastung in den kommenden Wochen abnehmen wird. Für viele Allergiker kommt nun der angenehmere Teil des Sommers.

Außer, sie haben weitere Allergien. So fliegen inzwischen im Südwesten die Pollen des Wegerich, während der Beifuß noch nicht so weit ist.

In der vergangenen Woche haben die Infektionen mit Enteroviren zugelegt. Das ist für die Jahreszeit typisch. Diese Infektionen zeigen sich vielfältig. Zum einen als Durchfall, der eher nicht so schlimm ausfällt. Zum anderen ist die „Sommergrippe“ in aller Regel auf diese Erregergruppe zurückzuführen. Ganz typisch sind die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Diese haben eine hohe Häufigkeit in der letzten Woche erreicht.

Was geht in der Welt rum? Thailand ist das Ziel vieler Jugendlicher. Das Dengue-Fieber hat sich dort seit Jahren etabliert und wartet auch in diesem Jahr mit hohen Erkrankungszahlen auf: fast 20.000 Erkrankungen. Gerade in den kommenden Monaten ist die Belastung besonders hoch. Reisende sollten auf einen ausreichenden Schutz vor den meist tagaktiven Mücken achten, die den Erreger übertragen. Eine Impfung gibt es nicht.