Schlagwort: Therapie

Neurodermitis. Ist häufiges Baden günstig?

Die Neurodermitis ist eine chronische Entzündung der Haut. Sie betrifft zwischen 15 und 30% aller Kinder weltweit und ist durch eine trockene und rissige Haut gekennzeichnet. Die gestörte Hautbarriere hat viele Folgen. Einmal „liegen die Nerven blank“, was zu einem quälenden Juckreiz führt. Das ist mehr als unangenehm und stört den Nachtschlaf des Kindes und damit auch seiner Eltern erheblich. Daneben treten auch häufige Entzündungen der Haut durch Bakterien oder Viren auf, die ihrerseits die Entzündungsprozesse und deren Folgen enorm anheizen. Ein Teufelskreis.

Vieles ist inzwischen erforscht und wir verstehen die Prozesse recht gut, die in der Haut ablaufen. Wenn es aber zur Therapie kommt, so ist der eine Schlüssel, der alles heilen würde bislang nicht gefunden. Es verwundert also nicht, dass es an Ratschlägen aller Art nicht fehlt. Die beginnen bei teilweise abstrusen Diäten, die dem Kind in seiner Entwicklung sehr schaden können und gehen über das bei allen Krankheiten benutzte Teebaumöl bis zu verschiedenen Pflegecremes.

Auch die Frage, ob ein Kind lieber häufig oder doch selten gebadet werden sollte ist nicht gut geklärt. Hierzu gibt es jetzt aber eine Untersuchung von Ivan D. Cardona und Kollegen aus den USA. Sie ursprünglich 63 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 11 Jahren, konnten die Daten bei 40 Kindern ausgewertet werden. Dabei wurde eine Gruppe während zwei Wochen zunächst zweimal wöchentlich für weniger als 10 Minuten gebadet und danach eingecremt („soak-and-seal“). Nach dieser Zeit wurden sie zweimal täglich – aber für 15 bis 20 Minuten – gebadet und danach eingecremt. Bei der zweiten Gruppe wurde genau umgekehrt verfahren. Dabei wurde der Zustand der Haut mit dem SCORAD, einem seit Jahrzehnten bewährten Verfahren, bestimmt.

Es zeigte sich, dass sich der Zustand der Haut mit der „feuchten Methode“ – wenn also die Kinder zweimal täglich gebadet und eingecremt wurden – spürbar gegenüber der „trockenen Methode“ verbesserte. Die Verbesserung des SCORAD’s lag bei 30%, was ein enormer Wert ist.

Die Untersuchung konnte wissenschaftlich belegen, dass häufiges Baden mit nachfolgendem Eincremen deutlich günstiger ist als seltenes Baden. Damit wurde ein Gefühl bestätigt, was viele Eltern und Experten schon lange hatten.

Cortison bei akutem Krupphusten?

Der Krupphusten, das war in den letzten Wochen bereits bei „Was geht rum“ zu lesen, ist eine Erkrankung, die sich oft in den Frühjahrs- und Herbstmonaten März bzw. November zeigt. Das heimtückische an dieser Krankheit ist, dass sie sich nicht langsam anmeldet, sondern häufig von einer auf die andere Minute mit bellendem Husten, Atemnot und Halsschmerz ein Kind überfällt. Schwere Notfälle sind selten, kommen aber vor. In jedem Fall ist das Auftreten des Krupphustens für das Kind und seine Eltern besorgniserregend.

Die akute Atemnot zwingt Eltern in vielen Fällen zum schnellen Handeln. Was können Sie tun?

  • Ruhe bewahren. Das ist die erste und schwierigste Aufgabe. Denn nicht nur die Eltern haben Angst, auch das Kind. Und es ist zunächst wichtig dem Kind zu zeigen, dass die eigenen Eltern das Problem im Griff haben. Dann geht alles schon besser, denn die Eltern helfen immer am besten. Das weiß ein Kind. Also auch wenns extrem schwerfällt: Ruhe bewahren.
  • Feuchte und gute Luft anbieten. Das geht am schnellsten, wenn Eltern das Kind in dicke Decken einwickeln und mit ihm auf dem Arm nach draußen gehen und dort das Kind unterhalten: mit dem Kind über den Sternenhimmel oder andere nette Dinge reden. Alternativ kann man auch im Bad einen kräftigen Dampf erzeugen (Duschbrause aufdrehen), sich auf eine kuschelige Decke setzen und Kinderbücher ansehen.
  • Gute Atmosphäre schaffen. Ablenkung ist wichtig. Das Kind atmet schlecht, das ist klar, also sollte das nicht lange beredet werden. Getränke anbieten, an schöne Tageserlebnisse erinnern. Oftmals bessert sich darunter die Atemnot schon nach 10 – 20 Minuten. Also, eine gewisse Geduld ist auch wichtig.
  • Sollten diese Maßnahmen keine Besserung bringen, ist Cortison die einfachste Maßnahme, die schnell und effektiv eingesetzt werden kann. Dabei kann es sein, dass die Wirkung verzögert eintritt. Fünf Minuten sind es sicher, es können aber auch 20 Minuten sein. Deswegen sollten Eltern Cortison-Ängste zurückstellen – aber das wird Eltern in der Situation schnell bewusst.

Erst kürzlich hat eine Forschergruppe um CM Parker und MN Cooper aus Australien in einer Studie belegt, dass das Cortison Prednisolon (z.B. in Rectodelt©) dem Dexamathason (z.B. in Fortecortin©) gleichwertig sind. Das gibt erstmals eine wissenschaftlich sichere Grundlage für die Anwendung von Prednisolon.

In der Praxis bzw. Kliniken stehen noch weitere Therapien (spezielle Inhalationen, Medikamente per Infusion) zur Verfügung, die in aller Regel für zuhause nicht praktikabel sind.

Wenn Eltern wegen des Krupphustens in Sorge sind, so sollten sie erst die o.g. Maßnahmen durchführen und dann einen Kinder- und Jugendarzt kontaktieren. Gerade auch beim Krupphusten kann die Telemedizin sehr hilfreich sein, wenn die betreffende Ärztin/ Arzt hört, wie das Kind atmet. Dann kann sie/er die Situation besser einschätzen und die Eltern umgehend beraten, was zu tun ist.

Wenn ein Kind bereits einen Krupphusten hinter sich hat, sind folgende vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll:

  • Vorhalten eines Notfallmedikaments nach Absprache mit der Kinderärztin / Kinderarzt
  • Notfall-Telefonnummern (Kinderärztin / Kinderarzt; Notfalldienst; Telemedizin) ins Haustelefon einprogrammieren bzw. als Notiz ans schwarze Brett
  • Babysitter instruieren, was bei einem möglich nächsten Kruppanfall zu machen ist.

Insektenstiche – heat-it

Das Prinzip ist schon lange bekannt: Hitze vermag die unangenehme Hautreaktion nach einem Insektenstich effektiv zu behandeln. Das Problem: wenn uns ein Insekt gerade gestochen hat, haben wir auf die Schnelle keinen Zugang zu punktueller Hitze.

Im nächsten Jahr gibt es vermutlich eine sinnvolle Innovation: heat-it. Dahinter stecken Studenten des innovativen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Die vier Forscher fanden, dass der Hitzestift – bite away – eine gute Idee sei, die aber im Alltag oft nicht zur Verfügung steht. Wer packt schon regelmäßig einen Stift für seine Naturerlebnisse ein? Also tüftelten sie und gewannen mit ihrem heat-it den Cosima-Wettbewerb im Jahre 2017.

Mit dem Smartphone verbundener heat-it. Foto: www.heatit.de

Der heat-it wird in den Ladeanschluss des Smartphones gesteckt und mit wenigen Klicks vom Smartphone ausgelöst. Dabei wird die Dauer und Intensität der Hitze je nach Art des Insektes und des Hauttyps gesteuert. Das Kurzprogramm fragt auch ab, ob ein Kind oder ein Erwachsener betroffen ist. Damit steht gerade für Kinder eine ungefährliche und wenig belästigende Methode in Aussicht, um den lästigen Juckreiz von Insekten auf ein Minimum zu beschränken.

Nach einigen Schwierigkeiten ihr Produkt zu vermarkten, scheinen sie jetzt Erfolg zu haben. Der Schlüssel dazu war das Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt. Über ihre Homepage fanden sie viele Einzelpersonen, die ihre Idee gut fanden und bereit waren, ihnen Geld hierfür bereit zu stellen. Wenn alles so gut weiter läuft, kann im nächsten Jahr mit dem marktfertigen Produkt gerechnet werden.

Vielleicht ist ab nächstem Jahr ein Insektenstich für Kinder gar nicht mehr so schlimm. Und für Jugendliche und Erwachsene ebenso wenig.

Tuberkolose an einer Schule in Karlsruhe: Grund zur Sorge im Ländle?

Um die Antwort gleich vorab zu geben: NEIN, es besteht für die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg kein Grund zur Sorge. Tuberkulose ist eine schlimme Erkrankung und es bleibt wichtig, sie genau im Auge zu behalten. Leider wurde sie nun von vielen Gruppen politisch genutzt um gegen Migranten Stimmung zu machen. Das geben aber die Zahlen überhaupt nicht her.

Bereits im Dezember 2018 konnten Sie im praxisblättle einen Artikel zur Tuberkulose finden, der sich mit den aktuellen Erkrankungszahlen befasst. Neuere Zahlen liegen von Seiten des Robert Koch-Instituts bislang nicht vor.

Die Unterscheidung von Erkrankten und Infizierten ist für viele Nicht-Mediziner verwirrend. Aber für die Betroffenen entscheidend. Wenn Tuberkelbakterien mit einem gesunden Organismus in Kontakt kommen, wird dieser Erreger dort erkannt und der Körper leitet Gegenmaßnahmen ein. Das ganze findet bei völligem Wohlbefinden des Betroffenen statt. Erst eine Laboruntersuchung (IGRA-Test) oder eine Hautreaktion (GT 10) zeigen an, dass eine Infektion stattgefunden haben muss: es handelt sich also um einen Infizierten. Er oder sie ist offensichtlich gesund, aber die Medizin kann nachweisen, dass ein Kontakt zur Tb stattgefunden hat.

Der Erkrankte hat Zeichen einer aktiven Erkrankung. Das kann ein Befall der Lunge sein, der über ein Röntgenbild erfasst wird. Oder, gerade bei Kleinkindern, kann es auch ein Befall von Lymphknoten sein. In diesem Fall bestehen Krankheitszeichen wie Husten, Gewichtsverlust oder Leistungsabfall.

Beide, der Erkrankte wie der Infizierte, benötigen eine Therapie. Sie wird den erkrankten Menschen wieder gesund machen und dem infizierten hilft sie, die Erkrankung nicht zu bekommen. Es ist klar, dass Zahl der Medikamente (bei Tuberkulose sind es zumeist 3 Medikamente parallel) und Dauer der Medikamentengabe sehr unterschiedlich sind.

In Karlsruhe sind laut Pressemitteilung „in der betroffenen Jahrgangsstufe….88 % der Mitschüler infiziert“. Diese sind also nicht erkrankt und brauchen in aller Regel eine medikamentöse Therapie von „nur“ 3-6 Monaten, damit das auch so bleibt. Durch die Untersuchungen an Schülern und Lehrern wurden vier Erkrankte identifiziert. Das ist für die Betroffenen gut, weil sie nun behandelt werden können. Und es ist für sie unangenehm, weil sie ggf. für längere Zeit Medikamente nehmen, isoliert werden müssen und die sozialen Kontakte begrenzt werden.

FSME-Impfung? Jetzt ist es höchste Zeit. Aber nicht für alle.

Ein medizinisches Dauerthema in den Sommermonaten wird erneut die Impfung gegen FSME („Zecken“) sein. Wenn die Zecken im Frühling wieder aktiv werden, kommen auch die Ängste vor einer schweren Zeckenerkrankung wieder auf. Diese kleinen Spinnentiere sind bekanntlich sehr angriffslustig und jeder Mensch in Deutschlands Süden kennt sie.

Die Zecke selbst ist hässlich. Viel hässlicher aber sind die beiden bedeutsamen Erkrankungen, die sie übertragen kann.

Abbildung 1. Häufigkeit der FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg im Jahre 2017. Foto: Landes-Gesundheitsamt Baden-Württemberg

1. FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis): durch Viren übertragen, und im Erkrankungsfall bis heute nicht mit Medikamenten ursächlich behandelbar. Mit zunehmendem Alter besteht ein ansteigendes Risiko für eine Meningoencephalitis (vereinfacht oft „Hirnhautentzündung“ genannt).

2. Borreliose: sie ist etwa 500 Mal häufiger und auch mit dem Risiko für eine Hirnhautentzündung verbunden. Aber: die Borreliose ist mit Antibiotika behandelbar, sofern ihre ersten Anzeichen rechtzeitig erkannt werden. Die Behandlung der Komplikationen sind oft schwierig und nur zum Teil erfolgreich. Eine allgemeine Impfung gibt es bislang nicht.

Abbildung 2. Zecken-Endemiegebiete der Schweiz (rot eingezeichnet). Die Hauptregion grenzt unmittelbar an den Bodensee und den Hegau in Deutschland. Foto: Bundesamt für Gesundheit der Schweiz

Dass die Impfung gegen FSME für Erwachsene medizinisch gut begründet ist, ist unter Fachleuten unbestritten. Schwieriger wird die Informationslage bei Kindern. Für das Land Baden-Württemberg wird die Impfung vom Landesgesundheitsamt ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Schaut man sich die Datenlage hierzu an, wird die Begründung aber fragwürdiger. Da macht es Sinn, sich mal in unserem Nachbarland umzusehen. Zecken kennen ja keine Grenzen und so dürfte das Risiko für die angrenzende Schweiz in etwa unserem vergleichbar sein. Auf der Karte des Bundesamtes für Gesundheit der Schweiz von 2015 (siehe Abbildung 2 rechts) zeigt sich, dass das Endemiegebiet der Schweiz direkt an das von Baden-Württemberg angrenzt. Die roten Flecken hören an der Grenze zu Deutschland auf und sind auf der entsprechenden deutschen Karte (z.B. des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg) dargestellt.

Prof. Dr. Christoph Berger von der Universitäts-Kinderklinik in Zürich hat sich in einer Arbeit 2011 mit dieser Frage auseinandergesetzt. In den gezeigten Endemiegebieten (Abb. 2) sind etwa 1% aller Zecken Träger des FSME-Virus. Nach einer Inkubationszeit von 1-2 Wochen treten bei geschätzt 10-30% der infizierten Personen grippeartige Beschwerden auf: Kopfschmerz, Müdigkeit, Gliederschmerz, ggf. auch Fieber. Nach kurzer Beschwerdefreiheit kann danach die Erkrankung der Hirnhaut (Meningitis; M) oder der Hirnhaut und des Gehirns (Meningocephalitis; ME) folgen.

Die schweren Verläufe gibt es fast ausschließlich bei Erwachsenen. Im Rahmen der sehr seltenen neurologischen Folgeerkrankungen der Kinder tritt in 70-80% eine Virus-Meningitis auf, die jedoch folgenlos abheilt. Die schwerwiegendere ME, die mit Krämpfen und Lähmung einhergeht ist seltener. Auch diese heilt bei Kindern fast immer folgenlos ab, so dass Todesfälle bei Kindern kaum beschrieben sind. Bleibende Lähmungen nach dieser schweren Komplikation treten bei Kindern nur in 0.5% aller Betroffenen auf. In der Schweiz werden pro Jahr etwa 2 FSME-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren gemeldet. Diese und andere Fakten führen dazu, dass in der Schweiz die Impfung allen Kindern ab 6 Jahren empfohlen wird.

Dieses Vorgehen möchten wir auch allen Eltern in unserer Region Nördlicher Bodensee empfehlen, weil es wissenschaftlich gut begründet ist. Sollten Eltern jedoch eine frühere Impfung gemäß den Regelungen in Baden-Württemberg wünschen, wird sich kein Arzt versperren. Nur muss dann auch klar sein, dass durch den Akt des Impfens selbst das Vertrauensverhältnis Kind-Arzt in einer sehr sensiblen Lebensphase zusätzlich belastet wird. Das kann sich im Einzelfall negativ auswirken, wenn dadurch die Untersuchung bei schweren Krankheitsbildern durch das fehlende Vertrauen des Kleinkindes erschwert wird.