Schlagwort: Toilettenpapier

Warum Toilettenpapier?

Die Unsicherheit, die das Coronavirus auslöst, treibt die Menschen in die Geschäfte, um sich mit wichtigen Waren einzudecken. Das ist nachvollziehbar. Die Hamsterkäufe machen ja nur die anderen. Am Samstag war einer der bekannten Discounter in meiner Nachbarschaft voller Menschen, vor der Kasse bildeten sich Schlangen. Mit meinen zwei Produkten in der Hand (saure Sahne, eine Packung gefrorene Erbsen) kam ich mir richtig komisch vor. Die Einkaufs-wägen waren voller H-Milch, Dosenwurst oder Nudeln. Vernünftige Sachen.

Interessanterweise gab es sogar Toilettenpapier. Es war am Morgen, und die vielleicht sieben Packungen lagen friedlich und einsam im Regal. Wie ich hörte, waren in den Tagen zuvor Menschen über 25 Kilometer gefahren, um an Toilettenpapier zu kommen.

Wie der Autor eines Berichts im Berliner Tagesspiegel dachte ich zuerst auch, dass wir Deutsche einen Hang zur analen Phase haben. So wurde vor etwa 100 Jahren von Sigmund Freud eine Entwicklungsphase bezeichnet, in der das zwei- bis dreijährige Kind die Lust am Produzieren, Hergeben und Verweigern lernt. Die Darmentleerung wird vom Kind als lustvoll und „gut“ erlebt, von der Umgebung aber als „böse“. Viele Eltern nennen das ausgeschiedene Produkt denn auch „bäh“, was ich schon immer seltsam fand. Und es gilt bis heute als ein elterlicher Erfolg, wenn Kinder früh „sauber sind“. Was in den folgenden Jahrzehnten dazu führt, das dieses Thema eine lebenslange Belastung bleibt. Ich sage nur mal Dulcolax.

Der anale Charakter wird logischerweise mit Begriffen wie ordnungsliebend, penibel, starrsinnig, zwanghaft und sparsam umschrieben. Typisch Schwabe? Typisch deutsch? Mitnichten.

Gerade erfahre ich, dass auch in Washington D.C. (USA) eines in den Supermärkten vergriffen ist: Toilettenpapier. Ich bin verzweifelt. Meine Erklärungsversuche sind am Ende.

Haben Sie eine Idee?