Schlagwort: Umwelt

Was haben Dieselabgase mit einer Lungenentzündung zu tun?

Der Dieselskandal ist Teil eines enormen Mosaiks. Der Dieselmotor an sich ist technisch betrachtet ein Meisterwerk. Seine große Verbreitung also nicht verwunderlich. Es verwirrt aber schon, warum medizinische Belege über die Gefährlichkeit der Dieselabgase in den 1990’ger Jahren kaum Beachtung fanden. Warum setzte das große Erstaunen erst 25 Jahre später ein?. Lange Jahre, in denen man einen technisch interessanten Motor mit Sicherheit hätte enorm weiter entwickeln können. Dass am Schluss der Betrug – „Dieselgate“ – damit geahndet wird, dass die Beschuldigten mit 9 Millionen Euro aus der Firmenkasse entlastet werden, ist mehr als eigenartig.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass die Umweltverschmutzung durch Giftgase jährlich für 7 Millionen Todesfälle verantwortlich ist. Von diesen Todesfällen fallen übrigens 7% auf Lungenentzündungen.

In einer spannenden Untersuchung konnten Forscher aus England und Irland nun nachweisen, worin der Zusammenhang besteht. Pneumokokken sind Bakterien, die prinzipiell zu schweren Infektionen führen können. Andererseits lassen sie sich auch bei gesunden Menschen z.B. in der Nase nachweisen. In ihrer Studie zeigten die Forscher um Rebecca K. Shears, dass die „ruhige“ Besiedlung der Nase bei Mäusen durch die Belastung mit Dieselteilchen in der Einatemluft ein Ende hat. Unter dieser zusätzliche Belastung der Nase mit Dieselteilchen wird das Gleichgewicht so gestört, dass sich die Pneumokokken auf den Weg in die Lunge machen und dort zu einer verstärkten Entzündungsreaktion und verringerten Abwehr führen. In deren Folge treten Lungenentzündungen auf.

Wie wir diese Arbeit sehen: Die Corona-Pandemie hat nochmal gezeigt, dass kleinste Viren enorme Effekte auf der Erde erzeugen können. Ähnliches gilt für unsere Mobilität. Hier verdrängen wir bis heute die Tausenden von Unfalltoten in Deutschland ebenso wie die Millionen Menschen auf der Erde die – ob sie Auto fahren oder einen Ochsenkarren benutzen – von den schädlichen Umweltgasen erreicht werden. Mit enormen Folgen.

Weniger Fleisch: Günstig für die eigene Gesundheit und die Umwelt

Die Diskussionen über Ernährung und Umwelt sind im vollen Gange. Die meisten Menschen haben realisiert, dass Fleischkonsum weder der Umwelt noch der eigenen Gesundheit helfen. In den USA und Großbritannien will jeder zweite Erwachsene den Fleischkonsum verringern. Ob das umgesetzt wird, scheint eher fraglich. In den genannten Ländern hat der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren sogar um 10% zugenommen.

Den Zusammenhang zwischen Umweltbelastung, eigener Gesundheit und dem Essverhalten hat eine Studie kürzlich beleuchtet. Die Forscher Michael A ClarkMarco Springmann, Jason Hill, und David Tilman von der Universität in Oxford untersuchten das für verschiedene Nahrungsmittel. 

Umweltbelastung und gesundheitliche Folgen für verschiedene Nahrungsmittel: rotes Fleisch (rot), Huhn (rosa), Gemüse (grün) Foto: https://www.pnas.org/content/116/46/23357

Die Tabelle zeigt, dass Fleisch besonders ungünstig ist: Die Belastung der Umwelt durch die Produktion des Fleisches ist riesig (hier ist der Index AREI = 37), während gleichzeitig die Sterberate enorm ansteigt. Praktisch heißt das: wer 50 Gramm Fleisch mehr ist pro Tag als der Durchschnitt hat eine um 41% höhere Sterblichkeit gegenüber Menschen, die eine  normale Kost (Durchschnitt) verzehren.

Auf der Gegenseite steht das Gemüse: 100 Gramm mehr Gemüse stellen keine Belastung der Umwelt dar (AREI = 1) und senken die Sterblichkeitsrate gegenüber dem Durchschnitt um fast 15%. Was der Umwelt gut tut, tut auch unserer Gesundheit gut.

Würde ein Mensch, diese 50 Gramm Fleisch pro Tag weniger verzehren und durch 100 Gramm Gemüse ersetzen, würde der Anteil an Treibhausgas um den Faktor 20 sinken. Der Landverbrauch wäre sogar um den Faktor 100 niedriger. 100 Gramm Gemüse ist jedoch deutlich weniger kalorienhaltig als 50 Gramm Fleisch. Um diesen auszugleichen, müsste die Nahrungsumstellung mit erheblichen Mengen an Gemüse ausgeglichen werden.

Eine weitere, statistisch sehr aufwendige und nicht leicht verständliche Studie um Brent F. King von der Johns Hopkins University hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Mit verschiedenen  Rechenmodellen zeigen sie, welche Effekte geringere und stärkere Nahrungsumstellungen für 140 Länder dieser Erde hätten. So würden die Treibhausgase in den USA um 60% sinken, wenn der Durchschnitts-Amerikaner sich zu 2/3 vegan ernähren und nur selten Fleisch zu sich nehmen würde.

Es liegt also nicht nur an der Politik. Auch wir können einiges verändern. Und langsam anzufangen ist besser als gar nicht. „Ich sollte …..“ sollte gestern gewesen sein. Mit Immanuel Kant könnte man sagen: „Ich kann, weil ich will, was ich muss“.

Bessere Kindergesundheit durch weniger Verkehr?

Es ist noch nicht leicht zu bemerken. Aber das Auto befindet sich langsam auf dem Rückzug. Einen Hinweis gibt das Alter der Autos auf deutschen Straßen. Es nimmt – nach einem Plateau Anfang des Jahrtausends – stetig zu und liegt nun bei 9.5 Jahren. Für junge Menschen hat das Automobil als Statussymbol zumeist ausgedient. Der niedergelegte Golf ist ein Relikt, das nur noch selten anzutreffen sind. In den Städten werden schicke Autos von Schrammen bedroht. Deswegen findet man sie in den Citylagen kaum noch. Dort stehen to-go-Autos an jeder Ecke, um kurz mal die Getränke für das Fest am Abend einzukaufen.

„Ich bin auf das Auto angewiesen“ heißt es hingegen auf dem Land. Dort stimmt es auch meistens. Obwohl ein großer Teil der Mobilität auch zu Fuß, Fahrrad oder mit einem Roller zu machen wäre. Gerade viele aus der Generation X und Y haben halt gerne noch ihr Blech um sich. Auch bei Reisen innerhalb Deutschlands. Bahnfahren? Oder gar FlixBus?

In Berlin sind im Moment etwa 1.21 Millionen Autos zugelassen, darunter 2713 E-Autos (Stand Januar 2019). Die Zahl der Fahrräder ist nicht bekannt. Aber es gibt inzwischen 17 Zählstellen. An der Jannowitzbrücke, die vom Alexanderplatz den Weg über die Spree nach Süden ermöglicht, kommen wochentags bis zu 15.000 Fahrräder vorbei. Da nimmt sich die Zahl der Scooter in der Stadt mit momentan etwa 6000 eher bescheiden aus. Ein buntes Bild: Die Zahl der Autos steigt, die der Fahrräder ebenso und auch die der Scooter. Es wird also erstmal eng auf den Wegen der Stadt. Ob aber die Luft besser wird?

Zurück ins Ländle. Karlsruhe ist schon immer für seinen guten öffentlichen Nahverkehr bekannt. Dort wurden von den Verkehrsbetrieben im Jahr 2016 über 52 Millionen Zeittickets für Auszubildende verkauft. Gemessen an der Zahl der zugelassenen PKW gibt es fast dreimal so viele E-Autos wie in Berlin. Leider ist aber die Länge der Fahrradwege seit 5 Jahren unverändert. Auch hier kein eindeutiger Trend.

Das sieht noch nicht nach Veränderung aus. Aber Sie hat begonnen. In London hat 1952 der Great Smog ein Umdenken herbeigeführt. Inzwischen ist seit 2003 eine gebührenpflichtige Umweltzone (Low Emission Zone) eingeführt. Zusätzlich zu Gebühren für besonders umweltschädigende Autos gibt noch Staugebühren. So, und durch den gut organisierten Nahverkehr, werden Autos abgehalten, in die Innenstadt zu fahren. In Paris ist man auch sehr aktiv und hat in den letzten 5 Jahren das Netz der Fahrradwege um 50% vergrößert. Verkehrsberuhigte Zonen gibt es in den Metropolen wie in den Kleinstädten, Fußgängerzonen ermöglichen neue Freiräume. Gerade Städte wie Köln,  Birmingham, Mailand und Antwerpen – eher fürs Auto gebaut – stellen sich rasant um.

Wir haben einen Einfluss auf unsere Umgebung. Quelle: httpsimgur.comgallerysCvRIEd.gif

Und bei den Menschen ist das Thema Klima auch angekommen. Alle unterstützen Maßnahmen, die das Klima verbessern. Bei den praktischen Schritten aber hapert es noch. Welchen Unterschied es macht ob wir im Auto durch die Stadt fahren oder als Fahrradfahrer bzw. Mitfahrer in einem Eisenbahnwaggon, zeigt eine nette Animation.

Also einfach mal das Auto stehen lassen. Das Fahrrad nehmen – auch wenn’s regnet – oder auch den Bus. Es gibt viele Möglichkeiten, die entdeckt werden wollen.

Für die Kindergesundheit wäre es ein Segen. Für Kopenhagen in Dänemark haben Wissenschaftler um Henrik Brønnum-Hansen und Mitarbeiter kürzlich nachgewiesen, welchen Effekt Umweltverschmutzung in Städten auf Kinder hat. Sie zeigten auf, dass die Senkung der Belastung von NO2 in Kopenhagen auf übliche Werte, wie sie auf dem Lande erreicht werden, die Lebenserwartung im Jahre 2040 um über ein Jahr verlängern würde. Das war nur ein Wert. Ähnliche Veränderungen rufen beispielsweise auch die Reduktion des Lärms hervor. Es lohnt sich also zu bedenken, ob „freie Fahrt für freie Bürger“ (ADAC, 1974) es wirklich wert sind, unsere Kinder kränker zu machen.

App – zum giftfreien Einkaufen

Unsere Umwelt ist schon heute sehr belastet. Das ist den meisten Menschen klar, sofern man chronische Leugner – wie Donald Trump – mal außen vorlässt. Schwieriger wird’s schon, dieses Wissen über die unterschiedlichen Umweltgifte im Alltag auch praktisch umzusetzen.

Dazu ist die neue App des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) eine große Hilfe.

Jetzt bleibt nur noch die schwierigste Aufgabe: Das ganze halbwegs konsequent im Alltag umzusetzen. Nicht wie Al Gore, früherer Vizepräsident der USA und Friedensnobelpreisträger, der diesen Preis im Wesentlichen für sein „Umwelt-Engagement“ bekam. Er verbrauchte für sich und seine Frau im Jahr 2006 – ein Jahr vor Verleihung des Friedensnobelpreises – etwa 221.000 kWh Strom für sein Haus und den Pool (Durchschnittswert für die USA liegt bei 10,656 kWh). In Deutschland wird für den Jahresstromverbrauch eines Zwei- bis Drei-Personen-Haushaltes ein Wert von 3500 kWh angesetzt.

Also, versuchen wir es besser zu machen. Mit dieser App als Hilfe. Für unsere Kinder.