Schlagwort: USA

Unser letztes „Was geht rum?“ (09. Oktober 2021) – Tschüss :)

Impfgegner: Warum diese Gruppe so angewachsen ist. Einige Anmerkungen

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Infekte? Eigentlich nichts Neues. Zum Glück

Tschüss: Das praxisblättle verabschiedet sich heute

 

Arbeiten Sie im Schichtdienst? Dann spüren regelmäßig Sie am eigenen Körper was es bedeutet, zu unterschiedlichen Tageszeiten präsent zu sein. Und sie stellen jede Woche fest, wie belastend es ist, sich nicht spontan mit Freunden treffen zu können, weil sie mal in der einen mal in der anderen Schicht eingeplant sind. Auf Intensivstationen sind inzwischen 90% der Corona-Patienten Ungeimpfte. Wie kann das sein? In meinen 35 Jahren in der Pädiatrie habe ich manche Impfgegner kennengelernt. Das waren zumeist empfindsame Eltern, die Sorge um ihr Kind hatten, wenn es darum ging fremde Substanzen in deren Körper zu bringen. Und sie machten unter allen betreuten Kindern vielleicht 2% aus. Heute verweigern fast 25% der Deutschen die Corona-Impfung. Wie kann das sein? Plötzlich 10 Mal so viele Impfgegner? Die Gruppe der Impfgegner ist offensichtlich um Menschen angewachsen, die – so macht es den Eindruck – ihre persönliche Unzufriedenheit auf die Impfung (und den Staat) sowie Trotz zum Ausdruck bringen. Daneben gibt es vermutlich viele Mitläufer. Mit ihrem Verhalten bedrohen sie die Gesundheit unserer Kinder. Und sie strapazieren die Zufriedenheit von Medizinpersonal in den Kliniken, die tägliches rund-um-die-Uhr Engagement für Menschen aufbringen, die einfach mal so eine Impfung ablehnten. Ich mache mir Sorgen, dass mehr Krankenschwestern, Krankenpfleger und ÄrztInnen in naher Zukunft ihren Beruf aufgeben werden.

Zahl der Kinder, die in einer Klinik in den USA wegen Coronainfektionen behandelt wurden. GRAU Kinder von 5-17 Jahren, OCKER Kinder von 0-4 Jahren.   Foto CDC

Die Ungeimpften bedrohen die Gesundheit der Kinder, die nicht geimpft werden können (alle unter 12 Jahren). Für die USA zeigt sich, dass die Zahl der Coronaerkrankungen von Kindern mit stationärem Behandlungbedarf im September auf höchste Werte anstieg. Ob Ungeimpfte das beeindruckt?

Bei den Infekten gibt es kaum Neuigkeiten. Die Erkältungsviren breiten sich weiter aus, nachdem der Mund-Nasen-Schutz weniger häufig angewandt wird. Fürs Immunsystem ist das günstig – es will sich mit seiner Umgebung (Viren, Bakterien) auseinandersetzen. Bei Kindern führt das „nebenbei“ zu Erkältungskrankheiten, die aber meist nicht schlimm sind. Aber auch die Erwachsenen dürften in diesem Winter von mehr Infekten geplagt werden, als die letzten 18 Monate. Bleibt zu hoffen, dass – besonders für Kinder – das RS-Virus nicht zu vielen schweren Verläufen führt und dass auch das Influenza-Virus (Grippe) sich nicht allzu heftig vermehrt.

Bei den Kinderkrankheiten bleibt alles recht ruhig: wenige Erkrankungen in der vergangenen Woche an Keuchhusten (7) und Windpocken (43) in ganz Baden-Württemberg. Weiterhin seit März 2020 (!) keinerlei Masern-Erkrankungen. Auch die Zahl der Mumps-Erkrankungen ist überschaubar (14 in diesem Jahr im Ländle).

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar schreitet die Pest-Saison weiter. Im Hochland um die Hauptstadt Antananarivo bestehen 42 Verdachtsfälle, 22 Personen sind bislang sicher erkrankt. Bereits 8 Menschen sind seit August an der Pest verstorben.

Heute, nach 28 Jahren, verabschiedet sich das praxisblättle von Ihnen, geneigter LeserInnen. Wir hoffen, dass Sie in den letzten Jahren interessante Informationen fanden, die Ihnen bei der Einschätzung von Krankheiten Ihrer Kinder weitergeholfen haben. Im Rummel oberflächlicher Angebote mit Ratschlägen wie „Trinken Sie viel“ haben wir versucht, wissenschaftliche Informationen in Ihren Alltag zu transportieren. Ohne marktschreierische Effekte. Und ohne Werbung. In Zeiten von marketinggesteuerten „Informationen“, deren manipulativer oder allenfalls magerer Inhalt sich erst beim zweiten Lesen als Schmu entpuppt waren wir manchmal etwas trocken. Aber immer echt.

Als verantwortlicher Autor des praxisblättle wünsche ich Ihnen und ihrer Familie Gesundheit, Freude im Alltag und Zuversicht in spannenden und gelegentlich mühsamen Zeiten. Machen Sie’s gut!

Was geht rum? 25. September 2021

Das praxisblättle gibt auf! 

Aerosole: entscheidender Weg der Ausbreitung nicht nur für SARS-CoV2

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Beulenpest in den USA

Das Foto in einem Blog vor vielen Jahren hat alles ausgelöst: Versehentlich hatte ich zum zweiten Mal ein Bild der dpa (Deutsche Presseagentur) für den Blog genutzt und wurde mit 350 € von einer Rechtsanwaltskanzlei abgemahnt. Eigener Fehler ja, weh tat’s trotzdem. Es sind also schnöde finanzielle Überlegungen, die zur Einstellung des praxisblättle führen. Der Versuch, Sie als Leser zu finanziellen Unterstützern zu machen, hat leider nicht die notwendige Resonanz gefunden. Andererseits kam ein werbungsfinanzierter Blog für mich nicht in Frage. Mitte Oktober 2021 wird Schluss sein. Leider. Denn ich weiß, dass das praxisblättle viele Leser hat, die es regelmäßig und mit Freude lesen. Und mir selbst hat es jede Woche Spaß gemacht Themen zu präsentieren, die nicht schon die ganze Woche in den Medien vorkamen und für Eltern im Alltag dennoch interessant waren.

Seit Beginn der Coronapandemie stehen allerorten Desinfektionsspender, die uns auffordern, die Händen von Keimen zu befreien. Dabei ist in den letzten Monaten immer deutlicher geworden, dass die Coronaviren hauptsächlich als Aerosol weiterverbreiten. Und nicht nur diese Viren. Auch Masern, Influenza, RS-Viren und die meist „banalen“ Rhinoviren finden als kleinste Tröpfchen von etwa 100 µm den Weg zu ihren Opfern. Anders als die größeren Tröpfchen können sind Aerosolteilchen über 5 Sekunden in der Luft halten und im zarten Luftstrom weitaus mehr als 2 Meter durch die Luft gleiten. Und: Diese Aerosole werden ständig freigesetzt: bei Reden, beim Lachen, beim Singen. Sichtbar sind sie nicht, aber oft hochinfektiös. Wollen Sie mehr wissen? Dieser Artikel aus Science ist sehr informativ (in Englisch).

Coronainfektion: Tägliche Neuaufnahmen in Kliniken (gemittelt über 1 Woche) pro 100.000 Personen, nach Alter gestaffelt. Die orange Kurve zeigt den Verlauf bei Kindern und Jugendlichen (Alter 0 – 18 Jahre) seit August 2020 in den USA. Foto: NYT

Wenn Kinder mit dem Coronavirus infiziert sind, werden sie meist nur wenig krank. Somit sind Einweisungen ins Krankenhaus eher selten. Nun zeigt sich in den USA ein Trend, der sich möglichweise auch bei uns bemerkbar machen könnte: Die Krankenhausbehandlungen von Kindern (0-18 Jahre) mit Coronaerkrankungen ist in den letzten Wochen auf Werte angestiegen, wie sie seit Beginn der Pandemie noch nie beobachtet wurden. Impfungen für Schulkinder (5-11 Jahre) wurden mit von BioNTech/Pfizer mit einer verringerten Dosis und sehr guten Ergebnissen getestet. Es ist jedoch kaum denkbar, dass mit einer Studie an 2268 Kindern – davon ein Drittel mit Placebo) eine ausreichende Grundlage für eine Impfempfehlung besteht. Es bleibt dabei: Kinder sind am besten geschützt, wenn sich die Erwachsenen schützen, also impfen lassen.

Wöchentliche COVID-19-Inzidenz nach Altersgruppen. Foto: RKI

Und wie sieht es aktuell aus? Coronainfektionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Dias zeigen „roten Zonen“ in der Graphik des Robert-Koch-Instituts (RKI), die sich seit letztem Jahr nach unten bewegt haben. Die Erkältungsviren sind weiterhin aktiv, eine echte Infektwelle ist aber nicht in Sicht. Bei den Windpocken zeigte sich in der vergangenen Woche ein Anstieg der Fälle um 50%.

Was geht in der Welt rum? Die USA sind für viele das Land der Träume. Daran hat auch ein Donald Trump nicht sehr viel geändert und auch nicht die Tatsache, dass Europäer trotz geringer Corona-Infektionszahlen nunmehr 18 Monate sich diesen Traum nicht mehr gönnen durfte. Die USA sind deutlich anders, als wir oft meinen. So kommt in diesem hochentwickelten Land seit Jahren auch die Beulenpest vor: Im Juli verstarb ein Mädchen an der Erkrankung, im August gab es einen weiteren Fall und Mitte September ist wiederum ein Mann an Lungenpest erkrankt. Der Infektionsweg ist bislang nicht bekannt. Von außerhalb des Landes kann der Erreger kaum eingeschleppt sein.

Ich wünsche Ihnen allen ein sonniges Wochenende. Bis nächste Woche an dieser Stelle bleibe ich Ihr

 

 

Was geht rum? 24. April 2021

Kinderarztpraxen: Deutlich weniger Behandlungen

Nach einer COVID-Impfung: Antikörper in der Muttermilch nachweisbar

schwere COVID-19 bei Kindern: Vergleich USA – Deutschland

Pollenflug – Fahrradhelm – Malaria

Auch dieses praxisblättle hat den Schwerpunkt Coronaerkrankungen. Dabei verzichten wir auf die staatlichen Regelungen wie die Notfallbremse, von denen Sie rund um die Uhr hören und am nächsten Morgen dennoch nicht wissen was gilt. Eines ist gewiss: Alles funktioniert nur mit der Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Der Staat kann gelegentlich kontrollieren. Aber als Erwachsene sollten wir soweit sein, unsere Verantwortung eigenständig wahrzunehmen. Bei Kindern ist das manchmal anders: Sie wollen gelegentlich Grenzen austesten.

Kindergesundheit in der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Foto: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW-Berlin

Mit Beginn der Coronapandemie waren die Praxen der Kinder- und Jugendärztinnen plötzlich fast leer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat untersucht, warum das so war. Einmal – das hatten wir mehrfach hier beschrieben – haben die Pandemieregelungen  neben den Coronavirus auch andere Viren an der Ausbreitung gehindert: Die Behandlungen wegen Infektionen gingen um über 50% zurück. Die Zahl der psychischen Erkrankungen ging jedoch nur um 12% zurück, während bei den Terminen infolge chronischer Erkrankungen (Diabetes, Zöliakie u.a.) überhaupt kein Rückgang festzustellen war. Man darf also annehmen, dass Eltern die Praxen nicht aus Angst vor Ansteckung seltener aufsuchten, sondern weil oft  weniger Bedarf bestand.

Aus Israel kommt eine Studie, die zeigt, dass nach einer COVID-19-Impfung von Müttern in der Stillzeit in der Muttermilch Antikörper gegen das SARS-CoV-2 nachzuweisen sind. IgA-Antikörper waren bereits nach 2 Wochen, IgG-Antikörper nach 4 Wochen nachweisbar. Welchen Effekt die Antikörper auf Säuglinge haben ist nicht bekannt. Die Studiengruppe umfasste nur 84 stillende Frauen, so dass weitere Aussagen nicht möglich sind.

Krankenhaus – auch Kinder werden wegen Coronainfektionen stationär behandelt. Foto: pixabay, Silas Camargo Silão

In den USA sind im Jahre 2020 über 2 Millionen Kinder an COVID-19 erkrankt. In einer Studie von CDC-Forschern wurde untersucht, wie viel schwere Verläufe Kinder durchmachten und wen es besonders traf. Es zeigte sich, dass drei Gruppen besonders betroffen sind: Zum einen Kinder mit Grunderkrankungen, zum anderen Kinder der Altersgruppe von 2-11 Jahren und Buben, die klar häufiger von Coronainfektionen betroffen waren als Mädchen.

Bis Anfang April sind in Deutschland etwa 385.000 Kinder und Jugendliche (bis 19 Jahre) seit Beginn der Pandemie an einer Coronainfektion erkrankt. Das ergeben Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), die in einer Antwort der Bundesregierung der FDP-Fraktion vom 9. April veröffentlich wurden. Am häufigsten erkrankten Jugendliche von 15-19 Jahren: In den 14 Monaten seit Beginn der Pandemie 152.912 Jugendliche. Stationär wurden 4.789 Kinder und Jugendliche von 0-19 Jahre behandelt, davon mindestens 68 auf Intensivstationen. Elf Todesfälle sind nachgewiesen, wobei in acht Fällen eine Vorerkrankung bekannt war.

Der Birkenpollenflug erreicht in diesen Tagen seinen Höhepunkt im Südwesten. In den kommenden sieben Tagen ist bei weiter steigenden Temperaturen auch mit dem Flug der Gräserpollen zu rechnen. Kurzum, die schwierigen Tage für viele Pollenallergiker haben begonnen.

Die Infektions-Nachrichten sind diese Woche fast die gleichen wie letzte Woche: Bisher kein Fall von Masern in Baden-Württemberg, drei Fälle von Mumps (Vorjahr: 48), recht wenig Keuchhusten mit 61 Fällen seit Jahresbeginn (Vorjahr: 613). Die Infektionen des Hantavirus steigen logarithmisch an, ähnlich den Coronainfektionen: 80 Fälle allein in der letzten Woche (Vorjahr: 18 Fälle insgesamt in den ersten 15 Wochen des Jahres).

Fahrradfahren. Foto: pixabay, Sylwia Aptacy

Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen tragen 82 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren beim Radfahren einen Helm. Über alle Altersgruppen sind es aber nur 18 Prozent der beobach­teten Fahrradfahrer (Zahlen für 2018). Laut dem Statistischen Bundesamt gab es 2019 genau 86.897 Fahrradfahrer, die bei einem Verkehrsunfall ver­letzt wurden. 15.176 Fahrradfahrer wurden schwer verletzt, 445 verunglückten tödlich. Eltern können auch von Kindern lernen – nicht nur beim Helmtragen!

Was geht in der Welt rum? Morgen ist Welt-Malaria-Tag. Wenn wir nicht auf Reisen sind, ist diese Erkrankung extrem weit weg. Aktuell sterben allein in Afrika pro Jahr 380.000 Menschen an dieser Infektionskrankheit, der überwiegende Teil sind Kinder in den ersten 5 Lebensjahren. Fehlernährung, dadurch schlechte Immunitätslage, kaum Zugang zu effektiver medizinischer Therapie – kurzum Armut ist die letztendlich wichtigste Ursache für dieses Drama. Eine Impfung gibt es bislang nicht, wenngleich eine neue Impfstudie (R21/Matrix-M (MM) in Burkina Faso) sowie  die mRNA-Technologie wie bei der Coronaimpfung von BioNTech und Pfizer neue Hoffnungen wecken.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrer Familie an diesem herrlichen Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Weniger Neurodermitis auf dem Bauernhof

Das Leben auf dem Bauernhof ist in vielen Beziehungen günstig für ein gesundes Leben von Kindern. Studien aus Europa haben dies für die Entstehung von Allergien schon mehrfach belegt. So wurde bereits vor 10 Jahren im Rahmen der PASTURE-Study gezeigt, dass frühe Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof bei vielen Kindern das Auftreten von Neurodermitis verhindern kann.

Zusammenhang von der Häufigkeit von Neurodermitis (AD) mit der Anzahl und Diversität von Tieren in der Umgebung. Quelle: JACI, Steiman et al, 2020

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie über das Auftreten von Neurodermitis im Vergleich von Müttern und Kindern, die in den USA auf einem Bauernhof leben. Darin untersuchten Cheryl A. Steiman und Mitarbeiter von der University of Wisconsin in Madison das frühe Auftreten von Neurodermitis (early-onset AD (atopic dermatitis)) bei Müttern, die bereits in der Schwangerschaft auf dem Bauernhof lebten.

Es zeigte sich, dass eine frühe und damit tendenziell schwere Neurodermitis deutlich seltener auftrat, wenn zwei Bedingungen erfüllt waren:

  1. Ständige und enge Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof.
  2. Auf dem Bauernhof lebten viele unterschiedliche Tiere (Diversität).

Dabei spielt schon die Schwangerschaft eine günstige Rolle. Wenn also schwangere Bäuerinnen eng in die Arbeit mit Tieren eingebunden waren, trat bei ihren Kindern später seltener die – eher schwere – Frühform einer Neurodermitis auf.

Das enge Zusammenleben mit verschiedenen Tieren ist also auch in Bezug auf die Verhinderung einer Neurodermitis günstig. Für einzelne Tiere wie Katzen oder Hunde ließ sich dieser Effekt bisher nicht belegen.

Was geht rum? 30. Januar 2021

Schockrisiko nach mRNA-Impfungen

COVID-19 bei Kindern in den USA

KiTas und Grundschulen im Ländle bleiben zu

Saubere Luft im Ländle –  dank Winter und Coronavirus

Zuletzt haben Sie manche Beiträge im praxisblättle über Impfungen gelesen. Bleiben wir also bei diesem Thema. Ein allergischer Schock, medizinisch Anaphylaxie genannt, ist die schwerste akute Reaktion, die nach einer Impfung auftreten kann. Inzwischen liegen zu diesem Risiko erste Daten aus den USA vor. Was den Impfstoff von BioNTech/Pfizer betrifft, so liegt die Rate bei 11,1 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Dies zeigt die Studie aus dem Team von Tom Shimabukuro vom Center for Disease Control (CDC), dem amerikanischen Pendant des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Für den anderen in Deutschland zugelassenen  Impfstoff, den der Firma Moderna, liegen die Zahlen bei einem Viertel: 2,5 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Das zeigt der MMWR ebenfalls aus dem CDC vom 22. Januar dieses Jahres auf, der sich auf 4,041,396 Erstimpfungen bezieht. Aus diesem Grunde müssen alle Geimpften in Deutschland 30 Minuten nach der Impfung im Impfzentrum bleiben. Über die speziellen Risikogruppen gibt eine Studie von Alvaro Moreira und Mitarbeitern aus dem CDC weitere Auskünfte.

In Deutschland erfahren wir nur vereinzelte Daten über COVID-19 bei Kindern. Aus den USA wissen wir seit der Veröffentlichung der AAP News (in Englisch; AAP  ist die Gesellschaft der amerikanischen Kinderärzte) nun genauer, wie sich das Coronavirus bei Kindern und Jugendlichen ausbreitet. Demnach sind in den USA seit Ausbruch bis heute 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche an COVID-19 erkrankt (12,5% aller Erkrankter überhaupt). 10.182 Kinder wurden stationär behandelt (0.8%) und 191 (0.01%) verstarben an der Corona-Infektion.

Nun bleiben die Kindergärten und Grundschulen in Baden-Württemberg doch erstmal mindestens bis zum 21. Februar – also nach den Fasnachtsferien – geschlossen. Nur die Notbetreuung wird weitergeführt. Der Grund, so Ministerpräsident Kretschmann: „Die Mutanten sind nicht vor der Tür, sie sind leider schon da“. Aus den aktuellen Sequenzierungsdaten ginge hervor, dass bereits 2 bis 3 Prozent der neuen Corona-Infektionen auf mutierte Varianten des SARS-CoV-2 zurückzuführen seien. „Das klingt wenig, kann aber schnell ansteigen.“ Zuletzt waren in der Evangelische Kindertagesstätte Immergrün im Freiburger Stadtteil Vauban 18 Fälle mit der britischen Mutante bei Kindern und Erzieherinnen nachgewiesen worden.

Im Internet gibt es eine weiter steigende Zahl an Apps zum Thema Gesundheit. Sie reichen von allgemeinen Informationen bis hin zur Erinnerung an die Einnahme von Medikamenten. Sind die Informationen der jeweiligen App medizinisch korrekt? Sind die Apps sicher in Bezug auf den Umgang mit Daten? Mit diesen Fragen hat sich das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (im Auftrag von Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung) befasst. Eine Patienteninformation soll helfen, vertrauensvolle Apps zu diesen Themen leichter zu erkennen.

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Wie steht es eigentlich um die Luftqualität in deutschen Städten? Für Baden-Württemberg sind leider von keiner Messstation umfassende Daten zu bekommen. Wohl aber aus Wörth am Rhein, das gerade mal 3 Kilometer von Karlsruhe entfernt auf der anderen Seite des Rheins liegt. Und die Daten sind günstig.

So sollte nach den deutschen Richtlinien der Höchstwert für Ozon von 120 µg/m3 maximal an 25 Kalendertagen pro Jahr überschritten werden. Gemessen daran ist der Wert von momentan 73 µg/m3 schon erstaunlich hoch in Anbetracht der geringen Sonneneinstrahlung des winterlichen Januar.

Niedrig sind jedoch die PM10, als wichtiger Hinweis auf eine Feinstaubbelastung. Nach den vielen Niederschlägen der letzten zwei Wochen ist die Luft gereinigt.

Die Stickstoffdioxid(NO2)-Werte werden hauptsächlich durch den Straßenverkehr und ganz besonders durch Dieselfahrzeuge erzeugt. Nebenbei ist NO2 auch ein Vorläufer vieler Feinstäube und kommt im Verbund mit anderen Schadstoffen vor. Insgesamt zeigt NO2 die Luftbelastung durch Verbrennungsprozesse unter hohen Temperaturen an. Dieser Wert liegt also sehr günstig und spiegelt vermutlich eine günstige Folge des Lockdowns wieder: weniger Straßenverkehr.

Zusammengenommen haben wir im Moment eine wunderbare Luft draußen – nur leider eben auch ein Schmuddelwetter. Die Luft ist aber von selten guter Qualität und wir sollten den Versuch wagen nach draußen zu gehen – mit unseren Kindern. Alle werden begeistert sein, wenn wir mehr bieten als einen langweiligen Sonntag-Nachmittags-Spaziergang.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern von Asien, Lateinamerika und Afrika legen die Krankheitszahlen beim Dengue-Fieber zu. Aber selbst für diese Länder ist das Coronavirus spürbar wichtiger, sei es, dass Mutanten seine Verbreitung anheizen – wie zur Zeit in Südafrika. Die weiteren Auswirkungen des Coronavirus auf den Alltag der armen Menschen in vielen armen Ländern sind beispielsweise durch Ausgangssperren weit dramatischer: Der Handel wird unmöglich und Polizeiwillkür (die durch Bestechungsgelder sehr teuer ist) nimmt rasant zu. Mit schwerwiegenden Folgen für die Schwächsten jeder Gesellschaft: die Kinder!

Gemessen daran erscheint unsere Situation trotz aller Belastungen gut erträglich. Ich hoffe, Sie haben Zeit ein schönes Wochenende mit viel frischer Luft zu genießen. Herzlichst verbleibe ich Ihr

Was geht rum? 28. November 2020

Die GRÜNEN und die Homöopathie

USA: Coronainfektionen auf dem Land häufiger als in der Stadt

♦ Auch in Hotspots ist keine Herdenimmunität in Sicht

♦ Immer mehr Kinder in Deutschland wegen COVID-19 im Krankenhaus

Die Bundespartei der Grünen hat sich in den letzten ein heißes Thema vorgenommen: die Homöopathie. Und sie hat es in internen Diskussionsrunden geschafft, Position zu beziehen: Von den Krankenkassen sollen nur noch Leistungen übernommen werden, „die medizi­nisch sinnvoll und gerechtfertigt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist“. Dabei wird das Wort „Homöopathie“ umgangen, ebenso aber auch Formulierung, dass im Einzelfall eine Kostenübernahme möglich sein sollte, wie manche Delegierte auf dem Bundesparteitag forderten.

Die Mobilität in Deutschland hat sich während des Shutdowns verändert. Das zeigt eine neue Untersuchung, die auf der Basis der Mobilfunkdaten die Mobilität errechnet. Es zeigt sich, dass im ersten Shutdown die Mobilität um bis zu 55% zurückging. Im zu Ende gehenden Monat November liegt der maximale Rückgang der Mobilität bislang bei 22%. Diese Zahlen sind ein klarer Hinweis, dass die Menschen sich in der Pandemie zurückhalten.

Erkrankungszahlen an COVID-19 pro Wochen und 100.000 Einwohner („Wocheninzidenz“) bezogen auf die Bewohnerdichte der jeweiligen Region (county) in den USA Quelle: Lindsey M. Duca et al im MMWR, veröffentlicht vom CDC

Überraschende Daten zu COVID-19: In den USA erkranken mehr Personen in ländlichen Gebieten als in städtischen (Metropolen). Auch aus Deutschland kommen immer wieder Meldungen, dass dünn besiedelte Regionen wie der Landkreis Hildburghausen in Thüringen mit Wocheninzidenzen von über 400 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner oder der Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg mit 276 Erkrankungen (Stand: 26.11.2020) auffallen.

Coronainfektionen in Berlin: 7-Tages-Inzidenzen (pro 100.000 Einwohner) in Berlin. Auf der x-Achse sind die Kalenderwochen aufgetragen, auf der y-Achse die Altersgruppen. Quelle: SurvNet des RKI

Die Zahlen für Berlin sind weit dramatischer. Für die Jugendlichen von 15-19 Jahre liegt der Wert bei 390, in Berlin Mitte gar bei 637. Es erstaunt nicht, dass unter diesen Umständen 5% aller Berlinere Schüler in Quarantäne sind Und dennoch: Einfache Erklärungen greifen nicht.

Nach fast einem Jahr in der Pandemie ist an eine beginnende Herdimmunität nicht zu denken. Weder bei uns, noch in Spanien oder Italien. Auch das stark gebeutelte Amerika ist weit davon entfernt, wie eine sehr gut gemachte Studie von Kristina L. Bajema und Mitarbeiter zeigt. Die Zahl der Amerikaner, bei denen im Serum Antikörper gegen das SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, schwankt stark. In den meisten Staaten liegt die Rate unter 10%, in vielen sogar unter 1%. Nur in New York, das vor Monaten heftig gebeutelt wurde, waren es fast 25%. Und das ist noch weit davon entfernt, eine Immunität zu vermitteln. Dazu müssten mindestens 70% einer Population mit dem Virus – oder einer perfekten Impfung – in Kontakt gekommen sein. Es liegt weiterhin ein langer Weg vor uns.

Häufigkeit der stationären Behandlung von Kindern mit COVID-19 in deutschen Kliniken. Quelle: DGPI

In den letzten Wochen ist die Zahl der Kinder, die wegen COVID-19 stationär  behandelt werden musste rasant angestiegen. Die Zahl der wöchentlichen Fälle lag in der letzten Woche bei 16 Kindern. Der bisher höchste Wert mit 39 Meldungen datiert aus der letzten Oktoberwoche. Nicht alle Kliniken in Deutschland melden die COVID-19-Fälle. Dennoch fällt eine hohe Konzentration für Baden-Württemberg in Stuttgart und Freiburg auf.

Stationäre Aufnahme von Kindern in eine deutsche Klinik: Altersverteilung. Quelle: DGPI

Interessant ist auch die Altersverteilung: Über ein Drittel aller betroffenen Kinder sind Säuglinge, also jünger als ein Jahr. Wenn also von „Risikogruppen“ gesprochen wird, sollte auch an die Kleinsten gedacht werden, deren Immunsystem zwar sehr anpassungsfähig, aber eben auch unerfahren ist. Der Anteil der Jugendlichen (grüne Flächen) an den COVID-19-Erkrankungen ist deutlich geringer.

Praxisindex Baden-Württemberg: er spiegelt die Zahl der Patienten wieder, die sich wegen Atemwegsinfekten in einer Praxis vorgestellt haben. Quelle: AG Influenza

Alle reden von Corona. Das ist auch richtig. Gemessen an den Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 spielen andere Infektionen im Moment im Ländle eine untergeordnete Rolle. Das zeigt die aktuelle Graphik für die Praxisbesuchen wegen Atemwegsinfektionen (rote Kurve). Inzwischen ist der Tod an COVID-19 sogar die häufigste Todesursache, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Alles Querdiskutieren kann diese Zahlen nicht ändern.

Was geht in der Welt rum? Neben der Corona-Pandemie ist für tropische Länder das Dengue-Fieber eine Geisel. Die Tödlichkeit dieser Erkrankung ist bei weitem nicht so hoch. Aber die Erkrankung ist dennoch für die armen Menschen dieser Regionen sehr belastend. Aus Indien wurden bis Ende September 16.439 Fälle gemeldet, darunter 12 Todesfälle. Diese Häufigkeiten werden in der momentanen Regenzeit noch deutlich ansteigen. Eine Therapie oder eine Impfung gegen das Dengue-Fieber sind nicht in Sicht.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen ein angenehmes Wochenende, bleiben Sie konsequent und gesund, Ihr

Drogenkonsum bei Jugendlichen

Drogenkonsum ist ein wohl ein Thema mit dem sich alle Eltern von Jugendlichen irgendwann auseinandersetzen müssen. Auf dem Land glauben manche noch heute, die äußere Idylle sei ein Beleg dafür, dass Drogenkonsum kaum ein Problem sei. Das ist jedoch ein Irrtum. Richtig ist nur, dass sich der Drogenkonsum auf dem Lande anders darstellt als in der Stadt.

Die bedeutendsten Drogen sind Alkohol, Nikotin und Cannabis. Dabei fallen Unterschiede für Europa und die USA auf. Während 15- bis 16-jährige Schüler in den USA deutlich mehr Cannabis konsumieren (bezogen auf einen Monat: USA 15-17%- Europa 5-8%), ist der Alkoholkonsum in Europa spürbar höher (Europa 50% – USA ca. 22%). Diese Zahlen zeigen nur einen groben Rahmen. Modetrends und politische Entscheidungen (Legalisierungen von Cannabis in einzelnen Staaten der USA) verändern das Spektrum.

Der Europäische Drogenbericht von 2019 gibt einen guten Einblick in die Bedeutung der einzelnen Drogen. Dabei werden jedoch nur die „jungen Erwachsenen“ (15 – 24 bzw. 35 Jahre) den Erwachsenen (15 – 64 Jahre) gegenübergestellt. In Europa haben 96 Millionen Menschen (29%) jemals im Leben illegale Drogen konsumiert. Weitaus am häufigsten ist das Cannabis. Innerhalb der EU gibt es aber auch hierfür enorme Unterschiede. In Malta liegt die Rate der Erwachsenen, die Cannabis konsumiert haben, bei 4%. In Frankreich liegt sie – trotz oder wegen des guten Rotweins – bei 45%.

Cannabis. Trends für Preis und Wirkstoffgehalt Quelle: Europäischer Drogenbericht 2019

In den letzten Jahren hat sich der Markt für Cannabis spürbar verändert. Das zeigt die oben stehende Graphik. Cannabis kann als Cannabiskraut („Marihuana”) oder als Cannabisharz („Haschisch”) konsumiert werden. Während die Preise von 2007 bis 2017 kaum angestiegen sind, liegt der Wirkstoffgehalt (bezüglich THC = Tetrahydrocannabinol) für Cannabis inzwischen deutlich höher.

Für weitergehende Informationen auch über andere Drogen wie Kokain, MDMA, Amphetamine oder neue psychoaktive Substanzen (NPS) ist der Europäische Drogenbericht eine gute Quelle.

Wenn Jugendliche durch schwer erklärbare Symptome mit Verhaltensauffälligkeiten auffallen, sollte an Drogenkonsum gedacht werden. Es ist sinnvoll, sie direkt ohne einen moralischen Unterton darauf anzusprechen.

Was geht rum? 21. September 2019

Heute ist Herbstanfang. Aber die letzten Tage waren noch sehr sommerlich mit angenehm hohen Temperaturen.

Da überrascht es auch nicht, dass nur wenige Infektionen auftreten. Die Erreger finden wenig Chancen, sich auszubreiten. Was noch bleibt sind MagenDarmInfektionen, die über das ganze Jahr zu beobachten waren. Ein Faktor ist wohl, dass die bei Kindern häufigen Rotaviren als Auslöser hierfür diesem Jahr doppelt so oft diagnostiziert wurden wie im letzten Jahr.

Untypisch für den September sind entzündliche Erkrankungen der Haut wie die Impetigo contagiosa, ausgelöst durch das Bakterium Staphylokokkus aureus. Diese finden bei den nich warmen Temperaturen gute Bedingungen, um die nässenden und juckenden Ausschläge zu entwickeln.

Was geht in der Welt rum? Lange Zeit schien es, dass die Masern in den USA bald ausgerottet sein würden. Doch in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Ausbrüchen. Der jetzige ist der größte seit dem Jahre 1992: In 31 Bundesstaaten sind 1.241 Menschen akut an Masern erkrankt. Besonders betroffen sind die Stadt und der Bundesstaat New York.

Was geht rum? 06. Juli 2019

Pollenflug des Spitzwegerichs am Oberrhein (hier Basel) Die grauen Flächen stellen den Mittelwert der Pollenkonzentration der letzten 10 Jahre da, die Säulen zeigen die aktuellen Belastungen. Foto: www.pollenundallergie.ch

Das schöne Wetter sorgt weiter für einen bedeutenden Pollenflug. Für Kinder und Jugendliche sind weiterhin die Gräserpollen die bedeutendsten Auslöser von Allergien. Der Spitzwegerich spielt auch eine Rolle, steht aber in der Hitparade der allergieauslösenden Pollen weiter hinten.

Infektionen gibt es weiterhin: Die wichtigsten sind – wie in der letzten Woche – die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Ansonsten treten viele Entzündungen des Gehörgangs (Otitis externa) besonders bei regelmäßigen Badegästen auf. Das sollte aber alle Kinder und Jugendlichen nicht davon vom baden und plantschen abhalten. Das macht so viel Spaß und: Abgesehen davon, dass sie anfangs mit starken Schmerzen verbunden ist, so ist eine Gehörgangs-Entzündung gut zu behandeln. Bei Ohrschmerzen am Abend – wenn alle Praxen bereits zu sein sollten – sollten Eltern erstmal Schmerzmedikamente geben. Auch wenn nach der Nacht alles besser erscheint, ist ein Arztbesuch am folgenden Tag aber sinnvoll.

Sommerhitze. Foto: pixabay, jplenio

Gefahren gehen für Kinder und Jugendliche in dieser Jahreszeit jedoch weniger von Infektionen aus als von Hitze, UV-Strahlung, Zecken, Verbrennungen beim Grillen und von verschiedenen Pflanzen. Die einen haben giftige Beeren – wie beispielsweise die Mahonie – , andere führen im Zusammenspiel mit Sonneneinstrahlung zu einer Art Verbrennung – Wiesengräserdermatitis –  wie der Bärenklau.

Viele Familien in Baden-Württemberg bereiten sich gerade auf den Urlaub vor. Noch knapp drei Wochen, dann ziehen sie in die Ferne. In der nächsten Woche geben wir Ihnen im praxisblättle weitere Tipps für die Themen Reise-Krankenversicherung (8. Juli) und Reiseapotheke (10. Juli).

Was geht in der Welt rum? Die intensive Diskussion um Impfungen hat nachgelassen, Masern sind in den Medien zur Zeit kein Thema. Wohl aber in den meisten Ländern der Erde. Besonders deutlich wird dies in Japan mit 566 Erkrankungen in diesem Jahr (höchste Rate seit 10 Jahren) und in den USA mit 1095 Erkrankungen in 28 Bundesstaaten. Oft sind es junge Erwachsene, die erkranken. Die Masernimpfung ist sicher und gut verträglich. Sie sollte nochmals vor einer Reise überprüft werden um sich und andere zu schützen.

Was geht rum? 27. April 2019

Baden-Württemberg ist bei den Erkrankungen mit dem Hantavirus schon immer führend in Deutschland. In diesem Jahr übertrifft sich das Ländle aber selbst. Waren im letzten Jahr um diese Zeit gerade mal 11 Infektionen gemeldet worden, so sind es allein in der letzten Woche schon 12 und für das gesamte Jahr 2019 bislang 117 Hantavirus-Infektionen. Die relativ seltene Erkrankung mit Hantaviren wird in aller Regel über die Ausscheidung infizierter Mäuse übertragen. Interessant ist, dass diese durch die Einatmung (Inhalation) von infiziertem Staub erfolgt. Dies sollten alle Menschen beachten, wenn sie Gartenhäuser, Keller oder den Speicher kehren. Ob das mit dem Ordnungssinn der Schwaben zu tun hat, ist nicht untersucht. In jedem Fall sind verschiedene vorbeugende Maßnahmen wichtig beim reinigen solcher Räume: zunächst gutes Durchlüften. Grundsätzlich sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen ist feuchtes Wischen günstiger. Verschmutzte Flächen sollten desinfiziert werden. Detaillierte Hinweise gibt das Robert-Koch-Institut hier.

Mit den fast sommerlichen Temperaturen der letzten Tage, haben sich auch die Krankheitsbilder für Kinder und Jugendliche geändert. Natürlich gibt es weiterhin Luftwegsinfekte, aber eben nicht sehr viele. Und diese sind auch lange nicht so heftig, wie es die Influenza (Grippe) noch vor wenigen Wochen war. Dagegen treten manche Infekte mit einem leichten Infektkrupp (Krupphusten) auf.

Gut untersucht ist das Verhalten der Pollen. Ideal sind Wärme und Wind, besonders wenn es zuvor mal geregnet hat. Letzteres war in den meisten Gebieten im Ländle eher nicht der Fall, Wärme und Wind sehr wohl. Im Ergebnis (Abbildung 1) war die Belastung mit Birkenpollen um die Osterfeiertage – außer am Oberrhein – sehr stark. An diesem Wochenende geht die Belastung für alle Birken-Pollen-Allergiker spürbar zurück.

Abbildung 1. Birkenpollen-Belastung am Bodensee um Ostern. Foto: www.pollenundallergie.ch

Was geht in der Welt rum? Zwei Krankheiten sind für Fern-Reisende seit Monaten bedeutsam. Das ist einmal das Dengue-Fieber, das im Moment vorwiegend in Asien (Philippinen, Singapur), Karibik (Dominikanische Republik) und im südlichen Afrika (Kenia, Réunion) eine große Rolle spielt. Die andere Krankheit sind die Masern. Sie spielen auch bei uns (Baden-Württemberg in 2019 bislang 59 Erkrankungen) eine Rolle, besonders aber in Madagaskar (123.100 Neuerkrankungen) und auf den Philippinen (28.360 Neuerkrankungen in 2019). Sogar in den USA, wo die Masern vor 10 Jahren nahezu ausgerottet waren, wurden in diesem Jahr 555 Masern-Infektionen festgestellt. Meist in Gemeinschaften, die sich dem Impfen verweigern („Inselgruppen“). Momentan betroffen sind: Oakland County im Bundesstaat Michigan und Clark County im Bundesstaat Washington.