Schlagwort: Verbrennung

Was geht rum? 21. November 2020

♦ Heißer Tee im Winter – für Kinder ein Risiko (Verbrühung / Verbrennung)

♦ Corona-Impfstoffe – Medienkampagne vor Impfung: eine kleine Klarstellung

Corona-Schnelltest für zuhause: Brauchen wir den?

Nach einem Ganz-besonders-Spätherbst mit frühlingshaften Temperaturen am letzten Wochenende, ist der November zurück. Kühl, nass, lange Nächte. Wir sitzen in kuscheligen Wohnungen und es verlangt uns nach Heißgetränken. Kurzum: Die Gefahr für Verbrennungen bei Kindern steigt mit jeder Minute, die die Sonne uns weniger küsst.

Vieles kann in diesen Tagen zur Gefahr werden: Die Tasse heißer Tee steht am Tischrand und wird vom Kind heruntergezogen. Die heiße Kaminofenscheibe wird vom Kind eingesetzt um sich aufzurichten. Es gibt viele, oft unerwartete Anlässe sich zu verbrühen oder verbrennen. In einem Beitrag des praxisblättle können Sie die Einzelheiten nochmals studieren. Oder schauen Sie sich Paulinchen e.V. an.

Erste Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 kommen bald auf den Markt. Die Rede ist von 100’ten Millionen von Impfdosen. Die Aufgabe, die Impfung zu denen zu bringen die sie benötigen und wollen, ist eine Herkulesaufgabe. Quelle: pixabay, Dean Page

Seit zwei Wochen sind die Aussichten auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus gestiegen. Zwei Kandidaten konnten nachweisen, dass ihr Impfstoff wirkt: BioNTech/ Pfizer (Mainz, USA) und Moderna (ursprünglich Harvard-University, jetzt auch Investoren wie BlackRock). Mit der Bekanntgabe der Daten begann auch ein kleiner Medienkrieg, zweitweise mit unfairen Vergleichen. Deswegen stellen wir hier die wichtigsten Daten einander gegenüber:

BioNTech Moderna
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95)
sicher Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%)

Die Zusammenstellung zeigt: Die Impfstoffe sind sich sehr ähnlich: Beide sind mRNA-Vakzinen. Kleine Unterschiede gibt’s, der Rest ist Medienkampagne von Firmen, die auch einen finanziellen Erfolg suchen. Unstrittig ist, dass beide Impfstoffe hervorragend wirken – „besser wird’s nicht…“, so der  US-Virologe Anthony Fauci, bekannt durch einige Pressekonferenzen mit US-Präsident Trump, dessen oftmals falsche Angaben bei ihm sichtbares Stirnrunzeln auslösten. Beide Impfstoffe könnten helfen, die Pandemie besser zu beherrschen. Doch Impfungen werden von vielen Menschen eher als Bedrohung empfunden. Deswegen ist es wichtig, dass eine Impfpflicht nicht mehr als eine unsinnige Idee bleibt. Wie schon bei der Masernimpfpflicht werden Abwehrreflexe ausgelöst, die nicht hilfreich sind. Es sollte klar sein: Die Pharmaindustrie stellt Impfstoffe her (dafür ist sie auch da), sie darf damit auch Geld verdienen. Aber wir als Bürger entscheiden, ob wir uns impfen lassen wollen. Es ist schon schlimm genug, dass das Tragen der Gesichtsmaske trotz guter wissenschaftlicher Daten zum Politikum wurde.

Beide Hersteller werden ihre Studien fortsetzen, bis mindestens 164 COVID-19-Erkrankungen unter den Geimpften aufgetreten sind. Erst dann ist eine reguläre Zulassung möglich. BioNTech hat inzwischen die Notfallzulassung beantragt, Moderna wird bald folgen.

Inter-City-Express: immer wieder ein Erlebnis, auch wegen der Fahrleiter der Bundesbahn Quelle: pixabay, holzijue

Und noch ein Hinweis zum Maskentragen aus dem ICE 373 von Berlin nach Interlaken. Bahnfahren macht Spaß!

Und nun auch neue Nachrichten zum Testen: Die FDA (Federal Drug Administration) hat per Notfallzulassung (emergeny use authorization) einen Corona-Schnelltest für den Hausgebrauch zugelassen: Lucira® heißt er, kommt aus Kalifornien und ist für alle Menschen ab 14 Jahren zugelassen. An Kindern unter 14 Jahren darf er auch angewendet werden. Aber nur durch medizinisches Fachpersonal (healthcare provider). Der Preis liegt in den USA bei 50 USD. In Einzelfällen kann dieser Heim-Schnelltest bei korrekter Anwendung weiterhelfen, zumal er recht genau ist.

Und was geht – außer Corona – sonst noch rum? Nur wenige Erkrankungen. Schnupfeninfekte sind die häufigsten, die aber seit der Pandemie kaum wahrgenommen werden. Daneben gibt es auch Kinder, die eine Bronchitis haben – nicht Corona-bedingt. Und wie immer: Fast keine Kinderkrankheiten, außer Windpocken, die aber um 70% weniger auftreten als im letzten Jahr.

Was geht in der Welt rum? Seit drei Jahren leidet Nigeria unter Ausbrüchen von Gelbfieber. Im letzten Jahr wurden 4.290 Erkrankungen vermutet und 231 Todesfälle gesichert. Seit Januar 2020 wurden 2.285 Verdachtsfälle registriert und 23 Infektionen gesichert. Bis heute gibt es keine Medikamente, um diese Viruserkrankung nach Ausbruch zu behandeln. Aber es gibt eine extrem erfolgreiche Impfung. Eine einzige Impfung – zugelassen ab dem Alter von 9 Monaten- schützt nach heutigen Daten lebenslang.

Mit diesen ermutigenden wie ich finde ermutigenden Nachrichten wünsche ich Ihnen ein sonniges und fast winterliches Wochenende, Ihr

Was geht rum? 28. Juli 2018

Rechtzeitig mit den Schulferien sind wir im Hochsommer angekommen. Genießen wir diese kurze Hitzeperiode in Baden-Württemberg. Mit einer Siesta, die nicht nur in Spanien gut tut. Mit alpinen Wanderungen fernab der Zivilisation. Oder, indem wir uns in den Seen und Flüssen unserer Region Erfrischung holen.

Infektionen sind im Moment kaum ein Problem. Die Erkrankungen mit Enteroviren – wie die Herpangina – lassen spürbar nach. Daneben gibt es zur Zeit einzelne Atemwegsinfekte und Durchfallserkrankungen.

Auch die Pollen haben eine kleine Siesta eingelegt. Die Gräserpollen fliegen nur noch mässig, die Beifußpollen sind noch nicht zum Flug bereit. Gute Tage für Allergiker, abseits frisch gemähter Wiesen das schöne Wetter zu genießen.

Der Duft vom Grill zieht durch die Wohnviertel. Also kurz nochmals die Erinnerung, Kinder gut zu beobachten. Schwere Verbrennungen sind zwar selten, aber schrecklich.

Für alle, die ferne Länder aufsuchen: Vergewissern Sie sich, ob die Reiseapotheke komplett ist und speziell für Strandurlauber: Quallen können sehr lästig sein.

Was geht in der Welt rum? Zunächst einmal Masern auf Mauritius. Aber das Risiko daran zu erkranken dürfte in Köln momentan weit höher liegen. Wichtiger ist für alle Reisende nach Thailand sich des Dengue-Fiebers bewusst zu sein. Mückenschutz tagsüber ist hier die Richtschnur.

TIPP Quallen – Reiseapotheken-Vorschlag für Strandurlauber

Quallen können im Urlaub zum lästigen Ärgernis werden. Für den Biologen stellen Quallen nur ein Entwicklungsstadium von Nesseltieren dar, die sich aus Polypen entwickeln. Letztere sitzen oft auf Korallen und Felsen, wodurch die im Entwicklungszyklus nachfolgenden Quallen sich ebenfalls vorzugsweise an den Küsten aufhalten.

Zu welchem Zeitpunkt sie dort zur Plage werden ist nicht sicher vorherzusehen. Wärme ist in aller Regel günstig für Quallen, aber sie kommen auch in kühleren Gewässern vor. Da der Lebenszyklus bis heute nicht ganz verstanden wird, ist es immer ratsam, im Meer auf Quallen zu achten.

Abbildung 1. Nesselschlauch. Foto: cram.com

Quallen sind in aller Regel schirmartig aufgebaut und haben an ihren Rändern lange Fäden, die sich Tentakeln nennen. Diese sind mit Nesselzellen besetzt, die ein Nervengift enthalten um Beutetiere zu lähmen und dann fressen zu können. Für Menschen ist dieses Nervengift der Quallen schmerzhaft, aber – bis auf die sehr giftige Seewespe, die vor Australien vorkommt – nur selten gefährlich oder gar tödlich. Die Nesselzellen schleudern bei Kontakt einen Nesselschlauch (siehe Abbildung 1) heraus, der das Gift auf den Angreifer freigibt.

Vorbeugung

Ob vermehrt Quallen im Wasser sind kann oft morgens am Strand erahnt werden. Liegen dort viele angeschwemmte Quallen, so dürfte die Zahl der lebenden Quallen im Wasser ebenfalls hoch sein. Ein weiterer Hinweis sind die kleinen „Stiche“, die man merkt wenn man im Meer schwimmt. Schaut man dann auf die Haut sieht man jedoch nichts. Dies ist ein indirektes Zeichen für kleine Tentakeln, die im Meer herumschwimmen und kleinste Giftmengen hier und da auf unsere Haut bringen können.

Berührung mit einer Qualle

Sollte es zu einer schmerzhaften Berührung mit einer Qualle kommen, sind einige Dinge zu beachten. Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass viele Nesselschläuche trotz des massiven Schmerzes noch geschlossen sind. Durch behutsames Vorgehen, können wir also den weiteren Schmerz eindämmen. Hierfür empfiehlt es sich in der Strandtasche folgende Utensilien mitzuführen, die zuvor in der Reiseapotheke von zuhause mitgebracht wurden:

  • ein Päckchen Backpulver
  • ein Plastikmesser
  • und: diese beiden Dinge sind immer am Strand mit dabei !

Abbildung 2. Nach Vorbehandlung mit Backpulver entfernter Teil einer portugiesischen Galeere (Physalia physalis). Foto: ptw

Im Falle eines Kontaktes mit einer Qualle bleibt die betroffene Person am/im Meer. Ein Helfer holt Backpulver und das Plastikmesser aus der Badetasche. Am Strand (im Trockenen) wird das Backpulver über der Kontaktstelle auf der Haut eingerieben. Danach werden die Tentakelreste langsam mit dem Plastikmesser seitlich abgeschabt und mit Meerwasser – extrem wichtig! – keine Süßwasserdusche! – abgewaschen (siehe Abbildung 2). Diesen Vorgang kann man mehrfach wiederholen. Kontakt mit Süßwasser würde in diesem Stadium zum Platzen aller Nesselschläuche und zu weiterer Verschlimmerung der Folgen führen.

Wunde

In aller Regel bleibt eine Rötung zurück, die einer Verbrennung Grad 1 entspricht. Hier ist ein Verband nicht sinnvoll, aber

  • Sonnenschutz, am besten durch Kleidung
  • Schmerzbekämpfung, z.B. mit Ibuprofen

Sollten in speziellen Fällen Blasen oder offene Hautwunden wie bei einer Verbrennung Grad 2 entstehen, so ist eine Vorstellung beim Arzt sinnvoll, um die Wunde entsprechend ihrem Verletzungsgrad zu behandeln.

Nach der Akutbehandlung, wenn die Tentakelreste sicher entfernt sind,  darf auch wieder Süßwasser beispielsweise in der Dusche auf die betroffene Haut gebracht werden.

Wiesengräserdermatitis

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist eine beeindruckend große Pflanze mit riesigen Blättern von bis zu einem Meter Länge. Der Bärenklau ist keine Giftpflanze. Kinder kommen nicht auf die Idee ihn zu essen. Der Reiz dieser Pflanze liegt für Kinder darin, dass die Stängel beeindruckend groß und innen hohl sind. Beim Spiel in der Natur werden sie deswegen gerne abgerissen und von manchen auch als Blasrohr genutzt. Keine gute Idee!

Abbildung 2. Wiesenkerbel. Foto: ptw

In zarterer Variante und viel häufiger ist der Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) – der Buchstabe W macht den kleinen Unterscheid. Der Wiesenbärenklau kommt typischerweise in vielen Wiesen Europas vor und ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau eine einheimische Pflanze. Er kann leicht mit dem harmlosen und viel häufigeren Wiesenkerbel (Abbildung 1) verwechselt werden, der jedoch locker gefiederte Blätter hat.

Sowohl der Riesen-Bärenklau wieder der Wiesenbärenklau sondern einen Saft ab, wenn die Blätter oder Stängel verletzt werden. Dadurch kann er dann auf die Haut oder Schleimhaut der Lippen treffen. Unter Sonneneinstrahlung führt er dort bald zu blasigen Hautveränderungen (phototoxische Reaktionen), die wie Verbrühungen 2. Grades aussehen. Im Bereich der Lippen ist dies besonders unangenehm. Zu diesen Veränderungen kommt es also, wenn Pflanzensaft + Sonne zusammenwirken.

Symptome

Abbildung 2. Typisches Bild einer Photodermatose durch Wiesenbärenklau. Foto: ptw

An den Stellen, wo Pflanzensaft der Sonnenbestrahlung ausgesetzt war entwickeln sich bei wenig Sonne eine Rötung. Je nach Menge des Pflanzensaftes und der Strahlung treten deutlichere, teils auch große und pralle  Blasen auf der Haut auf (siehe Abbildung 2 rechts). Im Randbereich ist eine begleitende Entzündung. Der Befund ist teilweise mit sehr starken Schmerzen verbunden.

Therapie

Behandlung wie bei einer Verbrennung + Gabe eines Schmerzmittels. Eine ärztliche Behandlung ist anzuraten.

Tipp

Suchen Sie in der Umgebung Ihrer Wohnung nach solchen Pflanzen und warnen Sie Ihr Kind davor. Besonders unangenehm sind Blasenbildungen am Mund, wenn Kinder den Pflanzenstängel als Blasrohr benutzen sollten.

Was geht rum? 26. Mai 2018

Das schöne Wetter ist zurück. Und mit ihm der Pollenflug. Im Südwesten werden die Gräserpollenkonzentrationen einen ersten Höhepunkt erreichen. Sehr hohe Belastungen sind am Samstag und Sonntag zu erwarten. Für die Wochenendausflüge sollte eine Sonnenbrille mit im Gepäck sein. Im Auto – das erscheint im ersten Moment seltsam bei dem herrlichen Wetter – sollte bei geschlossenen Fenstern die Klimaanlage eingeschaltet sein. Alle Asthmatiker müssen ihr Notfallmedikament (meist Salbutamol) mit sich führen. Auch wenn am frühen Morgen nichts zu spüren ist, können verschiedene Faktoren noch zu schweren Asthmaanfällen tagsüber führen.

Wir halten uns länger draußen auf. Damit sinkt das Risiko für Infektionen. Weiterhin gibt es vereinzelte Atemwegsinfekte und Magen-Darm-Infekte. Aber keinen Trend.

Abbildung 1. Mit verschiedenen Präventionskampagnen warnt Paulinchen e.V. vor den Gefahren durch heiße Flüssigkeiten, Oberflächen, Feuer, Strom und Säuren.

Und es ist wieder Zeit zum Grillen. Feuer fasziniert Kinder. Je nach Alter und Verständnis dürfen sie unter Aufsicht der Erwachsenen mithelfen. Alleine sollte man sie aber nie an die Feuerstellen lassen. Besonders dann nicht, wenn das Feuer nicht so richtig brennt. Das lädt Kinder ein, es irgendwie neu zu entfachen. Manches Mal mit schlimmen Folgen. Am besten man informiert sich zuvor bei Paulinchen e.V.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal Brasilien. Dort ist weiterhin das Gelbfieber noch nicht im Griff. Jetzt kommt noch die Tollwut hinzu. Nach Bissen von Vampirfledermäusen sind in den letzten 2 Wochen 12 Menschen im Bundesstaat Pará erkrankt – und sechs von ihnen verstorben. Als Tourist ist es sinnvoll, sich vor der Reise über die aktuelle Situation zu informieren.