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Was hilft gegen Erbrechen bei Kindern?

Alle Eltern erleben es irgendwann: Ihr Kind sitzt im Bett, würgt und erbricht. Ein jämmerliches Bild. Alle wollen das möglichst schnell beenden, um dem Kind diesen Stress und die Angst zu nehmen. Aber wie?

Da gibt’s doch die „Erbrechenszäpfle“? Ja, davon gibt es so manche. Aber helfen die wirklich?

Eine Untersuchung der Forschergruppe um Laura F. Niño-Serna von der Universität Antioquia in Medellín (Kolumbien) hat die verfügbaren Daten zu diesem Thema im renommierten Journal der amerikanischen Kinderärzte (Pediatrics) zusammengefasst. Das wird Metaanalyse genannt, also eine Arbeit, die versuch das aktuell verfügbare Wissen zu einer Frage in eine Antwort zu gießen.

In den Datenbanken fanden die Wissenschaftler 1840 Treffer zum Thema Antiemetika (Mittel gegen das Erbrechen) bei Magen-Darm-Grippe von Kindern. Von diesen Studien suchten sie 24 Arbeiten aus, die den strengen Kriterien genügten (sog. randomisierte, kontrollierte Studien). Darin sind Daten von 3482 Kindern im Alter von einem 1/2 bis zu 5 Jahren aus 16 Ländern enthalten.

Was fanden die Forscher? Die einzig gut wirkende Substanz war Ondansetron (Zofran©, Axisetron©). Sie vermochte Erbrechen bei Magen-Darm-Infektionen zu beenden und die Notwendigkeit zur stationären Behandlung bzw. zur Anwendung von Infusionen deutlich zu vermindern. Das Problem ist: In Deutschland ist diese Arznei im Kindes- und Jugendlichenalter nur für die Behandlung von Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung zugelassen. Für eine Magen-Darm-Grippe besteht keine Zulassung.

Alle anderen Arzneien kann man sich schlicht sparen, folgt man den Daten der Untersuchung: Dimenhydrinat (Vomex A©, Vomacur©) oder Metoclopramid (Paspertin©).

Wer sich genauer informieren möchte, kann die umfangreiche Sk2-Leitlinie akute infektiöse
Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter zu diesem Thema studieren. Dort finden sich Hinweise für gesicherte Erkenntnis zur Therapie des Erbrechens bei Gastroenteritis (Seite 44 und folgende). Die ausführlichen Erläuterungen zur medikamentösen Therapie (Seite 56 und folgende) ist sicher für manche Eltern ebenfalls interessant.

Kurzes Fazit: Bei Erbrechen von Kindern hilft die geduldige Gabe von Flüssigkeit am besten. Gute Medikamente zum Beenden des Erbrechens gibt es, sie sind aber für diese Diagnose bei Kindern nicht zugelassen – faktisch also verboten. Die Medikamente, die zugelassen sind, verwenden Eltern lieber nicht. Sie bringen praktisch nichts, außer unerwünschte Nebenwirkungen.

Vergiftung mit Zäpfchen gegen Erbrechen?

In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies betrifft insbesondere Dimenhydrinat, den Wirkstoff in den Arzneien Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept erhältlich (sog. „OTC-Medikamente“).

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Frei verkäufliche Arzneien sind teilweise nicht unbedenklich.

Beim Wirkstoff Dimenhydrinat (in Vomacur© und Vomex A©) handelt es sich um eine Substanz, die – als Nebenwirkung – den Brechreiz senken kann. Dabei hat sie aber weitere Wirkungen an Herz und Gehirn. Dies muss immer bedacht werden. Deswegen ist es gut, dass die Apotheker in unserer Region gerade bei Kleinkindern immer erst eine Untersuchung beim Kinderarzt anraten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

  • Apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels
  • Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist
  • Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe.

Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt muss ein Arzt aufgesucht werden.