Schlagwort: Zentralafrikanische Republik

Was geht rum? 21. März 2020

Inzwischen beherrscht uns das Coronavirus bereits seit mehr als zwei Monaten. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Den Verlauf der Erkrankung zeigt erschreckend deutlich diese interaktive Karte. Ihre Daten beruhen auf den gemeldeten und geprüften Fallzahlen des RKI (Robert Koch-Institut in Berlin). Innerhalb von 9 Tagen hat sich die Zahl der Erkrankungen in Baden-Württemberg mehr als verzehnfacht. Bezogen auf 100.000 Menschen von 2.5 (11. März) auf heute morgen 33.3 (21.März). Auch im Alltag ist zu spüren, dass sich viele Menschen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Das ist gut so, denn bekanntermaßen ist die soziale Distanz im Moment wichtig, um die Ausbreitung des COVID-19 zu bremsen: #SocialDistancing.

Für alle Eltern, die ihren Arbeitgeber noch überzeugen müssen, dass sie zuhause arbeiten können, gibt es zum home office einen kostenlosen Ratgeber „guide“ des Magazins t3n hier. Eine Möglichkeit, für die eigenen Kinder da zu sein und dennoch arbeiten zu können. Nicht immer einfach, aber …. immerhin.

Haben mein Kind oder ich uns mit dem Coronavirus angesteckt? Das fragen sich wohl einige Familien täglich. Das Problem ist, dass die Erkrankung nicht ganz so leicht zu erkennen ist. Die Symptome von COVID-19 kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Damit ist eine Diagnose nur über die Testung möglich. Im Einzelnen kann auftreten:

  • Fieber (bei etwa 90%)
  • Husten, meist als eher trockener Reizhusten (70%)
  • Durchfall (02 – 33%)
  • verstopfte Nase
  • Störungen des Riechens  

Es bleibt also das Problem, dass wir Erkrankte nicht erkennen können. Auch, weil manchmal fast keine Symptome vorliegen, aber dennoch eine Ansteckungsfähigkeit. Nach Informationen des RKI geht die Ansteckungsfähigkeit bis zu 7 Tage lang. Inzwischen hat eine Forschergruppe um Florian Krammer von der Icahn School of Medicin am Mount Sinai in New York einem Antikörpertest (Publikation in englischer Sprache) entwickelt. Mit dessen Hilfe kann im Serum eines Menschen nachgewiesen werden, ob COVID-19 durchgemacht wurde. Damit könnten Personen identifiziert werden, die bereits eine Abwehr gegen das neue Coronavirus aufweisen ohne dass sie spürbar diese Krankheit durchgemacht hätten.

Die aktuellen Erkrankungszahlen weltweit zeigt die bekannte Karte der Johns Hopkins University.

Zecke am Ohr. Klein, aber deswegen nicht harmlos. Quelle: ptw

Die warmen Tage der letzten Woche haben zwei weitere medizinische Belastungen aufleben lassen. Zum einen die Zecken. Sie sind wieder aktiv und verbreiten im Wesentlichen zwei Krankheiten. Da ist einmal die bakteriell bedingte Borreliose, die zunächst wenig Symptome macht und in dieser Phase unbedingt erkannt werden sollte. Dann lässt sie sich mit einem Antibiotikum vollständig behandeln. Zum anderen gibt es die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Sie wird durch Viren ausgelöst und ist nach Ausbruch nicht mehr (ursächlich) behandelbar. Andererseits gibt es eine gut wirksame Impfung, um sich davor zu schützen. Wer die noch nicht hat und sich gegen FSME wappnen möchte, sollte sich jetzt impfen lassen.

Birkenpollenflug am Oberrhein in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Die andere Entwicklung in der letzten Woche mit den traumhaften Temperaturen war die spürbare Zunahme des Pollenfluges. Die Pollen-Allergien sind zurück. Noch ist der Flug der Birkenpollen – bis auf die letzten 3 Tage – schwach. Daran wird sich auch in der ersten Hälfte der kommenden Woche nichts ändern. Sollten aber die Temperaturen wieder angenehme Werte um 20 Grad erreichen, wird sich für Birkenpollenallergiker einiges ändern. Wer also plant, seinem allergischen Kind ein Antihistaminikum zu geben, tut sich gut daran bald damit zu beginnen. Der Erfolg ist spürbar grösser, wenn die Therapie vor den ersten Beschwerden begonnen wird. Wann das ist, hängt natürlich vom Wohnort ab. Kinder am Kaiserstuhl werden bald Probleme bekommen. Wer in Freudenstadt lebt hat vermutlich noch wenige Wochen Zeit.

In afrikanischen Metropolen geht es eng her. Durch die Bedeutung der kleinen und großen Märkte als Versorgungszentren sind die Kontakte unter den Menschen deutlich häufiger als bei uns. Bleibt zu hoffen, dass das Coronavirus wenigstens dort fernbleibt. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? Angesichts der massiven Krise durch COVID-19 in Europa, sind Informationen über ferne Länder im Moment für Familien mit Kindern wenig bedeutsam. Reisen sind ohnehin untersagt. Dennoch beobachten wir auch die anderen Regionen in der Welt. So die Zentralafrikanische Republik, in der seit Jahresbeginn über 6600 Menschen – meist Kinder – an Masern erkrankt sind. Verstorben sind daran 108 Personen. Die Masern werden auch durch Viren verursacht. Gegen sie gibt es jedoch eine sehr gut wirksame Impfung, die bei uns leider nicht von allen genutzt wird. In Afrika steht diese aus Kostengründen oft nicht zur Verfügung. Dadurch sind gerade Kinder und Jugendliche auch den Masern hilflos ausgeliefert.

Sollte die Coronavirus-Pandemie in Afrika gleiche Ausmaße annehmen wie bei uns, werden wir noch ganz schreckliche Dinge – aus der Ferne – erleben. Ich fürchte, das wird in wenigen Wochen der Fall sein. Nachdem gestern die ersten drei (offiziellen) COVID-19-Fälle in Madagaskar gemeldet wurden, hat auch dort der Sturm auf Toilettenpapier und einige andere Artikel de täglichen Lebens eingesetzt. Dort gibt es einige wenige Supermärkte für die Wohlhabenden, in denen es also genauso abläuft wie bei uns.

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende genügend Gelassenheit, um die vielen beunruhigenden Meldungen zu verarbeiten. Schön, dass uns wenigstens die Natur täglich ein Stückchen mehr mit ihren Farben erfreut. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff