Kategorie: Krankheitsbilder

Schnuller und Nahrungsmittelallergie

Vielen Babys wird ein Schnuller angeboten. Meist als Beruhigung (pacifier – „Beruhiger“ ist das englische Wort für Schnuller) oder auch, um sie kurz abzulenken, bevor sie zum Stillen an die Brust angelegt werden.

In einer australischen Studie gingen Victoria X. Soriano und Mitarbeiterinnen nun der Frage nach, ob der Gebrauch von Schnullern einen Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien haben könnte.

Dazu befragten die Forscherinnen 894 Mütter/ Familien ab der 28. Schwangerschaftswoche als die Babys im Alter von 1, 6 und 12 Monaten waren. Bei den einjährigen Kindern wurde geprüft, ob eine Nahrungsmittelallergie vorliegt.

Es zeigte sich, dass die Benutzung von Schnullern im Alter von 6 Monaten das Risiko für eine Allergie gegen Nahrungsmittel um den Faktor 1,94 erhöhte. Bei genauer Betrachtung beruhte dieser Effekt auf einem besonders hohen Risiko für NM-Allergien, wenn Schnuller zuvor auch mit einem Antiseptikum gereinigt wurden. Schnullern + Antiseptikum führten zu einem fast 5-fachen Risiko an einer Nahrungsmittelallergie zu erkranken. 

Wieso es zu diesem hohen Risiko kommt, ist bislang nicht geklärt.

Allergischer Schock bei Kindern

Auch im Kindesalter kommt es zu schwersten allergischen Schockzuständen. Wir Mediziner nennen das eine Anaphylaxie. Dieser Begriff beschreibt eine Überreaktion des erworbenen Immunsystems. Dabei erkennt das Immunsystem eine Substanz, wie beispielsweise Kuhmilch beim Säugling, als fremd und will sie deswegen abwehren.  Die Abwehr dieses fremden Stoffes gerät jedoch so aus den Fugen, dass der eigene Organismus lebensbedrohlich gefährdet wird.

Die Anaphylaxie tritt in rasender Geschwindigkeit auf. Meist dauert es nur wenige Minuten nach dem Kontakt zum Auslöser, bis in kurzer Abfolge die Symptome auftreten: Urtikaria (Nesselsucht), Verengungen der Atemwege (sog. Larynx-Ödem, Asthmaanfall), nach kurzzeitigem Blutdruckanstieg kommt es rasch zu einem Abfall des Blutdrucks mit nachfolgendem Kreislaufschock.

Sesamsamen Foto: pixabay, TheUjulala

In der Bevölkerung treten 26% aller Fälle von Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag auf. Auf 1000 Patientenjahre wurden im Jahr 2016 fünf Anaphylaxien festgestellt. Das hat kürzlich nochmals eine Studie der Harvard Universität in Boston betreffend Kinder unter 3 Jahren aus des USA bekräftigt. Auffallend war dabei ein Anstieg der Häufigkeit bei den Nahrungsmittelallergien (hier besonders auf Nüsse und Samen). Als Auslöser für eine Anaphylaxie kommen im Kindes- und Jugendalter besonders in Frage:

  • Nahrungsmittel: Milch, Ei (Eiweiß > Eigelb), Erdnüsse, Nüsse, Samen (z.B. Sesam), Fisch u.a.
  • Insektengifte: Wespengift und Bienengift, seltener auch Gift der Hornisse
  • Medikamente: Häufigkeit liegt bei 1-2% aller Anaphylaxien. Auch für die mRNA-Impfstoffe ist eine extrem seltene Anaphylaxie bekannt (vermutlich auf Polyethylengykol PEG)

Die Rate der Anaphylaxien ist zwar angestiegen, die Mortalität (Tödlichkeit) glücklicherweise nicht. Weltweit liegt die Tödlichkeit bei 0.5 bis 1 Todesfall pro 1 Million Einwohner und Jahr.

Es ist leuchtet ein, dass eine Therapie des anaphylaktischen Schocks ebenso schnell eingeleitet werden muss um eine Chance zu haben. Der erste Schritt ist, den Auslöser für den Schock zu stoppen: Kein weiterer Verzehr des Nahrungsmittels (z.B. Milch, Erdnuss) oder Beendigung einer Infusion (z.B. bei einer Penizillinallergie). Meist werden die ersten Symptome wie Hitzegefühl, Kribbeln in den Händen oder Juckreiz bald abgelöst von schweren Symptomen wie Atemnot, Schluckbeschwerden und einer zunehmenden Angst.

Adrenalin – Epinephrin. Foto: pixabay, WikiMediaImages

Ab diesem Moment besteht die Gefahr einer gefährlichen Kreislaufspirale: Zunächst schafft es der Körper durch eine kurze Gegenreaktion den Blutdruck ansteigen zu lassen. Dieser hoffnungsvollen Maßnahme folgt jedoch bald ein Abfall des Blutdrucks, der letztlich über den Verlauf des allergischen Schocks entscheidet. Spätestens in dieser Phase muss Adrenalin als Spritze – Adrenalin-Autoinjektoren wie Emerade©, EpiPen©, Fastjekt© –  in den Oberschenkel gegeben werden, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Denn jeder weitere Abfall des Blutdrucks führt zu neuerlichem Blutdruckabfall, an dessen Ende ein Kreislaufversagen steht. Damit ist klar, dass Menschen, die um ihr Risiko für einen allergischen Schock wissen (Bienengiftallergiker z.B.) immer einen Adrenalin-Autoinjektor mit sich führen müssen. Nur damit lässt sich die Zeit zwischen dem Beginn des Schocks und dem Eintreffen eines Notarztes überbrücken. Egal, ob man sich in der Innenstadt von Karlsruhe oder auf dem Feldberg im Schwarzwald befindet.

Inzwischen gibt es für Eltern und Kinder gute Möglichkeiten, sich über die Anaphylaxie zu informieren und insbesondere auch über deren Erkennung und Therapie. Empfehlenswert sind die Informationen zu Frühwarnzeichen und Umgang mit dem Notfallset der GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie) sowie deren Elternratgeber.

Um gut vorbereitet zu sein, sind einige Informationen wichtig, damit die Umgebung im Falle einer anaphylaktischen Reaktion schnell informiert ist: Der Anaphylaxie-Pass und der Anaphylaxie-Notfallplan. Bei können beispielsweise über den Deutschen Allergie- und Asthmabund (daab.de) hier bestellt werden.

Badedermatitis: Folge von Saugwürmern in warmen Seen

Endlich Sommer. Endlich Sonne. Endlich baden. Das sehen auch die kleinen Larven der Saugwürmer (Zerkarien) so, die besonders bei Temperaturen von über 20° Celsius von ihren Wirten freigesetzt werden. Der bei weitem häufigste Wirt ist die Ente. Insofern kommen diese Larven hauptsächlich in warmen Seen vor, in denen sich auch Enten wohlfühlen.

Zyklus der Zerkarien (in Englisch). Foto: CDC

Alles beginnt mit Wasservögeln wie Enten, die von den Saugwürmern (medizinisch: Trematoden) befallen sind. Mit ihrem Kot scheiden die Vögel Wurmeier aus. Deren Larven befallen dann zunächst Wasserschnecken, später manchmal auch Fische. Von diesen werden schließlich die Zerkarien ausgeschieden.

Zerkarie Foto: CDC

Die Zerkarien suchen im Wasser nach Enten oder anderen Wasservögeln, in denen sie zu reifen Würmern heranwachsen können. Dabei halten sie sich an der Wasseroberfläche auf, wo sie bis zu drei Tage überleben können. Auf der Suche nach den Enten verwechseln die kleinen Zerkarien ihr Ziel gelegentlich und dringen in die Haut von Menschen ein. Dort haben sie jedoch keine Chance und sterben ab. Der Mensch ist also ein „Fehlwirt“, weil die Zerkarien den Menschen mit der Ente verwechseln.

Wie äußert sich die Badedermatitis?

Badedermatitis. Foto: CDC

Bereits zehn Minuten nach dem Eintritt der Zerkarien beginnt ein leichtes Jucken und es treten kleinste rote Fleckchen auf. Das fällt zunächst kaum auf. Bei wiederholtem Befall, wenn somit an verschiedenen Tagen Zerkarien in die Haut eindringen, tritt eine Sensibilisierung ein: Stunden nach dem Befall mit Zerkarien treten Quaddeln (wie nach Brennesselberührung) auf, die massiv jucken. Aus diesen entwickeln sich kleine Knötchen, die meist nach 1-3 Wochen folgenlos abheilen.

Was hilft vorbeugend?

Das Risiko den Zerkarien zu begegnen kann nur grob abgeschätzt werden. Sie können in stehenden Gewässern auftreten, in denen Wasservögel und Süßwasserschnecken vorkommen.

  • Zerkarien können in trüben stehenden Gewässern mit stark verringerter Sichttiefe vermutet werden.
  • Besonders betroffen sind wasserpflanzenreiche Uferbereiche.
  • Betroffen sind Gewässer, in denen sich Enten und andere Wasservögel wohl fühlen. 
  • Bereiche mit grünen oder blaugrünen Schlieren oder “Teppichen” stellen ebenso ein Risiko dar.

Was kann ich vorbeugend machen, wenn Kinder in einem solchen Wasser gebadet haben?

  • Nach dem Baden umgehend die Badebekleidung wechseln.
  • Die Haut mit dem Handtuch kräftig abrubbeln, um ggf. einige Zerkarien noch von der Haut zu entfernen (fürs bloße Auge sind sie nicht sichtbar).
  • Sofortiges Duschen und Ausspülen der Badebekleidung.
  • Wenn nach dem Baden Hautreizungen, Reizungen der Atemwege oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten: Arzt aufsuchen

Die Badedermatitis/ Zerkariendermatitis kommt in unseren Breiten (und auch in Nordamerika) regelmäßig in dieser Jahreszeit vor – aber nur für kurze Zeit, wenn die stehenden Gewässer warm genug sind und sich darin viele Zerkarien aufhalten können. Das trifft meist nur für den Monat Juli zu.

Corona-Komplikationen bei Kindern: PIMS / MIS-C:

Coronainfektionen verlaufen bei Kindern anders als bei Erwachsenen, das ist gut bekannt. Meist sind die Erkrankungen so schwach, dass die Infektion kaum bemerkt wird. Dennoch kann es nach Coronainfektionen von Kindern zu schweren Komplikationen kommen, deren Bedeutung gelegentlich unterschätzt wird.

Stationäre Behandlungen von COVID-19 bei Kindern in Deutschland (grau) sowie Fallzahlen von PIMS /MIS-C (orange) seit Beginn der Pandemie. Foto: DGPI

Eine schwere Komplikation im Zusammenhang von COVID-19 stellt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) dar, das in den USA als „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) bezeichnet wird. Der Buchstabe M (multisystem) beschreibt ein typisches Zeichen dieser Erkrankung: Es betrifft mehrere Organe des kindlichen Körpers: Herz, Lunge, Nieren, Haut, Gehirn, Augen oder Magen-Darm-Trakt. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Ursache hierfür ist unbekannt. Klar ist nur, dass es im Zusammenhang mit einer Coronainfektion steht und oftmals 2 Wochen nach einer solchen bei Kindern und Jugendlichen unter 21 Jahren auftauchen kann. Das PIMS/ MIS-C ähnelt in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom, weißt aber auch entscheidende Unterschiede auf (z.B. die betroffene Altersgruppe ist beim Kawasaki-Syndrom deutlich jünger).

Welche Symptome zeigt PIMS/ MIS-C?

Meist kommt es etwa zwei Wochen nach einer Coronainfektion zu ersten Beschwerden, wobei die Coronainfektion selbst gelegentlich so schwach verlief, dass sie kaum bemerkt wurde. Typisch sind anhaltendes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge und – in schweren Fällen – auch Blutdruckabfall mit Schock. Besonders häufig sind eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder akute Nierenerkrankungen.

Wer ist betroffen?

Altersverteilung PIMS. Foto: DGPI

In den USA sind (Stand 06.06.2021) sind dort inzwischen 4018 Kinder und Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 9 Jahren betroffen. Von ihnen sind die Hälfte zwischen 5 und 13 Jahre alt und 60% männlich. Insgesamt verstarben in den USA 36 Kinder an PIMS/ MIS-C, also fast jedes hundertste erkrankte.

In Deutschland sind (Stand 06.06.2021) 341 PIMS-Fälle bekannt. Von dieser trugen 5,9% Folgeschäden davon, aber keines verstarb. Interessant ist, dass die meisten Kinder mit PIMS mit einer anderen Aufnahmediagnose als PIMS in die Klinik eingeliefert wurden. Die Mehrheit wurde auf einer Intensivstation behandelt und erhielt immunmodulatorische Therapien.

Manche Forscher vermuten, dass MIS-C /PIMS  mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Corona-Infektionen bei Kindern auftritt. In der Fachwelt ist die Bedeutung der schwerwiegenden Komplikation von COVID-19 jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das CDC in den USA hat einige Fälle einer vergleichbaren Erkrankung bei Erwachsenen beschrieben. Sie nennt sich MIS-A, wobei „A“ für Erwachsene (adult) im Gegensatz zu „C“ (child) steht.

Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder im Ländle

Viele Erkrankungen werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Tiere treten also als Überträger – Vektor – auf. Obwohl sie einen Erreger übertragen, werden sie dabei aber selbst nicht krank. Das betrifft zum Beispiel die Borrelien und FSME-Viren, die von der Zecke an den Menschen bzw. andere Tiere weitergegeben werden. Als Vektor können aber auch Ratten – wie bei der Pest – oder Mäuse auftreten.

Baden-Württemberg ist bei den Erkrankungen mit dem Hantavirus schon immer führend in Deutschland. Dabei wird zumeist das Puumalavirus (PUUV) durch die Rötelmaus übertragen. In diesem Jahr übertrifft sich das Ländle dabei selbst. Waren es im letzten Jahr um diese Zeit gerade mal 24 gemeldete Infektionen, so sind im bisherigen Jahr 2021 bereits 796  Hantavirus-Infektionen aufgetreten.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Die relativ seltene Erkrankung mit Hantaviren wird in aller Regel über die Ausscheidung infizierter Mäuse übertragen. Dabei ist Interessant, dass die Übertragung des Hantavirus vorwiegend durch die Einatmung (Inhalation) von infiziertem Staub erfolgt. Dorthin gelangt das Virus durch den Speichel, Urin oder Kot der Mäuse. Betroffen sind meist Männer der Altersgruppe 30-49 Jahre. Bei Kindern tritt die Erkrankung selten auf. So sind zwischen 2001 und 2018 in Baden-Württemberg 6 Erkrankungen bei Kleinkindern (unter 7 Jahre) gesichert.

Die Erkrankung tritt in unseren Breiten nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen als hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) auf: in der ersten Woche bestimmen Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen das Bild. Gelegentlich kommt es zu Blutungen der Haut oder Schleimhäute. In der zweiten Woche kommt es zum Blutdruckabfall, zum Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie) sowie einer interstitiellen Nephritis (Nierenentzündung). Zwischen dem 9. und 12. Tag tritt ein Nierenversagen ein sowie Lungenstörungen, die teilweise zum Tod führen. Auch wenn viele Erkrankungen eher schwach oder sogar ohne Symptome verlaufen, kann die Hantavirusinfektion einen extrem schweren Krankheitsverlauf nehmen. Details hierzu beschreibt die Seite des RKI hier.

Obwohl Kinder selten mit dem Hantavirus erkranken, kann das Risiko im Einzelfall etwas höher sein. Beispielsweise bei Kindern, die auf alten Bauerhöfen mit großen Tennen leben oder bei Kindern in Waldkindergarten. Hierzu gibt es ein interessantes Merkblatt vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Beim Reinigen von Gartenhäusern, Kellern oder Speichern sollte immer bedacht werden, dass in der Raumluft – Aerosol – infektiöse Teichen schweben könnten, die beim Einatmen zu einer Hantavirus-Erkrankung führen könnten. Im Zweifelsfall sollte der schwäbische Ordnungssinn zurückgestellt werden. Vorbeugende Maßnahmen beim Reinigen solcher Räume: zunächst gutes Durchlüften (mind. 30 Minuten). Grundsätzlich sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen ist feuchtes Wischen günstiger. Verschmutzte Flächen sollten desinfiziert werden. Detaillierte Hinweise gibt das Robert-Koch-Institut hier.

Lyme-Borreliose

Die Zecken sind wieder unterwegs, auch wenn der kühle April und Mai ihre Aktivität noch etwas ausbremst. Besonders bedeutsam in unseren Breiten ist der gemeine Holzbock, wie die wichtigste Zecke Ixodes ricisnus im Deutschen genannt wird. Bei zweistelligen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist sie von März bis Oktober unterwegs. Die Häufigkeit der Borreliose (Diagnoseprävalenz) liegt laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) für das Jahr 2019 bei 429 je 100.000 Versicherte deutschlandweit. Regional sind erhebliche Unterschiede zu beobachten.

Der Zecke, dem gemeinen Holzbock, begegnen wir an vielen Orten: Im Garten unseres Hauses oder unserer Wohnanlage, in Stadtparks oder im Wald (Laub- und Mischwald) in Lagen unter 1500 Metern Höhe. In hohen Gräsern oder Büschen wartet die Zecke tagelang, bis ein Warmblüter – ob Vogel, Hund oder Mensch – vorbeikommt, um diesen zu befallen. Der Holzbock hat  keine Augen, sondern erkennt sein Objekt über Tasthaare und seine anderen Sinnesorgane am Atem, Geruch und der Körperwärme. Zecken warten also gezielt auf unser Kommen.

Amèdèe Borrel  Foto:https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b32000224/f67.item

Der Zeckenstich selbst ist kaum zu spüren. Nach dem Stich holt sich die Zecke ihre Blutmahlzeit. Dabei kann es sein, dass sie Erreger, die beispielsweise in ihrem Verdauungstrakt leben übertragen werden. Die bei weitem häufigste Übertragung betrifft die Borrelien. Das ist eine große Gruppe von schraubenförmigen Bakterien (Spirochäten), die nach dem Forscher Amédée Borrel benannt sind, der in Strasbourg gearbeitet hat. In Deutschland ist bislang Borrelia burgdorferi der häufigste Erreger der Borreliose. Zu einer Übertragung der Borrelien kommt es bei etwa einem von tausend Zeckenstichen. Der zweitwichtigste Zecken-Erreger bei uns ist ein Virus: Das Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis-Virus, kurz: FSME-Virus. Weitere Erreger spielen im Ländle eine untergeordnete Rolle.

Erythema migrans Foto: ptw

Die Borreliose tritt Tage bis wenige Wochen nach dem Zeckenstich als Hautveränderung an der Stichstelle auf. Dabei kommt es meistens zur sog. Wanderröte, dem Erythema migrans. Diese Ausschlag zeigt sich als Rötung mit kleinen Pünktchen (Maculae) um die Bissstelle, wobei die Größe über Tage zunimmt (immer mehr als 1 cm Durchmesser) und das Zentrum des Ausschlags blasser wird. Da die Rötung gelegentlich dezent ist oder sich an versteckten Stellen wir der Achsel befindet, wird das Erythema migrans oft kaum erkannt. Umso mehr, als der Ausschlag weder juckt noch schmerzt.

In diesem Stadium ist die Borreliose nahezu zu 100% und sehr einfach behandelbar. Hierfür stehen verschiedene Antibiotika bereit, die der Arzt je nach Alter des Patienten einsetzt.

Selten kann es statt der Wanderröte zu einem Borrelienlymphozytom kommen. Dabei treten schmerzlose Schwellungen meist an Ohr, der Brustwarze oder dem Hodensack auf. Diese werden oft erst nach Monaten erkannt.

Nach einer unerkannten Wanderröte oder einem unerkannten Borrelienlymphozytom kann es nach Wochen und Monaten zu einer Neuroborreliose kommen – die Krankheit hat dann das zentrale Nervensystem erreicht. Diese kann sich – abhängig vom Alter des Patienten – als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis) oder Gesichtslähmung (Facialisparese) zeigen. Beide Komplikationen kommen regelmäßig bei Kindern und Jugendlichen vor.

Noch später, teilweise nach Jahren, kann eine Lyme-Arthritis auftreten. Diese Entzündung von Gelenken tritt bei Kindern häufig einseitig am Kniegelenk auf und ist sehr schmerzhaft. Auch eine Entzündung am Herzen, Lyme-Karditis, ist möglich. Lyme ist übrigens ein Städtchen unweit von Boston mit etwas mehr als 2000 Einwohnern. Dort wurde der Zusammenhang zwischen der Gelenkentzündung und den Borrelien erstmals erkannt. Noch heute wird aus diesem Grund die Borreliose in den USA Lyme Disease (in Englisch) genannt.

Um eben diese schweren Verläufe am Gehirn (Neuroborreliose), Gelenk (Lyme-Arthritis) und an den Gelenken (Lyme-Arthritis) zu verhindern, ist die Vorbeugung (Prophylaxe) so wichtig:

Vermeidung der Borreliose

Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur:

  • eher helle Kleidung tragen (damit laufende Zecken bessererkannt werden können)
  • lockere, langärmelige Kleidung
  • Hosenbeine in die Socken stecken
  • ggf. Anwendung von DEET, Permethrin oder Icaridin (z.B. Autan© Insektenschutz-Spray Protection Plus Zeckenschutz)

Vorbeugende Anwendung von Antibiotika ist übertrieben und nicht angebracht. Auch das Meiden der Natur aus Angst vor Zecken ist nicht sinnvoll und beraubt Kinder wichtiger Erfahrungen in ihrer Umgebung.

Impfung?

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es bis heute nicht, wohl aber sicher wirksame Antibiotika. Bei der FSME ist es umgekehrt: Hier gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, aber eine gut wirksame Impfung

Frühzeitige Erkennung der Borreliose

Während der abendlichen Untersuchung auf Zecken am Körper, sollte auch auf die meist kreisrunden und zentral blassen Ausschläge der Wanderröte geachtet werden. Zur Übertragung der Borreliose muss das Blutsaugen der Zecke länger als 12 Stunden dauern. Eine FSME kann hingegen sofort bei Stich übertragen werden.

Entfernung der Zecke

Hierzu empfiehlt sich die Entfernung der Zecke direkt auf Hautniveau, z.B. mit einer Zeckenzange oder auch einer Pinzette. Alternativ gibt es die Streichelmethode, die ohne jegliches Werkzeug überall anwendbar ist. Geübte können damit Zecken in 90% aus ihrer Bisshaltung zu 90% „herauskitzeln“.

Welche Kinder neigen zu schweren Asthmaerkrankungen?

Das Asthma bronchiale ist gekennzeichnet durch chronisch enge Atemwege, die sich nach Wegfall des Auslösers oder durch Medikamente wie Salbutamol wieder weiten. Schon im frühen Kleinkindesalter können Kinder davon betroffen sein. Dann spricht man eher von obstruktiver („spastischer“) Bronchitis, weil zunächst nicht klar ist, ob die engen Atemwege nur im Rahmen der vielen Atemwegsinfekte auftreten oder weil dies der Beginn einer chronischen Erkrankung ist.
Im englischen Sprachraum wird bei den Kleinkindern vom recurrent wheezing, dem wiederkehrenden Pfeifen, gesprochen.
Die Studie einer Forschergruppe um Guillaume Lezmi aus Paris (Frankreich) hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Faktoren zu den besonders schweren Verläufen der Erkrankung führen. Sie untersuchten Kinder im Alter von 3-6 Jahren mit servere recurrent wheezing (SRW) und Schulkinder von 7-11 Jahren mit severe asthma bronchiale jeweils im Vergleich zu den Kindern, bei denen die Enge der Atemwege – also das Asthma – nur schwach ausgeprägt war.
Im Vergleich fanden sie verschiedene Faktoren. Bei den Kleinkindern von 3-6 Jahren neigten besonders die Kinder zu den schweren Verläufen der Atemwegsverengung, die von Rauchern zuhause umgeben waren. Ihr Risiko für einen schweren Verlauf war 29,8 Mal so hoch wie bei denen aus Nicht-Raucher-Haushalten. Bedeutsam war auch Feuchtigkeit und Schimmelbefall in der Wohnung, was mit einem 4-fachen Risiko für einen schweren Verlauf verbunden war.
Ganz anders die Situation bei den Schulkindern. Hier war es eine Neurodermitis oder eine Nahrungsmittelallergie, die das Risiko für einen schweren Verlauf anzeigte.
Manchmal kann es so einfach sein Kindern zu helfen, dass es ihnen gesundheitlich besser geht. Allein der Verzicht auf Rauchen in der Umgebung der Kleinsten hat eine hohe Wirkung.

Chronische Erkrankungen bei deutschen Kindern: Was „verliert“ sich?

Auch Kinder und Jugendliche sind von chronischen Erkrankungen betroffen. Das zeigt die aktuelle Auswertung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch­land (KiGGS) nochmals deutlich. Etwa jedes sechste Kind unter 18 Jahren ist chronisch krank wie aus der Arbeit im Journal of Health Monitoring hervorgeht

Asthma bronchiale ist eine der häufigen chronischen Erkrankungen. In ihrer Basiserhebung untersuchte die KiGGS 17640 Kinder und Jugendliche in den Jahren 2003 bis 2006. Von diesen nahmen 6.465 (36,6%) Kinder und Jugendliche auch an der zweiten Untersuchung („Welle 2“) in den Jahren 2014-2017 teil. Dabei zeigte sich, dass gegenüber der Basisuntersuchung 65% der Kinder mit der Diagnose „Asthma“ zehn Jahre später beschwerdefrei waren. Umgekehrt: Noch ein Drittel der jetzt Jugendlichen war von Asthma betroffen und benötigte Asthmamedikamente.

In Bezug auf Adipositas (starkes Übergewicht) waren noch die Hälfte der untersuchten Jugendlichen vom Übergewicht betroffen.

Bei einigen Kinder, die zu Beginn der Untersuchung frei von chronischen Erkrankungen waren, traten solche in den 10 Jahren bis zur Zweituntersuchung („Welle 2“) neu auf. So entwickelten 3,4 Prozent erstmals ein Asthma bronchiale und 5,1 Prozent erstmals eine Adipositas.

Es bleibt die Frage, ob sich chronische Erkrankungen nach der Pubertät überhaupt „verlieren“ können und ob dieses Ende der chronischen Erkrankung anhaltend ist. So weist beispielsweise das Asthma bronchiale eine bedeutsame genetische Komponente auf, die lebenslang bestehen bleibt. Und damit wohl auch das Risiko, später unter ungünstigen Bedingungen – Rauchen! und anderes – wieder Symptome dieser Erkrankung zu bekommen. Bewiesen ist das nicht, aber leider doch wahrscheinlich.

Nach Verschwinden der Krankheitssymptome (oder auch schon zuvor) ist es vermutlich ratsam, den Lebensstil zu ändern. Nichtraucher zu sein reduziert die Empfindlichkeit der Atemwege, viel Sport zu machen wirkt unter anderem dem Übergewicht entgegen. Einfach abzuwarten ohne aktive Mitarbeit dürfte in den seltensten Fällen langfristig erfolgreich sein.

Schweizer Studie: Cannabiskonsum mit Wasserpfeife riskant

Das Thema Drogen beschäftigt wohl alle Eltern in der Pubertät ihrer Kinder. In aller Regel liegt ein Tabu über allem. Das zeigt sich in vollmundigen Statements wie: „In unserer Schule haben wir kein Drogenproblem“. Auf dem Lande verweist man dabei gerne auf den Sündenpfuhl der Städte. Dass Drogen aber in allen Landesregionen eine Rolle spielen, zeigt ein schlichter Blick in die regionalen Tageszeitungen.

Ein Thema ist in diesem Zusammenhang die Wasserpfeife (Shisha), über die verschiedenes inhaliert werden kann, eben auch Cannabis.

Mit diesem Thema hat sich eine Untersuchung in der Schweiz befasst. In der Studie um die Forscherin Dai-Hua Tsai von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsspitals in Zürich wurden 5987 Schweizer Rekruten bei Ihrer Eingangsuntersuchung ins Militär befragt. In die Studie aufgenommen wurden 1108 Rekruten, die bei der ersten Befragung (zwischen 2010 bis 2012) angaben, nur Cannabis zu konsumieren. Von diesen benutzten 343 (30%) eine Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis.

Bei einer weiteren Untersuchung 6 Jahre später (2016-2018) zeigte sich, dass sich unter den Nutzern der Wasserpfeife mehr Männer befanden, die inzwischen auch andere illegale Drogen (Stimulantien, Halluzinogen)  konsumierten. Das Risiko, weitere Drogen zu nutzen war gegenüber den Nicht-Wasserpfeifen-Nutzern um über die Hälfte (aOR 1,54) höher.

Die Nutzung der Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis erhöht das Risiko, später zu härteren Drogen zu greifen.

Kampf dem Plastikmüll: Auch ein Weg für gesündere Atemwege unserer Kinder

Mit dem wärmer werdenden Frühling wird auch die Luftqualität in den Städten meist schlechter. Die Qualität ergibt sich aus einer Summe vieler Schadstoffe, die von uns Menschen verursacht sind. Die gute Seite: Was wir verbockt haben, können wir – rein theoretisch und mit einigen Kraftanstrengungen – auch wieder in die positive Richtung ändern und damit die Zunahme weiterer Schäden verlangsamen.

Hauptursache für eine schlechte Luftqualität ist das Verbrennen fossiler Energieträger und von Biomasse wie bei den Brandrodungen. Dabei entstehen Giftgase wie SO2, NOx, Methan , Feinstaub und Schwebestoffe aus unterschiedlichen Quellen.

Apropos Schwebestoffe. Auch Plastikmüll schadet langfristig enorm. Allein in Deutschland verbrauchen die Menschen pro Stunde 320.000 Stück Kaffeebecher, wie das Bundesumweltministerium berechnet hat. Pro Jahr sind das 2,8 Milliarden Becher. Und damit eine Menge Mikroplastik für die Zukunft, die über Jahre den zerfallenden Plastikbechern entfleucht. Mikroplastik ist schon heute in spürbaren Mengen in der Nahrung. Und es findet sich sogar in der Luft, wie Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts nachweisen konnten. In frisch gefallenem Schnee in den Bayrischen Alpen fanden sie bis zu 154.000 Plastikteilen pro Liter, die der Schneefall aus der Luft „ausgewaschen“ hatte. Es sieht also so aus, als würden wir zunehmend auch Mikroplastik einatmen. Dass diese Teilchen fliegen können dürfte nicht verwundern. Immerhin haben uns in diesem Jahr schon mehrere Sahara-Staubwolken aus über 3000 km Entfernung in Baden-Württemberg erreicht.

In wenigen Wochen, ab dem 3. Juli 2021, ist die Herstellung von Einwegplastik in der EU untersagt. Das ist ein wichtiger Schritt, der unseren Alltag verändert. Mit der beginnenden Grillsaison können wir direkt dazu beitragen und Einwegplastik einsparen. Eine Möglichkeit ist, schon jetzt auf essbares Besteck umzusteigen.

Das wird zum Beispiel vom Start-up-Unternehmen Kulero angeboten, das von Hemant Chawla mit seiner Geschäftspartnerin Juliane Schöning aufgebaut wurde. Sie stellen essbare Löffel, Schüsseln, Strohhalme oder Teller her, wobei in Westindien sowie bei einem Kekshersteller in Baden-Württemberg produziert wird. Abnehmer ihrer Produkte sind Supermarktketten wie Edeka oder Rewe ebenso wie Restaurants und Gefängnisse.

Alexander von Humboldt. Statue im Central Park, NYC Foto: wikimedialimages

Ein kleiner Beitrag zur Verbesserung der Umwelt. Immerhin. Übrigens hat schon Alexander von Humboldt – lange bevor das Auto erfunden oder Industrieschlote rauchten – erkannt, wie die Menschen durch ihr Verhalten die Abläufe der Natur nachhaltig stören. Auf seiner Reise durch Südamerika von 1799 bis 1804 beschrieb er beispielsweise den Einfluss von Waldrodungen auf den Wasserhaushalt. Obwohl wir  Menschen das seit über 220 Jahren wissen, werden weiter Wälder abgeholzt um Soja anzubauen, damit wir schließlich mehr Fleisch auf den Tisch bekommen. Und vieles andere mehr.