Kategorie: TIPP

Schweizer Studie: Cannabiskonsum mit Wasserpfeife riskant

Das Thema Drogen beschäftigt wohl alle Eltern in der Pubertät ihrer Kinder. In aller Regel liegt ein Tabu über allem. Das zeigt sich in vollmundigen Statements wie: „In unserer Schule haben wir kein Drogenproblem“. Auf dem Lande verweist man dabei gerne auf den Sündenpfuhl der Städte. Dass Drogen aber in allen Landesregionen eine Rolle spielen, zeigt ein schlichter Blick in die regionalen Tageszeitungen.

Ein Thema ist in diesem Zusammenhang die Wasserpfeife (Shisha), über die verschiedenes inhaliert werden kann, eben auch Cannabis.

Mit diesem Thema hat sich eine Untersuchung in der Schweiz befasst. In der Studie um die Forscherin Dai-Hua Tsai von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsspitals in Zürich wurden 5987 Schweizer Rekruten bei Ihrer Eingangsuntersuchung ins Militär befragt. In die Studie aufgenommen wurden 1108 Rekruten, die bei der ersten Befragung (zwischen 2010 bis 2012) angaben, nur Cannabis zu konsumieren. Von diesen benutzten 343 (30%) eine Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis.

Bei einer weiteren Untersuchung 6 Jahre später (2016-2018) zeigte sich, dass sich unter den Nutzern der Wasserpfeife mehr Männer befanden, die inzwischen auch andere illegale Drogen (Stimulantien, Halluzinogen)  konsumierten. Das Risiko, weitere Drogen zu nutzen war gegenüber den Nicht-Wasserpfeifen-Nutzern um über die Hälfte (aOR 1,54) höher.

Die Nutzung der Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis erhöht das Risiko, später zu härteren Drogen zu greifen.

Kampf dem Plastikmüll: Auch ein Weg für gesündere Atemwege unserer Kinder

Mit dem wärmer werdenden Frühling wird auch die Luftqualität in den Städten meist schlechter. Die Qualität ergibt sich aus einer Summe vieler Schadstoffe, die von uns Menschen verursacht sind. Die gute Seite: Was wir verbockt haben, können wir – rein theoretisch und mit einigen Kraftanstrengungen – auch wieder in die positive Richtung ändern und damit die Zunahme weiterer Schäden verlangsamen.

Hauptursache für eine schlechte Luftqualität ist das Verbrennen fossiler Energieträger und von Biomasse wie bei den Brandrodungen. Dabei entstehen Giftgase wie SO2, NOx, Methan , Feinstaub und Schwebestoffe aus unterschiedlichen Quellen.

Apropos Schwebestoffe. Auch Plastikmüll schadet langfristig enorm. Allein in Deutschland verbrauchen die Menschen pro Stunde 320.000 Stück Kaffeebecher, wie das Bundesumweltministerium berechnet hat. Pro Jahr sind das 2,8 Milliarden Becher. Und damit eine Menge Mikroplastik für die Zukunft, die über Jahre den zerfallenden Plastikbechern entfleucht. Mikroplastik ist schon heute in spürbaren Mengen in der Nahrung. Und es findet sich sogar in der Luft, wie Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts nachweisen konnten. In frisch gefallenem Schnee in den Bayrischen Alpen fanden sie bis zu 154.000 Plastikteilen pro Liter, die der Schneefall aus der Luft „ausgewaschen“ hatte. Es sieht also so aus, als würden wir zunehmend auch Mikroplastik einatmen. Dass diese Teilchen fliegen können dürfte nicht verwundern. Immerhin haben uns in diesem Jahr schon mehrere Sahara-Staubwolken aus über 3000 km Entfernung in Baden-Württemberg erreicht.

In wenigen Wochen, ab dem 3. Juli 2021, ist die Herstellung von Einwegplastik in der EU untersagt. Das ist ein wichtiger Schritt, der unseren Alltag verändert. Mit der beginnenden Grillsaison können wir direkt dazu beitragen und Einwegplastik einsparen. Eine Möglichkeit ist, schon jetzt auf essbares Besteck umzusteigen.

Das wird zum Beispiel vom Start-up-Unternehmen Kulero angeboten, das von Hemant Chawla mit seiner Geschäftspartnerin Juliane Schöning aufgebaut wurde. Sie stellen essbare Löffel, Schüsseln, Strohhalme oder Teller her, wobei in Westindien sowie bei einem Kekshersteller in Baden-Württemberg produziert wird. Abnehmer ihrer Produkte sind Supermarktketten wie Edeka oder Rewe ebenso wie Restaurants und Gefängnisse.

Alexander von Humboldt. Statue im Central Park, NYC Foto: wikimedialimages

Ein kleiner Beitrag zur Verbesserung der Umwelt. Immerhin. Übrigens hat schon Alexander von Humboldt – lange bevor das Auto erfunden oder Industrieschlote rauchten – erkannt, wie die Menschen durch ihr Verhalten die Abläufe der Natur nachhaltig stören. Auf seiner Reise durch Südamerika von 1799 bis 1804 beschrieb er beispielsweise den Einfluss von Waldrodungen auf den Wasserhaushalt. Obwohl wir  Menschen das seit über 220 Jahren wissen, werden weiter Wälder abgeholzt um Soja anzubauen, damit wir schließlich mehr Fleisch auf den Tisch bekommen. Und vieles andere mehr.

Fluorid zur Kariesvorbeugung

Seit Jahrzehnten ein Klassiker und immer wieder in der Diskussion ist die Frage zur kindlichen Karies: Wer braucht wann wieviel Fluorid? Und, sind damit auch negative Wirkungen verbunden?

Karies ist eine chronische Erkrankung, die das Zahnhartgewebe angreift. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren begünstigt diesen Prozess:

  • Bakterien im Mundraum wie z.B. Streptokokkus mutans.
  • Kohlenhydrate wie Zucker.
  • der Faktor Zeit.

Im Zusammenspiel dieser Bakterien mit Kohlenhydraten entstehen Säuren, die die Calcium-Phosphate aus dem Zahnschmelz lösen. Das führt zu Demineralisation, die fortschreitet und eine kariösen Zahn hinterlässt.

Fluoride haben Wirkungen, die diesem Prozess entgegenwirken:

  • sie fördern die Re-Mineralisation
  • die verringern die De-Mineralisation
  • die bremsen den Stoffwechsel der Bakterien und führen hierdurch zu einer geringeren Säureproduktion

Diese Effekte können die Fluoride auf zwei unterschiedlichen Wegen entwickeln:

  • systemisch: wenn sie also dem Körper als ganzes (wie z.B. in Tablettenform) zugeführt werden.
  • topisch:  wenn sie auf die Zahnoberfläche aufgebracht werden – sei es als Zahnpasta oder als Lack.

Aber was bedeuten diese Erkenntnisse für den Alltag von Säuglingen, Klein- und Schulkindern?

Das große Dilemma ist, dass Eltern widersprüchliche Empfehlungen präsentiert werden. Die kinderärztlichen Gesellschaften empfehlen seit Jahrzehnten die Gabe von Vitamin D in Kombination mit Fluor (z.B. als D-Fluoretten© 500) beginnend ab dem 10. Lebenstag. Die Kinderzahnärzte betonten derweil immer, dass die regelmäßige Zahnpflege mit Zahnpasta ab dem ersten Zahn sinnvoller sei. Dieser Widerspruch von systemischer Therapie (Kinderärzte) und topischer Therapie (Zahnärzte) könnte sich dieser Tage langsam auflösen. Bald soll eine neue Leitlinie hierzu erscheinen, eine Überarbeitung der alten soll in Bälde vorliegen.

Aus den USA liegt die neueste Empfehlung der amerikanischen Kinderärzte (AAP) gerade vor, die in Pediatrics erschienen ist. Darin steht (verkürzt zusammengefasst):

  • Zahnpasta ab Durchbruch des ersten Milchzahns (zunächst mit reiskorngroßer Menge = etwa 0,1 mf Fluorid)
  • Fluoridlack ab Zahndurchbruch alle 3-6 Monate (bei hochwertiger Zahnpflege kann darauf verzichtet werden)
  • Orales Fluorid, wenn das Trinkwasser nicht fluoridiert ist. Bei Fluoridgehalt von <0,3ppm Zufuhr ab 6 Monaten mit 0,25 mg/ Tag beginnen

Dabei fällt auf, dass in den ersten 6 Monaten kein Fluorid überhaupt gegeben wird. Daneben ist keine Rede von „Kinderzahnpasta“ – die Menge des Fluorids wird also über die Menge an der auch für Erwachsenen üblichen Zahnpasta gesteuert.

Typisch amerikanisch: Klare und einfache Regeln. Wir dürfen sicher sein, dass die deutschen Regeln deutlich komplizierter ausfallen. Die Frage ist, was am Schluss mehr Erfolg hat. Dieser Unterschied ist ja gerade auch für alle bei den Coronaimpfungen zu sehen: Deutschland stellt beste, komplex ausgefeilte Regeln auf – die im Alltag permanent umgangen werden. Ob wir das beim Thema Kariesprophylaxe besser machen werden?

Mutter/Vater-Kind-Kur abgelehnt: Wie Einspruch einlegen?

Für kranke oder überlastete Eltern gibt es die Möglichkeit von Kuren. Diese kann unter gewissen Voraussetzungen zusammen mit den eigenen Kindern erfolgen. Im Zentrum dieser Maßnahme stehen Mutter oder Vater, weswegen sie auch als Mutter/Vater-Kind-Kur bezeichnet wird. Als Voraussetzung für die Mitaufnahme des/der Kinder kommen in Frage:

  • Das Kind kann ebenfalls behandlungsbedürftig, weil es zum Beispiel an einem Infektasthma leidet.
  • Es zu befürchten ist, dass das Kind unter der Trennung von der Mutter/Vater leidet.
  • Bei alleinerziehenden Vätern oder Müttern: Eine belastende Mutter-(Vater)-Kind-Beziehung soll verbessert werden.
  • Bei alleinerziehenden Vätern oder Mütter: Das Kind kann während der Kur nicht anderweitig betreut werden.

Diese Fragen beantwortet der Kinder- und Jugendarzt auf einem Antrag, der der jeweiligen Krankenkasse vorgelegt wird.

Was aber tun, wenn trotz allem der Antrag auf die Mutter/Vater-Kind-Kur abgelehnt wird? In vielen Fällen hängt das davon ab, bei welcher Krankenkasse man versichert ist; manche Kassen lehnen häufiger ab als andere. Auch die Dauer der Bearbeitung dieser Anträge ist höchst unterschiedlich. Nach Untersuchungen braucht die AOK Baden-Württemberg hierfür besonders lang, nämlich bis zu 6 Wochen.

Eine Ablehnung ist nicht in Stein gemeißelt. Insofern kann und sollte man gegen den negativen Bescheid Widerspruch einlegen. Untersuchungen belegen, dass 40% der Widersprüche erfolgreich sind.

Wie lege ich Widerspruch ein?

Zunächst reicht ein formloses Schreiben, in dem das Aktenzeichen und Datum der Ablehnung vermerkt sind. Hierzu kann man beispielsweise das Muster verwenden, das die Redaktion von Finanztip.de bereithält. Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats bei der Krankenkasse eingehen. Um das nachweisen zu können, sollte man ihn als Einschreiben verschicken.

In diesem Widerspruch sollte die Notwendigkeit der Kur nochmals begründet werden. Dabei kann die Unterstützung durch den Arzt/Kinderarzt sowie Beratungsstellen (Verbraucherzentrale, Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)) sinnvoll sein.

Medien- und Internetabhängigkeit – Ein Problem von Kindern und Jugendlichen?

Von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt es einige Daten, die sich mit Sucht bei Kindern und Jugendlichen befassen. Das umfasst Studien zum Rauchen, zum Konsum von Alkohol und zu Drogen.

Zum Thema einer exzessiven Mediennutzung gibt es Studiendaten erst seit 10 Jahren. Kürzlich erschein die BZgA-Studie zum Thema „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019 – Teilband Computerspiele und Internet„, die im Internet zum Download bereitsteht.

Grundlage war die Drogenaffinitätsstudie 2019, für die – ähnlich wie vier Jahre zuvor – 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt wurden. Die Befragung ergab, dass 12- bis 17-Jährige Computerspiele und Internet wöchentlich im Durchschnitt 22,8 Stunden, die Älteren (18- bis 25-Jährige) durchschnittlich 23,6 Stunden nutzten.

Von einer computerspiel- oder internetbezogenen Störung gehen die Autoren bei 8.4% der befragten Jugendlichen und 5.5% der jungen Erwachsenen aus. Interessanterweise sind bei den Jugendlichen mehr Mädchen (10%) als Jungen (7%) davon betroffen. Seit der ersten Untersuchung im Jahre 2011 sowie der Nachfolgeuntersuchung 2015 zeigt sich eine Zunahme dieser Störung.

Fingerknacken – ein Problem?

Jedes Kind probiert das wohl mal aus: das Fingerknacken. Wenn Eltern das mitbekommen sind sie häufig besorgt, was einige Kinder dazu anregt es immer wieder zu machen, Manchmal als Provokation, häufig auch aus Langeweile.

Ist das Fingerknacken schädlich? Hat es Folgen für die Gelenke, sei es dass diese vermehrt beweglich würden oder dass eine Arthrose die Folge ist? So einfach solche Fragen scheinen, so führen sie doch oft zu Stirnrunzeln beim Kinder- und Jugendarzt.

Erstaunlicherweise gibt es zu diesem Thema einige Literatur. Diese bezieht sich zumeist auf Erwachsene, die jedoch schon lange das Fingerknacken praktizierten. Das Ergebnis: Ein negativer Effekt auf die Gelenke lässt sich mit verschiedenen Methoden nicht nachweisen. Die Literatur zu diesem Thema gipfelt in dem Selbstversuch eines Dr. Donald L. Unger aus Kalifornien (in Englisch), der an seiner linken Hand über 50 Jahre die Finger mindestens 2 mal täglich knackte, während er die rechte Hand in Ruhe ließ. Nach mindestens 36.500 Knackversuchen konnte er keinen Unterschied zwischen beiden Händen finden und insbesondere keine Arthrose.

Eltern können also gelassen ihren Kindern zuschauen, wenn sie die Finger knacken lassen. Mit dieser Nonchalance dürfte dieser Tic der Kinder bald vorbei sein.

Trampolinspringen

Der Frühling kommt. Kinder und Jugendliche drängt es nach draußen. Wärme, Freiheit und Bewegung. Was gibt’s da schöneres als ein Trampolin?

Wir verbinden es mit der Freiheit zu fliegen, dem ausgelassenen Spaß draußen im Grünen und der Einladung, sich körperlich zu verausgaben. Leider sieht die Realität oft anders aus. Die meisten Kinder sind eben nicht so sportlich. Und, das Trampolin ist ein Saison-Gerät. Nach einem langen Winter sind einige Bewegungen nicht mehr so drin wie im Jahr zuvor – kurzum: es birgt gerade zu Beginn im Frühjahr einige Risiken.

Dazu liegen vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) liegen erstmals Merkblätter zu den Trampolinunfällen vor. Und gleich in mehreren Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, Polnisch, Italienisch und Französisch. In gedruckter Version gibt es sie nicht, sie können aber nach Registrierung kostenlos bei der bvkj-service GmbH bestellt und runtergeladen werden.

Die Zahl der Unfälle mit dem Trampolin werden von vielen Eltern unterschätzt. Sie kommen in der Praxis jedes Kinder- und Jugendarztes regelmäßig vor. Eine zentrale Regel ist: Für Kinder unter 6 Jahren ist kein Trampolinspringen sinnvoll.

App bei Lese-Recht-Schreibschwäche (LRS)

Die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) ist betroffene Kinder und Eltern ein Problem, das im praktischen Umgang sehr mühsam ist. Es beginnt meist in den ersten Klassen, wenn es um die Bewertung und Benotung von Aufsätzen geht. Da sehen Kinder sehr oft den Rotstift und Noten, die ihrem Können oft nicht gerecht werden.

Oft noch schwieriger ist es TherapeutInnen zu finden, die im Umgang mit der LRS weiterhelfen können. Manches Mal geht es um sehr lange Fahrtwege, häufig geht es ums Geld, denn die Bezahlung der Therapien werden von den Krankenkassen meist nur teilweise erstattet.

Da stellt eine App einen Lichtstrahl dar. Linguisten, Informatiker und Psychologen der Universität Tübingen und des Tübinger Insti­tuts für Lerntherapie (TIL) haben ein digitales Lernspiel mit dem Namen Prosodiya entwickelt.

„Viele Kinder mit einer LRS haben Probleme, den Sprachrhythmus wahrzunehmen und die Betonungen der Wortsilben zu erkennen“, erläutert Heiko Holz, einer der Entwickler der App. Das sei ein echter Hemm­­schuh beim Schreibenlernen.

Mithilfe von „Prosodiya“ üben die Kinder, einzelne Wörter in Silben einzuteilen, die betonten Silben zu er­kennen und lange und kurze Vokale zu unterscheiden. Das hilft dabei die Rechtschreiberegeln leichter umzusetzen.

Die App kann von den Kindern selbst ohne Mithilfe der Eltern angewendet werden. Angedacht ist, dass Kinder über zehn Wochen drei bis fünf Mal in der Woche jeweils über 15 Minuten  Prosodiya anwenden.

Die App kann momentan kostenlos heruntergeladen werden kann. Sie wurde im Rahmen eines vom Bundesminis­terium für Bildung und Forschung geförderten Projekts entwickelt und durch die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Zum Ende des Schuljahres wird die App vermutlich kostenpflichtig sein.

Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittelallergien

Bald blühen die Birken. Das wäre nicht besonders spektakulär, wenn deren Pollen nicht so herrlich weit fliegen und tief in die Atemwege von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eindringen würden. Das mag so manches Immunsystem überhaupt nicht und reagiert allergisch.

Oft bleibt es aber nicht beim „Heuschnupfen“, der eigentlich ein allergischer Schnupfen ist und bei den Birken ohne Heu auskommt –  manchmal kommt auch Asthma bronchiale hinzu. Das betrifft zum Glück eher Schulkinder und Jugendliche, so dass die Kleinsten im Frühjahr meist ungestört rumtollen können.

Wer von der Allergie gegen die Frühblüher wie Birke oder Hasel oder auch Erle betroffen wird hat ein großes Risiko auch eine Nahrungsmittelallergie zu bekommen. Weil das Allergen der Pollen so ähnlich aufgebaut ist, reagieren viele Pollen-Allergiker auch auf einige Nahrungsmittel wie Äpfel (Kernobst) oder Haselnüsse.

Und dann wird’s langsam kompliziert. Denn es gibt auch Kreuz-Reaktionen von einem Nahrungsmittel zum anderen. Das ist vielen Eltern allergischer Kinder bekannt. Wo aber welches Risiko vorliegt ist eher weniger bekannt. Deswegen wollen wir hier eine Übersicht vorstellen, die kürzlich von ausgewiesenen Experten aus New York und Genf veröffentlicht wurde.

Nahrungsmittelallergien und ihre Kreuzallergene (siehe Text). Quelle: JACI-inpractice Amanda Cox et al, 2021

Die Tabelle zeigt auf der linken Seite die „primäre“ Nahrungsallergie, die ein Kind oder einen jugendlichen betrifft. In der mittleren Spalte sind dass die kreuzreaktiven Nahrungsmittel abgebildet, wogegen eine weitere Allergie sich entwickeln könnte. Das Risiko hierfür zeigt die rechte Spalte.

Grundsätzlich ist es gut, um diese Kreuzallergien zu wissen. Es besteht aber für Eltern in aller Regel kein Grund, mögliche Kreuzallergene bei den Kindern von vorneherein zu vermeiden. Solche Maßnahmen könnten sich im Einzelfall auch ungünstig auswirken. Die Tabelle gibt eine gute Orientierung über die klinisch bedeutsamen Kreuzallergien von Nahrungsmitteln. Gute Therapievorschläge geben jedoch nur allergologisch versierte Kinder- und JugendärztInnen.

Vitamin D jenseits des zweiten Lebensjahres

Langsam werden die Tage wieder länger und die Sonne scheint stärker auf uns herab. Dennoch reicht das Sonnenlicht, genauer die UV-B-Strahlung, noch nicht aus, um unseren täglichen Bedarf an Vitamin D zu decken. Das gelingt erst den Monaten April bis September, wenn wir um die Mittagszeit (10-15 Uhr) nach draußen gehen und dabei eine Viertelstunde mit unbedecktem Kopf und Unterarmen der Sonne ausgesetzt sind.

Etwa 10% des täglichen Bedarfs an Vitamin D können vom Körper mit der Nahrung aufgenommen werden. Hierzu tragen Meeresfische aus Kaltwasserregionen (Lachs, Hering u.a.) besonders bei. Das aufgenommene Vitamin D wird über die Leber und die Nieren weiter verstoffwechselt und in die aktive Form Calcitriol gebracht.

Die übrigen 90% des Vitamin-D-Bedarfs werden über die Sonnenstrahlung gedeckt. Diese ist im Winter gering, womit auch die Vitamin-D-Spiegel im Körper absinken. Aber welcher Spiegel ist normal? Diese Frage ist sehr komplex. Denn der Vitamin-D-Spiegel ist von vielen Faktoren beeinflusst, so auch von der körperlichen Aktivität. Auch die Bestimmung des Vitamin-D im Labor ist aufwendig und häufig werden Methoden verwandt, die finanziell günstiger aber nicht ausreichend genau sind (wie der ELISA).

Über die letzten Jahrzehnte wurde klar, dass Vitamin-D eine weit höhere Bedeutung hat als die Regelung des Knochenstoffwechsels. Belegt ist ein Bezug auf das Immunsystem, über den sich auch der vermutete Einfluss auf Autoimmunerkrankungen, Diabetes mellitus, Asthma bronchiale oder Infektionskrankheiten erklären könnte.

Was bedeuten all diese Informationen für Kinder und Jugendliche in Deutschland? Die KiGGS (Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland) zeigte, dass der Vitamin-D-Spiegel nur bei einem Drittel der Kinder im Zielbereich lag. Bei den anderen lag der Wert darunter. Echte Mangelerkrankungen sind aber eine Rarität. Die deutschen Kinder- und Jugendärzte vertreten in der Mehrheit den Standpunkt, dass allein ein niedriger Vitamin-D-Wert bei Kindern nach dem zweiten Geburtstag keinen Behandlungsgrund darstellt.

Eine Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED) zur Gabe von Vitamin D bei über 2-jährigen Kindern liegt seit 2018 vor. Darin können Sie weitere Details zu dieser Frage nachlesen.