Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 24. Juli 2021

Delta-Variante I : Weniger Wirksamkeit bei AstraZeneca und Johnson&Johnson

Delta-Variante II : Mehr Infektionen bei Jugendlichen

Viel Gemüse = weniger Asthma

Rückschlag für die chinesische Impfdiplomatie: COVID-19 in Asien trotz Sinovac© 

Impfungen sind ein effektiver Schutz vor Coronavirus-Infektionen. Vorausgesetzt, man ist mit dem „richtigen“ Impfstoff versorgt worden. Das gilt zumindest, wenn es sich um die Beta-Variante (die zuerst in Südafrika auftrat) und die Delta-Variante (die erstmals in Indien auftrat) handelt. Die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson zeigen bei diesen beiden Corona-Varianten klare Schwächen. Für Kinder und Jugendliche kein Problem: Für sie ist nur die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zugelassen. Neben dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer (Comirnaty®) ist seit gestern in der EU auch der Impfstoff von Moderna (Spikevax®) für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Eine Stellungnahme der STIKO liegt bislang nicht vor.

Corona-7-Tage-Inzidenzen nach Alter (x-Achse) und Kalenderwoche (y-Achse). Foto: RKI per twitter

Seit gestern sind über 40 Millionen Deutsche vollständig geimpft. Und trotzdem bleibt der Jubel aus. Zum einen ist diese Zahl nicht ausreichend, um die Delta-Variante des Coronavirus effektiv in Schach zu halten. Zum anderen nehmen die Infektionen mit SARS-CoV-2 wieder sprunghaft zu. Besonders betroffen sind die Niederlande und die Mittelmeerländer. Dort gibt es in Valencia (Spanien) sogar eine nächtliche Ausgangssperre. In Deutschland sind wir noch vergleichsweise günstig dran. In der Graphik (untere Ecke rechts) ist aber zu erkennen, dass die Häufigkeit an Neuinfektionen in der Altersgruppe von 15 – 29 Jahre spürbar zunimmt.

Dass Essen einen Zusammenhang mit unserer Gesundheit hat ist wohl bekannt. Dabei sind besonders Obst und Gemüse in vieler Hinsicht günstig. Dies hat eine Studie aus Porto (Portugal) nochmals für Kinder bestätigt. Darin wurden 649 Kinder (7-12 Jahre) aus 20 Schulen hinsichtlich ihrer Essgewohnheiten betreffend Gemüse und Obst befragt. Es zeigte sich, dass Kinder, die häufiger Gemüse aßen, um ein Drittel weniger von Asthma bronchiale betroffen waren.

Der Gräserpollenflug geht weiter, der Höhepunkt der Saison ist aber überschritten. In den Lüften befinden sich auch die Pollen von Spitzwegerich und Brennesselpollen. Die schlimmsten Tage von Allergikern dürften dennoch vorüber sein.

Weiterhin treten „Erkältungsinfekte“ auf. Indem der Mund-Nasen-Schutz weniger oft getragen wird, haben die üblichen Erkältungsviren mehr Chancen Kinder und deren Eltern anzustecken. Das ist eigentlich ganz gut, weil damit auch das Immunsystem wieder aktiviert wird. Nebenbei kann aber auch Schnupfen, Husten und Fieber auftreten. Seit März 2020, also seit Beginn der Coronapandemie, kam es zur ersten Masernerkrankung in Baden-Württemberg. Langsam steigen auch die Zahl der Windpockeninfektionen wieder an – alles Zeichen einer langsamen Normalisierung des Alltags. In Anbetracht des angenehmen Wetters sind solche Infektionen (nicht die Masern!) besser erträglich.

Was geht in der Welt rum? COVID-19 ist weiter auf dem Vormarsch, nicht nur bei uns. Asien war lange ein Hort der niedrigen Inzidenzen. Nun steigen aber dort die Infektionszahlen rasant an: In Indonesien wurden kürzlich an einem Tag 60.000 Neuerkrankungen (und 1000 Todesfälle) registriert. Vietnam, bisher sehr erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus wies gestern Coronainfektionen bei 7300 Menschen auf. Damit traten an einem einzigen Tag 5 Mal so viele  Infektionen auf wie im gesamten letzten Jahr. Auch in Thailand kam es kürzlich an einem Tag zu 11.000 Neuerkrankungen, nachdem im gesamten letzten Jahr nur 7000 Fälle bestätigt wurden. Thailands Regierung hat in diesem Zusammenhang die Impfstrategie geändert, nachdem Zweifel am chinesischen Impfstoff Sinovac© aufkamen. Zweitimpfungen sollen ab sofort mit dem Impfstoff von AstraZeneca erfolgen. Ein herber Rückschlag für die Impfdiplomatie der Chinesen. Mit bislang 940 Millionen Dosen von Sinovac© sind sie bislang Impf-Weltmeister und haben sich nebenbei Sympathien in armen Ländern erworben. Diese sind schnell verspielt, wenn sich der Impfstoff als wenig wirksam erweist.

In der nächsten Woche beginnen die Ferien, immer mehr Länder um Deutschland herum werden zu Corona-Risikoländern. Ich hoffe, Sie finden nette Plätze, wo Sie mit Ihrer Familie einen schönen Sommerurlaub verbringen können.

Was geht rum? 17. Juli 2021

Erkältungsviren auf dem Vormarsch – der Beginn von den Herbst-Infektionen?

Corona-Impfpflicht in Europa

Impfpflicht in Baden-Württemberg?

Chile: Zweifel an chinesischen Impfstoffen

Im Schatten der Corona-Meldungen haben – für viele noch unbemerkt – die Erkältungsviren ihren Siegeszug angetreten. Wir haben nicht nur herbstliches Wetter im Hochsommer, auch die Infekte entsprechen dieser Großwetterlage: Klein- und Schulkinder sind seit Wochen vermehrt von Husten, Schnupfen und Fieber betroffen. Und nebenbei werden auch junge Eltern angesteckt, die über ein Jahr, durch Maske und Abstand geschützt, keinen Infekt erlebt haben. Das wird über die nächsten Wochen so weitergehen. Die große Frage wird sein: Was machen die Coronaviren im Herbst? Und kommen die Influenza-Viren wieder machtvoll zurück? Dieser Herbst wird also bunter, nicht nur in den Wäldern.

 

Corona-Impftermine im Juni/ Juli in Frankreich. Foto: Economist

Die Corona-Impfungen waren vor drei Monaten noch ein absolutes Luxus-Produkt. Inzwischen wurden sie zur Discounter-Ware. In Frankreich hat sich das von einem auf den anderen Tag geändert. Nachdem Präsident Macron eine weitgehende Impfpflicht verkündete, stieg die Zahl der Impftermine massiv an (siehe Graphik). Auch die Zahl unserer Nachbarn die sich impfen lassen wollen stieg an: Im Dezember 2020 waren es 39%, heute sind es 69% – damit aber noch deutlich weniger als in unserem Lande.

In Baden-Württemberg sind inzwischen 45,4% der Menschen vollständig geimpft. Die Impfquote ist bei Jüngeren aber deutlich niedriger. Bisher gibt es von der STIKO ja nur eine Empfehlung zur Impfung bei Menschen über 18 Jahren (Ausnahme Vorerkrankungen bei Über-12-Jährigen). Damit sind für die nächste Zeit alle Kleinkinder und Schulkinder bis 12 Jahre dem C-Virus voll ausgesetzt, auch wenn nur wenige von ihnen eine schwere Infektion erleiden werden. In einer freien Gesellschaft müssen wir die Menschen aushalten, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber diese  Menschen müssen dann auch aushalten, wenn sie sich besonderen Schutzmaßnahmen unterwerfen müssen. Das betrifft besonders impfunwillige Lehrer und auch Gesundheitspersonal, die ein hohes Maß an Verantwortung tragen.

Dürremonitor Gesamtoden 1,8 Meter (09/2020). Foto: ufz.de

Dürremonitor Gesamtboden 1,8 Meter (07/2021) Foto: ufz.de

Pollen werden sich an diesem Wochenende selbst in Freiburg nur zögerlich in die Lüfte schwingen. Allergiker müssen erst ab Montag mit der Fortsetzung des typischen Gräserpollenflugs rechnen. Grund ist der Starkregen, der seit Wochen die Böden im Südwesten erfolgreich mit Wasser aufgefüllt hat, wie der Vergleich von September 2020 (linke Graphik) und der aktuellen Graphik vom 13. Juli 2021 (rechts) zeigt. Wir können uns also freuen. Wir müssen aber auch betrübt sein. Denn der Grund für diese Wasservorräte ist das Tief „Bernd“, das infolge des verminderten Jetstreams lange über uns verharrte: Der Klimawandel und ein bisschen auch der Zufall haben uns statt Schwimmbadtemperaturen Schwimmbäder in Orten, auf Äckern und Wiesen beschert.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde gibt es ambitionierte Impfprojekte, um die Bevölkerung vor Coronainfektionen zu schützen. Ein leuchtendes Beispiel ist Chile. Doch dort kam es zuletzt zu einem erneuten rasanten Anstieg der Coronainfektionen, was Zweifel an der Wirksamkeit des verwendeten Impfstoffs CoronaVac des Herstellers Sinovac aus China aufkommen lässt. Gegenüber den Varianten ist die Wirksamkeit besonders schlecht. Sinovac rät nunmehr zu einem «Booster-Shot», also einer dritten Impfung. Chile plant diesen aber mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/ Moderna) durchzuführen.

Der Regen verschwindet langsam. Vielleicht halten wir es wie die Bundeskanzlerin, die in Bezug auf ihr Leben nach der Politik sagte: „Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.“

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein geruhsames Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Was geht rum? 10. Juli 2021

Corona I: Deltavariante hochgefährlich? Oder doch nicht?

Corona II: Gibt es doch Gründe, Kinder gegen COVID-19 zu impfen?

Corona III: Stellenwert der zellulären Immun-Antwort 

Gefahr für Immungeschwächte: Vibrionen in der Ostsee

Impfquote und erwartete Inzidenz in den kommenden 9 Monaten. Foto: RKI, Epidemiologisches Bulletin

Ist die Delta-Variante nun hochgefährlich, weil sie ansteckender als die anderen Virus-Varianten ist? Oder doch harmlos, weil die gängigen Corona-Impfungen gut gegen die Infektion oder zumindest gegen schwere Verläufe schützen? Die Aufarbeitung der Daten ist statistisch anspruchsvoll, solange kann es kein begründete Antwort geben. Dabei geht es um die Frage, wie lange eine Impfung die Weitergabe von Corona-Viren bei Infizierten bremsen kann. Auch wenn Sie es schon oft gehört haben: Am wichtigsten bleibt ein kompletter Impfschutz von möglichst vielen Menschen. Dieser liegt im Ländle bei 40,1% (Stand: 08.07.2021). Damit werden – neben dem Geimpften selbst – auch geschwächte Menschen und die riesige Gruppe der Kinder geschützt, für die es bislang keine Impfung gibt. Wie hier mehrfach  angemahnt: Urlaub ist schön, ohne Maske herumlaufen auch. Aber: Vergesst die Kinder (und Schüler) nicht ! 

Häufigkeit der PIMS in Deutschland, Stand 04.07.2021. Foto: DGPI

Für Kinder stellt eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 ein geringes Risiko dar, auch an COVID-19 (mit Symptomen) zu erkranken. Andererseits kommt es gerade in der Gruppe der Schulkinder zum PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, in den USA:MIS-C), einer schweren Folgekrankheit, die auch nach sehr leichten Coronaerkrankungen auftreten kann. Bisher wurden der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 378 Fälle (Stand 04.07.2021) gemeldet. Neben dem Auftreten des Post-COVID, ist auch das PIMS bei Kindern ein Argument, umfangreichere Impfungen für Kinder und Jugendliche in Erwägung zu ziehen.

In 19 Tagen beginnen in Baden-Württemberg die Sommerferien. Somit wäre jetzt ein günstiger Zeitpunkt, an dem sich Eltern, Schulbehörden und Lehrer zusammensetzen und eine Corona-Strategie für das kommende Schuljahr ausarbeiten könnten. Dafür gäbe es eine gute Grundlage von medizinischer Seite: S3-Leitlinie Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen, erarbeitet von verschiedenen Verbänden, darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Hier geht es um Fragen des Mund-Nasen-Schutzes, aber eben auch um Raum-Lüftungskonzepte. Lassen wir uns nicht einlullen: Eine neue Corona-Welle, hoffentlich leichteren Ausmaßes, wird kommen. Und wir sollten jetzt alles tun, um dann wenigsten den Schulbetrieb aufrecht erhalten zu können.

Kinder erkranken weniger schwer und selten mit dem SARS-CoV-2. Das ist lange bekannt und so manche Studie mit Antikörpern gegen das Coronavirus zeigten bereits, dass die saisonalen Coronaviren an der Abwehr von SARS-CoV-2 beteiligt sind. Die saisonalen Coronaviren sind schon seit Jahrzehnten für etwa jede vierte „Erkältung“ von Kindern verantwortlich. Jetzt konnten Forscher der Stanford University in einer Studie von Vamsee Mallajosyula und MitarbeiterInnen zeigen, dass auch die zelluläre Immunantwort für saisonale Coronaviren einen Beitrag dazu leistet, die SARS-CoV-2 zu bekämpfen. Es scheint, dass diese Immunreaktion von Abwehrzellen bei Kindern noch so stark ist, dass sie auch schwere COVID-19-Infektionen häufig verhindern kann.  

Regen in der Stadt. Foto: ptw

Weiterhin steht Regen auf dem Wetterprogramm. Doch zunächst auch mal etwas Hitze, damit die Allergiker ihre Allergie nicht vergessen. In Familien mit KiTa-Kleinkindern nehmen die einfachen Erkältungen zu: Winterinfekt im Sommer, Corona sei Dank. Da klagen selbst junge Mütter und Väter über Halsweh und Schnupfen. Im Homeoffice schläft das Immunsystem ein, nix ist los, keine Viren von den Büro-Kolleginnen oder -Kollegen von nebenan. Und mit FFP-2 Mundschutz kann man sich selbst am Wühltisch von ALDI nix mehr einfangen.

Was geht in der Welt rum? Okay, die Ostsee grenzt an Deutschland, ist aber auch mit anderen Ländern dieser Welt verbunden. Während im Südwesten bei warmen Wassertemperaturen die Zerkarien eine Badedermatitis verursachen, sind es sog. Vibrionen, die bei Temperaturen von über 20 Grad in der Ostsee bei Immungeschwächten schwere Infektionen auslösen können. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Wärme an diesem Wochenende wird uns allen sicher wohltun – pardon an alle Allergiker, die den Regen so genossen haben. Herzlich, Ihr

Was geht rum? 03. Juli 2021

3 Milliarden Menschen geimpft – Impftempo nimmt Fahrt auf

Wird eine dritte Corona-Impfung kommen? 

Badedermatitis: Larven dringen in die Haut

USA: Winterinfekte schon im Sommer – bald auch bei uns?

Am Dienstag dieser Woche war es soweit: 3.000.000.000 (3 Milliarden) Corona-Impfungen sind weltweit verabreicht worden. Die erste Milliarde war innerhalb 20 Wochen verimpft worden, die letzte in nur 4 Wochen. Eine großartige Leistung. Richtig stolz können wir aber erst sein, wenn auch Menschen außerhalb der Industriestaaten – wie in Afrika – erreicht wurden.

Das Impftempo in Deutschland ist seit Wochen enorm hoch. Deutschland hat inzwischen sogar die USA übertroffen: In Deutschland sind zur Mitte des Jahres 54,08 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, in den USA sind es 53,80 Prozent. Bei den Zweitimpfungen haben wir noch Nachholbedarf.

Anteil der Virusvarianten in den auf SARS-CoV-2 untersuchten Proben des RKI nach Kalenderwoche. Foto: RKI

Am Wettlauf beteiligt sich auch die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus (B.1.617.2). Seit dieser Woche gehen 37% aller Infektionen (Stand 30.06.) deutschlandweit auf diese Variante zurück. In Baden-Württemberg liegt die Zahl mit 32% etwas niedriger. Trotzdem: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem SARS-CoV-2 sinkt – noch!

Brauchen wir vielleicht eine dritte Impfung? Eine solche Booster-Impfung sollte für den wieder erlahmenden Impfschutz bei älteren oder immungeschwächten Menschen ein Antrieb (engl: booster) sein. Zu dieser Frage startet in England gerade die CoV-BOOST-Studie. In ihr wird verglichen, wie gut die Auffrischung einer bisher zweimaligen Impfung mit AstraZeneca oder BioNTech durch eine weitere Impfung gelingt. Zum Einsatz kommen dabei 7 verschiedene Impfstoffe, unter ihnen natürlich AstraZeneca (ChadOx1 nCoV-1), BioNTech (BNT162b2), aber auch Novavax (NVX-CoV2373) und CureVac (CVnCoV). Letzterer ist bekanntlich der Impfstoff aus Tübingen, dessen Wirkprofil im Moment heiß diskutiert wird.

Zu den Coronaimpfungen kommen in enger Taktung immer neue Aspekte ans Tageslicht. Ist ja auch verständlich: Immerhin gibt es die Impfung erst seit 7 Monaten. Viele Menschen sind verwirrt, besonders wenn es um die ständigen Wechsel bei der Strategie mit dem AstraZeneca- Impfstoff geht. Man wir an ein Zitat von Kurt Tucholsky erinnert: „Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat. “

Wasservögel. Foto: pixabay, S. Hermann & F. Richter

Im Juli wärmen sich die Seen in Baden-Württemberg spürbar auf, das Baden wird sehr angenehm. Die Wassertemperaturen gefallen aber auch den Zerkarien, kleinen Larven von Saugwürmern, die auf der Suche nach Enten sind, die sie befallen können. Auf diesem Weg verirren sie sich manchmal in die Haut von Menschen, die dann über viele Tage vom Juckreiz geplagt sind: Badedermatitis oder Zerkariendermatitis. Im praxisblättle der letzten Woche können Sie weitere Informationen hierzu finden.

Aus den USA kommen vermehrt Berichte, dass Kinder schon jetzt – vor der eigentlichen Infektzeit – die typischen Infekte der kalten Jahreszeit bekommen: Fieber, Halsschmerzen, Ohrentzündungen verursacht durch die Erkältungsviren (Rhinoviren, Parainfluenzaviren u.a.). Die Washington Post (in Englisch) hat gerade einen Artikel veröffentlicht, dass im Süden der USA die „Erkältungen“ schon jetzt begonnen haben. In Baden-Württemberg sind wir nicht soweit. Die Wintersaison wird aber in diesem Jahr zwischen den Erkältungsviren, Grippeviren und Coronaviren anders aussehen als vor der Pandemie.

Nach langer Pause sind im Kreis Konstanz zwei Fälle von Mumps aufgetreten. Wegen der Pandemie sind in Baden-Württemberg in diesem Jahr bisher nur 7 Fälle bekannt geworden. Im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit 62. Andere ansteckende Krankheiten des Kindes- und Jugendlichenalters sind nicht auffällig.

Bei den Pollen bleibt alles beim Gleichen: Am Wochenende werden die Gräserpollen wieder zu einem Höhenflug antreten nach einer weitgehend verregneten Woche. Begleitet werden sie von den Pollen des Spitzwegerich.

Grillspieße Foto: pixabay, Paweł Szpiler

Mit den warmen Temperaturen gibt es am Wochenende wieder vermehrt Grillfeste. Für Kinder sind das wunderbare Gelegenheiten, sich draußen auszutoben. Kontakt zu Gräsern wird sicher dabei sein. Deswegen sollte am Abend der Körper auf Zecken untersucht werden. Keine Panik: Gerade die Übertragung der Borrelien dauert Stunden. Wenn Zecken erst am Abend entdeckt werden, kann also eine Infektion höchstwahrscheinlich verhindert werden. Weitere Informationen hier.

Was geht in der Welt rum? In Nicaragua sind im Laufe dieses Jahres bereits 20.365 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt, im letzten Jahr waren es insgesamt über 53.000 Betroffene. Mückenschutz ist die wichtigste Maßnahme, eine Ansteckung zu verhindern.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und genussvolles Wochenende, Ihr

Was geht rum? 26. Juni 2021

Sommer I: Schwimmen lernen – weil’s Spaß macht und vorm Ertrinken schützt

Sommer II: Mit Sonne weniger Corona-Infektionen

Sommer III: Erneut erheblicher Gräserpollenflug

Sommer: IV: Kaum Infektionen

Schwimmen in Bädern, in Seen oder im Meer ist für viele der Höhepunkt eines Sommer. Mit der Corona-Pandemie dürfte jedoch die Zahl der Kinder die schwimmen können zurückgegangen sein. Aus den USA liegen Daten vor, die klarmachen, wie wichtig die Fähigkeit zu schwimmen für Kinder ist. Demnach ist der Ertrinkungstod die zweithäufigste Todesursache von Kindern unter 14 Jahren. Das gilt auch für Deutschland. Bei uns sind es pro Jahr 30-40 Kinder, die so ihr Leben verlieren. Umso wichtiger ist es, Kinder in diesem Sommer den Wasserspaß genießen zu lassen. Damit sie Lust bekommen, schwimmen zu lernen.

Einflussfaktoren auf den saisonalen Rückgang der SARS-CoV-2 Infektionen im Sommer in Europa. Foto: Tomáš Gavenciak et al., 2021

Drängt der Sommer die Bedeutung der Coronaviren zurück? Betrachtet man die Erkrankungszahlen scheint dies der Fall zu sein. Auch Wissenschaftler wie Prof. Drosten von der Charité weisen darauf hin: „Nach derzeit konsensfähigen Schätzungen bewirkt der Sommereffekt ca. 20% Reduktion“ schreibt er auf Twitter. Eine Studie der Universität Oxford findet mit ihren Modellrechnungen, dass in 143 gemäßigten Klimazonen in Europa ein Rückgang der Übertragung von 42,1% zum letzten Winter stattgefunden hat. Diese Saisonalität ist jedoch komplexer als gedacht, wie die obenstehende Graphik (in Englisch) zeigt. So geht der Sommer mit mehr UV-Strahlung einher, Menschen halten sich länger draußen auf und somit wird die Empfänglichkeit für Infektionen auch über höhere Vitamin-D-Spiegel vermutlich verringert.

Vor den Ferien hat das Auswärtige Amt eine wichtige Änderung umgesetzt: Ab Juli werden nur noch Reisewarnungen für Hochrisikogebiete ab einem Inzidenzwert von 200 (Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf 100.000 Einwohner pro Woche) ausgesprochen.

Die Gräserpollensaison wird zum Wochenende einen zweiten heftigen Anlauf nehmen. Dieser wird vom (geringen) Flug der Spitzwegerichpollen begleitet sein.

Atemwegsinfektionen sind jahreszeitlich bedingt weiterhin selten. Bei den Kinderkrankheiten wirken die Corona-Schutzmaßnahmen nach: keine Masern, kein Mumps, keine Röteln im Ländle in der letzten Woche. Der Sommer ist eine gute Gelegenheit, das Impfheft herauszuholen und fehlende Impfungen (nicht nur) bei Kindern nachzuholen.

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar steigt die Zahl der Malaria-Erkrankten seit dem vierten Quartal 2020 stark an. Bis März dieses Jahres wurden etwa 768.200 Fälle dokumentiert, wobei die südlichen Regionen der Insel im Indischen Ozean besonders stark betroffen sind. Dort regnet es – vermutlich infolge des Klimawandels – in den letzten Jahren kaum noch, die chronische Unterernährung (stunting) nimmt dramatische Ausmaße an und die Gesetzeslosigkeit (Vieh-Diebstahl von sog. valahos) ebenso. Als Reiseziel ist diese Region aus genannten Gründen kaum zu empfehlen. Für  unerschrockene Menschen dürften die Malariaprophylaxe oder das Verhindern von Coronainfektionen vernachlässigbare Probleme sein.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Sommerwochenende mit Ihrer Familie. Herzlich grüßt Sie  Ihr

Was geht rum? 19. Juni 2021

Kommen nach Corona die anderen Viren zurück? Zunahme von RS-Viren

Wiesengräserdermatitis 

Viel Sonne – viel Ozon

Chikungunya in Brasilien

Der Lockdown mit Tragen der Gesichtsmasken und viel Abstand zwischen den Menschen hat einen Großteil der Virusinfektionen unterbunden. So ist die Grippewelle (Influenza) im letzten Winter ausgefallen. Auch die anderen Erreger von „Erkältungen“ wie die Rhinoviren, die Metapneumo- und Parainfluenzaviren hielten sich zurück. Und ebenso die älteren saisonalen Coronaviren, die es schon lange vor dem SARS-CoV-2 gab.

Antigen-Nachweis bei RS-Viren in den USA. Foto: CDC

Der Lockdown ist weitgehend zu Ende. Es verwundert also nicht, dass das Center for Disease Control and Prevention (CDC) aus den USA einen rasanten Anstieg der Erkrankungen mit einem anderen Virus meldet: dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus). Dieser Erreger betrifft häufig Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr mit teilweise schweren Krankheiten wie der Bronchiolitis. Für die kommenden Monate rechnet man in den USA auch mit RSV-Erkrankungen älterer Kinder, die das Virus wegen des Lockdown bisher nicht „kennengelernt“ haben. Bleibt abzuwarten, wie sich diese und die anderen Erkältungsviren bei uns im Herbst verhalten werden.

Häufigkeit der Corona-Varianten in Deutschland im Verlauf der letzten Wochen. Foto: RKI

Noch ist das Coronavirus im Lande. Und immer häufiger auch die Delta-Variante (B.1.617.2), die früher indische Variante hieß und die um 40-80% ansteckender ist als der Wildtyp. Glücklicherweise mag sie nach neuen Informationen den Sommer weniger als gedacht. Dennoch ist ihr Anteil an den untersuchten Varianten im Ländle nach Angaben des Landesgesundheitsamtes auf 2,73% angestiegen. Besonders betroffen ist eine KiTa in Waiblingen, für deren Kinder und Mitarbeiter in dieser Woche Quarantäne angeordnet wurde. Diese Delta-Variante könnte, wenn es ungünstig läuft und keine ausreichende Zahl an Erwachsenen vollständig geimpft sind, im Herbst eine weitere Krankheitswelle auslösen.

Corona-Schnelltests sind im Moment nicht mehr so bedeutsam wie noch vor einigen Wochen. Aber sie sind so günstig wie wohl noch nie. So bietet die Drogeriekette DM Schnelltests zum Selbermachen vom Anbieter Hotgen für 80 Cent an. Dabei handelt es sich um geprüfte Tests mit Zulassung vom Bundesinstitut für Medizinprodukte (BfArM).

Wiesenbärenklau im Schwarzwald. Eine schöne Pflanze in unseren Wiesen, deren Saft aber Hautprobleme hervorrufen kann. Foto: ptw

Langsam beginnt die Zeit des Wiesenbärenklau. Die Berührung mit dieser Pflanze, besonders aber der Saft in deren Stängeln kann im Zusammenhang mit Sonneneinstrahlung zu verbrennungsartigen Hautverletzungen führen: Wiesengräserdermatitis. Besonders heftig sind die Blasen auf der Haut nach Kontakt zum Riesenbärenklau, der großen Variante der an sich hübschen Pflanze.

Ozon-Werte von Friedrichhafen am 17.06.2021. Foto:ptw

Mit der herrlich scheinenden Sonne steigen auch die Ozon-Werte wieder kräftig an. Das gilt besonders für die frühen Nachmittagsstunden. In dieser Zeit sollten sich Kinder eher in der Wohnung oder auch im Wald aufhalten, da in den schattigen Zonen die Belastung mit Ozon niedriger ist. Körperliche Anstrengungen am Nachmittag sind für alle ungünstig, besonders wenn sie von Atemwegsproblemen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose betroffen sind. Am Morgen liegen die Werte noch niedrig, wie das Beispiel von Friedrichhafen zeigt: 41 µg/m3 um 09:00 Uhr am Freitag. Nachmittags steigen sie bis nahe 180 µg/m3, was der Schwellenwert zur Information der Bevölkerung ist.

Der Gräserpollenflug ist auf seinem Höhepunkt angekommen, alle betroffenen Allergiker spüren es seit Tagen. Entspannter ist die Situation in den Höhenlagen des Schwarzwaldes. Auch in der zweiten Hälfte des Juni bleiben die Gräser die häufigste Pollenart in den Lüften.

Was geht in der Welt rum? In Brasilien, genauer im Bundesstaat São Paulo, traten in diesem Jahr viele Verdachtsfälle an Chikungunya auf. Bis Mai wurden schon 9.475 festgestellt. Im letzten Jahr kam es landesweit zu 36.250 Verdachtsfällen, im Jahr 2019 waren es 174.140 Verdachtsfälle sowie 81 Todesfälle. Chikungunya ist eine Viruserkrankung, die mit heftigen Knochenschmerzen einhergeht. Sie wird von Mücken übertragen, ein konsequenter Einsatz von Repellentien wie DEET ist zur Vorbeugung sinnvoll.

Mit etwas Schatten, einem kleinen Planschbecken und Eis können Kinder zusammen mit den Eltern auch das kommende heiße Wochenende genießen. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Was geht rum? 12. Juni 2021

Chaos um Coronaimpfungen für Jugendliche

Explosionsartiger Anstieg bei den Hantavirusinfektionen

Die Gräser blühen mit aller Macht

Windpocken fliegen weit

Es war fast zu erwarten, das Chaos um die Coronaimpfungen für Jugendliche. Die STIKO kommt nach wissenschaftlichen Abwägungen zur Überzeugung, dass nur Kinder und Jugendliche (ab 12 Jahren) mit Vorerkrankungen zu impfen seien. Ihr indirekter Boss hingegen, der Gesundheitsminister, empfiehlt Impfungen für die gesamte Altersgruppe. Und die Kinder bzw.  Jugendlichen selbst? Ihre Überlegungen und Gefühle kommen in der Diskussion nicht vor. Dabei haben nicht wenige von Ihnen weiterhin Angst vor COVID-19. Angst um sich selbst oder um Menschen in ihrer Umgebung die ihnen wichtig sind. Könnte das nicht auch ein Grund zur Impfung sein? Okay, Eltern sind Wähler. Der Bundestagswahlkampf lässt grüßen. Aber im Zentrum sollte doch der jugendliche Mensch stehen, der auch für sich selbst Verantwortung übernehmen möchte.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Das Hantavirus ist ein eher unbekannter Krankheitserreger. In Baden-Württemberg ist dieses Virus schon seit Jahren aktiv. Die Krankheitsfälle haben in diesem Jahr explosionsartig zugenommen. Waren es im letzten Jahr Mitte Juni 24 Fälle, so liegt die Zahl jetzt beim 35-fachen, genau bei 839. Bei Kindern kommen Hantavirusinfektionen eher selten vor, die die Fallverteilung des Jahres 2005 vom RKI zeigt. Mehr Informationen zum Krankheitsbild finden Sie im praxisblättle-Beitrag „Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder“ .

Eine Dusche: Angenehm an heißen Tagen und für Allergiker sinnvoll vom dem Zu-Bett-Gehen. Foto: pixabay, Abdul Momin

Allergiker merken es seit 2 Tagen: Der Gräserpollenflug hat mit der Rückkehr des Sommer massiv zugenommen. Bis Mitte nächster Woche wird die Wetterlage und vermutlich auch der Flug der Pollen unverändert bleiben. Dabei kann es im Zusammenhang mit Hitzegewittern auch zu massiven Pollenbelastungen gerade bei Asthma-Betroffenen kommen. Noch ein kleiner Tipp: Abendliches Duschen inklusive Haarwäsche verhindert, dass die Pollen ins Bett getragen werden und dort über die Nacht die Atemwege belasten.

Windpocken in einem frühen Stadium mit Papeln und beginnenden Bläschen. Foto: ptw

Die Windpocken sind insgesamt kaum präsent. In der Region Lörrach und Ravensburg gibt es jedoch kleiner Ausbrüche. Die Windpockenviren als solche sind sehr stabil und können selbst durch trockene Lüfte über 100 Meter weit fliegen und andere Menschen erreichen, die von „ihrem Glück“ nichts mitbekommen.

Was geht in der Welt rum? Einen Ausbruch von Hepatitis-A-Infektionen erlebt in diesem Jahr Neukaledonien. Auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik wurden bislang 251 Infektionen festgestellt. Bei Kindern verläuft diese Infektion meist ohne Symptome. Es gibt eine sehr gut verträgliche und gut wirksame Impfung gegen Hepatitis A.

Endlich ist der Sommer angekommen. Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 05. Juni 2021

Zwei Milliarden Coronaimpfungen weltweit

Coronaimpfungen für Jugendliche: Das Ringen um den richtigen Weg

Coronainfektionen in Kindertagesstätten

Gräserpollen und Hantaviren

Vor weniger als einem halben Jahr begann die weltweite Impfkampagne. Seit dem 2. Juni dieser Woche sind mehr als 2 Milliarden Impfungen durchgeführt worden. Damit wurde etwa ein Viertel der Erwachsenen weltweit erreicht. Bis alle durchgeimpft sein werden sind jedoch noch weitere 10 Milliarden Impfungen erforderlich.

Die Häufigkeit an Coronainfektionen in Deutschland geht zurück. Manche Menschen haben dennoch sehr große Angst, weil es nicht nur um sie selbst geht: Schwangere sind verunsichert, ob eine Erkrankung auch Folgen für ihr Baby haben kann. Die Beobachtung, dass kein Grund zur Sorge besteht, teilt nun auch eine schwedische Studie um Mikael Norman vom Karolinska Institutet in Stockholm, in der 92% aller Geburten während der ersten 10 Monate der Pandemie in Schweden erfasst wurden. Demnach ist die Rate von Atemproblemen bei Neugeborenen von Corona-infizierten Müttern mit 2,8% gegenüber den anderen Müttern (2,0%) nur leicht erhöht.

Über die Bedeutung von Coronainfektionen für Kindern wird inzwischen kontrovers diskutiert. Das ist eine gute Nachricht. Inzwischen ist unumstritten, dass Kinder und Jugendliche seltener und schwächer an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Unklar ist jedoch die Häufigkeit und die Bedeutung der Komplikationen wie long-COVID oder PIMS (MIS-C). Eine andere Frage hat die Forschergruppe um Prof. Dr. Drosten erhellt. In Ihrer Studie in Science konnte die Berliner Gruppe zeigen, dass im Erwachsenenalter keine bedeutsamen Unterschiede in der Viruslast bei von COVID-19-Infizierten vorliegen (in den PCR-Abstrichen um die 2,5 Millionen Kopien des SARV-CoV-2-Erbmaterials). Bei Kindern und Jugendliche über 5 Jahren ließen sich mit steigendem Alter gleiche Werte belegen: „Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien“, so Drosten. Ob Impfungen von Kindern im Schulalter sinnvoll sein könnten, hängt also auch von der Bedeutung von COVID-19-Komplikationen bei Kindern ab. Ab Montag werden sie erlaubt sein. Die STIKO bewertet momentan die Daten aus der Zulassungsstudie von BioNTech/Pfizer, die sie für nicht ausreichend hält: „Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Alters­gruppe zu machen“, so der Vorsitzende der STIKO Prof. Dr. Thomas Mertens aus Ulm

Im Leicester Children’s Hospital in Großbritannien wurden von März 2020 bis Februar 2021 Kinder bei Aufnahme in die Klinik auf SARS-CoV-2 untersucht. Von den 1427 aufgenommenen Kindern waren 5,6% in der PCR positiv getestet worden, von denen wiederum 20% keine COVID-19-Symptome aufwiesen. Auffallend war, dass mit der Öffnung der Schulen in Großbritannien die Zahl der asymptomatischen Kindern im Krankenhaus um das 1,65-fache anstiegen. 

Aus Washington, DC, gibt es eine Studie der Kindertagesstätten (day care centers). Dort waren zwischen Juli und Dezember 2020 etwa 24% der 449 KiTas von mindestens einem Fall einer Coronavirusinfektion betroffen, 5,8% hatten einen Ausbruch. Von den insgesamt 319 Infizierten waren nur 43,9% Kinder. Ansonsten waren Lehrer und andere Mitarbeiter betroffen.

Infekte treten im Sommer wenige auf. Das ist seit Wochen so und zuletzt – bei ansteigenden Temperaturen – nicht anders. Das gilt nicht für das Hantavirus, das in diesem Jahr zu 796 (2021: 24 Infektionen) Infektionen geführt hat.

Pollenbelastung der Gräserpollen in Basel über die letzten 365 Tage in No/qm Foto: meteoschweiz.ch

Die Gräserpollenzeit ist gekommen. Besonders starke Belastung wird aus dem Bodenseeraum und vom Oberrhein gemeldet. Begleitend haben sich die ersten Wegerichpollen zurückgemeldet.

Was geht in der Welt rum? Unterernährung ist gerade für Kinder ein unermesslich gravierendes Problem. Es betrifft vorwiegend Kinder in Afrika: Stunting, so wird das in der Medizin genannt, wenn die Körpergröße aufgrund der Mangelernährung deutlich unter der Norm liegt. Das gibt leider keine Schlagzeilen in den Medien, setzt aber Kindern und Jugendlichen kurz- und langfristig Grenzen für ein würdiges und erfolgreiches Leben auf diesem Planeten. Zwischen 2010 und 2020 ist nach Angaben der WHO die Häufigkeit des Stunting bei Kindern unter 5 Jahren von 27.7% auf 22% zurückgegangen. Anders gesagt. Es sind nun 30 Millionen weniger Kinder, die darunter leiden müssen. Ein erster Erfolg, der anspornen sollte.

Genießen Sie mit Ihren Kindern ein warmes und abwechslungsreiches Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Was geht rum? 29. Mai 2021

Immer wieder Vitamin D: Niedriges Vitamin D stellt kein Coronarisiko dar

Schweizer SchülerInnen: Jede/r 5. hat eine Coronainfektion durchgemacht

Einfluss der Coronapandemie auf die sekundäre Rauchbelastung für Kinder 

Zecken auf den Gräsern, Pollen in den Lüften

Große Verwirrung bei den Impfungen für „Kinder“ – besser Jugendliche – von 12-15 Jahren. Da tritt das Gesundheitsministerium großspurig gegen die STIKO (Ständige Impfkommission) an, bevor die medizinischen Argumente ausgetauscht wurden. Und so ganz nebenbei ist der Impfstoff ohnehin knapp. Eine weitere, undurchsichtige Gemengelage, in der medizinische Daten und die Jugendlichen nur am Rande eine Rolle spielen- wie so oft in dieser Pandemie.

Bei fast allen Erkrankungen spielt Vitamin D eine mal geringere, mal größere Rolle. Unbestritten ist, dass Vitamin D bei vielen Immunprozessen bedeutsam und „günstig“ eingreift. Vitamin D hat aber auch wirtschaftliche Bedeutung. So kam es wohl auch, dass viele kleinere Arbeiten  ohne ausreichende Begründung dazu rieten, im Zusammenhang von Coronainfektionen Vitamin D einzunehmen. Mal zur Vorbeugung, mal zur Therapie. Eine Studie von Yonghong Li und Mitarbeiter vom amerikanischen Laborunternehmen Quest Diagnostics in San Juan Capistra­no (Kalifornien) hat nun umfangreiche Daten erhoben: Bei 18.148 Mitarbeitern (Alter 37 bis 56 Jahre) wurden vor und nach Beginn der Pandemie Vitamin-D-Spiegel untersucht. Unter Berücksichtigung aller Faktoren wie Alter, Gewicht, Ethnie und Hochschulabschluss zeigte sich, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel keinen Einfluss auf das Corona-Infektionsrisiko hatten.

Für Eltern stellt sich wieder die Frage: Hat mein Kind eigentlich schon  eine Coronainfektion durchgemacht? Aus Zürich liegen Daten aus der Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich vor. Diese hat nun zum dritten Mal (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) 2500 Schulkinder aus 275 Klassen und 55 Schulen auf Antikörper gegen das SARS-CoV2 untersucht. Ergebnis: Seit Juni 2020 ist der Anteil der Kinder, die bereits Antikörper haben, von 2% auf zuletzt 19% (April 2021) angestiegen. Über 80% der Kinder haben auch nach 6 Monaten noch Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. Bei der Bewertung der Symptome nehmen die Autoren der Studie an, dass etwa 2 Prozent der infizierten Kinder Langzeitsymptome („long COVID)“ zeigen, die mit COVID-19 in Zusammenhang stehen können.

Veränderungen des Rauch-Verhaltens im Rahmen der Coronapandemie Foto: Lancet

Das SARS-Coronavirus hat bedeutend mehr Folgen als die Infektion selbst. Befragt wurden  50 Eltern von Kindern mit Atemwegserkrankungen (82% hatten Asthma, 12% Mukoviszidose, der Rest seltenere Lungenerkrankungen). Für die Kinder zeigte sich eine erhöhte Belastung durch Raucher in der Umgebung (second hand smoking, SHS). In den Wohnungen wurde als Folge des familiären Stresses (Ausgangsbeschränkungen, Home-Schooling, Home-Office u.a.) häufiger und intensiver geraucht, wie eine Studie um Mira Osinibi (in Englisch) vom Department für Kinderpneumologie am King’s College Hospital NHS in London zeigt. Die Publikation im Lancet berichtet, dass zwei Drittel aller Eltern gleich oder mehr rauchten als vor der Pandemie.

Der Mund ist für Kinder ein wichtiger Ort, um die Umwelt zu erkunden, nicht nur in der oralen Phase. Das stellt erhöhte Anforderungen an die Spielzeugindustrie, aber ganz besonders an die Eltern, die ihre Kinder immer wieder im Blick haben müssen. Dass Nüsse (besonders Erdnüsse) mit einem hohen Risiko für eine Aspiration (Aufnahme der Erdnuss in den Atemwegen) verbunden ist ist bekannt. Weniger bekannt ist die Gefährlichkeit von Knopfbatterien. Nun berichten Ärzte aus England von verschluckter Spielzeugmagneten. Im Journal Archives of Disease in Childhood berichten die Forscher um den Kinderchirurgen Hemanshoo Thakkar, dass sich die Zahl der verschluckten Magneten in den Jahren 2016-2020 verfünffacht hat. Mehr als 40% der Magnete mussten operativ entfernt werden.

Gräserblüte im Regen Foto:ptw

Die Pflanzen haben in den letzten Wochen genug Wasser fürs weitere Wachstum gesammelt und die Temperaturen gehen nach oben. Beste Bedingungen für einen starken Pollenflug der Gräser. Eltern allergiebetroffener Kinder sollten überprüfen, ob in der Hausapotheke auch ausreichend Notfallmedikamente (Salbutamol? Cortison? Adrenalin-Injektor für Insektengift-Allergiker) vorhanden sind.

Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Bei den Windpocken fallen jedoch langsam steigende Zahlen auf. Offensichtlich kommen sich Kinder wieder öfter nahe, wodurch sich die leicht übertragbaren Windpockenviren vermehrt ausbreiten können. Noch liegen die Zahlen aber klar unter denen des letzten Jahren.

In der kommenden Woche dürften Erkrankungen zunehmen, die von den Zecken übertragen werden, allen voran die Borreliose. Am kommenden Montag finden Sie im praxisblättle einen Spezialbeitrag zu dieser heimtückischen Infektion.

Was geht in der Welt rum? Ein riesiges Problem in armen Ländern ist der Wurmbefall bei Kindern. Nicht nur, dass allein die Vorstellung – Würmer im Bauch zu haben – schrecklich ist. Die Würmer verbrauchen viel Eisen. Und die wichtigste und effektivste Quelle für Eisen ist Fleisch. Und genau das steht armen Menschen nicht zur Verfügung. Umso erfreulicher, dass Wurmprogramme in Afrika südlich der Sahara in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich waren, wie eine Veröffentlichung von Benn Sartorius und Kollegen im angesehenen Lancet zeigt. Der Wurmbefall ist vom Jahre 2000 bis 2018 von anfangs 44% auf zuletzt 13% der Kinder zurückgegangen.

Ich wünsche Ihnen einen frohen Start in ein lockeres und sonniges Wochenende, ganz herzlich Ihr

Was geht rum? 22. Mai 2021

COVID-19: Sind Impfungen für Kinder sinnvoll?

Vaxzevria (Impfstoff von Astra-Zeneca): Nutzen und Risiko abwägen

Wenige Infekte bei Kindern – kaum Pollenflug – aber viel Hantavirus

Q-Fieber in Spanien

Immer häufiger kommen die Impfungen von Kinder und Jugendlichen in den Fokus. Seit diesem Monat, wir berichteten darüber, sind Impfungen für Jugendliche ab 12 Jahren mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff in den USA und Kanada möglich geworden. Europa wird in Kürze folgen.

Für Eltern bleibt die Frage, ob Impfungen auch für Schulkinder oder sogar Kleinkinder möglich werden. Oder noch wichtiger: Sind diese Impfungen sinnvoll oder nötig, damit der KiTa- oder Schulbetrieb wieder ohne Maske und Homeschooling laufen kann? Es gab Perioden in der dritten Welle, in denen die Infektionsrate bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch war. Ende April 2021 ist sie – zumindest in den USA – trotz häufigen Präsenzunterrichts wieder zurückgegangen.

Alle diese Überlegungen sind eng verknüpft mit der Frage: Wie gefährlich ist nun eigentlich COVID-19 für Kinder? Ist es so harmlos wie oft gesagt? Oder sind nur die meisten akuten Verläufe harmlos, aber chronischelong-COVID“ sogar häufiger? Es gibt Hinweise, dass das multisystem inflammatory syndrome in children (MIS-C) – oder auch paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS) mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Infektionen auftritt. Beim MIS-C handelt es sich um eine schwere Allgemeininfektion bei Kindern nach Coronaerkrankung, die in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom ähnlich ist. Diese Häufigkeit von 1:1000 wäre somit sehr besorgniserregend. Beides, das long-COVID und das MIS-C, sind Faktoren, die für eine Impfung von Kindern ab dem Schulalter sprechen. Bleibt zu hoffen, dass über das Für und Wider einer Impfung intensiv und sachlich unter Wissenschaftlern diskutiert und entschieden wird.

Momentan kann eine Empfehlung an Eltern sein, sich selbst in jedem Fall impfen zu lassen. Dadurch kommt ein individueller Impfschutz sowie – indirekt – auch ein gewisser Schutz für die Kinder zusammen.

Tesla, Model 3 Fot: pixabay, capital street fx

Wär das was? Sie nehmen an einer Verlosung für eine Tesla Model 3 teil, wenn Sie sich impfen lassen. Das ist gerade bei Dr. Vazquez in Buffalo (New York) möglich. Ob diese Motivationshilfen für Impfungen auch in Deutschland ankommen darf bezweifelt werden.

Nutzen / Risiko des Impfstoffes von AstraZeneca bei einer Inzidenz von 140 pro 100.000 Personen und Woche. Foto: Winton Centre Cambridge

Coronaimpfungen. Hitzig wird es oft, wenn es um die Impfung mit Vaxzevria, den Impfstoff von Astra-Zeneca geht. Die Diskussionen über diesen Impfstoff sind häufig emotional, auch in den Medien steht der Impfstoff eher schlecht da. Aus den bisherigen Daten und der Graphik des Winton Centre wird jedoch deutlich, dass der Nutzen der Impfung das Risiko mit zunehmendem Alter übersteigt. Oder anders herum: Je niedriger die Inzidenz – somit das Risiko an COVID-19 zu erkranken – umso weniger sinnvoll ist es für Menschen unter 30 bis 40 Jahren sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca schützen zu lassen. Eine ausführliche und individuelle ärztliche Beratung ist sehr wichtig.

Noch ist der Mai nicht richtig angekommen. Wenn selbst in Freiburg die Temperaturen unter 20 Grad herumdümpeln halten sich die Pollen sehr zurück. Die Gräserpollen sind zwar da, aber für einen Startflug reicht es nur selten. Die Verbreitung des Hantavirus, sonst eine Rarität im Lande, nimmt fast das Ausmaß einer Explosion an: 657 Fälle in diesem Jahr, im letzten waren es zur gleichen Zeit gerade mal 22. Für Kinder und Jugendliche ist dies eher wenig bedeutsam. Vorsicht ist in Räumen geboten, in denen sich Mäuse aufhalten könnten (Scheunen, Dachböden u.a.). Atemwegsinfekte gibt es zu Zeit kaum. Beim Keuchhusten traten in der letzten Woche gerade mal 2 Erkrankungen in Baden-Württemberg auf. Das ist die kleine positive Kehrseite der Corona-Pandemie.

Was geht in der Welt rum? Aus Spanien werden Fälle des Q-Fiebers gemeldet. Betroffen sind Sportkletterer, die sich in einer Karsthöhle Cuevas de Baltzola im Baskenland aufgehalten haben. Ausgelöst wird das Q-Fieber durch das Bakterium Coxiella burnetii, das von speziellen Zecken auf Schafe und Ziegen übertragen wird. Es findet sich dann oftmals im Staub, von wo es über die Einatmung in die Lunge gelangt. Dabei reicht ein einziges Bakterium um eine Infektion auszulösen. Diese kann dann als Hepatitis (Leberentzündung) oder auch Pneumonie (Lungenentzündung) verlaufen. Insgesamt verläuft es mit grippeartigen Symptomen und Fieber oft über 7 Tage.

Machen Sie das Beste aus dem Wochenende mit mehr Bewegungsfreiheit. Herzlich grüßt Sie Ihr