Kategorie: Was geht rum?

Unser letztes „Was geht rum?“ (09. Oktober 2021) – Tschüss :)

Impfgegner: Warum diese Gruppe so angewachsen ist. Einige Anmerkungen

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Infekte? Eigentlich nichts Neues. Zum Glück

Tschüss: Das praxisblättle verabschiedet sich heute

 

Arbeiten Sie im Schichtdienst? Dann spüren regelmäßig Sie am eigenen Körper was es bedeutet, zu unterschiedlichen Tageszeiten präsent zu sein. Und sie stellen jede Woche fest, wie belastend es ist, sich nicht spontan mit Freunden treffen zu können, weil sie mal in der einen mal in der anderen Schicht eingeplant sind. Auf Intensivstationen sind inzwischen 90% der Corona-Patienten Ungeimpfte. Wie kann das sein? In meinen 35 Jahren in der Pädiatrie habe ich manche Impfgegner kennengelernt. Das waren zumeist empfindsame Eltern, die Sorge um ihr Kind hatten, wenn es darum ging fremde Substanzen in deren Körper zu bringen. Und sie machten unter allen betreuten Kindern vielleicht 2% aus. Heute verweigern fast 25% der Deutschen die Corona-Impfung. Wie kann das sein? Plötzlich 10 Mal so viele Impfgegner? Die Gruppe der Impfgegner ist offensichtlich um Menschen angewachsen, die – so macht es den Eindruck – ihre persönliche Unzufriedenheit auf die Impfung (und den Staat) sowie Trotz zum Ausdruck bringen. Daneben gibt es vermutlich viele Mitläufer. Mit ihrem Verhalten bedrohen sie die Gesundheit unserer Kinder. Und sie strapazieren die Zufriedenheit von Medizinpersonal in den Kliniken, die tägliches rund-um-die-Uhr Engagement für Menschen aufbringen, die einfach mal so eine Impfung ablehnten. Ich mache mir Sorgen, dass mehr Krankenschwestern, Krankenpfleger und ÄrztInnen in naher Zukunft ihren Beruf aufgeben werden.

Zahl der Kinder, die in einer Klinik in den USA wegen Coronainfektionen behandelt wurden. GRAU Kinder von 5-17 Jahren, OCKER Kinder von 0-4 Jahren.   Foto CDC

Die Ungeimpften bedrohen die Gesundheit der Kinder, die nicht geimpft werden können (alle unter 12 Jahren). Für die USA zeigt sich, dass die Zahl der Coronaerkrankungen von Kindern mit stationärem Behandlungbedarf im September auf höchste Werte anstieg. Ob Ungeimpfte das beeindruckt?

Bei den Infekten gibt es kaum Neuigkeiten. Die Erkältungsviren breiten sich weiter aus, nachdem der Mund-Nasen-Schutz weniger häufig angewandt wird. Fürs Immunsystem ist das günstig – es will sich mit seiner Umgebung (Viren, Bakterien) auseinandersetzen. Bei Kindern führt das „nebenbei“ zu Erkältungskrankheiten, die aber meist nicht schlimm sind. Aber auch die Erwachsenen dürften in diesem Winter von mehr Infekten geplagt werden, als die letzten 18 Monate. Bleibt zu hoffen, dass – besonders für Kinder – das RS-Virus nicht zu vielen schweren Verläufen führt und dass auch das Influenza-Virus (Grippe) sich nicht allzu heftig vermehrt.

Bei den Kinderkrankheiten bleibt alles recht ruhig: wenige Erkrankungen in der vergangenen Woche an Keuchhusten (7) und Windpocken (43) in ganz Baden-Württemberg. Weiterhin seit März 2020 (!) keinerlei Masern-Erkrankungen. Auch die Zahl der Mumps-Erkrankungen ist überschaubar (14 in diesem Jahr im Ländle).

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar schreitet die Pest-Saison weiter. Im Hochland um die Hauptstadt Antananarivo bestehen 42 Verdachtsfälle, 22 Personen sind bislang sicher erkrankt. Bereits 8 Menschen sind seit August an der Pest verstorben.

Heute, nach 28 Jahren, verabschiedet sich das praxisblättle von Ihnen, geneigter LeserInnen. Wir hoffen, dass Sie in den letzten Jahren interessante Informationen fanden, die Ihnen bei der Einschätzung von Krankheiten Ihrer Kinder weitergeholfen haben. Im Rummel oberflächlicher Angebote mit Ratschlägen wie „Trinken Sie viel“ haben wir versucht, wissenschaftliche Informationen in Ihren Alltag zu transportieren. Ohne marktschreierische Effekte. Und ohne Werbung. In Zeiten von marketinggesteuerten „Informationen“, deren manipulativer oder allenfalls magerer Inhalt sich erst beim zweiten Lesen als Schmu entpuppt waren wir manchmal etwas trocken. Aber immer echt.

Als verantwortlicher Autor des praxisblättle wünsche ich Ihnen und ihrer Familie Gesundheit, Freude im Alltag und Zuversicht in spannenden und gelegentlich mühsamen Zeiten. Machen Sie’s gut!

Was geht rum? 25. September 2021

Das praxisblättle gibt auf! 

Aerosole: entscheidender Weg der Ausbreitung nicht nur für SARS-CoV2

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Beulenpest in den USA

Das Foto in einem Blog vor vielen Jahren hat alles ausgelöst: Versehentlich hatte ich zum zweiten Mal ein Bild der dpa (Deutsche Presseagentur) für den Blog genutzt und wurde mit 350 € von einer Rechtsanwaltskanzlei abgemahnt. Eigener Fehler ja, weh tat’s trotzdem. Es sind also schnöde finanzielle Überlegungen, die zur Einstellung des praxisblättle führen. Der Versuch, Sie als Leser zu finanziellen Unterstützern zu machen, hat leider nicht die notwendige Resonanz gefunden. Andererseits kam ein werbungsfinanzierter Blog für mich nicht in Frage. Mitte Oktober 2021 wird Schluss sein. Leider. Denn ich weiß, dass das praxisblättle viele Leser hat, die es regelmäßig und mit Freude lesen. Und mir selbst hat es jede Woche Spaß gemacht Themen zu präsentieren, die nicht schon die ganze Woche in den Medien vorkamen und für Eltern im Alltag dennoch interessant waren.

Seit Beginn der Coronapandemie stehen allerorten Desinfektionsspender, die uns auffordern, die Händen von Keimen zu befreien. Dabei ist in den letzten Monaten immer deutlicher geworden, dass die Coronaviren hauptsächlich als Aerosol weiterverbreiten. Und nicht nur diese Viren. Auch Masern, Influenza, RS-Viren und die meist „banalen“ Rhinoviren finden als kleinste Tröpfchen von etwa 100 µm den Weg zu ihren Opfern. Anders als die größeren Tröpfchen können sind Aerosolteilchen über 5 Sekunden in der Luft halten und im zarten Luftstrom weitaus mehr als 2 Meter durch die Luft gleiten. Und: Diese Aerosole werden ständig freigesetzt: bei Reden, beim Lachen, beim Singen. Sichtbar sind sie nicht, aber oft hochinfektiös. Wollen Sie mehr wissen? Dieser Artikel aus Science ist sehr informativ (in Englisch).

Coronainfektion: Tägliche Neuaufnahmen in Kliniken (gemittelt über 1 Woche) pro 100.000 Personen, nach Alter gestaffelt. Die orange Kurve zeigt den Verlauf bei Kindern und Jugendlichen (Alter 0 – 18 Jahre) seit August 2020 in den USA. Foto: NYT

Wenn Kinder mit dem Coronavirus infiziert sind, werden sie meist nur wenig krank. Somit sind Einweisungen ins Krankenhaus eher selten. Nun zeigt sich in den USA ein Trend, der sich möglichweise auch bei uns bemerkbar machen könnte: Die Krankenhausbehandlungen von Kindern (0-18 Jahre) mit Coronaerkrankungen ist in den letzten Wochen auf Werte angestiegen, wie sie seit Beginn der Pandemie noch nie beobachtet wurden. Impfungen für Schulkinder (5-11 Jahre) wurden mit von BioNTech/Pfizer mit einer verringerten Dosis und sehr guten Ergebnissen getestet. Es ist jedoch kaum denkbar, dass mit einer Studie an 2268 Kindern – davon ein Drittel mit Placebo) eine ausreichende Grundlage für eine Impfempfehlung besteht. Es bleibt dabei: Kinder sind am besten geschützt, wenn sich die Erwachsenen schützen, also impfen lassen.

Wöchentliche COVID-19-Inzidenz nach Altersgruppen. Foto: RKI

Und wie sieht es aktuell aus? Coronainfektionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Dias zeigen „roten Zonen“ in der Graphik des Robert-Koch-Instituts (RKI), die sich seit letztem Jahr nach unten bewegt haben. Die Erkältungsviren sind weiterhin aktiv, eine echte Infektwelle ist aber nicht in Sicht. Bei den Windpocken zeigte sich in der vergangenen Woche ein Anstieg der Fälle um 50%.

Was geht in der Welt rum? Die USA sind für viele das Land der Träume. Daran hat auch ein Donald Trump nicht sehr viel geändert und auch nicht die Tatsache, dass Europäer trotz geringer Corona-Infektionszahlen nunmehr 18 Monate sich diesen Traum nicht mehr gönnen durfte. Die USA sind deutlich anders, als wir oft meinen. So kommt in diesem hochentwickelten Land seit Jahren auch die Beulenpest vor: Im Juli verstarb ein Mädchen an der Erkrankung, im August gab es einen weiteren Fall und Mitte September ist wiederum ein Mann an Lungenpest erkrankt. Der Infektionsweg ist bislang nicht bekannt. Von außerhalb des Landes kann der Erreger kaum eingeschleppt sein.

Ich wünsche Ihnen allen ein sonniges Wochenende. Bis nächste Woche an dieser Stelle bleibe ich Ihr

 

 

Was geht rum? 18. September 2021

RSV-Infektionen: Prophylaxe ist bereits ab Oktober empfohlen

Coronaausbrüche in KiTas

Malaria in Afrika: Bessere Therapie für Kinder in Aussicht?

Tigermücke in Baden-Württemberg: Oberrhein, Stuttgart und nun Heilbronn

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen gehen langsam zurück. Wir nähern uns also den Infektzeiten. Das stimmt nicht so ganz, denn eigentlich sind wir mittendrin. Die RSV-Infektionen haben in vielen Regionen der nördlichen Hemisphäre besonders Kleinkinder infiziert. So auch in Baden-Württemberg. Dementsprechend sind manche Richtlinien für die (passiven) Schutzimpfungen – man spricht besser von einer Prophylaxe –  gegen dieses Virus geändert und vorgezogen worden. Für Deutschland sollen die ersten RSV-Prophylaxen ab Anfang Oktober verabreicht werden. Schwere Verläufe der RS-Viren gibt es insbesondere für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und da ganz besonders bei Kindern mit Risiken (z.B. Frühgeborene, herzkranke Kinder). Nähere Einzelheiten erläutert ein Merkblatt der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Eine neue Strategie gegen Malaria (in Englisch) zeigt gute Erfolge. Wie aus Burkina Faso und Mali bekannt wurde, konnte in einer Studie mit 6000 Kindern über 17 Monate die Häufigkeit an Malaria durch die Kombination eines Anti-Malaria-Mittels mit eine Malariaimpfung um 70% gesenkt werden.

In der letzten Woche kam es in 13 KiTas im Ländle zu Ausbrüchen von Corona-Infektionen. Davon waren zwischen 2 bis 9 Personen in den Institutionen betroffen. Unter den Schulen meldete nur ein einzige einen Ausbruch (mit 3 Infizierten).

Asiatische Marionetten. Foto: pixabay, Martine Auvray

Der Wahlkampf zum Bundestag findet zunehmend in medialen Arenen statt, mehr Show als Diskurs um politische Themen. Nun hat der Sender ProSieben eine Linie überschritten, als er 11-jährige Kinder als Interviewer einsetzte. An sich wäre das okay. Diesen Kindern aber Erwachsenen-Fragen über das Knöpfchen im Ohr zuzuschieben macht Kinder zu Marionetten. Als Erwachsene sollten wir Kinder in jedem Alter ernst nehmen. Respekt ist ein Wort, das im Wahlkampf häufiger fiel. Vielleicht sollten deswegen dem Sender und den Eltern der beiden Kinder die Frage gestellt werden, warum sie so entwürdigend handelten.

Was geht in der Welt rum? Die TigermückeAedes albopictus – ist längst nicht nur mehr in den Tropen anzutreffen. In Europa ist sie nicht nur in den Küstenregionen von Frankreich, Italien und Spanien sowie auf Sardinien und Korsika anzutreffen. In Deutschland wurde sie erstmals 2011 in Baden-Württemberg gesichtet. Am Oberrhein gibt es mehrere Populationen dieser gestreiften Mücke, die Erkrankungen wie das Dengue-Fieber verbreiten kann. So zum Beispiel im Stadtgebiet von Stuttgart, Ludwigsburg und – erstmals in diesem Jahr – auch in Heilbronn. Im Moment ist das Risiko von Krankheitsübertragungen durch die Tigermücke noch gering. Aber wärmere Wintermonate und heiße Sommer könnten das in den nächsten Jahren ändern. Der Klimawandel hat viele Gesichter.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein entspanntes Wochenende, ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 11. September 2021

Kleine Kinder, große Übertragung: Corona-Ansteckung im gleichen Haushalt

Kindergärten: Werden sie zu Infektionstreibern?

Coronaimpfungen bei Schwangeren

Erste Masernerkrankung in Baden-Württemberg seit März 2020

Nächste Woche ist Schulbeginn in Baden-Württemberg. In Bezug auf Coronainfektionen stellt sich da auch die Frage, wer in Haushalten eine Infektion am ehesten weiterverbreitet. Dazu liegt eine aktuelle Studie aus Ontario (Canada) vor in der untersucht wurde, wie oft infizierte Kinder ihre Umgebung ansteckten. Dazu wurden 6.280 Haushalte mit an Corona infizierten Kindern  vor Ausbruch des Deltavirus beobachtet. Im Vergleich zu Jugendlichen (14-17 Jahre) waren es die Kinder von 0-3 Jahren, die am häufigsten das Coronavirus übertrugen (1,43 Mal so oft wie die Jugendlichen), gefolgt von den 4-8-Jährigen (1,40 Mal so oft). Die Kinder, für die keine Impfung zur Verfügung steht tragen somit innerhalb der Familie besonders stark zur Verbreitung des Virus bei. Für Eltern und Geschwister ist es ratsam, andere Schutzmaßnahmen (eigene Impfung !, Maske, Abstand) zu ergreifen, um eine Ansteckung zu verhindern.

Die Lage in den Kindertagesstätten ist nochmals anders. Dort arbeiten in aller Regel deutlich jüngere Menschen, die seltener geimpft sind als beispielsweise Lehrer. Die Folgen erleben bereits viele Länder wie unsere Nachbarn in der Schweiz, deren Impfquote (nach Luxemburg) die zweitniedrigste in Europa ist.

Einstellung zu Coronaimpfungen in verschiedenen Ländern Ende August 2021. Foto: Economist

Die letzten Monate zeigen, dass Impfungen sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. In den meisten Ländern sind über 90% der COVID-19-Erkrankten in Kliniken Ungeimpfte. Was alle Länder ebenfalls eint: Die Gruppe der Noch-Impfwilligen wird immer kleiner, außer in den armen Ländern, wo bisher kaum Impfungen ankamen.

Coronaimpfungen für Schwangere werden seit Monaten diskutiert. Dabei geht es zum einen darum, Schwangere zu schützen, die im Rahmen von COVID-19 ein deutlich erhöhtes Risiko tragen. Zum anderen besteht auch Hoffnung, dass Antikörper auf das werdende Baby übertragen werden und dort auch einen „Nestschutz“ vermitteln könnten. Die STIKO hat noch keine Impfempfehlung für Schwangere gegeben, diese sei aber in Arbeit. Ein Studie aus Israel zeigt nun, dass die Schutzwirkung für Schwangere sieben Tage nach der zweitem Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei 96% liegt.

Die Pollen haben sich inzwischen weitgehend verabschiedet, die Zecken noch nicht. Es bleibt weiterhin sinnvoll, sich und die Kinder abends auf die kleinen Spinnentiere zu untersuchen.

Aus dem Landkreis Böblingen wird die erste Erkrankung mit Masern seit 18 Monaten gemeldet.

Infekte treten unverändert auf. Die Mehrheit ist momentan nicht durch das Coronavirus ausgelöst sondern durch einen Topf von Viren, die man vereinfacht „Erkältungsviren“ nennt. Zu diesen zählen allerdings auch die „älteren Coronaviren“, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und die bei Kindern für etwa ein Viertel aller „Erkältungen“ verantwortlich sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus hat praktisch jeden bewohnten Flecken der Erde erreicht, aber mit jeweils unterschiedlichen Folgen. Kuba, bekannt durch ein personell gut aufgestelltes Gesundheitssystem mit allerdings sehr begrenzten technischen Möglichkeiten hat sogar eigene Impfstoffe entwickelt: Abdala und Soberana. Diese stehen

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende und den Kindern einen munteren Start in den Schulalltag, herzlichst, Ihr

Was geht rum? 04. September 2021

Schüler von Impfgegnern bedroht   

Luftfilteranlagen: Ja, aber!

Coronaausbruch in einer Schule trotz Masken und Luftfilter

Körpergewicht von Kindern in Zeiten der Pandemie

Wie geht’s an den Schulen weiter in der vierten Pandemiewelle? Klar wäre es ideal, wenn sich die Erwachsenen an die – nicht verschnupfte – Nase fassen und zum Wohle der Kinder impfen lassen würden. Aber das wird vermutlich nicht so kommen. Denn viele Impfgegner leben im Protest gegen Impfbefürworter, den Staat oder Bill Gates. Warum auch immer. Und sie  ignorieren die Kinder, die durch Schulschließungen im letzten Jahr dafür gesorgt haben, dass die Älteren unter ihnen überhaupt noch leben. Das haben die Impfgegner aber schon vergessen.

Ach so, da gibt’s ja noch die Lüftungsanlagen. Deren Beschaffung ist aus technischen (Geräteprüfung), finanziellen (nicht billig – wer bezahlt?) und politischen Gründen (alle Schulen/ KiTas sollen gleichbehandelt werden, Antwort in Berlin: keine bekommt einen Luftfilter) ein mühsames Unterfangen. So kann man sich gerne Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel in Berlin anschließen: „Lieber die Lüftungsanlage an der Wand als die Spritze auf dem Dach.“

Oder vielleicht doch nicht? Das legt eine Beobachtung an einer Grundschule bei San Francisco im Zusammenhang mit dem Delta-Virus nahe. Eine Lehrerin an dieser Grundschule unterrichtete 24 Kinder, obwohl sie selbst Symptome von COVID-19 hatte und zwei Tage später auch als erkrankt getestet wurde. An dieser Schule bestand Maskenpflicht für alle, also auch für alle Kinder. Alle Klassenzimmer waren mit einer mobilen Lüftungsanlage ausgestattet und die Kinder saßen an Einzelbänken mit einem Mindestabstand von fast 2 Metern (6 feet). Die Impfquote (vollständig Geimpfte) in der Region betrug zu dieser Zeit enorme 72%. Dennoch kam es zu einem Ausbruch mit Coronainfektionen, nachdem die Lehrerin für eine kurze Zeit die Maske abgenommen hatte, um den Kindern laut vorlesen zu können: Unter den 22 ungeimpften Kindern wurden in der Folge 12 positiv getestet. In den ersten beiden Tischreihen waren sogar 80% der Kinder infiziert. Trotz idealer Bedingungen (Maskenpflicht, Abstandsregeln, Luftfiltersystem, Lüftung) wurden durch das laute Vorlesen der Lehrerin 55% der getesteten Schüler infiziert. Warum hatte dieser Mix an Maßnahmen  so wenig Wirkung?

Hamburger – manchmal auch in schwäbisch ummantelt mit Laugenweckle – sind für viele eine ständige Versuchung. Foto: ptw

Daheimbleiben statt In-die-Schule-Gehen wirkt sich nicht nur auf die Stimmung zuhause oder die Bildung aus. In vielen Fällen fällt auch Bewegung weg. Welches Kind rennt schon alleine im Lockdown um den Wohnblock? Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat sich in einer zufällig entstandenen Studie (in Englisch) auch der Frage des Körpergewichts in Zeiten der Pandemie gewidmet. Kurz und schwerwiegend: Bei den 760 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 10 Jahren zeigte sich ein Übergewicht/Fettleibigkeit vor der Pandemie in 20,3% der Kinder. Im September 2020 waren es bereits 24,1 Prozent, somit ist die Gruppe der Übergewichtigen in einem Jahr um 20% größer geworden. Dazu hier für alle Interessierten auch ein Kommentar aus dem amerikanischen Ärzteblatt (JAMA; in Englisch).

Einzig verlässlich sind im Moment nur die Infektionen: Viele „Erkältungskrankheiten“ im Spätsommer, kaum Kinderkrankheiten seit einem Jahr und zum Glück wenig schwere Infektionen. Die Ruhe vor dem Sturm? Fast sieht es so aus im Beginn der 4. Pandemiewelle, der sich vielleicht die Influenza und die RS-Viren und eventuell noch einige andere Infektionen anschließen werden. Eine Gefahr besonders für Kinder von 6-12 Jahren, die ja weiter zur Schule gehen „sollen dürfen“. Da mag man nur rufen: Ungeimpfte, denkt auch an die Kinder!

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist – fernab jeder Idylle – wieder die Lungenpest auf dem Vormarsch. Aus der kleinen Stadt Miandrandra südlich der Hauptstadt Antananarivo werden 7 Todesfälle gemeldet. Mittlerweile wurden 960 Kontaktpersonen identifiziert und isoliert. Die Pest sucht die viertgrößte Insel in Trockenperioden regelmäßig heim. Dann begeben sich die Ratten auf der Suche nach Nahrung näher an die Hütten der Menschen. Und mit ihnen auch die infizierten Flöhe, die dann den Erreger auf Menschen übertragen. Deswegen ist es in Madagaskar auch schwierig, den Ausbruchsherd überhaupt zu identifizieren und zu isolieren. So kommt es jedes Jahr zu Pestausbrüchen mit oft mehreren Hundert Todesfällen.

Das Wochenende verspricht Sonne und angenehme Wärme. Viel Spaß wünsche ich allen Familie, herzlichst Ihr

Was geht rum? 28. August 2021

Winterinfekte: Corona, Erkältungsviren, Influenza, RSV – eine heiße Mischung

Das spezielle Risiko der unter 2-Jährigen: RS-Viren

Keuchhusten: Zeitgerechtes Impfen schützt besser

Masern: Corona führt zu Ausbrüchen in Afrika

Der Sommer geht langsam in den Herbst über. Neben den Coronainfektionen gibt eine Reihe weiterer Erreger, die sich zurückmelden. Da sind einmal die Erkältungsviren, die über die Kindergärten – und die Eltern der Kinder – verbreitet werden. Mit dem Fallen der Masken und der Abstände werden vermutlich auch die Grippeviren (Influenza) wieder an Bedeutung gewinnen. Im letzten Winter spielten sie ja keine Rolle. Aber wie hat sich deren krankmachende Wirkung inzwischen verändert? Wie meldet sich das Influenza-Virus nach der Pause zurück? Wir wissen es im Moment nicht. Ebenso – wie jedes Jahr um diese Zeit – ist unklar, wie gut eine Grippe-

RSV-Virus. Foto: niaid.nih.gov

Impfung schützen wird. Für die Kleinsten spielt ein weiterer Erreger eine enorme Rolle: Die RS-Viren. Diese befallen zumeist Kinder unter 2 Jahren und können bei diesen schwere Erkrankungen wie die Bronchiolitis auslösen. Der Lockdown hat dies über die letzten beiden Winter verhindert. Nun gehen Kinder im Alter von bis zu 2 Jahren in einen Winter, ohne diesem Erreger etwas entgegenzusetzen haben. Das könnte im schlimmsten Fall zur Überbelastung der Intensivstationen führen – in den Kinderkliniken. Viele Kliniken bereiten sich schon vor.

Da uns also vermutlich ein Bündel von Erregern ins Haus stehen wird, werden Testungen wieder wichtig werden: Testung auf Influenza-Viren, auf RS-Viren, aber eben auch auf Corona-Viren. Es kann nur so kommen, dass auch letztere wieder kostenlos werden. Anders kann man die infektiologische Herausforderung medizinisch nicht beherrschen. Bessere Ideen sind also gefragt, die Elterngeneration von Kindern und Jugendlichen zur Impfung zu motivieren.

Apropos Impfungen. Amerikanische Daten haben gezeigt, dass es zeitgerechtes Impfen für einen guten Schutz gegen Keuchhusten wichtig ist. In einer großen Studie mit 316.404 Kindern konnte gezeigt werden, dass verspätete Impfungen mit DTaP (Diphterie-Tetanus-azellulärer Pertussis) das Risiko für Keuchhusten (Pertussis) bis 4,8-fach erhöht. Im Moment sind Kinder wenig von Infekten betroffen, was gute Gelegenheiten für Impfungen eröffnet.

Auch in dieser Woche spielen Infekte keine so große Rolle in Baden-Württemberg. Selbst bei den Kinderkrankheiten ist zum Glück wenig los: einzelne Erkrankungen mit Windpocken (43) und nur ein einziger Fall von Keuchhusten.

Was geht in der Welt rum? In Afrika drohen Ausbrüche von Masern. Ursache hierfür ist die Coronapandemie. Wie die WHO mitteilt, sind in 15 Ländern Afrikas die Impfungen gegen Masern verschoben worden. In der Folge haben 16,6 Millionen Kinder zwischen Januar 2020 und April 2021 keine Impfung erhalten. Hohe Risiken bestehen besonders in Gabun, Angola, Guinea und in Kenia. Erste Masernausbrüche traten bereits auf. Masern sind sehr gefährlich. In Deutschland tritt auf etwa 2000 Infektionen ein Todesfall auf, in allen Ländern Afrikas liegt diese Zahl deutlich höher. Die Coronamaßnahmen verschlimmern fast überall das Risiko für Kinder. Das gilt für die Gesundheit, die Bildung (Schulen oft geschlossen) und die immer größer werdende Armut. Coronainfektionen selbst sind für viele jüngere Menschen in Afrika streng genommen kein Problem.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern engagierte Lehrer, die es trotz widriger Rahmenbedingungen schaffen, einen ganz „normalen“ Präsenzunterricht zu realisieren. Ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 21. August 2021

Coronaimpfung für Kinder: Wichtig für Bildung und soziales Leben

Coronaimpfung für Kinder: STIKO spricht Empfehlung aus

Corona und Erkältungen bei jungen Erwachsenen

Ebola in Côte’d Ivoire

Traumstrand. Foto: pixabay, Sinousxl

Manche Traumstrände sind in diesen Ferien wieder erreichbar. Strände zu Träumen. Einfach daliegen, während die Gedanken davonfliegen. Zum Beispiel der Traum von offenen Schulen im Ländle, was eigentlich der Normalzustand sein sollte. Ob die Politik das in diesem Winter schafft? Dann muss sie einigen Erwachsenen auch klar machen, dass seit vielen Wochen Impfungen für Erwachsene frei verfügbar sind oder den Menschen fast aufgedrängt wurden. Es besteht also kein Grund mehr, Kinder für die Sorglosigkeit oder Verschwörungsgedanken der Älteren in Haft zu nehmen. Ein klares Bekenntnis der Politik wäre wünschenswert. Man denkt an Kurt Tucholsky: » Das erste der zehn Gebote sollte heißen: Tue, was du predigst. «

Wer? Wie? Was? Warum? Kinder stellen Fragen, sie wollen die Welt um sich herum verstehen und gestalten lernen. Sie wollen Bildung. Diese Bildung haben wir Erwachsene ihnen über 1 1/2 Jahre weitgehend verwehrt, um unsere alten Menschen zu schützen. Inzwischen ist die Großelterngeneration zu über 80% durchs Impfen geschützt. Es ist an der Zeit, dass die Schulen so ausgerüstet werden, dass diese Pandemie keine weiteren Einschnitte mehr für Schüler auslöst. Jedem ehemaligen Schüler ist bekannt, dass die Corona-Maßnahmen in den Unterrichtspausen ausgesetzt wird – keine Abstände, kaum Masken. Kinder erfahren sich gegenseitig, treten aus der Einsamkeit der Elternwohnung heraus und wollen einfach leben. Soziales Leben ist ebenso wichtig wie die Bildung. Solange die Elterngeneration nicht für bessere Impfquoten sorgt, sollten Kinder und Jugendliche auch die Chance haben, sich impfen zu lassen. Bei dieser Entscheidung sollten sie eine zentrale Rolle spielen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat sich zu Beginn dieser Woche entschlossen, die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren zu empfehlen. Das 18-köpfige Gremium kam zur Überzeugung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“. Bleibt zu hoffen, dass in Baden-Württemberg die Politik die verbliebene Ferienzeit nutzt, um den Start ins neue Schuljahr möglichst glatt hinzulegen. Das umfasst Planungen, wie Schulausfälle auch bei hohen Inzidenzen verhindert werden können: Von Lüftungskonzepten bis hin zu Mutmachern, die jetzt empfohlene Impfung mit den mRNA-Impfstoffen auch wahrzunehmen.

Meldezahlen von COVID-19 nach Altersgruppen und Woche. Foto: Wochenbericht des RKI

Die vorgezogenen Erkältungskrankheiten der Kinder schreiten weiter fort. Die meisten sind unspezifische Infekte, wie sie in den Herbstmonaten auftreten, wenn sich die Menschen wegen der Kälte in die Wohnungen zurückziehen. Diesmal ist zwar Sommer, aber die Abstände und Nasen-Mund-Masken fallen. So haben auch die banalen Infekte wieder ihre Chance, Opfer zu finden. Wie die obenstehende Graphik des RKI zeigt, ist die Häufigkeit an Corona zu erkranken bei Jugendlichen und junge Erwachsene (15 – 29 Jahre) am höchsten – eine Gruppe, die viele enge Kontakte hat, aber offensichtlich zu wenig geimpft ist. Die Infekte könnten von den Kindern unter 4 Jahren kommen, die kaum Symptome haben, aber – so zeigt es eine Studie aus Ontario – zu fast 50% häufiger die Überträger innerhalb ihrer Familien sind als die Jugendlichen.

Was geht in der Welt rum? Seit über 25 Jahren wird aus Côte’d Ivoire der erste Fall einer Erkrankung mit dem hochgefährlichen Ebolavirus gemeldet. Es handelt sich um eine 18-jährige Frau, die aus dem benachbarten Guinea in die Hauptstadt Abidjan gereist war. Es bleibt zu hoffen, dass es in der 4-Millionen-Stadt nicht zu einem Ausbruch kommt. Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 identifiziert. Nach den schweren Ausbrüchen in Westafrika zwischen 2014 und 2016 wurden inzwischen wirksame Impfstoffe entwickelt. Seit 2019 hat ein Impfstoff der Firma Merck eine Zulassung aus den USA und der EU. Die Impfungen in Abidjan haben begonnen.

Ich hoffe, es gelingt Ihnen trotz der diversen „Brandmeldungen“ aus aller Welt ein ruhiges und entspanntes Wochenende zu verbringen.

 

Was geht rum? 14. August 2021

Meist leichte COVID-19-Verläufe bei Kinder – aber nicht jeder Infekt ist Corona

Schwangere: CDC empfiehlt Coronaimpfung für alle Schwangeren

Masern, Meningokokken und Keuchhusten weiterhin selten

Pollenflug geht langsam zu Ende

 

Die Rolle der Kinder in der Pandemie erhellt eine neue Studie aus Großbritannien. Darin untersuchten die Forscher um Erika Molteni 258.790 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, die Symptome einer Coronainfektion zeigten. Der Verlauf wurde mittels einer App verfolgt. Insgesamt wurden 75.529 Corona-Tests durchgeführt, von denen 1.734 positiv ausfielen. Häufigste Krankheitszeichen waren Kopfschmerz (62,2 %) und Müdigkeit (55 %). Die Erkrankungen dauerten im Durchschnitt bei positiv getesteten 6 Tage, bei negativ Getesteten nur 3 Tage. Manchen Kinder zeigten längere Verläufe. Nach 56 Tagen lagen bei den allermeisten keine Beschwerden mehr vor. Interessanterweise kamen lange + schwere Krankheiten besonders bei negativ getesteten Kindern vor. Wie bewerten wir die Studie? COVID-19 verläuft bei Kindern leichter. Und, nicht alles was wie eine Coronaerkrankung aussieht ist auch eine. Testungen bleiben wichtig. Besonders im kommenden Winter.

Schwangerschaft. Foto: pixabay, contato1034

Viele Eltern überlegen, weitere Kinder zu bekommen. Wenn da nicht Corona-Infektionen drohen würden. Und diese führen gerade in der Schwangerschaft nach neuen Erkenntnissen vermehrt  zu schweren Komplikationen. Sollten sich Schwangere impfen lassen? Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (in Englisch) hat sich klar positioniert: Sie empfiehlt COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft: „COVID-19 vaccination is recommended for all people aged 12 years and older, including people who are pregnant, breastfeeding, trying to get pregnant now, or might become pregnant in the future.“ Die deutsche STIKO lässt Impfungen in der Schwangerschaft zu, gibt aber keine Empfehlung zur Impfung.

Der Pollenflug geht rasch zu Ende. Noch sind Pollen von Spitzwegerich, Beifuß und auch Gräsern in den Lüften. Aber die Menge der Pollen nimmt spürbar ab. Probleme für die Atemwege bestehen nur noch für schwer von Allergien Betroffene. Für alle anderen ist die Pollensaison zu Ende.

Inzidenz von Meningokokkenerkrankungen in den USA. Die größte Häufigkeit betrifft Kinder vor dem ersten Geburtstag. Foto: CDC

Viele schwerwiegenden Erkrankungen für Kinder sind in diesem Jahr noch immer selten. Ganz vorne der Keuchhusten (Pertussis) mit bislang 123 Fällen in diesem Jahr, der im letzten Jahr 6 Mal häufiger auftrat. Gleiches gilt für die Erkrankungen mit Meningokokken (Sepsis („Blutvergiftung“) bzw. Hirnhautentzündung), von denen in diesem Jahr neun registriert wurden (2020 zur gleichen Zeit: 28). Dass Masern und Mumps ebenfalls selten auftreten ist den Lesern des praxisblättle gut bekannt.

Die Erkältungsviren machen aber durchaus schon die Runde, auch wenn die Sommer-Wetterlage eine massive Ausbreitung begrenzt. Ob der Schnupfen oder Husten aber nicht doch vom Coronavirus ausgelöst wurden, kann nur durch Tests geklärt werden. Für den kommenden Winter bleiben Coronatests ein zentrales Werkzeug für Kinder- und Jugendärzte.

Was geht in der Welt rum? Mit den höheren Temperaturen kommt auch das West-Nil-Fieber im Mittelmeerraum vor. Aus Griechenland  (Bezirk Imathia und Pella in Zentralmakedonien) und Italien werden Fälle gemeldet. Die Erkrankung betrifft meist Vögel, Menschen erkranken aber nach Übertragung durch eine infizierte Stechmücke auch vereinzelt. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Endlich ist der Sommer da, den wir uns wünschten. Genießen wir es, durch laue Wälder zu wandern, in der Hängematte zu liegen oder zu picknicken. Ganz herzlich, Ihr

Was geht rum? 07. August 2021

Verhinderung von Kurzsichtigkeit: Aufenthalt im Freien günstig

Allergie Reaktion auf Nahrungsmittel: Vorsicht in Restaurants

Coronaimpfungen für Ab-12-Jährige?  

Pollenpause

In dieser Woche erkrankte weltweit der 200 Millionste Mensch an Corona. Somit sind an dieser Krankheit mehr Menschen erkrankt als zusammengenommen in Spanien, Frankreich und Deutschland leben.

Bei Kindern im Grundschulalter tritt immer häufiger Kurzsichtigkeit auf. Ursache hierfür ist, dass sie erstmals in diesem Alter über längere Zeit auf kurze Abstände – meist auf ihr Schulheft – fokussieren müssen. Dadurch wird das Längenwachstum des Auges stimuliert. Wenn schließlich die Linse die verlängerte Brennweite nicht mehr ausgleichen kann, benötigen Kinder wegen Kurzsichtigkeit (Myopie) eine Brille. Dieses Phänomen tritt besonders stark unter chinesischen Kindern auf.  Diese Phänomen scheint sich durch die Pandemie enorm verstärkt zu haben. Eine Studie aus dem dichtbesiedelten Hongkong beschreibt die aktuellen Daten: Die Zeit im Freien ging von 1,27 auf 0,41 Stunden am Tag zurück, die Zeit vor dem Bildschirm  nahm 2,45 auf 6,89 Stunden am Tag massiv zu. Die Häufigkeiten für die Kurzsichtigkeit sind massiv: Vor der Pandemie nahm die Zahl der kurzsichtigen Kinder pro Jahr um 13% zu, nunmehr sind es für die 6-, 7- und 8-jährigen Kinder 28 %, 27 % und 26 %. Man vermutet, dass sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Glücklicherweise sind die Lebensbedingungen für Kinder in Deutschland andere. Die Zeit, die sie im Freien verbringen ist deutlich höher. Somit besteht ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit.

In die USA können Europäer im Moment nicht reisen. Das schränkt die Bedeutung einer Studie ein, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical ImmunologyIn Practice erschienen ist. Darin geht es um allergische Reaktionen beim Essen in Restaurants in den USA. Es zeigte sich, dass 13% aller allergischen Notfälle mit Nahrungsmittel bei Kindern unter 18 Jahren in Restaurants auftreten. Somit bleibt mit 51% das Zuhause der gefährlichste Ort. Besonders häufig traten Nahrungsmittelallergie bei Erdnüssen und Nüssen (Haselnuss u.a.) auf. Bei diesen mussten in 28% mindestens einmal Adrenalin wegen schwerer Reaktionen injiziert werden. Tragisch dabei ist, dass 53,9% der Betroffenen vorher das Personal des Restaurants über die Allergie aufgeklärt hatte. Es gibt sicher viele Unterschiede zwischen Restaurants in Europa und den USA. Dennoch lohnt es sich gerade in Urlaubszeiten für Allergiker in Restaurants Vorsicht walten zu lassen.

Tipps gegen Coronainfektionen. Foto: RKI

Thema der Woche: Die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren. Die Politik ist mehrheitlich dafür, die STIKO sieht noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die eine Empfehlung für die Impfung der 12-17-Jährigen rechtfertigen würde. Inzwischen hat sich die Sächsische Impfkommission (SIKO) für die Impfung der Über-12-Jährigen ausgesprochen und dafür plausible Daten vorgelegt. Ergänzend hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem Merkblatt zu diesem Thema eingebracht. Bei allem Durcheinander nicht vergessen: Es geht um Kinder und Jugendliche, die eineinhalb Jahre Corona-Pandemie hinter sich haben. Und auch sie haben eine Meinung, die bei der Frage – ob eine Impfung angemessen sei – an erster Stelle stehen sollte.

Die Pollen fliegen immer weniger. Momentan werden in den meisten Regionen des Landes bei den Gräserpollen kaum Mengen erreicht, die Beschwerden verursachen. Lediglich die Menge der Beifuß-Pollen liegt etwas höher. Aber gegen dies Pollen sind nur wenige Menschen allergisch.

Die Infekte bei Kindern gehen unverändert weiter. Meist nichts gravierendes, aber gerade bei den Kleinkindern – und deren Eltern – häufig Schnupfen, leichter Husten und selten Fieber.

Was geht in der Welt rum? Im Süden Brasiliens, genauer im Bundesstaat Bahia sind 58 Neu-Infektionen an Malaria aufgetreten. Diese Region gilt als malariafrei. Man geht deswegen davon aus, dass der Erreger aus dem Amazonasgebiet eingeschleppt wurde.

Wettervorhersage der nächsten Tage für Karlsruhe. Foto: meteo, SRF

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer im Ländle bald beginnt. Ab Mitte der kommenden Woche soll es soweit sein. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 31. Juli 2021

BioNTech: Bei den Coronaimpfungen immer vorne dabei

Coronaimpfungen für Kinder? Diskussion jetzt wichtig

Salmonellenerkrankungen im Spätsommer

Vibrionen in der Ostsee

Im Rennen um den besten Corona-Impfstoff liegt BioNTech ganz vorne. Vor 20 Monaten war die Firma aus Mainz kaum jemandem bekannt. Ab seit dieser Zeit hat sie medizinisch und medial alles richtig gemacht. Nun liegt BioNTech auch im Rennen um die Zulassung des Impfstoffs für Kinder von 5-11 Jahren weit vorne. Diskussionen gab in den letzten Wochen wegen seltener Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis, Perikarditis) nach Zweitimpfungen von Männern unter 30 Jahren. Auf Drängen der amerikanischen Zulassungsbehörde wurde laut Informationen der New York Times die Zahl der Studienteilnehmer auf 3000 erhöht. Ergebnisse werden bereits für September erwartet. Für die Studiengruppe der 2 bis 5-Jährigen sei „kurz danach“ auch mit Ergebnissen zu rechnen, für die 6 Monate – 2 Jahre alten Kinder sei es im Oktober bis November soweit. Konkurrent Moderna liegt bei den Studien etwas zurück. Von anderen Mitbewerbern gibt es keine Informationen. Israel will bald Kinder zwischen 5 und 12 Jahren zur Impfung zulassen, wenn sie ein Risiko für extreme Corona-Infektionen aufweisen (hochgradige Adipositas, schwere Herz- und Lungenerkrankungen).

Noch gibt es keine Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahren. Aber für die über 12-Jährigen sehr wohl. Deren Wunsch geimpft zu werden nimmt zu. Haben wir eine gute Antwort, um ihnen den Wunsch zu verweigern? Die weiter fehlende Empfehlung der STIKO kommt eher aus dem Elfenbeinturm, als dass sie den Gedanken und Sorgen der Kinder gerecht würde. Schulen sollen nach den Ferien ja wieder geöffnet werden, oder doch nicht? Die Folgen von Schulschließungen wären monumental, beginnend bei den psychischen Konsequenzen, wenn Kinder sich nicht uneingeschränkt treffen können bis hin zu den wirtschaftlichen Folgen, die mangelnde Bildung über 2 Jahre für die gesamte Gesellschaft nach sich ziehen würde. „Wenn wir sehen, die Impfquote ist im Herbst immer noch zu niedrig, muss man weiternachdenken, aber nicht jetzt“ meinte Armin Laschet. Dem kann man nur widersprechen. Über die Impfungen – auch bei Kindern und Jugendlichen – müssen wir jetzt sprechen. Als Gesellschaft und mit den Betroffenen. 

Wirksamkeit von einer gg. zwei Dosen der Impfstoffe von BioNTech (BNT162b2) und AstraZeneca (ChAdOx1). Foto: NEJM, Jamie Lopez Bernal et al., 2021

Erst die zweite Impfung machts. Das zeigt eindrücklich die Untersuchung von Jamie Lopez Bernal und MitarbeiterInnen im New England Journal of Medicine. Gerade für den Impfstoff von BioNTech sind die Unterschiede frappant. Dabei ist der Schutz gegen die Delta-Variante dem Schutz gegen die Alpha-Variante ebenbürtig

Darstellung des Testablaufs bei der Lolli-Methode. Foto: RKI, Epidemiologisches Bulletin 32/2021

Die Lolli-Methode zur Testung auf SARS-CoV-2 haben wir im praxisblättle vorgestellt. Dieser Test ist einfach durchzuführen, worauf schon sein Name hindeutet. Nun bekommt er vom RKI den Ritterschlag. In der neuesten Ausgabe des epidemiologischen Bulletins wird ihm eine Spezifität (Genauigkeit) von 93.0% attestiert. Somit könne er „eine Grundlage für ein breit anwendbares und systematisches Testkonzept in Kitas und Schulen darstellen“.

Der Spätsommer ist die Zeit der Salmonellenerkrankungen. Der bakterielle Durchfall mit diesem Erreger ist heftig, meist grünlich mit blutigen Auflagerungen und nicht selten mit Fieber verbunden. Am stärksten werden Kinder unter 10 Jahren von dieser Infektion betroffen, die in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt im Jahr erreichen wird. In der letzten Woche erkrankten 34 Personen im Ländle, fürs bisherige Jahr waren es 514 (Vorjahr: 660). Die Ansteckung erfolgt oral und häufig über Geflügel (und unzureichend abgekochte Eier). Strikte Hygiene in der Küche bei der Zubereitung von Hühnern und Eiern ist entscheidend.

Die viralen Erreger von Durchfallserkrankungen (Novoviren, Rotaviren) spielen weiterhin kaum eine Rolle. Sie sind deutlich seltener als noch im letzten Jahr, obwohl auch damals die Coronawellen (mit Kontaktbeschränkungen) durchs Land gingen.

Die Gräserpollen sind auf dem Rückzug. Im Rheintal ist die Belastung gering, in der Bodenseeregion aber noch bedeutsam – solange der Regen den Flug nicht komplett verhindert.

Was geht in der Welt rum? An der nördlichen Grenze von Deutschland, genauer an der Ostseeküste können in den Sommerwochen weiterhin Vibrionen auftreten. Messungen haben diesen Erreger bereits mehrfach gesichert, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) von Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Die gleichen Vibrionen, Vibrio vulniformis, gibt es auch an anderen Küsten der Ostsee wie in Schweden. Dort sind in diesem Juli bei Götaland und Svealand 13 Menschen an einer schweren Infektion (Sepsis) erkrankt.

Ich wünsche allen Familien im Ländle eine sonnigen Start in die Ferien, mit herzlichen Grüßen, Ihr