Schlagwort: Asien

Was geht rum? 24. Juli 2021

Delta-Variante I : Weniger Wirksamkeit bei AstraZeneca und Johnson&Johnson

Delta-Variante II : Mehr Infektionen bei Jugendlichen

Viel Gemüse = weniger Asthma

Rückschlag für die chinesische Impfdiplomatie: COVID-19 in Asien trotz Sinovac© 

Impfungen sind ein effektiver Schutz vor Coronavirus-Infektionen. Vorausgesetzt, man ist mit dem „richtigen“ Impfstoff versorgt worden. Das gilt zumindest, wenn es sich um die Beta-Variante (die zuerst in Südafrika auftrat) und die Delta-Variante (die erstmals in Indien auftrat) handelt. Die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson zeigen bei diesen beiden Corona-Varianten klare Schwächen. Für Kinder und Jugendliche kein Problem: Für sie ist nur die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zugelassen. Neben dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer (Comirnaty®) ist seit gestern in der EU auch der Impfstoff von Moderna (Spikevax®) für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Eine Stellungnahme der STIKO liegt bislang nicht vor.

Corona-7-Tage-Inzidenzen nach Alter (x-Achse) und Kalenderwoche (y-Achse). Foto: RKI per twitter

Seit gestern sind über 40 Millionen Deutsche vollständig geimpft. Und trotzdem bleibt der Jubel aus. Zum einen ist diese Zahl nicht ausreichend, um die Delta-Variante des Coronavirus effektiv in Schach zu halten. Zum anderen nehmen die Infektionen mit SARS-CoV-2 wieder sprunghaft zu. Besonders betroffen sind die Niederlande und die Mittelmeerländer. Dort gibt es in Valencia (Spanien) sogar eine nächtliche Ausgangssperre. In Deutschland sind wir noch vergleichsweise günstig dran. In der Graphik (untere Ecke rechts) ist aber zu erkennen, dass die Häufigkeit an Neuinfektionen in der Altersgruppe von 15 – 29 Jahre spürbar zunimmt.

Dass Essen einen Zusammenhang mit unserer Gesundheit hat ist wohl bekannt. Dabei sind besonders Obst und Gemüse in vieler Hinsicht günstig. Dies hat eine Studie aus Porto (Portugal) nochmals für Kinder bestätigt. Darin wurden 649 Kinder (7-12 Jahre) aus 20 Schulen hinsichtlich ihrer Essgewohnheiten betreffend Gemüse und Obst befragt. Es zeigte sich, dass Kinder, die häufiger Gemüse aßen, um ein Drittel weniger von Asthma bronchiale betroffen waren.

Der Gräserpollenflug geht weiter, der Höhepunkt der Saison ist aber überschritten. In den Lüften befinden sich auch die Pollen von Spitzwegerich und Brennesselpollen. Die schlimmsten Tage von Allergikern dürften dennoch vorüber sein.

Weiterhin treten „Erkältungsinfekte“ auf. Indem der Mund-Nasen-Schutz weniger oft getragen wird, haben die üblichen Erkältungsviren mehr Chancen Kinder und deren Eltern anzustecken. Das ist eigentlich ganz gut, weil damit auch das Immunsystem wieder aktiviert wird. Nebenbei kann aber auch Schnupfen, Husten und Fieber auftreten. Seit März 2020, also seit Beginn der Coronapandemie, kam es zur ersten Masernerkrankung in Baden-Württemberg. Langsam steigen auch die Zahl der Windpockeninfektionen wieder an – alles Zeichen einer langsamen Normalisierung des Alltags. In Anbetracht des angenehmen Wetters sind solche Infektionen (nicht die Masern!) besser erträglich.

Was geht in der Welt rum? COVID-19 ist weiter auf dem Vormarsch, nicht nur bei uns. Asien war lange ein Hort der niedrigen Inzidenzen. Nun steigen aber dort die Infektionszahlen rasant an: In Indonesien wurden kürzlich an einem Tag 60.000 Neuerkrankungen (und 1000 Todesfälle) registriert. Vietnam, bisher sehr erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus wies gestern Coronainfektionen bei 7300 Menschen auf. Damit traten an einem einzigen Tag 5 Mal so viele  Infektionen auf wie im gesamten letzten Jahr. Auch in Thailand kam es kürzlich an einem Tag zu 11.000 Neuerkrankungen, nachdem im gesamten letzten Jahr nur 7000 Fälle bestätigt wurden. Thailands Regierung hat in diesem Zusammenhang die Impfstrategie geändert, nachdem Zweifel am chinesischen Impfstoff Sinovac© aufkamen. Zweitimpfungen sollen ab sofort mit dem Impfstoff von AstraZeneca erfolgen. Ein herber Rückschlag für die Impfdiplomatie der Chinesen. Mit bislang 940 Millionen Dosen von Sinovac© sind sie bislang Impf-Weltmeister und haben sich nebenbei Sympathien in armen Ländern erworben. Diese sind schnell verspielt, wenn sich der Impfstoff als wenig wirksam erweist.

In der nächsten Woche beginnen die Ferien, immer mehr Länder um Deutschland herum werden zu Corona-Risikoländern. Ich hoffe, Sie finden nette Plätze, wo Sie mit Ihrer Familie einen schönen Sommerurlaub verbringen können.

Dengue-Fieber: Ist eine Impfung günstig?

Das Denguefieber ist eine fieberhafte Erkrankung, die in den letzten Jahrzehnten rasch weltweit an Bedeutung zugenommen hat. Inzwischen leben 40% der Weltbevölkerung in über 100 Ländern mit dem Risiko an dieser Infektion zu erkranken (siehe Abbildung 1).

Übertragung

Ausgelöst wird die Erkrankung von einem der vier Dengueviren, die beim Biss der Stechmücken Aedes aegypti oder Aedes albopictus übertragen werden. Wer an einer Infektion mit einem der Viren (z.B. DENV-2) erkrankt war, behält für nur kurze Zeit einen relativen Schutz gegenüber den anderen 3 Typen. Menschen erkranken in Endemiegebieten also häufiger an der gleichen Infektion.

Symptome

Bei einer Erkrankung an Denguefieber treten die folgenden Symptome in unterschiedlicher Deutlichkeit auf. Es gibt auch Krankheitsverläufe, die nahezu unbemerkt verlaufen. Die Inkubationszeit – also die Zeit vom Stich bis zum ersten Symptome – liegt in aller Regel bei 4-7 Tagen.

  • Fieber
  • Schmerzen im oder hinter dem Auge
  • Muskelschmerzen
  • Knochenschmerzen
  • Ausschläge
  • Blutungsneigung: Unterblutungen der Haut oder am Auge, blutiger Urin, Nasenbluten

Es gibt ein schwerere Form der Erkrankung, die hämorrhagisches Denguefieber genannt wird. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass eine verstärkte Durchlässigkeit von Blutgefässen auftritt, so dass „Wasser“ in den Bauchraum (Aszites) oder in den Brustkorb (Pleuraerguß) übertritt. Blutungszeichen sind deutlich ausgeprägt. Das Fieber dauert 2 bis 7 Tage.

Die gefährlichste Form ist Dengue-Schocksyndrom. Dabei ist der Verlust von „Wasser“ (Plasma) so groß, dass Schocksymptome auftreten.

Häufigkeit und Schwere der Erkrankung

Weltweit wird angenommen, dass jährlich 390 Millionen Menschen erkranken, wovon 96 Millionen die Erkrankung ohne Beschwerden („inapparent“) durchmachen. Dies gilt besonders für Kinder. Bei Auftreten von Fieber bei Kindern in Asien, liegt in 10% ein Denguefieber vor.

Denguefieber kommt besonders in Asien, Lateinamerika (siehe Abbildung 1) und Afrika vor. Hinzu kommen akute Ausbrüche in anderen Ländern.

Eine Zweiterkrankung mit Denguefieber ist in aller Regel stärker ausgeprägt. Somit ist das Risiko für Urlauber, die erstmals in eine Denguefieber-Gebiet reisen gering.

Therapie

Da es sich um eine Virusinfektion handelt, ist eine direkte und ursächliche Therapie nicht möglich. Zur Linderung der Beschwerden bzw. der Komplikationen sind in schweren Fällen immer Behandlungen im Krankenhaus erforderlich.

Vorbeugung

Die beiden Überträgermücken sind tagaktiv. Damit kommt den Insektenschutzmitteln (Repellentien) die entscheidende Funktion zu. Details hierzu im praxisblättle vom August 2018 Die Schwierigkeit ist immer, diesen Schutz konsequent (Urlaubsstimmung!) durchzuhalten.

Impfung

Die Impfung gegen Denguefieber wäre ideal. Es gibt einen Impfstoff (CYD-TDV), der in einigen Ländern Asiens und Lateinamerikas zugelassen ist. Diese Impfung ist jedoch nur für Menschen sinnvoll, die bereits eine Erkrankung gegen Denguefieber durchgemacht haben. Für Menschen, die noch nie an Dengue-Fieber erkrankt waren, kann die Impfung hingegen zum Risiko werden. In Deutschland ist die Impfung gegen Dengue-Viren nicht zugelassen und auch nicht verfügbar.