Schlagwort: Borreliose

Was geht rum? 03. Juli 2021

3 Milliarden Menschen geimpft – Impftempo nimmt Fahrt auf

Wird eine dritte Corona-Impfung kommen? 

Badedermatitis: Larven dringen in die Haut

USA: Winterinfekte schon im Sommer – bald auch bei uns?

Am Dienstag dieser Woche war es soweit: 3.000.000.000 (3 Milliarden) Corona-Impfungen sind weltweit verabreicht worden. Die erste Milliarde war innerhalb 20 Wochen verimpft worden, die letzte in nur 4 Wochen. Eine großartige Leistung. Richtig stolz können wir aber erst sein, wenn auch Menschen außerhalb der Industriestaaten – wie in Afrika – erreicht wurden.

Das Impftempo in Deutschland ist seit Wochen enorm hoch. Deutschland hat inzwischen sogar die USA übertroffen: In Deutschland sind zur Mitte des Jahres 54,08 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, in den USA sind es 53,80 Prozent. Bei den Zweitimpfungen haben wir noch Nachholbedarf.

Anteil der Virusvarianten in den auf SARS-CoV-2 untersuchten Proben des RKI nach Kalenderwoche. Foto: RKI

Am Wettlauf beteiligt sich auch die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus (B.1.617.2). Seit dieser Woche gehen 37% aller Infektionen (Stand 30.06.) deutschlandweit auf diese Variante zurück. In Baden-Württemberg liegt die Zahl mit 32% etwas niedriger. Trotzdem: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem SARS-CoV-2 sinkt – noch!

Brauchen wir vielleicht eine dritte Impfung? Eine solche Booster-Impfung sollte für den wieder erlahmenden Impfschutz bei älteren oder immungeschwächten Menschen ein Antrieb (engl: booster) sein. Zu dieser Frage startet in England gerade die CoV-BOOST-Studie. In ihr wird verglichen, wie gut die Auffrischung einer bisher zweimaligen Impfung mit AstraZeneca oder BioNTech durch eine weitere Impfung gelingt. Zum Einsatz kommen dabei 7 verschiedene Impfstoffe, unter ihnen natürlich AstraZeneca (ChadOx1 nCoV-1), BioNTech (BNT162b2), aber auch Novavax (NVX-CoV2373) und CureVac (CVnCoV). Letzterer ist bekanntlich der Impfstoff aus Tübingen, dessen Wirkprofil im Moment heiß diskutiert wird.

Zu den Coronaimpfungen kommen in enger Taktung immer neue Aspekte ans Tageslicht. Ist ja auch verständlich: Immerhin gibt es die Impfung erst seit 7 Monaten. Viele Menschen sind verwirrt, besonders wenn es um die ständigen Wechsel bei der Strategie mit dem AstraZeneca- Impfstoff geht. Man wir an ein Zitat von Kurt Tucholsky erinnert: „Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat. “

Wasservögel. Foto: pixabay, S. Hermann & F. Richter

Im Juli wärmen sich die Seen in Baden-Württemberg spürbar auf, das Baden wird sehr angenehm. Die Wassertemperaturen gefallen aber auch den Zerkarien, kleinen Larven von Saugwürmern, die auf der Suche nach Enten sind, die sie befallen können. Auf diesem Weg verirren sie sich manchmal in die Haut von Menschen, die dann über viele Tage vom Juckreiz geplagt sind: Badedermatitis oder Zerkariendermatitis. Im praxisblättle der letzten Woche können Sie weitere Informationen hierzu finden.

Aus den USA kommen vermehrt Berichte, dass Kinder schon jetzt – vor der eigentlichen Infektzeit – die typischen Infekte der kalten Jahreszeit bekommen: Fieber, Halsschmerzen, Ohrentzündungen verursacht durch die Erkältungsviren (Rhinoviren, Parainfluenzaviren u.a.). Die Washington Post (in Englisch) hat gerade einen Artikel veröffentlicht, dass im Süden der USA die „Erkältungen“ schon jetzt begonnen haben. In Baden-Württemberg sind wir nicht soweit. Die Wintersaison wird aber in diesem Jahr zwischen den Erkältungsviren, Grippeviren und Coronaviren anders aussehen als vor der Pandemie.

Nach langer Pause sind im Kreis Konstanz zwei Fälle von Mumps aufgetreten. Wegen der Pandemie sind in Baden-Württemberg in diesem Jahr bisher nur 7 Fälle bekannt geworden. Im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit 62. Andere ansteckende Krankheiten des Kindes- und Jugendlichenalters sind nicht auffällig.

Bei den Pollen bleibt alles beim Gleichen: Am Wochenende werden die Gräserpollen wieder zu einem Höhenflug antreten nach einer weitgehend verregneten Woche. Begleitet werden sie von den Pollen des Spitzwegerich.

Grillspieße Foto: pixabay, Paweł Szpiler

Mit den warmen Temperaturen gibt es am Wochenende wieder vermehrt Grillfeste. Für Kinder sind das wunderbare Gelegenheiten, sich draußen auszutoben. Kontakt zu Gräsern wird sicher dabei sein. Deswegen sollte am Abend der Körper auf Zecken untersucht werden. Keine Panik: Gerade die Übertragung der Borrelien dauert Stunden. Wenn Zecken erst am Abend entdeckt werden, kann also eine Infektion höchstwahrscheinlich verhindert werden. Weitere Informationen hier.

Was geht in der Welt rum? In Nicaragua sind im Laufe dieses Jahres bereits 20.365 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt, im letzten Jahr waren es insgesamt über 53.000 Betroffene. Mückenschutz ist die wichtigste Maßnahme, eine Ansteckung zu verhindern.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und genussvolles Wochenende, Ihr

Lyme-Borreliose

Die Zecken sind wieder unterwegs, auch wenn der kühle April und Mai ihre Aktivität noch etwas ausbremst. Besonders bedeutsam in unseren Breiten ist der gemeine Holzbock, wie die wichtigste Zecke Ixodes ricisnus im Deutschen genannt wird. Bei zweistelligen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist sie von März bis Oktober unterwegs. Die Häufigkeit der Borreliose (Diagnoseprävalenz) liegt laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) für das Jahr 2019 bei 429 je 100.000 Versicherte deutschlandweit. Regional sind erhebliche Unterschiede zu beobachten.

Der Zecke, dem gemeinen Holzbock, begegnen wir an vielen Orten: Im Garten unseres Hauses oder unserer Wohnanlage, in Stadtparks oder im Wald (Laub- und Mischwald) in Lagen unter 1500 Metern Höhe. In hohen Gräsern oder Büschen wartet die Zecke tagelang, bis ein Warmblüter – ob Vogel, Hund oder Mensch – vorbeikommt, um diesen zu befallen. Der Holzbock hat  keine Augen, sondern erkennt sein Objekt über Tasthaare und seine anderen Sinnesorgane am Atem, Geruch und der Körperwärme. Zecken warten also gezielt auf unser Kommen.

Amèdèe Borrel  Foto:https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b32000224/f67.item

Der Zeckenstich selbst ist kaum zu spüren. Nach dem Stich holt sich die Zecke ihre Blutmahlzeit. Dabei kann es sein, dass sie Erreger, die beispielsweise in ihrem Verdauungstrakt leben übertragen werden. Die bei weitem häufigste Übertragung betrifft die Borrelien. Das ist eine große Gruppe von schraubenförmigen Bakterien (Spirochäten), die nach dem Forscher Amédée Borrel benannt sind, der in Strasbourg gearbeitet hat. In Deutschland ist bislang Borrelia burgdorferi der häufigste Erreger der Borreliose. Zu einer Übertragung der Borrelien kommt es bei etwa einem von tausend Zeckenstichen. Der zweitwichtigste Zecken-Erreger bei uns ist ein Virus: Das Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis-Virus, kurz: FSME-Virus. Weitere Erreger spielen im Ländle eine untergeordnete Rolle.

Erythema migrans Foto: ptw

Die Borreliose tritt Tage bis wenige Wochen nach dem Zeckenstich als Hautveränderung an der Stichstelle auf. Dabei kommt es meistens zur sog. Wanderröte, dem Erythema migrans. Diese Ausschlag zeigt sich als Rötung mit kleinen Pünktchen (Maculae) um die Bissstelle, wobei die Größe über Tage zunimmt (immer mehr als 1 cm Durchmesser) und das Zentrum des Ausschlags blasser wird. Da die Rötung gelegentlich dezent ist oder sich an versteckten Stellen wir der Achsel befindet, wird das Erythema migrans oft kaum erkannt. Umso mehr, als der Ausschlag weder juckt noch schmerzt.

In diesem Stadium ist die Borreliose nahezu zu 100% und sehr einfach behandelbar. Hierfür stehen verschiedene Antibiotika bereit, die der Arzt je nach Alter des Patienten einsetzt.

Selten kann es statt der Wanderröte zu einem Borrelienlymphozytom kommen. Dabei treten schmerzlose Schwellungen meist an Ohr, der Brustwarze oder dem Hodensack auf. Diese werden oft erst nach Monaten erkannt.

Nach einer unerkannten Wanderröte oder einem unerkannten Borrelienlymphozytom kann es nach Wochen und Monaten zu einer Neuroborreliose kommen – die Krankheit hat dann das zentrale Nervensystem erreicht. Diese kann sich – abhängig vom Alter des Patienten – als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis) oder Gesichtslähmung (Facialisparese) zeigen. Beide Komplikationen kommen regelmäßig bei Kindern und Jugendlichen vor.

Noch später, teilweise nach Jahren, kann eine Lyme-Arthritis auftreten. Diese Entzündung von Gelenken tritt bei Kindern häufig einseitig am Kniegelenk auf und ist sehr schmerzhaft. Auch eine Entzündung am Herzen, Lyme-Karditis, ist möglich. Lyme ist übrigens ein Städtchen unweit von Boston mit etwas mehr als 2000 Einwohnern. Dort wurde der Zusammenhang zwischen der Gelenkentzündung und den Borrelien erstmals erkannt. Noch heute wird aus diesem Grund die Borreliose in den USA Lyme Disease (in Englisch) genannt.

Um eben diese schweren Verläufe am Gehirn (Neuroborreliose), Gelenk (Lyme-Arthritis) und an den Gelenken (Lyme-Arthritis) zu verhindern, ist die Vorbeugung (Prophylaxe) so wichtig:

Vermeidung der Borreliose

Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur:

  • eher helle Kleidung tragen (damit laufende Zecken bessererkannt werden können)
  • lockere, langärmelige Kleidung
  • Hosenbeine in die Socken stecken
  • ggf. Anwendung von DEET, Permethrin oder Icaridin (z.B. Autan© Insektenschutz-Spray Protection Plus Zeckenschutz)

Vorbeugende Anwendung von Antibiotika ist übertrieben und nicht angebracht. Auch das Meiden der Natur aus Angst vor Zecken ist nicht sinnvoll und beraubt Kinder wichtiger Erfahrungen in ihrer Umgebung.

Impfung?

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es bis heute nicht, wohl aber sicher wirksame Antibiotika. Bei der FSME ist es umgekehrt: Hier gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, aber eine gut wirksame Impfung

Frühzeitige Erkennung der Borreliose

Während der abendlichen Untersuchung auf Zecken am Körper, sollte auch auf die meist kreisrunden und zentral blassen Ausschläge der Wanderröte geachtet werden. Zur Übertragung der Borreliose muss das Blutsaugen der Zecke länger als 12 Stunden dauern. Eine FSME kann hingegen sofort bei Stich übertragen werden.

Entfernung der Zecke

Hierzu empfiehlt sich die Entfernung der Zecke direkt auf Hautniveau, z.B. mit einer Zeckenzange oder auch einer Pinzette. Alternativ gibt es die Streichelmethode, die ohne jegliches Werkzeug überall anwendbar ist. Geübte können damit Zecken in 90% aus ihrer Bisshaltung zu 90% „herauskitzeln“.

Was geht rum? 15. Mai 2021

Giftpflanzen: Das Maiglöckchen

Zecken: Übertragung von Borreliose und FSME

BioNTech/Pfizer-Impfstoff: Wie gut ist der Schutz vor Ansteckung?

Pollen und Viren (außer Corona) im Ruhemodus

Die Welt um uns herum ist jetzt saftig grün, alles sprießt, und einige Blumen wie die Tulpen sind an den meisten Orten schon verblüht. In den Wäldern zeigen sich jetzt die Maiglöckchen – filigrane weiße Glöckchen. Die echten Bärlauchanhänger können das Maiglöckchen einfach vom Bärlauch unterscheiden. Eltern sollten Kinder beim Pflücken jedoch unterstützen, damit sie auch später diese hübsche aber giftige Pflanze kennen. Weitere Informationen dazu hier.

Nicht nur im Wald, sondern eher in den Büschen an Wegesrändern und auch im eigenen Garten warten die Zecken auf Opfer. Erste Erkrankungen an FSME oder Borreliose sind bereits zu beobachten. Eltern sollten Ihre Kinder (und sich selbst) am Abend auf die Spinnentierchen hin untersuchen. Die Impfung gegen FSME macht für alle Menschen ab dem Schulalter Sinn, je nach individueller Belastung kann sie auch für Kleinkinder überlegt werden. In Baden-Württemberg ist sie ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Zur Zeckenentfernung empfiehlt sich die sanfte Streichelmethode.

Vermutlich noch im Mai können Jugendliche ab dem 12. Geburtstag auch gegen Corona geimpft werden. Hierfür zugelassen ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Aber wie gut ist seine Schutz-Wirkung? Eine Studie im JAMA (Journal of the American Medical Association), der medizinischen Zeitschrift der amerikanischen Ärzte hat hierzu 2.776 geimpfte Mitarbeiter des St Jude Children’s Research Hospital in Memphis (Tennessee) untersucht. Gegenüber den ungeimpften Kollegen zeigte sich, dass 7 Tage nach der zweiten Impfung gerade einmal 1 asymptomatische Infektion auftrat gegenüber 10 Infektionen bei den Ungeimpften (IRR = 0,10). Trotz weiterer Überwachung konnte sieben Tage nach der zweiten Impfung keine Infektion mit Symptomen mehr aufgedeckt werden.

Todesursachen unter 10 Millionen Kindern pro Jahr Foto: Susan Waserman et al., Journal of Allergy and Clinical Immunology, 147

Wie gefährlich ist eigentlich eine Nahrungsmittelallergie? Dazu gibt es aktuelle Informationen, die ein Internationales Forscherteam um Susan Waserman aus Hamilton (Canada) durch Sichtung aktueller Veröffentlichungen zusammengetragen hat. In Bezug auf die Nahrungsmittelallergie ist das Ergebnis halbwegs beruhigend – ein Todesfall pro 10 Millionen Kinder und Jahr. Erschreckend sind die Autounfälle (633 Todesfälle), Suizide (351) und  die Todesfälle durch Waffengewalt (112).

Die Pollenbelastung ist inzwischen momentan gering. Eher kühle Temperaturen und täglicher Regen vermasseln den Pollenflug. Gut für Allergiker.

Infektionen – außer den Coronainfektionen – sind im Moment fast bedeutungslos. Das betrifft auch alle Kinderkrankheiten und selbst die Windpocken, die sich eigentlich leicht („Wind“…) ausbreiten können. Lediglich Hantavirus-Infektionen sind sehr häufig, betreffen aber nur selten Kinder und Jugendliche. Also weiterhin: Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten.

h  Seychellen Foto: pixabay, Walkerssk

Was geht in der Welt rum? Natürlich das Coronavirus. Und es erreicht auch unsere Sehnsuchtsorte wie die Seychellen, bei denen wir Deutsche an türkisfarbenes Meer oder exotische Drinks denken. Vor Wochen erreichten die Seychellen bei der Durchimpfung einen Spitzenplatz. Von den 100.000 Einwohnern sind über 60 Prozent geimpft, davon 57% mit dem chinesischen Sinopharm und 43% mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Alles könnte gut sein. Nun kam es jedoch zu einer neuen Corona-Welle. Von den erkrankten Menschen waren 37% vollständig (mit 2 Dosen) geimpft. Unklar ist jedoch, welcher Impfstoff bei den Neuerkrankten verwandt wurde. Verglichen mit den Erfolgsmeldungen aus Israel sind die Zahlen erschreckend: Bezogen auf 1 Million Menschen erkrankten auf den Seychellen 2613 neu an Corona, in Israel jedoch nur 5 nach Angaben von Our World in Data.
Noch schnell ein tweet von @kono_HG
Kommunikation unter Eltern ist toll. Papa an ner unübersichtlichen Kreuzung:
„Kommt von rechts ein Auto?“
Mama: „Nein…“
Papa fährt an
Mama: „Aber ein Laster.“
An dem Tag habe ich viele neue Wörter gelernt. Und ich weiß seitdem, was eine Vollbremsung ist.
Bleiben Sie humorvoll und genießen Sie das Wochenende, herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

Was geht rum? 27. Juni 2020

Die Zecken freuen sich über die guten Lebensbedingungen. Ob es die Feuchtigkeit ist, die ihnen so gefällt, oder mehr Rehe in den Wäldern oder der recht milde Winter – wir wissen es nicht. Sicher ist nur, Scharen von Zecken sind unterwegs.

Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen nach Monat    Quelle: Epidemiologisches Bulletin, 2020

Hinzu kommt, dass wir Menschen bei angenehmeren Temperaturen eher nach draußen gehen. Und direkt vor unserer Haustüre treffen wir die kleinen Spinnentiere an. Denn diese kommen immer häufiger in unseren Gärten vor, wie die Forscherin Prof. Dr. Mackenstedt von der Universität Hohenheim betont: „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere.“ Und diese führen fast ganzjährig zur FSME, wie die Graphik zeigt. Übrigens, in Baden-Württemberg haben sich in der letzten Woche 18 Personen neu mit FSME infiziert. Aufs Jahr gesehen sind es bisher 76 Fälle, in 2019 waren es zur gleichen Zeit 49 Erkrankungen. Impfung in Erwägung ziehen.

Über die viel häufigere Borreliose gibt es leider keine verlässlichen Zahlen in Deutschland. Es wird vermutet, dass von 1000 Menschen jedes Jahr einer eine Borreliose durchmacht. Für die Borreliose gibt es bekanntermaßen keine Impfung, aber sehr wirkungsvolle Antibiotika.

Zur Vorbeugung von Zeckenstichen bieten sich für Kinder und Erwachsene Repellentien an. Einzelne werden als Anti-Zecken-Mittel angeboten, andere als Mückenschutz. Wirkstoffe sind DEET und Icaridin. Dazu gibt es auf dem Markt viele Hersteller. Eine gute Übersicht zeigt der Test der Stiftung WARENTEST vom Mai 2017 oder unser Beitrag über Insektenschutzmittel im praxisblättle. Ganz wichtig bleibt, die Kinder (und sich selbst) jeden Abend auf Zecken zu untersuchen. Täglich.

Pollenkonzentrationen der Gräser in Basel. Die graue Fläche zeigt den langjährigen Verlauf, die Balken den Pollenflug in diesem Jahr Quelle: pollenundallergie.ch

Die Gräserpollen scheinen andererseits in diesem Jahr gnädiger zu sein. Am Oberrhein liegen die Pollenkonzentrationen in diesem Jahr spürbar niedriger als sonst. Jahreszeitlich ist damit zu rechnen, dass die Belastung in den kommenden Wochen weiter abnimmt. Die schlimmste Zeit mit den Gräserpollen ist vorbei.

Ozonbelastung für Kehl am 26.06.2020 Quelle: UBA

Unter der kräftigen Sonne steigen die Ozon-Werte wieder. Ozon entsteht aus anderen Schadstoffen wie Stickoxiden (NO2) unter dem Eisfluss der intensiv strahlenden Sonne. Obwohl es in Städten am meisten gebildet wird, liegen seine Konzentrationen im ländlichen Regionen (eher in Stadtnähe) höher. Das liegt daran, dass Stickstoffmonoxid (NO), ein typisches Autogas, das Ozon abbaut. Ozon ist ein Reizgas und kann bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale zu vermehrten Beschwerden bis hin zum Asthmaanfall führen. Was ist gut? Keine körperliche Anstrengung im Freien bei starker Sonneneinstrahlung (12-18 Uhr). Eine praktische Hilfe ist die App zur Luftqualität vom Bundesumweltamt (siehe Beispiel links), die die aktuellen Ozon-Werte anzeigt und Prognosen wagt.

Windpocken sind die zur Zeit häufigste Kinderkrankheit im Ländle. Dennoch liegt die Zahl der neuen Infektionen um 50% niedriger als im letzten Jahr. Bei Keuchhusten – drei Erkrankungen letzte Woche – liegen die Zahlen fast 90% unter den üblichen Werten. Masern, Mumps und Röteln traten letzte Woche gar nicht auf. Beruhigende Informationen für Eltern.

Und fast vergessen: Weiterhin kaum Infekte. Nichts, auf was sich Eltern einstellen müssten.

Was geht in der Welt rum? Vor zwei Wochen haben wir hier von FSME-Erkrankungen durch Ziegenkäse in der Schweiz berichtet. Nun ist auch Frankreich betroffen. Dort sind in der Region Auvergne-Rhône-Alpes 28 Personen nach Verzehr von Rohmilchkäse (Ziege, Kuh) erkrankt.

Endlich ist Sommer. Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein sonniges und angenehmes Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

pet-the-tick (ptt): Zeckenentfernung durch Streicheln

Es ist Zeckenzeit. Wer aus der Haustüre tritt ist bereits in der Natur und kann mit Zecken nach Hause zurückkommen. Ab dem Verlassen des Hauses können wir Zecken begegnen. In der Hofeinfahrt, im kleinen Park bei der Straßenbahnhaltestelle oder in den Grünanlagen des Schwimmbads.

Zecken übertragen manche folgenschwere Krankheiten. Bei uns sind das die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis). Je länger die Zecke Zeit hat sich beim Menschen aufzuhalten, umso größer ist das Risiko der Ansteckung..

Die sofortige Entfernung von Zecken ist also wichtig. Für Panik und Hektik besteht jedoch keinerlei Anlass. Wenn also eine Zecke entdeckt wird, sollte das Vorgehen gut überlegt werden. Ein sofortiger Termin beim Arzt ist nicht erforderlich.

Die Entfernung sollte so schonend wie möglich erfolgen, um die Zecke nicht in den letzten Sekunden zu weiteren Bissen – und damit zur möglichen Übertragung weiterer Erreger – anzuregen. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Websites, die oft darstellen wie man es „richtig“ macht – wobei dieses Wort zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Nahezu alle dieser Methoden verlangen ein Werkzeug. Und allermeist hat der Betreiber der Webseite Gründe, warum er über dieses Thema schreibt. Denn rein zufällig, kommt ein direkter Hinweis, welches Werkzeug man verwenden sollte.

(1) Zecke über Bißstelle Quelle: ptw

An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorstellen, für deren Anwendung man nur einen seiner Finger benötigt + Zärtlichkeit + Geduld. Bislang ist diese Methode nirgends publiziert, aber bei einigen regionalen Kinder- und Jugendärzten jahrzehntelang im Einsatz. Die Erfolgsquote liegt über 80%. Erfolglos ist die Methode an einigen Körperstellen, über denen kreisende Bewegungen eines Fingers nicht möglich sind.

Die Streichelmethode – pet-the tick (ptt)

(2) Finger beim Streicheln Quelle: ptw

Diese Art Zecken zu entfernen verzichtet auf alle Hilfsmittel und kann somit jederzeit eingesetzt werden. Die jeweilige Zecke wird mit einem Finger entfernt. Dazu braucht es

  1. Zärtlichkeit. Die Zecke wird mit der Kuppe des rechten Zeigefingers (bei Linkshänder mit dem linken) mit kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei wird ein Druck von 10-20 Gramm ausgeübt und ein Kreis von etwa 5-8 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 120/min. Das klingt alles kompliziert, ist aber ganz enspannt und einfach durchzuführen. Der Druck ist also ganz gering. Die Zecke ist unter der Fingerkuppe beim Streicheln spürbar, sollte aber nie gesehen werden (als keine Neugierde). Man streichelt solange, bis die Zecke loslässt und als kleines Kügelchen zu spüren ist.
  2. Dazu braucht es Geduld. Gerade bei den ersten Anwendungen haben viele Zweifel, ob eine so „primitive Methode“ überhaupt wirken kann. Man wird unruhig, schaut unter den Finger, hört immer wieder auf. Damit dauert der Akt länger und Geduld ist gefragt. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es eine Zecke meist in 1-3 Minuten zum Loslassen zu bewegen. Wenn bei richtiger Technik nach 5 Minuten kein Erfolg kommt, sollte man aufgeben. Auch das kommt vor. Dann kann gelegentlich auch der Einsatz einer Zeckenzange erforderlich werden. 

(3) Die Zecke hat losgelassen Quelle: ptw

Die Zecke wird nach Entfernung entweder auf den Finger oder in der Umgebung der Bißstelle krabbeln. Sie wurde ja nicht zerstört. Man kann sie mit dem Finger oder einer Pinzette nehmen und beseitigen. Nicht sinnvoll ist es, sie im Garten auszusetzen, weil sie sonst in wenigen Tagen vielleicht wieder den Weg zurück zu ihrem Opfer findet.

 

Was ist nach erfolgreicher Entfernung zu unternehmen?

Mit der Streichelmethode wird die gesamte Zecke entfernt, es verbleibt kein Teil in der Haut. Dennoch ist eine einmalige Desinfektion der Bissstelle wichtig (z.B. mit Octenisept©) . Da die Zecke 2 Krankheiten übertragen kann, sind auch 2 Überlegungen wichtig:

  1. Borreliose. Die Einstichstelle sollte täglich zwei Wochen lang inspiziert werden. Eine kleine Rötung nach Zeckenbiss ist häufig und unproblematisch (sofern nach der Entfernung eine Desinfektion erfolgte – s.o.). Wenn sich aber eine kreisförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm ausbildet, sollte ein/e Kinder- und Jugendärzt/in aufgesucht werden. Dort wird untersucht, ob es sich um ein beginnendes Erythema migrans handelt.Das ist eine Form der Borreliose, die mit einem Antibiotikum sicher und einfach behandelt werden kann.
  2. FSME. Gegen die FSME hilft nur die Impfung. Ob eine Impfung des Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen sinnvoll ist, sollte mit der/m Kinder- und Jugendärzt/in  besprochen werden. Baden-Württemberg ist inzwischen in allen Landkreisen als Risikogebiet eingestuft und weist seit 2 Jahren die meisten FSME-Erkrankungen aller Bundesländer auf. Insofern ist die Impfung für die meisten Schulkinder und Jugendlichen sinnvoll.

Was geht rum? 21. März 2020

Inzwischen beherrscht uns das Coronavirus bereits seit mehr als zwei Monaten. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Den Verlauf der Erkrankung zeigt erschreckend deutlich diese interaktive Karte. Ihre Daten beruhen auf den gemeldeten und geprüften Fallzahlen des RKI (Robert Koch-Institut in Berlin). Innerhalb von 9 Tagen hat sich die Zahl der Erkrankungen in Baden-Württemberg mehr als verzehnfacht. Bezogen auf 100.000 Menschen von 2.5 (11. März) auf heute morgen 33.3 (21.März). Auch im Alltag ist zu spüren, dass sich viele Menschen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Das ist gut so, denn bekanntermaßen ist die soziale Distanz im Moment wichtig, um die Ausbreitung des COVID-19 zu bremsen: #SocialDistancing.

Für alle Eltern, die ihren Arbeitgeber noch überzeugen müssen, dass sie zuhause arbeiten können, gibt es zum home office einen kostenlosen Ratgeber „guide“ des Magazins t3n hier. Eine Möglichkeit, für die eigenen Kinder da zu sein und dennoch arbeiten zu können. Nicht immer einfach, aber …. immerhin.

Haben mein Kind oder ich uns mit dem Coronavirus angesteckt? Das fragen sich wohl einige Familien täglich. Das Problem ist, dass die Erkrankung nicht ganz so leicht zu erkennen ist. Die Symptome von COVID-19 kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Damit ist eine Diagnose nur über die Testung möglich. Im Einzelnen kann auftreten:

  • Fieber (bei etwa 90%)
  • Husten, meist als eher trockener Reizhusten (70%)
  • Durchfall (02 – 33%)
  • verstopfte Nase
  • Störungen des Riechens  

Es bleibt also das Problem, dass wir Erkrankte nicht erkennen können. Auch, weil manchmal fast keine Symptome vorliegen, aber dennoch eine Ansteckungsfähigkeit. Nach Informationen des RKI geht die Ansteckungsfähigkeit bis zu 7 Tage lang. Inzwischen hat eine Forschergruppe um Florian Krammer von der Icahn School of Medicin am Mount Sinai in New York einem Antikörpertest (Publikation in englischer Sprache) entwickelt. Mit dessen Hilfe kann im Serum eines Menschen nachgewiesen werden, ob COVID-19 durchgemacht wurde. Damit könnten Personen identifiziert werden, die bereits eine Abwehr gegen das neue Coronavirus aufweisen ohne dass sie spürbar diese Krankheit durchgemacht hätten.

Die aktuellen Erkrankungszahlen weltweit zeigt die bekannte Karte der Johns Hopkins University.

Zecke am Ohr. Klein, aber deswegen nicht harmlos. Quelle: ptw

Die warmen Tage der letzten Woche haben zwei weitere medizinische Belastungen aufleben lassen. Zum einen die Zecken. Sie sind wieder aktiv und verbreiten im Wesentlichen zwei Krankheiten. Da ist einmal die bakteriell bedingte Borreliose, die zunächst wenig Symptome macht und in dieser Phase unbedingt erkannt werden sollte. Dann lässt sie sich mit einem Antibiotikum vollständig behandeln. Zum anderen gibt es die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Sie wird durch Viren ausgelöst und ist nach Ausbruch nicht mehr (ursächlich) behandelbar. Andererseits gibt es eine gut wirksame Impfung, um sich davor zu schützen. Wer die noch nicht hat und sich gegen FSME wappnen möchte, sollte sich jetzt impfen lassen.

Birkenpollenflug am Oberrhein in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Die andere Entwicklung in der letzten Woche mit den traumhaften Temperaturen war die spürbare Zunahme des Pollenfluges. Die Pollen-Allergien sind zurück. Noch ist der Flug der Birkenpollen – bis auf die letzten 3 Tage – schwach. Daran wird sich auch in der ersten Hälfte der kommenden Woche nichts ändern. Sollten aber die Temperaturen wieder angenehme Werte um 20 Grad erreichen, wird sich für Birkenpollenallergiker einiges ändern. Wer also plant, seinem allergischen Kind ein Antihistaminikum zu geben, tut sich gut daran bald damit zu beginnen. Der Erfolg ist spürbar grösser, wenn die Therapie vor den ersten Beschwerden begonnen wird. Wann das ist, hängt natürlich vom Wohnort ab. Kinder am Kaiserstuhl werden bald Probleme bekommen. Wer in Freudenstadt lebt hat vermutlich noch wenige Wochen Zeit.

In afrikanischen Metropolen geht es eng her. Durch die Bedeutung der kleinen und großen Märkte als Versorgungszentren sind die Kontakte unter den Menschen deutlich häufiger als bei uns. Bleibt zu hoffen, dass das Coronavirus wenigstens dort fernbleibt. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? Angesichts der massiven Krise durch COVID-19 in Europa, sind Informationen über ferne Länder im Moment für Familien mit Kindern wenig bedeutsam. Reisen sind ohnehin untersagt. Dennoch beobachten wir auch die anderen Regionen in der Welt. So die Zentralafrikanische Republik, in der seit Jahresbeginn über 6600 Menschen – meist Kinder – an Masern erkrankt sind. Verstorben sind daran 108 Personen. Die Masern werden auch durch Viren verursacht. Gegen sie gibt es jedoch eine sehr gut wirksame Impfung, die bei uns leider nicht von allen genutzt wird. In Afrika steht diese aus Kostengründen oft nicht zur Verfügung. Dadurch sind gerade Kinder und Jugendliche auch den Masern hilflos ausgeliefert.

Sollte die Coronavirus-Pandemie in Afrika gleiche Ausmaße annehmen wie bei uns, werden wir noch ganz schreckliche Dinge – aus der Ferne – erleben. Ich fürchte, das wird in wenigen Wochen der Fall sein. Nachdem gestern die ersten drei (offiziellen) COVID-19-Fälle in Madagaskar gemeldet wurden, hat auch dort der Sturm auf Toilettenpapier und einige andere Artikel de täglichen Lebens eingesetzt. Dort gibt es einige wenige Supermärkte für die Wohlhabenden, in denen es also genauso abläuft wie bei uns.

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende genügend Gelassenheit, um die vielen beunruhigenden Meldungen zu verarbeiten. Schön, dass uns wenigstens die Natur täglich ein Stückchen mehr mit ihren Farben erfreut. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 13. Juli 2019

Nach den heißen Tagen im Juni hat der Sommer eine kurze Pause eingelegt. An den wenigen heißen Tagen im Juli bestand weiterhin eine starke Konzentration von Gräserpollen, die bei Regen und Kälte jedoch spürbar zurückging. Die Pollen von Spitzwegerich und Sauerampfer spielen hingegen eine untergeordnete Rolle.

Magen-Darm-Infektionen gibt es zu jeder Jahreszeit. Im Moment treten weiterhin Infektionen durch Rotaviren auf, die alle Altersgruppen betreffen. Gemeldet wurden in diesem Jahr bislang 1758 Erkrankungen in Baden-Württemberg (im Vorjahr waren es zu dieser Zeit 941). Ein Schutz ist kaum möglich, besteht das Risiko für eine Ansteckung doch bereits bevor Symptome auftreten. Im Übrigen spiegeln die gemeldeten Fälle nur einen verschwindenden Teil der Erkrankten wider, deren Zahl in Wirklichkeit eher das zehnfache betragen dürfte. Im Gegensatz zu den Rotaviren, sind die Salmonellen – eine bakterielle Erkrankung des Darmes – häufig nicht „ganz ohne“. In der vergangenen Woche stieg deren Häufigkeit um weitere 55 Fälle auf nun 630 Erkrankungen in diesem Jahr. Die Salmonellen-Erkrankung fällt in der Regel zunächst durch extreme Bauchkrämpfe sowie in der Folge grünlich-schleimige Stühle auf, die oft auch blutig sind. Betroffene sind meist abgeschlagen, bei Kleinkindern kann es bei Erbrechen und Durchfälle schnell zu Austrockungserscheinungen kommen. Vorbeugend sollte beachtet werden, dass Salmonellen häufig im Geflügel vorkommen. Bei dessen Zubereitung sollte eine strenge Hygiene eingehalten werden. Ebenfalls risikobehaftet ist nicht ordnungsgemäß gelagertes Speiseeis. Details wie man sich schützen kann beschreibt das Robert-Koch-Institut hier.

Bei den Atemwegserkrankungen sind seit einigen Wochen keine Besonderheiten zu beobachten. Sie gehen tendenziell weiter zurück. Vorwiegend sind es Enterovirus-Erkrankungen wie die Herpangina die auftreten.

Was geht in der Welt rum? Die Zecken übertragen nicht nur bei uns die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Diese Viren bzw. damit verwandte Viren treten auch im gesamten Osten Europas und in Asien auf. Dort wird die Hirnentzündung durch die nah verwandten RSSE (Russian-springsummer-encephalitis)- Viren ausgelöst. Besonders betroffen ist Russland und hier besonders stark die bewaldeten RSSE-Gürtel in Sibirien, dem Ural und Fernost. Andere Gebiete haben eine geringere Belastung an Viren. Aber selbst die  Region um Moskau ist ein RSSE-Endemiegebiet. Für alle Reisenden nach Russland ist insofern ein Impfschutz insofern dringend zu empfehlen. Die in Deutschland erhältliche FSME-Impfung ist auch gegen die RSSE-Viren wirksam.

Was geht rum? 13. April 2019

Eine unspektakuläre Woche geht zu Ende. Die Pollen hatten trotz kühler Temperaturen immer wieder Chancen ihre Power auszuspielen. Die Birkenpollen haben bereits die höheren Lagen erreicht, während am Oberrhein leicht geringere Werte als in der Vorwoche gemessen wurden. Inzwischen sind auch die ersten Gräserpollen – in geringem Umfang – in den Lüften  unterwegs.

Nach den vielen Atemwegserkrankungen des Winters haben jetzt die Magen-Darm-Infektionen an Bedeutung gewonnen. Die Rotavirus-Infektionen haben landesweit in der ersten Aprilwoche um 101 Neuerkrankungen auf zuletzt 656 Infektionen im laufenden Jahr (Vorjahr: 383) zugenommen. Das erstaunt nicht, da im jährlichen Rhythmus um diese Jahreszeit die Zahl der Rotavirus-Infektionen ihren Höhepunkt erreicht (siehe Abbildung 1). Die Rotaviren sind weltweit die häufigsten Erreger einer Darminfektion bei Säuglingen und Kleinkindern.

Trotz allem gibt es noch Luftwegsinfekte, ganz vereinzelt kommt sogar Influenza bei Kindern und Jugendlichen vor. Daneben Streptokokkeninfektionen und weiterhin einzelne Erkrankungen an Drei-Tage-Fieber. Insgesamt also ein bunter Reigen von Krankheiten, bei jedoch niedrigen Erkrankungszahlen.

Nach einigen kalten Tagen werden die Temperaturen ab Montag wieder anziehen. Das wird die Zecken flügge machen. In den kommenden Wochen ist es ratsam, Kinder abends auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt in den Nabel schauen, hinter die Ohren, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber hat weitere Urlaubsziele erreicht. Auf den Malediven wurden seit Jahresbeginn 1300 Infektionen registriert, auch in Singapur sind in diesem Jahr 2332 Menschen neu erkrankt. Und das, obwohl der Stadtstaat so viel Wert auf Sauberkeit legt. Die übertragenden Mücken hält es nicht davon ab, Menschen tagsüber zu stechen. Also auch hier: Mückenschutz ist immer auch tagsüber ratsam!

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!