Schlagwort: Eltern

Was geht rum? 17. April 2021

Schulschließungen wegen Corona?

Schwere Corona-Infektionen bei Kindern – PIMS

Corona-Todesfälle in den USA: oft Eltern von Kindern betroffen

viele Birkenpollen, mehr agile Zecken und nur wenig Viren

Coronainfektionen und Schule. Die Osterferien sind zu Ende und mit jedem Tag ist zu spüren, wie schnell sich die „britische Variante“ des Virus ausbreitet. Nach schmerzlichen Schulschließungen seit einem Jahr ist heute unklar, wie es mit den Schulen und KiTas ab Montag angesichts hoher Corona-Inzidenzen weitergehen kann. Sicher ist klar, dass in Schulen  Infektionen „rumgehen“. Tests würden helfen, sind vielerorts aber nicht angekommen. Wie der Schul-Alltag für Kinder und Jugendliche dennoch weitgehend normal – was ist das ? – weitergehen kann zeigt die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) zu dieser Frage. Prädikat: sehr lesenswert!

Stationäre Behandlung von Kindern wegen COVID-19 und PIMS (siehe Text) in Deutschland.
Foto: DGPI

Die dritte Corona-Welle bereitet Deutschland erhebliche Probleme. Die Kliniken melden, dass die Zahl der stationär behandelten Erwachsenen auf Intensivstationen rasant zunimmt. Diese hohen Zahlen gehen auch auf junge Erwachsene zurück, die zunehmend betroffen sind. Aber eben nicht die Kinder und Jugendlichen. Das unterscheidet die zweite Welle von der dritten Welle (obenstehende Graphik). Auch die Zahl der sehr schweren kindlichen Verläufe mit PIMS* bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau.    *Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome: PIMS. Das ist der neue Name für die bedrohliche Corona-Komplikation, die dem sog. Kawasaki-Syndrom in vieler Hinsicht ähnelt und von der wir im praxisblättle bereits Mitte Mai 2020 berichteten. Manchmal wird auch der Begriff Multisystem Inflammatory Syndrome in Children: MIS-C verwendet. 

Die Diskussion um Todesfälle nach Impfungen läuft weiter. Bis zum 2. April sind in Deutschland nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts insgesamt rund 14,38 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Gemeldet wurden 407 Todesfälle „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ bei Menschen im Alter zwischen 24 und 102 Jahren. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Dabei gilt es zu unterscheiden, ob diese Todesfälle mit der Impfung im Zusammenhang stehen oder mit anderen Umständen. So liegt das Risiko für eine aseptische Sinus-Venen-Thrombose (SVT) bei 3-5/ 1 Million Personen und Jahr, wobei mindestens 50% davon durch Antikonzeptiva („die Pille“) verursacht werden. Wenn jetzt, wie aus den USA berichtet 6 Fälle nach 7 Millionen Impfungen mit dem Johnson&Johnson-Impfstoff auftraten, muss geklärt werden, welchen Ursachen die einzelnen Erkrankungen zugeordnet werden können. Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Corona-Impfung in jedem Fall weniger SVT-Nebenwirkungen hat als „die Pille“. Warten wir die Ergebnisse ab und halten es wie Voltaire: „Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

 

Fast alles, was in den USA populär wurde kam bald darauf auf bei uns in Europa an. Deswegen zeigen wir hier (Video 1:13 ohne Sprachinformationen), was vielleicht schon bald Realität wird: Ein Selbst-Test auf das Coronavirus, der rezeptfrei bezogen werden kann und zur Anwendung ab dem Alter von 2 Jahren (Bis zum Alter von 13 Jahren Durchführung durch Erwachsene) zugelassen ist. Dabei handelt es sich um einen molekularen Test, dessen Ergebnisse der Qualität eines PCR-Tests deutlich näher kommt als die üblichen Schnelltests. Leider gilt das auch für den Preis, der mit 55 USD (etwa 46 €) sehr stattlich ist.

Nach recht erfolgreicher Impfung vieler Menschen über 80 Jahre betreffen schwere COVID-19-Infektionen in der dritten Welle oftmals Menschen mittleren Alters. Das sind dann auch Eltern, die erkranken sind und teilweise an ihrer Coronainfektion sterben. Aus den USA gibt es eine aktuelle Untersuchung die schätzt, dass 40.000 Kinder einen Elternteil im Rahmen einer COVID-19-Erkankung verloren haben. Die Studie schätzt, dass 1 unter 13 Corona-Todesfällen in den USA ein Kind unter 18 Jahre betraf, das ein Elternteil verlor. Die betroffenen Kinder brauchen gerade in den Pandemiezeiten mit Ausgangsbeschränkungen die Unterstützung Ihrer Umgebung (Freunde, erweiterte Familie, Therapeuten) mehr als sonst.

Birkenpollenflug letzte Woche am Bodensee. Die graue Fläche zeigt die Pollenbelastung der letzten Jahre, die schwarzen Balken die aktuellen täglichen Werte Foto: pollenundallergie.ch

Nach frostigen Nächten steigen die Temperaturen täglich an und mit ihnen die Belastung mit Birkenpollen. Nach den tiefsten Lagen (Oberrhein) sind nun auch mittlere Lagen betroffen wie die Bodenseeregion.

Hochrisikogebiete für das FSME-Virus mit Bezug auf die Erkrankungen zwischen 2002 und 2020. Foto: modifiziert nach RKI

Mit Ausnahme des Stadtkreises Heilbronn sind alle Landkreise in Baden-Württemberg vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete für FSME eingestuft. Mit den ansteigenden Temperaturen werden auch die Zecken wieder agil und verbreiten zwei bedeutsame Erkrankungen: die FSME und die Borreliose. Abendliche Zeckenkontrolle sollte für die kommenden Monate zum Ritual werden.

Nach zwei Wochen Schulferien kreisen kaum mehr Infekte unter Kindern und Jugendlichen – abgesehen vom Coronavirus, das sich gerade in diesen Altersgruppen weiter ausbreitet, wenngleich zumeist ohne Symptome. Die Ausbreitung des Hantavirus ist jedoch heftig: Seit Jahresbeginn 269 Infektionen – im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit nur 17. Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten. Kinder sind eher selten betroffen. Keuchhusten kommt zur Zeit selten vor – ein Zehntel der Fälle des letzten Jahres, ebenso Masern oder Mumps. Windpocken sind – wie der Name schon sagt – leicht über die Lüfte ansteckend. Trotzdem treten auch hier nur ein Drittel der sonst üblichen Infektionszahlen auf.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal geht es um die Tollwut. Sie kommt in vielen Ländern vor, in die deutsche Urlauber vor der Coronapandemie gerne reisten. So zum Beispiel Südafrika. Dort verstarb im Februar ein 2-jähriger Junge an einer Tollwutinfektion und im März nun ein 7-Jähriger. Beide waren nach einem Hundebiss erkrankt. Die Tollwut kann unsere Kinder im Urlaub prinzipiell erreichen. Und sie kommt überwiegend mit Hunden.

Freuen Sie sich mit mir auf ansteigende Temperaturen und viele blühende Hoffnungsschimmer für einen kommenden Sommer. Ganz herzlich, Ihr

Körperliche Aktivität von Kindern

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Themen, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. Nur bei wenigen Kindern stehen Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität immer in einem guten Gleichgewicht. Das Angebot an Essen ist enorm und das zu günstigen Preisen. Und die Verführung wird von der Industrie hoch gehalten, in dem immer neue Produkte zum Verzehr einladen. Diese sind oft recht fett (Fett vermittelt besseren Geschmack) oder süß. Und meist beides zusammen.

Auf der anderen Seite werden Kinder und Jugendliche an Bildschirmen aller Art gehalten. Ob das nun Filme zur guten Unterhaltung sind, Chat-Räume um sich mit Freunden auszutauschen oder Spiele, die Geschicklichkeit verlangen – allesamt binden sie an ein Gerät und halten die jungen Menschen von der Lust an Bewegung ab. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Kindern keinen Schulweg mehr „zumuten“ wollen. Zumindest nicht wenn es regnet, wenn es schneit oder heiß ist. Also fast immer.

Soviel Mathematik muss schon sein: Kalorienreiches Essen + weniger Bewegung = mehr Gewicht.

In Deutschland hat die KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wichtige Daten zu diesem Themenbereich beigetragen.

Abbildung 1. KIGGS-Studie. Kinder und Jugendliche, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind (Prozentanteile an der gleichaltrigen Bevölkerung). Daten von 2014-2015 . Foto: Robert-Koch-Institut, Studie KIGGS Welle 2

Besonders auffällig ist, wie wenig sich Kinder bewegen. Selbst bei Vorschulkindern ist gerade mal jeder zweite Junge mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv. Bei den Mädchen sind es 10% weniger. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt geht die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter zurück – und dies besonders bei den Mädchen. Als Jugendliche bewegen sich weniger als 10% der Mädchen noch regelmäßig.

Es dürfte schwierig sein, einen Jugendlichen mit Argumenten zu körperlicher Aktivität anzuregen. Die Chance gibt es ganz früh. Eltern sollten ab Geburt körperliche Aktivität vorleben. Das kann zunächst der Sonntagsspaziergang mit den Großeltern sein (peinlich?) oder ein Waldspaziergang mit dem Kinderwagen. Später gehen die Eltern mit dem Kind zu Fuß in den Kindergarten und zeigen, dass der Regen einen besonderen Reiz hat. Auf diese Art übernehmen die Kinder irgendwann dieses Vorbild. Mag sein erst 20 Jahre später. Aber immerhin.