Schlagwort: Gebärmutterhalskrebs

Erster direkter Nachweis: HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs

Es ist seit Jahrzehnten belegt, dass das humane Papilloma Virus – kurz HPV – die wichtigste Ursache für das Cervixkarzinom („Gebärmutterhalskrebs“) darstellt. Dass eine Impfung gegen die verschiedenen HP-Viren sinnvoll sein würde, war schon lange belegt. In einem früheren praxisblättle haben wir darüber berichtet.

Schwieriger war es, eine direkte Schutzwirkung der Impfung gegen diese Krebsart zu belegen. Denn zwischen dem Kontakt mit dem Virus im Alltag (meist sexuell) und der Entstehung der Krebserkrankungen können Jahrzehnte liegen. In einer schwedischen Studie konnte nun eine Forschergruppe um Jiayao Lei vom Karolinska Institut in Stockholm erstmals zeigen, dass die Impfung in der Lage ist, das Entstehen des Gebärmutterhalskrebses zu verhindern. Das war möglich, weil in Schweden drei sich ergänzende Register zum Thema Impfen existieren, die eine genaue Analyse der Daten von weit über 1 Million Frauen ermöglichten.

Die Studie bezieht sich auf Frauen, die ab 2007 mit einem Impfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 (Gardasil© – inzwischen enthält dieser Impfstoff 9 HPV-Typen) geimpft wurden. Das sind die 4 wesentlichen HPV-Virustypen, die als onkogen (krebsverursachend) gelten. Die Daten wurden mit denen der nicht geimpften Frauen in Bezug auf das Auftreten des Gebärmutterhalskrebses verglichen. Dabei haben die Wissenschaftler auch andere Aspekte berücksichtigt. So könnte es durchaus sein, das gesundheitsbewusste Frauen sich eher impfen lassen und sich auch durch Kondome eher vor der sexuell übertragbaren Erkrankung schützen. Diese Faktoren wurden statistisch herausgearbeitet.

Als Maß für die Wirkung verwendeten die Forscher die alters-adjustierte relative Inzidenzrate (IRR). Die lag für alle geimpften Frauen gemeinsam bei 0,37. Das bedeutet, dass das Risiko für die geimpften Frauen  an dieser Krebsart zu erkranken um 63% niedriger lag. Für die Frauen, die sich vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen lag das Risiko sogar 88% niedriger (IRR 0,12).

Dass die HPV-Impfung das Wachstum von Genitalwarzen bremsen kann war lange klar. Ebenso, dass Krebsvorstufen entstehen. Mit dieser schwedischen Studie ist nun erstmals der wichtigste Beweis gelungen: die HPV-Impfung schützt effektiv gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Sie zeigt aber auch: Der Schutz ist nicht 100%-ig– Das wird bei den vielen Typen an HP-Viren wohl auch nicht gelingen. Insofern ist es für alle Frauen wichtig, weiterhin die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

HPV-Impfung: Was passiert in Ländern ohne diese Impfung?

Die Gebärmutterhalskrebsimpfung gibt es in Deutschland nun schon seit Jahren. Der Name ist für die meisten Menschen unaussprechlich und medizinisch auch nicht korrekt. Einfacher und besser ist es, von der HPV-Impfung zu sprechen.

Die HP-Viren sind die Ursache für den Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Zervixkarzinom). Diese Form des Krebses kommt weltweit vor, zeigt aber je nach Land deutliche Unterschiede in der Häufigkeit. Das wurde in einer ausführlichen Publikation von Marc Arbyn und Mitarbeitern (Belgien, Spanien, USA, Frankreich) nochmals deutlich. Die Unterschiede im Auftreten haben mit vielen Faktoren zu tun. Ganz besonders wichtig sind jedoch der Zugang zu Früherkennungsprogrammen (Vorsorge) und den nicht billigen Impfungen (HPV-Impfung). Dementsprechend entspricht die Weltkarte in etwa auch der Verteilung von Armut und Reichtum.

Häufigkeit in verschiedenen Ländern an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Angegeben ist die Zahl der Erkrankungen pro 100.000 Frauen-Jahre Foto: Lancet

Es verwundert daher nicht, dass in den 42 Ländern mit niedrigem Einkommen das Zervixkarzinom die häufigste Krebs-Todesursache bei Frauen darstellt. Weltweit wurde diese Diagnose im letzten Jahr bei 570.000 Frauen gestellt, von denen 311.000 daran starben. Am häufigsten ist das frühere Swasiland (heute Eswatini) betroffen, wo 6.5% aller Frauen vor dem 75. Lebensjahr daran erkrankten. In Finnland hingegen erkrankten unter den 2.8 Millionen Frauen gerade 182, von denen 64 Frauen starben.

In Deutschland haben wir ein gut etabliertes Früherkennungsprogramm, um diese Form des Krebes gezielt aufzudecken. Das betrifft etwa 4000 Frauen jährlich. Insgesamt treten pro Jahr aber 7700 Krebserkrankungen auf, die durch das HP-Virus ausgelöst werden (es gibt weitere neben dem Zervixkarzinom). Gegen alle diese Krankheiten wäre die seit über 10 Jahren angebotene HPV-Impfung gut wirksam.

Leider sind die Impfquoten in Deutschland für HPV noch enttäuschend. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) strebt eine Impfquote von 70% an. Bei der letzten Untersuchung deutschlandweit im Jahre 2015 waren jedoch nur 31.3% der Zielgruppe geimpft. Dabei schnitt Sachsen-Anhalt mit 56.7% am besten ab.

Es bleibt also noch manches zu tun, um den Krebs des Gebärmutterhalses effektiver die Stirn zu bieten. Die Impfung gegen HPV wird inzwischen Mädchen und Jungen ab dem 9. Lebensjahr angeboten und wird von den Krankenkassen voll übernommen.

Newsletter praxisblättle. Foto: ptw

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HPV Impf-Faktenblatt des RKI – Informationen nicht nur zum Gebärmutterhalskrebs

Impfmüdigkeit ist ein Thema, das seit Monaten die Gemüter bewegt. Dabei werden manchmal Gräben – Impfpflicht oder lieber doch nicht – aufgeworfen, die so nicht unbedingt hilfreich sind. Meine Erfahrung war immer, dass echte Impfgegner sehr selten sind. Viel häufiger bin ich Eltern begegnet, die einfach viele Fragen hatten und durch Informationen im Internet häufig mehr verwirrt wurden, als dass sie Hilfe gefunden hätten.

Es fällt auf, dass im Internet nahezu alle Graphiken zum Thema Impfen von Impf-Skeptikern erstellt wurden. Diese sind meist durch Verzerrung der Skalen so aufbereitet, dass sie dem Ziel der Verwirrung dienlich sind. So ist es bis heute fast nicht möglich, gut fundierte Zahlen interessierten Menschen zu zeigen. Bisher bleib also immer die Frage, warum gute Wissenschaftler ihre Informationen nicht so aufarbeiten, dass sie auch ein Laie schnell und bildlich angenehm verstehen kann? Wäre das nicht eine Aufgabe, die gut besetzte staatliche Behörden übernehmen könnten?

Da ist es eine erfreuliche Überraschung, dass sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin der Aufgabe gestellt hat, ein knappes, aber informatives Faktenblatt zu einer Impfung zu erstellen. Das erste! Das Faktenblatt-HPV informiert schnörkellos und wissenschaftlich gut begründet über die Infektionen mit HPV, ihre Folgen (wie Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome) und die Impfung gegen die Erkrankung.

Ein guter Anfang!