Schlagwort: Keuchhusten

Was geht rum? 27. März 2021

Tests: Spucktests im Kanton Basel-Land

Maske: Wie kann sie wieder keimfrei werden?

Impfung: ab 7. April in der Hausarztpraxis

Pollen: kurze Verschnaufpause

Spucktests im Kanton Basel-Landschaft (BL). Quelle: baselland.ch

Mehrere Schweizer Kantone machen es vor: Mit Corona-Spucktest (auf PCR-Basis) testen sie Schulen und Unternehmen, um frühzeitig symptomlose Infizierte zu erkennen. Der Kanton Basel-Landschaft ist einer dieser aktiven Kantone, die wöchentlich 50.000 Menschen testen. Ein guter, aber nicht ganz billiger Weg, um trotz hoher Infektionsraten in Schulen die Klassen weiter offen lassen zu können. Für Politiker aus Baden-Württemberg: Schaut mal in die Schweiz. Oder wie es dort heißt: Chume und luegä!

Müdigkeit. Quelle: pixabay, PublicDomainPictures

Dass eine Coronainfektion (COVID-19) nicht immer folgenlos abheilt ist bekannt. Dieser Zustand nach der akuten Erkrankung, der noch etwas schwer fassbar ist, hat nun einen Namen: Post Acute Sequelae of COVID-19 (PASC). In einer Studie hierzu berichten 51% der untersuchten Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt, dass sie zumindest eines der folgenden Symptome noch nach vier Monaten hatten: Müdigkeit (31%), kognitive Symptome (21%) und eine neu aufgetretene Atemnot (16%). Auch Kinder und Jugendliche sind in Einzelfällen betroffen. So stellt Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg fest: „Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen“.

Maske bei Kindern. Quelle: pixabay, René Bittner

Masken. Wie können sie von Viren entseucht (dekontaminiert) werden? Dazu liegt ein rückblickende Untersuchung (review) vor, in dem die Ergebnisse von 42 Studien zusammengefasst sind. Wirksam sind: UV-Strahlung zur Keimabtötung, feuchte Hitze und Mikrowellen-Dampf-Aufarbeitung als effektive Maßnahmen.

Impfungen. Wie kompliziert kann man dieses Thema eigentlich behandeln? Wir sollten unseren Sinn für Gerechtigkeit bremsen. Die Impfempfehlungen sind gut, der Umgang damit ernüchtert. Manche sind halt „gleicher“: diverse Bürgermeister, manche Landräte und ein Bischof. Da kommt von Prof. Drosten der Vorschlag, dass „der Schalter für die Hausärzte umgelegt“ werden soll. „Man kennt seine Pappenheimer als Hausarzt. Dieser menschliche Faktor wird im Moment nicht genutzt.“ Stimmt!

Inzwischen habe ich so viele Impfungen im Fernsehen gesehen, dass ich überzeugt bin inzwischen optisch immun zu sein. Auch gegen die schreckliche Impftechnik, die über den TV-Bildschirm flackert, angefangen von minutenlangen Injektionen bis zur verbogenen Impfnadel bei einem geduldigen Erwachsenen. Noch ein Argument mehr, die Kinder- und Hausärzte für die Coronaimpfungen einzusetzen. Solch einfache technische Dinge beherrschen sie klar. Ab dem 7. April soll es nach Angaben der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung (KBV) soweit sein, dass Impfstoffe in der Hausarztpraxis bereitliegen.

Weitere aktuelle Details zu den Impfungen finden Sie hier, auf einer Seite des Robert-Koch-Instituts und des Bundes-Gesundheitsministeriums.

Letzte Haselblüten im Schwarzwald. Quelle: ptw

Der Frühling kommt doch noch. Hasel- und Erlenpollen gibt’s nur noch in höheren Lagen, jetzt machen sich die Eschenpollen (+ die Pollen von Pappeln, Weiden und Ulmen) bereit. Allergien gegen diese Pollenart sind jedoch selten. Heikel wird es wohl über Ostern. Dann ist mit dem Birkenpollenflug zu rechnen.

Infektionen – außer mit dem SARS-CoV-2 – bleiben weiterhin selten. Wie in der Vorwoche traten auch in dieser Woche Fälle von Keuchhusten auf. Aber deren Zahl liegt bei einem Zehntel der Fälle des letzten Jahres. Masern oder Mumps traten überhaupt nicht auf. Auch die Rotaviren kommen nur selten vor.

Was geht in der Welt rum? Auch wenn viele Kinderkrankheiten in Deutschland seit der Corona-Pandemie spürbar seltener vorkommen: Neben einer Pandemie kann zusätzlich auch eine Epidemie auftreten. So in Peru, wo das Dengue-Fieber seit Wochen um sich greift. Inzwischen sind 3.176 Infektionen und 6 Todesfälle bestätigt. Parallel hat COVID-19 bereits zu mehr als 50.000 Todesfällen geführt. Damit liegt die Tödlichkeit dieser Erkrankung um 60% höher als bei uns.

Genießen Sie das frühlingshaftes Wochenende.

Ganz herzlich, Ihr

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

Was geht rum? 06. März 2021

Fact Sheet: Was wissen wir inzwischen über die Coronainfektion?

Coronaimpfungen: Was können sie leisten? 

Schulöffnungen: Wie breitet sich das Coronavirus aus?

Aktuell: Pollen + Hantavirus + Zecken

Vor einem Jahr wurde es für mich plötzlich ganz hektisch. Am 11. März sollte der Kongress der amerikanischen Allergologen in Philadelphia beginnen. Zwei Tage zuvor trudelte die Absage ein. Hektisch blieb auch der Alltag für viele Menschen seither, hektisch aber auch die Versuche der Politik, die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus umzusetzen. Dass einzelne Läden nun weiter öffnen dürfen ist verständlich. Warum aber KiTas und Schulen nicht schneller zum kontrollierten Normalbetrieb wechseln, bleibt unverständlich. Das sollte weiter die wichtigste Maßnahme sein.

Nach einem Jahr liegen bereits gute Informationen über COVID-19, die Coronainfektion, vor. Eine ganz hervorragende Publikation kommt von der European Respiratory Society (ERS), der europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen. In ihren Fact Sheet (in Deutsch) ist das aktuelle Wissen verständlich zusammengefasst. Wenn Sie andere Sprachen sprechen: Hier ist die Möglichkeit zwischen den Fact Sheets von 22 Sprachen fündig zu werden.

Impfungen gegen das SARS-CoV-2 wirken gut, das ist bekannt. Wie gut, zeigt eine Studie von Noa Dogan und KollegInnen vom Clalit Research Institute aus Israel betreffend den BioNTech/ Pfizer-Impfstoff. Dort wurde die Effektivität des Impfstoffs nach der ersten bzw. zweiten Dosis bei hast 600.000 Menschen im Rahmen der Impfkampagne überprüft. Bereits 14-20 Tage nach der ersten Dosis trat ein Schutz vor jeglicher Infektion bei 47% ein, der Schutz vor einer Klinikbehandlung lag bei 74%. Deutlich besser waren die Schutzraten dann 7 Tage nach der zweiten Impfung: Dann waren 92% vor jeglicher Infektion geschützt und das Risiko der Geimpften wegen COVID-19 stationär behandelt zu werden war um 86% verringert. Am wichtigsten ist, dass 92% aller schweren Verläufe verhindert wurden. Resultat: Ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland haben wir schon seit 2 Monaten einen Impfstoff von höchster Qualität. Dass wir im Gerechtigkeitswahn die Verteilung der Impfung nicht zügig umsetzen können, ist eine beschämende Nebenwirkung.

Neun Corona-Cluster (A-I) in einer Schule. BLAU Index-Fälle, also die Personen, von den die Krankheit weitergegeben wurde; SCHWARZ Fälle, die die Schule betreffen. Quelle: CDC

Schulen sind wieder offen, aber nicht so richtig. Klar ist, Schulen können in der Pandemie keine infektionsfreien Räume sein. Das zeigt auch eine Studie (in Englisch) von Jeremy AW Gold und Mitarbeiter, die kürzlich von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Sie macht insbesondere die wichtige Rolle von Lehrern bei der Verbreitung des Virus deutlich. Und weil das so ist und sich in der Schule Menschen aus Hunderten von Haushalten treffen, sind engmaschige Kontrollen wichtig. Wie das gehen könnte, zeigt das TRACE-Modell. Im Zentrum stehen hier die Schnellteste. Was ebenso wichtig ist, sind die Impfungen der Lehrer. Für Schüler unter 16 Jahren steht diese Möglichkeit bislang ja nicht zur Verfügung. Antigentests zur Eigenanwendung (kurz Selbsttests) sind eine weitere Möglichkeit, um noch schneller infektiöse Personen zu erfassen. Vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene Tests finden Sie hier. In den kommenden Tagen sollen diese Selbsttests in Supermärkten verfügbar sein. ALDI beginnt schon heute mit dem Verkauf, der Preis soll für 5 Tests 24,99 Euro betragen (inzwischen bereits ausverkauft!; Online auch bei LILD für 21,99 Euro, momentan ebenso ausverkauft). Wie bei allen Schnelltests, ist auch dieser recht zuverlässig um Infizierte zu erkennen (gute Aussage für positive Tests – sog. Sensitivität). Die  negativen Testergebnisse (Spezifität) sind andererseits sehr ungenau.

Die Pollen von Hasel und Erle fliegen überall im Lande. Ihre Konzentration wird in den höheren Lagen eher zunehmen. Eltern allergischer Kinder sollten eine ärztlich verordnete Dauertherapie fortsetzen, auch wenn vereinzelt Schneeflocken zu sehen sind und die Symptome mal geringer ausfallen. Das Tragen von Masken ist übrigens auch zum Schutz vor Pollen sehr sinnvoll. Sowohl die FFP2-Masken wie auch die chirurgischen Masken sind hierbei wirksam. Feuchte Masken helfen hingegen nicht. Wer nießen musste, sollte seine Maske also wechseln. Damit das nicht so oft nötig wird, sind antiallergische Medikamente als Basistherapie weiterhin sinnvoll. Auch Kleinkinder können ohne Einschränkung Maske tragen, wie eine italienische Untersuchung bestätigt.

Hantavirus-Infektionen nehmen seit wenigen Wochen in Baden-Württemberg stark zu. Bislang kam es zu 81 Erkrankungen. Alleine in der letzten Woche waren es 13 – ebenso viele wie im gesamten Vorjahreszeitraum. Die Übertragung erfolgt durch Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) von Rötelmäusen oder auch Maulwürfen, sei es durch Inhalation (Aerosol in staubigen Scheunen) oder seltener auch durch kleine Hautverletzungen. Es erkranken vorwiegend Männer, sehr selten auch Kinder. Sicherheitshalber sollten Kinder trotzdem nicht dabei sein, wenn Speicher oder Gartenhäuser ausgeräumt werden.

Weiterhin spielen Infektionen (außer durch SARS-VoV-2) für Kinder und jugendliche kaum eine Rolle. Ein einziger Fall von Keuchhusten in Waldshut, 50 Erkrankungen an Windpocken (etwa die Hälfte des „Üblichen“). Aber die Zecken im Ländle warten schon. Nach Aufenthalt draußen, sollten Eltern ihre Kinder am Abend auf die kleinen Spinnentiere hin untersuchen. Und sich bereits jetzt überlegen, ob sie eine Impfung ihrer Kinder (und von sich selbst?) gegen FSME möchten. Eine Impfung ist jederzeit möglich, aber halt immer am wirkungsvollsten, bevor sich die Zecken auf Tour begeben. Keine Panik wenn die erste Zecke auf der Haut Ihrer Kinder krabbeln: Wie Sie Zecken sanft entfernen können, lesen Sie hier.

Was geht in der Welt rum? Neben den verschiedenen regionalen Ausbrüchen des Dengue-Fiebers fällt diese Woche eine Nachricht besonders auf: Salvador ist malaria-frei. Vor zwei Jahren konnten Algerien und Argentinien dies ebenso vermelden, wie 2015 das Traumziel deutscher Touristen, die Malediven. Eine kleine Freude, auch wenn unsere Reiseziele erstmals nahe an unserer Haustüre bleiben werden.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 13. Februar 2021

Lebende Leitlinie“: SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen

Impfschutz gegen Virusmutanten: wenige, aber ermutigende Daten

Pollensaison startet am Oberrhein und Bodensee

Baden-Württemberg: Wenig Infektionen. Wenig Keuchhusten, keine Masern

China: Geburtenrückgang um 15%

Steht bei Ihnen zuhause neben der Zahnbürste auch schon das Wattestäbchen für den Schnelltest? Das wäre vielleicht hilfreich. Viele Tests – das wird gerne übersehen – ersetzen aber nicht die Maßnahmen, um Viren fernzuhalten. Um Abstand ……. na ja, Sie wissen schon.

Schulen und KiTas aufmachen? Wenn’s ums seelische Wohl der Kinder geht am besten schon gestern. Aber ist das virologisch sinnvoll? Wenn sich die Mehrheit der Erwachsenen bei Kontakten zurückhalten würde, könnten wir uns offene KiTas und Grundschulen sicher leisten – weniger Virus bei den Erwachsenen, vielleicht etwas mehr bei Kindern. Immerhin gibt es nach dem ersten Jahr der Coronapandemie nun eine Leitlinie „Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen“. Darin sind die Ergebnisse der Studien zu dieser eminent wichtigen Frage zusammengetragen. An der Erstellung des Papiers sind viele Verbände beteiligt, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) und das Robert-Koch-Institut (RKI). Was besonders gut ist: Diese lebende Leitlinie wird laufend angepasst werden.

Homeoffice. Das machen heute ja alle. Wenigstens gefühlt alle: Schön unabhängig von zuhause arbeiten, unter dem perfekten Jackett die geliebte Jogginghose. Und ein guter Kaffee ist auch immer zur Hand.

Offensichtlich hat der Trend des Homeoffice inzwischen auch die Tramfahrer erreicht wie das nebenstehende Bild zeigt. Dürfen Tramfahrer bei der Arbeit Jogginghosen tragen?

Wie steht es um die Wirksamkeit der Corona-Impfungen bei der Abwehr von mutierten SARS-CoV-2? Dazu gibt es bislang zwei Informationen. Die erste kommt aus Südafrika. Dort hat eine Studie der Universitäten Oxford und Witwatersrand eine geringe Schutzwirkung des Impfstoffes von AstraZeneca gegen die südafrikanische Mutante B.1.351 belegt. Eine andere Studie untersuchte – im Labor ! – die Schutzwirkung des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer gegen die gleiche Variante. Dabei fanden die Forscher um Nathaniel Landau aus New York eine gegenüber dem „normalen“ Coronavirus abgeschwächte Wirkung des Impfstoffes. Die Impfung war jedoch deutlich besser wirksam, als die Antikörper nach einer durchgemachten Impfung. Diese Daten müssen nun noch im klinischen Alltag geprüft werden, machen aber Mut.

Flug der Haselpollen am Oberrhein (Basel) in der letzten Woche. Quelle: pollenflug.ch

Letzte Woche scheint schon lange her. Wo in dieser Woche die Schneeflocken vom Winde verweht werden, waren es zuvor die Pollen von Erle und Hasel. Der Wechsel von Frühjahr zum Winter war beeindruckend. Nach den Vorhersagen der Meteorologen können sich Pollenallergiker bis Anfang nächster Woche sicher fühlen. Die Kälte bleibt erstmal.

Aktuell gibt es wenig Infektionen, wenn man von Coronaerkrankungen absieht. Das Rhinovirus beschert den Menschen aber weiterhin leichten Schnupfen, die Grippe (Influenza) scheint in diesem Winter auszufallen. Keuchhusten trat in der letzten Woche bei sechs Menschen im Ländle auf. Damit hat sich die Gesamtzahl auf 23 im Jahre 2021 erhöht. Letztes Jahr – noch vor der Pandemie – waren es zu gleichen Zeit 212 Keuchhustenfälle. Ein Rückgang um fast 90%! Ähnlich selten sind Erkrankungen an Masern (in Baden-Württemberg in 2021: 0) und Mumps (2021:1, 2020: 18). Apropos Masern: Wer mehr über diese Krankheit und die Impfung dagegen wissen möchte, kann sich das kurze Video der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung ansehen.

Bevölkerungswachstum in China seit 1980 (in Millionen Menschen) Quelle: statista

China ist das Land auf der Erde mit den meisten Einwohnern. Mit der Ein-Kind-Politik wurde 1979 eine strikte Maßnahme umgesetzt, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen. Doch der Wohlstand, späte Heiraten und eine besonders hohe Scheidungsrate brachten es mit sich, dass immer weniger Kinder zur Welt kamen, obwohl die Kinderzahl seit 2016 nicht mehr staatlich begrenzt ist. Erschreckend ist, dass die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr 11,79 auf 10,04 Millionen gesunken ist – ein Rückgang von 15%.

Gemeinsam …. Quelle: pixabay, Gerd Altmann

Vor einem Jahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in einer Umfrage angegeben, uns auch finanziell unterstützen zu wollen. Das hat uns sehr gefreut und Mut gemacht. Bei den laufenden hohen Kosten können wir das praxisblättle leider nicht ohne Ihr aktive Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle„). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können. An dieser Stelle schon mal: Herzlichen Dank 🙂

Was geht in der Welt rum? Pandemien haben die Welt schon immer heimgesucht. im Mittelalter war das beispielsweise die Pest. Die ist in vielen Ländern wie Madagaskar oder auch in der Demokratischen Republik Kongo weiterhin nicht ausgerottet. Im Kongo sind im letzten halben Jahr 420 Fälle gemeldet worden, davon 29 Todesfälle. Das Ebola-Fieber hat ebenfalls im Kongo ( Butembo in der Provinz Nord-Kivu) wieder ein Menschenleben gekostet. Welche Folgen das SARS-CoV-2 bisher im Kongo hatte, ist nicht belegt.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern viel Spaß bei Sonne, Schnee und Eis. Ich grüße Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 12. September 2020

Noch zwei Tage und die Schule beginnt wieder im Regelbetrieb. Endlich besteht wieder die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche einen Alltag fern von Begrenzungen erleben können: Freunde sehen, gemeinsam mit ihnen etwas erleben und nebenher noch etwas lernen. Hoffen wir mal, dass so manche Corona-Querschüsse von Massenveranstaltungen diese Freiheit für die Kinder nicht so bald beenden.

Infekte bei Kindern und Jugendlichen finden im Moment ja kaum statt. Das wird sich in den nächsten Monaten vermutlich langsam ändern. Mit der großen Belastungsprobe müssen wir erst zu Beginn des kommenden Jahres rechnen. Der herbstliche Schnupfen von Kindern – das hat das Sozialministerium ja schon klar gemacht – ist in Bezug auf das Coronavirus in aller Regel unproblematisch. Zumindest, wenn alle Beteiligten keine Panik schieben und Schulen und Kitas nicht komplett geschlossen werden.

Infektionen sind momentan nahezu keine unterwegs. Selbst bei den Kinderkrankheiten gibt es nur Windpocken sowie insgesamt 3 Erkrankungen an Keuchhusten in ganz Baden-Württemberg. Grund genug, dieses herrliche Wochenende entspannt zu genießen.

Eine aktuelle Untersuchung hat einen interessanten Aspekt aufgegriffen: Um das Coronavirus zu bekämpfen haben Wissenschaftler um Manuela Buonanno aus New York eine neue Möglichkeit beschrieben, die Inaktivierung des Virus mit UV-Strahlen. Ausgehend von Versuchen an Grippeviren und den harmlosen Coronaviren HCoV-229E und beta HCoV-OC43 zeigten sie dass auch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) auf diese Weise erfolgreich bekämpft werden könnte.

Was muss beim Tragen von Masken beachtet werden? Kurz und knapp illustriert das die Zusammenfassung des CDC (Centers for Disease Control and Prevention; in Englisch).

Was geht in der Welt rum? Im südlichen Europa, von Spanien über Griechenland und Italien bis Rumänien tritt vermehrt das West-Nil-Fieber auf. Eigentlich betrifft es im Wesentlichen Vögel, kann aber auch den Menschen befallen. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. In Deutschland wurde vorm Tropeninstitut bestätigt, dass der Erreger auch bei vier Blutspendern gefunden wurde, die aber symptomlos blieben.

Die Kinder haben das Glück, dass ihre Ferien bis zuletzt sommerliches Wetter brachten. Ich wünsche alle viel Spaß in der Natur, ob im eigenen Garten, im Schwimmbad oder in den Bergen. Erstmals schaffen es die Pollen – mangels Masse –  an solch schönen Tagen nicht, die Allergiker zu ärgern.

Ihr

Keuchhustenimpfung für Schwangere

Pharmakonzerne versuchen in den letzten Monaten mit Halbwahrheiten, Investoren zu bewegen bei Ihnen zu einzusteigen. Da tut es gut, wenn ein Philosoph wie Peter Sloterdijk – geboren in Karlsruhe – eine klare Aussage trifft:  «Man wird mehr und mehr verstehen, dass Immunität keine Privatsache ist

Als Leser des praxisblättle wissen Sie, dass Erreger wie Bakterien und Viren unterschiedlich agieren. Auch in Fragen der Immunität muss – bei allen Gemeinsamkeiten – das Verhalten des Erregers individuell betrachtet werden. So wäre es beispielsweise möglich, die Masern durch konsequente Impfungen weltweit auszurotten. Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde in Deutschland das Masernschutzgesetz eingesetzt.

Anders ist das beim Keuchhusten. Mit ihm müssen wir bis zu einem gewissen Grad leben. Die Impfungen von heute können diese Krankheit sehr gut eingrenzen, aber nicht verhindern.Eine offene Flanke ist das Ansteckungsrisiko für die jungen Säuglinge. Sie haben die höchste Rate an Neuerkrankungen (Inzidenz) mit 50 von 100.000 Säuglingen. Am allermeisten sind Säuglinge im 2. – 4. Monat betroffen. Das macht deutlich, dass für viele der Nestschutz nicht ausreichend ist. Sie bekommen also mit der Geburt zu wenig schützende Antikörper, um in den ersten Monaten des Lebens dem Keuchhusten etwas entgegensetzen zu können.

Unter dieser Überlegung ist neuerdings auch in Deutschland – wie schon in anderen Ländern – eine Keuchhusten-Impfung für Schwangere vorgesehen. Diese sollte zu Beginn des letzten Drittels (3. Trimenon) der Schwangerschaft erfolgen, bei hoher Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt früher. Als Impfstoff soll ein Tdap-Kombinationsimpfstoff (Covaxis©, Repevax©, Boostrix©, Boostrix-Polio©) angewendet werden (Einzelimpfstoffe gegen Keuchhusten sind nicht verfügbar). Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu den Vorimpfungen und in jeder Schwangerschaft erneut durchgeführt werden. Das Ziel ist, ausreichend mütterliche Antikörper aufzubauen, die den Säugling in den ersten Lebensmonaten schützen können.

In vielen Studien in Belgien, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Vietnam, und den USA konnte gezeigt werden, dass diese Impfstrategie wirkungsvoll ist. Je nach Studie konnten durch die mütterliche Impfung 90% der erwarteten Keuchhustenerkrankungen für 2-3 Monate alte Säuglinge verhindert werden. Auch mögliche Nebenwirkungen wurden eingehend untersucht. Die Ergebnisse können im Epidemiologischen Bulletin 13_20 des RKI detailliert nachgelesen werden.

Wie sehen wir die Impfung? Früher bestanden höchste Bedenken, Schwangere zu impfen. Es war mutig, diese Strategie zu überdenken, um Säuglinge in der empfindlichsten Phase ihres Lebens vor Keuchhusten zu schützen. Die umfangreichen Studien belegen, dass diese Strategie funktioniert und kein bedeutsames Risiko für Schwangere darstellt.

Was geht rum? 05. September 2020

Im September kommt jedes Jahr der erste Impfstoff gegen Influenza (Grippeimpfstoff) auf den Markt. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Sicherheit der Impfstoffe steht, hat vor wenigen Tagen 13,6 Millionen Impfdosen freigegeben. Schon äußern sich erst Stimmen zu diesem Thema. Gesundheitsminister Spahn rät zur Grippeimpfung auch bei Kindern, es sei  genügend Impfstoff da.

In diesen Tagen sind unsere Kinder so gesund wie noch selten. Das hängt mit der Jahreszeit zusammen. Und mit dem Abstand, den Hygieneregeln und dem Mund-Nasen-Schutz – kurz, den AHA-Regeln. Die schützen nicht nur vor dem Coronavirus, sondern vor vielen anderen Erregern ebenso. Der September ist also günstig, um sich und seine Kinder für schwierige Zeiten zu rüsten. Das heißt in in diesem Fall, an die Impfungen zu denken. Drei Aspekte sind besonders interessant:

Erstens. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, MMR-Impfung. Die AHA-Regeln haben dazu geführt, dass über vier Monate in Baden-Württemberg keine einzige Masern-Infektion auftrat. Das wird sich ändern, wenn wir näher beieinander sein werden, wie in der Schule oder der Kita. Also unbedingt jetzt nachsehen, ob Ihre Kinder zweimal gegen MMR oder noch besser MMRV (mit Varizellen = Windpocken) geimpft sind.

Zweitens. Der Schutz gegen Keuchhusten hält immer nur wenige Jahre, muss also mehrfach aufgefrischt werden. Vor der Einschulung, wenn Kinder bald mit neuen Klassenkameraden zusammen kommen, macht es Sinn den Schutz zu erneuern, zusammen mit Tetanus und Diphtherie als sog. TdaP. Auch der Keuchhusten wird wieder vermehrt auftreten, wenn der reguläre Schulbetrieb startet. Und den wünschen sich alle.

Drittens. Jetzt sind wir wieder bei der Grippeimpfung. Alle denken dann an die Risikogruppen und meinen die über 60-Jährigen, die unbedingt geimpft sein sollten. Die tun sie aber nur zu etwa 35%, wobei über die letzten 10 Jahre diese Quote sogar weiter absank. Ebenso sollte man auch an die Kinder denken, die alle von dieser Impfung profitieren und damit – nebenbei – auch die älteren Menschen wie Oma und Opa schützen. In Baden-Württemberg ist die Grippeimpfung ab dem 6. Lebensmonat empfohlen (Sozialministerium), so wie es die WHO empfiehlt. Der wohl beste Zeitpunkt für diese Impfung ist im Laufe des November. Damit reicht der optimale Schutz bis in den März des folgenden Jahres hinein.

Nein, im Moment blühen keine Krokusse. Es sind die zarten Blüten der Herbstzeitlose, die wir sehen. Leider giftig! Quelle: ptw

Neben vereinzelten harmlosen Atemwegsinfekten gibt es nur wenige bedeutsame Infektionen. Im ganzen Ländle erkrankten in dieser Woche drei Personen an Keuchhusten, keine an Masern. Die FSME ist trotz der zuletzt kühlen Temperaturen noch mit neun Neuerkrankungen vertreten. Mit insgesamt 294 FSME-Fällen in diesem Jahr sind die Zahlen mehr als doppelt so hoch. Im letzten Jahr waren es Anfang September noch 140 Menschen, die infiziert worden waren.

Das sommerliche Wetter dieser Tage führt doch noch einmal zu einem spürbaren Pollenflug: Spitzwegerich und Ambrosia. Für beide sind Allergien bei Kindern und Jugendlichen aber eher selten. Gleiches gilt auch für die Belastung mit Schimmelpilzsporen, die sich in den nächsten 2 Tagen verstärkt in die Lüfte schwingen dürften.

Was geht in der Welt rum? Urlaube in fernen Ländern finden im Moment kaum statt. Viele Familien aus Baden-Württemberg besuchen jedoch Österreich und die Schweiz. Und auch dort begegnen sie den Zecken. In unserem beschaulichen Nachbarland ist die Zahl der an FSME Erkrankten auf inzwischen 380 Personen (Ende August) angestiegen. Damit liegt sie bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich höher als in Baden-Württemberg. Beim Wandern also trotz aller Idylle den kleinen Feind Zecke nicht vergessen.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende zwischen sommerlicher Hitze und herbstlichen Morgenstimmungen.

Ihr

Was geht rum? 01. August 2020

Es scheint, dass Party und Panik den neuen Umgang mit dem Coronavirus bestimmen. Beides ist nicht zielführend. Für Sie als Eltern ist wichtig, dass nach heutigem Stand kein besonderes Risiko von Kindergärten oder Schulen für Ihre Kinder ausgeht. Die überwiegende Zahl von erkrankten Schülern haben die Infektion durch eine Ansteckung von außen in die Schule hinein getragen. So kam es laut Landesgesundheitsamt seit Beginn der zu 78 Corona-Infektion bei Schülern. Durch die akribische Arbeit der Gesundheitsämter („Ermittlung von Kontaktpersonen“) konnten echte Ausbrüche in Schulen verhindert werden.

Abstand und Maske. Das ist kurz und knapp, was uns vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Eine neue Untersuchung zeigt, dass selbstgenähte Masken gewisse Anforderungen erfüllen sollten: Am besten sollten sie aus 2 Lagen Stoff bestehen. In ruhigen Situationen (wie Gesprächen) gibt eine einfache und einlagige Maske durchaus einen spürbaren Effekt. Aber spätestens beim Niesen und Husten ist nur die 2-lagige Maske in der Lage, die Tröpfchen-Verbreitung aufzuhalten. Es lohnt sich, die Original-Publikation von Paatrek Bahl und Mitarbeitern aus Sydney (Australien) wegen der graphischen Darstellungen anzusehen.

Die Juli-Infektwelle mit Schnupfen in Kindergärten und Schulen scheint abzuebben. Mit den Ferien gibt es weniger Chancen sich anzustecken. Auch bei den Kinderkrankheiten kommen seit Wochen fast nur gute Nachrichten. Der Keuchhusten kommt spürbar seltener vor als im letzten Jahr. Grund hierfür dürften die AHA – Regeln ( Abstand + Hygiene + Alltagsmaske) sein. An diese Regeln sollten wir uns weiter konsequent halten.

Neuerkrankungen an FSME in Baden-Württemberg. Die blauen Säulen geben die Fälle pro Kalenderwoche wieder. Die hellblaue Fläche gibt die maximalen und minimalen Fallzahlen der letzten 10 Jahre an. Quelle: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Besorgniserregend sind die Erkrankungszahlen bei der FSME: Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Sie erreichen in einem Ost-West-Gürtel vom Landkreis Ravensburg bis in den mittleren Schwarzwald sehr hohe Neuinfektionen mit bis zu 14 pro 100.000 Einwohner. Auch wenn dies Kinder weniger betrifft als Erwachsene, sollte mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt überlegt werden, ob eine Impfung regional wichtig ist. Empfohlen ist sie für das Land-Baden-Württemberg ohnehin (ab dem Alter von 1 Jahr).

Für Pollenallergiker gibt es keine neuen Nachrichten. Pollen fliegen weiterhin. In höheren Lagen herrschen die Gräserpollen vor, in tieferen fliegen Spitzwegerich und inzwischen auch Beifußpollen. Besondere Änderungen sind über die nächste Woche nicht zu erwarten

Was geht in der Welt rum? In den letzten Wochen trat das West-Nil-Fieber in Rumänien und in Griechenland auf. Das Virus kommt über Zugvögel aus den Tropen nach Europa und betrifft viele Länder, wie die Karte des ECDC zeigt. Die Übertragung erfolgt über infizierte Stechmücken – selten – auch auf den Menschen. Beim Menschen tritt in 20% nach einer Infektion eine grippeähnliche Erkrankung auf. In Deutschland kam es erstmals im letzten Jahr zu einer West-Nil-Infektion. Eine Impfung gibt es nicht, im Zentrum steht der Mückenschutz.

Für alle, die sich auf Reisen möchte ich hier nochmal die Einreisebestimmungen und Corona-Regeln für die Europäische Union zur Lektüre empfehlen. Auf diesem Terrain ändern sich manche Dinge täglich. Es lohnt sich also, mehrfach vor dem Urlaub nachzusehen.

Ich wünsche Ihnen ein schattiges Sommer-Wochenende und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 11. April 2020

Osterfest, einmal anders. In den Zeiten von Corona treffen sich vermutlich weniger Menschen zum gemeinsamen Fest. Die Suche nach den Ostereiern für Kinder wird schwieriger, weil ihnen Oma und Opa nicht mehr flüsternd zur Seite stehen.

Ostern, das Fest der Wiederauferstehung. Die wird auch nach dem Fest auf sich warten lassen. Für Eltern lohnt es sich aber schon jetzt, sich vorausschauend mit ihrer/m Kinder- und Jugendärztin/arzt zu besprechen, wie es mit den Impfungen weitergeht. Gerade Säuglinge sind ja von einigen schwerwiegenden Krankheiten bedroht. Keuchhusten ist eine davon, die sich nicht vor Coronaviren fürchtet und weiterhin Menschen ansteckt. Es lohnt sich, nicht nur die Coronaviren zu beachten

Die Zahl der Infekte wird insgesamt geringer. Das ist für diese Jahreszeit typisch. Untypisch ist, dass die Rotaviren fast ausbleiben. Auch die Noroviren sind spürbar weniger aktiv. Darüber sind wir nicht traurig. Nebenbei, das war plötzlich keine Meldung mehr wert, ist auch die Grippesaison zu Ende gegangen. Mit fast 24.000 gemeldeten Erkrankungen war sie stärker als im letzten Jahr.

Unter den Kinderkrankheiten ist der Keuchhusten weiter präsent. Ein Schwerpunkt bei den  Neuinfektionen dieser Woche ist Nordbaden. Die Kontaktbeschränkungen haben aber auch ihr Gutes: Im Gegensatz zum Keuchhusten (ausgelöst durch Bakterien; Impfschutz schwieriger), geht die Zahl der Windpockeninfektionen  (Viren) zurück. Weniger Kontakte, weniger Ansteckungen auch hier.

Bei den Allergien ist die Lage fast stabil. Birkenpollen sind die Stars der Lüfte, aber in den trockenen Zeiten geht auch ihnen bald ein Teil ihrer Power verloren. Für Allergiker auf mittlere Sicht also eher günstige Aussichten.

Zecken. Ja, sie können uns auch von hübschen Blumen aus attackieren Quelle: pixabay, Erik Karits

Die Zecken sind weiter sehr aktiv. Eltern sollten insofern ihre Kinder nach Waldspaziergängen und immer vor dem Zubettgehen auf die kleinen Spinnentiere untersuchen. Zonen, in denen die sich gerne aufhalten sind die Achseln, der Nabel, die Genitalregion und die Region hinter den Ohren. Sie sollten entfernt werden. Entweder mit den bekannten Zeckenzangen oder durch die Streichelmethode. Weitere Hinweise finden Sie im praxisblättle..

Ach so, noch ein paar Zeilen zu Corona. Es keimt wieder mehr Hoffnung auf. Das zeigt eine Karte, die die Forschung über COVID-19 darstellt. Wissenschaftler sind neugierige Menschen. Diese Karte zeigt, dass viele von ihnen auf der ganzen Welt daran arbeiten, das Coronavirus zu bekämpfen. Egal, ob sie neue Tests, Medikamente oder Impfungen suchen. Sie sind voller Optimismus, uns irgendwie helfen zu können.

Es scheint, wir müssen in diesen Wochen täglich umdenken. An das Social Distancing haben wir uns gewöhnt, auch wenn manchmal von 1,5 Metern Abstand, ein anderes Mal von 2 Metern Abstand die Rede ist. Aber wie so oft: die Realität des Lebens komplizierter. Das zeigt eine aktuelle Veröffentlichung von Lydia Bourouiba vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), über turbulente Gaswolken und ihre Dynamik. Im Artikel (in englischer Sprache) zeigt ein Video sehr eindrücklich, wie sich die feinsten Tröpfchen beim Niesen bis zu fast 8 Metern ausbreiten können. Dabei können sich kleinste Tröpfchen in der Gaswolke (bedingt durch Wärme und Feuchtigkeit) ihrer Verdampfung entziehen und dadurch bis zu 1000-fach länger existieren und Viren transportieren.

Nebenbei weisen andere Daten darauf hin, dass auch die Viruslast wichtig ist, also wie viele Viren in den Tröpfchen enthalten sind. Vieles deutet darauf hin, dass die Schwere der Erkrankung auch davon abhängig ist. Wer sich mit wenigen Viren angesteckt hat, erkrankt offenbar leichter als jemand, der von vielen Viren heimgesucht wird. Das unterstreicht nochmal das Risiko für Pflegepersonal und Ärztinnen und Ärzte.

Was geht in der Welt rum? Während sich COVID-19 über den Erdball verbreitet hat, wurden manch andere Viren zu schnell vergessen. Deutlich gefährlicher als Coronaviren sind die Ebola- und Marburg-Viren, aber auch das Gelbfieber-Virus. Äthiopien erlebt gerade wieder einen kleinen Ausbruch mit derzeit 85 Verdachtsfällen und 4 gesicherten Todesfällen. Der große Unterscheid zu Coronaviren: Gegen Gelbfieber schützt eine einzige Impfung fast zu 100%.

Für alle, die Asterix und Obelix lieben: Als Hommage an den großartigen Zeichner Albert Uderzo gibt es eine Sonderausgabe: Unbeugsam mit Asterix – 1. Kostenlos.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen von Herzen ein frohes Osterfest. Genießen Sie die Sonne und Wärme. Danke, dass Sie so treue Leser sind. Ich würde mich freuen, wenn Sie das praxisblättle auch anderen Eltern weiterempfehlen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 07. März 2020

Das Masernschutzgesetz ist eine Woche alt. Es betrifft viele Menschen. In erster Linie Eltern, deren Kinder im Kindergarten, Kindertagesstätte oder der Schule sind. Klare Informationen zum Nachweis des Impfschutzes finden Sie hier. Noch mehr betrifft diese Regelungen die Leitungen der jeweiligen Einrichtung. Für sie hier der Link zum Informationsblatt des Bundesministerium für Gesundheit.

Häufigkeit verschiedener Viren in Abstrichen, die dem RKI bis jetzt (KW 9, 2020) eingesandt wurden Quelle: AG Influenza

Wie weit hat sich das Coronavirus ausbreiten können? Inzwischen (gestern Abend 21:00) sind über 101.000 Menschen weltweit an COVID-19 erkrankt, davon 670 in Deutschland (keine Todesfälle). In Baden-Württemberg sind (Stand 06. März 2020) aktuell 96 Personen davon betroffen. Erkrankungen mit Influenza wurden im Ländle bis Ende Februar 17166 mal gemeldet. Die Grippewelle hält also weiter an und betrifft besonders Bayern und Baden-Württemberg.

Aus der Graphik oben wird deutlich, wie sich die Rhinoviren („Schnupfenvirus“) bis Weihnachten 2019 immer mehr zurückzogen und die Influenza-Viren zum Platzhirsch wurden. Die Karte links zeigt die hotspots (rot) für die Grippe in Deutschland. Kurz zusammengefasst: In der letzten Woche hat sich in Bezug auf die Infektionen im Land für die Kinder und Jugendlichen kaum etwas geändert.

Alle Kinderkrankheiten liegen mehr oder weniger im gleichen Rahmen wie vor einem Jahr. In der vergangenen Woche traten 37 Neuerkrankungen an Keuchhusten auf, davon alleine elf im Ortenaukreis.

Nach dem warmen Winter stellt sich auch die Frage: Wann legen die Birkenpollen los? Diese brauchen noch etwas Zeit und Wärme, um sich zu sammeln. Der viele Regen bremst auch die Kollegen der Erlen und Haseln aus. Noch können sich Allergiker also enspannt in die Natur begeben.

In Deutschland ist gerade für viele Pollenallergiker Montelukast (wie Singulair©) eine wichtige Arznei. Gut wirksam und einfach einzunehmen. Nun kommt von der amerikanischen Behörde für Arzneimittel FDA ein „boxed warning“. Wegen bekannter Zusammenhänge mit neuro-psychiatrischen Auffälligkeiten, sollte diese Arznei bei milden Symptomen eines allergischen Schnupfen nicht mehr eingesetzt werden. Weitere Details (in englischer Sprache) finden Sie hier.

Teil einer Tentakel von Physalia physalis. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? An den Stränden im Norden von Gran Canaria (Spanien) wurden in den letzten Wochen immer wieder Tentakeln der Portugiesischen Galeere Physalia physalis) gefunden. Die Tentakeln sollten bei Kontakt unbedingt in Salzwasser entfernt werden, am besten mit einem Hilfsmittel (wie hier im Bild mit einem Plastikmesser), so dass man sie seitlich abstreifen kann. Danach soll nach Meinung vieler Betroffener Backpulver auf der Haut verrieben werden. Damit so ein Vorgehen klappt, müssen alle diese Substanzen immer zum Strand mitgenommen werden.

 

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Genießen Sie, wenn Sie gesund sind, das kräftige Zwitschern der Vögel das in dieser Jahreszeit seinen Höhepunkt erreicht.