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Chronische Erkrankungen bei deutschen Kindern: Was „verliert“ sich?

Auch Kinder und Jugendliche sind von chronischen Erkrankungen betroffen. Das zeigt die aktuelle Auswertung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch­land (KiGGS) nochmals deutlich. Etwa jedes sechste Kind unter 18 Jahren ist chronisch krank wie aus der Arbeit im Journal of Health Monitoring hervorgeht

Asthma bronchiale ist eine der häufigen chronischen Erkrankungen. In ihrer Basiserhebung untersuchte die KiGGS 17640 Kinder und Jugendliche in den Jahren 2003 bis 2006. Von diesen nahmen 6.465 (36,6%) Kinder und Jugendliche auch an der zweiten Untersuchung („Welle 2“) in den Jahren 2014-2017 teil. Dabei zeigte sich, dass gegenüber der Basisuntersuchung 65% der Kinder mit der Diagnose „Asthma“ zehn Jahre später beschwerdefrei waren. Umgekehrt: Noch ein Drittel der jetzt Jugendlichen war von Asthma betroffen und benötigte Asthmamedikamente.

In Bezug auf Adipositas (starkes Übergewicht) waren noch die Hälfte der untersuchten Jugendlichen vom Übergewicht betroffen.

Bei einigen Kinder, die zu Beginn der Untersuchung frei von chronischen Erkrankungen waren, traten solche in den 10 Jahren bis zur Zweituntersuchung („Welle 2“) neu auf. So entwickelten 3,4 Prozent erstmals ein Asthma bronchiale und 5,1 Prozent erstmals eine Adipositas.

Es bleibt die Frage, ob sich chronische Erkrankungen nach der Pubertät überhaupt „verlieren“ können und ob dieses Ende der chronischen Erkrankung anhaltend ist. So weist beispielsweise das Asthma bronchiale eine bedeutsame genetische Komponente auf, die lebenslang bestehen bleibt. Und damit wohl auch das Risiko, später unter ungünstigen Bedingungen – Rauchen! und anderes – wieder Symptome dieser Erkrankung zu bekommen. Bewiesen ist das nicht, aber leider doch wahrscheinlich.

Nach Verschwinden der Krankheitssymptome (oder auch schon zuvor) ist es vermutlich ratsam, den Lebensstil zu ändern. Nichtraucher zu sein reduziert die Empfindlichkeit der Atemwege, viel Sport zu machen wirkt unter anderem dem Übergewicht entgegen. Einfach abzuwarten ohne aktive Mitarbeit dürfte in den seltensten Fällen langfristig erfolgreich sein.

Es tut sich was: Kinder trinken weniger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

„Zuckersüß“ hört man manchmal, wenn ein Kind sehr witzig daherkommt. Zucker war früher was besonderes und teures. Inzwischen hat sich die Rolle des Zuckers hat sich verändert. Zumindest in der Ernährung. Das haben wir kürzlich auch im praxisblättle beleuchtet.

Abbildung 1: Aufbau der KiGG-Studie. Foto: aus KiGGS

Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun im Rahmen der KiGG-Studie zeigen können, dass die Wirkungen des Zuckers von vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen verstanden wurden. Daten hierzu finden sich in der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland). Die nebenstehende Übersicht (Abbildung 1) zeigt schematisch den bisherigen Ablauf der Studie. In einer ersten Erhebung (Basis) wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 bei 17.461 Kindern und Jugendlichen an 167 Orten (Studienzentren) in Deutschland Daten zur Gesundheit erhoben. In der KiGGS-Welle 2 wurden an den gleichen Orten die gleichen Daten zwischen 2014 und 2017 nochmals bei 10.853 Kindern und Jugendlichen erhoben, die auch in der Basiserhebung teilgenommen hatten. Die dazwischenliegende Welle 1 bestand nur aus einer telefonischen Befragung.  Nunmehr liegen also Informationen vor, die einen Zeitraum von etwa 11 Jahren beleuchten.

Abbildung 2. Die linke Graphik zeigt die Daten von 2003/2006, die rechte die Daten von 2014/2017. Die Balken stellen die mittlere Konsummenge zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke (Milliliter/Tag)
nach Geschlecht und Alter dar. Foto: aus KiGGS

Es zeigt sich, dass sich in den 11 Jahren zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung erhebliche Veränderungen ergeben haben. Zuckerhaltige Getränke wurden in allen Altersgruppen und bei Jungen wie Mädchen spürbar weniger getrunken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 3. Mengenverhältnisse des Getränkekonsums. Links die Daten der Basiserhebung (2003-2006), rechts die Daten der Welle 2 (2014-2017) jeweils getrennt nach Kindern (oben) und Jugendlichen (unten). Foto: aus KiGGS

Auch die Zusammensetzung der Getränke hat sich über die Jahre verändert. Wie die nebenstehende Abbildung 3 zeigt, wird heute von Kindern und Jugendlichen mehr Wasser getrunken. Der Anteil an den  Erfrischungsgetränken (also beispielsweise Limonaden und Cola) ging ebenso zurück, wie der Verbrauch an Säften. Hingegen wird heute mehr Wasser getrunken (blaue Fläche). Das betrifft die Kinder von 3 bis 10 Jahren ebenso wie die Jugendlichen von 11-17 Jahren.

Das sind sehr günstige Daten. Sie belegen, dass Eltern gut begründete Informationen erkennen und für sich im Alltag umsetzen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeuten sie langfristig weniger Risiken für Erkrankungen, die einem erhöhten Konsum von zuckerhaltigen Produkten zugeschrieben werden. Weiter so.