Schlagwort: Kinder

Unser letztes „Was geht rum?“ (09. Oktober 2021) – Tschüss :)

Impfgegner: Warum diese Gruppe so angewachsen ist. Einige Anmerkungen

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Infekte? Eigentlich nichts Neues. Zum Glück

Tschüss: Das praxisblättle verabschiedet sich heute

 

Arbeiten Sie im Schichtdienst? Dann spüren regelmäßig Sie am eigenen Körper was es bedeutet, zu unterschiedlichen Tageszeiten präsent zu sein. Und sie stellen jede Woche fest, wie belastend es ist, sich nicht spontan mit Freunden treffen zu können, weil sie mal in der einen mal in der anderen Schicht eingeplant sind. Auf Intensivstationen sind inzwischen 90% der Corona-Patienten Ungeimpfte. Wie kann das sein? In meinen 35 Jahren in der Pädiatrie habe ich manche Impfgegner kennengelernt. Das waren zumeist empfindsame Eltern, die Sorge um ihr Kind hatten, wenn es darum ging fremde Substanzen in deren Körper zu bringen. Und sie machten unter allen betreuten Kindern vielleicht 2% aus. Heute verweigern fast 25% der Deutschen die Corona-Impfung. Wie kann das sein? Plötzlich 10 Mal so viele Impfgegner? Die Gruppe der Impfgegner ist offensichtlich um Menschen angewachsen, die – so macht es den Eindruck – ihre persönliche Unzufriedenheit auf die Impfung (und den Staat) sowie Trotz zum Ausdruck bringen. Daneben gibt es vermutlich viele Mitläufer. Mit ihrem Verhalten bedrohen sie die Gesundheit unserer Kinder. Und sie strapazieren die Zufriedenheit von Medizinpersonal in den Kliniken, die tägliches rund-um-die-Uhr Engagement für Menschen aufbringen, die einfach mal so eine Impfung ablehnten. Ich mache mir Sorgen, dass mehr Krankenschwestern, Krankenpfleger und ÄrztInnen in naher Zukunft ihren Beruf aufgeben werden.

Zahl der Kinder, die in einer Klinik in den USA wegen Coronainfektionen behandelt wurden. GRAU Kinder von 5-17 Jahren, OCKER Kinder von 0-4 Jahren.   Foto CDC

Die Ungeimpften bedrohen die Gesundheit der Kinder, die nicht geimpft werden können (alle unter 12 Jahren). Für die USA zeigt sich, dass die Zahl der Coronaerkrankungen von Kindern mit stationärem Behandlungbedarf im September auf höchste Werte anstieg. Ob Ungeimpfte das beeindruckt?

Bei den Infekten gibt es kaum Neuigkeiten. Die Erkältungsviren breiten sich weiter aus, nachdem der Mund-Nasen-Schutz weniger häufig angewandt wird. Fürs Immunsystem ist das günstig – es will sich mit seiner Umgebung (Viren, Bakterien) auseinandersetzen. Bei Kindern führt das „nebenbei“ zu Erkältungskrankheiten, die aber meist nicht schlimm sind. Aber auch die Erwachsenen dürften in diesem Winter von mehr Infekten geplagt werden, als die letzten 18 Monate. Bleibt zu hoffen, dass – besonders für Kinder – das RS-Virus nicht zu vielen schweren Verläufen führt und dass auch das Influenza-Virus (Grippe) sich nicht allzu heftig vermehrt.

Bei den Kinderkrankheiten bleibt alles recht ruhig: wenige Erkrankungen in der vergangenen Woche an Keuchhusten (7) und Windpocken (43) in ganz Baden-Württemberg. Weiterhin seit März 2020 (!) keinerlei Masern-Erkrankungen. Auch die Zahl der Mumps-Erkrankungen ist überschaubar (14 in diesem Jahr im Ländle).

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar schreitet die Pest-Saison weiter. Im Hochland um die Hauptstadt Antananarivo bestehen 42 Verdachtsfälle, 22 Personen sind bislang sicher erkrankt. Bereits 8 Menschen sind seit August an der Pest verstorben.

Heute, nach 28 Jahren, verabschiedet sich das praxisblättle von Ihnen, geneigter LeserInnen. Wir hoffen, dass Sie in den letzten Jahren interessante Informationen fanden, die Ihnen bei der Einschätzung von Krankheiten Ihrer Kinder weitergeholfen haben. Im Rummel oberflächlicher Angebote mit Ratschlägen wie „Trinken Sie viel“ haben wir versucht, wissenschaftliche Informationen in Ihren Alltag zu transportieren. Ohne marktschreierische Effekte. Und ohne Werbung. In Zeiten von marketinggesteuerten „Informationen“, deren manipulativer oder allenfalls magerer Inhalt sich erst beim zweiten Lesen als Schmu entpuppt waren wir manchmal etwas trocken. Aber immer echt.

Als verantwortlicher Autor des praxisblättle wünsche ich Ihnen und ihrer Familie Gesundheit, Freude im Alltag und Zuversicht in spannenden und gelegentlich mühsamen Zeiten. Machen Sie’s gut!

Was geht rum? 02. Oktober 2021

Nicht so selten: Corona-Komplikationen bei Kindern 

Bald mRNA-Grippe-Impfstoff?

Krupphusten und Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Meningokokken-Meningitis im Kongo

Morgens erwachen viele mit Nebel vor der Haustüre. Der Herbst hat uns wieder. Die Zeit der Infekte beginnt bald. Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen mit COVID-19 schwanken ist klar, dass uns eine Welle in den kommenden Monaten bevorsteht. Was bedeutet das aber für Kinder? Etwa jedes hundertste Kind in Deutschland muss stationär behandelt werden. Ein Grund dafür ist das PIMS (Pädiatrische Inflammatorische Multiorgan-Syndrom), eine schwere entzündliche Erkrankung, die einer Coronainfektion folgen kann und die bei einem von 1000 – 5000 Kindern auftritt. Das PIMS betrifft besonders Schüler (9-13 Jahre) und endet – gemessen an den Zahlen aus den USA – in fast 1% der Fälle tödlich.

Der amerikanische Konzern Pfizer und die deutsche BioNTech haben einen mRNA-Impfstoff gegen die Grippe entwickelt. Momentan startet einen Studie an 600 Menschen im Alter von 65 bis 85 Jahren. Bisherige Impfstoffe gegen die Grippe haben nur eine Wirksamkeit um 50%, während die mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus die Krankheit zu etwa 95% verhindern konnten. Es besteht Hoffnung auf einen verbesserten Schutz gegen die Influenza.

Die Pollen verabschieden sich in diesen Tagen. Am Bodensee und Oberrhein gibt es noch eine minimale Konzentration von Gräserpollen, die aber vermutlich für keinen Allergiker mehr spürbar ist. Die Erkältungsinfekte der letzten Wochen halten an, in den kommenden Wochen muss wieder mit dem Krupphusten gerechnet werden. Alle Eltern von betroffenen Kindern sollten jetzt überprüfen, ob Notfallmedikamente zuhause verfügbar sind. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit hat saisonal wieder Einzug gehalten. Ausgelöst wird sie häufig durch Coxsackie A-16-Viren, die als Komplikation zu Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) führen können – wie das Coronavirus oder in seltenen Fällen auch die Impfung gegen das Coronavirus mit dem mRNA-Impfstoff.

Was geht in der Welt rum? Die Entzündung der Hirnhäute – medizinisch Meningitis – kann durch verschiedene Erreger erfolgen. Zu den gefährlichsten gehören die Meningokokken. In der Demokratischen Republik Kongo ist es in den letzten Wochen zu einem Ausbruch mit über 600 Verdachtsfällen gekommen, 161 Menschen sind an der Meningokokken-Meningitis verstorben. Das Kongobecken gehört zum „Afrikanischen Meningitisgürtel“, einer Kette von Ländern, in denen es zur Trockenzeit von Dezember bis April häufiger zu schweren Ausbrüchen kommt. Eigentlich gibt es gegen die meisten Erreger dieser Meningitis hervorragende Impfstoffe. Diese werden leider häufig erst dann eingesetzt (Abriegelungsimpfung) , wenn Ausbrüche erfolgt sind. Im Impfplan der STIKO erhalten Kinder im Alter von 12 Monaten (bei der U6) eine Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C.

Ich hoffe Sie haben Zeit, dieses herrliche Wochenende mit strahlender Sonne zusammen mit Ihrer Familie zu genießen, ganz  herzlich Ihr

 

Buggy – eine Hilfe für ausgedehnte Spaziergänge

Wenn Eltern mit ihren Kleinkindern mal so richtig lange Strecken zurücklegen wollen, ist der Buggy eine große Hilfe. So können Kinder, die dem Kinderwagen entwachsen sind, einfach transportiert werden ohne die Frage: „Wann sind wir endlich da?“

Die Stiftung Warentest hat sich im Septemberheft diesen Fahrgeräten gewidmet. Die Ergebnisse sind eher ernüchternd. In der nachfolgenden Tabelle haben wir die Modelle mit Noten bis 2,5 aufgeführt.

Name Note Preis Anmerkung
Smiloo Happy + 2,0 250 € für Kinder ab 6 Monate bis 3 1/2 Jahre geeignet
Joie Mytrax 2,2 215 € bis 3 Jahre geeignet, leicht zusammenzuklappen
Kinderkraft Grande 2020 2,4 159 € bis 2 1/2 Jahre geeignet
Thule Urban Glide 2 2,3 600 € bis etwa 4 Jahre; Räder für Waldboden geeignet
Mountain Buggy Terrain 3.0 2,5 700 € bis etwa 3 Jahre geeignet

Wie immer kann diese Tabelle nur ein „Gruß aus der Testküche“ sein, also eine Anregung, sich mit den Buggys mit all ihren Facetten auseinanderzusetzen. Wir möchten Sie ermuntern, sich im Testheft selbst kundig zu machen. Übrigens: Der Preis für die digitale Ausgabe des Testheftes liegt für ein Halbjahres-Abo bei 29,99 €.

Was geht rum? 11. September 2021

Kleine Kinder, große Übertragung: Corona-Ansteckung im gleichen Haushalt

Kindergärten: Werden sie zu Infektionstreibern?

Coronaimpfungen bei Schwangeren

Erste Masernerkrankung in Baden-Württemberg seit März 2020

Nächste Woche ist Schulbeginn in Baden-Württemberg. In Bezug auf Coronainfektionen stellt sich da auch die Frage, wer in Haushalten eine Infektion am ehesten weiterverbreitet. Dazu liegt eine aktuelle Studie aus Ontario (Canada) vor in der untersucht wurde, wie oft infizierte Kinder ihre Umgebung ansteckten. Dazu wurden 6.280 Haushalte mit an Corona infizierten Kindern  vor Ausbruch des Deltavirus beobachtet. Im Vergleich zu Jugendlichen (14-17 Jahre) waren es die Kinder von 0-3 Jahren, die am häufigsten das Coronavirus übertrugen (1,43 Mal so oft wie die Jugendlichen), gefolgt von den 4-8-Jährigen (1,40 Mal so oft). Die Kinder, für die keine Impfung zur Verfügung steht tragen somit innerhalb der Familie besonders stark zur Verbreitung des Virus bei. Für Eltern und Geschwister ist es ratsam, andere Schutzmaßnahmen (eigene Impfung !, Maske, Abstand) zu ergreifen, um eine Ansteckung zu verhindern.

Die Lage in den Kindertagesstätten ist nochmals anders. Dort arbeiten in aller Regel deutlich jüngere Menschen, die seltener geimpft sind als beispielsweise Lehrer. Die Folgen erleben bereits viele Länder wie unsere Nachbarn in der Schweiz, deren Impfquote (nach Luxemburg) die zweitniedrigste in Europa ist.

Einstellung zu Coronaimpfungen in verschiedenen Ländern Ende August 2021. Foto: Economist

Die letzten Monate zeigen, dass Impfungen sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. In den meisten Ländern sind über 90% der COVID-19-Erkrankten in Kliniken Ungeimpfte. Was alle Länder ebenfalls eint: Die Gruppe der Noch-Impfwilligen wird immer kleiner, außer in den armen Ländern, wo bisher kaum Impfungen ankamen.

Coronaimpfungen für Schwangere werden seit Monaten diskutiert. Dabei geht es zum einen darum, Schwangere zu schützen, die im Rahmen von COVID-19 ein deutlich erhöhtes Risiko tragen. Zum anderen besteht auch Hoffnung, dass Antikörper auf das werdende Baby übertragen werden und dort auch einen „Nestschutz“ vermitteln könnten. Die STIKO hat noch keine Impfempfehlung für Schwangere gegeben, diese sei aber in Arbeit. Ein Studie aus Israel zeigt nun, dass die Schutzwirkung für Schwangere sieben Tage nach der zweitem Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei 96% liegt.

Die Pollen haben sich inzwischen weitgehend verabschiedet, die Zecken noch nicht. Es bleibt weiterhin sinnvoll, sich und die Kinder abends auf die kleinen Spinnentiere zu untersuchen.

Aus dem Landkreis Böblingen wird die erste Erkrankung mit Masern seit 18 Monaten gemeldet.

Infekte treten unverändert auf. Die Mehrheit ist momentan nicht durch das Coronavirus ausgelöst sondern durch einen Topf von Viren, die man vereinfacht „Erkältungsviren“ nennt. Zu diesen zählen allerdings auch die „älteren Coronaviren“, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und die bei Kindern für etwa ein Viertel aller „Erkältungen“ verantwortlich sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus hat praktisch jeden bewohnten Flecken der Erde erreicht, aber mit jeweils unterschiedlichen Folgen. Kuba, bekannt durch ein personell gut aufgestelltes Gesundheitssystem mit allerdings sehr begrenzten technischen Möglichkeiten hat sogar eigene Impfstoffe entwickelt: Abdala und Soberana. Diese stehen

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende und den Kindern einen munteren Start in den Schulalltag, herzlichst, Ihr

Was geht rum? 14. August 2021

Meist leichte COVID-19-Verläufe bei Kinder – aber nicht jeder Infekt ist Corona

Schwangere: CDC empfiehlt Coronaimpfung für alle Schwangeren

Masern, Meningokokken und Keuchhusten weiterhin selten

Pollenflug geht langsam zu Ende

 

Die Rolle der Kinder in der Pandemie erhellt eine neue Studie aus Großbritannien. Darin untersuchten die Forscher um Erika Molteni 258.790 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, die Symptome einer Coronainfektion zeigten. Der Verlauf wurde mittels einer App verfolgt. Insgesamt wurden 75.529 Corona-Tests durchgeführt, von denen 1.734 positiv ausfielen. Häufigste Krankheitszeichen waren Kopfschmerz (62,2 %) und Müdigkeit (55 %). Die Erkrankungen dauerten im Durchschnitt bei positiv getesteten 6 Tage, bei negativ Getesteten nur 3 Tage. Manchen Kinder zeigten längere Verläufe. Nach 56 Tagen lagen bei den allermeisten keine Beschwerden mehr vor. Interessanterweise kamen lange + schwere Krankheiten besonders bei negativ getesteten Kindern vor. Wie bewerten wir die Studie? COVID-19 verläuft bei Kindern leichter. Und, nicht alles was wie eine Coronaerkrankung aussieht ist auch eine. Testungen bleiben wichtig. Besonders im kommenden Winter.

Schwangerschaft. Foto: pixabay, contato1034

Viele Eltern überlegen, weitere Kinder zu bekommen. Wenn da nicht Corona-Infektionen drohen würden. Und diese führen gerade in der Schwangerschaft nach neuen Erkenntnissen vermehrt  zu schweren Komplikationen. Sollten sich Schwangere impfen lassen? Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (in Englisch) hat sich klar positioniert: Sie empfiehlt COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft: „COVID-19 vaccination is recommended for all people aged 12 years and older, including people who are pregnant, breastfeeding, trying to get pregnant now, or might become pregnant in the future.“ Die deutsche STIKO lässt Impfungen in der Schwangerschaft zu, gibt aber keine Empfehlung zur Impfung.

Der Pollenflug geht rasch zu Ende. Noch sind Pollen von Spitzwegerich, Beifuß und auch Gräsern in den Lüften. Aber die Menge der Pollen nimmt spürbar ab. Probleme für die Atemwege bestehen nur noch für schwer von Allergien Betroffene. Für alle anderen ist die Pollensaison zu Ende.

Inzidenz von Meningokokkenerkrankungen in den USA. Die größte Häufigkeit betrifft Kinder vor dem ersten Geburtstag. Foto: CDC

Viele schwerwiegenden Erkrankungen für Kinder sind in diesem Jahr noch immer selten. Ganz vorne der Keuchhusten (Pertussis) mit bislang 123 Fällen in diesem Jahr, der im letzten Jahr 6 Mal häufiger auftrat. Gleiches gilt für die Erkrankungen mit Meningokokken (Sepsis („Blutvergiftung“) bzw. Hirnhautentzündung), von denen in diesem Jahr neun registriert wurden (2020 zur gleichen Zeit: 28). Dass Masern und Mumps ebenfalls selten auftreten ist den Lesern des praxisblättle gut bekannt.

Die Erkältungsviren machen aber durchaus schon die Runde, auch wenn die Sommer-Wetterlage eine massive Ausbreitung begrenzt. Ob der Schnupfen oder Husten aber nicht doch vom Coronavirus ausgelöst wurden, kann nur durch Tests geklärt werden. Für den kommenden Winter bleiben Coronatests ein zentrales Werkzeug für Kinder- und Jugendärzte.

Was geht in der Welt rum? Mit den höheren Temperaturen kommt auch das West-Nil-Fieber im Mittelmeerraum vor. Aus Griechenland  (Bezirk Imathia und Pella in Zentralmakedonien) und Italien werden Fälle gemeldet. Die Erkrankung betrifft meist Vögel, Menschen erkranken aber nach Übertragung durch eine infizierte Stechmücke auch vereinzelt. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Endlich ist der Sommer da, den wir uns wünschten. Genießen wir es, durch laue Wälder zu wandern, in der Hängematte zu liegen oder zu picknicken. Ganz herzlich, Ihr

Impfungen weltweit: Wo stehen wir heute?

Impfungen gegen das Coronavirus ist das Thema der letzten Wochen. Aus einem Mangel an Impfstoffen wurde in den Industrieländern ein Überfluss. Auf der anderen Seite sind in den Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas nur wenige Menschen geimpft. Das hat zum Teil mit einem Mangel an Impfstoff zu tun. Ein größeres Problem ist aber, dass die Menschen in diesen Ländern häufig nicht ausreichend über Nutzen und Risiken der Impfungen aufgeklärt werden.

Ein Beispiel ist Madagaskar. Dort wurden 250.000 Dosen von Covishield – so nennt sich der Impfstoff von AstraZeneca, der in Indien produziert wurde –  im Mai 2021 für die Bevölkerung von etwa 28 Millionen Madegassen bereitgestellt. Ende Juni mussten zehntausende Dosen verworfen werden, weil nach dem Tod eines 42-jährigen Mannes nicht geklärt wurde, ob ein Zusammenhang mit seiner Impfung wenige Tage zuvor bestand. Laut Statista sind inzwischen 0.7% (Stand Ende Juli 2021) der Bevölkerung geimpft auf der Insel im Indischen Ozean.

Durchimpfung weltweit von 1980 bis 2019. Foto: The Lancet

Dass Impfungen auch ein Erfolgsmodell sein können zeigt eine Studie auf, die kürzlich im Lancet erschienen ist. Darin werden die Daten zu den Routineimpfungen bei Kindern zwischen 1980 und 2019 aufgeschlüsselt. Ein riesiges Werk. Und dieses Studie fördert erstaunlich gute Daten zu Tage: So weisen die Kinder weltweit eine komplette Impfung für Diphterie-Tetanus-Keuchhusten (DTP3 = 3 Mal in Folge DTP) in 81,6% vor. Diese Zahl hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt (1980: 39,9%). Ähnlich sieht es für die erste Dosis einer Impfung mit Masern-Mumps-Röteln (MMR1) aus, mit der seit 2 Jahren 83,6% aller Kinder weltweit geschützt sind.

Die Zahl der völlig ungeimpften Kinder ging in den letzten 40 Jahren um erfreuliche 75% zurück und liegt nun bei 14,5 Millionen Kindern. Leider zeigt sich aber auch, dass in den letzten 10 Jahren die Erfolge stagnieren.

Langfristige Impfziele sind offensichtlich umsetzbar, bei den kurzfristigen (Corona-Impfungen) scheint das viel schwieriger zu sein. Das liegt auch daran, dass die Pandemie vielfach für politische Ziele genutzt wird. So stehen die allgemeinen Maßnahmen (Ausgangssperre u.a.) häufig in keiner Relation zu den Bemühungen, die Bevölkerung aktiv vor der Krankheit und deren negativen wirtschaftlichen Auswirkungen (z.B. Jobverlust) zu bewahren.

Was geht rum? 07. August 2021

Verhinderung von Kurzsichtigkeit: Aufenthalt im Freien günstig

Allergie Reaktion auf Nahrungsmittel: Vorsicht in Restaurants

Coronaimpfungen für Ab-12-Jährige?  

Pollenpause

In dieser Woche erkrankte weltweit der 200 Millionste Mensch an Corona. Somit sind an dieser Krankheit mehr Menschen erkrankt als zusammengenommen in Spanien, Frankreich und Deutschland leben.

Bei Kindern im Grundschulalter tritt immer häufiger Kurzsichtigkeit auf. Ursache hierfür ist, dass sie erstmals in diesem Alter über längere Zeit auf kurze Abstände – meist auf ihr Schulheft – fokussieren müssen. Dadurch wird das Längenwachstum des Auges stimuliert. Wenn schließlich die Linse die verlängerte Brennweite nicht mehr ausgleichen kann, benötigen Kinder wegen Kurzsichtigkeit (Myopie) eine Brille. Dieses Phänomen tritt besonders stark unter chinesischen Kindern auf.  Diese Phänomen scheint sich durch die Pandemie enorm verstärkt zu haben. Eine Studie aus dem dichtbesiedelten Hongkong beschreibt die aktuellen Daten: Die Zeit im Freien ging von 1,27 auf 0,41 Stunden am Tag zurück, die Zeit vor dem Bildschirm  nahm 2,45 auf 6,89 Stunden am Tag massiv zu. Die Häufigkeiten für die Kurzsichtigkeit sind massiv: Vor der Pandemie nahm die Zahl der kurzsichtigen Kinder pro Jahr um 13% zu, nunmehr sind es für die 6-, 7- und 8-jährigen Kinder 28 %, 27 % und 26 %. Man vermutet, dass sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Glücklicherweise sind die Lebensbedingungen für Kinder in Deutschland andere. Die Zeit, die sie im Freien verbringen ist deutlich höher. Somit besteht ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit.

In die USA können Europäer im Moment nicht reisen. Das schränkt die Bedeutung einer Studie ein, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical ImmunologyIn Practice erschienen ist. Darin geht es um allergische Reaktionen beim Essen in Restaurants in den USA. Es zeigte sich, dass 13% aller allergischen Notfälle mit Nahrungsmittel bei Kindern unter 18 Jahren in Restaurants auftreten. Somit bleibt mit 51% das Zuhause der gefährlichste Ort. Besonders häufig traten Nahrungsmittelallergie bei Erdnüssen und Nüssen (Haselnuss u.a.) auf. Bei diesen mussten in 28% mindestens einmal Adrenalin wegen schwerer Reaktionen injiziert werden. Tragisch dabei ist, dass 53,9% der Betroffenen vorher das Personal des Restaurants über die Allergie aufgeklärt hatte. Es gibt sicher viele Unterschiede zwischen Restaurants in Europa und den USA. Dennoch lohnt es sich gerade in Urlaubszeiten für Allergiker in Restaurants Vorsicht walten zu lassen.

Tipps gegen Coronainfektionen. Foto: RKI

Thema der Woche: Die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren. Die Politik ist mehrheitlich dafür, die STIKO sieht noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die eine Empfehlung für die Impfung der 12-17-Jährigen rechtfertigen würde. Inzwischen hat sich die Sächsische Impfkommission (SIKO) für die Impfung der Über-12-Jährigen ausgesprochen und dafür plausible Daten vorgelegt. Ergänzend hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem Merkblatt zu diesem Thema eingebracht. Bei allem Durcheinander nicht vergessen: Es geht um Kinder und Jugendliche, die eineinhalb Jahre Corona-Pandemie hinter sich haben. Und auch sie haben eine Meinung, die bei der Frage – ob eine Impfung angemessen sei – an erster Stelle stehen sollte.

Die Pollen fliegen immer weniger. Momentan werden in den meisten Regionen des Landes bei den Gräserpollen kaum Mengen erreicht, die Beschwerden verursachen. Lediglich die Menge der Beifuß-Pollen liegt etwas höher. Aber gegen dies Pollen sind nur wenige Menschen allergisch.

Die Infekte bei Kindern gehen unverändert weiter. Meist nichts gravierendes, aber gerade bei den Kleinkindern – und deren Eltern – häufig Schnupfen, leichter Husten und selten Fieber.

Was geht in der Welt rum? Im Süden Brasiliens, genauer im Bundesstaat Bahia sind 58 Neu-Infektionen an Malaria aufgetreten. Diese Region gilt als malariafrei. Man geht deswegen davon aus, dass der Erreger aus dem Amazonasgebiet eingeschleppt wurde.

Wettervorhersage der nächsten Tage für Karlsruhe. Foto: meteo, SRF

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer im Ländle bald beginnt. Ab Mitte der kommenden Woche soll es soweit sein. Herzlichst grüßt Sie Ihr

COVID-19 bei Kindern: Ergebnisse einer Studie aus Baden-Würtemberg

Informationen über Coronainfektionen bei Kindern gibt es Deutschland nur wenige. Eine sehr wichtige Studie aus Baden-Württemberg schließt nun diese Lücke.

In diese prospektiven (vorausschauenden) Studie wurden Personen aus 328 Haushalten in Baden-Württemberg von Mai bis August 2020 während der ersten Coronawelle aufgenommen. Ab Beginn der Studie wurden 548 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren sowie 717 Erwachsene aus diesen Haushalten in Bezug auf auftretende Coronainfektionen verfolgt. Die Studie wurde von den Universitäten Ulm, Tübingen und Freiburg  unter Leitung von Dr. Roland Elling von der Universitätskinderklinik in Freiburg durchgeführt.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

1. Innerhalb der Familien steckten sich Kinder seltener (34 Prozent) mit Coronavirus an als die Erwachsenen (58 Prozent). Darüber hinaus war der Verlauf der Coronainfektion deutlich milder als bei den Erwachsenen, was seit langem bekannt ist. Besonders auffallend aber: Bei Kindern verlief die Erkrankung fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen als bei den Erwachsenen (45% gegenüber 9 %).

2. Trotz schwächerer oder fehlender Krankheitszeichen war die Immunantwort von Kindern im Durchschnitt stärker und hielt länger an als bei Er­wachsenen. In Bezug auf Antikörper im Serum zeigten nach 11 bis 12 Monaten noch 96% der Kinder noch relevante Werte, während Erwachsene zu gleichen Zeit spezifische Antikörper nur in 83% aufwiesen.

Trotz spürbar weniger Symptomen – übrigens vorwiegend Geschmacksverlust – zeigten Kinder eine robuste Immunantwort.

Sonnenschutzmittel

Kurz vor dem Sommerurlaub hat sich die Stiftung Warentest wie jedes Jahr der Bewertung von Sonnenschutzmitteln gewidmet. In diesem Jahr wurden die Cremes und Lotiones spezielle für Kinder – übrigens alle mit einem Lichtschutzfaktor von 50+ – nicht erneut getestet. Es liegt jedoch eine Zusammenstellung der getesteten Kindercremes des letzten Jahres vor. In der folgenden Tabelle listen wir die besten auf:

Name LF Note Preis/ ml Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 50+ 1,4 2,25 / 100 Kinder-Test von Juli 2020
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 50+ 1,4 5,75 / 200 Kinder-Test von Juli 2020
Rossmann Sunozon Kids Sonnenspray 50+ 1,5 6,00 / 250 Kinder-Test von Juli 2020
dm Sundance Sensitiv Sonnenbalsam 30 1,4 3,45 /200 NEU
Sun D’Or Sonnenmilch 50 1,4 4,30 / 200 NEU
Müller Lavozon Sonnenmilch 30 1,5 2,45 / 200 NEU
Rossmann Sunozon Sonnenspray 30 1,5 3,50 / 200 NEU

Wichtig wie immer: Die Cremes und Sprays sollten regelmäßig und großzügig angewendet  werden. Im Wasser werden sie teilweise abgewaschen, so dass nach jedem Baden / Abtrocknen der Sonnenschutz neu aufgetragen werden sollte.

Auch im Wasser ist der Sonnenschutz enorm wichtig. Die UV-Strahlung dringt zu über 80% in Tiefen von einem Meter Wassertiefe ein. Gerade Kinder und Jugendliche sollten also mit ausreichend Sonnenschutz ins Wasser steigen.

Wie immer lohnt es sich, den gesamten Test der Stiftung mit den vielen praktischen Details im Einzelnen zu lesen.

Autokindersitze: Schalen für Babys

Pünktlich zur Sommersaison, wenn Familien mehr Zeit haben etwas zu unternehmen, kommt ein aktueller Test der Stiftung Warentest zu Autokindersitzen. In der folgenden Tabelle führen wir alle 15 Modelle mit einer zumindest guten Note auf. Eine erfreulich große Auswahl.

Modell Preis Note Anmerkung
Silver Cross Dream+Dream i-Size Base 450 € 1,5 bereits in 7/2020 getestet
Maxi-Cosi Coral+FamilyFix3 Base 520 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Nuna Pipa Next + Pipa Next Base 370 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 490 € 1,7
Maxi-Cosi Tinca + Maxi-Cosi Tinca Base 330 € 1,7
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge + i-Size Basis 420 € 1,7
Silver Cross Simplicity Plus + Simplifix Isofix Base 440 € 1,7
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 520 € 1,7
Maxi-Cosi Marble 350 € 1,8
Maxi-Cosi Tinca 159 € 1,8
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe 259 € 2,0
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe 289 € 2,0
Chicco Kiros i-Size 420 € 2,3
Silver Cross Simplicity Plus 239 € 2,3
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge 279 € 2,4

Diese Zusammenstellung kann nur eine ersten Eindruck über die verschiedenen Angebote sein. Wie bei allen Test der Stiftung aus Berlin: Im Text des Hefts (Juni 2021) stehen noch viele Details, die für einen Kauf von großer Bedeutung sind.